Ermione AurorIn
         

Status: Offline Registriert seit: 03.09.2005 Beiträge: 668 Nachricht senden | Erstellt am 20.10.2007 - 11:09 |  |
Hi!
Durch eine Aussage, die Rowling angeblich in dem Interview in der Carnegie Hall gemacht hat, dazu unter http://www.razyboard.com/system/morethread-spoilerkaneuesinterviewvonrowlingaufleakycaudron-hermione7-1676340-4874234-0.html, und Reaktionen darauf, entstand der folgende Artikel (der leichte Spoiler zu Buch 7 enthält) und in modifizierter Form auch bei Hogshead unter http://www.hogs-head.de/thread.php?postid=16669#post16669 gepostet wurde.
Zunächst einmal, ich bin gespannt, was Rowling tatsächlich noch gesagt hat. Leaky Cauldron hat darüber nur berichtet, es handelt sich also um einen Bericht aus zweiter und dritter Hand, bei dem auf die einzelnen Punkte nicht näher eingegangen wurde.
???
S
P
O
I
L
E
R
Wie ist ihre Aussage, dass Dumbledore homosexuell und in Gellert Grindelwald verliebt war, einzuordnen?
Meine Überlegungen dazu:
Dafür, dass sie eine solche Idee in Bezug auf Dumbledores Hintergrund tatsächlich schon zu Beginn der Harry Potter-Bücher hatte, würde Folgendes sprechen. Die Aussage steht nicht in Widerspruch zu dem, was in den Büchern über Dumbledore berichtet wird und würde einiges, was über ihn in den Büchern bekannt wird, erklären.
- Warum erfahren wir nie etwas darüber, dass Dumbledore geheiratet und eine Familie gegründet hat oder etwas über eine Liebesgeschichte?
- Warum hat Dumbledore zu jenen Figuren, mit denen er befreundet war, ein doch relativ distanziertes Verhältnis und wir erfahren nie, dass er mit ihnen zu engen Kontakt hat? (In Buch 4 merkt er zum Beispiel nicht, dass sich jemand anderer als Mad Eye Moody ausgibt. Rowling gut gesinnte Leser/innen werden das wohl damit begründen, dass Dumbledore wegen des Trimagischen Turniers einfach keine Zeit hatte, um mit Moody mal privat etwas mehr Zeit zu verbringen, Crouch ist eben sehr überzeugender in der Rolle und er wird es wohl darauf angelegt haben, mit Dumbledore nicht allzu viel Zeit privat zu verbringen etc.)
Dieses Fehlen von wirklicher Freundschaft (ironischerweise ist die Figur, die ihm letztlich, was sein Vertrauen betrifft, am nähesten kommt, letztlich ausgerechnet Snape) ist umso auffallend, als Dumbledore Freundschaft positiv sieht und Harry immer wieder dazu ermutigt, Roin und Hermione selbst bei Dingen, die geheim bleiben müssen, ins Vertrauen zu ziehen.
- Diese Information steht auch nicht im Widerspruch zu dem, was wir über die Arianna Dumbledore-Tragödie wissen. Allerdings lässt sie dieses Familiendrama in einem anderen, durchaus tragischen Licht erscheinen und liefert eine zusätzliche Erkllärung für Dumbledores nie bewältigte Schuldgefühle.
[B]Nach der Mitteilung von Leaky Cauldron erfahren wir allerdings nur, dass Dumbledore homosexuell war und eine Liebesbeziehung mit Grindelwald, jemanden, der etwa in seinem Alter war und ihm geistig ebenbürtig hatte. [/B]
[B]Allerdings steht im Interview nichts, dass Dumbledore etwa pädophil ist, sich also für seine Schüler interessiert hätte.[/B]
Es wird ihm im Buch von Rita Skeeter in Bezug auf Harry unterstellt, siehe Kapitel 2 "In memoriam" in HP7 ... Dass es sich dabei um eine Verleumdung bzw. Behauptung von Rita handelt, die nicht stimmt, ergibt sich allerdings aus dem Kontext der Bücher eindeutig, da diese weitgehend aus Harrys Sicht geschrieben sind. Außerdem wissen wir seit Buch 4, wie Ritas Aussagen (gewöhnlich Unwahrheiten oder Halbwahrheiten, die von ihr als Tatsachen verkauft werden) einzuschätzen sind. Ritas Bestseller ist zudem eine Skandalbiographie, für die das Verbreiten reißerischer, unwahrer oder entstellter Dinge ein entscheidendes Merkmal ist.
