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Ermione AurorIn ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 03.09.2005 Beiträge: 668 Nachricht senden |
Einige Gedanken zu den Umständen, unter denen die Prophezeiung gemacht wurde und über Snapes Rolle dabei (von Ermione) I. Die Prophezeiung und ihr genauer Wortlaut waren schon oft, seit HP5 erschienen ist, Diskussionsthemen. Hier geht es allerdings zur Abwechslung einmal nicht um den genauen Wortlaut der Prophezeiung und die möglichen Auslegungen, sondern um die Umstände, unter denen sie gemacht wurde und die prekäre Rolle, die Snape in dieser Sache gespielt hat. In dem Vorfall um die Prophezeiung, die immerhin Harrys Leben so fatal beeinflusst hat, waren ursprünglich vier Figuren verwickelt: Sybill Trelawney, die Seherin, Albus Dumbledore, in dessen Gegenwart (und für den somit) die Prophezeiung gemacht wurde, Severus Snape als unerwünschter Zuhörer und der Gastwirt bzw. „the barkeeper“ des Gasthauses „Eberkopf“, wo die Prophezeiung gemacht wurde. Dieser ist möglicherweise mit Dumbledores Bruder Aberforth identisch, hat immerhin (nach derzeitigen Infostand) Anteil daran, dass Snape nicht die ganze Prophezeiung weitergeben konnte und könnte dabei auch einiges von der Prophezeiung selbst mitbekommen haben oder von Dumbledore ins Vertrauen gezogen worden sein. Leider kennen wir bisher weder Snapes Version noch die des Wirtes. (Wäre das nicht einmal ein Thema für eine Fanfiction?) Was die Umstände betrifft, unter denen die Prophezeiung gemacht wurde, erfährt Harry darüber somit von zwei Figuren: Albus Dumbledore in HP5 und Sybill Trelawney in HP6. Beide Berichte stimmen im wesentlichen überein, abgesehen davon, dass sich Trelawney selbst nicht mehr an die Prophezeiung erinnert und deren Auswirkung daher nicht zu kennen scheint. Die Berichte weichen allerdings in einigen (belanglosen?) Punkten von einander ab. Vielleicht sind diese Abweichungen auch nur darauf zurückzuführen, dass Joanne Rowling als Schriftstellerin hier schlampig oder ungenau war. Eine plausiblere Erklärung wäre jedoch der unterschiedliche Blickwinkel der beiden Erzählfiguren, ihre unterschiedlichen Charaktere und ihre unterschiedlichen Motive für ihre Erzählung. Die Gründe für Dumbledores Bericht sind für uns klar erkennbar. Er hält es am Ende von HP5 für seine Aufgabe, Harry den genauen Wortlaut der Prophezeiung wissen zu lassen. Im Zusammenhang damit berichtet er Harry, wie diese Prophezeiung zustande kam und beantwortet dessen weiteren Fragen. Dumbledores Motiv ist klar, er will Harry darüber informieren. II. Sehen wir uns nun Dumbledores Bericht an. Anmerkung: Da der folgende Ausschnitt ziemlich lang ist, habe ich ihn etwas gekürzt, und einige Passagen weggelassen, die für meinen Artikel selbst nicht relevant sind. Die ausgelassenen Stellen sind durch ... gekennzeichnet.
Wie glaubwürdig wirken Dumbledores Informationen auf uns? Was den Wortlaut der Prophezeiung betrifft, verwendet Dumbledore das Denkarium und lässt Harry an seiner Erinnerung unmittelbar teilhaben. Harry und wir erleben direkt, wie Trelawney ihre Prophezeiung mitteilt und hören (bzw. lesen) den genauen Wortlaut. Allerdings zeigt Dumbledore Harry nicht die vollständige Szene. Wir sehen nicht das Zimmer im „Eberkopf“, wo die Prophezeiung gemacht wurde oder die Stühle auf denen Trelawney und Dumbledore sitzen (falls sie nicht gestanden sind). Davon wird nur berichtet. Die Denkariums-Szenen und -ausschnitte bei Rowling sind in der Art von Rückblenden gestaltet, wie wir sie aus