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norbert_schneider 
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...   Erstellt am 10.07.2007 - 15:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Entwicklung eines nachhaltigen Lebensmodels im Gemeinwesen durch Seniorengenossenschaften in Thüringen
Guthaben auf dem Zeitkonto - ein neues generationsübergreifendes Modell
Es ist sehr ungewiss, wie die zunehmende Zahl älterer Menschen, bei gleichzeitig abnehmender Zahl jüngerer Menschen, gute Lebensbedingungen im Alter haben können.
Der immer weiter umsichgreifende Egoismus, das Zerbrechen von sozialen Beziehungen in den Kommunen, die Anonymisierung des Gemeinwesens durch die Vergeldlichung der menschlichen Beziehungen, stellt unsere Gesellschaft vor neue Herausvorderungen. Vor noch nicht allzulanger Zeit, gab es die Großfamilie in der solidarisch generationsübergreifend gelebt wurde.
Dieses System gibt es praktisch nicht mehr, die Vereinzellung schreitet voran, der Individualismus bestimmt den Zeitgeist, ist aber ein Rückschritt für die Gesellschaft.
Solidarische Systeme im Sozialen, haben schon immer besser funktioniert, als Systeme die auf Wettbewerb beruhen.
Wie könnte nun ein System aussehen, das heute dem Zeitgeist standhalten kann und neue soziale Beziehungen in der Kommune generationsübergreifend wiederherrstellen kann und damit das soziale Gemeinwesen praktisch neu erfindet.
Seniorengenossenschaften praktizieren eine ürsprüngliche soziale Hilfsform der gegenseitigen Unterstützung, die auch die Forderung nach einer aktiven Bürgergesellschaft mit mehr Selbstbestimmung und Selbstorganisation umsetzt. Die Basis bildet langfristige Reziprozität, soziales Vertrauen und zwischenmenschliche, gabeorientierte Kooperation innerhalb des Gemeinwesens.
Man stelle sich einmal vor: In einer Stadt wie Erfurt wären über 7.000 Einwohner Mitglied in einer Seniorengenossenschaft. Sie nutzen ihre Fähigkeiten für Nachbarschaftshilfe, Jugend-, Altenarbeit und Stadtentwicklung. Man stelle sich weiterhin vor: Sie alle würden für ihre Arbeit in der Seniorengenossenschaft den gleichen Lohn erhalten. Jede Arbeitsstunde wird mit zwei Punkten pro Stunde verrechnet.
Eine Utopie? Für Erfurt schon. Doch nicht in Dietzenbach mit 33.000 Einwohnern. Hier haben sich ca. 1.500 Bewohner in der "Seniorenhilfe Dietzenbach" (SHD) zusammengeschlossen. Jung und Alt bringen ihre Ideen und Fähigkeiten ein, um die Alten vom Abstellgleis zu führen und den Jugendlichen den Start ins Leben zu erleichtern.
1994 wurde die Seniorengenossenschaft gegründet und kommt heute ohne ständige Zuschüsse aus.Es gab nur eine bescheidenene Anschubfinanzierung durch den Kreis Offenbach und eine geringe Starthilfe durch die Stadt.
Der rasche Erfolg der Dietzenbacher beruhte auf einem einfachen Prinzip: Die Mitglieder stellen ihre Fähigkeiten der Gemeinschaft zur Verfügung und erhalten dafür Zeitgutschriften, die auf einem Konto verbucht werden. Diese Zeitgutschriften, hier Punkte genannt, können gegen andere Leistungen eingetauscht werden oder aber in späteren Jahren, bei eigener Pflegebedürftigkeit, wie eine Zusatzrente abgerufen werden und damit Vertrauen in die Zukunft aufbaut.
Rund 200 Aktive gibt es in der SHD. Ein Dutzend von ihnen organisiert z. B. den Bürodienst. Rund 40.000 Punkte waren es in den letzten drei Jahren; das Äquivalent für 20.000 Arbeitsstunden. Dabei hat die SHD auch eine Lösung für die Mitglieder gefunden, die sich durch Krankheit oder wegen hohen Alters keine Punkteguthaben erarbeiten konnten: Wollen sie Hilfe in Anspruch nehmen, zahlen sie eine gerínge Verwaltungsgebühr.
Die Seniorenhilfe ist kein Verein bzw. Genossenschaft im üblichen Sinne. Sie hat sich in Dietzenbach zu einem renommierten Partner für die Stadt, die Wohlfahrtsverbände und Kirchen, für die Wirtschaftsverbände, Schulen und Ausländerbeirat entwickelt.
Auch die Pflege- und sozialen Hilfsdienste empfinden die SHD nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Denn die Einführung der Pflegeversicherung hat die Hilfsdienste in ihren Leistungen eingeschränkt. Für eine umfassende soziale Betreuung der alten Menschen, ja auch nur ein Gespräch, wie sie die Seniorenhilfe leistet, ist selten Zeit. Seniorengenossenschaften können auch in Thüringen zu ein wichtigen Pfeiler der sozialen Stadtentwicklung des Gemeinwesens werden.
Altersgenossenschaften
Altersgenossenschaften (auch Seniorengenossenschaften) sind eine Sektoralwährung und stellen im Prinzip eine Sonderform der Tauschringe dar. Sie unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Zielsetzung: Tauschringe beabsichtigen einen möglichst regen Umlauf der Verrechnungseinheiten, d.h. kein Horten von Guthaben. Dieses Prinzip wird bei Seniorengenossenschaften umgedreht. In aktiven Zeiten bringen sich die Mitglieder der Seniorengenossenschaften als Leistungsträger ein und sparen Zeitpunkte für den Bedarfsfall (Krankheit oder benötigte Hilfe im Alter) an. Die Zeitpunkte der Seniorengenossenschaften stellen somit eine Zeit-Rente dar.
Zwei gravierende Unterschiede zeichnen die Zeit-Rente im Gegensatz zur Geld-Rente aus: Die Zeit-Rente wird nur dann in Anspruch genommen, wenn ein aktueller Bedarf besteht (die Geld-Rente erhält auch, wer sie nicht nötig hat). Darüber hinaus ist die Zeit-Rente weder von einem Währungsverfall noch einem Preisverfalls oder ähnlicher Minderungen durch instabile Wirtschaftssysteme bedroht. Denn eine Stunde hat heute den Wert einer Stunde und in fünfzig Jahren ist sie immer noch eine Stunde wert. Diese Wertbeständigkeit wird von den Mitgliedern oft als Vorteil hervorgehoben.
Bei den Modell der Seniorengenossenschaften, wie es in den 90er Jahren in Baden-Württemberg eingeführt wurde, sind die Zeit-Punkte übertragbar und sie können sogar an Familienangehörigen und Freunde vererbt werden.
eniorengenossenschaften als sinnvolle Ergänzung zu den Pflegediensten. Ähnliches, wenn auch nicht in dem Umfang, gibt es auch schon in Deutschland.

