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...   Erstellt am 22.06.2009 - 11:33Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Am 10. Juni 1982 starb Rainer Werner Fassbinder. Er wurde 36 Jahre alt.

Kein deutscher Regisseur der Gegenwart hat sich derart intensiv und verbissen und besessen mit Deutschland und der Bundesrepublik auseinandergesetzt.

Er tat es nicht aus der Perspektive von jemandem, der darübersteht und über das Handwerkszeug zu einer sachlichen Analyse verfügt.
Er lebte mit seiner außerordentlichen Sensibilität aufmerksam mitten in diesem Land, und er litt an ihm.

All die Gedankenlosigkeiten und Zwänge und Deformationen und Zerstörungen, die er im alltäglichen Leben hier und heute vorfand und gegen die er immer wieder heftig aufbegehrte, er verspürte sie zuallererst an sich selbst, teilte sie dann seinen Figuren mit.

Seine Verletzlichkeit, die sich hinter einem bohemienhaften Auftreten verbarg, seine Verwundbarkeit, seine Enttäuschungen, Verzweiflungen, Depressionen: das alles ist in seinen Filmen spürbar.

Viele seiner Filme fügen sich zu einer genauen und unerbittlichen Chronik des deutschen Kleinbürgertums zusammen. Immer wieder erzählte er Geschichten einer unmöglichen Liebe, einer scheiternden Beziehung, eines kaputtgehenden Verhältnisses.

„Ich will doch nur, daß ihr mich liebt"
heißt einer seiner schönsten Filme, in dem er die seelische Verkrüppelung und Zerstörung eines jungen Mannes berichtete und völlig aus den gesellschaftlichen Verhältnissen ableitete.

Ich will doch nur, daß ihr mich liebt: zwischen der Hoffnung, die in diesem Satz steckt, und der Verzweiflung darüber, dass diese Hoffnung nicht einlösbar ist, pendelte sein Leben.

In unmäßiger, rauschhafter Arbeit suchte er Betäubung. Ungeduldig, fiebernd, als ahnte er, dass er nicht genügend Zeit hatte, um all das zu sagen, was er sagen wollte, machte er einen Film nach dem andern.

Er war besessen von seiner Arbeit. Sie zehrte ihn aus wie eine Droge. „Dass ich mehr mache als die anderen, kann ich nur so erklären: es muss irgendeine Krankheit sein, oder der Versuch, mit dieser Krankheit fertig zu werden."

Er lebte aufreibend, intensiv, nervös, konzentriert.
Natürlich war er klug genug zu sehen, wie riskant er lebte, und daß er mit dem maßlosen Raubbau seiner Gesundheit die eigene Zerstörung betrieb. Aber: er konnte wohl nicht anders.

Fassbinder Foundation





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