Minotaurus  Hausherr und Gastgeber
    

Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1548 Nachricht senden | Erstellt am 17.05.2007 - 18:22 |  |
Hallo zusammen,
am Donnerstag, den 24. Mai 2007 findet im berühmten Scharfrichterhaus in Passau der Poetry-Slam statt.
Das ist ein Wettbewerb, in dem es darum geht, mit ein einem kurzen Text das Publikum zu begeistern und zu Klatschorgien zu animieren.
Der Sieger wird nach dem stärksten Applaus ermittelt und erhält als Preis eine Flasche Whisky.
Da meine Whiskyvorräte bedenklich zur Neige gehen, habe ich mich dort zu einer Lesung einer meiner Satiren angemeldet. Es bleibt mir also gar nichts anderes übrig, als diesen ersten Preis zu gewinnen.
Wer von euch daran interessiert ist, der darf ruhig mitkommen, den Whisky versaufen wir dann gemeinsam.
Dazu eine kurze Erklärung zum Scharfrichterhaus:
"Das Scharfrichter" ist die Bühne, aus der fast alle aktuellen Comedians, Humoristen, Gotteslästerer und Satiriker hervorgegangen sind, die derzeit in Bayern (und nicht nur dort) bekannt sind.
Wer es geschafft hat, sich "im Scharfrichter" zu profilieren, dem stehen viele Möglichkeiten in dieser Richtung offen. Die Namen Bruno Jonas, Sigi Zimmerschied, Ottfried Fischer, Günter Grünwald und Django Asül dürften sicher hinreichend bekannt sein?
Es geht also um wesentlich mehr als "nur" um eine Flasche Whiskey.
Für die ersten 10 Poeten gibt es freien Eintritt und ein Freigetränk, sowie den Ruhm und die Ehre, einen eigenen Text vor einem anspruchsvollen Publikum zu präsentieren.
Jeder Leser hat maximal 10 Minuten Zeit, das Publikum auf seine Seite zu ziehen, die Reihenfolge der Vorleser wird per Los bestimmt.
Beim Poetry-Slam gibt es nur drei Regeln:
- Die Texte müssen vom Vortragenden selbst verfaßt sein.
- Es dürfen - außer dem Mikrofon - keine weiteren Hilfsmittel verwendet werden.
- Die Darbietung darf nicht überwiegend aus Gesang bestehen.
(das ist gut, ich kann nämlich gar nicht singen, hähä)
Reservierungen für Karten und Plätze sind grundsätzlich nicht möglich. Pro Person können maximal zwei Karten gekauft werden.
Also denkt daran: Der Mino ist diesmal dabei!
[Dieser Beitrag wurde am 26.05.2007 - 04:23 von Minotaurus aktualisiert]
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Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke.
(Marcel Reich-Ranicki) |
Minotaurus  Hausherr und Gastgeber
    

Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1548 Nachricht senden | Erstellt am 26.05.2007 - 03:59 |  |
Bericht vom Poetry Slam in Passau am 24.05.2007 im Scharfrichterhaus.
Der Einlaß ist um 19:00 Uhr. Ich bin mit Elfi, meiner „Muse“ angereist, die mich maßgeblich zu dieser Teilnahme animiert hatte. Obwohl ich schon länger mit dem Gedanken gespielt hatte, endlich einmal an der berühmten Scharfrichter-Bühne aufzutreten, hätte ich es ohne sie wahrscheinlich nie geschafft, mich dort zu bewerben. Zu groß war mein Respekt vor dieser Institution, die nicht nur in Passau oder in Bayern, sondern in ganz Deutschland einen ausgezeichneten Ruf als Kabarettbühne ersten Ranges genießt.
Zwar schreibe ich bereits seit vielen Jahren Kurzgeschichten überwiegend satirischer Art, aber ich habe bisher noch nie eine meiner Geschichten öffentlich vorgetragen. Es ist ein ziemlich großer Unterschied, ob man „nur“ schreibt, oder seine Texte auch vor einem anspruchsvollen Publikum vortragen sollte.
In meiner Küche haben wir geprobt und Elfi hat mir geduldig zugehört, mich kritisiert und verbessert und schließlich gemeint, es wäre wesentlich authentischer und stimmiger, wenn ich meine Geschichten nicht in Hochdeutsch, sondern in bairischer Mundart vortragen würde. Und das, obwohl sie als Oberfränkin kaum Bairisch spricht, obwohl Franken schon seit Napoleons Zeiten zu Bayern gehört (Beutebayern).