vielen Filmen kennen. In den Filmklassikern galt es allerdings als eine unausgesprochene Regel, dass Rückblenden nichts erzählen dürften, was sich später als unwahr herausstellt und somit das, was bei einer Rückblende gezeigt wird, unbedingt der Wahrheit entspricht. (Als der bekannte Regisseur Alfred Hitchcock in seinem eher unbekannten Thriller „Die rote Lola“ die Rückblende verwendete, um die Erzählung seines negativen Helden wiederzugeben, die sich am Schluss als Lüge herausstellt, wurde er dafür ziemlich angegriffen. Hitchcock verteidigte sich damit, dass die Rückblende die Version des Täters wiedergegeben hätte.) Rowling selbst hat nebenbei in einem Interview gesagt, dass das Denkarium alles so wiedergibt, wie es sich ereignet hat und somit den fiktiven Wahrheitsgehalt dieser Romanabschnitte bestätigt. Was bedeutet das nun für die Prophezeiung? Der Wortlaut und die Identität der Seherin, die sie gemacht hat, stehen eindeutig fest. Was die Umstände betrifft, sind wir jedoch daraufhin angewiesen, dass Dumbledore die Wahrheit sagt, da diese durch keine Denkariums-Szene bestätigt werden. In wieweit ist nun Dumbledore eine Figur, deren Aussagen geglaubt werden kann? Rowling selbst hat ihn als eine jener Figuren bezeichnet, die sie als Sprachrohr verwendet. Somit haben seine Aussagen Gewicht und dürften weitgehend der Wahrheit entsprechen. Rowling hat aber auch eingeräumt, dass sich Dumbledore irren kann. Außerdem hat sie mit Bezug auf zwei bestimme Romanabschnitte zugegeben, dass Dumbledore hier mit Absicht nicht die Wahrheit gesagt hat. So hat Dumbledore McGonagall gegenüber in HP1 nicht den Hauptgrund verraten, warum er wollte, dass der kleine Harry im Ligusterweg aufwächst. Beim Kampf in der Mysterienabteilung in HP5 versucht er nicht, Lord Voldemort zu töten, weil er weiß, dass dieser nicht getötet werden kann. Lord Voldemort begründet er jedoch sein Verhalten ganz anders. In beiden Fällen hat Dumbledore jedoch nicht wirklich gelogen, denn seine offiziellen Begründungen sind nicht unwahr. Er hat lediglich den entscheidenden Grund nicht verraten. Somit können wir davon ausgehen, dass seine Aussagen zur Prophezeiung wohl auch der Wahrheit entsprechen. Wir können allerdings nicht ausschließen, dass er uns hier vielleicht das eine oder andere Detail verschwiegen hat. III. Auch die andere Version über das Zustandekommen der Prophezeiung wird nur als Bericht wiedergegeben, und somit sind wir wieder darauf angewiesen, dass die Erzählerin die Wahrheit sagt. Im Gegensatz zu Dumbledore sind die Gründe für Trelawneys Erzählung nicht eindeutig erkennbar. Will sie Harry etwas mitteilen oder schwelgt sie einfach nur in wehmütiger Erinnerung? Will sie ihren Kollegen Snape vor Harry schlecht machen oder beabsichtigt sie Harry zu warnen? Der Text lässt nach derzeitigen Infostand verschiedene Deutungen zu, was ihr Motiv betrifft, obwohl ich nostalgische Erinnerung für das glaubwürdigste Motiv halten würde. Behalten wir allerdings auch im Auge, dass Trelawneys Position in Hogwarts, seit sie von Umbridge monatelang gemobbt und dann gefeuert wurde, ausgesprochen unsicher ist. Seit HP6 darf Trelawney zwar wieder unterrichten, aber sie muss ihre Stunden mit ihrem damaligen Nachfolger, den Zentauren Firenze teilen. Für uns Leser/innen ist klar, warum Dumbledore damals Firenze nach Hogwarts geholt hat und dass er ihn jetzt nicht einfach wieder wegschicken kann. Trelawney allerdings kann sich damit nicht abfinden, sie hat absolut kein Verständnis für die Lage von Firenze. Entscheidend mag