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Traubenstolz ...
50 Liter Wein
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...   Erstellt am 03.11.2009 - 15:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo,

Noch ist es nicht soweit, aber bald steht der Rebschnitt wieder an. Mir ist aufgefallen, dass fast alle Winzer mit Weinbergen am Hang nach dem Schnitt die stehengelassenen Ruten talabwärts biegen, wie hier in der Zeichnung:



Ich habe schon einige Winzer nach dem Grund gefragt, aber alle sagten, dass sie es so gelernt haben, aber warum das so gelehrt wurde, wusste keiner mehr.

Da meine Reben auch am Hang stehen, würde mich das interessieren, wenn das einer von Euch wüsste.

Grüße Traubenstolz




Dreizehn 
1000 Liter Wein
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...   Erstellt am 03.11.2009 - 16:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die von Dir skizzierte Erziehungsform heißt Viertelbogenerziehung. Vorteil: z.B. gute Saftverteilung in der Tragrute, leichtes Biegen, es können mehr Augen angeschnitten werden (längere Tragrute).

Nachteil: z.B. nicht so kräftiger Austrieb auf dem Stammkopf (für Anschnitt im Folgejahr), Trauben hängen nicht in einer Ebene.


Ich habe mir erlaubt, aus Deiner Skizze eine Flachbogenerziehungs-Version zu machen:



Diese Erziehung soll für kräftigen Austrieb aus dem Stammkopf sorgen (Apikaldominanz, die am höchsten stehenden Augen werden am besten versorgt) um auch unter ungünstigen Bedingungen im Folgejahr immer eine kräftige Tragrute anschneiden zu können. Weiterer Vorteil: z.B. sehr gleichmäßiger Austrieb, alle Trauben hängen in einer Ebene.

Nachteil: z.B. Sorten mit sprödem Holz können beim Biegen brechen, bei großen Gassenbreiten können nicht genügend viele Augen angeschnitten werden.

Grüße, Dreizehn


Edith meint noch etwas: Es gibt ja auch noch Traditionen in den Weinbaugebieten – Flachbogen, Viertelbogen, Halbbogen, Ganzbogen. „Haben wir schon immer so gemacht.“

[Dieser Beitrag wurde am 03.11.2009 - 16:09 von Dreizehn aktualisiert]




Traubenstolz ...
50 Liter Wein
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...   Erstellt am 03.11.2009 - 17:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Dreizehn,

danke wirklich erschöpfend beantwortet. Die Flachbogenerziehung habe ich schon angewendet, allerdings war ich nicht sicher ob ich die Ruten hangaufwärts oder hangabwärts ziehen soll. Aber das ist ja nun klar. Mein Hang ist aber auch nicht so steil, wie ich das gezeichnet habe.

Diese Flachbogenerziehung erleichtert auch das Ernten der Trauben, vor allem wenn vorher schon die Traubenzone entblättert wurde. Mein Winzer, bei dem ich dieses Jahr einen Kurs mache, der verwendet noch eine Zwischenerziehungsform wie folgt:



Es ist eigentlich eine Flachbogenerziehung nur biegt er das Ende der Rute auf den Draht darunter. Die Zeilen stehen hier aber quer zum Hang. Kannst Du Dir das erklären?

Grüße Traubenstolz




derapulier ...
100 Liter Wein
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...   Erstellt am 03.11.2009 - 18:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


dreizehn schrieb
„Haben wir schon immer so gemacht.“

Kann da einen Kalauer aus Italien zum Besten geben.

Auf die Frage wie man Mandeln richtig schneidet "Ganz leicht,lässt du einfach drei Äste stehen, der kommmt schon wieder"

Eigentlich erschreckend immer wieder anzusehen, wie eingefahren und ignorant gegenüber Neuem manche Landwirte sind.Auch wird das eigene Tun nicht hinterfragt:„Haben wir schon immer so gemacht.“

Gruss derapulier

[Dieser Beitrag wurde am 03.11.2009 - 18:53 von derapulier aktualisiert]





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Dreizehn 
1000 Liter Wein
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...   Erstellt am 03.11.2009 - 19:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


derapulier schrieb
    ... wie eingefahren und ignorant ...


Stimmt. Aber na ja, ein wenig haben wir davon wahrscheinlich alle – wenn ich mir so vorstelle, wie ungern ich mich von alten Schuhen trenne ...


Traubenstolz schrieb
    ... nur biegt er das Ende der Rute auf den Draht darunter. Die Zeilen stehen hier aber quer zum Hang. Kannst Du Dir das erklären?


