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weltenbummlerin 





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...   Erstellt am 29.10.2008 - 02:33Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ich fühle mich wie in einem schraubstock, wenn ich an die zwänge und methoden aus meiner schulzeit zurückdenke. das schlimme: man konnte da nicht raus. man wusste ja nichts. und man, oder ich, dachte, das müsse alles so sein. erst später habe ich darüber nachgegrübelt, wer sich das denn alles überhaupt ausgedacht hat. dass man in die schule gehen muss und dass es zeit gibt und warum ich überhaupt so gequält werde. oft konnte ich mein leid gar nicht zum ausdruck bringen, weil ich jeden aufschrei sofort verdrängt habe, denn es musste ja alles so sein. daran gabs ja nichts zu rütteln. meine eltern hatten mich in die schule geschickt und das wird wohl gut für mich sein. wohlgemerkt, da war ich erst 8 oder 9, als ich so gedacht habe. (später hat sich das natürlich geändert.) warum haben mir meine eltern niemals gesagt, dass es auch anders geht? warum haben sie mich nicht der schulpflicht entzogen?

ich erinnere mich daran, wie ich jede woche zum schwimmen musste. das war kurz nach dem mauerfall, und alles war noch eklig und grau, es warteten die schlaglöcher und es stanken die busse. eigentlich stinken ihre abgase immer noch, aber der geruch von damals hat sich mir besonders eingebrannt. also sind wir im kalten herbst oder sogar winter immer dahin gefahren, im bus, dessen dieselgemisch sich mit der kälte und am ende auch mit meinen nassen haaren vermischt hat. dazu ein hauch chlor, und juckende haut (ich habe eine chlorallergie), kopfschmerzen und übelkeit. anfangs waren meine eltern nicht besonders nett, "keine lust" gabs nicht, und "chlorallergie" war damals unbekannt. und dann noch meine rechenschwäche, das nach-hause-kommen und mit-grauen-im-garten auf-meine-eltern-warten, der durchheulte frühling, die gestandenen fünfen und sechsen. 'was hab ich nur verbrochen?', habe ich mich mehr als einmal gefragt.

ab der 9. oder 10. hätte ich mich jeden morgen erst mal übers klo hängen können. mir war schwindelig, übel, elend und ich glaube, ich hatte wohl das, was man "depression" nennt, ausgelöst durch den rhythmus, der nicht mit meinem eigenen übereinstimmte. warum bin ich nur nie einfach abgehauen? warum sorgen eltern für ihre kinder, die sie doch angeblich so sehr lieben, nicht vor, und ersparen ihnen diese ganze folter (kindergarten, schule, arbeit)?

plötzlich hieß es: "du MUSST zur schule." ich dachte ja, das wird mir gefallen und das ist abwechslung und da werden mir alle meine fragen beantwortet, und am anfang war das sicher auch so, aber als ich dann gemerkt habe, dass die umgangsformen rauh sind und das klima verständnislos, dass ich kritisch begutachtet werde, weil mir abstraktes denken so fremd war (da fehle eine gehirnwindung, wurde von der lehrerin behauptet), wollte ich nur noch raus.

das schrille mädchenlachen am morgen, der zigarettenqualm von weitem, die eiseskälte morgens um 10 nach 7, wenn der bus startete, die leute, mit denen man zusammensein musste, obwohl sie nicht im geringsten denen entsprachen, die man toll fand (außerhalb), das dauer-sitzen, die müdigkeit, die dauer-konzentration, die eigentlich so untypisch für den menschen ist...

je mehr abstand ich zu meiner schulzeit habe, und je weniger personen, die mir klarmachen, ich würde übertreiben, in meinem umfeld sind, desto bewusster wird mir die eigentliche grausamkeit des schulalltags.

das abschotten, das war für mich DER ausweg und DAS heiligtum.
ich habe mir oft vorgestellt, wie ich in meiner eigenen riesigen höhle mit tausend gängen und schienen, auf denen ich im wagen herunterfahren kann in meinen raum, mit tausend tieren lebe und sonst niemandem. ich war da ganz alleine und ich war glücklich. immer, wenn mich der alltag besonders hart gepackt hat, habe ich mich in gedanken dorthin verzogen, und so habe ich natürlich auch nichts mehr vom unterrichtsstoff mitbekommen, was dann zu noch schlechteren noten in mathe führte. ist es nicht schlimm, wenn man als kind eine übung anwenden muss, die ja eigentlich erwachsene erlernen, weil sie nach innerer erleuchtung streben, um seelisch zu überleben? (hätte ich es nicht gemacht, wäre ich wohl wie ein scherbenhaufen zusammengerutscht.)

ich habe mich immer gefühlt, wie ein gefangenes tier.
ständig auf dem sprung, aber daran gehindert; beklemmungsgefühl, der gedanke, in der falle zu sitzen, festzustecken, und nur beim startschuss fliehen zu dürfen.





Signatur
\"Wir müssen einfacher leben, damit andere einfach leben können.\"

Albert Schweizer

Naturkind 



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Registriert seit: 11.02.2008
Beiträge: 20
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...   Erstellt am 06.11.2008 - 20:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Weltenbummlerin,

vieles von dem, was Du schreibst, kann ich nachvollziehen. Ich verstehe Deine Verbittertkeit über das Schulsystem bzw. Lehrsystem. Aber glaube mir, es geht auch anders. Wie Du vielleicht in Deinem Lebensverlauf selbst festgestellt hast, gibt es auch Länder, wo andere Dinge zählen, als ein maschineller Ablauf, wo das Einzige, was zählt, Das Funktionieren Deiner selbst ist. Funktionieren müssen wir. Das fängt schon sehr früh im Kindesalter an und geht eigentlich bis zum Tod. Wenn wir uns gegen diese Prinzipien wehren, dann gelten wir als unbeugsam, negativ, weil wir auffallen. Wir sollen aber mit der Masse gehen... mit dem Strom schwimmen. Eigeninitiative, wenn Sie nicht der allg. Denkensweise entspricht, ist gänzlich unerwünscht. Selber zu denken braucht Kraft und Mut.

Ich verstehe Deine innere Verzweiflung, ist sie doch nur zu verständlich, in einer Welt, in der wir nur geduldet werden, wenn wir den Ansprüchen unserer Mitmenschen gerecht werden. Uns selbst verwirklichen zu wollen wird als Annormal, Schwäche oder gar Ausrutscher deklariert. Diese Ohnmacht, die man verspürt, wenn man unverstanden ist, wenn man sich in eine Richtung gezwungen fühlt, die man nicht einschlagen will... die Vorurteile, mit denen man zu kämpfen hat, wenn man einen eigenen Willen hat. Wenn man die Frechheit besitzt einen eigenen Willen zu haben!!!

Viel zu oft wird man, wurde ich, im Leben dazu gewzungen, bzw. habe ich mich selbst dazu gezwungen Dinge für andere Leute zu tun, oder nur, weil sie halt von mir erwartet wurden. Wie ich mich selbst dabei fühlte, war sekundär.

Du hast mein Mitgefühl, meine Liebe.

[Dieser Beitrag wurde am 06.11.2008 - 20:44 von Naturkind aktualisiert]





Signatur
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum...

<Schulpflicht>
unregistriert

...   Erstellt am 18.01.2013 - 23:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die Aufgaben der Schulpflicht
https://www.youtube.com/watch?v=ko3p0vC3jRc





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