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lezard  Schattenschreiber


Status: Offline Registriert seit: 24.02.2006 Beiträge: 1384 Nachricht senden | Erstellt am 07.03.2006 - 19:58 |  |
dunkle Wasser
Einst fiel ein Samenkorn in meine Seele.
Es fiel auf Grund, da die Erde fehlte, es zu nähren.
Doch irgendwann merkte ich, dass das Verlies meiner Seele schon längst nicht mehr so sauber war, wie ich geglaubt hatte:
Dunkle Wasser liefen die Wände hinab und jedesmal, wenn einer de Tropfen auf dem Boden aufschlug, warfen die Wände diesen einsamen Klang wieder und wieder zurück.
Das Leben geht weiter.
Ich vergaß das Leck in meiner Seele oder besser, ich verleugnete es.
Das Wasser war ruhig, doch nicht versiegt.
Die Seele ist wie eine Fliegenfalle: Ihre Tore sind immer geöffnet, auch wenn wir das nicht immer sehen, oder sehen wollen, aber die Wände sind einfach zu glatt, um wieder herauszukommen.
Es fielen Krümel und manchmal auch Klumpen schwarzer Erde hinein. Anfangs nur wenig, doch auch Schneeflocken brechen einen Ast; es reichte den Samen zu nähren. Er hatte sein Lebenselixier gefunden und begann sich daran zu laben.
Er wuchs.
Seine mächtigen Wurzeln fraßen sich in die schützenden Wände meiner Seele: ließen sie bröckeln und reißen.
Es ist eine Blume daraus geworden, deren Stacheln giftig sind, deren Wuzeln unnachgiebig zerstören und dessen schwarze Blüte mit der Zeit immer unwiderstehlicher wird.
Der Samen hieß depressive Gleichgültigkeit, Hass, Trauer, Verzweiflung, Einsamkeit, Tod.
Daraus geworden ist die Blüte der ewigen Dunkelheit und Selbstzerstörung.
Ich weiß, dass das nicht wirklich ein Gedicht ist, aber als Geschichte wollte ich es auch nicht bezeichnen, also ist es hier gelandet.
Wie man wahrscheinlich ziemlich offensichtlich merkt, habe ich diese Zeilen zu einem Zeitpunkt geschrieben, in dem es mir nicht sonderlich gut ging. Diese Tatschache soll aber nicht so verstanden werden, dass ich alles, was darin steht heute für überzogen und ungültig halte. Ich habe es hier herein gestellt, da ich der Überzeugung bin, dass es ein wunderschönes Beispiel für die Verletzlichkeit der Seele ist.
Veilleicht regt es euch Leser/innen dazu an mal darauf zu achten, wie verletzlich einfache Worte sein können, wenn sie nur im richtigen Augenblick ausgesprochen werden, ob nun mit zielgerichtet, oder ohne böse Absicht oder das nächste mal, wenn es euch schlecht geht darüber nachzudenken, warum ihr euch scheiße fühlt. Ich denke nähmlich, dass es selten nur eine Begebenheit ist, die uns so fertig macht, dass wir an uns und am Leben selbst zweifeln.
Meiner Meinung nach ist unser Innerstes aufgebaut, wie ein großes Fass, das alles begierig in sich aufnimmt, doch wird es zu viel, ob nun Schönes oder Schlechtes, dann läuft es über, weil das Wasser nicht genug Zeit hatte zu verdampfen, also sich irgendwo abzusetzen, bis wir es wieder brauchen. Doch meistens sehen wir nur den letzten Tropfen, der die Oberflächenspannung des Wassers durchbricht und vernachlässigen unsere anderen Probleme, die wir für abgeschlossen halten.
Es ist manchmal ganz gut den Schlick auf dem Grund des Fasses aufzuwirbeln, damit man ihn endgültig herausfiltern und am richtigen Platz ablagern kann.
[Dieser Beitrag wurde am 07.03.2006 - 19:59 von lezard aktualisiert]
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Status: Offline Registriert seit: 29.08.2005 Beiträge: 1968 Nachricht senden | Erstellt am 09.03.2006 - 20:22 |  |
Guter Gedanke. Wenn ich mein "Faß" ansehen würde, dann würd ich das wohl, sobald ich "Schlick" bemerk, sofort mal richtig Durchschrubben. Mal anders Gesagt: Ich will Probleme eigentlich gar nicht erst Zeit zum wirken geben sondern Versuch sie auf die beste Art und weiße sofort zu beheben damit sie sich nicht festklammern und Energie nehmen, die ich sonst gut für andere Dinge bräuchte.
Hm ich denke Blumen kann man auch verändern. Wenn man von einer Blume das Wasser mit Farbe färbt, so nimmt sie die Farbe an. So kann sich auch eine schwarze Seelenblume zu einer helleren, wärmeren Farbe wandeln, wenn sie nur die richtige Behandlung bekommt. Mehr positive Gedanken, Erlebnisse, Gefühle. Genauso können Stacheln zurückgehen. Die alte Blume wird zwar für immer ein Stück da sein, aber es steht doch immer eine laufende Änderung im Raum. Und nie ist die Blume vollkommmen, weil sie die Seele mit jedem Tag, jedem Wort, jeder Tat ändert, so eben auch diese "Blume".
Wenn ich was falsch Verstanden hab tut es mir total leid  .
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lezard  Schattenschreiber


