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MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 26.01.2006 - 17:35 |  |
...wenn ich Lektüre aus unserer Zeit lese , stutze ich das eine oder andere mal über Begriffe oder Redewendungen , die wir heute in einem ganz anderen Zusammenhang kennen oder die inzwischen einen andere Bedeutung haben.
Deswegen erscheint uns die Literatur( bis auf die Klassiker, natürlich) aus der Zeit teilweise unlesbar, veraltert und/oder ermüdent.
Z.b
Neglige und Freudenhaus waren im 18./19. Jahrhundert durchaus sittsame und keineswegs anstößige Begriffe.
Streifte eine weibliche Romanfigur ein "Neglige" über, so erregte dies bei den Lesern keine erotischen Assoziationen-war doch das Negligee die Hausbekleidung der Frau.
Und auch das Freudenhaus war damals nichts anderes als ein von fröhlichen Menschen bewohntes Haus.
Bezeichntete man zu Goethes zeiten ein Verhalten als "politisch", meinte man damit intelligent.
Unter" blöden " Zeitgenossen verstand man einen schüchternen Mitmenschen und "Witz" attestierte man demjenigen der sich durch besondere Intelligenz auszeichnete...
Oder, Mesdames der Begriff "Toilette" für unsere Kostüme, damals gang und gäbe , heute als Bezeichnung für ein Kostüm undenkbar..
Wer weiß noch mehr solcher Begriffe und Redewendungen? Vielleicht hilft mir das weiter bei meiner "Modelektüre um 1800", dort fehlen leider solche Hinweise und schmälern doch ein wenig das Lesevergnügen
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |
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Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 27.01.2006 - 07:31 |  |
Zum Beispiel ist das Wort "gefälligst" im Französischen verwurzelt "..vous plaît..". Insgesamt erscheint mir allerdings gerade die Sprache in den Modejournalen um 1800 als ausgesprochen modern, wenn ich so an Wieland denke oder das "Schneiderhandwerk" von 1788. "Sein" schreiben die ganz aufgeweckten sogar ohne y! Im Ernst die Artikel aus dem vielzitierten "Journal des Luxus und der Moden" sind entsprechend dem Leserpublikum, dem gebildeten Bürgertum in einem sehr unserer Sprache ähnlichen Facon.
Signatur ... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet. |
Catherine  Zweig


Status: Offline Registriert seit: 03.01.2006 Beiträge: 194 Nachricht senden | Erstellt am 27.01.2006 - 11:15 |  |
"herablassen"
ist z.B. auch so ein Wort. Heute wird es eher negativ betrachtet und gebraucht.
In einem Bericht über den Tod der Königin Luise, wurde sie u.a. ihrer Tugenden gelobt. Eine Tugend war, das sie herablassend war, also frei von Standesdünkel sich auch mit niederen Personen beschäftigte bzw. sich um sie kümmerte.
Signatur "Ich were erstickt, wenn ich dieses nicht gesagt hätte" Liselotte von der Pfalz |
MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 27.01.2006 - 11:56 |  |
..und wenn wir das heute Lesen sind wir doch etwas über den Wiederspruch verwirrt.
Sprache und ihre Sprachwandlung ist ja ein weites Feld. Ich habe mal gelesen, das sich die Bedeutung von c.a. 10 000 Wörtern in den letzten 200 Jahren gewandelt hat.
"Gefälligst" ist auch so ein Paradebeispiel ,stimmt!
Oder "allein", früher bedeutete das nicht einsam , sondern hatte eher die Bedeutung des heutigen "nur"...
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |