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| Erstellt am 29.03.2005 - 16:46 |  |
Tagebuch des Chronisten Velvan diar'Nhell zu Shul Dun, 21 Norva des zweiten Jahres des Allfürsten Timor dail'Norcaine, im vierten Kriegsjahr.
Liebste Iszrai,
ich bete zu den Göttern, dass du diese Zeilen jemals lesen wirst, oder besser, dass ich dich selbst sehen werde, um dir selbst zu erzählen. Denn die Wahrheit ist, Shul Dun wird bald fallen. Auch wenn es niemanden geben wird, der dir dies bestätigt, so wissen es alle. Der Sand flüstert es uns, und selbst wer taub für den Sand ist, der kann die Zeichen immer deutlicher sehen. Unsere Streiter, die tapfere fürstliche Garde und die Ordensstreiter des Schwarzen Turmes zu Akyis'Ra, wie auch die Reiter von Harazim und der Armeen des Bündnisses, die seit der Memnach-Offensive hier festsitzen, sie alle werden immer mutloser und erschöpfter. Ihr Einsatzwillen lässt nach und ihre Kriegerehre, die einst im Licht der Geschichte strahlte, scheint kaum mehr zu bestehen. Es ist eine Tragödie.
Manchmal frage ich, wie denn alles begonnen hat, und dann ärgere ich mich wegen der Fehler, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. Ist dies die Strafe der Götter, weil wir ihnen nicht genug gedient haben?
Alles begann mit den Piraten. Schon immer haben Seebanditen Jagd auf unsere Handelsschiffe gemacht, die unsere Mondkirstalle zu den Zwergen bringen, um uns dafür mit Eisen zu versorgen. Wie schön es doch damals war, als unsere Kristalle den Zwergen ermöglichten, unter Tage zu arbeiten, während sie uns einen Teil ihrer Arbeit zukommen liessen. Unser altes Handelsnetz, einst Quelle von Reichtum und Glück, wurde nun von diesen Piraten massiv gestört, und die Schiffe, die ungestört von einem Hafen zu dem anderen kamen, wurden immer weniger. So schickte unser Fürst Gaelror (Mögen die Götter ihm gnädig sein.) seine Kriegsschiffe, um die Händler zu begleiten und die Piratenbande zu vernichten. Zuerst half es und unser Fürst hoffte, dass dies genug sei, um das Problem zu lösen. Doch dann wurden immer häufiger auch unsere Kriegsschiffe Opfer der Plünderer und wir sahen keinen anderen Weg mehr, als unseren wenigen verbleibenden Schiffen zu befehlen, im Hafen zu bleiben. Zugleich liessen unsere Druiden Bäume wachsen, um sie zu schlagen und aus ihnen Schiffe herzustellen. Auch unsere Verbündeten, Harazim und Zwerge und vielleicht auch Elfen, sollten uns bei diesem Kampf helfen. So verging das erste Kriegsjahr.
Es folgte die Rückkehr zur See. Als unsere mächtigen Flotten den Hafen verliessen, um gestärkt einem geschwächten Gegner zu vernichten, sah es zunächst gut für uns aus. Die feindlichen Schiffe brachten uns zwar spürbare Verluste bei, doch behielten wir die Oberhand. Bald waren die Gewässer wieder sicher, doch unser Fürst Gaelror wollte es nicht dabei belassen. Er wollte die Piraten, die er auf dem verbotenen Kontinent vermutete, vollkommen auslöschen, und so bestieg er mit einer beachtlichen Anzahl seiner treuesten und erfahrensten Krieger die Boote. Im Herbst, es war im Hestia, lief unsere mächtige Flotte aus. Sie kehrte niemals zurück. Es vergingen Monate des Wartens, doch kein einziges der verlorenen Schiffe lief jemals wieder in den Hafen ein. All unser Hoffen, Warten und Beten half nichts. So verging das zweite Kriegsjahr.
