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Drakosha ![]() Wolfsmensch Status: Offline Registriert seit: 12.09.2004 Beiträge: 679 Nachricht senden |
Ich hab mal angefangen, eine kleine Ragnarok-Geschichte anzufangen. Die Kapitelaufteilung ist zwar etwas seltsam, aber macht ja nix XD (liegt an einem anderen Forum, wo ich nur 10000 wörter in einen post packen kann). Ich schreibe einfach mal Kapitelweise, vielleicht könnt ihr ja irgendwas mit der Story anfangen^^ Genervt durchquerte Alissa wieder das Wäldchen, dann Payon, lief durch das Stadttor, um sich dann auf einer weiten Wiese wieder zu finden, auf der ein paar Felsen herausragten. Payon war jedoch nicht für seine Wiesen bekannt, es waren die großen östlichen Wälder, die zwar sehr schön waren, jedoch von Monstern bewohnt waren, auch wenn diese Monster größtenteils friedliebend waren. Die Wiesen waren zu steinig, als dass man Ackerbau auf ihnen betreiben konnte, deshalb lebten in Payon viele Jäger, die wilde Monster in den Wäldern erlegten, um ihr Fleisch und Fell zu verkaufen. So war aus dem kleinen beschaulichen Payon doch eine größere Stadt geworden, obwohl sie noch ein gewisses mittelalterliches Flair hatte. Alicia lief schon länger über das Gras, doch bisher hatte sie nur Porings, komische kleine Schleimwesen, die jedoch ganz süß anzusehen waren, oder Spores, pilzförmige Monster, aufgescheucht. Kein einziges Willow ließ sich blicken, und das, obwohl sie gerne Spaziergänger überraschten, wenn diese durch das Umland von Payon gingen. Ansonsten waren sie eher scheu, und das kriegte Alissa jetzt zu spüren. Vor ihr tauchte ein Waldabschnitt auf und sie betrat ihn ohne zu zögern. Schon als kleines Kind hatte sie hier gespielt. Plötzlich wurden ihre Augen auf etwas aufmerksam. Sie glaubte eine Bewegung im Unterholz gesehen zu haben. Lautlos schlich sie näher. Es war wirklich ein Willow, sein baumartiger Körper bewegte sich ein wenig. Als Alissa noch näher kam, sah sie die dürren Astärmchen und die Augen, die Nase und den Mund, die eher wie Löcher oder verkorkste Formen im Stamm eines Baumes aussahen und nur zufällig wie ein Gesicht wirkten. Alissa zögerte nicht länger. Sie sprang auf das Willow zu, hieb mit ihrem kleinen Dolch auf es ein und versuchte, gute Treffer zu landen. Dabei schlug auch das Baumartige Wesen mit seinen Ärmchen nach ihr und brachten ihr einige Kratzer und Schnitte ein. Endlich landete Alissa einen besonders guten Treffer und das Willow gab ein Stöhnen von sich, das leise verklang, während es selbst zu Holzstücken zerfiel. Na toll, dachte Alissa, und welches von denen soll ich jetzt mitnehmen? Sie verfluchte Alduin ein weiteres Mal, dass er ihr keine genaueren Anweisungen gegeben hatte, denn sie wusste, dass sich die verschiedenen Holzer des Willows unterschieden. Sie versuchte sich ein wenig abzuregen und steckte nach kurzem Überleben alle in ihren Rucksack, den sie fast immer dabei hatte. Nach Willows Ausschau haltend ging sie weiter. Die nächsten Stunden brachte sie damit zu, Willows zu suchen, Holz einzusammeln und zu frieren. Erschöpft, müde und schlecht gelaunt hämmerte sie an Alduins Tür. Es war fast Nacht geworden und Alissa hatte nach ihrem wissen die Götter wievieltem Willow die Suche abgebrochen. Das Ergebnis war ernüchternd. Nach einem ganzen Tag Suche hatte sie insgesamt 36 Willows erlegt. Es war schwer gewesen, überhaupt welche zu finden, und dass diese Mistviecher sich auch noch gewehrt hatten war das Übel obendrauf gewesen. Ganz zu Schweigen davon, wie nass sie war und dementsprechend fror. Die Tür wurde von innen aufgerissen und Alduin starrte sie von drinnen an. „Da bist du ja endlich!“ Alissa bemerkte verwundert, dass ihr Lehrmeister ein ziemlich besorgtes Gesicht machte. „Komm rein“, sagte er, dabei zog er sie herein, drückte die Tür mit einem Fuß zu und schob die klatschnasse Alissa an den Kamin, wo ein Feuer prasselte. „Wo warst du denn so lange?“ raunte er, als sie vor dem Feuer saß. Ungläubig sah sie ihn an. „Na wo wohl? Ich habe Willows gesucht und dein Holz gesammelt. Was soll ich sonst gemacht haben?“ Sie warf ihm ihren schweren Rucksack zu. Alduin wollte etwas erwidern, fing dann jedoch zuerst den Rucksack auf und öffnete ihn. Dann folgte ein langes Schweigen. „Na was ist jetzt?