Bei uns in Altbayern gibt es eben den Spruch: „Man muß Gott für alles danken, für Ober-, Unter- und auch...“
Aber gut, vergessen wir´s. 
Vermutlich wollte sie mir eh nur durch die Blume mitteilen, daß mein Hochdeutsch eben hundsmieserabel sei. Oder wie der Schwabe sagen würde: „Mir kennet älles – auß´r Hochdeijtsch!“
Mehrmals mußte ich deshalb meine bereits fertigen Geschichten in Art und Duktus, in Stil, Satzbau und Wortlaut so umschreiben, daß ich sie schließlich in bairischer Mundart vortragen konnte. Bei dieser Arbeit bemerkt man sehr deutlich, daß Bairisch mit Hochdeutsch nur sehr wenig gemeinsam hat.
Wer´s nicht glaubt, hier der Beweis:
http://bar.wikipedia.org/wiki/Hauptsaitn
Jedem Lektor wären vermutlich bei dieser „Bühnenversion“ meiner Geschichten die Schlagadern geplatzt und die Haare so zu Berge gestanden, daß der bekannte Kabarettist Urban Priol sich daneben nur wie ein Waisenknabe ausgenommen hätte. Aber schließlich sollte diese Bühnenversion ja keinem kleinlichen Lektor, sondern einem (hoffentlich?) bayrischen Publikum vorgesetzt werden.
Aber diese Arbeit ist längst erledigt, die Probelesungen und die Zeitnahme durchgeführt, ich habe mich zum Poetry-Slam angemeldet und wir sind heute zusammen nach Passau gefahren.
Der Eintritt für Gäste beträgt nur 6,- Euro, Slam-Leser dagegen erhalten freien Eintritt und ein Freigetränk ihrer Wahl. Es sind 12 Poeten vorgemerkt, die in zwei Gruppen auftreten, die Reihenfolge bestimmt das Los.
Als Vorleser bekomme ich einen Stempel auf den Handrücken gedrückt mit dem Text: „überaus wichtig!“ und sogleich fühle ich mich überaus wichtig.
Ja, ICH werde heute den ersten Preis und somit die Flasche Whisky gewinnen, davon bin ich ganz fest überzeugt. Was so ein Stempel gleich ausmacht.
Das Lokal ist gut gefüllt mit ca. 100 Gästen inklusive den 12 Poeten und den Veranstaltern. Es sind überwiegend sehr junge Leute im Lokal, das Durchschnittsalter dürfte wohl ca. 25 Jahre betragen. Nach dem Dichter und Autoren Paul Uhl - also dem Vorsitzenden des Poetenkreises der Dreiflüsseschreiber aus Passau - bin ich somit der älteste Teilnehmer beim Slam und wahrscheinlich sogar der älteste Gast im Raum.
Die beiden Veranstalter Anna Kistner und Christoph Wertmann kümmern sich sehr aufmerksam um ihre Gäste. Es sind zwei überaus nette, junge Leute, die diesen Job aus Spaß an der Freude machen, das ist ihnen deutlich anzusehen.
Alte Bekannte werden begrüßt, aber auch für neue Gesichter finden sie die Zeit für ein paar nette Worte und ein kleines Schwätzchen. Anna und Christoph setzen sich auch kurz an unseren Tisch, um den Neulingen den genauen Ablauf nochmal zu erklären und eventuelle Fragen zu beantworten.
Es ist eine sehr familiäre Atmosphäre, die den großen Erwartungsdruck und somit das Lampenfieber deutlich senkt. Ein bißchen Chaos gehört natürlich auch mit dazu. Kein Wunder bei diesem großen Andrang.
Trotzdem: Das ist viel angenehmer als eine kühle und bis ins Detail ausgetüftelte Organisation eines professionellen Konzertmanagers.
Es ist aber noch etwas Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung und diese Zeit nutze ich, um mich hier in diesen alten Gemäuern ein wenig umzusehen.
Das Lokal ist im alten Stadtgefängnis von Passau eingerichtet. Es verfügt über mehrere Räume mit einem herrlichen Gewölbe und Natursteinboden und eine gemütliche, rustikale Einrichtung, bestehend aus Bistrotischen und bequemen Stühlen, bzw. Bänken. Auch mehrere bequeme Kanapees stehen den Gästen als Sitzgelegenheit zur Verfügung. Es ist urgemütlich.
Das Lokal hat noch mehrere Nebenräume im Obergeschoß, sowie einen kleinen Biergarten und ein kleines Kino. Die bodenständige Küche des Scharfrichterhauses hat einen guten Ruf in Passau und in der gesamten Region.
