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MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 16.03.2006 - 21:07 |  |
ich sehe ihn förmlich vor mir!
Nanny und Una, darf ich mir eure Briefe ausdrucken?
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |
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Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 16.03.2006 - 21:35 |  |
Ich hab nichts dagegen. Bin sowiso am überlegen, ob ich die nicht in meine Seniorenlesungen einbaue (historische Reiseliteratur)
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Una  Ast


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 201 Nachricht senden | Erstellt am 16.03.2006 - 22:56 |  |
Ich habe auch nichts dagegen, Madame Kaya 
Nanny, soll ich dann doch noch mal versuchen, es in Deutsch zu schreiben? Ggfs. muss du noch mal drüber schauen und es ins rechte Vokabular setzen.
Signatur We are not human beings on a spiritual journey. We are spiritual beings on a human journey.
- Stephen Covey |
Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 16.03.2006 - 23:11 |  |
Können wir machen, Una
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Una  Ast


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 201 Nachricht senden | Erstellt am 17.03.2006 - 01:16 |  |
habe schon ein wenig übersetzt (meine ersten beiden Briefe) die kannst du ja noch abändern wo es nötig ist (und wie ich mich kenne ist es nötig).

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- Stephen Covey |
Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 17.03.2006 - 09:38 |  |
Liebste Cousine
Wie froh bin ich, das euer Brief mich erreicht hat. Post von Papa ist jetzt schon seit längerem nicht mehr gekommen und ich sitze hier bis nächste Woche noch in Neapel fest. Ich werde meine Reiseroute ändern müssen und auf einem französischen Schiff, zuerst ein kleiner Händler der bis Marseille fährt und von dort dann ein Anderes das mich nach Spanien bringt. Dort angekommen werde ich mir eine Kutsche mieten, um nach Gibraltar zu kommen und von dort aus dann nach Ägypten - irgendwie... Ms. Kennedy ist nicht sonderlich erbaut und nennt meine Pläne "tollkühn".
Vielen lieben Dank, über deine Schilderungen aus Oban. Cousin Duncan scheint mir durch das Universitätsleben eher verführt zu werden, als das er dort etwas lernt! Kann mein geschätzter Großonkel seinem, ich will es mal überkanditeltes Verhalten, einen Riegel vorschieben?
Zurück nach Neapel. Dich wird interessieren, was ich hier anstelle, um mir die Zeit zu vertreiben.
Vor ein paar Tagen fand hier ein erstaunliches Ereignis statt. Die Franzosen haben nun auch dieses Königreich erobert und dieser kleine Franzose hat seinen Bruder Joseph hier zum König gekrönt. Es ist ein Glück, das ich Amerikanerin bin, so werde ich doch mit einiger Zuvorkommenheit behandelt und zu so manchem Empfang eingeladen. Der Eindrucksvollste fand im Palazzo Reale statt, das gut 200 Jahre alt ist und damit älter, als jedes mir bekannte Gebäude in Richmond. Schöne hohe Räume, die sehr eindrucksvoll gestaltet sind. Man sieht es dem Palazzo von aussen gar nicht an. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich die Franzosen als recht freundliches Volk, so wie ich sie ja auch schon in Paris und in diesem kleinen hübschen Schloß in Franken kennenlernen durfte. Die neapolitanische Aristokratie steht allerdings etwas am Rande, obwohl die französischen Eroberer höchstwahrscheinlich nicht mehr Adel besitzen als ich (und ich besitze wenigstens Geld und kann unsere Ahnen wenigstens bis zur Zeit Mary Stuarts zurückverfolgen!). Mrs. Kennedy schimpft darüber, aber wohlweislich hinter verschlossenen Türen.
So habe ich hier nun schon fast alles Sehenswerte gesehen. Aber ich wollte euch, werte Cousine, ja von meinem Besuch in der Unterwelt berichten. Sie nennen sie hier "Napoli Sotteranea" und es sind unterirdische Höhlen, die entstanden, weil die Neapolitaner dort Steine für ihre Häuser herausgebrochen haben. Neapel ist ja schon schrecklich alt. Man sagte mir das es schon seit über 2200 Jahren besteht. 2200 Jahre! Was für eine lang Zeit! In früheren Zeiten wurden hier Rituale ausgeführt, die noch auf den Götterglauben der Römer hinweisen und wohl auch die Christen haben sich hier versteckt. Später wurden sie als Katakomben benutzt und ein altes römisches Theater befindet sich hier. Leider kann man nur einen kleinen Teil der Höhlen besichtigen. Mein Führer meinte, alles andere wäre für eine Dame zu unsicher und ich will es ihm gerne glauben. Die Gänge sind oft sehr eng und ich bestaunte die Torbögen und die alten Mauersteine, gerade soweit, wie man es im Licht der Fackel ekennen konnte. Trotz dieser Wunder war ich froh, als wir am Piazza San Gaetano wieder herauskamen und ich das Licht der Sonne erblickte.
