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Brack ...
Söldnerhauptmann und Bärentöter
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...   Erstellt am 22.08.2007 - 13:17Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die staufischen Ritter
Vom Lehensdienst zum Söldnertum.
Damit das Söldnergeschäft richtig in Schwung kommt, benötigt es auf der Angebotsseite eine größere Menge arbeitsloser oder zumindest schlecht verdienender Berufskrieger, auf der Nachfrageseite einige liquide Kunden, die auf der Suche nach den angebotenen Diensten sind und last not least einen Markt, d. h. bewährte Verbindungen, durch die Anbieter und Käufer zusammenfinden können. Im Mittelalter fehlte es allerdings lange am Wichtigsten: dem Geld. Niemand verfügte über die notwendigen Mittel eine Armee professioneller Krieger anzuwerben oder gar über längere Zeit zu bezahlen. Die abendländischen Heere bestanden deshalb fast ausschließlich aus Lehenskriegern, die von ihren Herren ausreichend Grundbesitz erhielten, mit dessen Einkünften sie sich selbst ausrüsten und versorgen konnten. Die schwach ausgebildete Infrastruktur erlaubte es auch nicht größere Heere zu bewegen und zu versorgen deshalb verzichtete man in ganz Westeuropa nach und nach auf die schwerfälligen Bauernaufgebote und setzte statt dessen auf kleine aber mobile Einheiten schwer gepanzerter Reiter.

Diese Ritter wurden zur alles entscheidenden Waffe auf den Schlachtfeldern. Wenn man von "Rittern" spricht, sollte man dabei allerdings beachten, dass diese Krieger am Anfang der Entwicklung nicht zum Adel gehörten. Ganz im Gegenteil, normalerweise standen sie in der sozialen Hierarchie noch unter den freien Bauern. Denn als man damit begann, diese Reiter auszurüsten, bewaffnete der Adel zuerst sein persönliches Gefolge - seine Knechte, die vorher vielleicht noch das Vieh gehütet hatten. Da die Ritter jedoch mit den gleichen Waffen, Seite an Seite mit dem Adel kämpften und das Rückgrat jedes Heeres bildeten, wurden sie bald zu einer privilegierten Klasse. Vor allem durch die Kreuzzüge wurde der Ritter zum Typus des Kriegers schlechthin, dessen Ehrenkodex, Verhaltensformen und Moden schließlich vom Adel übernommen wurden. Als dann sogar Kaiser Friedrich Barbarossa 1184 in Mainz während eines prächtigen Festes seinen Sohn zum Ritter schlug, schien der Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht. Wie alle erfolgreichen Aufsteiger trachteten die Ritter danach das Erreichte zu festigen. Ihre anfangs nur zeitweilig verliehenen Güter sollten erblich werden, genauso Wappen und Titel. Zudem versuchten sie ihren Stand gegen Konkurrenz von unten abzuschließen.

Doch selbst als die Ritter allgemein als Adlige anerkannt wurden und die Erblichkeit ihrer Lehen erreicht hatten, blieben sie ein bedrohter Stand. Manche kleine Lehensgüter ernährten kaum ihren Mann, auf anderen saßen ganze Sippen. Ein generelles Problem waren die zahlreichen überzähligen Söhne. Sie drängten sich an den Höfen der Fürsten und hofften dort irgendwann auf sich aufmerksam machen zu können, um dann vielleicht ein eigenes Lehen zu erhalten. Andere zogen vom Vater ausgerüstet und mit etwas Zehrgeld versehen als Fahrende Ritter durchs Land, in der Hoffnung einen Herrn für ihre Dienste zu finden. Dennoch wurden ständig neue Ritter "produziert". Eigentlich konnte jeder adlige Grundbesitzer, der selbst Ritter war, andere zum Ritter schlagen, und von dieser Möglichkeit wurde gerade in Krisenzeiten reichlich Gebrauch gemacht. Gegen gute Bezahlung wurden Bauern- und Bürgersöhne zu Rittern geschlagen, und vor einem Kriegszug verstärkte so mancher seine Truppen mit Neulingen, die sich dann ihre Sporen verdienen mussten. So soll Rudolf von Habsburg 1273 vor der entscheidenden Schlacht auf dem Marchfeld neben zahlreichen anderen auch hundert Züricher Bürgersöhne zu Rittern geschlagen haben.

