grappi  Kaffeekocher


Status: Offline Registriert seit: 19.03.2006 Beiträge: 5 Nachricht senden | Erstellt am 19.03.2006 - 15:25 |  |
Das Wetter und meine Wenigkeit
Es regnete. Ich liebte Regen, er hatte so etwas Beruhigendes an sich, was mich ganz und gar jedes Mal verzauberte. Sobald ich an einem rauen Herbstabend vor mich hin träumte und kleine Tropfen an der Fensterscheibe hinunterliefen, nur um bei den ersten Sonnenstrahlen wieder zu verdampfen, sah ich gebannt aus dem Fenster. Nur wenn es bei uns in den Bergen regnete stieg überall Nebel auf, dichter nasser Nebel, der wie ein Schwamm aussah, der gerade Bekanntschaft mit einem Backofen gemacht hatte. Der Nebel in Quosquam, der Stadt in der ich lebte, war ungewöhnlicher als auf dem Rest der Welt. Er war braun. Nicht weiter erschreckend zumal man davon ausgehen konnte, dass er sonst die Farbe grell pink trug und ich diese Farbe auf den Tod nicht ausstehen kann. Zumindest war Heute so ein wunderschöner Herbsttag, an dem man sich in eine Decke kuschelte und heißen Tee schlurfte. Niemand war an so einen Tag draußen. Manchmal wagten sich zwar ein paar besonders mutige und zugleich auch blöde Feen hinaus, blieben aber nicht lange. Meistens nur um sich kurz umzuschauen ihren Freunden zu beweisen, dass sie mutig waren und unter lautem Jubel wieder reinzuschwirren. Lästige kleine Biester, wenn ihr mich fragt.
Heute jedoch wagte es gar niemand auch nur einen Finger in den kalten Wind und den Regen zu halten. Heute stürmte es und es war der heftigste Sturm den ich jemals zu Gesicht bekam. Kaum wollte man glauben, dass sich die Bäume länger hielten, andauernd rannten die Leute in einen anderen Raum, weil sie Angst hatten, dass die Birke im Garten auf einen stürzen konnte. Es donnerte und blitzte. Die Astrologen in ihren hohen Türmen waren hell auf begeistert und machten einen Krach, der den Bewohnern der umliegenden Häuser noch zusätzliche Furcht bereitete. Die Sterne standen auffällig früh am Zenit und wie es schien waren sie geordnet, das war äußerst selten manchmal konnte man zwar ein leichtes Konzept in ihnen entdecken aber für gewöhnlich sah man es einfach nur blinken und leuchten. An diesem Sturm getränkten Tag kamen die Fortods. Ihre langen Mäntel verhüllten sie fast ganz, nur leicht fielen sie in dem braunem Nebel auf, denn sie waren bis auf ihr Gesicht völlig schwarz gedeckt, lederne Handschuhe waren über ihren langen Fingern und ihre Füße (man hatte immer noch nicht festgestellt, ob sie wirklich welche hatten, aber die Meisten nahmen es einfach an) waren von dem Gewandt umschlungen. Man sah ihnen am besten nie in ihre Augen. Sie waren völlig schwarz und blut unterlaufen, wobei viele glaubten das auch echtes Blut auf ihren Wangen klebte. Ihre Nasen waren nach innen gewachsen wodurch sie nur stöhnende Laute von sich gaben, wenn sie atmeten.
Schon einige Touristen die ihre Neugier nicht verbergen konnten und aufgebracht aus ihren Fenstern und Türen starrten, hatten einen riesen Schrecken bekommen und waren in Ohnmacht gefallen, als einer der Fortods sie mit seinem gewaltigen Maul anhauchte und gemein kicherte.
Eigentlich konnte man nichts gegen diese Geschöpfe sagen, fand ich. Sie waren das Symbol, nein die Götter des grausamen Sturms. Wo auch immer sie hinkamen zeigten sie ihre Macht durch ein Donnergrollen, Blitzen und Regenschauern. Das einzig wirklich fiese an ihnen war, dass sie fliegen konnten, was die Arbeit jener, die sich mit Göttern beschäftigten, sehr erschwerte.
Nun sind die Fortods nicht die einzigen Wesen, die hier leben. Es gibt wie schon erwähnt die Feen(kleine alberne Geschöpfe, die es lieben größere Wesen damit zu ärgern, dass sie nachts durch offene Fenster schwirren und den Schlafenden kaltes Wasser ins Gesicht spritzen), die Ferringe(Kobold ähnliche kleine Männchen, die den ganzen Tag nichts anderes taten, als Schmuck herzustellen, ihn zu verkaufen und das Geld für neues Material auszugeben. Man hatte noch nicht festgestellt wovon sie sich ernährten, zumal sie nie Zeit dazu hatten zu essen), Schnuggis(süße, kleine Fellknäule mit großen Augen. Sehr beliebte Haustiere, da sie einen in den Schlaf sangen, wenn man sie vorher ausgiebig knuddelte), Krechzies, Humbrims, Gällerte, Buntschnaps, Tekkerlinge, Komoten, Menschen, Lehrlache, Kunnings, auch gibt es Hühner, Hunde, Schmetterlinge, Vögel, Fische, Karlinge, Daschen, Gibböbigs, und natürlich die Lorwene.
