derchefderII  Läufer
 

Status: Offline Registriert seit: 15.01.2006 Beiträge: 32 Nachricht senden | Erstellt am 22.12.2008 - 11:17 |  |
Löberitz war uns bisher ein doppelt lieber Kontrahent:
Einerseits mit durchwegs angenehmen Charakteren besetzt, andererseits ein - mit Blick auf die Wertzahlen - ohne erfindlichen Grund treuer Punktelieferant. Wir haben bisher nur einmal gegen sie verloren und da traten wir mit 6 Mann an ....
Das diese Serie nicht ewig halten kann war klar und vor allem bei einem Blick auf unsere Aufstellung.
So möchte ich gleich vorweg nehmen, das das Ganze glatt und in der Summe chancenlos ablief.
Zu den Partien:
Proehl,Holger ½ : ½ Weitzer,Steffen
Eine klasse Kampfpartie. Steffen schwammen schon zeitig die "strategischen Felle" davon und er stand eigentlich auf Verlust. Er musste (?) schon eine Qualle opfern, um die Stellung zu verkomplizieren und vor allem am Königsflügel zu Angriff zu kommen. Tatsächlich wurde die Kompensation immer greifbarer und die Partie gipfelte in einer haarsträbenden Zeitnot-Blitzschlacht in der tatsächlich im 40-sten Zug der einzügige (Figuren-) Gewinn für Steffen ging.
Im Endspiel hatte er noch einen Bauern mehr, aber das Meteriel war einfach zu limitiert um noch echte Gewinnchancen zu haben. Steffen probierte noch einiges aber schlussendlich einigten sich beide auf Remis.
Braun,Gottfried ½ : ½ Schuetze,Norman
Gottfried kam aufgrund seiner phänomenalen Eröffnungsvorbereitungen im c3-Sizi sehr gut aus der Eröffnung und entwickelte einigen Druck. Norman hatte alle Hände voll zu tun, die jeweiligen Drohungen zu beherrschen. Es müssen dann ein, zwei nicht ungenaue Züge gefolgt sein, denn Norman hatte plötzlich Gelegenheit, selbst Initiative zu entfalten. Vielleicht gab die Stellung von Gottfried auch nicht mehr her. So ging im Leichtfigurenendspiel ein Bauer verloren.
Aber ähnlich wie bei Steffen waren die beiden Bauern von Norman auf die Flügel verteilt, sodass Gottfried mit der Belagerung des einen und der Drohung des Figurenopfers gegen den anderen das Remis sichern konnte.
Schuster,Martin ½ : ½ Limpert,Michael
Gerade mit Schwarz sah ich in den letzten Jahren gegen die Löberitzer richtig schlecht aus. Martin drückte mich vor zwei Jahren in einem Endspiel auf Zeit aus (was ich ausdrücklich nicht auf die unsportliche Schiene setzten möchte, da die Gewinnedeen für Ihn absolut konkret waren) und gegen Harald lief im letzten Jahr die Partie völlig an mir vorbei).
Da ich mich auf beide vorbereiten musste war ich nicht unbedingt optimistisch.
Es kam nach e4 Caro-Kann auf das Brett und da Martin selber c6-Spieler ist versuchte ich eine relativ exotische Variante auf das Brett zu bringen. Tatsächlich steckte er erst einmal eine Menge Zeit in die Stellung, fand aber starke Entwicklungen am Brett. So blieb ihm mit Sicherheit Vorteil und das Mittelspiel fand durch einigermaßen forcierte Abwicklungen quasi nicht statt. Ich fand glücklicherweise in der kritischen Stellung - bei langsam kritisch werdender Zeit - einen starken Verteidigungszug und in der weiteren Entwicklung entstand unter Abtausch der Könige ein Turmendspiel mit Einzelmehrbauern für Martin. Sein Turm steht aber passiv vor dem Bauern, so dass die Partie trotz einiger greifbaren Ideen nicht mehr zu gewinnen war.
