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TigerCommander ...



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...   Erstellt am 01.10.2006 - 17:50Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mit diesem Artikel hier möchte ich mal allen Interessierten meine Art und Weise des Scratch-bauens vorstellen. Ich werde den Artikel in mehrere Bereiche unterteilen wie der Arbeitsplatz, Werkzeuge & Hilfsmittel, Materialien sowie deren Bezugsquellen, Vorlagen erstellen, Tipps & Tricks sowie Anleitungen zum selber bauen etc. Da ich selbst bis auf Dremel, Säulenbohrmaschine und Schleifbock über keinerlei Maschinen verfüge richtet sich mein Artikel auch an Anfänger die zu sehen bekommen dass man auch ohne großartigen Fuhrpark schöne Modelle zaubern kann. Alles, was man neben Kreativität, Fleiß und Geduld benötigt wird hier von mir aufgeführt. Vielleicht kann ich ja so einige Leute dazu ermuntern, auch mal „reinzuschnuppern“ sodass wir uns auf schöne neue Modelle hier freuen können. Das wird umfangreich, daher auch die Unterteilung in Kapitel damit man sich hier besser zurechtfindet. Eventuell wird der Artikel bei Nachfrage noch erweitert.

Inhaltsverzeichnis:

Kapitel 1 : Aller Anfang ist schwer
1.1 : Was will ich bauen und woraus?
1.2 : Beschaffen von Unterlagen, Bildern etc.
1.3 : Wie und wo beginne ich?

Kapitel 2 : Der Arbeitsplatz
2.1 : Der Arbeitstisch
2.2 : benötigte Werkzeuge
2.3 : benötigte Maschinen

Kapitel 3 : Jetzt geht’s los!
3.1 : Wie schneide ich richtig?
3.1a) : Anreißen
3.1b) : Schneiden
3.1c) : Brechen
3.1d) : Kanten überlappen oder falzen?
3.1e) : Rundmaterial bearbeiten
3.2 : Wie glätte ich die Schnittkanten?
3.3 : Wie erzeuge ich Kanten bzw. Schrägen?
3.4 : Wie verklebe ich die einzelnen Elemente?
3.5 : Bohren
3.6 : Schleifen und Schmirgeln
3.7 : Rundungen erstellen und schleifen

Kapitel 4 : Bezugsquellen
4.1 : Quellen für Materialien
5.2 : Quellen für Unterlagen, Modelle etc.


Kapitel 1 : Aller Anfang ist schwer

1.1 : Was will ich bauen und woraus?
Am Anfang hat man meist die Qual der Wahl wenn man nicht bereits konkrete Vorstellungen darüber hat was man bauen möchte. Neben der Wahl des Modells muss man auch in Betracht ziehen ob sich der Bau mit den zu Verfügung stehenden Mitteln überhaupt realisieren lässt. Sprich ist das Modell optisch sehr anspruchsvoll oder eher schlicht? Wie viel Arbeit dürfte es erfordern? Welche Arbeitsschritte kann ich selbst erledigen? Um mal ein kleines Beispiel zu nennen möchte ich mal den Vergleich zwischen einem französischen Leclerc und einen Jagdpanzer Hetzer aufführen. Letzterer hat viele einfache, große und glatte Flächen während der moderne Leclerc unzählige kleine und verwinkelte Flächen besitzt womit dementsprechend auch der Aufwand und zeitgleich die möglichen potenziellen Fehlerquellen sich erhöhen. Es nützt nichts, wenn man einfach drauf los baut um später festzustellen dass man doch nicht mit dem Projekt fertig wird. Ich will hier keinen abschrecken, sondern vor einem eventuellen Reinfall bewahren. Mir helfen Fotos und / oder noch besser ein Bausatz um zu entscheiden wie groß der Aufwand und der Schwierigkeitsgrad ungefähr werden dürfte. Die Wahl des Materials ist natürlich auch nicht unwichtig. Für den Einsteiger empfiehlt sich Polystyrol oder ein ähnlicher Kunststoff, da diese sich sehr leicht ver- und bearbeiten lassen und nebenbei auch noch günstig sind. Zumal man fast ohne Maschinen auskommt. Nur gute, alte Handarbeit ;-D wird meistens benötigt! Wer die Möglichkeit und passende Maschinen besitzt kann gerne auch aus Metall bauen und / oder beide Materialien kombinieren. Da ich zwar mit Metall könnte, mir aber die Maschinen fehlen (Biege- und Schneide-Maschinen, CNC-Fräse und Drehmaschinen und ähnliches), was wohl auf die meisten Modellbauer zutreffen wird, beschränke ich mir hier auf den Umgang mit „Plaste“.