Das sind wie ihr es sagen würdet in der Tat Monster, aber kleine und harmlose. Sie sind bekannt für ihre außergewöhnlichen detaillierten Farben und für ihr hohes Maß an Intelligenz. Sie haben ein großes Talent fürs Kochen und für die mühselige Gartenarbeit. Wie man dieser überaus objektiven Beschreibung entnehmen kann gehöre ich natürlich zu ihnen. Meine Hautfarbe ist grün. Blattgrün und auf diese Farbe bin ich sehr stolz, denn ich tanze mit ihr etwas aus der Reihe. Meine Mutter ist bläulicher Farbe und mein Vater weinrot. Wie daraus grün entstehen konnte ist mir ein Rätsel, meine Schwester jedenfalls ist violett wie man es zumeist auch annimmt. Ich habe eine stattliche Größe von 1.98m, große Flügel(die ich aber nur gelegentlich benutze) und überaus scharfe Zähne. Zu dieser Zeit war es nicht mehr nötig zu fliegen und etwas Besonderes war es schon gar nicht mehr. Man konnte alles bequem zu Fuß erreichen.
Wie ich ja schon erwähnte wohne ich in Quosquam. Quosquam ist eine Feinschmeckerstadt. Wesen aus der ganzen Welt kommen zu uns um auch nur die kleinste Frucht zu ergattern. So etwas trifft einen natürlich mit größtem stolz und besonders mich. Meine Familie leitet eins der vornehmsten Restaurants in der ganzen Gegend. Bei uns hat schon die Königin Ferkitina gespeist(zu ihr später mehr).Doch man muss auch sagen, dass Quosquam die wenigsten Einwohner von unserem Kontinent hat. Ich erwähnte ja schon das schreckliche Gewitter das momentan über uns herzog. Solche und meistens schwächere Unwetter suchen uns mindestens 3Mal in der Woche heim...mehr denke ich bedarf es da nicht zu sagen.
Der Anfang der Geschichte
Wie gesagt es regnete. Ich saß in einem meiner Sessel und hatte eine Tasse heißen Kakao in der einen, ein gutes Buch in der anderen Hand. Es klopfte an meiner Tür. Zuerst dachte ich es wäre ein komischer Donner, der draußen niedergroll, dann klopfte es noch mal. Meine Schwester kam in mein Zimmer und hielt mir ein Tablett unter die Nase. Auf dem Tablett stand eine Schale mit meiner Lieblingsbrühe und daneben lagen eine Serviette und ein Löffel.
„Von Mama.“ sagte sie nur, stellte das Tablett auf einen kleinen Tisch aus echtem Pfirsichbaumholz und rauschte durch die Tür wieder hinaus. Meine Schwester heißt Beratia und ich übrigens Boges. Beratia wollte später unbedingt Kellnerin in dem Restaurant unserer Eltern werden, was ich überhaupt nicht verstand. Was konnte man toll daran finden stundenlang am Tag durch immer denselben Raum zu rennen und Wildfremden das Essen zu servieren, dass einem den verführerischen Geruch förmlich entgegenwarf. Ich für meinen Teil werde lieber bedient.
So nahm ich meinem Löffel und schlürfte gemütlich an der Suppe wobei ich die vielen Gäste hörte, die im Restaurant ein und ausgingen. Unser Restaurant war direkt an unser Haus angebaut und so konnte ich als ich jünger war an einigen Abenden kaum ein Auge zutun, da die Geräusche für mich viel zu interessant waren. Nun ist es für mich normal und ich bin daran gewöhnt mit dem besoffenen Gelächter der Gäste, die einfach nicht gehen wollen, einzuschlafen.
Was ich nicht mitbekam war, dass eine einzige unheimliche Gestalt den Weg durch das Unwetter fand und langsam auf unser Haus zukam.
Die Gestalt war wie die Fortods in einen dunklen Umhang gehüllt und stach so nicht aus dem Nebel raus. Das Wesen war klein und schwebte nur leicht über dem Boden man sah unter den Umhang die Spitzen von schweren Schuhen, die den Boden knapp streiften. Das Wesen drehte sich noch einmal gegen den heftigen Wind um, gab ein gurgelndes Geräusch von sich und trat dann an unsere Tür.
Ein wunderbar warmes Gefühl machte sich in mir breit; ich hatte den letzten Löffel Suppe zu mir genommen und merkte nun wie sie verarbeitet wurde. Was ging es mir doch gut! Abermals blickte ich aus dem nun von Regentropfen überströmten Fenster. Ich konnte kaum erkennen was draußen vor sich ging was wohl auch daran lag, dass sich sowieso nichts rührte. Glücklich nippte ich an meinem Tee und spuckte ihn unwillkürlich wieder raus. Jetzt erst merkte ich, dass alles ruhig war. Kein Gerede dröhnte mehr aus dem Speisesaal, keine Teller klirrten. Es war fast so als ob jemand den Ton ausgeschaltet hätte. Star ging mein Blick zu unserer Eingangstür. Durch das Fenster sah ich das Wesen und meine Mutter lugte durch einen kleinen Spalt in der Tür hinaus. Das Geschöpf stand reglos da, nur sein schwarzer Umhang wehte wild durch den noch stärker werdenden Wind. Plötzlich durschnitt ein Schrei die Stille. Meine Mutter schlug die Tür zu und das Wesen, was auch immer es war schrie aus vollem Leib. Fenster zersprangen, mein Becher aus Glas bekam Risse und auch im Restaurant ertönten nun die Schreie der Frauen.
Man hörte ein Raunen das durch den Saal unter mir drang; auch die Männer waren also in Sorge. Ich jedoch konnte mich nicht rühren, wie gebannt sah ich durch mein Fenster zu den Wesen hinab, dass sich inzwischen nach vorne gebeugt hatte und nicht mehr schrie. Einige Fortods kamen angeflogen, wie es schien hatte sie der Schrei neugierig gemacht.