für sie sein, dass die Anwesenheit des Zentauren, der weiterhin unterrichtet, ihr ständig vor Augen führt, dass sie eigentlich nicht wirklich rehabilitiert wurde. Dumbledore lässt sie wieder unterrichten, aber ihre alte Position, die ihr Umbridge weggenommen hat, erhält sie dadurch, dass der Nachfolger bleibt, nicht zurück. Daneben ist nicht auszuschließen, dass Trelawney als Folge der Entlassung und des monatelangen Mobbings zuvor traumatisiert wurde. Das Gefühl der eigenen Wehrlosigkeit und die Unsicherheit ihrer Anstellung in Hogwarts wurden ihr durch Umbridge drastisch vor Augen geführt, diese dafür übrigens nicht wirklich zur Verantwortung gezogen, sondern nur aus Hogwarts entfernt wurde. (Trelawneys Situation entspricht somit der klassischen Situation eines Opfers, das mit der Erkenntnis weiterleben muss, dass der/die Täter/in nicht wirklich dafür bestraft wurde. Trelawneys Hilflosigkeit wird auch dadurch unterstrichen, dass sie nach der Entlassung weder imstande war, sich einen neuen Job zu suchen, noch sich in irgendeiner Form wehren konnte, zum Beispiel durch Interviews über die derzeitige Lage in Hogwarts bei einer Zeitung). Berücksichtigen wir das, würde ich nicht ausschließen, dass Trelawney vielleicht bewusst mit ihrem Bericht Harry gegenüber ein wenig intrigieren will, um ihre eigene Position, die sie als gefährdet erlebt, wieder sicherer zu machen. Immerhin klagt sie in HP6 darüber, dass Dumbledore sie nicht mehr gerne sieht, und in diesem Buch ist Snape derjenige, dem Dumbledore eindeutig zu vertrauen scheint. (Dass es Differenzen zwischen Dumbledore und Snape gibt, weiß Harry nur, weil Hagrid sich verplappert hat. Trelawney und auch die anderen in der Schule dürften das nicht wissen.) Sehen wir uns jetzt ihre Version der Geschehnisse an:
Im Unterschied zu den Motiven der Romanfigur Trelawney, ist der Grund, warum Rowling diese Szene eingebaut hat, für uns Leser/innen klar. Es geht darum, Harry und somit uns darüber aufzuklären, dass Snape damals die Prophezeiung belauscht und an Voldemort weitergegeben hat. Dies wird durch Harrys Bestürzung, die Rowling ausführlich beschreibt, verdeutlicht. Aus Trelawneys Bericht geht übrigens nicht zwingend hervor, dass Snape tatsächlich der Lauscher war, der die Prophezeiung an Voldemort weitergegeben hat. Ihr Bericht lässt für den/die Leser/in die Deutung zu, dass Snape sich tatsächlich in der Türe geirrt haben könnte und dass es noch einen anderen Lauscher gegeben haben könnte. Trelawneys Behauptung in Bezug auf Snape wird allerdings kurz darauf von Dumbledore bestätigt. (HP6, S. 511f., Kapitel 25 Die belauschte Seherin bzw. The Seer Overheard). Da Harry Dumbledore nicht in HP5 gefragt hatte, wer die Prophezeiung belauscht hat, hat Dumbledore allerdings Harry in diesem Punkt nicht belogen. Er hat ihm nur von sich aus verschwiegen, wer die Prophezeiung an Lord Voldemort weitergegeben hat. Nach Trelawneys Enthüllung jedenfalls nimmt Dumbledore Snape in Schutz. Dass Snape damals für Voldemort tätig war und außerdem nicht vorhersehen konnte, wen die Prophezeiung betraf und wie Voldemort darauf reagieren würde, macht er als Entschuldigungsgrund für Snapes Handeln geltend. Außerdem führt er Snapes Reue zu dessen Gunsten an, als er erkannte, wen die Weitergabe der Prophezeiung in Lebensgefahr gebracht hatte. In HP5 dagegen hat Dumbledore die Weitergabe der Prophezeiung (da Snape zu dem Zeitpunkt für Voldemort tätig war, kann hier nicht von Verrat die Rede sein) keineswegs so entschuldigend dargestellt (siehe dazu