“ fragte Alissa ungeduldig, als Alduin immer noch nichts sagte. Alduin hob den Blick von ihr, ging zum Tisch und kippte den Rucksack aus. Holz kullerte auf den Tisch, manche Scheite fielen auf den Boden und Alduin hob sie auf. „Alissa, du hättest das nicht alles heute suchen müssen. Du hättest drei Tage Zeit gehabt. Deine Mutter ist schon drei Mal hier gewesen und hat nach dir gefragt. Wir haben uns Sorgen um dich gemacht.“ Er betrachtete sie vorwurfsvoll. „Das hast du mir nicht gesagt“ gehrte sie auf. „Meinst du, ich laufe gerne im Wald herum, um dämliche Willows zu finden?“ Alduin schüttelte den Kopf. „wahrscheinlich war es wirklich mein Fehler. Wie auch immer“, ein Lächeln schlich sich in sein Gesicht. „Ich denke, das ist genug Holz um zu sagen, dass du die Prüfung bestanden hast.“ „Soll das ein Witz sein?“ fragte sie ungläubig. „Nein. Herzlichen Glückwunsch, Alissa!“ „Aber ich habe doch nichts gemacht, was mir irgendwie….. dienlich sein könnte als Bogenschütze!“ „Wir Bogenschützen müssen ein scharfes Auge haben und in der Lage sein, unsere Feinde gut zu treffen. Ich habe dir beigebracht, wie man mit dem Bogen umgeht, mit Pfeilen musst du auch in der Lage sein, ordentlich zu treffen, und das muss man üben. Zuerst mit Handwaffen wie Dolchen, dann kannst du zum Bogen übergehen…..Hier“, er reichte ihr einen einfachen Holzbogen und einen kleinen Köcher mit Pfeilen darin. „Moment“, fügte er hinzu, als er aufstand und im kleinen Nebenraum verschwand. Was der da wohl immer macht? fragte Alissa sich, doch Alduin kam bereits wieder heraus und hielt einen Kleiderstapel in den Händen. Alissas Herz begann aufgeregt zu klopfen. „Und hier deine neue Kleidung“, sagte Alduin mit einem Zwinkern. „Zeichnet dich als Bogenschütze aus und steht dir bestimmt gut. Zeig dich mal bei mir, wenn es mal trocken draußen ist. Aber du solltest jetzt gehen, deine Mutter sucht dich bestimmt schon.“ Alissa konnte nicht anders und fiel dem Mann in den Arm. “Danke, Alduin.“ “Schon gut“ murmelte dieser und schob sie sachte Richtung Tür. Alissa warf einen letzten Blick auf ihn, dann trat sie vor die Tür und schloss sie hinter sich. Der Regen trommelte immer noch auf das Holzdach des Hauses, doch Alissa kam es gar nicht mehr so kalt vor. Mit den Kleidungsstücken, dem Bogen und dem Köcher rannte, flog sie mit dem Wind im Rücken zurück nach Payon, zurück nach Hause. [Dieser Beitrag wurde am 18.05.2006 - 23:49 von Drakosha aktualisiert] | |||
Drakosha ![]() Wolfsmensch Status: Offline Registriert seit: 12.09.2004 Beiträge: 679 Nachricht senden |
Alissa sog die frische Luft ein, die ihr entgegen strömte. Entfernt konnte sie den Geruch von Wäldern und Kräutern riechen, dazu duftete die noch heiße Suppe, die neben ihr stand. „Alissa, mach das Fenster zu!“ Ihre Mutter war in die Küche gekommen und sah sie streng an. „Du warst doch erst neulich krank, du musst es nicht schon wieder werden.“ Der Tonfall milderte sich. „Iss lieber deine Suppe!“ Seufzend schloss Alissa das Fenster und starrte noch einen Moment durch die Glasscheibe auf den kleinen Garten, wo einzelne Blumen, die gerade frisch aus der Erde geschossen waren und den Frühling endgültig einläuteten, von wärmenden Strahlen der Sonne getroffen wurden. Dann knurrte ihr Magen und sie machte sich hungrig über ihre Suppe her. Vier Tage lang hatte sie im Bett gelegen, nachdem sie völlig durchnässt am kleinen Haus angekommen war und mit einer Mischung aus Fröhlichkeit, dass sie wieder da war, und Wut, da man sich Sorgen um sie gemacht hatte, empfangen hatte, obwohl diese Laune schnell stolzen, oder je nach dem, neidischen Blicken gewichen war. Tatsächlich hatte Rimo, ihr ältester Bruder, ihre Hand fest gedrückt und zu ihr gesagt, dass sie jetzt in der Lage wäre, die Familie ordentlich zu beschützen, und ihre Eltern hatte dem lächelnd beigepflichtet. Alissa hatte das sehr übertrieben gefunden, und auch ihre anderen drei Geschwister, Leon, Kallia und Merande hatten sich darüber lustig gemacht. Trotzdem war sie so müde gewesen, dass sie viel zu müde war, um viel zu reden. Ihre Mutter hatte sie ins Bett gesteckt wie eine Vierjährige, und am nächsten morgen war Alissa mit Halsschmerzen und Fieber aufgewacht. Die Suppe war schnell aufgegessen und Alissa rannte zur Tür, griff sich ihre Sachen, um sich danach draußen ihre Schuhe anzuziehen. Sie rief noch ein eiliges „Tschüs“ in das Haus und war schon weg. Das erste Stück rannte sie noch, aber dann wurde sie langsamer. Sie wollte ihre Kraft nicht verschwenden. Sie ging den gleichen Weg wie vor vier Tagen im Regen, aus Payon hinaus, in das Wäldchen und landete wieder auf der Lichtung mit den windschiefen Häusern. Heute war es hier keinesfalls leer. Neben Alduins Haus waren Zielscheiben aufgebaut worden und neue Schüler übten sich mit Pfeil und Bogen. Ein anderer Lehrmeister, Alissa kannte ihn nur vom sehen, beaufsichtigte sie und gab Tipps. Alissa konnte Alduin jedoch nirgendwo erblicken. Sie umrundete das Haus und sah ihn schließlich doch. Er hockte auf einem Baumstumpf und schnitzte. Ein Haufen Späne lagen vor ihm und sie winkte, doch er bemerkte sie nicht, also kam sie zu ihm. „Alduin. Was machst du? Nimmst du keine Schüler mehr an? Schnitzt du jetzt lieber?