Dann passierte es; das Wesen drehte den Kopf. Es starrte mir direkt in die Augen. Ein Schauer durchfuhr meinen ganzen Körper. In genau diesem Augenblick knallte meine Zimmertür auf und mein Vater kam hereingestürmt. Er zog mich vom Fenster weg. Noch konnte ich das Wesen sehen. Zu meinem Schreck kam es genau auf mich zu. Ein spitzer Schrei entfuhr nun auch mir: „ Es kann fliegen!“
„Sieh nicht hin!“ befahl mir mein Vater und schob mich aus der Tür.
„Aber was ist das? Was will es?“
„Das kann dir egal sein! Boges, geh zu deiner Mutter.“
„Aber….“
„Los!“
Mit diesen Worten im Kopf rannte ich los. Ich war vollends verwirrt. Was war dieses Ding? Was wollte es? Ich hoffte, dass meine Mutter mir diese Fragen beantworten würde. Aber wo war sie? Ich wusste es nicht, mein Vater hatte es mir nicht gesagt. Als ich am Speisesaal vorbeiging, unsicher was ich tun sollte, sah ich, dass kein Gast mehr an seinem Platz saß. Es herrschte Chaos. Einige Fortods hatten sich an dem Spaß beteiligt und fauchten die Leute an. Überall lagen Essensreste und die Getränke die sich in den Gläsern befunden hatten bildeten große Pfützen. Durch zersprungene Fenster wehte der Wind. Mittlerweile schätzte ich, dass zirka ein dutzend Fortods durch den Raum flogen. Schnell ging ich weiter. Ein gewaltiger Blitz zuckte am grauen Himmel vorbei und mit einem Schlag war das Licht weg.
„ Oh nein...“ stöhnte ich. Zu allem Überfluss war der Strom auch noch ausgefallen. Nun musste ich mich vortasten. Es war stockdunkel.
Ich schlich den schwarzen Gang entlang und horchte nur gelegentlich auf. Ab und zu hörte ich noch leise Schreie, die aus dem Speisesaal drangen. Dem Geheule nach zu schließen, das auch aus dem Raum erklang, hatten die Fortods einigen Spaß an ihrem Werk. Dann blieb ich stehen. Ein neues Geräusch war wahrzunehmen. Ein leises Geräusch; das war eindeutig Atem. Irgendwer näherte sich mir. So leise ich konnte ging ich weiter und schlüpfte in ein angebautes Zimmer. Das war das Schlafzimmer meine Eltern. Hinter der Tür stand ein kleiner Tisch. Vorsichtig ging ich dahinter in Deckung. Ohne einen Mucks saß ich da und wartete. Rascheln. Dieser jemand, wer auch immer es war, trat ins Zimmer und mit Hilfe des wenigen Lichts das von draußen durch ein Fenster schien konnte ich erkennen, dass es sich umschaute. Ich sah einen Umhang. Das war das Wesen, das meine Mutter vor der Tür abgewiesen hatte. Nun konnte ich es von Nahem betrachten und eine Gänsehaut breitete sich über meine Arme aus. Dieses Wesen war viel schlimmer als die Fortods. Es hatte nur zwei Finger die unter dem Mantel hervorlugten. Sein Mund war klein doch spitze Zähne und massig viel Sabber machten ihn nicht ansehnlich. Es gab noch einen kleinen Schrei von sich dann drehte es abrupt um und schwebte aus dem Raum. Ich seufzte. So hatte ich mir den Verlauf des Abends nun wirklich nicht vorgestellt. Ich beschloss, dass es das Beste wäre einfach zu warten. Zu meiner Verwunderung stellte ich etwas fest was ich nie gedacht hätte: Ich empfand keine Angst. Ich fühlte mich richtig wohl, etwas Spannung hatte im meinem bisherigem Leben gefehlt. Nun es wäre sicher das richtige zu warten, dennoch richtete ich mich auf, entschlossen dem Wesen entgegenzutreten. Dann nahm ich auf einmal etwas Komisches war. Das Zimmer war doch dunkel und schwarz gewesen? Nun machte sich ein roter Schimmer breit. Was war das nun schon wieder? Meine Mut-Gefühle waren weg. Ich konnte nicht anders. Ich weinte. Mein Leben war zu einer Katastrophe geworden! Niemand half mir! Mein Vater hatte mich angeschrieen, meine Mutter war weg; ich war allein und hilflos. Ich weinte mir die Seele aus dem Leib und beruhigte mich wieder. Ganz ruhig stand ich da ohne auch nur an irgendwas zu denken. Schlafen. Ja, das brauchte ich jetzt ein Bett und Schlaf. Ich drehte mich zu dem Bett meiner Eltern um und setze mich darauf. Wollte ich das wirklich? War es wirklich richtig mich jetzt schlafen zu legen? Was sollte ich sonst tun?
Mein Kopf tat mir nun so sehr weh das ich nicht mehr konnte. Was waren das für Gefühlsausbrüche? Wer war ich überhaupt?
So schnell ich konnte rannte ich aus diesem Zimmer raus.
„ Luft! Ich brauch erstmal frische Luft!“ dachte ich. Ich kam nicht weit. Auf einmal blieb ich stehen. Ich hatte das Zimmer verlassen und verstand. Angst machte sich nun doch wieder in mir breit. Mein Verstand kehrte zurück. Das Wesen musste diesen roten Schleier im Zimmer hinterlassen haben. Er verwirrt die Sinne.
Eins nahm ich mir für mein Leben vor: diesem Etwas nie wieder begegnen!
Die Flucht und die Angst
So schlich ich mich weiter durch unser Haus. Mittlerweile hörte ich nur noch meinen Atem. Die Gäste waren wohl alle wieder beruhigt. Ich wusste nicht ob sie noch da waren oder ob sie sich nach draußen gewagt hatten. Vielleicht irrten einige von ihnen genauso hilflos wie ich durch die Gänge.
