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Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Wenn es an die Nieren geht... Nein, das ist nicht nur ein geflügeltes Wort aus dem Mundartschatz der Volksweisheiten, sondern dieser Spruch hat durchaus reale Hintergründe. Nierenerkrankungen sind so komplex, daß sich die für ihre Entstehung ausschlaggebenden, psychosomatischen Zusammenhänge nur sehr schwer überschauen lassen. Vor allem auch deshalb, weil eine Fehlfunktion der Nieren häufig auf andere Organerkrankungen zurückgeht. Auffällig ist aber, daß Nierenerkrankungen sehr oft im Zusammenhang mit dem Verlust eines Menschen oder anderer „Besitztümer“, beispielsweise der sozialen Position oder des Arbeitsplatzes auftauchen. Wir finden im Körper sowohl singuläre Organe (z.B. Magen, Leber, Milz) als auch paarig angelegte, wie z.B. Lunge, Hoden, Eierstöcke und Nieren. Betrachten wir die paarigen Organe, so fällt auf, daß sie alle einen Bezug zum Thema „Kontakt“ und „Partnerschaft“ haben. Dabei repräsentieren die Lungen den unverbindlichen Kontakt- und Kommunikationsbereich, während Hoden und Eierstöcke als Geschlechtsorgane die Sexualität repräsentieren. Die Nieren hingegen werden in der Psychosomatik als das eigentliche Partnerorgan angesehen. Sie entsprechen der Partnerschaft im Sinne einer engen, mitmenschlichen Begegnung. Diese drei Bereiche entsprechen übrigens auch den drei altgriechischen Begriffen für Liebe: Phila (Freundschaft), Eros (sexuelle Liebe) und Agape (im Sinne des schrittweisen Einswerden mit allem). Dem medizinischen Laien ist meistens gar nicht bewußt, von welch lebenswichtiger Bedeutung ein intaktes Säure-Basen-Gleichgewicht ist, das numerisch im pH-Wert ausgedrückt wird. So hängen alle biochemischen Reaktionen wie zum Beispiel Energiegewinnung und Eiweiß-Synthese von einem – in engen Grenzen - stabilen pH-Wert ab, den die Nieren regulieren. Das Blut hält sich damit in der genauen Mitte zwischen basisch und sauer, zwischen Yin und Yang. Analog dazu besteht jede Partnerschaft in dem Versuch, diese beiden Pole, also männlich (Yang, sauer) und weiblich (Yin, basisch) zum harmonischen Ausgleich zu bringen. So wie die Niere dafür sorgt, daß das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen garantiert ist, so sorgt eine gute Partnerschaft analog dafür, daß man durch die Verbindung mit einem anderen Menschen, der den Schatten von einem lebt, in Richtung Ganzheit vervollständigt wird. Dabei kompensiert die andere (oder „bessere“ Hälfte) durch ihr so Sein genau das, was einem selber fehlt. Ist dieses Gleichgewicht gestört, so kommt es zu Komplikationen. So wie der Mensch sich im Partner erkennen muß, so brauchen auch die Nieren die Fähigkeit, die von außen kommenden „fremden Stoffe“ als für die eigene Auseinandersetzung und Entwicklung wichtige Stoffe zu erkennen. Funktionsstörungen der Nieren, bzw. deren chronische Entzündungen beruhen meistens - vom psychosomatischen Standpunkt aus betrachtet - auf Problemen in einer Partnerschaft. Oftmals auf einem unzureichenden Gleichgewicht in einer bestehenden Partnerschaft, aber auch auf unverarbeiteter Trennungstrauer. Der Tod eines nahestehenden Menschen oder der Verlust des Partners infolge Scheidung sind beim Erwachsenen die häufigsten Auslöser von Nierenerkrankungen, denn auch dadurch kann ein vorhandenes Gleichgewicht ganz empfindlich gestört werden. Ursächlich dafür ist oftmals die Unfähigkeit, nach dem Verlust eines