“, grinste sie. „Quatsch“, brummte er „guck genauer hin, wenn du das nächste mal fragst. Oder wie soll ich meinen Schülern das Bogenschießen beibringen, wenn sie keine Pfeile haben?“ Endlich blickte er sie an. Sie trug jetzt ihre neuen Kleider und ihren Bogen und war stolz darauf, was man ihr auch ansah. „Mhmmm, steht dir, hab ich doch gesagt.“ „Danke“, erwiderte sie. Sie sah jetzt, dass er wirklich Pfeile machte, allerdings war er gerade nur dabei, die Schäfte aus Holz zu schnitzen, vorne würde noch eine kleine Steinspitze befestigt werden und hinten Federn, damit der Pfeil besser flog. Gerade legte er den fertigen Schaft, den er gerade bearbeitet hatte, zur Seite. „Und was machst du jetzt?“ fragte er. „Üben. Aber zuerst muss ich bestimmte Pilze für meinen Bruder sammeln. Eigentlich geht er immer selbst, aber er meinte heute Morgen zu mir, dass ich ihm den Gefallen tun könnte… jetzt wo ich offiziell Bogenschütze bin.“ Ihre Augen leuchteten auf. „Warum musst du Bogenschütze für Pilze sammeln sein?“ Eine seiner Augenbrauen hob sich fragend. „Weil er welche aus der Höhle braucht. Er sagt, dass in der Nähe der Ausgangs nur schwache Monster leben.“ Die Höhle von Payon war bekannt für seine gefährlichen Monster, die in ihrem Inneren lauerten. Oft klang an Sommernächten das Geheul von Monstern nach draußen. Nur bewaffnete Leute gingen in diese Höhle hinein, meistens, um Dinge zu suchen, etwa wie Pilze, Knochen für bestimmte Waffen, oder andere Dinge, aber es gingen teilweise so viele dort hinein, dass Alissa glaubte, diese Menschen hatten Lust auf ein Abenteuer. Alissa selbst war noch nie in der Höhle gewesen. „Du solltest dort vorsichtig sein. Die Monster dort sind nicht wie Willows, die sich verstecken. Die Monster in der Höhle wollen dich töten. Allerdings glaube ich, dass du mit ihnen fertig wirst. Und es schadet nicht, wenn du welche umbringst. Diese ekelhaften Wesen sind sowieso von unterster Natur.“ Alduins Gesicht nahm einen grimmigen Ausdruck an. „Am besten, die Menschen würden sie alle vernichten. Sie sind dreckige Wesen, die einen hinterrücks anfallen“. Alissa senkte den Blick und sagte nichts mehr. Jeder in Payon kannte die Geschichte von Alduins Tochter, einer hübschen Schmiedin, die eines Tages in die Wälder gelaufen war und von Monstern angegriffen worden war. Als man sie fand, war sie schon tot gewesen, doch man hatte sie in die Stadt gebracht. Alduin war eine lange Zeit untröstlich gewesen, da auch seine Frau früh gestorben war. „Na ja… ich denke ich mache mich jetzt auf den Weg“, begann Alissa leise, denn zwischen ihr und Alduin hatte sich eine trübe Stille ausgebreitet. Alduin nickte, fast schon verbissen, und nahm sich das nächste Stück Holz vor. Alissa wusste, dass sie ihn jetzt alleine lassen musste und ging. Die Höhle war trocken, ein paar wenige Fackeln hingen hier und dort an den Fänden, außerdem fiel noch etwas Tageslicht vom Höhleneingang herein. Alles in allem war es trotzdem noch sehr düster und Alissa fragte sich ernsthaft ob sie wirklich irgendwelche Pilze sehen können würde. Doch als sie um die erste Biegung trat, erübrigten sich ihre Bedenknisse. Die Höhlenwände leuchteten in einem fast gespenstischen weiß, zwar war das Licht schwummrig und erhellte die dunkele Höhle kaum mehr als das Licht der späten Dämmerung, aber es war weitaus besser, als Alissa gedacht hätte. Sie war so erleichtert, dass sie erst gar nicht sah, dass sich irgendetwas kleines Fliegendes auf sie stürzte. Erschrocken sprang sie ein Stück zur Seite um zu vermeiden, dass das Ding sie biss, doch sie stieß gegen irgendetwas weiches und bevor sie sehen konnte was das hinter ihr war, stieg ihr der faulige Geruch in die Nase und ein schwerer Schlag traf sie von hinten. Ein Zombie! dachte sie panisch