Ich stand nun vor dem Hintereingang. Sollte ich weglaufen und warten bis alles vorbei war? Mein Vater hatte mir gesagt ich solle zu Mutter. Aber ich wusste ja nicht wo sie war. Wieder duckte ich mich hinter ein Möbelstück (diesmal ein Schrank mit Garderobe) und wartete. Das Unwetter stürmte weiter über unsere Stadt. Der braune Nebel umschlang sämtliche Häuser und die Sterne leuchteten heller als je zuvor. Nach einer Weile in der ich still vor mich hin dachte, hörte ich wieder ein Atmen. Es war leiser als das von dem Wesen. Es war der Atem meiner Schwester. Schnell ging sie auf die Hintertür zu und ergriff die Klinke.
„Hey!“ Meine Schwester erschreckte maßlos als ich sie ansprach. Ich richtete mich auf: „Wo ist Mutter?“
„Ich weiß es nicht! Was machst du noch hier? Gerade du solltest schon längst verschwunden sein!“
„Gerade ich?“ Sie riss die Tür auf. Sofort war sie klatschnass. Der Wind wehte stark und mir wurde eiskalt. Der Regen hatte anscheinend noch zugenommen, wenn das noch möglich war.
„Geh!“ Rief sie. „Ich bleibe hier!“
Ich wusste nicht warum, doch ich gehorchte ihr. Etwas Neues in ihrer Stimme lies mich gehen, etwas Starkes mit flehendem Blick. Sie schlug die Tür hinter mir zu. Nun stand ich, wieder allein, in der Kälte. Der Regen hatte mich in Rekordzeit durchnässt. Schon musste ich niesen. Hoffentlich war keine Grippe bei mir im Anmarsch. Ich sah kaum wo ich hinlief, doch das störte mich kaum. Zusehr war ich in Gedanken bei meiner Familie und bei dem was soeben passiert war. Dann stieß ich gegen etwas Hartes. Zu allem Überfluss hatte ich nun auch noch eine schöne, große Beule an der Stirn. ich war gegen einen der Türme gelaufen die unsere Stadt zu bieten hatte. Dieser eher kleine Turm gehörte den Astrologen. Er war einer der Ältesten in Quosquam. Außerdem hatte er die so genannte „blaue Kappe“, also ein blaues Dach, das zur Spitze hin dunkler wurde. So schön diese Gebäude auch waren, nutzten sie mir im Moment gar nichts. Ich ging weiter durch den Nebel und den Sturm. Meine Gedanken kreisten weiter um meine Eltern und daran wie ich mich vor kurzer zeit noch schön in meinem Sessel gekuschelt hatte. Wann würde ich wieder zurück können? Was war mit den Gästen passiert? Und wann verdammt konnte ich endlich wieder sehen wo ich hinlief? Blöder Nebel!
Ein Schrei zerschnitt die Luft. Er drang aus der Richtung von der ich gerade kam. Sofort drehte ich um und schlich, so glaubte ich, zurück. Der Nebel wurde schwächer. Ich konnte etwas sehen und auch denjenigen, der geschrieen hatte. Eine der Feen, die sich noch einen Spaß daraus gemacht hatten nach draußen zu schwirren, wurde von diesem schrecklichen Wesen gepackt und weggezogen.
„Lass mich gefälligst los du Lumpenbeutel! Wenn ich hier runterkomme dann setzt es was!“ das Wesen hatte zum Flug angesetzt und war schon einen guten Meter über dem Boden. Ich währenddessen hatte mich feige hinter einen kleinen Schuppen geduckt. Was hätte ich auch tun können?
Der Nebel zog weiter und ich konnte erkennen, dass die Fee ziemlich groß war. Zuerst war mir dies nicht aufgefallen, doch nun da ich die Bewegungen näher sah, erkannte ich, dass dies keineswegs eine Fee war. Das Wesen versuchte jemanden wegzuzerren, der niemand anderes war, als meine Schwester. Sofort sprang ich auf. Und nun? Ich hatte keine Ahnung, was ich als nächstes tun sollte. Das Wesen hatte mich entdeckt und hielt Inne. RUMMMS! Es hatte meine Schwester fallen gelassen und stürmte auf mich zu. Was sollte denn das nun wieder? Was wollte es von MIR? Ich war wie erstarrt. Ich konnte noch nichtmal weglaufen. Das brauchte ich auch nicht, meine Schwester stieß mich heftig zur Seite. Ich kam sehr unglücklich auf, und verlor mein Bewusstsein. Ich dachte nur noch an meine riesige Angst vor dem was noch passieren würde.
Als ich erwachte fühlte ich als erstes eisige Kälte und den Regen, der sich über mir ergoss. Ich musste niesen und bemerkte, dass ich nicht auf dem Boden stand. Ich war tatsächlich im Himmel. War ich nun doch gestorben? Naja, jedenfalls hatte ich mir das Wetter im Jenseits besser vorgestellt! Mein Verdacht wurde jedoch widerlegt, als ich meine Augen öffnete und plötzlich das grauenhafte Gesicht des Wesens erblickte. Prompt fiel ich wieder in Ohnmacht. Das würde ja noch lustig werden…
Entführt und Machtlos
In meiner Abwesenheit kam ich an den verrücktesten Orten vorbei; Eisige Landschaften, bewohnt von tropischen Vögeln, an einem Aquarium in dem bunt-schillernde Fische mit Monsterköpfen herumschwammen und an einem riesigen schwarzen Berg. Plötzlich zerfiel der Boden unter mir und ich stürzte auf harten Stein. Brennender Schmerz machte sich in meinem linken Arm breit. Der Geruch von Blumen stieg mir in die Nase und sogleich entspannte ich mich. Ich öffnete die Augen.