Dann gibt es dort noch ein altes normanisches Kastell direkt auf einer kleinen Felseninsel an der Küste. Es erinnerte mich so sehr an die kleinen Burgen in Schottland! Als die wilden Norweger im Mittelalter mit ihren Drachenbooten ins Mittelmeer kamen haben sie es dort erbaut. Die kleine Festung ist oval wie ein Ei und deswegen nennen die Italiener sie auch Castel dell'Ovo. Ovo heißt Ei. Neben Si und No und mille gracie eins der wenigen Wörter die ich behalten habe. Ich glaube, ich bin nicht sonderlich in Sprachen talentiert.
Die letzten Tage bin ich stets dorthin gegangen, um noch ein paar schöne Aquarelle zu malen, da die Aussicht auf das Meer und auf die Bucht von Neapel und den Vulkan einfach wundervoll ist.
Nun werde ich diesen Brief beenden und ihn einer befreundeten italienischen Contessa geben, die ihn über Umwege aus Neapel herausbringen will. Den selbstverständlich kann man nun nicht mehr so frei mit Großbritannien korespondieren. Auch mein letzter Brief dürfte eine abenteeurliche Reise hinter sich gebracht haben.
Liebste Una, deinen nächsten Brief schickst du besser direkt nach Gibraltar und ich hoffe ihn dort dann schon vorzufinden.
Meine allerbesten Grüße an die Familie
verbleibe ich Eure euch liebende Cousine
Nanny MacDougall
[Dieser Beitrag wurde am 17.03.2006 - 09:38 von Nanny aktualisiert]
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Marianne  Der Blätter zwey


Status: Offline Registriert seit: 10.03.2006 Beiträge: 24 Nachricht senden | Erstellt am 17.03.2006 - 12:31 |  |
Schloss Panker, the 14th of March, 1806
My dearest Nanny,
At long last, I was able to get your address via Miss Una though there were a few troubles involved. But I hope that this letter will reach you at last in good health and high spirits during your journeys.
I cannot sit still because my head is full of thoughts, ideas and emotions. I will never be able to thank you enough for telling me about your new friends. With great interest am I reading all the letters you wrote to me and I cannot await much longer till I meet them.
Unfortunately, I am forced to stay here at Schloss Panker to be a companion to Hedwig, the mother of Fürst Wilhelm von Hessestein and, of course, to improve my German. My journey from England via Denmark to this lovely place is a long story. Hedwig is very nice, but her age has influenced her hearing in as much that I have to literally scream to communicate with her. But after the winter days with hitherto unseen heights of snow, the weather has much improved now and I am able to take little strolls around the area.
My German improves daily and soon I will be able to communicate fluently with all the gentle people Hedwig is inviting. Yesterday I have met Graf Berbrück. He is fearfully handsome with his dark hair and dark eyes that I have to be careful with my little heart and not fall in love.
Last week I went to Hamburg with Hedwig and my maid. It was overwhelming. Such a big city and so beautiful. In my opinion it does not pale in comparison to London. All the shops! I bought a new bonnet with pink ribbons and large feathers. Quite a challenging creation. Wait till you see it! Oh dearest, I will close my letter now for I have to change for dinner. Please be assured that I stronlgy believe we will become even closer friends than we are now. I knew it from the minute I have met you and I cannot be happy until the day we meet again. Until then I remain
Yours affectionately
Marianne Eliza Sidwell
Signatur Run mad as often as you chuse; but do not faint. |
Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 18.03.2006 - 09:06 |  |
Liebe Freundin,
Ihr Brief erreichte mich so gerade noch hier in Neapel und so habe ich noch die Muße ihn zu beantworten, obwohl schon alle Kisten gepackt sind.
Die wichtigste Frage dirket vorne weg: Ist der Graf noch Junggeselle und ist sein Charakter angenehm?
Was tragen die preussischen Damen und merkt man viel von den Franzosen? Was machen die Deutschstudien und seid Ihr bei bester Gesundheit? Hier im sonnigen Italien haben Krankheiten wie diese unangenehmen Influenzen, überhaupt keine Möglichkeit, selbst wenn man Abends nur mit zarter Muselinrobe oder Seide und einem dünnen Shawl zu den Empfängen fährt. Trotzdem habe ich eine warme Pelisse ausgepackt, da es auf diesem Küstenschiffchen bestimmt etwas kühler werden kann.