und versuchte zu entkommen, doch der Schlag hatte seine Wirkung nicht verfehlt und so versuchte sie sich taumelnd an dem Vieh vorbei zu schlagen. Aber es nützte nichts. Der Zombie war zwar nicht schnell, doch das kleine fledermausartige Monster, Alissa wusste, dass es ein Familiar war, verfolgte sie unbarmherzig und stieß immer wieder auf sie herab. Alissa nahm sich zusammen. Sie konnte doch nicht umsonst mit dem Bogen umgehen! Mit einer schnellen Bewegung zog sie den Bogen von der Schulter, zog einen Pfeil aus ihrem Köcher und schoss auf das Familiar. Es war am dichtesten an ihr dran und hinderte sie am Fortkommen. Der Pfeil ging daneben. Keine Panik, Alissa, keine Panik, sonst hast du verloren, versuchte sie sich zu beruhigen. Der nächste Pfeil traf das Vieh in den rechten Flügel. Mit einem siegessicheren Aufschrei kehrte das Selbstvertrauen zurück und der nächste Pfeil ließ das Wesen zu Boden fallen, wo es sich auflöste, wie manche Monster es eben taten und nur ein Zahn blieb zurück. Mit einem Grinsen hob sie ihn auf und steckte ihn in ihren Beutel. Sie drehte sich schon um und wollte weitergehen, als irgendetwas hartes sie in den Rücken traf. Sie ging sofort zu Boden. Vor ihren Augen flimmerte es. Sie hatte das Gefühl, sich nicht mehr rühren zu können und wäre am liebsten so liegen geblieben, doch irgendwie richtete sie sich auf, stolperte ein paar Schritte weiter zur nächsten Wand. Hier saß sie jetzt fest. Schon verzweifelt zielte sie auf den Zombie. Die ersten zwei Pfeile trafen, doch sie hinderten den Zombie nicht daran, weiter auf sie zu zu kommen. Alissa schoss gerade ihren dritten Pfeil ab, als der Zombie zusammenbrach. Der Pfeil selber traf nicht mehr, stattdessen zischte er dicht an dem Kopf eines Jungen vorbei. Verblüfft starrte sie ihn an. „Oh, Entschuldigung, ich dachte, du brauchst Hilfe“, sagte er entschuldigend. Er hatte eine braungebrannte Haut und mandelförmige Augen, hinter denen der Schalk zu lauern schien. Trotzdem wirkte er irgendwie geheimnisvoll, so vie er da aus dem nichts hervorgekommen war. „Ähm … nein schon gut …“, sie brach ab. Sie war irgendwie verwirrt. Sie bemerkte, wie schräg sie an der Wand stand und richtete sich gerade auf. „Bist du verletzt?“ fragte er und betrachtete sie, offenbar nach Verletzungen suchend. „Nein, nein, geht schon. Wirklich. Ich hab mich nur erschrocken.“ Ihr Gesicht wurde heiß. Wieso hatte sie das gesagt? Sie war ein Bogenschütze. Alle sagten, sie könne allein mit den Monstern hier fertig werden, doch offenbar wurde sie das nicht. Doch er achtete nicht auf ihr rotes Gesicht und lächelte ihr freundlich zu. „Ist mir auch schon passiert. Wenn diese dämlichen Viecher einen überraschen und man gerät in Panik … na ja. Mein Name ist Saryan. Ich wollte eigentlich Pilze suchen. Ein befreundeter Arzt hat mich gebeten ihm welche für irgendeine Medizin zu bringen.“ Alissa war froh, dass er ihren Fehlschlag herunterspielte und das Thema gewechselt wurde. „Ich suche auch Pilze für meinen Bruder“, sagte sie „er ist Alchemist, oder so was in der Art“, fügte sie hinzu und ein Gedanke kam ihr. „Super. Was dagegen, wenn wir zusammen suchen? Lieber zu zweit hier herum laufen als einzeln.“ „Genau das habe ich mir auch gerade gedacht“ lächelte Alissa und war froh darum. „Na dann. Lass uns mal suchen. Schließlich sehen Zombies gleich ungefährliches aus, wenn man zu zweit ist“ Alissa lachte und folgte ihm. [Dieser Beitrag wurde am 18.05.2006 - 23:49 von Drakosha aktualisiert] | |||
Drakosha ![]() Wolfsmensch Status: Offline Registriert seit: 12.09.2004 Beiträge: 679 Nachricht senden |
Als sie aus der Höhle traten, hatte sich der Himmel schwarz verfärbt. Dicke Wolken türmten sich am Himmel auf und die ersten Tropfen klatschten auf den Boden vor der Höhle. Obwohl Alissa nicht das Gefühl hatte, als wären sie lange in der Höhle geblieben, merkte sie, dass es schon dämmerte und sie erschrak ein wenig. „Ich denke, wir beeilen uns lieber etwas“, sagte Saryan neben ihr mit einer Ernstigkeit, die sie von ihm bisher, das hieß während der ganzen Zeit in der Höhle, nicht einmal gehört hatte. „Wo wohnst du?“ fragte er sie noch, während er weiter und unverwandt den Himmel musterte. „Wir wohnen in der Nähe von der großen Brücke. Ich hab’s nicht allzu weit. Was ist mit dir? Ich denke, du bist nur auf Reisen hier?“ „Ich müsste in den Gasthof und mir ein Zimmer nehmen, aber zuerst bringe ich dich nach Hause.