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Jehan ...
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...   Erstellt am 01.12.2005 - 22:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hier können wir unsere eigene Geschichte schreiben





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...bin ich ein Falke? Ein Sturm? Oder ein großer Gesang? (Rilke)

Jehan ...
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...   Erstellt am 13.12.2005 - 22:56Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Der Hauptmann wandte sich nach der demütigenden Entlassung aus der Predigt seines Herrn, des Sheriffs von Nottingham, an seinen nächsten Vorgesetzten, den Haushofmeister Guy of Gisburne, um von ihm zu erfahren, wie die Anweisung Robert de Rainaults sowie des Prinzen John von Anjou zu verstehen sei, da sie weitgehend unpräzise und für einen Soldaten vieldeutig und missverständlich ausgefallen war.
Er fand Sir Guy in Gesellschaft bei einer brünetten Ablenkung, die im Tross des Prinzen reiste und durch ihren Liebreiz die Aufmerksamkeit des blonden Haushofmeisters erregt hatte.
Die Störung durch den Hauptmann kam dem Adlatus des Sheriffs schrecklich unpassend an, war er doch gerade dazu übergegangen, die Spange am Gewand der Dame zu öffnen um sie von dem schlichten braunen, aber sehr hinderlichen Stoff zu befreien um sich ganz dem Rest ihres Leibes widmen zu können.
Die Frau zog mit einem spitzen leisen Schrei ihr Kleid an sich, errötete beschämt und blickte verschreckt zu Boden, als der Hauptmann eintrat, nachdem er zwar an die Tür gepocht, jedoch nicht das einladende "Tretet ein" abgewartet hatte.
Völlig entnervt drehte sich Sir Guy zu dem Störenfried um. "Hauptmann Beaversbrook!" stellte er fest, "wer auch anders (ausgenommen Alric vielleicht) könnte so ungehobelt unhöflich und in solch unpassendem Augenblick für eine Unterbrechung sorgen?"
"Noch ist die Affäre nicht soweit fortgeschritten, als dass nicht eine Pause die Spannung noch erhöhen könnte", entgegnete Jehan ungerührt, und betrachtete seinerseits wohlwollend die spärlich verhüllten und einladenden Formen der Frau.
Jedoch stellte er im Geiste sogleich als Maßstab des Vergleichs Gwen of Hawkneys Leib dagegen, und wägte ab, dass ihm letztere doch lieber wäre (auch wenn diese momentan wegen der verzehrenden Krankheit nicht mit jener rosigen Fülle der Brünetten konkurrieren konnte).
"So sprecht endlich, damit die Pause nicht noch den restlichen Tag ausfüllt!" forderte Gisburne den Soldaten auf.
"Der Lordsheriff forderte soeben, und gleichfalls der edle Prinz John, dass man die Geächteten suchen, finden und ergreifen solle. Allein, so stellt sich nun die Frage: wo soll ich anfangen zu suchen? Ohne genaue Order schickte mich unser Herr aus dem Saale - daher wende ich mich nun an Euch, damit Ihr mir die näheren Umstände des Befehls mitteilt, wüsste ich doch sonst nicht, wohin ich mich zuförderst wenden sollte in unserm nicht unbeträchtlich kleinen Shire. Gleichsam bedeutet dies, dass ich nunmehr aus der Stadt reiten müsste, eine Tat, die mir bisher seitens des Sheriffs untersagt blieb. So versichere ich hiermit bei Euch als meinem vorgesetzten Befehlshaber, ob dies auch in Eurem Sinne ist."
Gisburne begann, gereizt mit den Zähnen zu knirschen. "Das ist wieder einmal typisch - Befehle anzuberaumen, die nicht durchführbar sind" brummte er, mehr zu sich selbst, und dann, an den Hauptmann gewandt: "Es ist unsere Pflicht als Soldaten, Ihnen zu gehorchen, wie sie auch aussehen mögen... Also reitet durch die Dörfer, und durchsucht die Gegend. Ich erwarte Euch in spätestens fünf Tagen wieder zurück! Sodann werdet Ihr mir Meldung machen. Und bei der Gelegenheit könnt Ihr nochmals nachforschen was in diesem gottverfluchten Nest Lichfield vorgefallen ist. Mich dünkt, es steckt mehr dahinter als nur Rache oder Fehde, die doch nicht so brutal ausgefallen wäre. Und nun entfernt Euch schleunigst!"