Status: Offline Registriert seit: 24.02.2006 Beiträge: 1384 Nachricht senden | Erstellt am 10.03.2006 - 19:24 |  |
Also ne, du musst doch nich vor mir niederknien ^^. Du hast das "Gedicht" mehr als richtig verstanden und die Interpretation finde ich super ^^.
Manchmal merkt man erst versteckte Inhalte, die man selbst unbewusst geschrieben hat, wenn ein anderer sie ausspricht. So ging es mir mit der Blume und dem gefärbten Wasser. Ich habe unbewusst die Symbole Wasser, Fass und Blume gewählt, ohne dass mir in dem Moment (und auch bis gerade eben) nicht bewusst war, dass die Blume sich ja ständig verändert (obwohl das ja genau das ist, was ich beschrieben habe).
Jetzt wird mir klar, dass das die zentrale Aussage dieses Textes ist: Die Blume, die jeder in seiner Seele hat, verändert sich mit jedem Bröckelchen Erde und jedem Tropfen Wasser, dass in das Fass fällt. Und somit ist die Aussage dieses "Gedichtes" gar nich mehr so negativ. Es wurde nur ein negatives Beispiel gewählt, um einen bestimmten Sachverhalt darzustellen, der aber immer gilt.
Wow, jetzt bin ich erst mal geschafft von der neuen Erkenntnis, die ich über meinen eigenen Text bekommen habe und muss noch mal ganz von Vorne anfgange drüber nachzudenken....
Das du diesen Beitrag geschrieben hast, hat mir erst einmal die wahre Bedeutung meines Textes aufgezeigt, und ich denke dass, diese Erkenntnis eine mehr als positive Wirkung auf mich haben wird (hat sie ja jetzt schon ^^).
Da sieht man mal wieder, wie wichtig es ist über Dinge zu sprechen. Manchmal sagen wir was, ohne uns dessen tiefgründigeren Bedeutung bewusst zu sein.
Ich wollte dieses Gedicht erst gar nicht reinstellen, weil es ja dann doch sehr persönlich ist, aber es hat sich ja jetzt mehr als gelohnt .
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Status: Offline Registriert seit: 29.08.2005 Beiträge: 1968 Nachricht senden | Erstellt am 10.03.2006 - 23:44 |  |
Tja es hat den Anschein als wären wir, was alles Literarische anbelangt, doch sehr ergänzend.
Mir bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen bei dem was du schon geschrieben hast, nur noch das es wohl verständlich ist das ein negatives Beispiel verwendet wurde. Wir haben ja in einem anderen Beitrag schon klargestellt das negative Erlebnisse einprägender sind als positive, was auch der Grund für mehr negativ als positiv Schlagzeilen sind. Dazu kommt das man sich bei dem Gefühl sicher sein kann, das es der Größtteil der Menschen versteht was du fühlst, weil jeder eigene Erlebenisse reininterpretieren kann.
, du verlangst meinem Kopf einiges ab. Wusste gar nicht das ich so viele Gedanken darin verstaut habe.
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lezard  Schattenschreiber