Kaiser, Könige und Fürsten mussten bei Kriegen vor allem auch deshalb ständig neue Ritter belehnen, da die alteingesessenen Geschlechter die Tendenz hatten, sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Das war weder Feigheit noch mangelnde Loyalität. Ein Ritter konnte z. B. durch die Teilnahme an einem der Italienzüge der deutschen Kaiser völlig ruiniert werden. Der Verlust von Ausrüstung oder von Pferden, die ja oft genug schon auf dem Marsch verendeten, konnte dem Jahresertrag eines Lehens entsprechen. Falls der Ritter erschlagen wurde oder, was viel häufiger vorkam, einer Krankheit zum Opfer fiel, war es mehr als ungewiss, dass das Lehen im Besitz der Familie blieb. Gerade diese kleinen Lehen waren ständig bedroht, von größeren Nachbarn geschluckt zu werden. Weilte sein Herr längere Zeit in Italien oder gar im Heiligen Land, so konnte es leicht passieren, dass ein benachbarter Graf einen Teil der Gerichtsbarkeit an sich riss, oder ein nahe gelegenes Kloster die Fischerei- oder Jagdrechte vereinnahmte. In der Feudalgesellschaft musste der Besitz in ständigem Streit verteidigt werden. Oft handelte es sich dabei nur um Rechtsstreitigkeiten, um notwendige Bündnisse mit Nachbarn, bis hin zu Fehden. Ein kleiner Feudalherr wie ein Ritter konnte es sich eigentlich gar nicht erlauben, Monate im Ausland zuzubringen ohne seinen Besitz zu gefährden. Viele konnten natürlich ihre nicht erbberechtigten Söhne und Brüder schicken, doch hier ergab sich dann wieder das Problem der Entlohnung.

Deutsche Rittersöldner lassen sich bereits relativ früh in Polen und Ungarn nachweisen und auch mit Wilhelm dem Eroberer sind 1066 einige vom Niederrhein nach England gefahren. Normalerweise dienten sie jedoch nicht gegen Geld, sondern wurden mit Landbesitz entschädigt, und auf diese Weise zu Lehensleuten ihrer Arbeitgeber; sie waren also eine Art frühe Arbeitsimmigranten. Eine gewisse Ausnahme bildete Byzanz, wo ein relativ funktionierendes Steuersystem weiterhin die Rekrutierung und Bezahlung von Söldnern erlaubte. Denn auch in Byzanz erfreuten sich die Panzerreiter aus dem Westen zunehmender Beliebtheit. Man warb hauptsächlich Normannen in Süditalien aber auch Norditaliener, Franzosen und Deutsche, die alle zusammen als "Franken" bezeichnet wurden. So ist von einer Meuterei fränkischer Ritter vor der Schlacht von Manzikert (1071) und einer größeren Truppe deutscher Ritter unter einem gewissen Gilbrecht bei den Kämpfen auf Kreta und in Byzanz (1080) zu lesen.

Die Entwicklung des Rittertums wurde im Reich vor allem durch die Herrschaft der Staufer gefördert. So führte Barbarossa seine Kriege in Italien und die gegen seine welfischen Konkurrenten fast ausschließlich mit ritterlichen Lehensaufgeboten. Das Problem dabei war jedoch, dass die Lehensfolge meistens auf 40 Tage im Jahr begrenzt war. Gerade die Feldzüge in Italien mit ihren langwierigen Belagerungen waren damit nicht zu meistern. Doch in dieser Zeit stiegen durch die Ausbeutung der Silbervorkommen im Harz, Tirol und Böhmen, neuer Goldfunde in Böhmen und Ungarn und der aufstrebenden Städte - vor allem am Niederrhein und in Norditalien - Geldumlauf und Steuereinnahmen. Mit diesem Geld mietete man nur selten richtige Söldner wie z.B. die berüchtigten Brabanzonen, verwandte es aber darauf, die ohnehin zum Zuzug verpflichteten Ritter zu längerem Dienst zu bewegen. Und es ist sicher kein Zufall, dass Heinrich der Löwe für seine Unterstützung beim Italienzug 1176 ausgerechnet die reiche Silberstadt Goslar forderte.

