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<norbert schneider>
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...   Erstellt am 14.01.2007 - 10:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Eine kleine Erfolgsgeschichte... vom 10.01.2007

...die ihren Anfang am 03.12.2006 auf dem Marktplatz von Rudolstadt nahm. Bei Plätzchen und guter Laune schwatzte man mit den Einzelhändlern am Weihnachtsfeuer über dies und das. Irgendwann schien der von Dirk Geigerhilk entzündete Funke auf alle Beteiligten überzuspringen. Also beschlossen wir in glühender Weinstimmung spontan einen gemeinsamen Treff, die Diskussion auf Vereinsebene fortzuführen.
Da der „Stadtring" und „Bürger für Rudolstadt" eng beieinander liegen, beschloss man, sie gleich mit einzuladen. Nun kennt man aus Erfahrung, dass bei Feierlaune viel erzählt wird. Und selbst wenn, zermahlen Vereinsmühlen nicht selten alle gut gemeinten spontanen Vorsätze.



Was, warum, wofür...

Umso erstaunlicher, das tatsächlich einen Monat später die „Lotte" in der Stiftsgasse 26 aus allen Nähten platzte. Ein Hauch von „Neuem Geist" lag in der Luft - mit stolzgeschwellter Brust stellten die Vereinsmitglieder „zusammen" fest - schon das ein voller Erfolg. Selbst die Bürgermeister (amtierender und verflossener) gaben sich ein Stelldichein. Und eh die Diskussion richtig ins Rollen kam, hatten die beiden Berufspolitiker auch schon das Zepter übernommen. Gut vorbereitet trug Dr. Franz seinen Fragenkatalog zur Presseankündigung vor. Da stand was von Wertekampagne, ja sogar Aufklärungskampagne, und das über den Stadtrat. Was, warum, wofür - fragte Dr. Franz kurz zusammengefasst - Stadträte und Bürger seien doch bestens über alles informiert! Die Beweisführung wurde mit Hinweis auf den letzten OTZ- Artikel zur Bevölkerungsentwicklung 2006 gleich mitgeliefert. Unterstützung fand er sofort durch den amtierenden Bürgermeister Reichl, der gleich mit konkreten Zahlen einstieg. Traute Politikereinigkeit: Aufklärung, nein danke. Vielleicht sollten Politiker lernen mehr zuzuhören.



Fehlanzeige...

Umgedreht müssen die Bürger lernen, mehr zu reden. Und wenn sie das mal tun, kommt schnell die Angst vor der Zukunft zum Vorschein. So auch an diesem Abend. Man lebe in der Gegenwart, und in dieser gilt es zu handeln. Nachhaltigkeit? Fehlanzeige. Denn um nachhaltig und vorausschauend zu handeln müsste man in die Zukunft schauen. Was man dort sieht bzw. glaubt zu sehen, wenn man es denn genauer betrachten würde, sieht gar nicht gut aus. Das würde auch den letzten Hoffnungsschimmer vernichten. Bloß keine Panikmache, mahnt Bürgermeister Reichl und hat die volle Zustimmung seines Vorgängers. Also schön im Hier und Jetzt bleiben, und immer schön optimistisch? Doch das hätte die gesamte Runde ad absurdum geführt, die sich ja hier in der Lotte zur Besserung der Zustände traf. Sie war lebender Beweis der Dringlichkeit. Oder doch nicht? Politiker beherrschen die Kunst des Zerredens, Relativierens, Beschönigens, Abschwächens. Leider, muss man sagen, denn die Runde hätte besseres zu tun gehabt.



Die Stadträte seien bestens informiert...

