Mediterranea, eine Insel im Mittelmeer.

Eine Insel, ein unabhängiger Kleinstaat - genau im Kreuz der vier größten Mächte dieser Zeit: Rom, Athen, Alexandrien und Karthago - ein Ort der Weisheit und des Wahnsinns, der Korruption und der Freundschaft, der Freiheit und des Kampfes, ein Schmelztiegel der Kulturen und Klassen, wo Senatoren einem illustren Leben frönen, Händler aus aller Welt die exotischsten Dinge darbieten und Sklaven um ihre Freiheit kämpfen. Erlebe das Schicksal: Tauche ein in eine Welt voller Intrigen, Kampf, Spannung, Spaß, Liebe und Hass - werde Teil von Mediterranea!

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Normin 
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...   Erstellt am 28.12.2005 - 00:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Gabriel hörte die Worte und verstand sie erst nicht, so wie er vieles nicht verstand, was geschehen war. Zwar wußte er, wie er sich fühlte, doch ihm kam dies alles so fremd vor. War er das? fühlte er so? Naja, zumindest hatte er im Moment nichts anderes und für einen kurzen Moment war er diesem Menschen fast Dankbar, daß er ihn nicht umgebracht hatte. Aber warum nicht, das verstand Gabriel nicht. Wollte er Gabriel leiden sehen, weil er meinte, der Tod wäre eine Gnade? Es wäre sein gutes Recht ... wie hätte Gabriel reagiert? Und gab es überhaupt jemanden in Gabriel Leben, den er liebte? Oder jemand, der ihn liebte? Warum nur hatte er diese Tat getan? Warum?

Verflucht noch einma, diese Fragen machten ihn zunehmens fertig. Da war so nichts, an das er sich klammern konnte. Und doch hatte Ragnar wohl Recht: Es war ein anderes Leben.
Und Ragnar hatte ihn nicht getötet und ihm somit eine zweite Chance gegeben. War es nicht so?

Wirklich wohl war Gabriel nicht dabei, doch auf der anderen Seite war da auch nichts, außer diesem neuen Leben, dieser zweiten Chance.

"Ich weiß nicht, wer ich bin, aber ja, ich bereue zutiefst, was ich getan habe und verstehe es auch nicht. Ich würde es so gerne ... aber auf der anderen Seite ... ich will nicht solch ein Mensch sein ..."
Was redete er da nur, es klang alles so merkwürdig, so skurill. Wie ein traum war es und doch war es die Realität, die kalte Wirklichkeit.

Ragnar mußte ein gnadenlos vergebeneder Mensch sein, ein Mensch, der zwar Rache empfand, doch sich dann beherrschen konnte und aufeinmal verspürte Gabriel so etwas wie Dankbarkeit. Ragnar schien sehr weise zu sein, daß er so mit dieser Tat umgehen konnte.
"Seid Ihr ein Priester?" fragte Gabriel, ohne dem Mann in die Augen zu sehen, zu sehr schämte er sich.

[Dieser Beitrag wurde am 28.12.2005 - 01:47 von Normin aktualisiert]





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Ragnar 
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...   Erstellt am 28.12.2005 - 00:51Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Bei Gabriels Worten wäre Ragnar nun vor lauter Schreck fast, doch er fing sich schnell wieder und setzte seinen Streifzug durch das Zimmer fort.
Anscheinend hatten die zahlreichen Predigten, die er seinen Männern gehalten hatte, Spuren hinterlassen, die es offensichtlich machten, dass er das geistige Oberhaupt seiner kleinen Gemeinde war. Doch Gabriels Stimme hatte nicht negativ oder gar hasserfüllt geklungen, also war ihm wohl nicht klar, was für ein Priester Ragnar war.

Immer neue Dimensionen der Macht taten sich vor Ragnars strahlenden Augen auf.
„Ja, ich bin Priester“, sagte er sanft ohne Gabriel direkt anzusehen, doch aus den Augenwinkeln heraus beobachtete er jede noch so kleine Regung des Häufchen Elends dort auf seinem Bett.
„Ich werde dafür beten, dass du weiterhin die Gnade findest, die auch ich die zuteil werden ließ.“

Innerlich bog Ragnar sich vor lachen über den Unsinn, den er Gabriel erzählte. Ganz davon abgesehen, dass er sich weigerte, an Götter jeglicher Art zu glauben, war Satana gewiss kein gnädiger Gott.