Unter Barbarossas Nachfolgern intensivierten sich die Kämpfe um Italien weiter, so dass man auch hier von einem Hundertjährigen Krieg sprechen könnte. Vor allem sein Enkel Friedrich II. führte fast pausenlos Krieg gegen den Papst und die norditalienischen Städte. Dabei waren die Ritter aus dem Reich eine wesentliche Stütze. Als aber Friedrich II. 1236 die niederrheinische Ritterschaft zu einem Italienzug aufrief, fühlte sich von diesen kaum jemand angesprochen. Der Zuzug der Staufer kam hauptsächlich aus dem alten Herzogtum Schwaben, wo die Staufer über ausgedehnten Besitz verfügten und die Dienste deshalb entsprechend belohnen konnten. Immer wieder schrieb Friedrich an seine Repräsentanten im Reich und bat um neue Verstärkungen. "Von ihnen", schrieb er 1239 seinem Sohn, "hängt die Ehre des Reichs und unsere Macht ab". Natürlich kamen auch hier hauptsächlich die nachgeborenen Söhne, die für ihre Dienste ein Lehen in Italien erwarteten, oder zumindest darauf hofften mit Sold und Beute genug zu erwerben, um sich später in der Heimat eine kleine Herrschaft kaufen zu können.

Es wurde nun schon unter Historikern darum gestritten, ob es sich bei diesen bezahlten Rittern der Staufer schon um Söldner handelt. Einige führen an, dass sie schließlich für Geld und im Ausland kämpften. Von anderen wird dies vehement bestritten, da sie ja auch in Italien ihrem Kaiser dienten. Wir finden diese Diskussion vollkommen überflüssig und nur deshalb erwähnenswert, da sie wieder einmal verdeutlicht, dass es manchmal einfach nur darum geht, einer Sache das Etikett "Söldner" aufzukleben, oder es eben von ihr fernzuhalten. Unstrittig ist jedenfalls, dass die Werbung und Besoldung von Truppen unter Friedrich II. eine neue Qualität erreichte. Das Heerwesen entfernte sich vom reinen Lehensaufgebot hin zu mehr oder weniger regelmäßig bezahlten Berufskriegern. Wahrscheinlich kann man deutsche Ritter, die für Bezahlung den Staufern in Italien dienten, schlecht als Söldner bezeichnen. Dennoch wurde dort eine wichtige Basis geschaffen. Während der langen Kriege der Staufer war zuerst eine zahlenmäßig starke Schicht von Berufskriegern entstanden, die auf Dauer von den vorhandenen Lehen nicht standesgemäß leben konnte. Schließlich hatten sich vor allem die Ärmeren von ihnen daran gewöhnt ihre Dienste für regelmäßige Bezahlung anzubieten.



Als es in Griechenland zum Krieg zwischen dem im 4. Kreuzzug gegründeten Lateinischen Kaiserreich von Byzanz und dem griechisch-orthodoxen Gegenkaiser Michael VIII. kam, kämpften deutsche Ritter sogar auf beiden Seiten. Die Lateiner verfügten zwar auch über Griechen und Albaner, der Kern ihrer Truppe war aber das Aufgebot der schweren fränkischen Reiterei und 400 staufische Ritter, die ihnen König Manfred aus Sizilien zur Verstärkung geschickt hatte. Michael VIII. hatte einige tausend Ungarn, Serben und Kumanen als berittene Bogenschützen geworben, dazu Anatolier und Türken als Fußvolk. Das Rückgrat seiner Armee bildeten allerdings 300 im Reich geworbene Ritter, unter der Führung eines Ulrich von Carinthia. 1259 kam es dann in der Ebene von Pelagonia zur entscheidenden Schlacht. Obwohl die Albaner und Griechen gleich zu Beginn flüchteten, griffen die fränkischen und staufischen Ritter ungestüm an. Diesen Ansturm konnten auf byzantinischer Seite nur die deutschen Ritter auffangen. Unter schweren Verlusten hielten sie stand, während die berittenen Bogenschützen die Angreifer umschwärmten und von den Seiten zusammenschossen. In dieser Schlacht fiel nicht nur ein Großteil der Franken sondern auch die meisten deutschen Reiter auf fränkischer und byzantinischer Seite.