Der Captain dieses bootes ist auch der eigentümer und hat mir seine Kajüte zur Verfügung gestellt, trotzdem wird es recht beengt sein, aber das werde ich bis marseilles schon überstehen - nur Mrs. kennedy, meine Gesellschaftrin (sie ist irin und sollte eigentlich an enge Verhältnisse gewöhnt sein, wie man hört, leben die ja etwas primitiver als unsereins), schimpft über diesen Umstand.
Hier in Neapel ist es wunderschön, Sie sollten wirklich einen Besuch desselben ins Auge fassen! Lauter alte Runen und eine wundervolle Landschaft erwarten Sie hier. Ich lege eines meiner Aquarelle bei, das Sie sich ein Bild davon machen können, werte Freundin.
Nun muß ich enden, da wir morgen sehr früh an Bord sein sollen. Mehr in Marseilles.
Eure treue Freundin
Nanny Corinne MacDougall
[Dieser Beitrag wurde am 18.03.2006 - 09:07 von Nanny aktualisiert]
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Una  Ast


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 201 Nachricht senden | Erstellt am 20.03.2006 - 08:25 |  |
Dunollie Castle House, 1806
Dearest Cousin,
please, please I beseech you, do not travel to Egypt. We have heard the most frightful news. This odious man Bonaparte. It seems you cannot turn tails without meeting him or one of his brood. Did he really have the audacity to crown his brother King of Naples? How awfully arrogant and what a slap in the face to the nobility of Naples.
You are so brave, I would have had a fit of the vapours should I have been down in the dark corridors of the catacombs of Naples. Did you hear the moaning of the old dead? Or are they peacefully resting? Please do tell.
Dear Cousin, I have been fearing for your sanity ever since I read that you said your family goes all the way back to Mary Stuart. Dearest, I know the American nation is still awfully young and the ability to think in centuries rather than years is still a novelty to most of your countrymen, but please, do not forget the family on your father's side. Your mother's goes back to this unfortunate Catholic Queen, but the MacDOugalls go as far back as Scotland itself. We have been with Kings of old and Kings of new. We made war against The Sassenach and against the Scots, most especially against Robert the Bruce, whose brooch you had the pleasure to view on occasion here at the House.
I pray you will reach Gibraltar safely. The news we have heard even in such an isolated town as Oban are unsettling indeed. I wish you would come to Scotland but I fear you would find us sadly lacking after the warm climate and the wonderful people you have met along your journeys. Today we have spring's beginning and only a slight change of weather has been marked. But the heather in the glens and bens is getting darker and a richer green. Hopefully, by the time you will visit us, Scotland will present itself in all its splendour.
Papa has taken up restorative walks with our Spanish house guest and these two positively go along quite well. His gout is also reclining so I hope we will see a good spring for a change where he is not pained with aching joints and miserable temper. He even suggested we should embark on a journey to warmer climes once Bonaparte has been put into his place. We can but hope as I do long to see the lemon trees and the bougainvillea which Louis Antoine de Bougainville brought back from the Americas to Spain.
I must go now, but I hope to hearing from you soon and I'll remain,
your loving cousin,
Una MacDougall
Liebste Cousine,
Ich beschwöre Euch, reisen Sie nicht nach Ägypten. Wir haben die schrecklichsten Nachrichten gehört. Dieser schreckliche Mann, Bonaparte. Es scheint, daß man sich nicht mehr auf dem Kontinent bewegen kann, ohne ihn oder einen seiner Brut anzutreffen. Hatte er wirklich die Dreistigkeit, seinen Bruder zum König von Neapel zu krönen? Wie schrecklich arrogant und ein veritabler Schlag ins Gesicht des Adels von Neapel.
Ihr seid so tapfer, ich wäre ganz bestimmt einer tiefen Bewusstlosigkeit anheim gefallen, wenn ich dort unten in den dunklen Fluren der Katakomben von Neapel gewesen wäre. Hörten Sie das schrecklich Stöhnen der Toten? Oder sind Sie friedlich und still? Ich beschwöre euch, erzählt mir mehr.