Aber zurück zum Hier und Jetzt. Dieses ist ein Resultat der vergangenen Entscheidungen, als man noch an Blühende Landschaften glaubte und Spaßbäder, Einkaufszentren, Gewerbeparks für Tausende von Besuchern baute, getreu der Devise, immer schön im Hier und Jetzt zu bleiben. Nur waren diese Tausende von Besuchern, Kunden, Einwohner schon damals nicht da, oder doch Hr. Dr. Franz? Die Stadträte seien bestens informiert, wozu also einen Antrag im Stadtrat? Wir von „zusammen" haben dieses im November 06 bei der PDS mal getestet. Sämtliche Fraktionsmitglieder entschuldigten sich geradezu für die Unkenntnis über die Prognosen bis 2020 und weit reichend bis 2050. Nun ja, werden die meisten denken, bis dahin bin ich aus allem raus, sitze in meinem Häuschen im Grünen oder in Griechenland. Das ist ein weiteres wachsendes Problem, denn je mehr sich heute schon aus der Verantwortung ziehen, quasi in die Rente retten, je geringer werden die Chancen für irgendeine Zukunft.



15 000 Einwohner bedeutet...

Alle haben Angst vor dem Bevölkerungsrückgang, vor allem auch der Stadtring - Stichwort schwindende Kaufkraft - was in der Runde zwischen den Bürgermeistern auch zu tage trat. Dabei wird das eigentliche Problem völlig übersehen: Die Vergreisung. Bei dieser Thematik ist die schwindende Kaufkraft im Gegensatz zu Schließungen von Schulen, Ämtern, Theater, Museen plötzlich nur noch ein Schönheitsfehler. Und da sind wir noch gar nicht bei den eigentlich existenziellen Fragen: Wer wird die vielen Alten sozial und medizinisch pflegen, betreuen, versorgen? Fragen sie ihre Töchter und Söhne, wie und wo sie sich ihre Zukunft vorstellen. Versetzen sie sich in ihre Lage. Vor allem aber, wer werden die zukünftigen Alten sein? Die heute 40jährigen, sprich die geburtenreichen Jahrgänge! Jedem muss klar sein - 15 000 Einwohner bedeutet für Rudolstadt kaum noch Kindergärten und Schulen, dafür einen enormer Bedarf an medizinischen und altersgerechten Einrichtungen. Das bedeutet eine totale Umstrukturierung, womit wir wieder im Hier und Jetzt wären. Nur keine Panik, es geht gerade wieder bergauf, berichteten die Politiker. 80 Arbeitsplätze fürs neue Ankerwerk. Es gelte die guten Seiten herauszustellen, um nicht zu demoralisieren. Die zahlreichen Gäste machten einen anderen Eindruck. Es müsse was getan werden, aber was?



Norbert Schneider aus Saalfeld...

Und da schlug Norbert Schneiders Stunde, der sich mindestens 30 min vergeblich gemeldet hatte. Der Saalfelder Stadtrat ist Fachmann und leidenschaftlicher Sammler erfolgreicher Initiativen, Bewegungen, Projekte, geglückter Strukturwandlungen usw. usw. - ein wandelndes Lexikon. Seine Auflistung glich einer Aneinanderreihung verpasster Chancen. Ob die aufkommende Unruhe und zunehmende Unaufmerksamkeit in der Lotte der Vorführung eigener Untätigkeit und Ideenlosigkeit geschuldet war, oder der damit verbundenen Notwendigkeit eines radikalen Umdenkens, war nicht genau herauszufinden. Wahrscheinlich ein Gemisch aus beidem. Norbert Schneider aus Saalfeld sprach das unliebsame Problem an, dass es an Lösungswegen, Projekten, Maßnahmen aber auch Visionen weiß Gott nicht mangele. Das Problem liegt in der fehlenden Einsicht und Bereitschaft, diese auch durchzuführen. Schlimmer noch, sie werden gar nicht erst wahrgenommen. Teilweise sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.



Schillerlottenmeile...