1.2 : Beschaffen von Unterlagen, Bildern etc.
Nachdem die Entscheidung gefallen ist, geht es darum, sich nach Unterlagen. Plänen usw. zu erkundigen. Hier ist das Internet eine gute Wahl, ebenso Auktionshäuser wie Ebay und Co. Es gibt verschiedene Möglichkeiten um zu seinem Modell zu kommen. Da wären z.B. maßstabsgetreue Zeichnungen, Bausätze in verschiedenen Maßstäben, Papiermodelle usw. Für diverse Fahrzeuge gibt es von verschiedenen Anbietern Baupläne in unterschiedlichen Qualitäten die man benutzen kann. Oder man kauf einen Plastikbausatz (bei Panzern meisst 1/35, bei kleineren Maßstäben wird’s mit dem Vermessen zu schwierig und ungenau). Diesen vermisst man dann mit Winkelmesser, Schieblehre usw. und erstellt sich daraus dementsprechende Unterlagen. Als komfortabelste Lösung betrachte ich Papier bzw. Kartonmodelle in allen erdenklichen Maßstäben. Als Beispiel möchte ich hier mein Challenger2-Projekt erwähnen. Als Vorlage dient hier ein Kartonmodell von der polnischen Firma GPM im Maßstab 1/25. Die einzelnen Bögen habe ich eingescannt und mit Corel Draw auf 1/16 hochgezogen um dann die Blätter neu auszudrucken. Dabei bin ich wie folgt vorgegangen: Wie gesagt ein Blatt einscannen und in das Programm importieren. Da man nun nicht unbedingt den Maßstab erkennen kann habe ich das Blatt einmal ausgedruckt und ein möglichst langes Maß an einer beliebigen Stelle bestimmt und mit dem Maß auf der Originalvorlage verglichen.
Mit der elektronischen Rechenprothese (sprich Taschenrechner) bestimme ich nun den Maßstab, den mein Scan in Corel Draw besitzt. Nun multipliziere ich meinen Scan mit dem gewünschten Faktor den mein Modell besitzen soll. Schon habe ich einen maßstabsgetreuen Plan den ich mit meinem Drucker ausdrucken kann. Diese Vordrucke benutze ich als Schnittvorlage um mein Material schneiden zu können. Dazu schneide ich die Konturen mit einem Cuttermesser aus, lege das ausgeschnittene Muster auf mein Material und zeichne die Konturen mit einem Edding etc. nach. So kann ich mein Teil einfach ausschneiden. Der Vorteil dieser Methode mit den Papiermodellen liegt auf der Hand: Man muss nur einmal den Maßstab korrekt bestimmen und der Rest kommt von selbst. Kein lästiges Nachmessen jedes einzelnen Maßes, keine umständliche Winkelbestimmung etc. Dadurch können sich sehr leicht Abweichungen und Fehler einschleichen die sich unter Umständen wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt ziehen können. Zusätzlich zu dem Papiermodell benötige ich noch einen entsprechenden Bausatz in 1/35 um Details besser erkennen zu können. Denn Papier ist logischerweise nur 2-Dimensional, und einige Details sind damit nicht möglich oder nur äußerst umständlich darzustellen. Zudem muss man ein Papiermodell dann nicht noch zusammenbauen um sehen zu können wie was nachher ungefähr auszusehen hat.
Wem das noch nicht ausreicht empfiehlt sich das Internet und ein gutes / oder mehrere gute Bücher, je nachdem, wie hoch die eigenen Ansprüche sind und sich solche Dinge beschaffen lassen. Der / die / das „Guggel“ sprich Google hat sich oft schon als Retter in der Not herausgestellt wenn’s um Fotos o.ä. geht. Oder als Bezugsquellen für militärische Fachbücher gibt es genug Buchhändler die auch online handeln. Ebenso kann man natürlich auch in der elektronischen Bucht namens Ebay stöbern. Man muss nicht immer alles auf einmal besitzen sondern kann sich nach und nach seine Unterlagen zusammenstellen. Denn erst steht einmal der Rohbau an und die ganzen Details kommen bei mir erst zum Schluss dran.


