jay89 

Status: Offline Registriert seit: 01.08.2007 Beiträge: 27 Nachricht senden | Erstellt am 20.03.2008 - 14:39 |  |
Ich sitze auf meinem Balkon,in der Stadt,in die ich erst vor kurzem gezogen bin.Ich fühle mich wohl,aber es ist ein leeres Gefühl von Wonne,das sich in mir ausbreitet(Hm,eigentlich sind das zwei Gegenteile,Wonne und Leere spüren,aber so ist es nun mal).
Wenn ich früher auf meinem Balkon gesessen hab,was zugegebenermaßen nicht oft vorkam,so waren ständig irgendwelche Nachbarn da,die ebenfalls auf ihren Balkons standen,und ich dachte nur:Kann man nicht einmal alleine hier sitzen?
Warscheinlich haben sie genau das gleiche gedacht.
Aber so ist es nun einmal,wenn man in einer Großstadt lebt,und der Balkon nach hinten raus geht,auf den Hof,der aber zugebaut ist mit weiteren Häusern,nicht einen Flecken Boden konnte man sehen,wohl das Dach des Ladens,der unter unserer Wohnung war,das grüne Dach sah aus wie eine Immitation grünen Rasens,wie es ihn in manchen großen Städten fast nicht mehr gibt.
Da standen sie dann,das heißt sie standen nur wenige Sekunden,eine Kippe in der einen Hand,mit der anderen lässig ans Geländer gelehnt,bevor sie hektisch wieder hinein rannten,und einige Sekunden später wiederkamen,um jetzt mit Verstärkung in Form eines Mitbewohners weiterzurauchen.Dann rannten sie wieder rein,knallten die Türen so laut wie möglich,und kamen wieder raus,dieses Szenario wiederholt sich dann so im halb-stunden-takt,und da kann man ja als Nichtraucher sich gar nicht so blicken lassen,mit seinem Laptop in der Hand.
Hier geht das.Hier ist weit und breit niemand zu sehen,in der alten Wohnung war unser Balkon umzingelt von weiteren Häusern und Balkonen,der pure Anblick ließ es mir kalt den Rücken herunterlaufen,da kann ich schon mal so ne Spur paranoid werden.
Das nächste Haus ist ca.100m entfernt,überall stehen Bäume,zu jeder Tages-und Nachtzeit hört man irgendwelche Vögel,und der nächste sichtbare Balkon befindet sich über uns,was heißt schtbar,natürlich nur wenn man VOR unserem Haus steht,und nicht AUF unserem Balkon.
Die Menschen hier scheinen einer völlig neuen Spezies anzugehören ,welche der meiner so gar nicht zu ähneln scheint.
Egal was,sie tun genau das Gegenteil.
Wo man bei uns sein Fahrrad allerhöchstens im Sommer aus der hintersten Ecke des Kellers pult ,radeln sie hier zu jeder Tages-und Nachtzeit,ich glaube es gibt auch weniger Autos.
Die Einwohner schminken sich nicht,und wenn,dann so,dass man es nicht merkt.
Alle laufen rum wie die Verkörperung des Sportlichen-Klischee-Typen,der den ganzen Tag an der frischen Luft ist,Rad fährt und,wenn er mal zu Hause ist,Fußball guckt.
Bei uns zu Hause laufen alle anders rum,da kann man keinen örtlichen Stil festmachen.
Mit meinen Ballerinas und dem Tanktop fühle ich mich da ziemlich ausgegrenzt,und habe das Gefühl,ich habe ein dickes `Ausländer` auf meiner Stirn stehen.
Meine Mitbewohnerin meinte dazu,die Einwohner könnten nicht merken,wenn wir hier erst kurz wohnen,aber ich glaube, sie wollte mich nur nicht beunruhigen.
Von Natur aus störrisch würde ich mich aber auch nie dem einheimischen Lebensstandart anpassen,das würde mich einengen.
Dabei habe ich schon einmal in einer anderen Stadt gewohnt, sogar dieselbe in der ich jetzt lebe.
Auch damals fand ich es schon zum kotzen,aber später dann wollte ich nicht wieder zurück ziehen.
Ich bezweifle,dass es diesmal wieder so laufen wird.
In der Annahme,dass ich in ein paar Jahren eh wieder in meiner Heimatstadt leben werde,drehe ich das Radio extra laut auf,nur um unsere Nachbarn zu ärgern,die mir eigentlich,und auch uneigentlich gar nichts getan haben.
Und wenn ich extra-aggro drauf bin,dann mach ich mir Linkin Park auf volle Lautstärke an,und dann die Balkontür auf.