unten). IV. Eindeutig hat Trelawney, was den Wahrheitsgehalt betrifft, ihre eigene Rolle etwas veredelt. Während ihr Bericht sich in erster Linie um sie und auch ein wenig um Snape dreht, wirkt Dumbledores Darstellung sachlich. Im Mittelpunkt steht die Prophezeiung. Dumbledore gibt uns im Gegensatz zu Trelawney auch einige Zusatzinformationen, was Ort und Zeit betrifft. Alles geschah vor 17 Jahren. Da HP2 im Jahr 1992 beginnt, endet HP5 somit im Juni 1996. Die Prophezeiung wurde also im Jahr 1979 gemacht, mehr als ein Jahr vor Harrys Geburt, wenn wir davon ausgehen, dass es im Winter oder Frühjahr war. Wichtig erscheint mir jedenfalls, dass die Prophezeiung zu einem Zeitpunkt gemacht wurde, wo wirklich noch niemand wissen konnte, welche Kinder damit gemeint sein könnten. Noch interessanter ist der Hinweis, dass es eine kalte feuchte Nacht war. Damit können wir ausschließen, dass Snape zufällig auf seinem Abendspaziergang oder auf einer Wanderung beim „Eberkopf“ vorbeigeschaut hat. Er wird vermutlich ebenfalls im „Eberkopf“ übernachtet haben, was seine Behauptung mit der verwechselten Türe bestätigt. Das wiederum könnte ein Hinweis dafür sein, dass seine Rolle als Lauscher geplant war. Wie bereits oben angeführt, verteidigt Dumbledore in HP5 Snape keineswegs, er verschweigt aber Harry auch, dass dieser ihn und Trelawney belauscht hat. Die Folgen, hält er jedoch für schlimm: „My - our - one stroke of good fortune was that the eavesdropper was detected only a short way into the prophecy and thrown from the building.” (S. ....743). Befremdend finde ich hier, dass Dumbledore es für Glück hält, dass Voldemort nur den Anfang erfahren hat. Jetzt im Nachhinein mag es ein Glück sein, dass er nur den Anfang gehört hat, aber vielleicht hätte Voldemort nie die Prophezeiung ausgelöst, wenn er sie als Ganzes gekannt hätte und somit gewarnt gewesen wäre, was ihm wirklich blüht, wenn er Harry angreift. Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass Dumbledore am Ende sogar gewollt hat, dass Voldemort die Prophezeiung in Erfüllung gehen lässt. Dumbledores Rolle, was die Prophezeiung betrifft, wirkt somit auf mich etwas merkwürdig. Dumbledore erwähnt auch, dass er nicht erwartet hätte, dass das Gespräch mit Trelawney etwas enthalten würde, dass für eine/n Lauscher/in interessant sein könnte. Das erklärt erstens, warum er keine entscheidenden Sicherheitsmaßnahmen gegen mögliche Lauscher/innen getroffen hat, aber es deutet sich hier an, dass diese Gefahr damals ständig vorhanden war. Versuchte Voldemort ihn belauschen zu lassen, und befand sich Snape aus diesem Grund im „Eberkopf“. Vorstellbar ist es. Aber woher hatte Snape dann gewusst, dass sich Dumbledore und Trelawney treffen würden? Möglicherweise wurde Snape aber deshalb beim Lauschen ertappt, weil Dumbledore dem Gastwirt gebeten haben könnte, so nebenbei ein Auge auf den Raum zu haben, in dem das Gespräch mit Trelawney stattfand. Falls der Gastwirt Aberforth oder ein guter Freund von Dumbledore ist, wäre es auch möglich, dass dieser von selbst den Raum im Auge behalten haben könnte. Wann hat nun Trelawney genau die Prophezeiung gemacht? In ihrer Erzählung bleibt diese Frage unbeantwortet. Dass sie sich selbst nicht an ihre echten Prophezeiungen erinnern kann, wissen wir bereits aus HP3. Allerdings scheint sie auch kein Blackout gehabt zu haben, das uns verraten würde, wann die Prophezeiung war. Immerhin lässt ihre Vermutung, dass Dumbledore der Unterschied zwischen ihr und Snape positiv aufgefallen ist, die Schlussfolgerung zu, dass sie