„Guten Morgen!“ Violette Pupillen mit einem Stich gelb starrten mir entgegen. Ich schrie und sprang auf; plumpste aber sofort wieder zurück. Meine Beine fühlen sich wie zäher Gummi an. Auch meine Arme konnte ich nicht richtig bewegen.
„Hä?“, ich verstand wirklich gar nichts mehr, “Wo bin ich?“
„In Wald-Stadt. Du Solltest dich so wie es aussieht noch etwas ausruhen.“ Belustigt sah sie mich an. Es war eine Elfe. Ich hatte mir diese Wesen immer wie größere Feen vorgestellt, aber dem war nicht so. Im Gegenteil, diese Elfe sah sehr mitgenommen aus. Sie trug ein schmutziges, aus mehreren Ledern gebundenes Kleid. Darunter eine enge Hose aus schwarzem Samt. Ihre langen, braunen Haare waren fest zusammengebunden und nur einzelne Strähnen fielen über ihr Gesicht. Dieses war von Schrammen und Kratzern überzogen, aber dennoch sehr hübsch. Ihr Mund war schmal, sie hatte eine kleine Nase, hohe Wangenknochen und sehr große Augen, die mich durchdringend ansahen. Sie war ziemlich groß und hatte einen sehr dunklen Teint für eine Elfe, doch die spitzen Ohren ließen alle Zweifel abfallen.
„Wo?“ Den Namen Wald-Stadt hatte ich nun wirklich noch nie gehört.
„Heb dir deine Fragen für später auf.“ sagte sie und ihre Stimme klang etwas gereizt. “Sag mir nun erstmal wie es dir geht.“
„Öhm…“Das war schwer zu sagen; meine Beine fühlten sich an, als hätte man sie in einen Tornado gehalten und den Rest von mir in einer Wand eingemauert. Mein Kopf dröhnte und selbst das Sprechen fiel mir schwer. Ich schilderte ihr meine Schmerzen und als ich geendet hatte wandte sie sich von mir ab.“ Wenn es sonst nichts weiter ist hole ich dir nur etwas zu Essen und zu Trinken.“ Damit verschwand sie in einen Nebenraum und aus meinem Sichtfeld. Erst jetzt nahm ich wahr wo ich mich befand. Ich saß an die Wand gelehnt auf einer schmutzigen Decke und um mich herum erstreckte sich ein großer Raum in dem überall jede mögliche Art von Wesen herum lief. Viele lagen auf solchen Decken wie meiner, einige schienen zu schlafen und die meisten waren verletzt. Verbände, Decken, Schüsseln, Essensreste und andere Dinge lagen durch den ganzen Raum verstreut. Alles in allem sah es so aus, als würde ich mich in einem Riesigen Krankenhaus befinden.
Durch die wenigen Fenster schien sanft das Licht der aufgehenden Sonne. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass ich mich wieder auf meine Beine verlassen konnte, stand ich auf und ging zu einem dieser Fenster. Das einzige was ich sah war Wald. Ich konnte nichts außer den mächtigen Stämmen der Bäume und ihrem grünen Blätterdach erkennen. Ab und zu sah ich einen Vogel vorbeifliegen doch konnte ich keinerlei andere Tiere entdecken. Und hier sollte Wald-Stadt sein? Als ich mich umdrehte um mir alles genauer anzusehen, bemerkte ich, dass die Elfe mit einer Schüssel und einem Krug wieder in dem Raum getreten war. Offenbar suchte sie mich. Ich ging zu ihr. Sie drückte mir die Schüssel und den Krug
(Klare Hühnersuppe und Wasser) in die Hände und bedeutete mir mich wieder zu setzen. Mit einem Seuftzer ließ sie sich neben mir nieder. Stumm aß und trank ich, während die Elfe durch den Raum blickte. Dann fragte sie:“ Kannst du hier irgendjemanden sehen, den du kennst?“ „Nein“ antwortete ich sofort. Ich kannte nur andere Lorwene und von ihnen schien niemand hier zu sein. Sie murmelte leise etwas vor sich hin und wandte sich dann erneut an mich.
„Du hattest Fragen?“
„Ja“, antwortete ich und die Fragen sprudelten nur so aus mir heraus, “Wieso bin ich hier? Was war das für ein Wesen? Wie geht es meiner Familie? Wo soll ich jetzt hin? Und wer bist du überhaupt?“
Die Elfe grinste:“ Bist du fertig?“ „Ja.“ Sagte ich tonlos und schämte mich etwas darüber, dass ich sie so bombardiert hatte.
„Nun, wieso du hier bist ist müsste dir doch eigentlich klar sein. Du bist offensichtlich verletzt. Ich weiß nicht genau warum, aber du fielst gestern Abend Hals über Kopf in diesen Raum, mitten auf den armen Mr. Kinchey.“ Sie nickte zu einem älteren Mann, der auf einer Liege lag und laut schnarchte. Ich sah nach oben und bemerkte, dass das Dach an einer Stelle mit fast zu vielen Brettern geflickt wurde. „ Weiterhin weiß ich nicht wie es deiner Familie geht, oder wer sie sind.“ Sie hielt mir ihre Hand hin und ich ergriff sie verdutzt. Ein Schmerz, als hätte jemand einen Fels darauf geworfen, zog sich plötzlich von meiner linken Schulter bis hin zu meiner Hand. Ich schrie auf. Erst jetzt spürte ich den dicken Verband der um meinen Arm geschlungen war.
„ Angenehm, ich bin Neodine. Waldelfe 4. Ranges.“ Sie ließ meine Hand los und stapfte mit breitem grinsen davon.