1.3 : Wie und wo beginne ich?
Hat man sich für eine Methode entschieden geht es nun darum wo man am Modell beginnen soll. Ich persönlich beginne an der für mich schwierigsten Stelle zuerst. Würde ich umgekehrt vorgehen käme ich eventuell nach unzähligen Stunden Arbeit an leichten Stellen an einen Punkt wo ich merke dass ich es doch nicht hinbekomme. Womit alle bisherige Arbeit umsonst gewesen wäre. Anders hingegen merke ich schnell ob es sich lohnt das Projekt weiterzuverfolgen oder doch auf ein anderes umzusteigen. Bei meinem Challenger begann ich beim Turm da dieser über die komplexesten Formen verfügt.
Daher habe ich auch entsprechend erst einmal nur die benötigten Blätter für den Turm ausgedruckt. Hier beziehe ich mich daher auf meine Arbeit mit einem Papiermodell als Schnittvorlage. Dazu drucke ich mir einmal das Blatt mit den Turmteilen auf A4-Größe als Gesamtübersicht aus, damit ich weiß wo welche Teile sich befinden. Dann die einzelnen Bauteile möglichst platzsparend auf A4-Größe ausdrucken indem ich die Teile mit Corel Draw zurecht schiebe. Es empfiehlt sich, die Teile zu beschriften, und das sowohl auf der Übersicht als auch auf den „richtigen“ Ausdrucken. Das hat den Vorteil dass man immer weiß welches Teil man in den Händen hält. Und hinzu kommt noch dass man auch weiß, wie rum das Teil anzubringen ist, solange man immer alle Teile in gleicher Richtung beschriftet. Das nur als kleiner Tipp am Rande.



Kapitel 2 : Der Arbeitsplatz

2.1: Der Arbeitstisch
Ohne eine gescheite Unterlage klappt schon mal gar nichts. Auf Mamis Küchentisch arbeite ich schon lange nicht mehr, denn das gibt nur Ärger wenn mal wieder das Cutter sich im Tisch verewigte. Vor 2 ½ Jahren gab es mal in einem beheimateten Baumarkt einen simplen Tisch für knapp 15€ der seither seinen Dienst bei mir verrichtet. Sicherlich nicht wirklich stabil das Ding, aber da der Aufbau absolut simpel war, entschied ich mich dazu, den Tisch noch mal zu kaufen. Und dann habe ich aus 2 Tischen einen gemacht indem ich den zweiten um den ersten herumgebaut habe. Nebenbei habe ich nun anstatt einer Schublade derer zwei und damit mehr Stauraum. Tierisch stabil genug dass ich mich ohne Probleme mit meinen 2 ½ Zentnern draufsetzen kann ohne Angst haben zu müssen. Den Tisch hatte ich nun, aber schnell stellte sich heraus dass die Oberfläche vom Cuttermesser zerschnippelt wurde. Dementsprechend „hügelig“ bzw. wellig wurde die Oberfläche. Also musste eine schnittfeste und günstige Unterlage her. Eine Glasplatte vom Glaser um die Ecke bot sich mir für etwas über 20€ an. Flugs einen Rahmen aus Alu drumherum gezimmert damit sie nicht verrutscht oder gar herunter fällt. Als optisches Highlight kam noch ein Kunstdruck darunter womit der Tisch gleich 10mal besser aussah. Glas hat den Vorteil dass die Oberfläche absolut eben bleibt, egal wie oft man mit dem Cutter drüber herschneidet. Die bekommt man nur mit roher Gewalt oder stumpfen Gegenständen kaputt. Außerdem lässt sie sich kinderleicht reinigen! An der rechten Seite hab ich mir aus Plaste (woraus sonst ?!?) eine Halterung für meinen Dremel gebastelt. Damit ist dieser immer griffbereit und fliegt nicht auf dem Tisch oder Fußboden herum. Er ist angewinkelt damit er nicht herausfallen kann. Simpel, aber sehr effektiv! Dazu später mehr.




2.2: benötigte Werkzeuge

Zuerst einmal habe ich alles auf dem Tisch ausgelegt um einen Überblick geben zu können:


Und hier ein kleiner, selbstgebauter Butler für Kleinkrams:


Ich beginne beim Tisch wobei ich von links nach rechts und von oben nach unten gehe. Was wann und wozu benutzt wird erkläre ich später bzw. ist zum Teil selbsterklärend.

