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Status: Offline Registriert seit: 06.05.2008 Beiträge: 223 Nachricht senden | Erstellt am 15.07.2008 - 16:02 |  |
Chinchilla (Tiere) züchten ist Gott spielen !
Das sagte mal ein erfahrener Chinzüchter zu mir. In diesen Worten steckt eine ganze Welt und viele Chinleben!
Züchten bedeutet, daß der Mensch sich anmaßt den natürlichen Ausleseprozeß der Natur zu ersetzen. Die Natur fördert die Stärksten und Überlebensfähigsten.
Das kann kein Mensch (und will genau besehen und ehrlich hinterfragt auch kaum ein Mensch). Die Ziele des Menschen sind nicht die Ziele der Natur. Und das Wissen des Menschen erfaßt nicht die Natur in ihrer ganzen Komplexität. Kaum ein Gen erfüllt nur eine Funktion. Und wir Chinhalter wissen noch nicht mal einen Bruchteil dessen, z.B. alle Farbgene richtig zu erfassen. Geschweige denn in der Hobbyzucht.
Zucht bedeutet die Kreation von Leben. Das bedeutet nicht einfach ein Bild malen oder ein Kleid entwerfen. Dadurch entstehen Lebewesen und Mitgeschöpfe. Und deren gesamtes Leben ist geprägt durch: Veranlagung, Stärke, Gesundheit, Schönheit, Charakter, Glücklichsein und dem Streben nach einem guten Leben. All das obliegt in erster Instanz einer menschlichen Entscheidung.
Das ist eine große Verantwortung des Menschen.
Die Chinszene (Hobbyzucht) in D läßt mich nicht vermuten - leider - daß diese Verantwortung bereits mit genügend Wissen, Gewissen, und Umsicht wahrgenommen werden kann BEVOR bereits gezüchtet wird oder BEVOR Extremmutationen oder eine Kombination aus rezessiven Dilute-Genen in der eigenen Zucht angestrebt werden. Das ist zumindest mein Eindruck nach rund 8 Jahren in denen ich die Szene intensiv verfolge. Das beginnt bei ganz grundsätzlichen Aspekten:
> Wie unterscheidet man Safir von Standard? Eindeutiges Kriterium
> Was macht Safir blau - Gendefekt oder Zufall? Stichwort: Dilute, Aminosäuren
Keine dieser Themen fand ich in den letzten Jahren von den Züchtern dieser Mutationen auf dem Internet (abseits von mir auf CHINCITTA / CI ) auch nur angesprochen, geschweige denn fundiert diskutiert. Das ist eine traurige Bilanz, v.a. im Vergleich zu anderen Ländern in denen ich gelebt und zu Chinchillas gelernt habe. Und das bereitet mir große Sorgen und Angst hinsichtlich Gesundheit und Lebenserwartung um zukünftige Generationen unserer Chinchillas.
Chinchillas sind zudem in D im internationalen Vergleich sehr billig. Das fördert Kauf und Zucht auf Hobbyniveau. Davon bin ich angesichts der Verantwortung für die Lebewesen, kein Befürworter und versuche es auch nicht zu fördern. Deshalb war das Kapitel Genetik und Zucht auf CHINCITTA lange unter Verschluß. In der Zwischenzeit habe ich Dritte mit Knowhow "bedient" bzw. wurde durch andere das Wissen von CHINCITTA weitergetragen, adaptiert, oft verfälscht, ... und leider nicht immer zum Nutzen und Wohl der Tiere.
Ein Leben in Blau ... oder menschliche Hybris in all ihrer Klarheit ?
Das ursprüngliche Agouti Muster des Chinchilla enthält kein Blau! Blau als attraktive Chinchilla Farbe ist eine Erfindung des Menschen, nach seinem Geschmack.
Kreativität in Farben ist eine schöne Sache. z.B. in der Modewelt, und wenn einem das blaue Kleid nicht mehr gefällt (oder nicht mehr paßt), dann entsorgt man es. Blau und Blautöne gefallen dem Menschen. Und sie sind eine züchterische Herausforderung, weil sie am weitesten vom Original entfernt liegen, ergo schwer zu züchten, ergo was Besonderes (für den Menschen). Daher hat Bläue auch einen hohen Stellenwert auf dem Markt, Schauen und Chinchillazucht. Aber hier handelt es sich um Lebewesen. Hochintelligent, sozial, sensibel. Und wir Menschen verstehen dabei noch kaum ihre Sprache*, um sie richtig zu beurteilen. Gleichzeitig maßen wir uns an ihr Leben genetisch und mit allem drum und dran (Haltung abseits der natürlichen Lebensräume usw.) zu bestimmen. Wow! Das versteht sich nicht von selbst. Es vermittelt stark den Anschein von menschlicher Hybris in alledem. Kein Zweifel die Möglichkeiten diese in der Chinchillazucht intensiv auszuleben ist verführerisch vorhanden. Nur seit wann hat Zucht nichts mehr mit Tierliebe zu tun?
Man kann Chinchillas als Lebewesen nicht einfach "entsorgen" oder "weiter vermitteln", wenn sie sich nicht optimal entwickeln (= nicht das Zuchtprogramm fördern). Auch NICHT-optimale Tiere haben Familienmitglieder, soziale Bindungen, Sensiblität und Intelligenz. Eine "Abgabe" ist angesichts dieser Wahrnehmung nicht mehr einfach möglich. Jedenfalls nicht als Chinliebhaber/In. Tiere / Chinchillas sind und bleiben Lebewesen mit Gefühlen und einem LEBEN, jenseits von menschlichen Wünschen nach Schönheit.
Info zu Chinchilla Genetik und Zucht unter neuem Vorzeichen
Chinchilla Zucht, Farben, Mutationen und Genetik steht daher hier auf CHINCITTA bewußt NICHT im Zeichen der Anleitung zur Zucht. Auch nicht als Hilfestellung, wie bekomme ich welche Farbe möglichst gut hin! Dafür stelle ich mein Wissen aus verschiedenen Kontinenten seit langem ausdrücklich nicht zur Verfügung. Sondern unter dem Zeichen der Aufklärung für Verständnis, Verantwortung und ganz neue Wege der Pflege und gesunden Arterhaltung.
Ich wünsche alle Chinliebhaber / Innen viel Inspiration!
* wissenschaftliche Pionierarbeit auf dem Gebiet hat 2006 Dr. med. vet. Juliana geleistet. Sie hat in einer 2-jährigen Verhaltensstudie die Grundlaute erstmals kategorisiert und systematisch erfaßt. Mehr Info dazu unter: www.chinchilla-laute.de
[Dieser Beitrag wurde am 19.10.2008 - 11:32 von CIForum aktualisiert]
Signatur (c) 2001-09 Claudia A Mooser (CAM)

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