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Johannes 



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...   Erstellt am 18.09.2006 - 14:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Titel?

Manche Menschen sind für die Geschichte so bedeutend, dass ganze Epochen nach ihnen benannt werden. So wird im französischsprachigen Raum das 18. Jahrhundert, die Zeit der Aufklärung, gemeinhin als „siècle de Voltaire“ bezeichnet. Doch wer war Voltaire, und wie dachte er eigentlich?

Samuel Weber

1694 als François-Marie Arouet in Paris geboren, verbringt Voltaire seine Schulzeit in einem Jesuitenkolleg und veröffentlicht danach eine Neufassung des griechischen Dramas Ödipus sowie einige Gedichte. Während eines England-Aufenthalts entdeckt er die Liebe zur Philosophie. Er trifft in Grossbritannien unter anderem Berkeley, sein Hauptinteresse gilt jedoch den Schriften Lockes und Newtons, die ihn von nun an prägen werden.
In einem von Konflikten zwischen den verschiedenen christlichen Religionsgruppierungen geprägten Frankreich ruft Voltaire immer wieder, aber am deutlichsten mit seinem Traité sur la tolérance, zu Toleranz und gegenseitiger Akzeptanz auf. Obwohl selbst von der Existenz Gottes überzeugt, wird Voltaire nie müde, die Arroganz der Katholischen Kirche und deren Vorgehen gegen die Hugenotten anzuprangern. Sein Einsatz für Meinungs- und Gewissensfreiheit muss er selbst oft mit Unfreiheit in Form von Haftstrafen, Verfolgung und Bedrohung bezahlen, so dass er sich 1760 in der Nähe von Genf niederlässt und erst kurz vor seinem Tod 1778 nach Paris zurückkehrt.

Voltaire gilt als Philosoph im französischen Sinne, was bedeutet, dass er seine Philosophie grösstenteils in belletristischer Form verbreitete. Neben dem bereits erwähnten Traité de la tolérance, den Lettres philosophiques und dem Dictionnaire philosophique zählt sicherlich die philosophische Erzählung (conte philosopique) Candide aus dem Jahr 1759 zu Voltaires Hauptwerken.
Candide, ein unehelicher Cousin eines reichen Barons in Deutschland, wird aus seinem irdischen Paradies vertrieben, nachdem er sich in die Tochter des Barons, die schöne Cunegonde, verliebt hat. Auf einer daraufhin folgenden Abenteuerreise schickt Voltaire seinen Helden an die Brennpunkte des damaligen Geschehens: Candide wird von der bulgarischen Armee zwangsrekrutiert, gerät in die Fänge der Inquisition, wird Zeuge der Arroganz der Jesuiten sowie des Sklavenhandels in Südamerika, bis er sich zu allem Unheil auch noch mit Syphilis infiziert. Voltaire beschreibt auf höchst ironische, fast sarkastische Art und Weise, wie der Protagonist trotz aller Grausamkeiten seinen Optimismus, den er von seinem Privatlehrer Pangloss gelehrt bekommen hat, nie verliert. In erster Linie kann die Geschichte Candides als Parodie der damals verbreiteten Abenteurerromane betrachtet werden, andererseits beweist Voltaire auch mit diesem Werk, warum sein Name heute synonym für Verteidigung von Freiheiten jeglicher Art und Toleranz sowie Spottlust gegenüber staatlichem und kirchlichem Obrigkeitsterror verwendet wird.
Voltaire, ein Philosoph, der gerade heute, wo Menschen, die ihre Meinung äussern, von religiösen Fundamentalisten mit dem Tod bedroht werden, wo für viele die Meinungsfreiheit wieder auf dem Spiel steht, besonders aktuell ist. Grund genug, dachten sich Redakteure von Telepolis, um Candide neu zu verfassen und ihn an die Brennpunkte der heutigen Zeit zu schicken, dorthin, wo heute auf der Welt Dummheit und Intoleranz, Fanatismus und Gewalt anzutreffen sind. Und so führt die Reise des heutigen Candide von den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York City über einen Aufenthalt als Soldat der US-Armee in Afghanistan bis hin zum Gefangenlager in Gutanánamo Bay, wo er schlussendlich unter Folter gesteht, ein Terrorist zu sein.




Johannes 



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...   Erstellt am 20.09.2006 - 21:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Titelvorschlag von Sämi:

Ein Fall für Voltaire


Link zu Telepolis-Artikel: www.heise.de/tp/r4/magazin/lit/22959/1.html

sonst finde ichs ok.




