bevly  Schreiberling
    

Status: Offline Registriert seit: 30.12.2006 Beiträge: 342 Nachricht senden | Erstellt am 28.07.2007 - 15:37 |  |
Diese Geschichte habe ich als Reli-Hausaufgabe zu dem Spruch aus dem Alten Testament „Wie du mir, so ich dir“ geschrieben. ^^ Das war vor vielleicht einem halben Jahr. Ich habe sie endliche einmal abgetippt und etwas überarbeitet.
Mir gefiel sie damals sehr gut, auch wenn ich sie nicht vorlesen durfte. 
Ich mag sie übrigens immer noch. 
Manchen werden vielleicht Parallelen zu einem Film auffallen. Ja, meine Inspirationsquelle war Quentin Tarantino's „Kill Bill“.
Ich weiß, sie ist ziemlich kurz.
Kommentare sind wie immer mehr als erwünscht. ^^
Have Fun!
Es war eine milde Sommernacht. Die Schöne stand vor dem eindrucksvollen Tor der Villa im römischen Stil. Ihre braunen Locken bewegten sich in einer leichten Brise.
Durch die Streben des Tors starrte sie hinauf zu den erleuchteten Augen der Fenster. Hinter einem Vorhang küssten sich, wie in einem Schattenspiel, zwei Menschen.
Die Schöne ballte ihre Hand zur Faust, während sie zusah, wie der Mann dort ihr zum zweiten Mal das Herz entzweiriss. Bei der ersten Gelegenheit sogar beinahe wortwörtlich: Eine Kugel in die Brust, gesplitterte Rippen; eigentlich tödlich.
Im Krankenhaus hatte man sie wiederbelebt. Man hatte ihr ein neues Organ eingepflanzt und so ihre Existenz erhalten.
Die Schöne hatte gedacht, dass er ihr das Herz besorgt hätte. An dieser Vorstellung hatte sie sich festgeklammert, all die Jahre lang. Bis sie ihn fand. Doch scheinbar war dem nicht so. Sonst würde er nicht die andere küssen.
Und selbst wenn, so hatte er das falsche Herz ausgesucht. Denn dieses war eiskalt.
Geschickt kletterte sie am Tor empor und schwang sich hinüber. Dann eilte sie, sich außerhalb der Lichtkegel haltend, welche die Scheinwerfer warfen, geduckt zur Hauswand. Sie befand sich nun direkt unter dem Fenster, hinter dessen rotem Vorhang sich zwei Menschen liebten. Die Schöne lachte trocken und lautlos. Ja, sollte er sich nur vergnügen, es würde sein letztes Mal sein.
Mit zusammengebissenen Zähnen begann sie den Aufstieg an der stuckverzierten Fassade. Ihre Finger ergriffen das Fensterbrett und sie zog ihren Oberkörper empor. Durch einen kleinen Spalt im Vorhang sah sie die Frau lachend aus dem Zimmer gehen. Ihre Lippen formten die Worte „Ich bin gleich wieder da“; durch die Scheibe konnte man sie nicht hören.
Die Schöne blickte zum Bett. Darauf lag er, so, wie Gott ihn geschaffen hatte, und zog an einer Zigarette.
Sie schwang sich auf das Fensterbrett, holte mit der Faust aus und zerschlug die Scheibe. Der Schmerz in ihrer Hand erreichte sie nicht. Mit einem Sprung landete sie im Zimmer.
Der Mann starrte sie einen Moment lang nur an. Dann lächelte er kaum merklich.
„Schatz, ist etwas?“, rief die fremde Frau aus einem anderen Zimmer.
„Nein“, antwortete er laut und wandte sich dann mit gesenkter Stimme an die Schöne. „Du bist also da.“
„Ja.“
Sie richtete den schwarzen lauf der Pistole auf ihn. Er lächelte immer noch.
„Du bist so hübsch wie immer.“
Sie ging nicht darauf ein. „Eine Blondine?“, fragte sie skeptisch mit einer Kopfbewegung in Richtung Tür.
„Zerstreuung, mehr nicht.“
Schweigen erfüllte den Raum.
„Du kannst mir nichts tun“, sagte er plötzlich, „Das konntest du noch nie.“
„Ach“, in der einen Silbe schien viel mehr zu hängen.
„Du liebst mich.“
„Ja“, sagte sie.
„Also leg die Waffe weg.“
Sie sah ihn nur an, doch ihr Blick sagte alles. Darin hingen all der Schmerz und all die Wut der letzten Jahre. Und noch etwas. Etwas Kaltes. Hass.
„Wie du mir, so ich dir“, hauchte die Schöne.
Und drückte ab.
[Dieser Beitrag wurde am 28.07.2007 - 18:17 von bevly aktualisiert]
Signatur „Why didn't you bring me shoes?“
„You don't need schoes.“
„My feet are bleeding!“
***
Why so serious? |