geliebten Menschen echt zu trauern. Aber versteckt sind auch Wut, Haß und Aggressionen im Spiel. Für manche Menschen scheint es leichter zu sein, über den Verlust einer Niere zu trauern, als sich mit dem Verlust eines geliebten Menschen auseinanderzusetzen und einen Neubeginn zu wagen. Nierenerkrankungen stehen aber auch mit einem bisher noch nicht ganz enträtselten Zusammenhang mit Trotz und Aggressivität. So kommt zum Beispiel nach der operativen Entfernung einer Niere – also des Organs, das mit infantilem Trotz besetzt war – bei den Betroffenen nicht selten zu heftigen Trotz- und Aggressionsphasen. Für Nierenkranke typische Formen der Abwehr sind Verleugnung, Verschiebung, Rationalisierung und Projektion, somit vor allem die Abwehrmechanismen, die der analen Phase der psychosexuellen Entwicklung zugeordnet sind. Das wird besonders dann verständlich, wenn wir bedenken, daß die Nieren zum analen Bereich, also zu den Ausscheidungsorganen gehören. Penis und Vagina, also die „verlängerten“ Nieren, sind Ausscheidungs- und Sexualorgane. Nierenkranke neigen dazu, ihren Zustand zu beschönigen oder zu ignorieren. Ob es sich nun um den Verlust des Partners, der Eltern oder eines anderen, geliebten Menschen handelt, meist reagieren sie mit einer Regression in frühkindliche Entwicklungsphasen. Weil beim Verlust eines Menschen nicht nur Trauer auftritt, sondern auch aggressive, objektgerichtete Wut, die sie sich und der Gesellschaft jedoch nicht eingestehen können, verfallen solche Menschen in den entsprechenden Situationen in eine regressive Phase und sie ziehen sich von ihrem sozialen Umfeld zurück. Wie stark der Bezug der Nieren zum Thema Partnerschaft und Kontaktfähigkeit ist, läßt sich auch leicht an bestimmten Gewohnheiten des täglichen Lebens ablesen. Wenn Menschen einander begegnen und miteinander in Kontakt treten, ist es üblich, miteinander ein Glas Wein oder Bier zu trinken. Dieser Brauch hat unübersehbar regressive Tendenzen. Kontakt und Trinken stehen symbolisch auch für Kontakt und Mutterbrust. Trinken stimuliert aber darüber hinaus auch das Kontaktorgan Niere und somit die psychische Kontaktfähigkeit. So ist z.B. der Eintausch des distanzierten „Sie“ in ein nahes „Du“ nahezu immer mit einem Trinkritual verbunden – man begießt die Verbrüderung. Menschliche Kontaktherstellung wäre ohne ein gemeinsames Trinkritual nahezu unvorstellbar. Dabei muß es sich keineswegs immer um alkoholhaltige Getränke handeln. Eine Einladung zum Tee oder Kaffee erfüllt denselben Zweck. Immer aber handelt es sich um stark diuretische Getränke wie Tee, Kaffee oder Alkohol, welche die Nierenfunktion stark anregen. Wer viel trinkt (oder raucht), der zeigt damit seinen Wunsch nach zwischenmenschlichem Kontakt. Allerdings besteht dabei die Gefahr, daß er auf der Ebene der Ersatzbefriedigung steckenbleibt. Wer hingegen nicht trinkt, der wird von einer geselligen Runde oftmals argwöhnisch betrachtet, denn er zeigt damit, daß er seine Kontaktorgane nicht anregen und somit in der Distanz zu den anderen verbleiben möchte. Die Entsprechungen auf der psychischen Ebene sind einfach zu sehen. Die Lösung heißt also: „Mehr Trinken“ und zwar sowohl im physischen Bereich, als auch im übertragenen Sinne. Dann klappt es auch mit der Nierenfunktion. Immer wieder zeigt sich aber in der therapeutischen Praxis, daß auch Angstzustände die Nierenfunktion negativ beeinflussen. Wann immer sie Angst verspüren, stellt sich bei sehr vielen Menschen ein verstärkter Harndrang ein. Sie machen im bildlichen Sinne „in die Hosen.