Unsere Verbündeten bestimmten das dritte Kriegsjahr. Gaelrors Sohn Memnach wollte sich noch nicht geschlagen geben und bat unsere Verbündeten um Hilfe. Und nun kamen sie in Schwärmen, Elfen und Orks und besonders Menschen. Sie brachten große Mengen Schiffe und Krieger und es schien, als würde dies unser Blatt wenden und uns den entgültigen Sieg bringen. Im Begleitung unseres Fürsten Memnach und seiner herzöglichen Flotte machten sich auch diese Schiffe auf, um den Feind zu vernichten. Sie kehrten schneller zurück, als wir es je erwartet hätten. Der Feind hatte seinerseits eine Invasionsflotte zu uns geschickt. Beide Heere prallten aufeinander und kämpften zu Land und zu Wasser. Wenig später schrieb ich in die Annalen, wie froh ich doch sei, dass wir gesiegt hätten. Und das hatten wir. Zwar hatten wir immense Verluste erlitten, doch war es uns möglich, die Flotte des Feindes zu versenken und den Großteil seiner Krieger zu töten. Zwar gelang es einem Teil seines Heeres, in die Berge zu flüchten, doch deswegen machten wir uns keine Sorgen. Sie waren hier in unserem Lande zu wenige, und unser Fürst Timor, der jüngere Bruder unseres im Kampfe gefallenen Fürsten, war sicher, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis sie aufgeben würden. Auch wenn wir für den Moment nicht stark genug wären, sie zu vernichten, so würden unsere Wunden doch bald wieder verheilt sein. So verging das dritte Kriegsjahr.
Im vieten Kriegsjahr wird es zu Ende gehen. Unsere Flotten, die eben noch die Meere besessen hatten, wurden weggefegt, und die versprengte Feindesarmee, die wir schon als besiegt abgetan hatten, kehrte gestärkt aus den Bergen zurück und marschiert nun auf Shul Dun. Dies ist es, wo wir heute sind. Mein Volk ist erschöpft und am Ende, wenn nicht bald ein Wunder geschieht, wird das schöne Shul Dun, heute schon mehr Festung als lebende Stadt, endgültig zu Staub zerfallen. Dann wird er weitermarschieren, und bald schon wird unser ganzes Land ihm gehören. Ich habe gehört, es soll Verhandlungen geben, aber ich glaube nicht daran. Mit einem so dunklen und verdorbenen Feind werden weder Verträge geschlossen noch Verhandlungen geführt. Es gibt nur Überleben und Untergang. Nun sind wir im vierten Kriegsjahr. Ich bete, dass wir bald gerettet werden.
Der nachfolgende Text stammt von Kotori:
Der Morgen brach an. Wir hatten den Sonnengläubigen ihren erbärmlichen Schlaf gegönnt und Kraft im Gebet gesammelt, bis die Strahlen der Morgensonne die Ruinen der heiligen Stätte beschienen. Nun war die Zeit für ihre Hinrichtung gekommen. Ich kniete auf einem Mauervorsprung und blickte auf das Lager der Lichtanbeter unter mir. Es waren Menschen, allerdings keine Soldaten diesmal. Sie sahen eher aus wie Späher oder Diebe, in ihrem abgerissenen Leder und mit ihren schlechten Waffen. Die Morgennebel zogen im goldenen Licht in dicken Schwaden wie Geister zwischen den Ruinen dahin und die Menschen kauerten sich frierend an ihrer schmauchenden Lagerstatt zusammen. Der Gestank ihrer ungewaschenen Körper und ihrer Angst raubte mir selbst auf meiner hohen Wacht fast den Atem. Ich richtete mich auf, um meinen Dienern das Zeichen zu geben, und sprang unter