“ „Ist schon in Ordn- “ „Nein, ich hab sowieso nichts Besseres zu tun.“ Er unterbrach sie mit einem festen Nachdruck in seiner Stimme, die keinen Widerspruch zuließ. Alissa fügte sich, ihr war es eigentlich sogar lieber. Saryan hastete los und Alissa hatte ernsthafte Schwierigkeiten, hinter ihm herzulaufen, den er lief ziemlich schnell, und das, obwohl er noch den Beutel trug, der fast randvoll mit Pilzen gefüllt war. „Du…du kannst auch bei uns übernachten, denke…. ich“, keuchte sie im laufen, während der Regen auf sie niederprasselte. Saryan gab keine Antwort, lief weiter, während Alissa in der Nähe der Brücke die Führung übernahm und zu ihrem Haus lief. Klatschnass riss Alissa die Tür auf, im Hintergrund krachte ein Donner, ein Blitz zuckte am nachtschwarzen Himmel. Erst als sie die Tür schloss, wich die Hektik etwas von ihr, und sie hörte Gesprächsfetzen aus der Küche. Ihre Mutter hatte anscheinend Besuch, aber so nass wie Saryan und sie jetzt waren konnten sie schlecht durch das ganze Haus lafen. „Komm mit“ raunte sie Saryan zu, und bedeutete ihm, ihr eine schmale Treppe hinauf zu folgen. Sie schlüpfte schnell in ein kleines Zimmer direkt auf dem Flur und winkte ihm. „Hier“, sagte sie, während sie ein paar Kleidungsstücke aus einer altmodischen Kommode zog. „Die sind von meinem Bruder. Vielleicht sind sie ein bisschen groß, aber wird schon gehen.“ Saryan nickte dankbar und Alissa verschwand in ihrem Zimmer um sich dort umzuziehen. Sie schmiss die nasse Kleidung in eine Ecke und beschloss zu duschen, selbst wenn Saryan dann warten musste. Ihr war kalt und sie konnte schlecht, ausgezogen wie sie war, über den Flur laufen und ihm Bescheid sagen. Alissa trocknete sich die Haare ab und zog sich neue Kleidung an. Die Dusche hatte ihr wohl getan, ihr war wieder warm und sie beschloss Saryan ebenfalls die Dusche vorzuschlagen, allerdings fand sie ihn nicht in dem Zimmer ihres Bruders vor, als sie anklopfte und kurz danach ihren Kopf durch den Türspalt steckte. Wenigstens hatte er seine nassen Sachen ausgezogen, denn die lagen trotz Nässe zusammengefaltet neben der Tür. Alissa wunderte sich wo er war, vermutete aber, dass er runter gegangen war, als er vielleicht die Dusche gehört hatte. Ihre Vermutung bewahrheitete sich, als sie seine Stimme aus der Küche hörte. Es war mit Sicherheit sein Lachen, denn keiner den sie kannte lachte auf seine sonderbare Weise und mit einem solchen Tonfall wie er. Neugierig stieß sie die Küchentür auf, sie wollte wissen, was es da zu lachen gab. Das Lachen verstumme, als sie herein trat. Neben Saryan und Alissas Mutter stand zwei Männer, einer davon ihr Stiefvater. Der andere, der sie jetzt mit einem seltsamen Blick bedachte, war ihr wirklicher Vater. In ihrem Gesicht wechselte erste Überraschung zu Freude, dann stürmte sie auf ihren Vater zu, selbst wenn sie schon 15 war, sie sah ihn viel zu selten, als dass sie sich diese Begrüßung hätte abgewöhnen können. Alissas Mutter hatte eine erste, sehr glückliche Ehe mit ihrem früheren Jugendfreund Sainnes geführt, in der auch Rimo, Alissas ältester Bruder, und Alissa selber geboren worden waren. Doch Sainnes war schon immer ein begnadeter Kämpfer gewesen, er war oft in der Hauptstadt, Prontara, gewesen, bis sowohl er, als auch Alissas Mutter beschlossen hatten, dass die ehe keinen Sinn mehr machte. Sie waren gute Freunde geblieben, selbst als Alissas Mutter noch einmal heiratete, diesmal einen ausgebildeten Ritter, Kell, der Payon vor Angriffen schützte, und deshalb auch dort lebte. Alissa war klein gewesen, als die beiden geheiratet hatten, auch hatte sie ihren Stiefvater viel zu oft gesehen, als dass sie ihn nicht als Vater gesehen hätte. Einzig Rimo tat sich dabei etwas schwer, manchmal gab es Streit, aber im Großen und Ganzen lief das in überschaubaren Grenzen ab. Alissas drei jüngere Geschwister waren die Kinder Kells und kannten dagegen Alissas Vater Sainnes kaum. „Alissa“, sagte Sainnes nur, legte ihr einen Arm um die Schulter, ließ sie für einen Moment an sich kommen, schob sie dann jedoch wieder ein Stück von sich weg, um sei zu betrachten. „Du siehst gut aus. Aber wahrscheinlich willst du das gar nicht hören. Ich glaube, dich interessiert eher das, was ich mitgebracht habe, jetzt wo du zu den Bogenschützen zählst.