Greger,Ubald 0 : 1 Matthey,Harald
Harald scheinet nach einer schwächeren vorletzten Saison nach dem letzten Jahr wieder zu alter Stärke aufzulaufen.
Er bespielte Ubalds etwas passiven Aufbau recht aggressiv, sodass Ubald schnell Verteidigungsstrategien entwickeln musste. Die Vereinfachungen brachten trotz der strategischen Zugeständnisse einige Entlastung und Initiative. Ubald gewann in zweischneidiger Stellung einen Bauern, hatte aber schon sehr wenig Zeit. So übersah er im Bemühen schnell zu spielen eine entscheidende Drohung nach der er Haus und Hof opfern musste, um nicht sofort Matt zu werden. Tragischerweise ging für Ihn in der kritischen Stellung eine relativ einfache Riposte, welche in den Analysen sogar Vorteil brachte. Diesen über die Zeitnot zu retten, wäre aber in der komplizierten Stellung ein echtes Kunststück gewesen.
Die Partien an den Brettern 5 - 7 liefen vergleichsweise unspektakulär ab, vielleicht ist das aber auch ein falscher subjektiver Eindruck. Jedenfalls hatte ich bei den Brettern nie den Eindruck, dass hier für irgendeine Seite ein voller Punkt herauskommt.
Schindler,Christian ½ : ½ Dobierzin,Olaf
Olaf musste nach der Eröffnung schon einigen Druck aushalten bzw. durch Abwicklungen / Vereinfachungen abbauen. Das gelang ihm aber, sicherlich weil Christian auch sehr auf Sicherheit bedacht war. So konnte er zwar im Endspiel einen Bauern gewinnen, aber der verbleibende Randbauer im Springerendspiel hatte nicht wirklich eine Chance.
Sonntag,Hermann ½ : ½ Bilawer,Andreas
Andreas ist für seine z.T. skurrilen, aber in jedem Fall meist sehr agressiven Eröffnungen bekannt.
Daher hatte Herrmann mit seiner Abtauschvariante im Aljechin schon mal viel Gift rausgenommen. Das ganze entwickelte sich auch in der Folge nicht mehr dramatisch, obwohl zum Endspiel hin wohl eher Herrmann Probleme lösen musste. Dies tat er aber ohne Probleme, sodass das Ergebnis schlussendlich logisch war.
Mertens,Pauline ½ : ½ Gerhardt,Dirk
Pauline hat in den vergangenen Saisonen auch schon einige böse Niederlagen erleiden müssen, so war ihre sehr sicherheitsbetonte Spielanlage verständlich. Dirk hatte eigentlich keine Probleme, spielte dann nur -m.E.- etwas umständlich. Irgendwie kam er doch wieder initiative und einen Bauern, aber das wenige Material und der etwas passive König machte keine Hoffnung auf einen Punkt.
Gempe,Anet 0 : 1 Schaefer,Reyk
Erst einmal ein ergebnisunabhängiges Lob an Anet. Sie kam mit den sprichwörtlichen 40° Fieber und wirklich mit dem Kopf unter dem Arm an und musste fast die längste Partie ertragen. Das Bauernopfer in der Eröffnung war da sicherlich ein Versuch "Alles oder nichts", das ganze verpuffte aber ohne Kompensation. So schleppte sich das Ganze vom Mittel- in das Endspiel.
Als dann der zweite Bauer weg ging und Anet auch noch gegen ein verbundenes Freibauernpaar spielen musste, war das ganze nur noch eine Frage der Technik und davon hat ja Reyk genug.
Insgesamt eine klare Sache, wir haben den Vergleich im Ober- und Unterhaus verloren. So bleibt mir nur, den Löberitzern weiterhin viel Erfolg (vor allem in den Begegnungen gegen unsere Mit-Abstiegs-Konkurrenz)zu wünschen. Und wir müssen einfach wieder mal auf die Stammaufstellung hoffen.
Signatur Man hat vom Schach gesagt, dass das Leben nicht lang genug dazu ist, -
aber das ist ein Fehler des Lebens, nicht des Schachs. - Christian Morgenstern |