Erste Reihe:
- Revell Contacta (zähflüssiger Kleber)
- Sekundenkleber (6 Stück für einen (!) Euro aus dem Ramschladen)
- Revell Contacta Professional (dünnflüssiger Kleber, mein Favorit für Plaste)
- Edding mit feiner Spitze
- Edding mit grober Spitze
- Fineliner
- Feinspachtel (aus dem KFZ-Zubehör; gut und billig)
- ein Päckchen Künstler-Plastilin (der Ausdruck Kinderknete hört sich irgendwie dämlich an)
- ein Satz Schlüsselfeilen (aus dem Baumarkt, ca. 5€)
- Feile halbrund
- Fingernagelfeile mit aufgeklebtem 1000er Schmirgelpapier
- Fingernagelfeile bzw. Hornhautfeile (beidseitig mit unterschiedlicher Körnung)
- Schleifschwamm (beidseitig mit unterschiedlicher Körnung)
- Winkeleisen mit Zentimeterscala
- 50cm-Lineal aus Edelstahl (das kann man nicht so leicht zerschnippeln!)

Zweite Reihe:
- Cutter-Messer (auch Teppichmesser genannt)
- ein Päckchen Ersatzklingen
- verschiedene Modellbauskalpelle (als Set im Baumarkt nebst etlichen Ersatzklingen im Koffer)
- diverse Pinzetten (ebenfalls aus dem Baumarkt oder Ramschladen im Set)
- Zange
- Seitenschneider
- Spachtel
- Leimzwingen in diversen Größen
- Geodreieck

Dritte Reihe:
- Schneidmatte
- Rohrschneider
- Heißklebepistole


2.3: benötigte Maschinen

Hier meine Allzweckwaffe, auch Dremel genannt, in seiner „Garage“ bzw. „Stellplatz“ an der rechten Seite des Tisches.
Egal, ob zum Bohren, Schleifen, Fräsen, Polieren, Entgraten usw., dieses Multitalent hat sich schnell bezahlt gemacht. Da hier mit hohen Drehzahlen gearbeitet wird kann schnell mal was ins Auge gehen (oder noch schlimmer), also ist hier Vorsicht geboten. Daher immer eine Schutzbrille tragen! Tu ich selbst so gut wie nie, aber ich muss es trotzdem erwähnen. Und immer gut festhalten, das Ding entwickelt schnell eine unkontrollierbare Eigendynamik. So ein außer Kontrolle geratener Fräser schnippelt sich ruckzuck durch Haut, Fleisch und Knochen. Sehr zu empfehlen ist ein als Zubehör erhältlicher Bohrständer (ähnlich einer Säulenbohrmaschine) und / oder eine flexible Welle als Aufsatz. Damit kann man den Dremel in seiner Dackelgarage belassen. Somit ist längeres Arbeiten ohne Ermüdung des Handgelenkes möglich. Wer einen Dremel schon mal über 1 Stunde ununterbrochen in der Hand hatte weiß wovon ich rede!
In der Garage befinden sich noch eine Säulenbohrmaschine (zum Bohren von senkrechten Löchern etc) und ein Schleifbock. Letzteren benötigt man eigentlich nur wenn man sehr schnell viel Material runterschleifen will oder Metall bearbeiten möchte. Für den Plastebauer nicht unbedingt zwingend erforderlich. Die Säulen – oder auch Tischbohrmaschine genannte Maschine wird immer dann benötigt wenn der Dremel nicht mehr ausreicht. Denn dieser kann nur Werkzeuge und Bohrer nur bis max. 3mm Schaftdurchmesser aufnehmen.



Kapitel 3 : Jetzt geht’s los!

3.1 : Wie schneide ich richtig?
Es mag sich für den einen oder anderen blöde anhören, aber auch schneiden will gelernt bzw. geübt sein. Erst einmal wegen der nicht unerheblichen Unfallgefahr (ich hab mir beinahe einmal eine gesamte Fingerkuppe mitsamt Fingernagel mit dem Cutter „abgesäbelt“). Zum anderen ist die Technik dabei als solches auch nicht zu unterschätzen. Lieber mehrmals einen Schnitt Stückchenweise machen wodurch sich die Unfallgefahr verringert als einmal heftig „schnitzen“, dabei mit dem Messer abzurutschen und sich zu verstümmeln. Dazu mehr siehe weiter unten. Kleine Teile lassen sich übrigens auf einer Schneidmatte leichter schneiden weil das Teil schlechter wegrutschen kann als auf dem Glastisch.