Er wandte sich wieder der Gespielin zu, die noch immer ihre Nacktheit zu verbergen suchte, nun aber freudig erwartungsvoll zu kichern begonnen hatte.
Jehan entfernte sich schleunigst (wie befohlen) und stapfte klirrend durch die ausgekühlten Gänge der Burg, um gleich darauf in der Kaserne einige Soldaten zu rekrutieren und sich selbst für die bevor stehende Patrouille zu rüsten.
Diese Ausrüstung bestand aus den üblichen Waffen, Schwertern, Bögen, Köchern, Armbrüsten, und obendrein aus einer nicht unbeträchtlichen Menge lieblichen roten Weines, der die Soldaten von innen wärmen und ihnen die Zuversicht geben sollte, die bei einem so des Erfolges baren und aussichtslosen Befehls unbedingt vonnöten war.





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Jehan ...
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...   Erstellt am 13.12.2005 - 22:57Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Der Wintersturm zwang die Soldaten, sich nach mehrstündigem Ausreiten aus Nottingham in den nächsten Schutz zu begeben, der auf ihrem Weg durch die Dörfer lag. Bisher waren sie unbehelligt geblieben, sah man von den Unbilden des kapriziösen Wetters einmal ab.
Dass die Zuflucht die Burg von Lowdham war, lag nicht ganz gegensätzlich zu des Hauptmannes insgeheimen Absichten. Lichfield konnte warten, bis der Sturm sich gelegt hatte. Es war nicht anzunehmen, dass jemand die Opfer in gefrorenem Boden verscharrte, so dass keine grundlegende Veränderung oder ein Beiseiteschaffen irgendwelcher Spuren befürchtet werden mußte.
Jehan pochte mit eiskalter Faust gegen das Tor, und sogleich öffnete ein Wächter die Sichtklappe und fragte nach dem Begehr der Bewaffneten.
"Ich bin Jehan of Beaversbrook, Hauptmann Nottinghams in Diensten des edlen High-Sheriff Robert de Rainault. Ich begehre Einlass für mich und meine Männer!" sagte Jehan in bestem Benehmen, fügte jedoch zähneklappernd und weit weniger höflich hinzu: "Lass uns ein, in Gottes Namen, ehe wir und unsere Pferde auf der Zugbrücke festfrieren, denn nichts anderes geschieht demnächst. Und dann ist weder ein Hinein- noch ein Hinauskommen aus Eurem Versteck möglich, bevor ihr nicht unsere Leiber losgeeist hättet, was durchaus erst im Frühjahr möglich sein könnte!"
"Nur langsam, Hauptmann" kam die Stimme des Wächters aus dem Ausguck, und ein weißer Atemhauch begleitete sie. "Ich muss erst meinen Hauptmann befragen, ehe ich unversehens das Tor öffne. Zuvor sagt mir, aus welchem Grunde Ihr Einlass begehrt."
"Weil wir Normannen sind, und somit alles Recht auf englischem Boden besitzen, jede Burg zu betreten, wenn es uns beliebt! Und nun beeile dich, Mann!" Etliche eisige Zeit später, die die Soldaten vor dem Tor mit noch mehr des hübschen weißen Frostes überzogen hatte dass sie aussahen wie die bestäubten Backwaren in der Küche, bevor sie in den Ofen kommen, trat endlich Harred hinter den Ausguck. Wie die Brote, die darauf warten endlich aus der Kälte in den heißen Backofen zu kommen, warteten die Normannen, endlich in die wenn auch spärlich beheizte Burg gelassen zu werden.
Als er seinen Amtskollegen erspähte, dachte Harred, dass dieser wegen der Lady Gwen gekommen sei, und wunderte sich etwas über die Schnelligkeit der Ankunft ob der vehementen Weigerung des Kommens hinsichtlich seines Dienstes, seiner Unabkömmlichkeit, auf die Beaversbrook erst vor kurzem in Nottingham beharrt hatte.
"So seid Ihr doch gekommen, Hauptmann" stellte er fest, ehe er die Soldaten anwies, das Tor zu öffnen (trotz der Antwort des Nottinghamschen Hauptmannes, die ihm der Wächter zuvor wörtlich zu Ohren gebracht hatte.)