Liebste Cousine, ich verzweifele schon an eurer Vernunft, seitdem ich gelesen habe, daß Sie Ihre Familie vollständig bis zu Mary Stuart verfolgen können. Natürlich weiss ich, daß die amerikanische Nation noch schrecklich jung ist und die Fähigkeit, in Jahrhunderten anstatt in Jahren zu denken, noch eine Neuheit zu die meisten Eurer Landsleute ist, aber bitte, vergesst nicht die Familie auf Seiten Eures Vaters. Die Familie Eurer Mutter geht zurück zu dieser unglücklichen katholischen Königin, aber die MacDougalls sind so alt wie Schottland selbst. Wir sind mit Königen der alten Zeit und Königen der neuen Zeit geritten. Wir zogen in den Krieg gegen die Sassenach und gegen das Schotten, besonders gegen Robert the Bruce, dessen Brosche Ihr das Vergnügen hattet, hier am House betrachten zu dürfen.
Ich bete, dass Ihr heil in Gibraltar ankommen werdet. Die Nachrichten, die wir sogar in solch einer abgeschiedenen Stadt wie Oban gehört haben, sind in der Tat beunruhigend. Ich wünschte, Ihr würdet nach Schottland kommen, aber ich fürchte, daß unserem Wetter einiges mangelt nach dem warmen Klima und die wundervollen Leute, die Ihr während eurer Reisen getroffen habt.
Heute haben wir Frühlingsanfang, aber nur durch eine geringfügige Änderung des Wetters wurde dies gekennzeichnet. Aber das Heidekraut in den Tälern und auf den Höhen hat doch nun schon ein satteres Grün. Ich hoffe, dass sich Schottland in seinem ganzen Glanze präsentiert, wenn ihr uns besucht.
Papa unternimmt nun Spaziergänge mit unserem spanischen Hausgast und diese beiden verstehen sich gut. Seine Gicht bedrängt ihn auch nicht mehr zu sehr, und ich hoffe, dass mit dem kommenden Frühling auch eine Veränderung Einzug hält, in der er nicht mit schmerzenden Gliedern und miserablem Laune gepeinigt wird. Er schlug sogar vor, daß wir uns zu einer Reise in wärmere Gefilde einschiffen sollten, sobald Bonaparte ein für alle Mal in seine Schranken verwiesen worden ist. Wir können, nur hoffen, aber ich sehne mich, die Zitronebäume und die Bouganvilla zu sehen, die Louis Antoine de Bougainville Amerika zurück nach Spanien brachte.
Ich hoffe bald von Ihnen zu hören und ich verbleibe,
Ihre Euch liebende Cousine,
[Dieser Beitrag wurde am 20.03.2006 - 08:31 von Una aktualisiert]
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- Stephen Covey |
Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 20.03.2006 - 10:05 |  |
Liebst Cousine
Was für eine Reise! Und was für eine Freude nun Euren Brief in meinen Händen zu halten, so weiß ich, das der letzte euch wohlbehalten erreicht hat.
Zweifelt bitte nicht in an meinem Verstand, den die Reise nach Ägypten habe ich nach eindringlichem Einreden unseres Cousins Connor erst einmal verschoben. Oh ja, Ihr lest richtig! Sein Schiff, die Dispatch, liegt nun hier in Gibraltar und ich war auch schon bei einem Dinner mit seinem Captain Hawkins, zu dem ich geladen wurde, so wie ich auch den letzten Teil der Reise bis Gibraltar auf diesem hübschen Schiff verbringen durfte. Sehr liebenswürdig und freundlich das Ganze. Er schickt viele Grüße an seine Familie und wird auch noch schreiben. Und selbstverständlich habe ich nicht Vaters Familie vergessen, immerhin tragen wir alle diesen großen Namen und es sind ja auch erst 50 Jahre her, das Großpapa nach Amerika kam.
Aber last mich nun von der Reise erzählen. Von Neapel (und nein, man hört in der Unterwelt keine unruhigen Toten, sie sind friedlich) aus fuhr ich also auf diesem kleinen Händler. Monsieur Loutrec, so hieß der Besitzer, führte italienische Glaswaren und italienischen Liqueur mit sich, man sollte meinen die Franzosen hätten genug an ihrem eigenen Wein, hielt sich dicht an der Küste und das auch nur Nachts. Tagsüber lief er immer einen anderen Hafen an, da er Angst hatte, das sein Schiff entweder von den Engländern oder von Piraten überfallen wird. Er lobte Napoleon in den höchsten Tönen und erzählte, das er sein Frankrich wieder zu der alten Größe führen wird. Himmel! Ich kann nicht glauben, das Engländer Schiffe überfallen! Allerdings meinte er auch, das es ein Fehler sein könnte, das Buonaparte überall seine Familie zu Königen macht. (Du erinnerst dich? ich schrieb dir von dem Empfang zu Ehren seines Bruders, der ja jetzt König in Neapel ist.) Ich selbst habe die Vorzüge einer Demokratie schätzen gelernt. Macht das Staatsoberhaupt Unsinn, kann man es einfach abwählen, obwohl wir Frauen da ja leider kein Mitsprachrecht haben.