Und ich wunder mich,dass die mich alle so verärgert angucken.
Auf jeden Fall finde ich die Einwohner in unserer alten Stadt aber sympathischer,obwohl meine Mitbewohnerin ja steif und fest das Gegenteil
behauptet.
Wenn es regnet laufen sie alle mit einem Gesicht rum,als würde die Welt untergehen,und man möchte sie am Liebsten schütteln,und rufen:
`Das geht vorbei!Wie werden nicht sterben!`,denn in meiner Heimatstadt habe ich noch nie so viele schlechtgelaunte Menschen auf einem Haufen gesehen,sogar im Wartezimmer vom Zahnarzt sehen sie zufriedener aus,oder wenn bei Kaisers nur eine Kasse auf hat,und die Schlange bis nach hinten zu den Joghurts reicht.
Was mich ja immer wieder fasziniert:
In Großstädten sind die Menschen oft freundlicher,als in kleinen,sie wiedersprechen vollkommen dem Klischee,das vom spießbürgerlichen Kleinstädterleben berichtet,und vielleicht sind sie extra so,um sich dagegen zu wehren,in eine Schublade gesteckt zu werden.
Aber eines muss man ihnen ja lassen:
Bei Wind und Wetter,sie gehen zum Schrank,holen ihren Regenschirm raus,und gehen zu Fuß.
Oft frage ich mich,ob hier die Bahnen nur für Touristen und alte Leute fahren.
Die Kinos sind leergefegt,in der Halle sucht man vergeblich nach den neuesten Filmplakaten,Süßigkeitenständen und dem Mc Donalds nebenan,dafür sind die Sääle stockfinster,sodass man es mit der Angst bekommt,wenn man den Raum betritt,und sich Fluchtinstinkt meldet,allein schon,wenn man zur Kenntnis nehmen muss,dass die letzte Reihe keine Doppelsitze enthält.
Die Werbung ist sehr kurz,es gibt nicht die schön-nostalgische Eispause,in der man früher noch was bei den Eisverkäuferinnen, mit Eistragetasche um den Bauch geschlungenen Personen,kaufen konnte.
Flüstert man während des Filmes wird man nach der Vorstellung angestarrt,als hätte man sie daran gehindert,den Film zu genießen,ich muss dazu sagen,dass wir etwa zehn Reihen weiter hinten saßen.
Kurzum kann man sagen,dass es sich hier erbärmich lebt,das ich eingehe,wie eine Primel auf der Heizung.
Heute ist es schon nach 11,ich liege in meinem Bett,rühre mich nicht,liege nur bewegungslos da,und lausche der dörflichen Stille,hier und da ein paar Vögel,aber wie gesagt,nur hier und da.
Die Sonne scheint durch die Ritzen des Rollos und funkelt neugierig in mein stockdunkles Zimmer.
Wohlwollend betrachte ich abwechselnd Wecker und Lichtstrahlen,die,wie ich eben erst bemerkte,auch an meiner Decke ihre Spuren ziehen.
Iregndetwas ist anders heute.
Ich bin gar nicht so schlecht drauf,wie sonst immer,wenn uch Morgens aufwache.
Zuerst mache ich mir ernstlich gGedanken,jemand könnte mir was in den Tee getan haben,dann verwerfe ich diesen Einfall wieder,und stehe auf,habe BOCK AUF DEN TAG.
Jaaaa.Ich habe echt Bock auf den Tag.
Dieses Gefühl macht mir Angst,vielleicht will es mich beherrschen,mein Gehirn besetzen,und dann mit meinem Körper die Weltherrschaft an sich reißen.
Aber vielleicht auch nicht,und so werfe ich mich in meine schönsten Klamotten,und gehe spazieren.
In den Park,den ich immer abscheulich fand,und das,obwohl er genauso aussieht,wie jeder andere Park auch.
Verträumt gehe ich an der Hundewiese vorbei,bemerke viel zu spät,dass ein Hund,welcher sein Herrchen ausführt,sich samt Leine um meine Beine dreht,Herrchen hinter sich herschleifend.
`Oh Shit!´
Ich stehe wieder auf,diese Wörter vor mich hin fluchend,sauer auf den Mann,der seinen Mistköter nicht unter Kontrolle hat,und sauer darauf,dass ich `Oh,shit!`-rufend in den frischen Haufen gefallen bin.
Ich wette das findet irgendwer da oben lustig.
Mist Ironie des Schicksahls.