Knarrend und jammernd wie ein altes Weib schwang die schwere Eichentür zurück, als ob sie eben wie ein solches von Rheuma und Gicht geplagt sei und solch überflüssiger Bewegung wenigstens ihren Protest entgegen setzen müsse. Zitternd bis auf die Knochen strömten die Besucher in den Burghof, stiegen von den durchweg vom Frost und Schnee weißen Pferden, deren Brustfell von Atem und Schweiß mit Girlanden von glitzernden Eiszapfen verziert war.
"Ich wünsche mit dem Burgherren, Godric of Lowdham, zu sprechen", offenbarte Jehan sogleich, nachdem er von seinem Falben gestiegen war (dieser war allerdings nicht mehr als solcher zu erkennen, sondern hätte vielmehr wie alle anderen Pferde ohne weiteres als Schimmel verkauft werden können).
Die Gliedmaßen der Männer waren trotz der wärmenden Gambesons unter der Rüstung, der wollenen Mäntel und dem Stroh in den Stiefeln steif gefroren, kecke weiße Häubchen verzierten Helme und Schultern.
"So setzt Euch zuvörderst in die Küche ans Feuer, Leute, und wärmt Euch!" sagte Harred, und die Soldaten nahmen diese Einladung nur zu gerne an.
"Ich werde die Lady Susanna von Eurer Ankunft unterrichten und Euch Bescheid geben wann es Ihr beliebt mit Euch zu reden. Denn leider ist mein Herr noch immer nicht von seiner Reise zurückgekehrt, so dass sein Eheweib die Geschäfte in seinem Namen während seiner Abwesenheit vertritt, in Ermangelung eines männlichen Vertreters der Familie. Ich nehme doch an, dass Ihr wegen der Lady Gwen of Hawkney gekommen seid?"
"Nicht nur, werter Kollege" antwortete Jehan, während er die Zügel seines Pferdes an einen Stallburschen übergab, der es sogleich in den Stall brachte. "Ich weiß nicht, ob Ihr von dem dreisten Überfall in Lichfield schon gehört habt? Das ganze Dorf samt Männern, Frauen, Kindern, ja sogar allen Tieren, wurde niedergemacht. Doch nicht von normannischer Hand, wie Ihr vielleicht vermutet, denn es gibt durchaus wildere und grausamere Gesellen als uns!"
"Deutet Ihr etwa an, dass Angelsachsen so etwas täten? Ihren eigenen Landsleuten?" fragte Harred entrüstet.
"Das zu erfahren wurde ich losgeschickt. Jedoch zwingt uns der Sturm, diese Unternehmung auszusetzen, bis sich das Unwetter gelegt hat. Und natürlich" (er sprach nun leiser und vertraulicher) "liegt mir im Besonderen das Schicksal der Lady Gwen am Herzen."
"So sei es denn" entgegnete Harred etwas ruhiger, wies mit dem Arm die Richtung zur beheizten Küche und ließ die Besucher dort eintreten und sich wärmen, ehe er selbst zu seiner Herrin eilte um ihr von der Ankunft zu berichten.





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Jehan ...
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...   Erstellt am 13.12.2005 - 23:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das Feuer im mannshohen Kamin, der die halbe Stirnseite des Raumes einnahm, beleuchtete die schwangere Susanna und ihr helles, leinenes und schmuckloses Gewand.
Am Tisch und mit einer Stickarbeit still beschäftigt, saß Lady Rowena und warf nur einen kurzen, wenn auch neugierigen Blick auf den eintretenden Hauptmann, der die Frauen mit einem kurzen Nicken begrüßte. Und neben den Frauen, als aufmerksamer Bewacher, hatte sich der Verwalter des Anwesens, Harrold Benned, postiert, bereit, sich einzumischen sollte es nötig werden.
Lady Susanna wandte sich dem Hauptmann zu, von unterdrückter Wut beherrscht, denn Jehan erinnerte sie just an das traurige Schicksal ihrer Freundin Gwen, die sie zu beschützen versucht hatte, jedoch daran gescheitert war. Denn gegen den festen Glauben, dass nichts gut enden wird, vermochte kein Sterblicher etwas auszurichten, es sei den er ist mit Bösen Mächten im Bunde.
"Was wünscht Ihr noch, Hauptmann? Ist es Euch nicht genug, jedermann (und insbesondere Gwendrianna) ins Unglück zu stürzen? Was könntet Ihr obendrein noch fordern wenn nicht das höchste Opfer?" fragte sie barsch. Ihre Hände ruhten schützend vor ihrem Bauch.
