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Tanja ...
Alpha-Wölfin
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...   Erstellt am 12.05.2005 - 12:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


So etwas ist kein Hundeleben
VON DETLEF SCHMALENBERG

„Aufbrechen, ich riskiere es“, sagt Gabriele Pappenheim. Es ist halb zehn am Morgen. Seit fünf Minuten lehnt die Tierärztin des städtischen Veterinäramtes an der Tür einer Wohnung im Stadtteil Sülz und macht ein angestrengtes Gesicht. Die 43-Jährige ist hoch konzentriert, horcht, ob ein Geräusch zu hören ist. Zuvor hat sie mehrfach geklingelt, ohne Ergebnis. Übers Flachdach ist sie sogar auf den Balkon des Appartements im zweiten Stock geklettert, um einen Blick ins Innere zu werfen. Sie sah nur eine leer geräumte Küche. In der Wohnung, so hat der Hausmeister gemeldet, sei ein Schäferhund. Von der Mieterin beim Auszug einfach zurückgelassen.

„Ich hab dat Tierchen jestern noch am Fenster jesehen, seitdem war niemand mehr drin in de' Räumlichkeiten“, behauptet der Mann, der im Treppenhaus hinter der Tierärztin steht. „So etwas“ habe er schon einmal erlebt. „Drei Welpen, einfach nicht mehr drum gekümmert, die sind dann jämmerlich verreckt“, sagt er und Gabriele Pappenheim gibt das Zeichen für den Handwerker vom Schlüsseldienst.

Den darf sie nur anfordern, wenn die Gesundheit eines Tieres extrem gefährdet ist. Das passiert etwa zwanzigmal im Jahr. Vor einigen Monaten hat sie zwei zurückgelassene Katzen hinter verschlossenen Türen entdeckt. Ein anderes Mal einen Hund mit einem Tumor in der Nase, aus dem bereits die Maden krochen. Diesmal ist die Wohnung leer. „Das musste ich riskieren“, meint Pappenheim: „Wäre der Hund da drin gewesen, wäre er elend zugrunde gegangen.“

In Köln hat sich die Zahl der Anzeigen wegen Tierquälerei in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Durchschnittlich jeden Tag wird ein berechtigter Vorwurf gemeldet. „Die Leute sind aufmerksamer geworden“, sagt Gabriele Pappenheim. Gelegentlich hat sie mit unvorstellbarer Brutalität und Gleichgültigkeit zu tun. Zwei Frauen aus Lindenthal fuhren vor Jahren in Urlaub und ließen ihren Dobermann verhungern. Ein Mann aus Chorweiler trat betrunken seinen Mischlingswelpen tot. Meist jedoch trifft die Veterinärin auf Menschen, die ihre Tiere nicht artgerecht versorgen.

Es ist 10.30 Uhr, anderes Haus, andere Wohnung. Pappenheim klingelt bei der zweiten Station ihrer Tagestour. Ein Bobtail soll den ganzen Tag alleine sein und ständig jaulen. Doch der Hund bellt nur kurz, als sie schellt. Die Tür bleibt zu. Das passiere häufig, da sie meist unangekündigt kommt, sagt die Tierärztin. Sie versuche es morgen noch einmal. Sie müsse jedoch „höllisch aufpassen“, bei Mietstreitigkeiten nicht von einer Partei benutzt zu werden.

Es ist kurz vor zwölf Uhr, in Ossendorf steht die dritte Überprüfung an. Frettchen würden in Vögelkäfigen auf einem Balkon gehalten, hieß es. „Das kann doch nur mein Mann behauptet haben, der Spinner“, sagt die junge Frau, die die Tür öffnet. Drei Frettchen hüpfen vergnügt durchs Wohnzimmer. Die Tür zum Balkon, der fast um das halbe Haus reicht, ist geöffnet. Seitdem sie sich von ihrem Ehemann getrennt habe, würde der sie mit absurden Vorwürfen überhäufen, sagt die Frau.

„Den Tieren jedenfalls geht es gut“, sagt Pappenheim. Um 13 Uhr, in Porz, kontrolliert sie einen jungen Mann, dessen Dobermann und Schäferhundwelpe vergangene Nacht von der Polizei beschlagnahmt wurden. Die Tiere waren alleine zu Hause, die Vermieterin hatte die Beamten gerufen. Als die Wohnung geöffnet wurde, war das Wohnzimmer voller Kot.

„Das kommt von dem Rohr“, behauptet der Mann, als er der Tierärztin den immer noch stechenden Gestank erklären will. In der leergeräumten Küche zeigt er auf den Abfluss für die Spüle, den er mit einer Plastiktüte verstopft hat. „Meine Frau ist abgehauen und hat alles mitgenommen“, sagt er ungefragt. Die Tiere habe er jedoch „im Griff“, meint er und holt Impfpass sowie Arztberichte der Vierbeiner. Die Frau vom Amt notiert alles genau, wird die Papiere später im Büro überprüfen. Die Tiere könne er zurück haben, wenn er „den Großen“ nicht mehr als acht Stunden alleine lasse und den Welpen mit zur Arbeit nehme, sagt Pappenheim.

„Müssen wir die Hunde wirklich rausgeben?“ Fünf Minuten, nachdem Pappenheim im Auto sitzt, ruft das Tierheim an. Sie sei, „hin- und hergerissen“, sagt die Veterinärin. Wenn die Tiere außer dem Gestank noch andere Zeichen von Vernachlässigung aufweisen würden, hätte sie sie zurückgehalten. Sie werde den Halter in den nächsten Wochen zu unterschiedlichen Zeiten kontrollieren.

„Solange mal die Tierschützer und mal die Halter auf mich schimpfen, habe ich ein gesundes Maß gefunden“, sagt sie später. Juristisch sei es sehr schwierig, langfristige Verbote zur Tierhaltung durchzusetzen. Dies gelinge beispielsweise bei Menschen, die ihre Tiere wiederholt extrem vernachlässigen. Oder bei Sadisten wie jenem Mülheimer, der seinen Hund ständig schlug und ihn „aus Spaß“ über viel befahrene Straßen hetzte.

Es ist kurz vor 17 Uhr. Eben rief eine Frau an, die hat gemeldet, gestern wäre im Parkteich eine Wildente von „über 15 Erpeln so massiv bedrängt worden, auch sexuell, dass sie zu Tode kam.“ So sei das in der Natur, hat Pappenheim geantwortet. Jetzt horcht sie mal wieder an einer Tür. „Machen Sie auf“, ruft sie, als Gerumpel zu hören ist. Im Stadtteil Sülz will die Tierärztin ein Einfamilienhaus inspizieren. Bei der Besitzerin hat sie schon einmal 100 Mäuse beschlagnahmt. Die alte Dame habe mittlerweile einen Zoo, haben Nachbarn gemeldet. Kaninchen, Katzen, Enten, Fische, Gänse, Tauben, Ratten, ein Frettchen und zwei Hunde. „Bitte machen Sie auf“, ruft Pappenheim. Als hinter der Haustür ein Grunzen zu hören ist, fasst sie sich an den Kopf: „Ich glaub es nicht, jetzt gibt es hier tatsächlich noch ein Schwein.“


Quelle





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Liebes Grüßle von Tanja und den Wuffs



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