Ebenso in dieser Tradition steht das benachbarte Bio-Wirtshaus „Zum Grünen Baum“ meines ehemaligen Schulkameraden „Charly“, Karl Fliegerbauer, das bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Aber dies nur nebenbei.
Das nette und freundliche Personal „im Scharfrichter“ ist sehr bemüht, jeden Gast zu seiner Zufriedenheit zu bedienen und es ist ganz erstaunlich, wie sie mit den großen Tabletts und den vielen Getränken flink den Weg durch das Getümmel finden.
Die Preise sind zivil, das Essen gut und die Portionen reichhaltig. Was will man mehr?
Hier kann man auch einen netten Nachmittag oder Abend verbringen, wenn mal gerade nichts auf der Bühne geboten wird. Allein die hervorragende Küche und das urige Ambiente ist es wert.
Die vorderen Tische an der Bühne sind für die Leser des heutigen Abends und ihre Begleitung reserviert. Das ist sehr angenehm, denn auf diese Art kommt man ganz zwanglos mit anderen Mitbewerbern ins Gespräch, die sich bereits länger kennen. Manche von ihnen sind sogar richtige „Touries“, die keinen einzigen Poetry-Slam auslassen, ganz egal, in welcher Stadt er gerade stattfindet.
Mir bietet sich dabei die Gelegenheit, mich ein wenig mit dem Dichter Paul Uhl und mit dem TV-Redakteur und Cutter Wolf Hogekamp zu unterhalten, der mir bei dieser Gelegenheit noch einige kleine Tips mit auf den Weg gibt.
Wolf Hogekamp kann als der Mitbegründer des Poetry-Slams angesehen werden, der erstmals vor 10 Jahren in Berlin stattfand und somit heuer sein zehnjähriges Jubiläum feiert.
http://www.zum.de/wiki/index.php/Poetry_Slam
Dazu eine kleine Erklärung:
"Der Poetry Slam ist eine ursprünglich in Amerika entwickelte Form des regelmäßigen, für alle offenen Lesewettbewerbs, bei welchem sich Autoren mit eigenen Texten vor einem Publikum und einer gewählten Jury "bewähren" müssen. Dieses kürt schließlich die besten Gedichte und Kurzgeschichten der Veranstaltung und einen Sieger. Literarische Vorläufer sind DaDa, Beat Generation und die Spoken-Word-Poesie afro-amerikanischer Dichter und Rapper. Auf den lokalen Slambühnen haben Laien ebenso wie Profis die Chance, ihr Können zu zeigen. Rap und Spoken-Word-Poetry stehen neben Kurzgeschichten, Lyrik sowie Comedy."(www.slam2005.de)
http://de.wikipedia.org/wiki/Poetry_Slam
Wolf Hogekamp lebt in Berlin-Kreuzberg. Anfang der 90er Jahre war er einer der ersten Slam Poeten in Deutschland. - Seitdem ist er Slam-Master des Berliner Poetry Slams in verschiedenen Clubs. (Ex ´n Pop, Tresor, Maria, Bastard)
Wolf Hogekamp ist außerdem Webmaster von www.spokenwordberlin.net . Er entwickelte für seine Performance eine Verdichtung von Alltagssprache und Rhythmik.
Hogekamp führte nicht nur die Slam Poetry in die deutsche Lyrikszene ein, sondern veranstaltete auch den ersten "German National Poetry Slam 1997".
Seit 2000 arbeitet er gemeinsam mit Bas Böttcher verstärkt am Poetry Clip Format. Einige seiner Poetry Clips liefen bereits erfolgreich auf internationalen Film-Festivals.
http://www.spokenwordberlin.net
"Ein Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb. Es geht darum, eigene Texte innerhalb eines Zeitlimits vor Publikum vorzutragen. Bewertet werden sowohl Inhalt als auch Vortragsweise der Texte."
http://www.poetryslam.de/ poetryslam.de - Das Netzwerk für Slam- & Performance-Poesie im deutschsprachigen Raum
Es handelt sich also keineswegs um eine dieser stinklangweiligen Dichter- oder Autorenlesungen, wie man sie seit vielen Jahren bei uns in Deutschland kennt und die – neben dem Vorleser natürlich - hauptsächlich aus einem Tisch, einem Stuhl und dem obligatorischen Glas Wasser bestehen.
Mit so etwas läßt sich heutzutage kein Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken.