Ergan
Ich blieb für ungefähr 3 Tage im Krankenraum. Es war in der Tat einer wie ich herausfand. Ich freundete mich mit einigen Patienten an, wie zum Beispiel Morgana und Kerte, Zemkle, Aressa und natürlich Ergan. Ergan wurde in dieser Zeit mein bester Freund. Tag und Nacht saßen wir zusammen und erzählten aus unserem Leben und wie wir hierher gekommen waren. Von ihm erfuhr ich viel über Wald-Stadt. Sie war berühmt für ihren Handelszweig und ihre eigenartige Lage. Zur einen Seite von Wald-Stadt klaffte der riesige Abhang Abwärts. Abwärts war ein komischer Name aber etwas anderes konnte man auch nicht sagen, als das es dort nur noch abwärts ging. Zur anderen Seite erstreckte sich der Nahùlwald. Nahùl bedeutet in der Elfensprache soviel wie: große Tiere. Die Elfen waren bis heute die einzigen Lebewesen, die diesen Wald durchqueren konnten ohne gefressen oder zerquetscht zu werden.
Die einzigen sicheren Wege waren über den Fluss Plätscher und über den Handelsweg. In Wald-Stadt gingen so ziemlich alle Arten von Lebewesen ein und aus, da es so gut wie keine Vorurteile und nur wenige Gesetze gab. Dies war auch einer der Gründe warum man hier um Waren aus aller Welt handeln konnte. Der andere wichtige Grund war die Magerfrucht. Angeblich sollte diese Frucht einen für lange Zeit satt machen, sodass man ungefähr 5 Tage lang nichts essen brauchte. Wenn man sie regelmäßig zu sich nahm wurde man dementsprechend dünn, da die Frucht an sich keinerlei Kalorien hatte. Die Magerfrucht wuchs nur auf einer kleinen Wiese zwischen dem Fluss Plätscher und dem Nahùlwald.
Ergan erzählte mir noch viele andere Dinge und so konnte ich mir ein ungefähres Bild von Wald-Stadt zusammen denken. Verlassen durfte ich das Krankenhaus noch nicht und das störte mich auch nicht weiter. Wo sollte ich schon hin? Es verlockte nicht gerade den Abwärts hinunterzustürzen, oder von riesigen Tieren gefressen zu werden. Ich hatte kein Boot, also brachte mir der Fluss auch nichts. Der einzige für mich passierbare Weg war die Handelsstraße. Ergan meinte es sei ein gut befahrbarer Weg, an dem überall die Händler ihre Waren verkauften. Der Handelsweg führte nach Kosten, was wieder ein Problem war. In Kosten kam ich ohne Geld kein Stück weit. Ergan meinte es gäbe sogar ein Gesetz, dass jedem verbot einzutreten, der ohne Geld hinein wollte. Man wurde vor der Stadt abgefangen und zurück geschickt.
Ergan und ich mussten schon komisch aussehen wie wir dort saßen, lachend und erzählend. Erstaunlich war, dass wir uns überhaupt verstanden, denn Ergan war ein Mensch. Er war muskulös und sehr groß, im Gegensatz zu mir, hatte wilde braune Haare und dunkelgrüne Augen. Die Menschen waren bisher in jeder Sicht verfeindet mit den Lorwenen, so wie mit vielen anderen Völkern auch. Menschen waren sehr von sich selbst überzeugt fand ich, sie dachten meist nur an sich und wollten immer nur besser sein, als alle Anderen. Ergan jedoch kam mir sehr friedliebend vor. Er half jedem und machte dabei keine Unterschiede, ob es nun Menschen, Feen, Gimmlys, Elags, oder andere Wesen waren.
Eines Tages, mein Arm war fast wieder genesen, machte ich mich auf den Weg die Stadt zu erkunden. Bislang hatte mich Neodine immer davon abgehalten.
Waldstadt war größer als man vom Krankenhaus hätte vermuten können. Es war eine prächtige Stadt, voller Leute und Läden. Überall konnte man Waren von weit her erwerben, die Leute schwätzen und der Geruch verschiedenster Lebensmittel lag in der Luft. Zunächst wusste ich gar nicht wo ich zuerst hinsehen sollte. Hier war ein Laden an dem man merkwürdig aussehende, rosa Früchte kaufen konnte und vor dem sich ein Pärchen Lehrlachen stritten, dort fertigten unzählige Ferringe Schmuck an und verfolgten dann wahllos irgendwen und ließen sie nicht in Ruhe, bis sie was kauften. Nachdem ich mir alles angesehen hatte holte ich einen kleinen Zettel aus der Kleidung hervor, die mir Neodine gegeben hatte und las ihn mir nochmals durch. Ergan hatte mich darum gebeten ihm etwas mitzubringen. Es musste etwas sehr Wichtiges für ihn sein, denn er meinte er würde es eigentlich nur selbst abholen wollen, vertraue mir aber, da es sehr wertvoll sei. Was es wohl war? Auf dem Zettel stand nur:
Gee zu Mr. Perkinsen.
Er hat ein Antiequietätengeschäft in där Rubinstraße.
Sag iem, dass ich diech geschieckt habä und du „Es“ abholän sollst.
Seie vorsiechtäg!
Es war nicht gerade schwer die Rubinstraße zu finden, viel komplizierter war es den Laden auszumachen. Die Rubinstraße war die Hauptstraße in Waldstadt und eine größere Straße hatte ich nun wirklich noch nie gesehen. Von einem Schild las ich, dass sie ca. 1kilometer lang war und einen Durchmesser von ca. 6metern hatte. Ich weiß nicht, wie lange ich brauchte, bis ich endlich ein Haus sah, auf dessen Wand Mr. Perkinsen’s Antiquitäten An- und Verkauf stand.