Der Mann entschuldigt sich tausendmal,und hilft mir hoch,und gerade will ich wütend Richtung zu Hause abziehen,da blicke ich ihm direkt in seine blauen Augen.
Keine langweiligen blauen Augen,solche mit Sprenkeln drin,in silber.
Fasziniert betrachte ich sie,warscheinlich eine halbe Ewigkeit,in Echtzeit drei Minuten,aber er tat ja dasselbe,also wird’s so schlimm nicht gewesen sein.
`Wohnen Sie schon lange hier?`,fragt mich Ingo,als wir uns am nächsten Tag wieder im Park treffen.
`Och ,eine Weile`,antworte ich ausweichend,weiß nicht,worauf er hinaus will.
`Und ,gefällt es dir?´
`Immer besser!`,sage ich,und schwupp bin ich weg,mitgerissen von einem Sog Bulldogge.
Signatur jasmin (?!?), was muss denn hier rein? |
Stefan  Admin

Status: Offline Registriert seit: 12.02.2007 Beiträge: 821 Nachricht senden | Erstellt am 22.03.2008 - 20:33 |  |
Jasmin,
manche kommen vom Zigaretten holen sogar zurück. Willkommen zurück! Hoffe ja sehr, Du gehst nicht gleich wieder los, Zeitung, Brötchen oder was auch immer holen.
Jasmin schrieb
In Großstädten sind die Menschen oft freundlicher,als in kleinen,sie wiedersprechen vollkommen dem Klischee,das vom spießbürgerlichen Kleinstädterleben berichtet,und vielleicht sind sie extra so,um sich dagegen zu wehren,in eine Schublade gesteckt zu werden. |
Als Kleinstädter muss ich da da doch widersprechen. Und wenn ich an meine Zeit in der Großstadt denke, nirgendwo hatte ich so viele schlecht gelaunte Kunden, wie in der Großstadt.
Oder wenn ich vor dem Eiscafé saß und den Menschen beim vorbei hasten zu guckte, selten war jemand zu sehen, der kein mürrisches Gesicht zeigte.
Vielleicht liegt es auch an der Stadt, die gern eine Weltstadt sein möchte, es aber NIE sein wird. Trotz Expo, Cebit und sonstige Messen. Nun ist ja wohl auch klar, von welcher Stadt ich schreibe.
Jasmin schrieb
Das nächste Haus ist ca.100m entfernt,überall stehen Bäume,zu jeder Tages-und Nachtzeit hört man irgendwelche Vögel... ja, meiner meinung nach lebt es sich hier wirklich am arsch der welt(ich hoffe, dass darf man so sagen, wenn nicht , pech gehabt!
wenn man wie ich vorher in einer großstadt aufwächst,und dann kommt man hierher(ich möchte die städte jetzt nicht namentlich erwähnen, wer weiß, er das liest), und dann wohnt man in so ner trostlosen seitenstraße, wo sich hase und igel gute nacht sagen, und du hast das gefühle, wenn die oma im haus gegenüber pfurzt, kannst du es hören, dann wirst du schon mal, wie man merkt, ein bischen paranoid |
Hört sich nach einer schönen Wohngegend an! Gibts da noch ne Wohnung für zwei Katzen mit Anhang?
Lieber werde ich von einer pupenden Oma geweckt, als von einer Musikanlage, die irgendwelche undefinierbaren Töne von sich gibt. Und der Besitzer dieser Anlage behauptet dann auch noch, das ist Musik.
Jasmin schrieb
Ich stehe wieder auf,diese Wörter vor mich hin fluchend,sauer auf den Mann,der seinen Mistköter nicht unter Kontrolle hat,und sauer darauf,dass ich `Oh,shit!`-rufend in den frischen Haufen gefallen bin. ...Der Mann entschuldigt sich tausendmal,und hilft mir hoch,und gerade will ich wütend Richtung zu Hause abziehen,da blicke ich ihm direkt in seine blauen Augen.
Keine langweiligen blauen Augen,solche mit Sprenkeln drin,in silber. |
Da hätte er bei mir noch viel mehr als blaue Augen gehabt!
Jasmin schrieb
`Und ,gefällt es dir?´
`Immer besser!`,sage ich,und schwupp bin ich weg,mitgerissen von einem Sog Bulldogge. |
Na siehste, hat der Umzug doch auch was Gutes.
Kleinstädterische Grüße
Stefan
[Dieser Beitrag wurde am 25.03.2008 - 21:27 von Stefan aktualisiert]
Signatur Macuser sind nicht eingebildet. Sie sehen einfach besser aus.... |