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ragusaa2000 

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...   Erstellt am 15.05.2008 - 16:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen





Unser kleiner Fluss schlängelt sich durch das Tal an der Bundesstraße entlang. Dort wohnte schon viele Jahre ein Schwan. Ich sah ihn jeden Tag und wenn ich an die Stelle kam, wo er wohnte, suchten meine Augen nach ihm und meine Gedanken blieben jedes Mal bei ihm hängen. Sein einsamer Anblick hat mich immer traurig gemacht, denn zwei oder drei Jahre zuvor wurde seine Freundin überfahren und seither war er allein. Man hat versucht, ihm eine neue Frau anzudrehen, aber er wollte sie nicht. So viel Treue vermisst man oft bei den eigenen Artgenossen und der einsame Stolz des Schwans hat mich gerührt.

Vor ein paar Wochen jedoch war plötzlich eine Schwanendame an seiner Seite und man konnte beobachten, wie die beiden einträchtig und stolz durchs Wasser glitten oder gemeinsam in der Wiese standen. Ich freute mich für den Schwan, denn er hatte eine sehr lange Trauerzeit hinter sich und hatte sich nicht wahllos auf die erstbeste Schwänin gestürzt. Irgendwie fühlte ich mich erleichtert, dass der arme Kerl endlich wieder eine Frau hatte.

Vor ein paar Tagen wurde der alte Schwanenherr an derselben Stelle überfahren, wie vor Jahren seine erste Lebensgefährtin und jetzt ist er tot und ich vermisse ihn. Einsam dreht die neue Schwänin ihre Runden.

Was soll ich jetzt von der Sache denken? War er doch nicht glücklich und hat sich das Leben genommen? Hat sich das Schicksal einen schlechten Witz erlaubt? Hat ihn seine erste Frau geholt, weil sie ihn aus dem Schwanenhimmel beobachtet und ihm sein neues Glück nicht gegönnt hat? Ich habe keine Ahnung und bin ratlos!





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Anthia

Bilderelse ...

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...   Erstellt am 15.05.2008 - 18:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Anthia,

in der Tat, Du hast Pechvögel beobachtet. Ja, und ich finde es toll, wie Du es beschreibst, bildhaft und ebenfalls nachdenklich stimmend.

Man könnte es als wahre Begebenheit hinnehmen und nur Bedauern für die armen Schwäne empfinden. Aber man kann Deine kleine Geschichte auch anders deuten, sie als Fabel betrachten, sie tiefer deuten. Das Schicksal der Schwäne als Methapher verstehen, dann bekäme Deine Geschichte einen ganz anderen Anstrich, ein Gesicht mit ernstem Hintergrund.

Jeder sieht das Verlieren des Partners anders, muss unterschiedlich lange ganz für sich trauern oder sich wieder dem Leben zuwenden, einen Neubeginn wagen. Ja, sich auch mutig einem neuen Risiko aussetzen, dass wieder ein tragisches Schicksal eintreten könnte. Wir wissen nicht, was kommen wird und dies ist gut so. Das Leben geht weiter und es kann trotz aller Dramatik wiederum und weiterhin sehr schön sein. Diese Erkenntnis ist m. E. die allerbeste.

Ich persönlich glaube nicht an ein Beobachten aus dem Himmel, schon gar nicht an Handlungen von der Stelle aus, denn ich bin absolut ungläubig. Aber das tut nichts zur Sache.

Es gibt Zufälle und es gibt Momente, die einfach eintreten, unser Leben tangieren und wir können uns nicht erklären, wie es dazu kommen konnte. Wir wissen vieles nicht. Das Meiste passiert außerhalb unserer bewussten Wahrnehmung, ganz natürlich erklärbar, nur wir können es halt nicht. Dafür ist das Geschehen um uns herum zu komplex, um alles zu erfassen. Gerne wird dann mystfiziert und von Vorherbestimmung gesprochen. (was den Schwan betrifft, es wird eine gefährliche Stelle gewesen sein und früher oder später erwischt es dort jeden unvorsichtigen Vogel)

Ich als Poet aus und mit Leidenschaft liebe philosophische Deutungen, meinetwegen auch märchenhafte oder mystische, weil damit eine Sehnsucht sichtbar wird, die wahrscheinlich in jedem wohnt, schöne oder auch plausible Erklärungen zu finden, jenachdem wie der oder die Betreffende vom Wesen her gestrickt ist.


Damit will ich es erst einmal belassen. Bin gespannt, was die anderen dazu sagen werden.

Lieben Gruß von
Helga Bilderelse

[Dieser Beitrag wurde am 15.05.2008 - 18:10 von Bilderelse aktualisiert]





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Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch!

ragusaa2000 

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Status: Offline
Registriert seit: 22.04.2008
Beiträge: 83
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...   Erstellt am 15.05.2008 - 19:50Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Helga Bilderelse,

danke für Deine Denkanschübse. An Vorbestimmung glaub ich übrigens auch nicht, denn das wäre zu einfach und dann müsste man ja aus Fehlern, die man mit Begeisterung macht und aus Fettnäpfchen, in die man leidenschaftlich tritt, nichts lernen (tut man oft sowieso nicht aber man ist wenigstens selber schuld und das ist ja auch schon was). Den Schwan gab es bis neulich wirklich und er hat mich beeindruckt. Dem romantischen Teil meiner Seele hätte es gefallen, wenn er mit seiner neuen Schwänin einträchtig in Sonnenuntergänge hätte schwimmen können. Jetzt hadere ich mit dem Schicksal, weil es ein so mitleidloser Spielverderber sein kann.

Viele Grüße





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Anthia


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