Chita  Einer der drei (oder sind es vier) traurigen Admins
    

Status: Offline Registriert seit: 28.02.2006 Beiträge: 8 Nachricht senden | Erstellt am 01.03.2006 - 14:10 |  |
Der Jugendliche Alex (ein Anbeter von Ludwig van Beethoven) führt ein Leben in Saus und Braus: Mit seiner Bande aus Droogs, die er mit eiserner Hand führt, jagt er jeder nur erdenklichen "Freude" nach - ob es Prügeleien mit anderen Banden sind, das Eindringen in fremde Häuser und nachfolgende (zumeist sexuelle) Misshandlung der Insassen oder das Aufmischen der Schnellstraße als Geisterfahrer im geklauten Cabriolet; Alles eignet sich, daraus ein Vergnügen zu machen.
Nach ihren nächtlichen Zügen "chillt" die Bande in der Milchbar. Klingt harmlos? Da steckt mehr hinter als man denken mag. Das Getränk Molokko +, das - ganz nebenbei - aus allen möglichen Körperöffnungen von Puppen in weiblicher Gestalt eingeschenkt wird, enthält haluzinogene Drogen.
Morgens spielt Alex dann wieder das Schäfchen; Seine treudummen Eltern bringen es nicht übers Herz ihn mit seinem simulierten Brummschädel in die Schule zu schicken und so hat er wieder Zeit, mit seinen Kumpanen die Welt unsicher zu machen.
Mehrmals muss Alex "Putschversuche" seiner Droogs über sich ergehen lassen, bevor ihnen die diktatorische Art, auf die er sie führt, zu viel wird; Sie planen einen Verrat.
Dabei fängt alles an wie an jedem Abend. Alex verschafft sich mit seinem Spezialtrick ("Lady, ich und meine Freunde haben einen Autounfall gebaut, ich muss schnellstens einen Krankenwagen rufen!" ) Zugang zum Haus der Katzenlady, einer Edelhure in deren Haus es von Katzen nur so wimmelt. Einmal drin, springt er um die Lady herum und verwüstet ihr Haus. Doch er treibt es zu weit: Als er merkt dass er sein Opfer mit einer Penisskulptur umgebracht hat, ist es schon zu spät. Doch als er flüchten will, wird er von seinen Droogs bewusstlos geschlagen.
Im Gefängnis schmeichelt er sich beim leicht zum eigenen Geschlecht hingezogenen Gefängnispfarrer ein; Er spielt für ihn auf der Heimorgel, während die Gefangenen die Lieder im Gottesdienst herunterleiern und liest, vorgeblich interessiert, in der Bibel, über die er den Pfarrer mit Fragen löchert.
Schließlich legt der Pfarrer ein gutes Wort für Alex ein und er wird vom Gefängnis in eine Klinik geschickt, in der an ihm ein neuartiges Resozialisierungsprogramm getestet wird, die Ludovico - Methode.
Diese Methode gestaltet sich so dass Alex täglich ein Mittel gespritzt bekommt, das starke Übelkeit und Brechreiz verursacht, während ihm Bilder und Filme von Gewaltanwendung gezeigt werden.
Mit dieser "Therapie" soll Alex dazu konditioniert werden, beim Gedanken an Gewalt immer wieder diese durch das Serum verursachte starke Übelkeit zu empfinden... oder auch beim Gedanken an alles was er in den Filmen gesehen und gehört hatte. Nur dumm dass im Hintergrund immer die 9. Sinfonie seines angebeteten Ludwig van lief.
Doch die Therapie scheint zu greifen, Alex wird als geheilt entlassen - als willenloser Mensch, der der Gewaltanwendung immer noch nicht abgeneigt ist, aber für den sie unmöglich ist.
Als er wieder bei seinen Eltern erscheint, haben sie statt seiner Person einen Untermieter, der sie dazu gebracht hat, sich von ihrem Sohn abzuwenden und ihn vor die Tür setzt. Auf der Straße irrt Alex ziellos nach einer Bleibe suchend herum - und trifft ein ehemaliges Opfer, einen Penner, den er vor Jahren einmal zusammengeschlagen hatte, weil dieser ihn um Geld gebeten hatte. Diesmal sitzt er zusammen seinen Mitpennern auf der Straße - und erkennt Alex wieder. Mit Blessuren kann Alex entkommen, doch es kommt noch schlimmer: Seine alten Freunde haben ein bürgerliches Leben angefangen und sind keine Vagabunden mehr, sondern Polizisten und rächen sich an ihm für die Erniedrigungen der Vergangenheit. Völlig fertig schleppt sich Alex zum nächsten Haus und wird dort vom Besitzer aufgenommen, nicht ahnend dass auch dieser eines seiner früheren Opfer ist. Damals hatte er ihn körperlich so schwer misshandelt dass er jetzt im Rollstuhl sitzt und seine Frau vergewaltigt, die danach an ihrem Kummer starb.
Ohne sein Schicksal zu erahnen schüttet Alex dem politischen Aktivisten sein Herz aus. Der Schriftsteller nutzt die Situation aus und sperrt Alex in seine Dachkammer - mit Beethovens 9. Sinfonie. Alex' Qualen steigern sich ins Unerträgliche und er kann sich nur noch mit dem erlösenden Sprung aus dem Fenster retten.
Doch auch das bedeutet nicht sein Ende; Alex wacht im Krankenhaus wieder auf. Er scheint so weit genesen zu sein, dass er Besuch empfangen kann, denn der Kandidat zur Führung des neuen Innenministeriums kreuzt auf (es ist kurz vor den Wahlen) und nutzt Alex aus, um auf die Greueltaten der alten Regierung aufmerksam zu machen und als "nützlichen Nebeneffekt" ganz nebenbei eine Stimmenkollekte zu sammeln.
Mit einer ironischen Szene, in der Fotos von Alex mit dem Staatsmann geschossen werden, schließt der Film ab.
"Ich war geheilt, all right."
Fazit: Ein sehr interessanter Film, der bis aufs Detail ausgearbeitet ist. Angefangen beim von russischen Brocken durchsetzten Dialekt der Jugendgangs über die seltsame Ästhetik der dargestellten Welt der Zukunft bis hin zur genialen Musik.
Im Gegensatz zu anderen Filmen gelingt es diesem voll und ganz, die sozialkritische Botschaft deutlich, aber trotzdem nicht plump werden zu lassen, was sich vor allem darin äußert, dass Alex in allen Fällen ein Opfer der Gesellschaft ist; Er wird als Mörder eingesperrt, als Versuchskaninchen missbraucht, von einem Schriftsteller als politisches Vehikel benutzt, und zu guter letzt dient er der Regierung als Aufhänger für ihre Wahlkampagne.
Der Film ist durchgehend gut in Szene gesetzt, wie schon oben erwähnt, vor allem wegen der Filmmusik und des ausgetüftelten Stils, aber auch schauspielerisch bleibt kein Wunsch unerfüllt.
[Dieser Beitrag wurde am 02.03.2006 - 12:53 von Chita aktualisiert]
Signatur |