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Delfin
unregistriert

...   Erstellt am 08.02.2008 - 19:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kinder von heute werden in Watte gepackt!

Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist
es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben
konnten!

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne
Airbags.

Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei
und Cadmium.

Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten
öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.

Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere
Fingerchen.

Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.

Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der
ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen
hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den
ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die
Straßenlaternen angingen. Niemand wußte, wo wir waren und wir
hatten nicht mal ein Handy dabei!

Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand
wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte
Schuld, außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht".
Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir kämpften und
schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mußten wir leben,
denn es interessierte den Erwachsenen nicht.

Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und
wurden trotzdem nicht zu dick.

Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand
starb an den Folgen.

Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele,
64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene
Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms.
Wir hatten Freunde!

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir
marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal
brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne
Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner
brachte uns und keiner holte uns. Wie war das nur möglich?

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen.
Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht
ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter
und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht
gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten
durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu
emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der
Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und
keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das
Gesetz verstoßen hat, war klar, daß die Eltern ihn nicht aus dem
Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen
Meinung wie die Polizei! So etwas!

Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern
und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten
Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten
wir umzugehen.

Und du gehörst auch dazu.

Herzlichen Glückwunsch

Grüße an alle, die überlebt haben




Westallgaeuer
unregistriert

...   Erstellt am 08.02.2008 - 21:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Schön, wie du das zusammengefasst hast. Von mir noch ein paar kleine Ergänzungen.

Wir sprangen im Sommer, ja schon im beginnenden Frühjahr barfüßig und hatten selten kalte Füsse.
Wir tranken Milch, direkt von der Kuh, keimfrei was ist das.
Im Herbst wärmten wir unsere Füsse in den Kuhfladen auf der Wiese, und wuschen diese dann im kalten Brunnen - Kneppen ist ja heute wieder sehr modern.
Bei den stärksten Gewitterregen schlüpften wir in die Badehosen und dann gab es Dusche gratis.
Mit alten Fahrradreifen, die Speichen entfernt machten wir Hulla Hop um die Wette.




Delfin
unregistriert

...   Erstellt am 08.02.2008 - 22:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Lieber Fidelis,
so gerne ich dein Lob auch für mich in Anspruch nehmen würde...,
es steht mir nicht zu.

Das hat mir mal jemand ins Gästebuch geschrieben.
Ich finde es auch super und soo wahr.

Allem sicherheitsspezifischem und technischem Fortschritt zum Trotz, bin ich sicher;
wir waren glücklichere, gesündere Kinder, als die Kidds von heute.




<Minotaurus>
unregistriert

...   Erstellt am 08.02.2008 - 22:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Delfin schrieb

    Und du gehörst auch dazu.

    Herzlichen Glückwunsch

    Grüße an alle, die überlebt haben

Herzlichen Dank für die Glückwünsche!
Ja, der Mino gehört auch zu denjenigen, welche die 50er und die frühen 60er relativ unbeschadet überlebt haben.

Aber auch andere Situationen sind in guter Erinnerung geblieben:
Zum Beispiel die Wohnverhältnisse in einem alten Bauernhof, der vom Besitzer zu einer Mietskaserne ohne Bad, aber dafür mit Etagen-Plumpsklo umfunktioniert wurde.
Dort wurden die ersten "multikulturellen Erfahrungen" gemacht mit Flüchtlingen aus Rumänien, Polen und aus dem Sudetenland, einem orthodxen, russischen Pfarrer, einem Schuster aus Südtirol, der beim Schmuggeln einen Zöllner erstochen hatte, usw, usw.

Aber auch Erinnerungen an gewisse Situationen zum Schuljahresanfang, als Jahr für Jahr die gefürchtete Frage auftauchte: "Wer von euch braucht Schulbücher?"
"Lehrmittelfreiheit" war - trotz multikultureller Erfahrung - ein unbekanntes Fremdwort.
Und wieder war es der Mino, der verschämt die Hand heben mußte, um daraufhin von den wohlhabenderen und hochnäsigen Bauernsöhnen als "Barackler" bezeichnet zu werden.
Glücklicherweise aber nicht alleine, denn es gab zu jener Zeit noch andere Mitschüler, denen es auch nicht besser erging.
"Taschengeld" war ebenfalls ein solches Fremdwort, aber was wir nicht kannten, das haben wir auch nicht vermisst.

Delfin schrieb
    Brot mit dick Butter
kannten wir zu dieser Zeit jedenfalls nicht, bestenfalls Margarine.

Geschichten aus einem halben Leben also, die viele Seiten füllen würden, wenn sie je geschrieben würden.
Als kleines Lesebeispiel hier "Der Bauernfünfer"

Nostalgische Grüße vom Mino.




<Minotaurus>
unregistriert

...   Erstellt am 08.02.2008 - 23:53Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nachtrag:
Aber wieso steht diese nostalgische Erinnerung in der Kategorie "Humorvolles?" *kopfkratz*
Ist vielleicht mein Humor etwas anders geprägt oder habe ich eventuell dabei etwas übersehen?




Romi ...



...

Status: Offline
Registriert seit: 31.07.2007
Beiträge: 2473
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...   Erstellt am 09.02.2008 - 09:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Apropos Humor....der von Susanne eingestellte Text
ist - sorry - uralt und mir seit x Jahren bekannt.
Gut finde ich ihn noch immer, auch humorvoll.

Mino's Schadenfreude ist eine reine Freude, hat aber
mit Humor nicht mal einen Penny zu tun. Ich
möchte ehrlich sein: Auch ich wäre unter diesen
schulischen Bedingungen schadenfroh geworden,
jedoch in geringerem Ausmaß.

Denn Eltern, wie sie der Bauernsohn hatte, gab
und gibt es noch immer. Nicht immer in Form von Naturalien...

Mino, aus welchem Land stammst du denn?

Neugierige Grüße
Romi

[Dieser Beitrag wurde am 09.02.2008 - 11:37 von Romi aktualisiert]





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© Collage by Romi



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