Es war ein kleiner Laden in der untersten Etage eines hohen, etwas zerfallenem grauen Haus. Der eine Fensterrahmen und die Tür waren rot angestrichen. In dem einen Fenster standen Bilder, Figuren, Bücher, Spiegel, Schmuck und allerlei andere Dinge, die jedoch halb von einem kaputten blauen Vorhang verdeckt wurden.
Zögerlich stieß ich die angelehnte Tür auf und trat ein. Sofort stach mir der Geruch von Tabak in die Nase. Innen war es gemütlicher, als man von außen vermuten konnte. Zwar stand fast alles voll mit irgendwelchem Gerümpel; viele alte Möbel standen quer durch den Laden verteilt und waren zugeräumt mit alten Kerzenständern, Uhren, mit wertvollen Ketten behängt und von Staub überzogen, doch wurde alles angenehm beleuchtet von einer schönen Lampe, die sich drehte und dabei langsam die Farbe änderte. Von der Decke hingen bunte Federn und Maschinen. Ein dunkler Teppich führte von der Tür bis zur Theke, die fast vollständig von einem riesigen Hut bedeckt wurde. Dahinter saß ein älterer Mann mit Brille, schulterlangen, ungepflegten, schwarzen Haaren und kantigen Gesichtszügen. Er war dabei eine Feder über ein Loch in dem Hut zu sticken, was ihm sichtlich schwer fiel.
„Mr…..ähm…Perkinsen?“ Ich war an die Theke getreten und sah zu, wie er sich nun schon zum 3. Mal in 3 Sekunden in den Finger stach.
„Hm…“ antwortete Mr. Perkinsen ohne aufzublicken. „Was willst du?“
„Ergan schickt mich.“ Ich wollte mich nicht unnötig lange in dem Laden aufhalten und so redete ich nicht viel um die Sache herum, sondern sagte gleich, was ich wollte. „Ich soll etwas für ihn abholen.“
Zum ersten Mal blickte der Mann auf. Er hatte unerwartet strahlende hellblaue Augen.
„Ergan schickt DICH? Hm…er hatte schon immer merkwürdige Freunde. Du bist ein Lorwene, stimmt’s? Hm? Komische Wesen…genau wie alle Anderen! Du sagst, du willst etwas holen? Hm…dann erzähl mir mal was!“ Er war nun aufgestanden und hatte seine Hände auf die Theke gelegt.
„Ähm…Ergan sagte nicht, was genau ich holen sollte. Er meinte ich solle ihnen einfach sagen, dass er mich schickt und ich solle „Es“ holen.“ Woher sollte ich das auch wissen? Dieser Mann war mir unheimlich. Ich hatte keine große Lust mit ihm zu reden.
„Hm…soso! Und warum kommt er nicht selbst und holt sich dieses „Es“? Hm?“
„Er ist im Krankenhaus, er ist ver…“ Um ehrlich zu sein wusste ich gar nicht, ob Ergan verletzt war oder nicht. Ich hatte nie eine Wunde oder einen Verband bei ihm entdeckt.
„Krankenhaus? Ergan? Hm…na wenn du meinst! Hm…wo hab ich’s denn…ahja! Ich denke, dass ist es, was er will…und nun schätze ich du bist fertig, hm? Also guten Tag und Tschüss!“
Er hatte ein schwarzes Päckchen auf den Rest freie Theke gelegt und hatte sich wieder gesetzt um sich erneut in den Finger zu stechen.
Ich nahm mir das etwa Handgroße Päckchen und verließ ohne etwas zu sagen den Laden. Diesen Mann konnte ich absolut nicht leiden!
Es war mittlerweile Abend und ich machte mich auf den Weg zurück zum Krankenhaus, als ich eine vertraute Stimme hinter mir hörte.
Der Angriff
„Boges!“
Ich drehte mich um.
„Hallo Neodine! Was machst du denn hier?“
„Ich habe meinen neuen Bogen abgeholt.“
„Du kannst mit so einem Ding umgehen?“
„Natürlich!“
Sie hatte einen großen Bogen in einem braunem Tuch bei sich, den sie nun auspackte. Der Bogen war aus Eschenholz Gefertigt, wie sie mir erklärte, und Neodines Name war am Griff eingeprägt. Passend zu dem Bogen hatte sie auch neue Pfeile bei sich. Als sie mir erklärte wie man mit Pfeil und Bogen schießt wurde es plötzlich stockdunkel. Ganz ohne Vorwarnung war aus dem schönen Abend, an dem die Sonne gerade erst begonnen hatte unterzugehen, finstere Nacht geworden. Kein Stern stand am Himmel und auch kein Mond war zu sehen.
„Was ist denn nun los? Neodine?“ Meine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit und ich konnte ungefähr erahnen wo Neodine sich befand.
„Ich weiß es nicht. Aber ich glaube nicht, dass es gut ist. Wir sollten besser so schnell wie möglich zurückkehren.“ Zu meiner Überraschung hörte ich einen ängstlich Ton in ihrer Stimme und noch mehr verwunderte mich, dass sie meine Hand nahm und los lief. Ich würde es als einfach nur schwer bezeichnen einer Elfe zu folgen, die es eilig hat. Neodine schien den Weg auswendig zu kennen und lief so schnell es ging zwischen den Anderen Wesen hindurch, die tuschelten und sich genau wie ich fragten was los war.
Dann hörte ich ihn. Den ersten Schrei. Weit hinter uns hatte jemand geschrieen. Ich drehte mich um, konnte jedoch bei dieser Finsternis nix erkennen. Dann folgten auf den ersten weitere Schreie.
„Da kommt etwas…“sagte Neodine.
In weiter Ferne konnte ich die großen Umrisse des Krankenhauses ausmachen.