Fionn 



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...   Erstellt am 23.09.2006 - 14:56Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ein Fall für Voltaire



Manche Menschen sind für die Geschichte so bedeutend, dass ganze Epochen nach ihnen benannt werden. So wird im französischsprachigen Raum das 18. Jahrhundert, die Zeit der Aufklärung, gemeinhin als „siècle de Voltaire“ bezeichnet. Doch wer war Voltaire, und wie dachte er eigentlich?

Samuel Weber

1694 als François-Marie Arouet in Paris geboren, verbringt Voltaire seine Schulzeit in einem Jesuitenkolleg und veröffentlicht danach eine Neufassung des griechischen Dramas Ödipus sowie einige Gedichte. Während eines England-Aufenthalts entdeckt er die Liebe zur Philosophie. Er trifft in Grossbritannien unter anderem Berkeley, sein Hauptinteresse gilt jedoch den Schriften Lockes und Newtons, die ihn von nun an prägen werden.
In einem von Konflikten zwischen den verschiedenen christlichen Religionsgruppierungen geprägten Frankreich ruft Voltaire immer wieder, aber am deutlichsten mit seinem Traité sur la tolérance, zu Toleranz und gegenseitiger Akzeptanz auf. Obwohl selbst von der Existenz Gottes überzeugt, wird Voltaire nie müde, die Arroganz der Katholischen Kirche und deren Vorgehen gegen die Hugenotten anzuprangern. Sein Einsatz für Meinungs- und Gewissensfreiheit muss er selbst oft mit Unfreiheit in Form von Haftstrafen, Verfolgung und Bedrohung bezahlen, so dass er sich 1760 in der Nähe von Genf niederlässt und erst kurz vor seinem Tod 1778 nach Paris zurückkehrt.

Voltaire gilt als Philosoph im französischen Sinne, was bedeutet, dass er seine Philosophie grösstenteils in belletristischer Form verbreitete. Neben dem bereits erwähnten Traité de la tolérance, den Lettres philosophiques und dem Dictionnaire philosophique zählt sicherlich die philosophische Erzählung (conte philosopique) Candide aus dem Jahr 1759 zu Voltaires Hauptwerken.
Candide, ein unehelicher Cousin eines reichen Barons in Deutschland, wird aus seinem irdischen Paradies vertrieben, nachdem er sich in die Tochter des Barons, die schöne Cunegonde, verliebt hat. Auf einer daraufhin folgenden Abenteuerreise schickt Voltaire seinen Helden an die Brennpunkte des damaligen Geschehens: Candide wird von der bulgarischen Armee zwangsrekrutiert, gerät in die Fänge der Inquisition, wird Zeuge der Arroganz der Jesuiten sowie des Sklavenhandels in Südamerika, bis er sich zu allem Unheil auch noch mit Syphilis infiziert. Voltaire beschreibt auf höchst ironische, fast sarkastische Art und Weise, wie der Protagonist trotz aller Grausamkeiten seinen Optimismus, den er von seinem Privatlehrer Pangloss gelehrt bekommen hat, nie verliert. In erster Linie kann die Geschichte Candides als Parodie der damals verbreiteten Abenteurerromane betrachtet werden, andererseits beweist Voltaire auch mit diesem Werk, warum sein Name heute synonym für Verteidigung von Freiheiten jeglicher Art und Toleranz sowie Spottlust gegenüber staatlichem und kirchlichem Obrigkeitsterror verwendet wird.
Voltaire, ein Philosoph, der gerade heute, wo Menschen, die ihre Meinung äussern, von religiösen Fundamentalisten mit dem Tod bedroht werden, wo für viele die Meinungsfreiheit wieder auf dem Spiel steht, besonders aktuell ist. Grund genug, dachten sich Redakteure von Telepolis, um Candide neu zu verfassen und ihn an die Brennpunkte der heutigen Zeit zu schicken, dorthin, wo heute auf der Welt Dummheit und Intoleranz, Fanatismus und Gewalt anzutreffen sind. Und so führt die Reise des heutigen Candide von den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York City über einen Aufenthalt als Soldat der US-Armee in Afghanistan bis hin zum Gefangenlager in Gutanánamo Bay, wo er schlussendlich unter Folter gesteht, ein Terrorist zu sein.
Da ist wohl nichts mehr zu ändern




Fionn 



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...   Erstellt am 25.09.2006 - 15:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ein Fall für Voltaire



Manche Menschen sind für die Geschichte so bedeutend, dass ganze Epochen nach ihnen benannt werden. So wird im französischsprachigen Raum das 18. Jahrhundert, die Zeit der Aufklärung, gemeinhin als „siècle de Voltaire“ bezeichnet. Doch wer war Voltaire, und wie dachte er eigentlich?