3.1a) : Anreißen
Nachdem das Schnittmuster übertragen wurde (mit mitteldickem Edding etc) wird ein Lineal angelegt und gut mit einer Hand fixiert während die andere Hand mit leichtem Druck das Cutter entlang führt. Da ich nur 2 Hände besitze (wie jeder andere Mensch auch) habe ich beim Knippsen natürlich ein Problem, daher zeigt das Foto nur das Anlegen ohne das Cuttermesser:

Dabei das Messer gerade, sprich im rechten Winkel aufsetzen! Nur so ist sichergestellt dass der Schnitt auch gleichmäßig und gerade wird. Setzt man es schief auf kann es leicht unter das Lineal gedrückt werden (gerade dann, wenn man längere Schnitte macht und das Lineal nur vorne und hinten festhalten bzw. andrücken könnt). Dann geht es ins Material hinein, oder noch schlimmer. Drückt es das Lineal beiseite und geht dann tief ins anzufertigende Teil hinein. Der erste leichte Schnitt, das sog. Anreißen, ist damit erledigt. Und immer über die Umrisse hinweg schneiden. Ich denke, darauf brauche ich nicht näher einzugehen, siehe Bild hier:


3.1b) : Schneiden
Nun habe ich eine Art „Kiellinie“ in welcher ich das Messer leicht führen kann. Entweder mit oder ohne Lineal. Für’s Foto hab ich ohne Lineal gemacht. Habe nun mal nur 2 Hände und keine drei! Besser ist es natürlich das Lineal angelegt zu lassen. In dieser „Kiellinie“ verrutscht das Messer nicht mehr so leicht als wenn ich nur einen Schnitt mit starkem Druck mache. Bei diesem kann das Messer einmal sehr leicht abrutschen und tief ins Material schneiden und / oder Körperteile abtrennen (Finger sind da sehr beliebt). Jetzt habe ich 2 Möglichkeiten die sich auch etwas nach der Materialstärke richten. Entweder ich schneide solange entlang bis ich ganz durch das Material durch bin, oder aber ich breche es siehe nächstes Unterkapitel. Beides hat Vor- und Nachteile.
Egal wofür ich mich entscheide, sollte die Oberfläche nachher verschliffen werden, weil sich die Schneide ja ins Material drückt und links und rechts neben dem Schnitt eine kleine Wulst „aufschüttet“. Dazu siehe Kapitel 3.2 .


Möchte ich runde Teile ausschneiden gibt es 2 Möglichkeiten. Die erste besteht darin mit einem Zirkel zu arbeiten. Bei diesem wird anstatt der Bleistiftspitze eine Messerklinge von einem Skalpell befestigt und somit leicht durchs Material durchgearbeitet. Als Alternative kann man dies auch von Hand ohne Zirkel machen. Dazu nimmt man ein Modellbauskalpell mit gerundeter Schneidfläche wie hier. Durch die spezielle Form folgt es der Handbewegung beim Schneiden der Kontur.


3.1c) : Brechen
Beim Brechen tut man wie es sich vermuten lässt brechen (das Plaste natürlich!). Nach ein paar leichten Schnitten biegt man einfach das Material solange hin und her bis es bricht. Je dicker das Material und je flacher der Vorschnitt mit dem Messer desto größer ist die Gefahr von unsauberen Kanten. Wie man die wieder los wird siehe Kapitel 3.2.