sie. Das Gewicht meines Panzers vergessend wirbelte ich unter ihnen, meine beiden Klingen blitzten und ihr dampfendes Blut flog um mich auf wie roter Nebel. Leicht und schnell biss das gleißende Mondsilber meiner Schwerter durch ihre erbärmlichen Panzer und ihr stinkendes Fleisch. Sie waren so schwach, gelähmt durch sinnlose Angst und Verwirrung, dass ich fast zornig wurde. Ich habe einen guten Kampf immer dem bloßen Gemetzel vorgezogen, doch diese hier ließen sich schlachten wie Vieh. Die verzerrten Gesichter huschten durch meinen Blick und ihre Schreie mischten sich mit dem Reißen ihres Fleisches. Bald stand nur noch ein letzter der Gruppe auf seinen Beinen und ich besann mich meiner Pflicht. Mein Schwert hielt an seinem Hals inne und er gefror vor Schreck, starrte mich mit seinen wässrigen Augen über das blutige Silber der Klinge an und atmete mir seine Angst ins Gesicht. So standen wir starr für eine Weile, während um uns die Sterbenden zu Boden sanken. ?Dracon!? Shain Tal´ach, der Kriegsherr meines Gefolges, schritt aus dem Nebel. Seine gepanzerte Faust krallte sich in den schwarzen Schopf eines mageren, schmutzigen Elends von Menschenfrau die haltlos ihre Furcht hinausheulte. ?Diese hielt sich in den Ruinen verborgen.?. Ich nahm die Klinge vom Hals des Mannes. ?Legt sie in Ketten. Alle beide.?. Der Kriegsherr ließ die Frau los und rief seine Anweisungen. Sofort stürzten die beiden Menschen zueinander, umarmten sich, pressten ihre schmutzigen Gesichter aneinander und sanken weinend auf die Knie. Meine Männer wandten ihre Augen ab, voller Abscheu über diese schamlose Zurschaustellung von Schwäche. Der angewiderte Blick meines Kriegsherren wanderte weiter, über die Ruinen hinweg, nach Osten, wo in den Hallen aus Obsidian die Zeremonienmeister auf uns warteten. ?Nur zwei Opfer für heute Nacht. Der Archon wird erzürnt sein.?. Ich starrte auf die Lagerstatt der Menschen, nur ein paar Dolche, wenig Nahrung ? ein Bild des Jammers. ?Es muss genügen. Diese waren keine Krieger, nur Bauern oder Flüchtlinge. Sie starben einfach zu schnell.?. Dann blickte ich auf das heulende Bündel aus Mensch vor meinen Füssen und suchte in mir nach der Abscheu, die meine Leute so innig empfanden. Aber da war nur ein fremdes, eigenartiges Gefühl, das ich zu jener Zeit weder begreifen konnte noch wollte. ?Treibt sie an, die Nacht fällt schnell zu dieser Jahreszeit!?.
Wir erreichten die Stadt als es bereits dunkel war. Ohne uns zu reinigen, schleiften wir die Opfer weiter, hinein in die große Halle, wo man bereits auf uns wartete. Wir schritten zwischen den Reihen unserer Angehörigen hindurch, tief ging unser Atem von dem schnellen Marsch und nur mühsam hielten wir den Rhythmus der schweren Röhrenglocken, die zu unserem Einzug geschlagen wurden. Unter der hohen Decke der Halle zog sich unsere Prozession endlos hin, gesäumt von dem Wall aus schweigenden Gesichtern, gespiegelt im glänzenden Boden aus Obsidian. Meine Frau nickte mir aus der Menge zu und ich erwiderte respektvoll ihren Blick, aber dennoch fühlte ich mich so fehl an diesem Platze mit meinem schmutzigen Panzer und den blutverkrusteten Waffen, als wäre ich schon selbst ein Barbar.
