ragusaa2000

Status: Offline Registriert seit: 22.04.2008 Beiträge: 17 Nachricht senden | Erstellt am 28.04.2008 - 10:45 |  |

Liebe Radfahrer, so schlimm ist doch das Leben gar nicht!
Gestern war Sonntag und – man glaubt es kaum – es war schönes Wetter! Bilderbuchwetter sogar! Nach diesem langen und tristen Winter hat der Frühling doch noch Erbarmen gezeigt und ist auf der Bildfläche erschienen. Wir beschlossen, einen kleinen Ausflug zu machen. Also den Hund ins Auto gepackt, und los ging’s. Schon nach den ersten fünf Minuten sind sie mir aufgefallen – die vielen Radfahrer. Ich bewundere diese Leute, die so sportlich in die Pedale treten und sich auch von größeren Steigungen nicht beeindrucken lassen. Eigentlich hatte ich schon lange geplant, mir auch so einen Drahtesel zuzulegen, denn es macht sicher großen Spaß so sportlich durch die schöne Landschaft zu strampeln und außerdem ist es gesund. Hin und wieder habe ich mich schon mit den Inlinern auf den Weg gemacht und mit Hund ist man sowieso oft an der frischen Luft aber mit Fahrrad macht man bestimmt mehr Kilometer, sieht mehr und strengt sich mehr an.
Eins macht mir jedoch Sorgen und ich muss mir die Sache noch genau überlegen. Speziell die extrem sportlich gekleideten Radler, ausgestattet mit total professionellem Equipment, scheinen, sobald sich zwischen ihrem gut gepolsterten Hinterteil und der Straße ein technisch hochwertiges Fahrrad befindet, jeden Lebensmut zu verlieren. Anstatt die liebevoll und mühsam ausgebauten Radwege zu benutzen, wollen sie es partout den motorisierten Verkehrsteilnehmern gleich tun und die Bundesstraße benutzen. Obwohl oftmals der Radweg keine fünf Meter von der Straße entfernt ist, übersehen sie ihn konsequent. Wollen sie tatsächlich ihrem Leben ein so plötzliches und unnötiges Ende bereiten? Warum? Ok – gestern war Sonntag und darum waren wenigstens keine LKWs unterwegs, die entweder überhaupt nicht oder nur mit äußerst riskanten Überholmanövern an so einem Radfahrer vorbeikommen und im schlechtesten Fall eine viele Autos lange Schlange hinter sich her ziehen.
Seit ich vor einigen Jahren einen solchen Radfahrer tot auf der Bundesstraße gesehen habe, bin ich da ein bisschen empfindlich. Meine Kinder waren noch klein. Sie saßen hinten im Auto und konnten den toten Mann zum Glück nicht genau sehen. Sie sagten nur „Mama, schau mal, da liegt ein Rucksack“. Diesen Radler hatte damals ein LKW überholt, worauf das Fahrrad ins Wackeln geriet. Zuerst hatte der Mann Glück im Unglück – er stürzte nach rechts und nicht unter den LKW. Leider hat ihn das Glück dann doch noch verlassen und er knallte mit dem Kopf gegen die Bordsteinkante, was ihn – trotz Helm - das Leben kostete.
Immer, wenn ich so einen lebensmüden Menschen sehe, bin ich versucht, ihn zu fragen, warum er so einen frühen Tod sucht und ihm evtl. Trost zu spenden. Da sie aber immer so eifrig in die Pedale treten, bleibt keine Zeit für ein ernstes Gespräch. Früher hatte ich keine elektrischen Fensterheber und darum mussten immer die Kinder die Fensterscheibe der Fahrerseite herunterkurbeln, damit ich beim Vorbeifahren wenigstens ein paar unflätige Worte hinausbrüllen konnte. Wenn ich alleine unterwegs war, musste ich leider den Mund halten…..Heute bin ich fahrzeugmäßig besser ausgestattet und kann von der Fahrerseite aus das Beifahrerfenster öffnen und mein Unverständnis lautstark an den Mann bringen.
Neulich war ich allerdings sprachlos. Im dicksten Feierabendverkehr konnte ich sehen, dass ungefähr zehn Autos vor mir ein LKW mit maximal 30 oder 40 kmh die Bundesstraße entlang zockelte. Nach zehn Kilometern musste ich feststellen, dass nicht der LKW der Übeltäter war, sondern ein sehr sportlicher Rad“profi“, der sich von einem Motorroller ziehen ließ, völlig unbeeindruckt von der Tatsache, dass nebenan ein gut ausgebauter Feldweg eine bessere Möglichkeit für eine solche Aktion geboten hätte und dass Zig Autofahrer im zweiten Gang dahinschlichen. Ich sehe ein, dass die professionellen Radler fleißig trainieren müssen, weil sie ja jetzt nicht mehr dopen dürfen. Aber Tennisspieler dürfen ja auch nicht auf der Autobahn üben und ihre Bälle über die Mittelleitplanke spielen.
Vielleicht kauf ich mir doch kein Fahrrad – ich hänge an meinem Leben und wer weiß, was so ein Drahtesel mit meinem seelischen Gleichgewicht macht.
Signatur Anthia |
Bilderelse 
  