3.1d) : Kanten überlappen oder falzen?
Wenn man Teile geschnitten hat kommt man vorm Zusammenkleben zwangsläufig an den Punkt wo man sich fragen muss wier man die Teile verkleben will. Einfachste von 3 möglichen Lösungen ist es, die Teile einfach aneinander zu kleben. Klebt man winklige Teile, hat man nachher immer eine leichte Unebenheit die nachher verschliffen werden muss. Eine elegantere Möglichkeit besteht darin, die beiden Teile vorher anzuschrägen (siehe Unterkapitel 3.3 : Wie erzeuge ich Kanten bzw. Schrägen?). Die schönste, wenn aber auch aufwändigste Möglichkeit ist, die Teile in einem Stück zu schneiden und nachher einen Falz in die Unterseite zu schneiden. So kann ich mehrere Teile in einem Stück bearbeiten ohne sie verkleben zu müssen. Allerdings gehört dazu ein gewisses Fingerspitzengefühl und etwas Übung. Ich demonstriere es anhand eines Beispieles mit 2 Teilen. Ich drehe das Teil also auf herum sodass die Unterseite nun oben liegt. Dann ziehe ich mit dem Cutter eine feine Linie in welcher ich nachher schneiden möchte. Der Schnitt wird wiederholt bis ich eine ausreichende „Kiellinie“ habe. Nun biege ich das Material ganz vorsichtig etwas auf damit der „Graben“ etwas größer und vor allem breiter wird. Jetzt kommt die Dreikantfeile zum Einsatz, welche ich in die Kiellinie aufsetze. Das zu schneidende Teil gut festhalten und mehrfach in langsamen Bewegungen die Feile durch den Graben ziehen. Dabei wird langsam der Graben breiter und tiefer.

Leider macht meine Kamera bei solchen Nahaufnahmen schlapp, aber ich hoffe man kann es einigermaßen erkennen wie der fertige „Graben“ aussieht:

Nun kann ich ganz vorsichtig das fertige Teil in die richtige Position biegen. Dabei aufpassen dass es nicht einreißt oder gar bricht. Deswegen braucht man hierbei etwas Übung und Erfahrung. Auch bei mir klappt es nicht immer so wie ich es will. Daher bevorzuge ich das Winkeln mit dem nachherigen Verschleifen.

3.1e) : Rundmaterial bearbeiten
Hier geht es rund, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Dünnes Material aus Plaste o.ä. legt man auf eine glatte Unterlage und setzt das Messer senkrecht mit leichtem Druck auf dem Material auf. Mit der freien Hand rollt man das Plaste vor und zurück wobei sich das Messer nun leicht ins Rundmaterial schneiden sollte. Solange wiederholen bis man durch ist. Bei größeren Durchmessern (egal ob Alu. Plaste o.ä.) empfiehlt sich der Einsatz eines Rohrschneiders. Den gibt es im Baumarkt für ein paar Euronen. Man spannt einfach das Material zwischen Rolle und Schneide und dreht an der Rändelschraube bis es sich leicht ins Rohr o.ä. schneidet. Nun dreht man das Rohr ein paar Mal herum und dreht dann wieder an der Schraube. Wieder das Rundmaterial drehen usw. bis man durch ist. Ist das Rohr sehr weich oder dünnwandig kann es sich verformen oder zu früh brechen. Dann sollte man ein Stück Vollmaterial ins Rohr stecken wodurch es stabilisiert wird.

3.2 : Wie glätte ich die Schnittkanten?
Nach dem Schneiden oder Brechen sind die Schnittkanten sichtbar die die Schneide vom Cutter hinterlassen hat. Um diese zu entfernen kann man z.B. Schmirgelpapier nehmen. Oder diese spezielle Nagel –bzw. Hornhautfeile aus dem Discounter etc. Sie hat eine raue und eine feine Seite und ist ideal dafür weil sie eine stabile Auflagefläche besitzt. Kleinere Teile kann man einfach darauf legen und dann über die Schleiffläche führen. Dabei mit gleichmäßigem Druck andrücken!

So verschwindet sehr schnell die Wulst die durch das Schneiden entstanden ist. Bei größeren Teilen nimmt man das Bauteil in die Hand und führt die Feile über die Kante hinweg. Mit der gleichen Methode kann man auch Bruchkanten und die seitlichen Schnittkanten „ebnen“ und glätten. Diese Feile ist dafür optimal und hat dabei noch eine hohe Lebensdauer. Ich habe meine schon seit über einem Jahr und sie ist noch immer top i.O.! Natürlich benutzt man die feinere Seite um keine tiefen Riefen ins Plastik zu schleifen.

3.3 : Wie erzeuge ich Kanten bzw. Schrägen?
Kanten und Schrägen sind an vielen Stellen erforderlich. Ganz besonders bei modernen Panzern wo viele Platten angewinkelt werden müssen. Um diese zu erzeugen benutzte ich entweder eine Feile (die halbrunde) oder die o.g. Fingernagelfeile. Im Beispiel wird eine normale Feile benutzt. Dazu legt man das zu bearbeitende Teil in einem entsprechenden Winkel und reibt mit der Feile darüber. Dabei drücke ich mit einem oder mehreren Fingern oben an die Ecke um den Anpressdruck zu erhöhen. Somit kommt man schneller zum Erfolg da sich so das Material nicht mehr wegdrücken kann.