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Normin 
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...   Erstellt am 30.12.2005 - 02:22Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Gnade? Die Ihr mir ... ?" Gabriels Worte verstummten. War es eine Gnade, daß er lebte, oder viel mehr doch ein Fluch? Er wußte es nicht.
"Ihr hättet mich töten können und habt es nicht getan? Warum? aus Gnade? Warum aber habt iht mich dann gefoltert? Nennt Ihr das Gnade?" Gabriel Worte klangen nun voller Verachtung, aber auch voller Wut. Doch es war nicht ersichtlich oder herauszuhören, was er genau meinte, ob Ragnar, die Götter oder sich selber.
"Gnade!!" stiess er erneut verächtlich hervor. "Wer eigentlich hat darüber zu bestimmen?"
Gabriel wußte selber nicht mehr, was er sagte: Er wollte nur noch schlafen und niemals mehr erwachen. Zu sehr schmerzte ihn sein kleines, erbärmliches Leben ohne Vergangenheit, ohne Erinnerung und ohne Wissen. Er fühlte sich nichts wert und doch glomm immer wieder etwas wie Kampf in ihm auf: Ein Kampf gegen diese erinnerungslose Leere, gegen dieses Unwissen, gegen diese Angst ...

Wer nur war er in dem Leben gewesen, was so ausgelöscht war, als sei er tot? Laut den Erzählungen Ragnars hatte er etwas furchtbares getan. Und doch gab es keine Erinnerung, nicht einmal ein Gefühl. War er wirklich ein solches Monster? Und warum bereute er nun diese Tat? veränderte einen Menschen etwa so ein Gedächnisverlust?
Und wieder fragte er sich: Habe ich Familie, warum war ich hier ... wieso, warum.

Gabriel seufzte und dann auf einmal stiess er hervor: "Ich will sie sehen. ich will begreifen und auch, wenn sie mir all ihre Verachtung entgegenschleudert oder ein Messer zwischen die Rippen jagt. So versteht es doch, ich will wissen! Versteht ihr? ich muss es sehen, fühlen, hören!!"

Gabriel wußte nichts von seinem Leben, nichts von dem, was unmittelbar vorher geschehen war, als er sein Gedächnis verlor und es machte ihn schier wahnsinnig. Dieser Zustand war kaum auszughalten. Er fühlte sich, als würde er in der Luft zerrissen und alle seine Einzelteile würden wahrlos verstreut worden sein.





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Ragnar 
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...   Erstellt am 30.12.2005 - 19:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mit dem Rücken zu Gabriel war Ragnar stehen geblieben, sodass dieser seine Miene nicht erkennen konnte, als er nun den Tisch fixierte, als wäre dieser ein Gegner, der jederzeit bereit war, ihn anzufallen. Ragnars Miene war so voller Zorn und Brutalität, dass jeder halbwegs vernünftige Mensch sich vehement dagegen gesträubt hätte, allein mit diesem Mann in einem Zimmer sein zu müssen.

Er war zu weit gegangen und hatte die Kontrolle verloren. Das machte Ragnar unglaublich wütend, verhinderte es doch, dass er sein Spielchen wie geplant fortsetzen konnte. Doch gleichzeitig reizte es ihn auch und stachelte seinen Ehrgeiz noch mehr an. Als fanatischer Spieler kalkulierte er kleine Rückschläge ein, wusste er doch, dass er noch lange nicht verloren hatte.

Dank dieses Gedankens gelang es Ragnar, sich zusammenzureißen, sodass seine Stimme nun einigermaßen ruhig klang. Gabriels erste Äußerungen ignorierte er, nur auf seine zweite ging er ein.
„Ich verstehe, doch ihr müsst verstehen, dass ich euch nicht zu meiner Schwester lassen werde, ehe es ihr besser geht und selbst dann noch äußerst ungern. Denn wer sagt mir, dass ihr nicht just in dem Moment, in dem ihr ihr Anlitz wieder seht, euer Gedächtnis wieder findet und erneut danach trachtet, ihr auf alle erdenklichen Weisen Leid zuzufügen?“





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Normin 
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...   Erstellt am 30.12.2005 - 20:13Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


SO sehr Ragnar sich auch gegen die Vorstellung wehrte, Gabriel zu seiner Schwester zu lassen, was dieser bereit war zu verstehen, so sehr hatte sich auch Gabriel in den Kopf gesetzt, seinen Plan weiter zu verfolgen und seinem Gedaächnisverlust auf den grund zu gehen.
"Ich verstehe Euch, aber versteht auch mich. Ich ... " Er senkte den Blick und starrte versonnen auf seine bangagierten Hände, schob seine Augenbrauen zusammen und runzelte sorgenvoll seine Stirn.
"Ich fühle hier drin ..." Er hob eine Hand und führte seine Finger an seinen Kopf. " ... so gar nichts, versteht ihr? ich meine: Ich weiß nicht wer ich war. Und glaubt mir ..." Nun hob er wieder seinen Kopf und sah zu Ragnar hin, welcher mit dem Rücken zu ihm stand. "... ich bin nun jemand anderes. Ich will Eurer Schwester kein Leid mehr an tun und ich verstehe eh nicht, warum ich es überhaupt tat. Es ist mir unbegreiflich. Aber vielleicht kann sie Antworten geben ..." Seine Stimme klang ebenfalls ruhig und doch schwang eine Verzweiflung mit, ein Schmerz, der sein leeres Innerstes quälte.