Status: Offline Registriert seit: 17.02.2008 Beiträge: 173 Nachricht senden | Erstellt am 28.04.2008 - 14:00 |  |
Hallo Ragusaa,
ich bin bei Dir. Deine Geschichte ist jedem Autofahrer schon ähnlich begegnet. Was mich stets wundert ist dabei die Tatsache, dass die meisten Radler mit Sicherheit irgendwann auch Autofahrer sind und dann auch ganz sicher Deinen völlig berechtigten Unmut teilen. Aber kaum sitzen sie auf dem Drahtesel verwandeln sie sich in absolut anders denkende Verkehrsteilnehmer. So verhält es sich mit Fußgängern und Motoradfahrern auch. Man sieht halt immer nur sich selber...meistens jedenfalls. Jeder hat seinen kleinen armseligen Horizont. Der Verkehr wird immer rabiater.
Herzliche Grüße
Helga-Bilderelse
Signatur Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch! |
Stefan  Admin

Status: Offline Registriert seit: 12.02.2007 Beiträge: 828 Nachricht senden | Erstellt am 29.04.2008 - 00:31 |  |
Huhu Ragusaa,
tja als Radfahrer kannst Du leider nur zwischen zwei Arten zu sterben wählen. Entweder fährt Dich der eilige Autofahrer über den Haufen, oder Du brichst Dir AUFdem Radweg den Hals. Weil Du dem letzten Schlagloch nicht ausweichen konntest. Ach es gibt noch ne Art... Der Autofahrer sieht Dich nicht beim abbiegen. Auch immer wieder gern genommen.
Als Profi bzw. mit einer Profimaschine kannst du einfach nicht auf dem Radweg fahren. Es sei denn, du nimmst in Kauf, dass du hinterher ein neues Rad brauchst. Dafür sind die Radwege leider in einem viel zu schlechten Zustand.
Zum anderen werden die Radwege neuerdings von den Profi-Läufern bevölkert. Die dürfen auch nicht mehr dopen! Von den Skiläufern mit ihren "Sommerskiern" ganz zu schweigen. (Aber Doping bei den Skiläufern wurde ja gaaaaanz schnell wieder totgeschwiegen. )
Ragusaa schrieb
...sondern ein sehr sportlicher Rad“profi“, der sich von einem Motorroller ziehen ließ... |
Die hätte ICH plattgefahren! Und wenn sie fragen wieso,gleich nochmal drüber! (Nein, ich bin nicht böse! Nur manchmal und dann gleich richtig. )
Und wie heißt es in der Straßenverkehrsordnung?
§ 1 Grundregeln
(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
Da geh ich jetzt mal mit guten Beispiel voran und gestehe, dass ich mich weder als Auto-, Radfahrer oder Fußgänger da immer dran halte. Und mich auch in Zukunft beim sündigen erwischen werde.
Also liebe Fußgänger und Radfahrer, ärgert euch nicht, wenn das Auto wieder durch die Pfütze (extra schnell?) fährt. Trocknen ja wieder, die nassen Klamotten.
Und liebe Autofahrer, ärgert euch nicht, wenn ich wieder bei Rot über die Straße laufe. Mein Bus fährt sonst ohne mich.
Ärgert euch auch nicht über die Motorradfahrer die euch schnell noch vor der Kurve überholen müssen. An der nächsten roten Ampel sehr ihr ihn wieder.
Wer mag, kann diese Aufzählung gern fortsetzen.
Anthia, ein kleiner Tipp von mir. Sonntagmorgen um fünf ist die Welt noch in Ordnung. Da ich um die Zeit fast immer noch schlafe, bleib ich lieber mit meinem Rad zu Hause. Sonntags zumindest. Diese Menschenmassen überall ist nix für mich. 
Bilderelse schrieb
Aber kaum sitzen sie auf dem Drahtesel verwandeln sie sich in absolut anders denkende Verkehrsteilnehmer. So verhält es sich mit Fußgängern und Motoradfahrern auch. Man sieht halt immer nur sich selber...meistens jedenfalls. Jeder hat seinen kleinen armseligen Horizont. Der Verkehr wird immer rabiater.
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Genau so sehe ich es auch.
Liebe Grüße
Stefan
Signatur Macuser sind nicht eingebildet. Sie sehen einfach besser aus.... |
ragusaa2000

Status: Offline Registriert seit: 22.04.2008 Beiträge: 17 Nachricht senden | Erstellt am 29.04.2008 - 19:13 |  |

Hallo Stefan,
ja - das Leben kann manchmal schon schön schwer sein......
Da ich meine Brötchen mit Autofahren (Personenbeförderung) verdiene, muss ich mich oft mit mal mehr und mal weniger fließendem Verkehr rumschlagen und (wie alle anderen auch) bin ich natürlich der beste Autofahrer der Welt und ich weiß sowieso immer alles besser.......meistens.....manchmal......
Ich werd mir ganz große Mühe geben, keine Leichen oder größere Blessuren zu verursachen, egal, womit sie sich vor mein Auto schmeißen. Pass trotzdem auf Dich auf, als Radfahrer hat man verdammt wenig Knautschzone!
Signatur Anthia |