Hier dagegen geht es - neben einem guten Text - auch um die Darstellung des Autors.
Und es gibt Whisky statt Wasser!
Die Unterhaltung ist sehr interessant und gegen 21:00 Uhr beginnt der Wettbewerb.
Es werden zwei Gruppen mit je einem Einzelsieger bestimmt, die dann im Finale gegeneinander antreten müssen, um in einer Stichwahl den Gewinner der Flasche Whisky – also mich - zu ermitteln.
Abgestimmt wird diesmal nicht – wie vorher angekündigt – durch das Messen des Schallpegels beim Applaus, sondern durch Auszählen von Stimmkarten, die jeder Gast beim Eintritt erhalten hat. Dadurch sollte ein ehrlicheres Meßergebnis zustande kommen, gleichzeitig aber der wohlverdiente Applaus der anderen Poeten nicht geschmälert werden.
Eine sehr gute Idee.
Zunächst aber muß das Publikum in Stimmung, also „auf Temperatur“ gebracht werden. Als „Anheizer“ fungiert das Urgestein des Poetry-Slams Wolf Hogekamp. Er ist dazu extra aus Berlin angereist und er trägt einige kürzere Gedichte im Rap-Stil vor. Danach folgt Paul Uhl mit einem bayrischen Mundartgedicht über Linksverkehr im Urlaub und danach die anderen Vorleser in der Reihenfolge wie sie ausgelost werden.
Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich hatte schon befürchtet, möglicherweise einen der ersten Plätze oder gar den ersten zu erwischen. Ich bin aber erst in der zweiten Gruppe gleich nach der Pause an der Reihe und natürlich ist noch ein guter Rest von Lampenfieber übriggeblieben. Diesen Rest versuche ich mit einem hochprozentigen Medikament zu bekämpfen und was würde sich dafür besser eignen, als... naaa?
Richtig geraten! Es ist natürlich ein „Kleiner Feigling“, also ein Wodka-Feigen-Likör, der angeblich genau in solchen Situationen Wunder wirken sollte. „nomen est omen“, würde der Lateiner sagen und der Kleine Feigling wirkt.
Natürlich habe ich mehrere Texte in der Tasche, die ich so umgeschrieben habe, daß ich sie in bayrischer Mundart vortragen kann, aber ich habe mich für die Geschichte über eine ganz unerwartete Wertsteigerung entschlossen. Es ist ein Prosatext, Gedichte mag ich nämlich nicht. Der dürfte möglicherweise auch bei einem jüngeren Publikum noch gut ankommen, besser vielleicht als meine beiden anderen Satiren über Heimatdichter und sonstige „Poeten.“
Wir werden sehen.
Christoph, der Veranstalter kündigt mich als „Frischfleisch“ an, also als einen Leser, der zum ersten Mal beim Poetry-Slam einen Text vorträgt und mit einem Vorschußapplaus betrete ich die Bühne, richte mir das Mikrophon zurecht und beginne, meinen Text vorzutragen.
Mein Lampenfieber ist jetzt nahezu völlig verschwunden, die Scheinwerfer auf der Bühne blenden mich allerdings so, daß ich das Publikum vor mir nicht sehen kann. Aber da mein Text mit Zwischenfragen an das Publikum dieses mit einbezieht, ist es etwas schwierig, die einzelnen Reaktionen zu erkennen.
Nun, wer weiß, wofür das gut ist. 
Ohne größere Stockungen oder Versprecher gelingt es mir, die Geschichte über die Geheimnisse der freien Marktwirtschaft flüssig vorzutragen und mit einer Zeit von ca. 8 Minuten liege ich durchaus gut im vorgegebenen Zeitlimit von 10 Minuten.
Der anschließende Applaus ist größer, als ich eigentlich erwartet hatte, aber ich müßte lügen, würde ich behaupten, daß mir das unangenehm wäre.
Eigentlich hatte ich anfangs vorgehabt, zum Schluß noch einen kleinen Hinweis auf meine mitgebrachte Sammlung von boshaften Texten anzufügen, aber dann lasse ich es bleiben. Irgendwie habe ich das Gefühl, dieser Hinweis würde jetzt nicht hierher passen. Schließlich sollte es ein Wettbewerb und keine Verkaufsveranstaltung werden.
Im Anschluß bieten die restlichen Mitbewerber ihre mitgebrachten Texte dem Publikum dar, die meisten von ihnen sehr professionell mit einer gut einstudierten Bühnenshow.