die Prophezeiung, nachdem Snape und der Gastwirt wieder weg waren, gemacht haben dürfte. Etwas merkwürdig ist jedenfalls, dass sie sich an Snapes Verwicklung sehr genau erinnert, vermittelt doch Dumbledore durch das Denkarium den Eindruck, dass sie die Prophezeiung ohne Unterbrechung gemacht hat. Trelawneys Erzählung allerdings weicht hier von Dumbledores eindeutig ab. Sie wurden durch den Gastwirt, der mit Snape hineinkam, gestört. Wenn Snape zu diesem Zeitpunkt bereits den Anfang gehört hat, muss Trelawneys Prophezeiung somit unterbrochen worden sein, da wir ausschließen können, dass sich Dumbledore weiterhin ihre Prophezeiung anhören konnte, während Aberforth mit Snape hineinkam und mitteilte, dass dieser gelauscht hat? Hat Trelawney ihre Prophezeiung somit unterbrochen und erst fortsetzt, als Aberforth und Snape wieder weg waren? Dumbledore könnte beide Teile für sein Denkarium zusammengefügt haben, aber eine Unterbrechung würde die Sache unnötig kompliziert machen und wäre nach derzeitigen Infostand dramaturgisch nicht notwendig gewesen. Ebenso wenig wäre es notwendig gewesen, dass Aberforth mit Snape im Zimmer auftaucht. Eine Erklärung wäre natürlich, dass Trelawneys Erinnerung später von jemanden magisch verändert wurde und sich alles anders abgespielt haben könnte. Weiter stellt sich die Frage, warum es Dumbledore in diesem Fall gereicht haben soll, dass der Gastwirt Snape vor die Türe setzt? Mit Blick darauf, dass diese Prophezeiung eindeutig Voldemort betraf, hätte Dumbledore zumindest sicherstellen müssen, dass Snape nichts, was er gehört haben könnte, weitererzählt. Warum hat er nicht einfach vorgegeben, dass er Snapes Aussage mit der verwechselten Türe glaubt, ihm aber auch das Versprechen abgenötigt, niemanden zu erzählen, was Snape gehört hat? Oder war die Prophezeiung bereits beendet, als Aberforth mit Snape das Zimmer betrat und Snape dann hinausgeworfen wurde. Das wiederum bedeutet, dass Snape die ganze Prophezeiung gehört hat. Hat Snape somit selbst entschieden, Lord Voldemort nur den Anfang zu verraten, oder war er über Voldemorts Reaktion so geschockt, dass er einen Teil der Prophezeiung daraufhin für sich behalten hat? Dem widerspricht aber Dumbledores Behauptung, dass der Lauscher nur den Anfang wusste und somit seinen Herrn nicht warnen konnte. Oder hat Dumbledore da etwas bewusst weggelassen? Wurde dagegen die Prophezeiung erst nachher gemacht, setzt das voraus, dass Snape sie entweder nicht mehr gehört haben kann, weil er nicht mehr im „Eberkopf“ war oder dass er noch einmal zurückgekommen ist. In diesem Fall hätten natürlich Spekulationen wie, dass Snape nur auf Wunsch von Dumbledore die Prophezeiung weitergegeben hat, schon damals für beide Seiten gearbeitet hat und Anderes eine Grundlage. Kommen wir nun zu meiner Idee, wie sich das Ganze damals wirklich abgespielt haben könnte? Um 1979 bewirbt sich Trelawney um die Stelle der Lehrerin für Wahrsagen in Hogwarts. Dumbledore, der Schulleiter trifft sich mit ihr im etwas zwielichtigen, aber billigen Gasthaus „Eberkopf“ in Hogsmeade, wo sie übernachtet. Während des Gespräches kommt es zu einer Unterbrechung, als der Gastwirt bemerkt, dass ein anderer Gast, Snape, an der Türe gelauscht hat. Er konfrontiert Dumbledore und Trelawney mit dem Lauscher, der dies allerdings abstreitet und behauptet, sich an der Zimmertüre geirrt zu haben. Bis dahin ist alles aufgrund der Informationen in HP5 und 6 gesichert, was nun folgt, ist meine eigene Vermutung, die immerhin Dumbledores und Trelawneys Darstellung