“ Blase und Regressionen: Die Blase sammelt den von den Nieren herausfiltrierten Urin. In dem Maße, wie sie sich mit Urin anfüllt, entsteht ein Druck, der nach Erleichterung drängt. Das Urinieren, also das „Loslassen“ des Harns, führt dann zu der gewünschten Erleichterung. Nicht wenige Menschen leiden, wenn sie unter psychischem Druck stehen, beispielsweise vor Prüfungen und ganz allgemein in Situationen, die Angst erzeugen, unter erhöhtem Harndrang. Dieses Symptom bezeugt den Wunsch des betreffenden Menschen nach Selbstaufgabe. Das heißt, er möchte die Verantwortung für sein Tun aufgeben und die Dinge „fließen“ lassen. Die Unfähigkeit, den Harn zu halten, verweist auf stark regressive Tendenzen. Eine besondere Rolle spielt in diesem Kontext der Aspekt der „Machtausübung.“ Einem Säugling werden mehrmals täglich die Windeln gewechselt. Damit erfährt das Kind eine der vielen Aufmerksamkeiten und Zuwendungen, die die symbiotische Bindung zwischen Mutter und Kind ausmachen. Fühlt ein dem Säuglingsalter entwachsenes Kind sich jedoch von den Eltern – vornehmlich von der Mutter – vernachlässigt, so besteht die Gefahr, daß es wieder in diese frühkindliche Phase zurückfällt. Ein besonders typisches Beispiel für solche Regressionen ist das von neuem auftretende Bettnässen. Steht ein Kind tagsüber von Seiten des Elternhauses, im Kindergarten oder in der Schule unter unerträglichem Druck, so daß es nicht „loslassen“ kann oder darf, wird es diese Probleme möglicherweise unbewußt über das Bettnässen zu lösen versuchen. Das Bettnässen hat in einem solchen Fall die Funktion, den Tagesdruck abzulassen und bietet zugleich eine Möglichkeit, den ansonsten übermächtigen Eltern, Erziehern oder Vorgesetzten ihre eigene Hilflosigkeit vor Augen zu führen. So kann ein Kind den ihm aufgelasteten, inneren Druck wieder an die Bezugspersonen zurückgeben. Aber nicht nur bei Kindern findet man dieses Symptom, sondern auch bei jugendlichen Erwachsenen, die z.B. gegen ihren Willen in einem Heim oder beim Militär untergebracht sind. Unter einem anderen Aspekt betrachtet ist das Bettnässen eine Kompensation für „ungeweinte Tränen“, die auf diese Weise sozusagen über die Blase abfließen können. Bedauernswerterweise verlernen manche Kinder schon sehr früh das Weinen, weil es ihnen von den Eltern verboten wird. Besonders Jungen sind sehr häufig davon betroffen, weil es nicht in das klassische Männerbild paßt. So bleibt dem Kind keine andere Möglichkeit, als seine „ungeweinten Tränen“ über die Blase abzulassen. Es ist bekannt, daß das bei Wut und Aggression vermehrt ausgeschüttete Streßhormon Adrenalin durch den Tränenfluß abgebaut wird und sich auf diesem Wege eine beruhigende und entspannende Wirkung einstellt. Man denke nur an die Siegestränen bei Hochleistungssportlern. Überschüssiges Adrenalin wird aber auch über die Nieren abgebaut, so daß also zwischen Weinen und Bettnässen nicht nur ein symbolischer, sondern auch ein biochemischer Zusammenhang besteht. Das „Gegenteil“ des unkontrollierten Harnflusses ist das Harnverhalten. Das Harnverhalten ist auf eine – im Allgemeinen – seelisch bedingte Verkrampfung bestimmter Muskelpartien zurückzuführen. Es tritt auf bei frigiden Frauen und Frauen mit Vaginismus (Scheidenkrampf). Die enge, anatomische Verknüpfung von Ausscheidungsfunktion und Sexualfunktion erklärt, warum häufig sexuelle Abwehrvorgänge zum