„Aber was?“ fragte ich, doch bevor sie mir antworten konnte rief erneut jemand meinen Namen.
„Boges!“
„Ergan?“
„Was ist los?“
„Keine Ahnung. Was machst du hier?“
„Hast du das Päckchen?“
„Ja. Hier.“ Ich reichte ihm das Päckchen und er riss es auf. In ihm schimmerte etwas, dass einer Kette ähnlich sah, doch genau konnte ich es nicht sagen. Ergan band es sich jedoch nicht um den Hals, sondern um die rechte Hand.
„Der Strom ist auch ausgefallen.“ Sagte Neodine.
„Wer zum Teufel schreit da? Was ist los?“
Und dann sah ich was los war.
Tausende Fortods schwebten über unseren Köpfen hinweg.
Ungefähr hundert schwarze Drachen mit ihren Reitern und andere, kleinere Wesen, ebenfalls in schwarz gehüllt, flogen über die Stadt.
„Ach du…“
„Oh mein Gott!“
Ergan und Ich erstarrten. Alle Einwohner rannten schreiend und fluchend zu ihren Häusern. Es herrschte heillose Panik. Frauen kreischten, Kinder weinten. Selbst die Ferringe hatten aufgehört ihren Schmuck herzustellen.
Einer der Drachen spie einen gewaltigen Feuerball und setzte damit das Rathaus von Waldstadt in Brand. Sofort fingen auch die anderen an und in kürzester Zeit stand alles in Flammen.
„Kommt!“ Neodine packte Ergan und mich. „Wir können nicht ins Krankenhaus. Hier ist nichts mehr sicher!“
„Aber wo sollen wir dann hin? Zurück können wir auch nicht. Sie kommen über den Handelsweg! Zum Abwärts…wollte ich eigentlich nicht so gerne, irgendwie hab ich da was gegen! Und in den Wald kriegt ihr mich auch nicht!“ schrie ich über die nun noch endloseren Schreie hinweg.
„Wie müssen in den Wald,“ rief Neodine zurück, “Wir haben keine andere Wahl!“
„Da bin ich auch für.“ Sagte Ergan zu mir gewandt.
„Aber…AUTSCH!“ Rücklings fiel ich zu Boden. Ich war gegen irgendetwas großes, hartes gerannt. Ich blickte auf und sah, dass es der Reiter eines Drachen war. Man konnte nicht sehen, ob ein Mensch in der schwarzen Rüstung war, die ihn von Kopf bis Fuß verdeckte, Doch auch ohne dieses Wissen wollte man ihm lieber nicht zu Nahe treten.
Er sah zu mir herunter und sagte mit flüsternder, nicht Menschlicher Stimme: „Finde ihn...töte ihn ...entreiße es ihm...“ Er zog ein mächtiges schwarzes Schwert aus der Scheide. Kleine schwarze Blitze zuckten um die Klinge. Er hob es über seinen Kopf, bereit es herunterschnellen zu lassen und mich zu töten.
Bevor ich irgendetwas tun konnte spürte ich wie jemand hinter mich trat; Ergan riss mich zur Seite und das Schwert des Reiters borhte sich in sekundenschnelle in den Boden. Ich drehte mich um und sah wie Ergan die rechte Hand hob. Die vermeintliche Kette war ein, an einem dunklen Band befestigter Talisman. In ihm steckte ein weißer Stein mit schwarzen Streifen. Der Reiter sah verärgert an die Stelle an der ich eben noch gesessen hatte und an der jetzt sein Schwert tief in der Erde steckte. Es herrschte kurze Zeit Stille, in der ich mich aufraffte und ängstlich auf Ergan starrte. Neodine hatte ihren neuen Bogen gespannt und verfolgte das Geschehen aufmerksam.
Der Reiter richtete sich langsam, fast gemächlich auf. Ohne jedes Anzeichen von Mühe zog er das Schwert aus dem Boden und richtete es auf Ergan, der nun einige Schritte zurückgewichen war. Die Blitze, die an der Klinge hochzüngelten waren nun deutlich großer geworden. Immer dieselben Worte flüsternd ging er auf Ergan zu:
"Finde ihn...töte ihn...!"
Ergan zeigte kein Anzeichen von Angst, im Gegenteil, er lächelte milde.
Nun berührte er mit der linken Hand den Talisman und von der Stelle an der er ihn angefasst hatte breitete sich ein schwarzer Schatten über ihn aus. Er veränderte sich. Seine Augen wurden schmal, seine Ohren spitz, seine Haare wurden schwarz und breiteten sich über seinen ganzen Körper aus. Seine Hände und Füße wurden zu Pfoten. Schwarze Krallen und spitze Zähne kamen zum Vorschein. Sein Fell wurde von weißen Mustern durchzogen und es glänzte, als er sprang. Er riss den Reiter zu Boden und landete elegant auf vier Pfoten.
„Beeilt euch“ sagte er und lief auf den Wald zu. Neodine zögerte nicht und folgte Ergan. Ich musste mich kurz fassen und rannte dann etwas langsamer hinter den beiden her.Beim Laufen drehte mich noch einmal um. Es war schrecklich. Waldstadt brannte, die Leute rannten durch die Flammen und ich sah, wie immer mehr Drachen landeten. Dann spürte ich den kalten Waldboden unter meinen Füßen und blickte wieder nach Vorne.
Der Wald
Wir liefen, bis wir nur noch weit entfernt die Flammen sahen, dann machten wir Halt. Atemlos ließ ich mich auf den mit Blättern übersähten Waldboden fallen.
Signatur Ich fragte ein Kind, das eine Kerze trug: "Woher kommt das Licht?" Sofort blies sie es aus. "Sag mir, wohin es gegangen ist, und ich sage dir, woher es kam" |