Es wäre nun müßig nur die Ritter griechisch-orthodoxer Seite als Söldner zu bezeichnen. Diejenigen, die für die Lateiner kämpften, waren zwar von ihrem König geschickt worden. Allerdings waren sie dazu unter lehensrechtlichen Gesichtspunkten sicher nicht verpflichtet. Das heißt Manfred musste in Sizilien Freiwillige suchen, die dann entweder von ihm oder dem lateinischen Kaiser in Byzanz bezahlt wurden. Und da wohl nur wenige Ritter für so ein unsicheres Unternehmen im fernen Griechenland ihr Lehen im Stich gelassen haben werden, bestand der Großteil der Truppe sicher aus nachgeborenen Söhnen und besitzlosen Abenteurern, die aus dem Reich an Manfreds Hof gekommen waren.

Nachdem Manfred 1266 in der Schlacht bei Benevent gegen Karl von Anjou Krone und Leben verloren hatte, ersetzten zumindest in Süditalien französische Ritter und Abenteurer die deutschen. Allerdings blieben zahlreiche deutsche Reiter im Dienst der kaisertreuen - ghibellinischen - norditalienischer Städte. Viele der dort herrschenden Geschlechter hatten Verwandtschaftsbeziehungen ins Reich - vor allem nach Schwaben und in die Schweiz - und konnten dort leicht Nachschub rekrutieren. Als dann mit Konradin der letzte Staufer nach Italien kam und 1268 bei Tagliacozzo geschlagen wurde, befanden sich in seinem Heer wahrscheinlich kaum Söldner, denn die hätte er nicht bezahlen können, dafür aber umso mehr ritterliche Habenichtse, die hofften nach der Wiedererrichtung der kaiserlichen Herrschaft über Süditalien reich belohnt zu werden.

Konradins Tod beendete den großen Zustrom zwar fürs erste. Um Sizilien und Süditalien schlug sich nun Karl Anjou mit Friedrich von Aragon und beide brachten zuerst ihre eigenen Söldner ins Land - Karl hauptsächlich Provencalen und Friedrich Katalanen. Dennoch saßen an vielen Orten weiterhin ehemalige Dienstleute der Staufer, die sich nun nach neuen Arbeitgebern umsehen mussten. Nicht ganz untypisch ist hier vielleicht das Schicksal von Roger di Flor. Sein Vater hatte noch unter dem Namen "Blum" Friedrich II. als Falkner gedient und war als Dank mit der Tochter einer reichen Familie aus Brindisi verheiratet worden. Mit dem Sturz der Staufer hatte die Familie fast alles verloren, deshalb hatte der Vater verständlicherweise bei der Ankunft Konradins noch einmal sein Pferd gesattelt, war dann aber bei Tagliacozzo gefallen. Mit nicht mehr als einem guten Namen hatte Roger im Dienst der Templer Karriere gemacht, sich dann als freischaffender Pirat betätigt und war schließlich in die Dienste Friedrichs von Aragon getreten. Männer wie Roger di Flor fand man bei allen Parteien. Dazu kamen ständig neue Reiter über die Alpen, die von den ghibellinischen Städten geworben wurden, mit der Zeit aber verstärkten auch die guelfischen und schließlich sogar der Papst und Karl von Anjou ihre Truppen mit ihnen.

Am Ende des 13. Jahrhunderts entwickelte sich das Reich zum idealen Söldnerlieferanten. Die Großmachtpolitik der Staufer hatte praktisch zu einer "Überproduktion" an professionellen Kriegern geführt, für die nun keine ausreichende Verwendung mehr bestand. Frankreich und England waren abgesehen von kurzen Unterbrechungen meistens untereinander in Kriege verstrickt, in denen nicht nur die eigenen Krieger sondern auch zahlreiche Ausländer Beschäftigung fanden. Auf der iberischen Halbinsel bildete die Reconquista ein gutes Ventil, und falls dieses nicht ausreichte, führten die christlichen Königreiche auch Krieg untereinander. Im Gegensatz dazu gab es im Reich wenig zu tun, und so erstaunt es nicht, dass im 14. Jahrhundert mehrere Zehntausend (!) deutsche Reiter in Italien gedient haben sollen. Gefördert wurde das Geschäft durch die guten alten Beziehungen, die noch aus staufischer Zeit zwischen vielen Familien des Reichs und Italiens bestanden. Man kann also zusammenfassend festhalten, dass die Staufer zwar nicht selbst in großem Maße Söldner beschäftigten, dass sie aber viel zur Bildung eines Berufskriegertums beitrugen und damit eine wichtige Voraussetzung für dessen spätere Söldnerdienste schufen.