3.4 : Wie verklebe ich die einzelnen Elemente?
Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Ich verwende am meisten den dünnflüssigen von Revell. Muss das Kleben schnell gehen gebrauche ich Sekundenkleber. Mit dem zähflüssigen kann man sogar kleinere Spalte „zuspachteln“. Um bei dünnen Wandstärken von innen Stabilität hineinzukriegen klebe ich entweder Plastik dahinter um es zu verstärken. Oder aber ich nehme die Heißklebepistole und ziehe eine Naht entlang der Klebekante.

3.5 : Bohren
Zum Bohren kann man für kleine Löcher den Dremel verwenden. Für größere die (Säulen)Bohrmaschine. Hat man jedoch mal das Problem dass man ein größeres Loch benötigt als man Bohrer besitzt schneidet man mit dem Dremel und einem entsprechenden Fräser das Loch grob heraus. Nun kann man die halbrunde Feile einsetzen und sich langsam rundherum arbeiten bis man das gewünschte Ergebnis hat.

3.6 : Schleifen und Schmirgeln
Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Z.B. mit der Feile, Schmirgelpapier, Schleifschwämme oder ähnliches. Generell gilt: Je feiner die Körnung ist desto feiner ist nachher das Schliffbild. Zu grobe Körnung haut einem eher Riefen in den Kunststoff die man nachher mit Spachtel entfernen muss. Also nicht zuviel mit dem groben Schmirgel abnehmen und rechtzeitig auf feinerem umsteigen. Ab einer Körnung von 400 empfiehlt es sich nass zu schleifen. Es ist sogar ab 800er Pflicht. Ansonsten setzen sich die feinen Körnungen mit dem Schleifstaub zu und man hat dadurch keine Schleifwirkung mehr. Schleifschwämme eignen sich besonders dafür wenn man große Flächen schleifen will. Zudem kann man durch die flexible Struktur Rundungen herausarbeiten da der Schwamm der Oberfläche folgt und sich ihr anpasst. Diese sind in 2 „Größen“ erhältlich: grob + mittel sowie mit mittlerer und feiner Körnung.

3.7 : Rundungen erstellen und schleifen
Hier gibt es 2 Möglichkeiten, einmal längs und quer zur Mittelachse. Beide Verfahren haben ihre Vorteile und auch Nachteile. Ich versuche beide Verfahren anhand der Kasematte für meinen Challenger2 aufzuzeigen. Ich beginne mit dem längsfeilen:

Hier geht man, wie man sieht, mit der Feile in Längsrichtung zur Achse und bewegt dabei die Feile nach links und rechts um die Rundung herauszuarbeiten. Dies empfiehlt sich bei geringen Radien und einer langen Längsrichtung.
Beim querfeilen ist es genau umgekehrt, man feilt quer zur Achse und führt die Feile dabei in einer „runden“ Bewegung über das Werkstück. Dies geht meiner Meinung nach am einfachsten von der Hand.


Kapitel 4 : Bezugsquellen

4.1 : Quellen für Materialien
www.architekturbedarf.de : alles mögliche, Polystyrolplatten, Rundmaterial, Profile, Metalle, Werkzeuge usw. Fast alles was das Herz begehrt!
http://knupfershop.de/ : einfach zuviel um alles aufzulisten. Was der nicht hat, gibt es nicht! Schrauben, Nieten, Bolzen, Muttern, Schäkel, Scharniere, Spezialwerkzeug usw. Und das alles in Miniaturgröße. Nicht nur für Militärmodellbauer!
http://www.messmittelonline.de/ : alles rund ums Thema „Messen“
http://www.fohrmann.com/d/shop/d_wg.htm : Werkzeuge für den Modellbau
http://www.rai-ro.de/main.htm : Modellbauzubehör aller Art
http://www.febrotec.de/ : Federn aller Art

5.2 : Quellen für Unterlagen, Modelle etc.
www.moduni.de : Händler für alle möglichen Bausätze. Vertreibt auch Papiermodelle aller möglichen Hersteller, auch GPM
www.gpm.pl : mein bevorzugter Hersteller für Papiermodelle als Vorlage. Große Auswahl und günstige Preise.
http://www.modellplaene.de/ : ein paar Modellpläne zu diversen Panzern in diversen Maßstäben


So, das waren die Basics. Ich hoffe einigen einen interessanten Einblick gegeben zu haben. Und vielleicht sogar jemanden den Anreiz dazu geben zu können sich selbst an ein Projekt heranzuwagen. Bei Fragen usw. stehe ich natürlich helfend zur Seite!