Der hohe Archon erwartete uns am Ende der Halle unter dem kreisrunden Fenster, in das eben die silberne Scheibe des Mondes einzog. Das kalte Licht unseres Herren erschien als glänzender Strahl und ging hernieder auf den Archon und das gewaltige Buch der Sermonen, das auf seinem Gestell aus Silber dort lag. Das Licht strahlte so hell, es schien die weißen Seiten des großen Buches zum Glühen zu bringen und ein unwirklicher Lichthof umgab das Schriftwerk und die reine Haut des Archonen, der seine gespreizten Finger darauf stütze. Dies war die heiligste Stunde, die hellste des vollen Mondes. Das Murmeln von Gebeten schwebte wie ein Nebel aus Lauten in der Halle. Mein Kriegsherr ging an mir vorbei und warf sich vor dem Archonen auf den spiegelnden Obsidian. Neben mir sanken meine Männer gleichsam ehrerbietend zu Boden, nur ich blieb stehen, wie es mir zustand. ?Der Dracon Craig Un´Shallach tritt mit Opfergaben vor den hohen Archon!?. Der Archon schritt hinter dem Buch hervor. Die lange Robe umfloss seine schmale Gestalt und schien an seinen Füssen mit dem Obsidian des Bodens zu verschmelzen. Sein Blick maß uns und seine harten Züge straften uns still für das unwürdige Opfer. ?Du bringst schlechte Opfer, Dracon.? Dann blickte er mich an und in unseren Augen rang der alte Streit der Kasten, den die meinige schon vor langer Zeit verloren hatte. Ich schwieg und mit einem unsichtbaren Lächeln kehrte er sich ab. ?Der Mann zuerst.?
Erwartungsvoll raunte die Halle als der Archon die linke Hand über dem angstverzerrten Gesicht des Menschen ausstreckte. Er grub die Nägel seiner Rechten in die Fläche der Linken, öffnete sein Fleisch in drei schwarzen Striemen und dunkle Blutstropfen fielen aus den Wunden des Archonen auf das starre Gesicht des Menschen. Zuerst verharrten sie dort wie schwarze Perlen. Dann geschah es, wie so viele Male zuvor ? die schwarzen Tropfen zuckten und glitten nach links und rechts, Beine sprangen hervor und wandelten die Tropfen in schwarze Spinnen, eine Heerschar gieriger Boten unseres Herrn, die sich sofort in das Fleisch des Menschen fraßen. Kreischend wand sich der Sonnenanbeter, während der Archon mit geruhsamem Wohlgefallen über der Qual seines Opfers wachte. ?Dein Fleisch wird vergehen, als Preis deiner Götter für ihren Frevel! Dein Blut soll fließen als Zeichen deiner Schwäche und unserem Herrn zur Freude!?. Ich blickte hernieder auf das, was ich schon so viele Male gesehen hatte und wartete stumm auf das Ende. Stumpf suchte ich in meiner inneren Leere nach Freude und Genugtuung, doch ich konnte sie nicht finden. Ich sah die Augen der Menschenfrau, jenen letzten Blick, mit dem sie ihren sterbenden Mann ansah, ein Blick in dem all die Kraft ihrer sinnlosen Gefühle lag, durchdringend wie ein Dolch in seinem Schmerz und tief wie die allmächtige See der Trauer. Ich war wie gelähmt von jenen Augen. Dann, wie im Traum zog ich eine meiner Klingen und schlug dem schreienden Mann den Kopf vom Rumpf. Ein schneller Schritt, und auch die Frau sank mit durchtrennter Kehle zu Boden.
Ein Tosen und Raunen flutete durch die Halle und ich spürte die ungläubigen Blicke meiner Männer. Der Archon taumelte, schier benommen vom Frevel meiner Tat. ?Was habt ihr getan??. Verwirrt suchte ich nach einer Antwort auf etwas, was ich mir selbst nicht zu erklären vermochte. Wie von einem anderen Ort erklang meine Stimme, stark und kalt. ?Es waren nur Bauern, ihr Opfer entwürdigt diese Halle.?. Schweigen sank herab und ich blickte mich um. Da stand ich, meinen Panzer mit dem Blut der Sonnengläubigen verklebt und man erkannte mich nun als das, was ich war: ein Zweifler, bereits von den Lichtbetern gezeichnet, befleckt mit dem Mal ihrer Schwäche. Ablehnung floss wie eine Woge aus Eis durch die Gesichter der Menge und ich stand allein.
