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susana 
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...   Erstellt am 25.04.2006 - 12:12Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es gibt doch zwei Arten von Schuld: die von außen Zugewiesene, naja mit ihr hat die Gruppe umzugehen, und die vom Ich-Tribunal Verhängte. Sie ist die Schwere, die belastet, zumal es keine Instanz zu geben scheint, die verzeihen kann, auch wenn das Opfer dies schon vermochte.

Schuld ist in erster Linie eine Unfreiheit im Fühlen, dem nachgeschaltet: im Handeln. Befangen, gefangen, verfangen.

Wege in die Freiheit führen über das Tun. Wieder-gut-machung. Nicht das Verzeihen befreit, ganz im Gegenteil, wieder wird man dadurch gefangen, befangen, steht noch mehr in der Schuld des Opfers.
Wie also handeln, um sich von dem Schuldgefühl zu befreien? Denn dies ist der erste Schritt: die Erkenntnis, dass es sich um ein eigenes Gefühl handelt. Der zweite: es zulassen und frei strömen lassen, bis man es durch und durch kennt.
Weiter: es begrenzen, denn man neigt dazu, es immer mehr zu vergrößern. Warum man das tut? Selbstbehauptung, wenn man sich schon keine Wirkmächtigkeit im Guten zutraut, so doch im Bösen.
An dieser Stelle hat man das Schwerste hinter sich: ja - hier habe ich in diesem Rahmen genau diese Schuld auf mich genommen. Genommen, ja, weil ein Schuldbeladener zumindest die Aufgabe hat, den anderen das Gutsein zu erleichtern. Denn es ist ja in den meisten Fällen eine schicksalhaft zugewiesene, nicht eine absichtlich in die Welt gesetzte Unzulänglichkeit, deretwegen man sich schuldig fühlt.
Kennt man Umfang und begrenzte Schwere der eigenen Schuld, so suche man nach einem Gegenstück gleichen Umfangs und gleicher Schwere an Wiedergutmachung. Man muss nicht ein Mehrfaches leisten. Nur dieses. Nur an vermutlich einem Menschen. Ist das Opfer nicht, so sei es ein anderer Mensch. Bietet sich die selbe Sachlage nicht noch einmal an, geht also eine Wiedergutmachung nicht, so suche man nach Gelegenheiten, selbst ein Gleiches einem anderen zu verzeihen. Diese gelegenheit wird sich mit Sicherheit finden lassen, denn neben den eigenen Schuldgefühlen trägt man ja genug an Verletzungen. Und es ist ein Kreislauf: auch an diesen Verletzungen hat jemand die Schuld genommen, damit man selbst die Gelegenheit bekommt, zu verzeihen.

Schuld grenzt nicht aus. Sie ist lediglich Anstoß, selbst verzeihen zu lernen, andere nicht auszugrenzen, weil sie schuldig geworden sind. Sie ist immer auch eine Aufgabe für den anderen, nicht nur für sich selbst. Sie ist lebensnotwendiger Motor, nicht nur in der Literatur. Jeder Mensch ist dem anderen Aufgabe. Er kann dies nur sein, wenn er auch Schuld auf sich nimmt. Er reiht sich damit in alle anderen Menschen ein.





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