“ Er zwinkerte ihr zu und pfiff durch die Zähne. Sainnes Adler, er hatte ihr Re genant, flog von der Stuhllehne, auf der er gesessen hatte auf und brachte etwas mit, das in weiße Leinentücher gewickelt war. Sainnes nahm es ihm ab und Re nahm Platz auf Sainnes linker Schulter. Alissa war immer wieder verblüfft, wie groß Re war, und welches mächtig aussehende Bild ihr Vater mit ihm auf der Schulter machte. Neugierig befühlte sie das Packet, wobei ihre Neugier fast ebenso schnell wieder schwand. Ein Bogen mit einem Köcher. Was hatte sie von einem Vater, der Jäger war, noch dazu Scharfschütze war, anderes erwartet? Sie wusste nicht, ob sie enttäuscht sein sollte und wickelte einfach schnell die Tücher ab. Ja, ein Bogen. Gut, zugegeben, er sah ziemlich gut aus, er hatte geschnitzte Muster auf dem Holz, aber..... na ja, vielleicht hatte sie sich ja doch etwas mehr Einfallsreichtum von ihrem Vater erhofft. Sie wollte schon alles beiseite legen und sich bedanken, als ihr Vater sie noch fragte: „Möchtest du dir nicht mal den Köcher ansehen?“ Toll, dachte Alissa nur, ein Köcher mit Pfeilen, wie aufregend! Doch sie sagte nichts und sah in den Köcher hinein und als sie nichts Aufregendes entdecken konnte, zog sie einen Pfeil heraus. Diesmal sagte sie vor Erstaunen nichts. Die Spitze des Pfeils schien zu glühen und als Alissa sie anfassen wollte, wurde ihre Hand festgehalten. „Du verbrennst dir die Finger. Die Pfeile sind von Magiern mit bestimmten Elementzaubern versehen worden. Das was du da hast, sind logischerweise Pfeile mit dem Element Feuer, im Köcher sind noch die der Elemente Wasser und Licht. Die Pfeile sind ziemlich selten und teuer, also benutz sie nicht umsonst.“ Wieder zwinkerte er. „ähm... danke...“ sagte Alissa, doch ihr Vater wischte ihren Dank wie immer weg. „Du bist meine Tochter“, antwortete er nur, als wenn das alles erklären würde. Dabei hatte sie noch nie gesehen, dass Kell Merande, Kallia oder Leon irgendetwas in der Art geschenkt hatte. Sie wollte zum ersten Mal ihre Zweifel aussprechen, als ihre Mutter vom Herd trat. Alissa hatte gar nicht gemerkt, dass sie angefangen hatte, zu kochen. „Essen ist jetzt fertig, also fangt schon einmal an, den Tisch zu decken, wir haben schließlich zwei Gäste heute“, bemerkte sie mit einem Blick auf Sainnes und Saryan. [Dieser Beitrag wurde am 19.05.2006 - 01:21 von Drakosha aktualisiert] | |||
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Als Alissa am nächsten Morgen die Treppe schlaftrunken herunter taumelte, um sich in der Küche irgendetwas zu essen zu machen, beachtete sie den Adler ihres Vater kaum, als dieser sie von der offen stehenden Schranktür beobachtete. Sie schnappte sich ein trockenes Brötchen und wollte sich wieder in ihr Zimmer verziehen, doch als sie die Küchentür, die sie vorher geschlossen hatte um keinen zu wecken, aufzog, stand ihr Vater urplötzlich vor ihr. Vor Schreck ließ sie fast das Brötchen fallen. Einen Moment starrte sie ihn nur an, bis Re von der Kante der Schranktür aufflog und sich auf der Schulter Sainnes niederließ. Sainnes streichelte sein Haustier geistesabwesend, jedoch ohne den Blick von Alissa zu nehmen. Alissa dagegen fielen die Lederhandschuhe auf, die ihr Vater an hatte und stellte fest, dass er Reisekleidung trug. „Willst du etwa schon wieder gehen?“, fragte sie, als ihr klar wurde, dass er sie bestimmt nicht umsonst trug. „Ich kann nie lange hier bleiben, das weißt du doch. Ich kann nicht lange aus Prontara wegbleiben.“ Alissa war enttäuscht. Sie hatte ihren Vater länger nicht mehr gesehen. Sainnes sah ihren enttäuschten Blick. Er sah ihr in die Augen und Alissa sah den seltsamen Ausdruck in den Seinigen. „Komm mit mir.“ Es kam plötzlich und ohne Vorbereitung. Alissa konnte nichts anderes tun als ihn an zu starren. Als er nichts mehr sagte flüsterte sie leise „Was?!“ Noch nie hatte er sie so etwas gefragt. Prontara war mehrere Tagesreisen entfernt. Früher hatte sie immer mit ihm mit kommen wollen, doch sie hatte nie wieder darüber nachgedacht, als ihr klar geworden war, dass die Reise nicht nur lang, sondern auch gefährlich war. Auf dem freien Land gab es überall Monster, und zwar nicht nur so mickrige wie Willows oder Zombies, die Schwachstellen hatten oder sogar Angst vor Menschen hatten, nein, sie hatte in der Schule schon viele Bilder von den verschiedenen Monstern gesehen, außerdem kannte sie genug Geschichten, die in den langen Sommernächten erzählt worden waren, wenn man das Gekläffe der Fuchsdämonen mit den neun Schwänzen aus der Höhle hören konnte. „Ob die mitkommen willst. Saryan kommt auch mit.