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...   Erstellt am 22.08.2007 - 13:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die Vitalienbrüder
eine Freie Kompanie im Ostseeraum.
Vielen sind die sogenannten Vitalienbrüder unter ihren Anführern Klaus Störtebeker und Godeke Michels als bloße Seeräuber bekannt, doch dabei handelt es sich lediglich um ihre, später romantisierte Endphase. Während ihrer großen Zeit waren sie eine Söldnerformation ähnlich den Freien Kompanien in Frankreich und Italien. Schon ihr Name deutet auf diese Verbindung. Die Kaper in der Ostsee wurden vor dieser Zeit lediglich als Seeräuber oder Ausleger bezeichnet. "Vitaillers" dagegen nannte man in Frankreich Söldner, die sich ihre eigene Verpflegung raubten. über die Niederlande kam dieser Begriff ins Niederdeutsche als Synonym für Räuber, Plünderer und fouragierende Söldner. Der Name "Vitalienbrüder" entstand deshalb nicht durch die Versorgung des belagerten Stockholms mit Lebensmitteln, wie oft fälschlich kolportiert wird, sondern "dewile se nicht up Besoldunge dehneden, sondern up der egene Eventuhre", wie ein Chronist schrieb. Auch die Bezeichnung "Brüder", ihr späterer Name "Likedeeler" (Gleichteiler) und ihr Wahlspruch "Gottes Freunde und aller Welt Feinde" sind deutliche Gemeinsamkeiten mit den Freien Kompanien des hundertjährigen Krieges.



Wie in Frankreich und Italien schuf auch im Ostseeraum ein langer Krieg mit vielen Fraktionen und wechselnden Bündnissen die Voraussetzungen für die Entstehung einer eigenständigen Kompanie. In der Auseinandersetzung zwischen Mecklenburg und Dänemark um Schweden formierten sich die Vitalier zuerst als mecklenburgische Söldner auf eigene Rechnung und begannen damit ihr Eigenleben als typische Soldkompanie des Mittelalters. Ihre Blütezeit erlebten sie zwischen der Gefangennahme des schwedischen Königs Albrecht 1289 und dem Frieden von Wordingborg 1335. In dieser Zeit spielten sie eine zentrale Rolle als Kaper und Söldner der verschiedenen Machtgruppen. Sie wechselten zwischen Königin Margarete von Dänemark, König Albrecht von Schweden, dem Bischof von Dorpat, dem Herzog von Pommern, den Grafen von Oldenburg und von Holland und den friesischen Häuptlingen. Die nordischen Länder waren relativ dünn besiedelt und arm. Entsprechend klein waren auch die Armeen und Flotten. Selbst in ihren besten Zeiten zählten die Vitalier nie mehr als 2.000 Mann. Ihre größte Flotte soll aus ungefähr 100 Schiffen bestanden haben, von denen die meisten allerdings nur winzige Schuten waren. Trotzdem kann man ihre Anführer zu Recht als nordische Condottieri bezeichnen.

In Friedenszeiten verhinderte der politische Druck der Hanse, dass den Kapern ein sicherer Unterschlupf zur Verfügung gestellt wurde, und ihre armselige Existenz fand nicht allzuviele Nachahmer. Die Sache änderte sich, als es zum Konflikt zwischen Dänemark und dem Haus Mecklenburg kam. 1263 war Albrecht III. von Mecklenburg König von Schweden geworden. Die zahlreichen deutschen Soldritter, die er zu seiner Unterstützung mit ins Land gebracht hatte, hatten ihn bei der Bevölkerung nicht gerade beliebt gemacht. Kritisch wurde es, als nach dem Tod des Dänenkönigs Waldemar die Mecklenburger auch noch Anspruch auf den dänischen Thron erhoben. Waldemars Tochter Margarete, die gleichzeitig auch die Witwe des norwegi­schen Königs war, beanspruchte im Gegenzug den Thron für ihren Sohn Olaf. Nachdem die Dänen sich dann für Olaf entschieden, stellten die Mecklenburger sofort Kaperbriefe aus und Rostock und Wismar öffneten den Piraten ihre Häfen. Unternehmungslustige mecklenburgische Adlige begannen gleich damit Schiffe auszurüsten. So wie sich ihre binnenländischen Standesgenossen mit Freunden und Verwandten zusammenschlossen und den Pfeffersäcken auflauerten, so legten die Mecklenburger bei Gelegenheit zusammen, um sich ein Schiff zu kaufen. Wenn das Geld nicht reichte, wurden Teile des Besitzes verpfändet, die Raten mussten dann mit dem Schwert verdient werden. Wie im Reich Fehden jeder Art immer ein willkommener Anlass waren, Straßenraub legal zu betreiben, so erhielt die Piraterie in der Ostsee durch Kaperbriefe einen offiziellen Anstrich.