Samuel Weber

1694 als François-Marie Arouet in Paris geboren, verbringt Voltaire seine Schulzeit in einem Jesuitenkolleg und veröffentlicht danach eine Neufassung des griechischen Dramas Ödipus sowie einige Gedichte. Während eines England-Aufenthalts entdeckt er die Liebe zur Philosophie. Er trifft in Grossbritannien unter anderem Berkeley, sein Hauptinteresse gilt jedoch den Schriften Lockes und Newtons, die ihn von nun an prägen werden.

In einem von Konflikten zwischen den verschiedenen christlichen Religionsgruppierungen geprägten Frankreich ruft Voltaire immer wieder, aber am deutlichsten mit seinem "Traité sur la tolérance", zu Toleranz und gegenseitiger Akzeptanz auf. Obwohl selbst von der Existenz Gottes überzeugt, wird Voltaire nie müde, die Arroganz der Katholischen Kirche und deren Vorgehen gegen die Hugenotten anzuprangern. Sein Einsatz für Meinungs- und Gewissensfreiheit muss er selbst oft mit Unfreiheit in Form von Haftstrafen, Verfolgung und Bedrohung bezahlen, so dass er sich 1760 in der Nähe von Genf niederlässt und erst kurz vor seinem Tod 1778 nach Paris zurückkehrt.

Voltaire gilt als Philosoph im französischen Sinne, was bedeutet, dass er seine Philosophie grösstenteils in belletristischer Form verbreitete. Neben dem bereits erwähnten "Traité de la tolérance", den "Lettres philosophiques" und dem "Dictionnaire philosophique" zählt sicherlich die philosophische Erzählung (conte philosopique) "Candide" aus dem Jahr 1759 zu Voltaires Hauptwerken.
Candide, ein unehelicher Cousin eines reichen Barons in Deutschland, wird aus seinem irdischen Paradies vertrieben, nachdem er sich in die Tochter des Barons, die schöne Cunegonde, verliebt hat. Auf einer daraufhin folgenden Abenteuerreise schickt Voltaire seinen Helden an die Brennpunkte des damaligen Geschehens: Candide wird von der bulgarischen Armee zwangsrekrutiert, gerät in die Fänge der Inquisition, wird Zeuge der Arroganz der Jesuiten sowie des Sklavenhandels in Südamerika, bis er sich zu allem Unheil auch noch mit Syphilis infiziert. Voltaire beschreibt auf höchst ironische, fast sarkastische Art und Weise, wie der Protagonist trotz aller Grausamkeiten seinen Optimismus, den er von seinem Privatlehrer Pangloss gelehrt bekommen hat, nie verliert. In erster Linie kann die Geschichte Candides als Parodie der damals verbreiteten Abenteurerromane betrachtet werden, andererseits beweist Voltaire auch mit diesem Werk, warum sein Name heute synonym für Verteidigung von Freiheiten jeglicher Art und Toleranz sowie Spottlust gegenüber staatlichem und kirchlichem Obrigkeitsterror verwendet wird.
Voltaire, ein Philosoph, der gerade heute, wo Menschen, die ihre Meinung äussern, von religiösen Fundamentalisten mit dem Tod bedroht werden, wo für viele die Meinungsfreiheit wieder auf dem Spiel steht, besonders aktuell ist. Grund genug, dachten sich Redakteure von Telepolis, um Candide neu zu verfassen und ihn an die Brennpunkte der heutigen Zeit zu schicken, dorthin, wo heute auf der Welt Dummheit und Intoleranz, Fanatismus und Gewalt anzutreffen sind. Und so führt die Reise des heutigen Candide von den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York City über einen Aufenthalt als Soldat der US-Armee in Afghanistan bis hin zum Gefangenlager in Gutanánamo Bay, wo er schlussendlich unter Folter gesteht, ein Terrorist zu sein.
Da ist wohl nichts mehr zu ändern





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