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...   Erstellt am 01.10.2008 - 09:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


PETER SHERIDAN
GLÜCKSKNOCHEN
(...) In der Sheriff Street machte ich bei Mattie halt, dem besten Süßwarenladen in ganz Dublin. Glücksknochen, die in der Stadt zwei Pence kosteten, kosteten bei Mattie nur einen Penny.
Er hatte vier verschiedene Lakritzesorten.
Er hatte Brausestengel, lose Pfefferminzstangen, lose Kekse, Penny-Packungen mit Schokoladenzigaretten, die eine rote Spitze hatten, als glühten sie, lose Marshmallows, Honigbonbons, sechs für einen Penny, Dauerlutscher, Nancykugeln (Aniskugeln, wenn man vornehm sein wollte), Nougat, Makronen, Dominosteine und saure Drops.
Am besten waren die Glücksknochen. Außen weich, innen hart.
Wenn man Glück hatte, erwartete einen im Innern ein Threepenny-Stück, und wenn man weniger Glück hatte, bekam man einen Gutschein, den man gegen einen Gratis-Glücksknochen eintauschen konnte.
Ich schaute bei Mattie ins Schaufenster. Da waren sie und lachten mich an. Lutscheboller.
Die hatte ich ganz vergessen. Sie sahen köstlich aus. Ich liebte es, wie sich einem der ganze Mund schwarz färbte, wenn man sie aß.
Doch genau betrachtet, waren sie nur eine Süßigkeit. Glücksknochen waren eine Süßigkeit und eine Überraschung dazu.
Ich stellte das Rad draußen ab und sprang die Stufen zum Laden hinunter.
Ich legte die beiden halben Kronen und den Penny auf den Ladentisch und wartete auf Mattie. Die Glocke bimmelte, und er kam aus der Wohnung hinter dem Laden.
»Einen Glücksknochen, bitte.«
Ich rannte die Treppe hinauf und auf die Straße. Ich zeigte auf den, den ich haben wollte.
Ich betete ein »Gegrüßet seist du, Maria« und ging wieder hinein.
Mattie hielt mir den Glücksknochen hin. Ich wollte das Geld vom Ladentisch nehmen, und es war weg. Ich wollte gerade losschreien, als Mattie die beiden halben Kronen hinter dem Rücken hervorholte.
»Paß auf, wo du dein Geld hinlegst, mein Sohn.«
Ich nahm das Geld und hielt es fest. Ich drückte die Hand so fest zu, daß sie mir weh tat.
Ich sprang auf mein Rad und war schon auf der Commons Street, als mir einfiel, daß ich den Glücksknochen vergessen hatte. Ich würde ihn auf dem Rückweg holen. (...)



Peter Sheridan

Peter Sheridan wuchs in Dublin auf, wo er am University College Dublin Anlistik und Philosophie studierte. Der Bruder des bekannten Filmregisseurs ("Mein linker Fuß", "Im Namen des Vaters") hat sich in der englischsprachigen Theaterszene einen Namen gemacht als Regisseur und Auto zahlreicher Stücke.

Quelle

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