Doch der Archon lächelte sein feines, unsichtbares Lächeln. Ich war ein Herr meiner Kaste und unantastbar für ihn, aber in jenem Augenblick hatte ich ihm meine Macht vor die Füße geworfen. ?Betet, Brüder und Schwestern! Möge er Zorn des Silberwebers an uns vorübergehen!?. Ich schickte mich an zu gehen, immer noch benommen von meiner Tat, hoffend, dass nicht kommen würde, was doch unvermeidbar folgen musste. ?Dracon!? Ich verharrte. ?Ihr scheint eurer Aufgabe überdrüssig und nicht mehr gewachsen zu sein.? Er sprach die Formel, es waren nur Worte, kein Zauber, aber genauso gut hätte er mich in die Feuer des Barga Gor beschwören können. ?Ihr sollt eine neue Aufgabe erhalten. Ihr werdet unsere Festen in Urgath aufsuchen, dort wird man neue Herausforderungen für euch bereit halten.?. Nun war es ausgesprochen. Langsam wandte ich mich um zu ihm. ?Exil??. ?Es ist eine weite Reise. Ihr brecht am besten sofort auf.?
Es blieb nichts mehr zu tun, noch zu sagen. So schritt ich weiter, ging stumm auf die hohe Pforte am Ende der Halle zu und mit jedem Schlag meiner gepanzerten Stiefel, schien die Menge weiter auseinander zu weichen, als fürchteten sie mich und die Krankheit der Schwäche, die mich befallen zu haben schien. Die Sklaven mit den vernähten Mündern packten die Griffe und begannen das große Portal für mich zu öffnen. Ich wandte den Blick meiner Gemahlin zu, die stumm in der fahlen Wand der Gesichter stand. Ich suchte in ihren Augen die Kraft dieses letzten Menschenblicks, doch ich fand sie nicht, weder dort, noch in meinem eigenen Herzen. So neigte ich nur stumm das Haupt vor ihr, wandte mich um und ging durch das Portal, fort aus der Halle und aus meiner Heimat.
Aus den Schriften des Craig Un´Shallach
Bericht des Waffenmeisters Heinrich aus Neunwalden an den Baron von Schwarzfurt.
Mein Baron. Ich bete darum, dass Euch mein Bericht davon überzeugen wird, mich mit dem nächsten Schiff in die Heimat zurückkehren zu lassen. Ich hasse dieses Land; diese stinkenden Blauhäuter und diese unerträgliche Hitze. Ebenfalls macht mich die Vorstellung, nur Würmer und Sandeidechsen zu fressen, ganz krank.
Seitdem ich hier bin, was, Gott bedaure, schon fast ein Jahr ist, habe ich hier viel gesehen. Die Wege der Kriegsführung haben sich verändert, soviel ist sicher. Während der Schlacht von Prinz Wismar ging es noch Mann gegen Mann und Schiff gegen Schiff, doch diese Zeiten sind vorbei. Heute bestimmt Magie die Schlachten. Auf unsere Seite wären das die blauhäutigen Schwarzturmmagier. Dieser einheimische Orden kämpft mit der Macht der Toten, und ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Krieger (nicht nur Bestien, sondern auch Paladine unseres Volkes) tödlich getroffen zu Boden gingen, um dann wenig später als menschliche Puppe von einem der Totenmagier wieder eingesetzt zu werden. Doch heute reicht das nicht mehr. Heute müssen diese Magier an jedem Tag immer mehr lernen, um die verschiedenartigen weltlichen wie auch magischen Attacken des Feindes abwehren zu können. Besonders Schlaf- und Starrezauber gegen die Unsterblichen des Feindes sind sehr begehrt, aber auch Wasserzauber zum Löschen der Brände. Ich habe einmal gehört, dass dieser Orden früher auch Heilzauber gewoben haben soll, doch heute ist davon nicht mehr viel zu spüren. Heute lassen sie die Krieger sterben, um sie danach wieder einzusetzen. Lebende Tote essen nicht, schlafen nicht und