So kam ich dann bei schönem Wetter nach ein paar Tagen in Marseilles an und war doch ersteinmal glücklich wieder an Land zu sein. Leider blieb mir hier nur Zeit für einen kleinen Ausflug, da Ms. Loutrec direkt daran ging, meine Weiterfahrt nach Barcelona zu organisieren. Seine Familie nahm mich allerdings auf einen wundervollen 2-tägigen Ausflug aufs Land mit. Sie hat Verwandtschaft in einer kleinen Stadt namens Istres. Dort gibt es ein altrömisches Stadttor zu sehen und sie liegt an einem Binnenmeer. Was für ein wundervolles Land. Liebste Cousine, solche Farben! Und ich hatte keine Muße sie auf einem Bild einzufangen. Sie trinken dort Unmengen von Rotwein und genießen das leben, wo es nur geht. Ich beschreibe dir nun kurz das Essen, das hervorragend war:
Rotwein und Käse, danach Rotwein. Rotwein und etwas Gemüse, Oliven und gefüllte Paprikaschoten mit zarten Putenstreifen, danach Rotwein und Brot. Rotwein und eine Suppe. Danach Rotwein. Rotwein und ein zarter Lambraten mit wunderbaren Kräutern. Und wieder Rotwein. Rotwein mit Brot. Rotwein und danach irgendwann der Nachtisch. Etwas mit dem Saft der Zitronen. Selbstverständlich danach: Rotwein. nach dem 3. Glas begann ich ernsthaft an meiner korrekten Haltung zu zweifeln und Mrs. Kennedy schaute sehr mißbilligend. Die ganze Zeit wurde viel erzählt und gelacht. Allerdings verstand ich so gut wie nichts von dieser Unterhaltung. Herzerwärmend war allerdings diese überwältigende Gastfreundschaft.
Wieder in Marseilles wurde ich direkt auf den Kahn eines Vetters verfrachtet, der mit französischem Wein nach Spanien fuhr. Ich frage mich, warum sie das nicht auf dem Landweg machen, da dies doch viel gefahrloser ist, wie ich es dann auch zu spüren bekam. Der Vetter war nicht so vorsichtig wie der liebe Monsieur Loutrec und so kam es, das ich unsern Vetter Connor traf. Sein Schiff war auf der Fahrt nach Gibraltar und hielt unser kleines Schiff natürlich an (von einem Überfall habe ich da allerdings nichts gemerkt, nur 1 Kanonenschuß der vor dem Bug ins Wasser ging. Schrecklich laut das Ganze!) Vetter Loutrec war zutiefst betrübt und sah aber keine Möglichkeit zu entkommen, was sich im Nachhinein als Glück für mich erwies. Du kannst dir meine Freude vorstellen, als Mrs. Kennedy in die Capitänskabine kam und mir Ltd. MacDougall ankündigte. Was für ein wiedersehen. Cousin Connor befahl direkt 2 seiner Leute an mein Gepäck und ehe ich mich versah, war ich auf der Dispatch. Sein Captain schaute erst etwas mißbilligend, was ich auf einem kleinem Franzosen mache und ließ sich aber schnell beruhigen. Er schüttelte zwar etwas den Kopf und nannte mich eine amerikanische Schottin, wobei er nicht wüßte, was er für leichtsinniger hielt, aber im Nachhinein, erwies er sich als sehr freundlich. Connor blieb auf dem Händler und fuhr mit ihm hintr uns her bis nach Gibraltar. Was für ein schönes Schiff die Dispatch doch ist. Captain Hawkins erklärte mir beim Dinner das sie erst 2 Jahre alt ist und 18 Kanonen besitzt und sich sehr zufriedenstellend führen läßt, was auch immer er damit jetzt meinte.
In Gibraltar wurde ich in einem angenehmen Gasthaus, "Zur Krone", abgeliefert und Cousin Connor brachte mir dann Euren Brief mit. Sie bleiben wohl ein paar Tage hier und er will sich erkundigen, was es hier in der Umgebung an interessanten Dingen für mich zu sehen gibt. So will ich diesen Brief nun beenden und hoffe euch alle bei bester Gesundheit anzutreffen, denn ich werde im Sommer nach Schottland kommen und hoffe dann, so lang wie möglich bleiben zu können.
In tiefer Zuneigung
deine Cousine
Nanny MacDougall
[Dieser Beitrag wurde am 20.03.2006 - 13:32 von Nanny aktualisiert]
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