Sie ahnte nicht, dass der Hauptmann ahnungslos war hinsichtlich des Ablebens der jungen Lady von Hawkney.
Jehan sagte: "Ich möchte sie heimführen nach Nottingham, sie heiraten, wenn es ihr denn möglich ist zu reisen."
"Verspottet sie nicht! Und auch mich nicht! Warum hätte sie je einen wie Euch heiraten sollen? Einen Unhold!" sagte sie keck, und war selbst erstaunt über ihren Mut.
Und Jehan sagte, wie um sich zu rechtfertigen: "durch welche anderen Mittel könnte sie zu höherer normannischer Stellung aufsteigen als durch eine Heirat mit mir? Wie denn anders will sie den erbärmlichen Grenzen einer klösterlichen Abgeschiedenheit entfliehen, wo die Pfaffen und Nonnen mit ihren Gebeten, ihrem ganzen Reichtum, leben?"
Harrold Benneds Gesicht wurde rot vor Zorn, nur mühsam beherrschte er sich, ehe er doch (ganz nach seiner Seefahrernatur, die nunmal recht rustikal war) lospolterte.
"Ihr Normannen! Besatzer! Mörder!" schimpfte er. "Schlimm unterdrückt ihr das arme Volk durch den Bau eurer Schlösser, und wenn diese erbaut sind, füllt ihr sie mit bösen Menschen, eher Teufeln, die Männer und Frauen überfallen, bei denen ihr Geld vermutet, sie ins Gefängnis werft und grausamere Marter an ihnen verübt, als jemals Märtyrer erduldeten. Einige erstickt ihr in Unrat, andere hängt ihr an den Füßen, am Kopf oder an den Daumen auf und zündet Feuer unter ihnen an. Manchen werft ihr in Kerker, in denen es von Schlangen, Kröten und Nattern wimmelt."
Sue mischte sich wieder in den Disput, auch um Harrold zu bremsen ehe er sich um Kopf und Kragen redete und ihm selbiges Schicksal widerfuhr, das er eben so blumig geschildert hatte. "Zu solcher Ehre soll meine liebe Freundin Gwen aufsteigen? Nein!"
"Nein?"
"Niemals! Denn höret, Hauptmann, wozu Eure schändliche Liebe diese unschuldige junge Frau trieb: Sie gab ihren Lebensmut auf, sie erlosch langsam wie eine schwache Flamme im stetigen Wind böser Kälte. Eurer Kälte! Dies schreibt auf Euern Banner! Wie denkt Ihr wohl, könnte dieses zarte Pflänzlein in Nottingham gedeihen, wo Hass und Anwürfe sie erstickten?"
"Genau!" bestätigte Harred. "Niemals könnte sie glücklich sein in diesem Nest voller Harpyien! Ihr maßt Euch an, dieses Land besitzen zu wollen, doch könnt ihr weder England noch seine Menschen jemals besitzen!"
Der Hauptmann legte die Hand an das Schwert als er die Worte des Verwalters hörte.
"Ihr vergesst Euch! Es steht weder Euch (noch mir) zu Gesicht, das von Gott auferlegte Schicksal dieses Landes anzuzweifeln und der Welt Geschichte lenken zu wollen. Unser aller Gesetz gilt es zu wahren, wessen Volk es auch sein mag - ob Eindringlinge, die Eindringlinge beherrschen, oder einfache angestammte Sippschaft, das ist einerlei. Auch wenn es grausam erscheinen mag. Wer wagt darüber zu urteilen? Wir wissen, dass es schon grausamere Menschen gab, und wir werden bestimmt nicht die letzten sein, die über fremdes Territorium herrschen um ihm den eigenen Stempel aufzudrücken. Denkt nur an das Imperium Romanum. Findet Euch damit ab! Ihr versündigt Euch sonst."
Doch davon zeigte sich der ehemalige Kapitän keineswegs beeindruckt, dessen Gesicht von Wind, Wetter, Gezeiten und etlichen Hafenkneipenrempeleien gezeichnet war. "So also wagt ihr, euch über die christliche Nächtenliebe hinwegzusetzen, die euer Herr Jesus Christus zu seinem obersten Gebot erhob, Hauptmann?"