“ Ungläubig starrte Alissa ihn an. „Saryan?“ „Ja, Saryan möchte wieder nach Morroc zurück, hat er gesagt. Er möchte einer anderen Gilde beitreten.“ Verwirrt runzelte Alissa die Stirn und wollte noch weiterfragen, aber ihr Vater machte eine Gegenbewegung. „Wenn du noch mehr wissen willst, komm mit und frag Saryan selbst, er wartet schon am Stadttor, ich habe ihn vorgeschickt.“ „Ich…. Was ist mit Mama? Weiß sie davon?“ „Alissa….“, ein leicht belustigter Gesichtsausdruck erschien in Sainnes Gesicht „es ist ihr schon längst klar, dass du eines Tages mit mir kommst. Rimo hat abgelehnt, er wollte nie. Aber du… jetzt, wo du mit dem Bogen umgehen kannst, wäre genau der richtige Zeitpunkt. Ich könnte mich um dich kümmern und sowieso viel öfter mit dir zusammen sein. Und ich könnte dir viel beibringen. Außerdem könnte ich dich allen vorstellen. Es passt einfach.“ Alissa hatte das Gefühl, über würde gerade ein Eimer mit unglaublich vielen Informationen über ihr ausgeleert, doch es war alles einfach viel zu schnell, als das sie irgendetwas verstanden hätte. Sie dachte einen Augenblick nach. „Wem vorstellen? Und was hat Rimo abgelehnt?“ Sainnes seufzte jetzt. „Alissa, komm mit, ich werde dir alles erklären. Unterwegs.“ „Warum erklärst du mir nicht einfach jetzt alles?“ fragte Alissa widerspenstig. Sie mochte es nicht, dass ihr Vater ihr sagen wollte, was sie zu tun hatte, ohne dass er ihr auch nur einen vernünftigen Grund sagte. „Ich habe keine Zeit dazu. Ganz einfach. Es würde Ewigkeiten dauern, und ich muss unbedingt in vier Tagen in Prontara sein.“ Sainnes klang gereizt, doch in Alissa stellt sich etwas quer. Sie wollte nicht. Warum verstand sie selber nicht genau, Sie mochte ihren Vater und in Prontara war sie noch nie gewesen, aber wieso kam ihr Vater ausgerechnet morgens früh auf so eine verrückte Idee, sie mitnehmen zu wollen? Sainnes wurde ungeduldig. „Alissa, ich könnte dich zu einem erstklassigen Scharfschützen, oder von mir aus auch Jäger ausbilden. Ich habe die besten Möglichkeiten. Niemand -“ In Alissa riss ein hauchdünner Faden. „Und was ist, wenn ich gar kein Scharfschütze werden will?“ rief sie wütend. Er war sichtlich überrascht, aber seine Überraschung wich einen bleichen Gesichtsausdruck und Alissa wusste, dass sie ihn wütend gemacht hatte. „Was willst du denn werden, kleine Alissa? Eine hübsche Tänzerin, die jeder gern hat? Willst du so berühmt werden, dass dir die jungen Männer nur so hinterher laufen? Du hast keine Ahnung. Denn wenn es so weit ist, wirst du fliehen müssen.“ Sainnes starrte sie wütend an. In Alissa hielt seinem Blick für einen Moment stand, dann spürte sie, wie in ihr etwas kaputt ging. Ihre Hände zitterten. Doch die Reaktion ihres Vaters überraschte sie noch mehr. Sainnes hatte Tränen in den Augen. Sein Blick war zwar immer noch wild und unbeherrscht, doch ein Schleier trübte seinen Blick. Einen Moment sahen sie sich noch an, dann drehte sich Sainnes um und ging Richtung Tür. „Ich hoffe wir sehen uns wieder“, sagte er noch, dann öffnete er die Tür. Alissa sah noch, wie er seinen ersten Schritt nach draußen setzte und Re seine Schwingen ausbreitete und mit einem lauten Schrei in den kalten, wolkenlos blauen Himmel stieg. | |||
Drakosha ![]() Wolfsmensch Status: Offline Registriert seit: 12.09.2004 Beiträge: 679 Nachricht senden |
Kapitel 2 - Markt | |||
Drakosha ![]() Wolfsmensch Status: Offline Registriert seit: 12.09.2004 Beiträge: 679 Nachricht senden |
Stöhnend griff Soka sich an den Hinterkopf und versuchte seine Augen zu öffnen. „Hey, Auredica, er ist aufgewacht.“ Soka nahm die Stimme gedämpft neben sich wahr. Langsam begannen seine Gedanken klarere Formen anzunehmen. „Was zum…..“, wollte er sagen, doch es kam nur ein undeutliches Gemurmel aus seinem Mund. Sinnvollerweise schloss er diesen wieder. Stattdessen konzentrierte er sich mehr auf die Geräusche. Schritte neben ihm. Geraschel. Dann plötzlich eine Hand auf seiner Stirn. Vor Schreck zuckte er zusammen. Außerdem spürte er die Hand nur undeutlich, als wenn etwas dazwischen liegen würde. Irgendwas ließ ihn sich entspannen und eine angenehme wärme floss durch seinen Körper. „Ich hoffe, du fühlst dich nun ein bisschen besser.