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Ragnar 
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...   Erstellt am 30.12.2005 - 21:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Während Gabriel erneut sprach, drehte Ragnar sich zu ihm um. Mittlerweile hatte er seine Miene wieder unter Kontrolle und er sah sein Opfer anscheinend emotionslos an. Innerlich brodelte in ihm zwar ein Vulkan aus den unterschiedlichsten Gefühlen, die er sich selbst nicht erklären konnte, doch äußerlich war Ragnar die Ruhe selbst.
„Ich verspreche euch, darüber nachzudenken, doch im Moment ist es einfach noch nicht spruchreif“, sagte er schließlich und es gelang ihm sogar, Gabriel anzulächeln.





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...   Erstellt am 30.12.2005 - 21:34Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Aber Gabriel war nicht zu Mute danach, zurück zulächeln. Überhaupt hatte er einen eher ernsten, verzweifelten und grimmigen, ja verhärmten Gesichtsausdruck aufgelegt.
Die Antwort gefel ihm nicht, aber er mußte sich einfach gedulden. Es lag im Moment nicht in seiner Hand, im wahrsten Sinne des Wortes. Und wieder starrte er auf seine bangagierten Hände.
Da es sich Ragnar aber überlegen wollte, murmelte Gabriel ein leises: "Danke ...." Und dann bewegte er sich etwas, so daß er schließlich am Rand des Bettes saß. Er seufzte schwer und ließ Kopf und Schultern hängen. Er hatte nicht nur Schmerzen in seinen Fingern, auch der Schmerz in seinem Kopf meldete sich zurück. Doch der Schmerz in seinem Inneren überwog alles andere.
"Ich soltle nun wohl gehen ..." murmelte er dann und erhob sich, den Blick auf den Boden gesenkt.
Es war schon ein seltsames Bild. Da stand dieser große, muskulöse Mann, der fast schon ein Gladiator sein hätte können und doch wirkte er in diesem Moment wieder wie ein hilfloses Stückchen Elend.





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...   Erstellt am 30.12.2005 - 23:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nun da Gabriel aufgestanden war, fühlte Ragnar sich zunehemends unwohl, überragte ihn der Mann, den er zu seinem neuesten Spielzeug auserkoren hatte, ihn doch beinahe um zwei Köpfe. Damit Gabriel nicht direkt neben ihn treten konnte, ging Ragnar nun schnell zur Türe, öffnete diese und rief einen lauten Befehl durch dir Gänge. Sogleich erschien eine Wache.
„Bring diesen Mann zurück in die Zelle. Und bring ihm dann einige Decken und Kissen.“
Die Wache nickte und ging auf Gabriel zu, um diesen unsanft unter dem Arm zu packen und ihn aus Ragnars Kammer zu ziehen.
„Erhol dich gut“, sagte dieser mit einem freundlichen Lächeln, als Gabriel an ihm vorbei ging.





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...   Erstellt am 30.12.2005 - 23:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Gabriel entwand sich mit einem deutlich verächtlichen Blick und einer raschen, abrupten Bewegung des Griff des Mannes, der ihn rausführen wollte. So weit kam es noch! Wild funkelte er den Mann an. "Och komm ja mit, aber fass mich nicht noch einmal an!" EIn wenig hatte Gabriel zurück von seinem Lebensmut, aber auch, ohne es zu wissen, ein wenig von Normins Temperament.

Er nickte Ragnar noch kurz zu und folgte dann dem Mann.

(weiter: Kleine Zelle im Bug des Schiffes)





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...   Erstellt am 26.01.2006 - 01:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Einige Zeit lang war Ragnar rastlos in seinem Zimmer auf und ab gewandert, hatte einen Plan nach dem anderen geschmiedet und sofort wieder verworfen. Zornig darüber, dass er nicht recht wusste, was er tun wollte, war er schließlich zu Bett gegangen und in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen.

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch langsam wurde der Himmel heller, als Ragnar wieder erwachte. Noch immer war er leicht verärgert, obwohl er sich kaum erklären konnte warum. Er brauchte dringend Ablenkung, er brauchte dringend Aufmunterung… Prompt klangen ihm Gabriels süße Schmerzensschreie im Ohr. Ein gehässiges Lächeln umspielte Ragnars Mundwinkel, als er sich erhob und sich schnell ankleidete, um sich dann auf den Weg zu seinem Gefangenen zu machen.

tbc: Kleine Zelle im Bug des Schiffes





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