Nein, da bin ich auch ratlos. Zumal hier im Bereich des auf- und absteigenden Rutenteils die Triebe noch enger stehen als bei der „normalen“ Viertelbogenerziehung. Dieser Schnitt fällt vielleicht in den Bereich Tradition.

Grüße, Dreizehn

[Dieser Beitrag wurde am 03.11.2009 - 19:51 von Dreizehn aktualisiert]




Traubenstolz ...
50 Liter Wein
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...   Erstellt am 04.11.2009 - 10:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Dreizehn schrieb

    Es gibt ja auch noch Traditionen in den Weinbaugebieten – Flachbogen, Viertelbogen, Halbbogen, Ganzbogen. „Haben wir schon immer so gemacht.“




derapulier schrieb

    Eigentlich erschreckend immer wieder anzusehen, wie eingefahren und ignorant gegenüber Neuem manche Landwirte sind.Auch wird das eigene Tun nicht hinterfragt:„Haben wir schon immer so gemacht.“





Hallo,

durch die nichtbeantworteten Fragen von einigen Winzern ist wohl ein falscher Eindruck entstanden. Es hat sich die letzten Jahre viel getan in Rheinhessen. Eine junge, gut ausgebildete Generation von Winzern hat übernommen. Sie haben sich in Gruppierungen wie "Message in a bottle" oder "Rheinhessenfive" u.a. zusammengeschlossen, probieren gegenseitig ihre Weine und haben einen intensiven Erfahrungsaustausch. Die Mischbetriebe, also Landwirtschaft und Weinbau in einem Betrieb, sind zurückgegangen. Es gibt inzwischen sehr gute Weine aus Rheinhessen, die sich nicht mehr hinter Weinen aus anderen Weinanbaugebieten verstecken müssen. Die Zeiten in denen nur süße Massenweine aus Rheinhessen kamen sind gottseidank vorbei.

Grüße Traubenstolz




Dreizehn 
1000 Liter Wein
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...   Erstellt am 04.11.2009 - 17:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Tradition bedeutet doch grundsätzlich nichts Schlechtes, nur dann, wenn daraus wirklich ein „alter Zopf“ wird.

Dass Du für Rheinhessen in den Ring steigst, finde ich gut. So ähnlich, wie Du es für RH beschreibst, läuft es in den anderen Weinbaugebieten auch. Aber hier wie da ist es leider so, dass die einfachen, um nicht zu sagen schlechten Massenweine das Image herunterziehen oder -gezogen haben.

Gute Winzer hat es immer gegeben, in allen Gebieten. Nur sind sie zu oft chancenlos gegen die großen Abfüller und Genossenschaften (vor allem im Durchsetzen allgemein verbindlicher Qualitätskriterien), auch die Verbände tendieren eher zu den Wünschen der Großen. Aber auch dort hat inzwischen ein Umdenken stattgefunden, scheint mir.

Grüße, Dreizehn




Ellute 
50 Liter Wein
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...   Erstellt am 04.11.2009 - 19:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


So eine Reben-Erziehung wie auf der letzten Skizze sehe ich bei uns auch bisweilen. Kann mir eine solche Erziehung nur darin erklären, daß so vielleicht versucht wird, die vordersten Nodien im Austrieb zu unterdrücken. Wo gegen ein anderer Winzer in der Nachbarschaft, bei gleicher Steillage, eine Vertiko-Erziehung bevorzugt und alles per manu et per pedes bewerkstelligt.





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Gruß
El-Lute

Dreizehn 
1000 Liter Wein
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...   Erstellt am 05.11.2009 - 10:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ellute schrieb
    ... daß so vielleicht versucht wird, die vordersten Nodien im Austrieb zu unterdrücken.


Der Sinn erschließt sich mir nun gar nicht. Falls so der Austrieb stammnaher Nodien unterdrückt würde, wäre auch der Augenaustrieb aus dem Stammkopf entsprechend schlecht (oder nicht vorhanden). Wie soll den da ein Rute für den Anschnitt als Bogrebe im Folgejahr entstehen?

Grüße, Dreizehn




Traubenstolz ...
50 Liter Wein
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...   Erstellt am 05.11.2009 - 17:38Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo,

wenn ich Ellute richtig verstanden habe, meint er die Nodien am Ende der Rute. Die Triebe am Ende einer Rute wachsen ja normaler Weise immer am stärksten. Auf diese Weise könnte das unterdrückt werden?

Vermutlich werden wir am Sonntag den Syrah abpressen. Bei dieser Gelegenheit werde ich den Winzer nochmals fragen, warum er so schneidet.

Grüße Traubenstolz




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