Die japanische Pflegewährung
Von allen Ländern hat Japan den zweithöchsten Anteil alter Menschen an der Bevölkerung. Bereits heute benötigen 800.000 Senioren gelegentlich Hilfe, und eine weitere Million ist behindert. Das japanische Gesundheitsministerium rechnet schon in naher Zukunft mit einer deutlichen Zunahme dieser Zahlen. Als Reaktion auf das rasch wachsende Problem haben die Japaner eine Art „Pflegewährung“ eingeführt. Bei diesem System werden die Stunden, die ein Freiwilliger bei der Pflege oder Unterstützung alter oder behinderter Menschen verbringt, auf einen Sparkonto geführt, der einzige unterschied besteht darin das die Rechnungseinheit nicht Yen sind, sondern stunden. Mit dem Guthaben des Zeitkontos kann man die normale Krankenversicherung ergänzen.
- Verschiedene Aufgaben werden verschieden bewertet. So erhält man beispielsweise für eine Mahlzeit, die zwischen 9.00 Uhr und 17.00 Uhr serviert wird, ein geringeres Zeitguthaben als für Mahlzeiten außerhalb dieses zeitlichen Rahmens; auch für Arbeiten im Haushalt und fürs Einkaufen wird weniger angerechnet, als beispielsweise für Körperpflege.
- Das Guthaben in der Pflegewährung kann von den Freiwilligen für sich selbst oder für jemanden ihrer Wahl innerhalb und außerhalb der Familie verwendet werden, wann immer entsprechende Hilfe benötigt wird. Einige private Dienste bieten Freiwilligen, die in Tokio Pflegedienste verrichten, die Möglichkeit, daß die Zeitguthaben ihren Eltern zur Verfügung steht, die vielleicht in einem anderen Landesteil wohnen. Manche bieten einfach ihre Dienste an und hoffen, daß sie ihr Guthaben nie brauchen werden. Andere arbeiten nicht nur freiwillig, sondern geben ihr Guthaben an andere weiter, die es ihrer Meinung nach brauchen. Für die Beteiligten verdoppelt sich quasi die Zeit. Das Prinzip funktioniert ähnlich, wie wenn Unternehmer oder Politiker bei Spendenaktionen die gesammelte Summe verdoppeln: Mit jeder Stunde Arbeit erhält die Gesellschaft zwei Stunden.
- Besonders erfreulich ist, daß auch die alten Menschen diese Form der Pflege bevorzugen, da die Qualität der Leistungen höher ist als bei den in Yen bezahlten Pflegerinnen und Pflegern. Der Name der Währung, “Hureai Kippu“ („Pflege-Beziehungs-Tikket“), ist Programm. Sie bietet den alten Menschen eine Lösung, die ihnen angenehmer ist, denn vielen wäre es peinlich, um einen kostenlosen Pflegedienst zu bitten (in Deutschland Sozialhilfe).
- Die Japaner berichten zudem über einen deutlichen Anstieg der freiwilligen Leistungen, und das auch bei Helfern, die gar keine eigenen Zeitkonten eröffnen wollen. Der Grund könnte sein, daß durch dieses System alle Freiwilligen das Gefühl haben, ihre Leistungen würden mehr anerkannt. Damit wäre auch der Einwand widerlegt, daß durch die Bezahlung von Freiwilligen in Komplementärwäh-rung diejenigen, die nicht bezahlt werden, nichts mehr machen.
- Ende der 90er Jahre gab es auf lokaler Ebene über 300 Pflegedienste, die nach dem Prinzip der Zeitkonten arbeiten.
Insgesamt betrachtet erweist sich die japanische Pflegewährung kostengünstiger und persönlicher als das im Westen übliche System.

Diskutieren sie mit.
Mit freundlichen Grüßen
Norbert Schneider





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