Gander


Status: Offline Registriert seit: 08.01.2006 Beiträge: 189 Nachricht senden | Erstellt am 19.01.2007 - 21:06 |  |
Ich erinnere mich ganz genau. Es war eines der Essen, ohne die das Leben eines Gourmet gourmand - eines viel geniessenden Feinschmeckers - unvollkommen wäre.
Das Restaurant war eines des hochbesternten Alain Chapel im kleinen Ort Mionnay bei Lyon. Das Essen
war noch hinreißender als erwartet, also unvergleichlich. Die Bedienung, diskret, liebenswürdig und überaus elegant.
Wie immer in solchen Lokalen verlangte es mich nach Weinen, die ich noch nicht kannte. Wenn schon, muss man seine kulinarischen Kenntnisse an solchen Orten zusammenstehlen. Mit den Augen, mit der Nase, mit dem Mund. Was also würde mir zur Foie de Lotte en Terrine servieren?
Ein Gericht, so kraftvoll fischig-lebrig-meerig, dass die Franzosen darüber sagen: " Foie de Lotte, femme perd sa cotte" - was nichts anderes heisst, als dass eine Frau, die Seeteufelleber-Terrine isst, ihren guten Ruf verliert...
Raffael, so heisst der Sommelier, bringt mir also ein Glas.
"Was riechen Sie? Was schmecken Sie? Was denken Sie?", beginnt er das Spiel des Verkostens. Tief hängt meine Nase im Glas. Wasserkühle Frische. Und ein Duft von frisch gemähtem Gras. Und Sommerblumen... Und: Könnte es sein... weißem Pfirsich? Aber ich sage das alle nicht. Ich sage das, was ich einfach sagen muss: "Blanche-Neige" - Schneewittchen.
Kaum je hat mich ein Mensch so fassungslos betrachtet wie Raffael in diesem Moment. Abert mein Ein- und Ausdruck war, das spüre ich in diesem Moment, der einzig richtige. Denn die Viognier-Traube, deren Wein in meinem Glas steht, ist genau das: klar, rein und voller wunderbarer Nuancen. Geschmacksschattierungen von getrockneten Aprikosen, frisch gemähtem Gras und sommerlichen Blumenwiesen. Schneewittchen eben. Außerdem so unendlich perfekt zu schweren Gerichten. Hier in Mionnay lässt es sich leben und vor allem... essen.
Um nachher im angeschlossenen Hotel in ein wunderbares Bett zu sinken. Dass solche Freuden zu zweit erlebt werden sollten, versteht sich!
Signatur Es ist wichtig, kein Spiel zu ernst zu nehmen, sonst verliert man es. (Graham Greene, der menschliche Faktor) |