Harnverhalten führen können. Von Harnverhalten betroffen sind vor allem Menschen, die in psychosexueller Hinsicht eher „unterentwickelt“ sind und daher die „Bewältigung“ von Triebkonflikten auf eine infantile Ebene verlagern, auf welcher das Körperkonzept noch keine ausreichende Differenzierung zwischen Ausscheidungsfunktion und Genitalfunktion erfahren hat. Hemmungen im „Loslassen“ des Harns deuten daher auf die Unfähigkeit, bestimmte tiefverwurzelte, inneren Konflikte in die Weise des Erwachsenen auszuagieren und sich so von ihnen zu entlasten. Unübersehbar sind die regressiven Tendenzen auch bei Patienten, die einer „Blutwäsche“, also einer Dialyse, der Entfernung von Harnstoffen aus dem Blut unterzogen werden. In ihrer Abhängigkeit wird der Wunsch nach einer „Rückkehr in den Mutterleib“ besonders deutlich. Der Fetus ist im Mutterleib über die Nabelschnur mit dem Blutkreislauf der Mutter verbunden und wird auf diese Weise mit allem, für sein junges Leben Notwendigen versorgt. Ein Dialysepatient übergibt sich auf symbolischer Ebene gleichsam einer „Maschinenmutter“, um sich von ihr das Blut von allen Schadstoffen reinigen zu lassen. Die Funktion, die für den Fetus die Mutter erfüllt hat, übernimmt also hinsichtlich eines Menschen mit Niereninsuffizienz eine Maschine. Da sein Organismus dazu nicht in der Lage ist, übernimmt sie für ihn die Arbeit der Blutreinigung und somit auch symbolisch die „Entgiftung“ seines Seelenhaushaltes von negativen Gefühlen. Schrumpfniere, künstliche Niere: Der Endpunkt der Entwicklung ist erreicht, wenn alle Funktionen der Nieren völlig darniederliegen und deshalb eine Maschine (die künstliche Niere) die lebenswichtigen Aufgaben der Blutwäsche übernehmen muß (Dialyse). Jetzt wird die perfekte Maschine zum Partner, nachdem man nicht bereit war, seine Probleme mit lebenden Partnern aktiv zu lösen. Wenn kein Partner perfekt und zuverlässig genug oder der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit zu übermächtig war, findet man in der künstlichen Niere nun einen Partner, der ideal und perfekt ist, da er ohne Eigenanspruch und Eigenbedürfnis treu und zuverlässig das tut, was man von ihm erwartet. Doch dafür ist man auch von ihm total abhängig: Mindestens dreimal wöchentlich muß man sich in der Klinik mit ihm treffen oder – falls man sich eine eigene Maschine leisten kann – man schläft Nacht für Nacht treu an seiner Seite. Man kann sich niemals allzu weit von ihm entfernen und lernt vielleicht über diesen Umweg, daß es eben doch keine ganz perfekten Partner gibt – solange man selbst noch nicht vollkommen ist. Wenn etwas „an die Nieren geht“, so sollte man sich folgende Fragen vorlegen und versuchen, sie ganz ehrlich zu beantworten: 1. Welche Probleme habe ich im Bereich meiner Partnerschaft? Wie hoch sind meine Ansprüche? 2. Neige ich dazu, in der Projektion steckenzubleiben und so die Fehler des Partners allein für dessen Probleme zu halten? 3. Versäume ich, in all den Verhaltensweisen des Partners mich selbst zu entdecken? 4. Halte ich an alten Problemen fest und verhindere ich dadurch den Fluß einer Entwicklung? 5. Zu welchen Sprüngen will mich mein Nierenstein (falls vorhanden) veranlassen? Quelle: Eigene Gedankengänge, sowie diverse Publikationen von Dr. Henry G. Tietze, Dr. Rüdiger Dahlke und Dipl.Psych. Thorwald Dethlefsen. © 2007 by Minotaurus Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||
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