Grüße
Sascha

[Dieser Beitrag wurde am 02.10.2006 - 21:59 von TigerCommander aktualisiert]





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...   Erstellt am 02.10.2006 - 08:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Sascha,
für den wunderbaren Bericht den Du verfasst hast. Wird bestimmt für jedem hilfreich sein.
Werde mal festpinnen.





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Hallo Tigercommander ....



Soviel Arbeit ....
Aber mal etwas als Vorschlag wie wäre es da der Beitrag sehr lang ist und man nicht immer Teil XY suchen will/möchte diesen Beitrag ein wenig aufzuteilen ?
In Schritte 1 und 2 bis Ende so müssten dann auch wir nicht immer den ganzen Beitrag dann durchforsten ?

Gruss
Andi





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...   Erstellt am 02.10.2006 - 22:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Andi!

Was aoll denn das Aufteilen bringen, ich verstehe da den Sinn nicht so ganz? Scrollen muss ich so oder so, und da lasse ich ihn lieber in einem Stück, sozusagen als ein kleines Kompendium. Denke mal dass das sinnvoller ist als ihn zu "zerstückeln". Zudem ich die einzelnen neuen Kapitel fettgedruckt hervorgehoben habe und sie so eh sofort ins Auge stechen. Ich denke eh darüber nach den Artikel nach und nach zu erweitern. Dann hat man einen Thread der alles übersichtlich "abgrast". Ja, ich war lange daran zugange. Ich schätze mal so 6-7 Stunden (mit Bilder machen, nachbearbeiten usw.)...

Grüße
Sascha





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...   Erstellt am 02.10.2006 - 22:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


HI Tigercommander

So als Kompendium aha ich kann da nur sagen
Wenn du willst müsste man sich dann nur überlegen diese Beiträge jetzt hier dann rauszunehmen oder ?

Wenn damit alle einverstanden wäre das möglich , so wäre dann alles beisammen ....
Der Bericht ist Spitze das sollte man dann wenigstens so hervorheben ....


Gruss
Andi





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...   Erstellt am 02.10.2006 - 22:57Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hi!

Das kann man später immer noch machen. Oder aber, wenn mal alles fertig sein sollte, könnte man den Thread nochmal neu in dafür eigentlich vorgesehenen Bereich posten. Ich weiß nur nicht, was ich noch ergänzen könnte und wäre da auf eure Mithilfe angewiesen. Das Gießen mit Resin nebst Formenherstellung könnte ich noch hinzufügen weil ich mich dort auch etwas auskenne. AUfs Bohren könnte mit der Säulenbohrmaschine könnte ich auch noch eingehen. Mit Metall kann ich auch (schließlich hab ichs gelernt), aber mir fehlen die Maschinen ums dokumentieren zu können. Hab nunmal keine Fräse oder Drehbank. Daher macht das dann relativ wenig Sinn. Kommt Zeit, kommt Rat oder so. Außerdem hab ich jetzt einen verbindlichen Einweisungstermin am 18.10. woimit ich dann sowieso ne ganze Zeit von der Bildfläche verschwinden werde.

Grüße
Sascha





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...   Erstellt am 03.10.2006 - 08:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Also ich finde einen zusammenhängenden Beitrag wesentlich sinnvoller, als Einzelne stückweise zu verteilen ...





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...   Erstellt am 03.10.2006 - 23:17Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Eben das soll er ja nicht deswegen werden diese Beiträge später mal entfernt die jetzt Tigercommander seinen Beitrag weiter ausführen ....
Die Nachträge kommen dann in Unterforen oder werden zu seinem Beitrag mit Nummern Ergänzt .

Gruss
Andi





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...   Erstellt am 05.10.2006 - 00:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hmm kann dir irgendwie noch immer net folgen. Muss wohl daran liegen dass ich blond bin

Grüße
Sascha





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