"Nächstenliebe ist nichts für Herrscher. Die gewisse Notwendigkeit, Dinge zu entscheiden, die auf den ersten Blick hart und ungerecht erscheinen, mag Euch nicht einleuchten. Jedoch ist dies die Voraussetzung zur Wahrung eines höheren, fernen Zieles: der Wahrung des Friedens, sowohl im Kleinen wie auch im Großen. Könnt Ihr mir folgen?"
"Mischt sich König Richard deshalb in die Politik des arabischen Volkes ein?"
"Es steht mir nicht noch weniger zu, über des Königs Entscheidungen ein Urteil zu fällen. Wohl jedoch eines über Gwen of Hawkneys Schicksal! Also gebt sie heraus!"
Sue seufzte, denn ihre Worte waren bei dem Soldaten offensichtlich nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.
"Habt Ihr noch immer nicht verstanden, was ich Euch zu sagen versuche? Sie ist tot! Da müsstet Ihr schon den Hades überqueren, und das Kunststück schaffen, wieder zurück zu kommen. Sie ist tot, Hauptmann. Tot aus Verzweiflung und gestorben an ihrem gebrochenen Herzen, das IHR durch Euer tadeliges Benehmen gebrochen habt!"
"Ihr vergesst mir wem Ihr sprecht, Tochter eines angelsächsischen Rebellen! Das ist nicht wahr! Das ist nicht wahr! Ihr wollt uns nur entzweien! Ich glaube Euch nicht!" Jedoch zitterte die Stimme, die diese entrüsteten Worte aussprach, als glaube sie sie bereits, und nach einer bedenklichen Pause forderte Jehan: "Zeigt mir Ihren Leib, und ich will es glauben."
"Das kann ich nicht. Euer Bruder Taran war es, der sie fortbrachte als sie es wünschte. Sie ist im Wald, bei Herne dem Jäger, den ihr als Legende betrachtet. Dort ging sie hin, um zu sterben. So berichtete es Taran. Wendet Euch an ihn. Die Gastfreundschaft in diesen Mauern währt nicht länger. Geht und sucht Euren Bruder, dann werdet Ihr sehen, dass ich die Wahrheit gesprochen habe. Harrold, geleite die Soldaten des Sheriffs hinaus."
Demonstrativ wandte sich Susanna wieder dem Feuer zu und schaute traurig in die Flammen. Sie war sehr unglücklich darüber, dass Gwen einfach fort war, und noch trauriger, als Taran dann zurück kehrte und ihr berichtete.
"Mit dem grössten Vergnügen, Mylady" sagte Harrold und trat dem Hauptmann entgegen.
"Nur noch eines. Wo kann ich Taran finden?"
"Auch er ging fort. Wohin vermag ich nicht zu sagen. Sein Mentor, Bruder Berengar, war zuletzt in Glenfield Abbey. Warum sucht ihr nicht dort?" sagte Sue müde. Der Disput hatte sie angestrengt, sie wünschte nur noch ihre Ruhe.
Doch mehr hatte Jehan of Beaversbrook auch nicht mehr zu fragen. Die Pferde waren nun ausgeruht, die Männer aufgewärmt und gestärkt. Auch wenn es noch immer draussen stürmte, sattelten sie auf und begaben sich hinaus.
"Nach Glenfield!" befahl der Hauptmann und trieb den Falben durch den Schnee in Richtung des Waldes.

[Dieser Beitrag wurde am 20.02.2006 - 20:12 von Jehan aktualisiert]





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...   Erstellt am 02.01.2006 - 22:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das Land drohte im prächtigen Weiß des glitzernden Schnees zu versinken. Es schneite als stünde eine kleine Eiszeit kurz bevor.
Der Hauptmann fluchte herzhaft und fragte sich zugleich: Ich habe weder einen Zauber ausgelöst, einen Bann gebrochen, noch mich über die Maßen unsittlich aufgeführt. Wofür also werden wir so gestraft?
Einer der Soldaten schloss mühsam zu ihm auf und sprach aus, was allen längst klar war. "Wir müssen zurück, Hauptmann. Tun wir es jetzt nicht, erreichen wir die Stadt nicht mehr. Die Pferde kommen kaum mehr durch, schon jetzt pflügen sie mit der Brust ihren Weg, anstatt über den Harsch hinweg zu setzen. Die heilige Jungfrau alleine weiß woher diese Unmaßen Schnee kommen. Es ist verhext, das Wetter in diesem unseligen Land! Welcher Teufel hat mich seinerzeit nur geritten, einst meinem Vater zu folgen und die Normandie zu verlassen? Verflucht sei William der Bastard..."