haben auch keine Angst. So stark dieser Orden auch klingt, er zerfällt immer mehr. Die tapfersten Ordensbrüder mussten schon den Blutzoll zahlen, und die Schwachen und Feigen versuchen alles, um der Front fern zu bleiben. Früher wollte ein jeder dieser Ordenskrieger für sein Volk kämpfen, heute will es niemand mehr. Der Orden füllt seine Reihen immer mehr mit den Kindern und den Untalentierten, deren Fähigkeiten mit viel Gewalt gesteigert werden; viele der Ausbilder sind aber jene Feiglinge. Auf der Suche nach magischer Macht geht dieser Orden gefährliche Wege, und so sehr ich den Ernst der Lage verstehe, kann ich dennoch nicht sehen, warum wir durch solche Methoden gerettet werden sollten. Opfermagie, namentlich der Versuch, mit dem Blut Unschuldiger magische Kräfte zu steigern, ist die Auffallendste dieser Blüten. Ich habe ausserdem das Gerücht vernommen, dass der Orden ein größeres Ritual vollziehen möchte und deshalb immer mehr seiner Magier aus dem Frontgebiet abzieht. Auch wenn das sehr nach einer Massendesertation klingt, hoffe ich doch nichts Anderes. Ich traue diesen Blauhäuten alles zu. Der Rest unserer Armee besteht aus einfachen Kämpfern. Menschen wie ich ebenso wie Blauhäuter und Schwarzhäutern, dazu kommen ein paar Reste anderer Rassen, die aus irgendwelchen Gründen hier sind und sich wünschten, es nicht zu sein. Die Hitze setzt nicht nur mir zu. Unter diesen Kriegern verfällt immer mehr Disziplin und Anstand, auch wenn mit viel Gewalt versucht wird, sie auf Linie zu halten. Viele laufen weg, aber ich frage mich, wohin. Andere verhalten sich wie Leute, die nichts mehr zu verlieren haben. Den Barmännern und Huren dieser Stadt geht es prächtig, ebenso wie den Hehlern und Schmugglern. Man hört von Kämpfen der Soldaten untereinander und von Übergriffen auf die Bewohner. Es ist schrecklich mitanzusehen.
Auch der Feind indes hat sich verändert. Früher bestand er aus zusammengewürfelten Söldnern: Deserteuren, Piraten wie auch anderen Personen, die nichts zu verlieren hatten. Heute sind die meisten dieser Personen tot und der Feind nutzt stattdessen Magie. Da wären zum einen die Schiffe mit den untoten Seeleuten, die mit ihren Katapulten und Brandpfeilen Nacht für Nacht unsere Stadt beschiessen. Dann sind da diese Unsterblichen; Krieger, die zwar schon oft getötet wurden, die aber immer noch auf dem Schlachtfeld anzutreffen sind. Ebenso wie wir verwenden auch sie Totenmagier, um ihre Kämpfer zurückzuholen. Dabei beschränkt sich allerdings keine Seite nur auf die Krieger, die einst ihre waren. Der Rest ändert häufig, und es wäre Verschwendung von Zeit und Platz, alles detailliert zu berichten. Ich habe schon Fleischklopse gesehen, die als lebende Wesen niemals hätten bestehen können, ebenso wie Windgeister und lebenden Schatten. Sie setzen sehr viel Magie ein, um uns zu zermürben und uns zu behindern. Sie lassen uns nicht schlafen und auch nicht fliehen. Sie haben uns bald völlig in ihrer Hand. Ich frage mich immer mehr, wer diese Magier sind, denn obgleich sie unseren zahlenmäßig weit unterlegen sind, haben sie dem hiesigen Orden schon große Verluste hinzugefügt. Ich habe quasi das Gefühl, dass dies hier ein Kampf vieler Völker gegen nur einige wenige ist.
Ich bin am Ende. Mögen die Götter mit Ihnen sein.
[Dieser Beitrag wurde am 29.03.2005 - 17:13 von Nightseeker aktualisiert]
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