Der Gewinner des heutigen Abends ist jedoch ein junger Österreicher Namens Markus Köhle aus Wien, der in Innsbruck eine eigene Kleinkunstbühne betreibt. Der Mann ist ein Phänomen, völlig ohne Hilfsmittel oder Spickzettel trägt er in einer ganz beeindruckenden Performance einen längeren Text vor, an dem er – nach eigenem Bekunden – anderthalb Jahre gefeilt hat.
Dieser Text handelt von einem Doktor Theo Danone aus Tirol und besteht ausschließlich aus Worten, die alle mit „D“ oder „T“ beginnen. Einfach Herrlich! Das Publikum brüllt vor Lachen, ebenso wie ich.
Hier der Link zum Text:
http://www.freitag.de/2006/03/06032002.php
Als zweiten Text hat er ein feuriges Liebesgedicht, das er voller Inbrunst vorträgt, natürlich ebenfalls „freihändig.“
Meine Enttäuschung hält sich also in sehr bescheidenen Grenzen. Der Typ ist einfach viel, viel besser als ich, er hat den Preis mehr als verdient.
Hier eine kurze Vorstellung:
Markus Köhle schreibt und liest wann und wo immer er kann, lebt, liebt und arbeitet in Tirol und Wien und fährt gerne Zug.
Er studierte in Innsbruck und Rom Germanistik und Romanistik, unterrichtete in Tunis Deutsch als Fremdsprache, ist Moderator und Organisator des Bierstindl Poetry Slams in Innsbruck, Projektassistent an der Uni eben dort und schreibt seit geraumer Zeit um sein Leben und an der Dissertation zum Thema Literarisches Leben in Tirol.
Markus Köhle ist schlagzeugspielender und wortewirbelnder Teil des musikalisch-literarischen Duos Abendroth (Jörg Zemmer stellt die andere Hälfte dar), er klopft die Sprache auf ihren Rhythmus ab, pflügt Wortfelder und legt sich gerne formal strenge Texterstellungskorsette an. Als Poetry Slam Routinier ist Performance eine wesentliche Komponente im Auftrittskontext. Neben kurzen, spritzigen, gattungskreuzenden Texten ist prosatechnisch momentan die Mittelstrecke seine bevorzugte Distanz, wobei nicht verschwiegen werden sollte, dass das Marathontraining längst begonnen wurde.
Er schreibt, um gehört zu werden.
http://www.autohr.at/
Natürlich wird die gewonnene Flasche Whisky gleich auf der Bühne geköpft, ein Tablett Gläser gebracht und Markus, der Sieger des heutigen Abends, lädt alle seine Mitbewerber ein, mit ihm anzustoßen.
Daß man mir das nicht zweimal sagen muß, dürfte klar sein, denn schließlich war dieser Whisky der Anlaß, heute Abend überhaupt hierzusein.
Daß nicht ich, sondern Markus der Sieger war, ist dabei fast unerheblich. Gegen ihn zu verlieren ist keine Schande, zumindest empfinde ich es nicht so.
Aber auch einige andere Mitstreiter hatten eine ganz beeindruckende Performance abgeliefert, die deutlich besser war als meine eigene.
Hmmm, da muß ich wohl nochmal ran?
Bei dem Whisky handelt es sich natürlich nicht um irgendeinen billigen Fusel aus dem Supermarkt, sondern um eine Flasche besten Glenfiddich Single Malt aus den schottischen Highlands, der zunächst 12 Jahre im Faß und danach in einer noblen Alubox reifen durfte, um sein sagenhaft mildes Aroma zu erhalten.
Auch hier ein entsprechender Link dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Glenfiddich
Es ist bereits lange nach Mitternacht, als ich - mit meiner Muse und einem leichten Schwips - das Lokal verlasse und wir uns auf den Heimweg machen.
Es war eine überaus beeindruckende Erfahrung und ich werde ganz sicher beim nächsten Poetry-Slam im Passauer Scharfrichterhaus wieder mit dabei sein.
An dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank an meine Muse Elfi, die tollen Veranstalter Anna Kistner und Christoph Wertmann, die beiden netten Ratgeber Wolf Hogekamp und Paul Uhl und natürlich an den Gewinner Markus Köhle!
Beste Grüße vom Mino 
Nachtrag:
Falls von dieser Veranstaltung ein Podcast im Internet veröffentlicht wird, so werde ich den Link dazu selbstverständlich noch hier einfügen.
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[Dieser Beitrag wurde am 26.05.2007 - 13:50 von Minotaurus aktualisiert]
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Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke.
(Marcel Reich-Ranicki) |