Status: Offline Registriert seit: 24.02.2006 Beiträge: 1384 Nachricht senden | Erstellt am 12.03.2006 - 14:34 |  |
Die Tatsache, dass wir uns so ergänzen, bietet mir bis jetzt die erste Möglichkeit mal étwas tiefgehender über meien Gedichte nachzudenken und sie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Dass du das auf den anderen Beitrag bezogen hast, war schon wieder etwas, dass ich wahrscheinlich nie gemacht hätte. Wo wir wieder beim Ergänzen wären ^^.
Es freut mich, dass ich meinem Ziel, das ich versuche durch meine Gedichte anzustreben, andere zum Nachdenken anzuregen, nicht ganz so fern bin, wie ich es oft glaube ^^ und du jetzt weißt, wie viel in dir steckt ^^.
Ich habe noch nie so tiefgehend und gut mit jemandem über meine Gedichte "geredet" ^^.
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Status: Offline Registriert seit: 29.08.2005 Beiträge: 1968 Nachricht senden | Erstellt am 12.03.2006 - 14:47 |  |
Naja ich hab beim Duschen jetzt nochmal über das Gedicht nachgedacht (Ich liebe Duschen, da kann man so schön denken ^.^). Oder besser, ich hab nachgedacht wie meine "Blume" sich veränder hat und wie sie jetzt aussieht. Früher war die sicher ne kleine unerfahrene Blume, die trotz allem total Arrogant sich nicht von den großen irgendwo hindrängen lassen hat. Später ist die Blume dann hmm ... umgesiedelt worden in ein dichtes erstickendes Gestrüb in der sie fast erstickt wäre weswegen die Blüten schwarz wurden und der Stengel Stacheln bekam um sich den wenigen platz den sie hatte, zu sichern. Und wieder ne Zeit später hat sie sich noch einmal umsiedel lassen an einen hellen Ort wo lauter schwarze, traurige Bluemn waren wie sie und an der Sonne sind alle wieder hell geworden und die Stacheln sind zurück gegangen. Aber irgendwie ist immer etwas von den alten Blumen da geblieben. Sobald etwas von der schwärze nur ins Blickfeld gerät, kommen die Stacheln wieder bis das Dunkle wieder verschwindet...
Komische beschreibung, aber das stimmt sogar. Das dazu das man alte Ängste und Gewohnheiten nicht abschütteln kann ...
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lezard  Schattenschreiber


Status: Offline Registriert seit: 24.02.2006 Beiträge: 1384 Nachricht senden | Erstellt am 12.03.2006 - 17:42 |  |
Ja duschen ist was feines ^^, auch wenn mir die meisten Gedanken abends im Bett kommen ^^.
In der Sichtweise, wie du dein Leben jetzt mal betrachtet hast, versuche ich es auch mal:
Der Anfang war wahrscheilich ähnlich, wie bei deiner Blume: ein kleines unerfahrenes Pflänzchen, auf einer weiten Wiese, dass einen großen Willen hat.
Auf diese weite Wiese schlichen sich im Laufe der Zeit immer mehr Blümchen und Blumen, aber auch Schmetterlinge, Würmer und Käfer. Die Schmetterlinge sorgten für den sozialen Austausch der Blumen untereinander, die Würmer lockerten die Erde, sodass die Blume gut wachsen konnte. Aber die Käfer zerfraßen die empfindlichen Blätter und Blüten, bis die Blume anfing sich zu schützen und Stacheln bekam, mit denen sie aber nicht nur die Käfer, sondern auch die Schmetteringe fern hielt.
Ohne die Schmetterlinge wurde die Blume schwarz.
Sie war wieder alleine auf der Wiese, bis ein Sonnenstrahl durch ihre Schwärze drang und ihr das Wunderbarste zeigte, das sie schon immer gekannt und doch für eine Zeit vergessen hatte: das Leben.
Die Stachlen sind geblieben, doch richten sie sich nun gegen die Käfer. Sie sind kleiner geworden und manchmal vergisst die Blume, dass sie welche hat und dann droht sie zurück in die Schwärze zu fallen, denn ein Käfer hat ihre Wuzeln angefressen.
Ich denke, das wäre so die Entwicklung meiner Blume.
Vielleicht ist es ein wenig unverständlich oder zu lang geworden, denn ich befürchte, dass ich in meinen Geschichtenschreibstil abgedriftet bin, aber ich denke, dass es die Entwicklungsphasen meiner Blume ganz gut beschreibt.
Das man alte Ängste und Gewohnheiten nicht abschütteln kann, klingt meiner Meinung nach etwas hart, denn ich denke, dass man sie ganz gut dezimieren kann und lernen damit umzugehen.
Wo ich dir allerdings zustimme ist, dass sie nie verschwinden werden, auch wenn wir sie oft vergessen.
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Status: Offline Registriert seit: 29.08.2005 Beiträge: 1968 Nachricht senden | Erstellt am 12.03.2006 - 22:14 |  |
Das man sie nicht dezimieren kann bzw. lernen kann mit ihnen umzugehen hab ich nicht gesagt. Aber vllt. hätte ich das hinzufügen sollen. Ich weiß ja das es so ist, das hab ich in meinem vergleich gemeint das die "Stacheln" weg sind solange ich nicht einem der alten Schatten begegne.
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lezard  Schattenschreiber


Status: Offline Registriert seit: 24.02.2006 Beiträge: 1384 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 17:29 |  |
Ja, so hab ich dich auch verstanden (sorry, wenn´s falsch rüber gekommen ist XD).
Ich möchte mich noch mal bei dir für all die Interpretationen und die damit verbundene Zeit bedanken. Du hast mir echt weitergeholfen meine Gedichte und damit mich selbst besser zu verstehen.
Also hier ein ganz dickes DANKE ^^
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