Die Vitalienbrüder kämpften für Dänemark, die Mecklenburger und auf eigene Rechnung. Aber auch Hansestädte wie Wismar und Rostock stellten ihnen Kaperbriefe aus. Andere Hansestädte versuchten den Seräubern und ihrem Treiben ein Ende zu setzen. Nach dem ergebnisloden Kampf um Stockholm verlagerte sich der Krieg um 1395 nach Gotland, wo sich die Vitalier der Dänen und Mecklenburger schließlich zusammenschlossen ein eigenständiges Seräuberherzogtum bildeten. Dessen Existenz beendete erst 1398 ein Großangriff des Deutschen Ordens. Doch auch danach gaben sich die Vitalienbrüder noch lange nicht geschlagen.



Die Flotte des Deutschen Ordens beendet die Herrschaft der Vitalienbrüder auf Gotland.

verwandte Themen:
Die Ecorcheur im Hunderjährigen Krieg
Der Deutsche Orden und seine böhmischen Söldner




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( zur Brack nun der Geschichtliche hintergrund )

Die Schwarze Legion

Der Ausbau der Landesherrschaft und die damit verbundenen Verbesserungen in der Verwaltung und im Finanzwesen, erlaubten es den Mächten des Mittelalters zwar die wilden Söldnerbanden nach und nach zu disziplinieren, erhöhte aber andererseits den Bedarf an Söldnern ständig. Der Adel mit seinen Ritterfähnlein und Cleven konnte diesen Bedarf schon lange nicht mehr stillen. Fand sich irgendwo in Europa ein kriegsgewohntes Völkchen oder die Städte brachten eine neue Waffengattung hervor, so saugten die zahllosen Kriege und das Geld sie auf. Die Pyrenäenstaaten lieferten immer neue Generationen von Speerwerfern, England Bogenschützen, der Niederrhein Spießer, Italien Armbrustschützen, Ungarn und der Balkan leichte Reiter, hinzu kamen Krieger aus der Bretagne, Schottland, Irland und anderen Ländern, in denen das Leben hart und armselig war. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts kamen dann mit den Hussiten sogar vom Papst verfluchte Ketzer hinzu.

Ihr geistiger Ziehvater Jan Hus war 1315 auf dem Konzil von Konstanz verbrannt worden. Der Papst hatte alle Hussiten mit dem Bann belegt und als sie sich nicht einsichtig zeigten zum Kreuzzug gegen sie aufgerufen. Mit Ketzern und Rebellen pflegte man kurzen Prozeß zu machen. Doch die Hussiten schlugen nicht nur die gegen sie geschickten Kreuzritterheere, sondern unternahmen auch ausgedehnte Vergeltungs- und Plünderungszüge ins Reich, nach Polen und Ungarn. Ihre Siege verdanktem sie zu guten Teilen ihrem militärisch außergewöhnlich begabten Führer Jan Zizka, der das hoch motivierte Fußvolk in einer neuen Technik schulte. Da die Hussiten nur über relativ wenige Ritter verfügten, benötigte Zizka einen Halt für sein Fußvolk. Im Südosten Europas benützte man im Kampf gegen die Reiternomaden seit langem Wagenburgen, hatte sie wahrscheinlich sogar von diesen übernommen. Unter Zizkas Anleitungen entwickelten die Hussiten die Wagenburg zu einer schwer bewaffneten Festung - dem Tabor. Jedem Wagen wurden mehrere mit Armbrüsten, Handrohren, Dreschflegeln, Hellebarden und Pavesen ausgerüstete Fußkämpfer zugeordnet. Dieser Ring war für die Kreuzritter nicht zu durchbrechen. Hatten sie sich in mehreren Angriffen erschöpft gingen die hussitischen Ritter und das Fußvolk zum Gegenangriff über. Der Ruf der hussitischen Schützen, Axtkämpfer und Dreschflegelschwinger war bald so furchtbar, daß einmal sogar ein großes Ritterheer schon bei ihrem Herannahen die Flucht ergriff. Auf den Kriegszügen der Hussiten wurden die Wagenburgen zu wandernden und unbezwingbaren Festungen.