Allerdings handelt es sich hier um eine Schreibtechnik, die vor allem im 19. Jahrhundert von Autoren (besonders von weiblichen) verwendet wurde, um gewisse Informationen zwischen den Zeilen rüberzubringen (und dabei Zensur von staatlicher oder moralischer Seite zu umgehen): um die Dinge überhaupt zur Sprache zu bringen, werden sie zum Beispiel einer negativen Figur oder eiiner Figur, deren Aussagen niemand ernst nehmen sollte, in den Mund gelegt. Oder es ist wird etwas behauptet in der Handlung, was sich als unrichtig herausstellt, aber einen Hinweis auf etwas anderes gibt, was nicht direkt ausgesprochen werden darf.
Für HP7 würde das bedeuten: Ritas Skeeters Behauptung einer pädaphilen Beziehung Dumbledores zu Harry ist eine üble Verleumdung und wird so auch auf der Handlungsebene rübergebracht. Sie stimmt nicht und wird von Rita eingesetzt, jemanden schlecht zu machen.
Indirekt aber wird so ein verdeckter Hinweis gegeben, dass Dumbledore homosexuell ist (allerdings nicht pädophil), was allerdings im Roman selbst an keiner Stelle direkt angesprochen wird.
[B]Warum hat Rowling das allerdings nicht in der Buchreihe selbst enthüllt?[/B]
Für eine mutige Autorin spricht das nicht, allerdings könnte ich verstehen (was gewisse religiöse Gruppen in ihre Bücher hereingelesen haben), dass ihr das letztlich zu heikel war, weil sie (wohl zu Recht?) befürchten musste, dass in diesem Fall ihr feindlich gesinnte Kritiker/innen aus dem homosexuellen Dumbledore einen pädophilen Dumbledore machen würden, was ihrer Buchserie im Gegensatz zu dem ganzen Theater um Harry Potter-Bücher - Satanswerk etc. wirklich ernsthaft hätte schaden können.
Herzliche Grüße
Ermione
Signatur "Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht."
(Kurt Tucholsky)
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Cassandra  Zaubereiministerin
              

Status: Offline Registriert seit: 01.09.2005 Beiträge: 2898 Nachricht senden | Erstellt am 02.11.2007 - 23:00 |  |
Liebe Ermione,
ich finde, Sexualität spielt in den Büchern generlel nur am Rand eine Rolle. Homosexualität polarisiert leider sehr und daher hat JKR vielleicht auch deshalb darauf verzichtet, diese Tasache in den Büchern deutlich zu machen. Zumal der Verdacht der Pädophilie sicher auch irgendwann aufgekommen wäre und das haben weder Dumbledore, noch Harry noch die Bücher verdient.
Es gibt viele törichte Menschen, die die Bücher nicht mal gelesen haben, und jetzt meinen, sich empören zu müssen, weil Dumbledore immer als moralisch einwandfrei geschildert worden wäre. Mal abgesehen davon, dass ich Homosexualität nicht unmoralisch finde, ärgert es mich, wenn jetzt alle selbstherrlichen Moralapostel auf den Plan treten und den haarsträubenden Unsinn von Gabriele Kuby aufwärmen und JKR die Verherrlichung des Okkultimsus vorwerfen. Abgesehen daovn, dass ich nicht einmal verstehe, inwiefern Okkultismus und Homosexualität zusammen hängen. Ist jeder Schwule ein Teufelsanbeter? 
Ich nehme an, dass JKR einen Helden mit Schwächen darstellen wollte. Wie du gesagt hast, hatte sie offenba rnicht den Mut, alle Facetten seines Charakters auch in den Büchern auszuleuchten, aber ich finde das auch nicht weiter schlimm. Schlimm hätte ich es höchstens gefunden, wenn Eltern mit sehr konservativem Weltbild dann ihren Kindern verboten hätten, die Bücher weiter zu lesen. Somit finde ich es richtig, dass die Autorin dieses Detail erst nach Veröffentlichung des Buches bekannt gegeben hat.
Liebe Grüße
Cassandra
Signatur 'Yes,' said Harry stiffly. 'Yes, sir.' 'There's no need to call me "sir", Professor.' |