Auch beim Vorschlag, die Literatenmeile als deutschlandweit einmalige Aktion ins neue Marketingkonzept (Stichwort Schillerstadt) aufzunehmen, quasi zur Stadtangelegenheit da selbst zu machen - großes Schweigen. Auch Form und Inhalt der Schillerlottenmeile gemeinsam zu gestalten - größtenteils Schweigen, vor allem von Politikerseite. Fr. Dr. Karin Prifert schlug immerhin vor, wieder künstlerischer zu werden und vor allem die Jungen auszustellen. Wir sollten unbedingt an die Schulen herantreten und diese mit einbeziehen. Dass dieses bereits massiv geschehen sei verwunderte viele. Dass keiner der Lehrer, Erzieher, Schulämter oder Direktoren zum gemeinsamen Treff erschienen, verwunderte allerdings noch mehr. Umso lobenswerter und hoffnungsvoller das überaus zahlreiche Erscheinen des Stadtrings und der Bürger für Rudolstadt. Und schon war der Bogen gespannt zur aktuellen Wertekampagne „Mut zur Zukunft", bei der zunächst auch allgemeines Schweigen herrschte. Immerhin wurden kurz über die Gründe des Fehlens der Lehrer diskutiert. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass bei einer Einladung an alle Stadträte auch alle Stadträte ausblieben, mal abgesehen von 2 rühmlichen Ausnahmen, wovon einer Mitglied unseres Vereins ist. Die Lehrer zumindest, so schlug man vor, müssten mit viel konkreteren Themen versorgt werden. Allerdings lag der bisherige große Erfolg der Literatenmeile darin, dass gar kein Thema gestellt wurde. Jeder konnte schreiben was er wollte.



Zukunft?... eine Gefahr...

Hr. Dr. Franz stellte unser neues Thema „worüber kann, darf, sollte man nicht reden und warum nicht?" gleich ganz in Frage. Was solle es bringen, bewirken; worauf hinauslaufen? Zukunft? Er sehe eher eine Gefahr in dem Thema. Erinnern wir uns: die Probleme von heute haben ihren Ursprung in der Vergangenheit, und die der Zukunft im Hier und Jetzt. So wird die Haltung der meisten Politiker verständlicher, wenn es um das Thema Aufklärung geht. Aber auch beim Wähler sinkt der Bedarf an Aufklärung gewaltig, wenn es darum geht, Selbstkritik, Bescheidenheit, vor allem aber Eigenengagement und Verantwortung zu übernehmen. Umdenken, Reformieren, Anpacken... alles schön und gut, aber erst mal müssen die anderen... . Und doch brauchen wir „Mut zur Zukunft". Mut ist eine von vielen Tugenden, ohne die wir keine Zukunft haben. Umgekehrt kann Mut, Beharrlichkeit, aber auch Glaube, Liebe, Hoffnung, Berge versetzen. Rudolstadt hat noch alle Chancen - NOCH! Aber wer zu spät kommt... sie wissen schon, liebe Leserinnen und Leser. Immerhin konnte sich wenigstens auf die gemeinsame Wertekampagne „Mut zur Zukunft" geeinigt werden, die schon (zugegeben auch unter „Schmerzen") die Ev.-Luth. Kirchengemeinde unterstützt.



Lassen Sie Ihre Kinder malen...

Auch eine gemeinsame Ausstellung zum Thema „zusammen" über die einzelnen Geschäfte und Händler des Stadtrings will man in Angriff nehmen. Allerdings müsse man zuvor die Bereitschaft der Beteiligten im Einzelnen prüfen. Wir von zusammen e.V. sind grundsätzlich optimistisch. Ein Vorschlag ist eine Fotoausstellung, auf deren Bildern getreu der Lotte jeweils zwei Rudolstädter abgebildet sind, die sich für die Stadt symbolisch die Hand reichen, auch wenn sie sonst nichts miteinander zu tun haben, oder nichts miteinander zu tun haben wollen. Quasi für Rudolstadt über seinen Schatten springen. Das muss auch nicht bierernst geschehen. Ein anderer Vorschlag ist eine Kinderausstellung zum Thema: wie stellst du dir deine Zukunft vor. Sollten Sie zuhause noch eine Kinderzeichnung aus ihrer Schulzeit haben, wären wir über eine Kopie hocherfreut. So will ich meine unvollständigen Gedanken und Beschreibungen zu diesem überaus erfreulichen Abend mit dem Aufruf an Sie, liebe Leserinnen und Leser, beenden. Lassen Sie Ihre Kinder malen, wie sie sich ihre Zukunft wünschen oder vorstellen. Und wenn sie wollen, schreiben sie uns, worüber man nicht reden kann, darf oder sollte... oder sie ergänzen einfach diesen Artikel. Daher wie immer...

mit literarischen Grüßen

Torsten Stoll





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