Mit ihren Erfolgen avancierten die Hussiten vor allem in Osteuropa schnell zu äußerst beliebten Söldnern. Nach Zizkas Tod vermieteten einzelne Hauptleute ihre erprobten Scharen an jeden, der Geld hatte. Im den Kriegen des deutschen Ordens mit Polen stellten sie auf beiden Seiten das größte Söldnerkontingent. Ein Teil von ihnen besetzte wegen Soldrückständen sogar die Marienburg und verkaufte sie an Polen. Aber auch die deutschen Fürsten stützten sich gerne auf die böhmischen Condottieri, wenn sie es sich leiten konnten. So zum Beispiel Landgraf Wilhelm III., von Thüringen bei seinen Zug gegen Soest. Beim Kriegsruhm der Hussiten konnte es nicht ausbleiben, daß ihnen bald "die Bösen aus allen Ländern zuströmten", wie es ein deutscher Chronist formulierte. Angelockt von der Beute kamen Abenteurer aus ganz Europa, die meisten aus Polen, Ungarn und den angrenzenden Gebieten des Reichs. Die Kämpfe gegen die Kreuzritterheere und untereinander hatten große Lücken gerissen, die die Fremden ausfüllten. Bereits um 1330 sollen sie die Mehrzahl der hussitischen Rotten gestellt haben.

Diese gemischten Söldnerbanden nannten sich selbst "Brüder", ihre Feinde dagegen bezeichneten sie als "Zebraken" (Buben oder Bettler). Sie bildeten nach Art der Hussiten freie, halbdemokratische Kriegerbünde, sogenannte Bruderrotten. Zwar führten sie immer noch Armbrüste und eine große Anzahl von Schützen mit sich, aber die einfachen Dreschflegelschwinger waren durch erfahrene, mit Hellebarden, Streitäxten und Lanzen ausgerüstete Fußkämpfer ersetzt worden. Die fremden Abenteurer hatten den Anteil der ritterlich bewaffneten Reiterei erhöht. Die Heimat dieser freien Bruderrotten war der Tabor mit seinen schweren Kriegswagen. Dort befanden sich die Familien der Krieger, die sich im Gefecht an der Verteidigung der Wagenburg beteiligten und andere Hilfsdienste übernahmen. Während ihrer jahrzehntelangen Existenz waren die Zebraken zu Halbnomaden geworden. Mit ihren wandernden Festungen folgten sie den Kriegen in Böhmen, Mähren, Polen, Österreich und Schlesien. Fanden sie keine ausreichende Beschäftigung, machten sich vor allem in den Grenzregionen immer wieder größere Gruppen selbständig, besetzten Burgen, erpreßten Schutzgelder und raubten das Land aus.

Im Herbst 1466 gelang es dann Matthias Corvinus dem neuen König Ungarn ein größes Heer von Zabraken zu vernichten. Viele wurden hingerichtet. Aber nicht alle hatten so viel Pech. Matthias Corvinus gilt vor allem wegen seiner Reformen als einer der bedeutendsten ungarischen Könige. Er beschränkte die Macht des Hochadels und der Stände, ordnete Verwaltung und Finanzwesen und stellte ein stehendes Heer auf. Die Mittel dazu kamen aus regelmäßigen Steuern und Ungarns reichen Goldfunden. Die Ungarn verfügten zwar über eine gute Reiterei, ihre Infanterie und schweren Reiter rekrutierten sie aber vorwiegend im Ausland. Den Grundstock hierfür bildeten die überlebenden Zebraken.

Das Söldnerheer wurde als "Legio Nigra" - die schwarze Legion - zur einer der wichtigsten Stütze des Königs. Es begleitete ihn auf allen seinen Kriegszügen und hielt den rebellischen Adel in Schach. Den Namen erhielt es von der dunklen Farbe der Waffen und Rüstungen und den gebräunten Gesichtern der alten Krieger. Man sagte ihnen nach, daß sie Hitze und Kälte gewohnt waren, Hunger und Durst ertrugen und nur ihren Herren als einzige Autorität anerkannten. Die schwarze Legion erreichte in ihren besten Zeiten eine Stärke von 20.000 Reitern an die 9.000 Fußsoldaten.

[Dieser Beitrag wurde am 04.09.2007 - 14:34 von Brack aktualisiert]





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