“ Sagte eine andere Stimme, und tatsächlich hatte er zumindest das Gefühl, es würde ihm besser gehen. Auch seine leichte Panik war von ihm gewichen. Er öffnete jetzt seine Augen und drehte seinen Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam. Bevor er überhaupt die Frau neben sich sah, wunderte er sich, wie er hierhin gekommen war. Er lag nämlich in einem Bett direkt neben einer gelb getünchten Wand. Dann erreichte sein Blick eine Person. Es war eine Frau in den Gewändern einer Priesterin. Sie lächelte ihn an und sagte irgendetwas, aber da war Soka schon wieder in den Nebel seines Unterbewusstseins getaucht. Sonne schien auf seine geschlossenen Augen und als er sie öffnete und mit zusammen gekniffenen Augen blinzelte, hörte er ein erleichtertes Seufzen neben seinem Bett. Diesmal ohne Probleme drehte er seinen Kopf. Seine Tante, bei der er lebte, saß neben ihm. Verwirrt sah Soka sie an, kniff dann noch einmal die Augen fest zu und versuchte sich aufzusetzen, was ihm, zwar unter Protest seiner Tante und stechenden Schmerzen in seinem Hinterkopf, auch unter Umständen gelang, sodass er an der Wand angelehnt saß. Erst als er saß, fiel ihm der Druck an seinem Kopf auf und ihm wurde klar, dass das ein Verband sein musste. Seine Tante sagte immer noch nichts, was ihm weiter half. Soka ergriff das Wort. „wo sind wir hier?“, fragte er leicht verwirrt, denn er hatte keine Ahnung. „und was machst du hier?“ „Ein Ritter hat dich auf dem Feld gefunden. Du hast ohnmächtig neben deinem Karren gelegen. Oh, was ist nur passiert? Ich meine…“ „Erklären sie ihrem Sohn lieber erst einmal alles“, unterbrach sie eine sanfte Stimme. Soka erinnerte sich nur zu gut an sie. Es war wieder diese Priesterin, diese Auredica, wie sie jemand genannt hatte. „Ich bin nicht der Sohn“, war alles, was ihm dazu einfiel. Es brachte ihm ein Lächeln ein, seine Tante starrte ihn jetzt schweigend an. Soka wusste, dass man jetzt kein Wort mehr von ihr erwarten konnte. „Was ist denn jetzt passiert?“ fragte er ungeduldig, als sich ein Schweigen ausbreitete. Auredica sah Sokas Tante an, kam wohl zum gleichen Schluss, und begann zu erklären. „Wie gesagt, du bist von einem Ritter hierhin gebracht worden. Er hatte dich auf sein Peco, du weißt schon, diese Reitvögel, die sie immer haben, gehoben und hat deinen Karren hintendran gebunden. Es sah ganz so aus, als wärst du Opfer eines Überfalls geworden und man hat dich niedergeschlagen, ich vermute mit dem Knauf eines Dolches, oder einem Knüppel. Erinnerst du dich an irgendetwas?“ Sie hatte den Blick von Soka gesehen, der jetzt ziemlich wütend aussah. „Ja, ein Überfall. Von einem kleinen Dieb. Er war verteufelt schnell und ich habe….. ich habe ihn am Bein verletzt… ich weiß nicht wie schwer, aber … aber…..“ Beschämt drehte er den Kopf zur Seite. Es war schwer vor einer Heilerin, die ihm bisher so gut geholfen hatte, zuzugeben, dass er einen Menschen verletzt hatte, wer weiß, wie schwer. „Du hast deine Axt benutzt. Sie liegt wieder in deinem Karren. Allerdings denke ich kaum, dass du mit der kleinen Axt einen Menschen lebensgefährlich verletzen könntest, erst recht nicht, wenn du ein Bein getroffen hast. Ich glaube, es ist eine einfache Fleischwunde. Zwar vielleicht eine tiefe, die genäht werden muss, aber es dürfte schwer sein, mit so einer Axt jemandem richtig schweren Schaden zuzufügen. Nur um dich zu beruhigen.“ Soka nickte dankbar. Er sah zwar, dass sie nicht begeistert war, aber sie nahm es so an, wie es war, ohne ihm Vorwürfe zu machen. Allerdings wusste er nicht, was er weiter sagen sollte. Ein unangenehmes Schweigen breitete sich aus. Soka wurde klar, dass dieses Schweigen vielleicht sogar absichtlich von der Priesterin benutzt wurde, um ihm Schuldgefühle zu machen. Er hatte sogar Schuldgefühle, nur war sein Zorn größer als diese. Er war doch angegriffen worden, er hatte sich verteidigen müssen, und dieser kleine Dieb hatte es verdammt noch mal verdient. Es war doch nur Selbstverteidigung gewesen! Bevor er ernsthaft darüber nachdenken konnte, warum er sich das alles versuchte einzureden, stellte seine Tante eine wichtigere Frage. „Was hat er denn nun eigentlich?“ Überrascht stellte Soka fest, dass er selbst gar nicht gefragt hatte. „Eigentlich nichts großartig Schlimmes“, antwortete die Priesterin in einem herunterspielenden Tonfall. „Ein paar Schrammen, ein paar Prellungen, das Schlimmste war wohl der Schlag auf den Kopf, aber mit ein bisschen Heilmagie und kühlen Umschlägen, dürfte er morgen, spätestens übermorgen wieder das Haus verlassen.“ | |||
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