"Schweig, Soldat!" befahl Beaversbrook kalt. "Ich dulde nicht solche Rede unter meinen Mannen. Wenn es dir hier nicht gefällt, so gehe zurück auf den Kontinent deiner Väter - so du ihn noch zu erreichen vermagst mit dem Bolzen, den ich dir für deinen Verrat in den Rücken jagen werde! Das gilt für alle!"
Er musste jetzt fast schreien, damit seine Stimme gegen den brausenden Wind ankam. Das Fortkommen war jetzt schon sehr beschwerlich, bald würden sie samt ihren Rössern im Schnee stecken bleiben und jämmerlich erfrieren. Der Soldat hatte Recht. Sie mussten sich eine Unterkunft suchen, etwas behagliches und warmes, wo es sich das Unwetter gemütlich aussitzen ließ und wo es im besten Falle eine warme Mahlzeit gab und Futter für die müden Pferde. Doch was lag nahe?
Sie befanden sich am Saum des Sherwood Forrest, hinein wollten sie eigentlich nicht, aber auf freiem Felde würden sie demnächst von Schnee bedeckt sein wie Edeltännchens grüner Wipfel in der allseits bekannten Minne.
Wohin sich also wenden? Das Kloster in Glenfield zur rechten, die Stadt Beaversbrook in Gapdale zur Linken? Dorthin kannte Jehan eine gute Abkürzung, entlang hoher Felsenwände die vor den kalten Winden schützten und wo der Weg noch nicht zugeweht war. Er könnte mit seiner Truppe zum Gut seines Bruders Stephen reiten oder gar in die Stadt, wo jedoch niemand geringerer als Bernhard de Thiery noch ein dickes Hühnchen mit Jehan of Beaversbrook zu rupfen hatte.
Es kostete einige Überlegung die Alternativen abzuwägen, was wohl schlimmer war...





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Gwen ...





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...   Erstellt am 10.01.2006 - 21:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Lange hatte Gwen an den Schönheiten des Lebens teilhaben dürfen. In einem Sommerwald lief sie Pfade, die ihre Füsse kaum berührten. Die Tieren grüßten sie, als wäre sie eine der ihren und die Blumen neigten sich ihr zu als wollten sie mit ihr spielen. Nie hatte sich die junge Frau unbeschwerter und geborgener gefühlt.
Doch plötzlich zerrte ein kalter Wind an ihrem dünnen Gewand. Überrascht blickte sie auf und erkannte, wie die Welt um sie herum von Nebel verhangen wurde. Die Tiere begannen zu flüchten und die Bäume ächzten unter der Last ihres Alters. Dort, wo eben noch eine sommerliche Blumenwiese strahlte, bedeckte nun schwarzes Laub die toten Blüten. Beißender Wind trieb eisige Schneeflocken vor sich her und ließ die letzten Singvögel ersterben.
Stimmen raunten unverständlich durch den Wald. Ein gräßliches Lachen erhob sich und dann riss etwas an ihrem Herzen. Sie stöhnte auf und wie dem ertrinken nahe rang sie um Atem. Undurchdringliche Dunkelheit umfing sie, ließ sie taumeln und verzweifelt tasteten ihre Hände nach Halt sie. Alles was sie finden konnte waren kalte, feuchte Mauern. Sie schrie leise auf, als der scharfe Stein in ihre Hand schnitt. Mit vor unermeßlicher Angst rasendem Herzen sank sie zusammen und bemerkte erst dann die weichen Felle, die zu einer Schlafstatt zusammen gelegt worden waren.
Eng umfasste sie ihre Knie und wiegte sich, wie sie es so oft getan hatte, um sich zu beruhigen. Sie wusste weder wo sie sich befand, noch was geschehen war. Einzig, dass sich jemand liebevoll um sie gekümmert haben musste wurde ihr immer mehr bewusst.
Ein markerschütternder Schrei riss sie hoch, dann wieder das gräßliche Lachen. Das Lachen, das sie für so viele Jahre vegessen hatte.
Weg!, der Gedanke dröhnte in ihrem Kopf und gehetzt wie all die Tiere stolperte sie durch die Dunkelheit. Weg.





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Nur ein Blick durch die Tür in den Raum einer anderen Welt... Reiß mich raus aus der Nacht...
(Reimer Bustorff)


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