nicht wiedersprechen würde. Snape wurde daraufhin noch nicht hinausgeworfen. Vielleicht hat der Gastwirt auch nur deshalb das Gespräch unterbrochen, um sicherzustellen, dass Snape wirklich nicht mit Dumbledore oder Trelawney sprechen wollte. Am Ende hat der Gastwirt Snape nur mit Dumbledore konfontriert, um sicher zu gehen, dass dieser nichts Wichtiges gehört haben kann. Nachdem klar ist, dass Snape hier nichts zu suchen hat und Dumbledore nur ein harmloses Bewerbungsgespräch führt, verlassen beide das Zimmer, und der Gastwirt schluckt für diesmal Snapes Erklärung. Vielleicht hat er ihn aber auch verwarnt. Nachdem der Gastwirt und Snape weg sind, will Dumbledore das Gespräch zu einem Ende bringen, da fällt Trelawney plötzlich in Trance und macht die Prophezeiung. Snape ist inzwischen wieder zurückgekehrt, und belauscht jetzt den Anfang. Dann wird er erneut vom Gastwirt ertappt, und erst jetzt wirft ihn dieser hinaus, wobei er es nicht mehr für notwendig hält, Trelawney und Dumbledore nochmals zu stören. (Die Ausrede, sich in der Zimmertüre geirrt zu haben, wird er Snape ein zweites Mal sicher nicht geglaubt haben.) Hinzu kommt, dass der Gastwirt bereits durch Snapes erstes Vorfinden an der Türe misstrauisch geworden war. Wenn es der zweite Lauschversuch von Snape war, wirkt das Verhalten des Gastwirtes auch absolut nachvollziehbar und keineswegs unbarmherzig. (Immerhin war es laut Dumbledore eine nasse, kalte Nacht, und somit für Snape sicher nicht angenehm, einfach vor die Türe gesetzt zu werden.) Womöglich hat Dumbledore vom Gastwirt erst nach dem Gespräch erfahren, dass Snape noch einmal gelauscht hat. Wenn der Gastwirt tatsächlich Aberforth ist, wäre es auch möglich, dass ihm Dumbledore nachher von der Prophezeiung erzählt hat, worauf sich der Gastwirt erinnert haben könnte, dass Snape noch ein zweites Mal an der Türe war. Da mag Dumbledore erst begriffen haben, dass es Probleme geben könnte. Vielleicht hat er sich dennoch entschieden abzuwarten. Oder vielleicht hat er zunächst gar nicht angenommen, dass es Probleme geben könnte? Sirius erzählt Harry, Ron und Hermione in HP4, dass niemand sicher gewusst hat, wer ein/e Todesser/in ist? Dumbledore muss daher gar nicht gewusst haben, dass Snape zu diesem Zeitpunkt bereits ein Todesser war. Ich selbst würde es am einleuchtendsten finden, wenn Dumbledore von der Weitergabe der Prophezeiung erst Monate später erfahren hat, und zwar von Snape selbst. Das wiederum würde sich nämlich mit einer weiteren Aussage in HP3 decken. Dort erzählt Fudge in den „Drei Besen“ (HP3, S. 152, Kapitel 10: Die Karte des Rumtreibers bzw. The Marauder's Map), dass die Potters wussten, dass Voldemort hinter ihnen her war, weil einer von Dumbledores Spionen es ihm verraten hatte. Es spricht nichts dagegen, dass Snape dieser Spion war. Dumbledore kann Fudge den Namen des Informanten verschwiegen haben, um diesen zu schützen. Was vielleicht wieder mit ein Grund war, dass Dumbledore es Harry nicht gesagt hat. Die Entscheidung, dass Harry der Junge aus der Prophezeiung ist, wird Voldemort erst getroffen haben, als Harry bereits geboren war. Vorher wäre es für diese Entscheidung zu früh gewesen. Das könnte gut im Herbst 1980 gewesen sein. Und wenn Snape daraufhin zu Dumbledore gegangen ist, würde das auch anderen Aussagen wie, dass Snape längere Zeit als Spion tätig war (HP4, Karkaroffs Deal) nicht widersprechen. Eine Möglichkeit wäre auch, dass Snape die Information über seine Weitergabe der Prophezeiung nicht im Zusammenhang mit seinem „Seitenwechsel“ weitergegeben hat, sondern erst viel später, als er längst für Dumbledore gearbeitet hat und ihm klar war, dass Voldemort Harry und seinen Vater (und vielleicht noch andere) wegen der Prophezeiung ausschalten wollte. V. Offen bleibt die Frage, warum Snape gerade an jenem Tag im „Eberkopf“ war? Dass er dort etwas Wichtiges erfahren würde, konnte er wohl nicht voraussehen. Hatte Snape etwa den Auftrag Dumbledore zu beschatten? Für diese Aufgabe wäre wohl jemand aus Hogwarts sinnvoller gewesen oder jemand, der in Hogsmeade wohnt? Da Snape offensichtlich im „Eberkopf“ übernachten wollte (siehe oben), wird er damals sicher nicht in Hogsmeade gewohnt haben. War Snape etwa auf Trelawney angesetzt? Warum sollte er Interesse an ihr haben? Aber könnte Lord Voldemort vielleicht an ihr interessiert gewesen sein? Daneben stellt sich natürlich noch die Frage, warum Snape gerade zu dieser Zeit einen Job suchte und woher Trelawney das eigentlich wusste? Kannten sich die beiden etwa? (Vielleicht hatten sie sich zufällig am Arbeitsamt kennen gelernt, falls es so etwas in der Magischen Welt überhaupt gibt? „Zwinken“) Dass Snape sich als Lehrer für Wahrsagen bewarb, finde ich etwas seltsam, obwohl die Idee selbst lustig wäre, weil Wahrsagen und Intellektualität einander eher ausschließen würden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Snape sich bereits damals für „Verteidigung gegen die Dunklen Künste“ beworben hat. Immerhin erfahren wir in HP6 von Dumbledore, dass seit Voldemorts Bewerbung keine Lehrkraft mehr als ein Jahr auf diesem Posten geblieben ist. Womöglich hat die Lauschergeschichte vorläufig dafür gesorgt, dass Snape sich dann von Hogwarts ferngehalten hat. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit – könnte sich Snape nicht bereits zu diesem Zeitpunkt und im folgenden Jahr um den Lehrerposten für Verteidigung gegen die Dunklen Künste beworben haben? 2 Jahre später ging Professor Slughorn in Pension, und nun war Dumbledore bereit, Snape eine Chance als Lehrer für Zaubertränke zu geben, zudem er unbedingt als Slughorns Nachfolger eine/n frühere/n Schüler/in des Slytherinhauses brauchte. Ist diese Überlegung richtig, könnte es auch bedeuten, dass Snape und Dumbledore durch die ständigen Bewerbungen von Snape schon länger unauffällig in Kontakt miteinander waren? In diesem Fall könnte der Grund, warum Dumbledore Snape das Fach „Verteidigung gegen die Dunklen Künste“ nicht unterrichten lassen wollte, vielleicht gar nichts mit Snapes Todesser Vergangenheit zu tun gehabt haben, sondern etwas mit seiner Zeit als Schüler in Hogwarts. Den genauen Grund dafür erfahren wir schließlich nicht einmal in HP6. Jedenfalls ist es eindeutig Snape, dem nach derzeitigen Infostand die Schlüsselrolle zufällt, was die Prophezeiung betrifft. Durch die Weitergabe des Anfangsteils an Voldemort hat er den ersten Schritt gemacht, damit die Prophezeiung überhaupt eine Chance hatte, in Erfüllung zu gehen. Finite Anmerkung: Im Forum „Severus Snape Society“ wurde seinerzeit unabhängig von meinem Artikel von der DameDesDenkariums ein Diskussionsthread eröffnet. Dort finden sich die wesentlichen Zitate in deutscher Übersetzung. Der Link lautet: http://www.foren.de/system/thread-synopselauschersnape-hermione7-715595-2304390.html[/i] [Dieser Beitrag wurde am 01.06.2007 - 17:31 von Ermione aktualisiert] Signatur "Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht." (Kurt Tucholsky) http://de.geocities.com/ermione13/index.htm | |||||
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