Mediterranea, eine Insel im Mittelmeer.

Eine Insel, ein unabhängiger Kleinstaat - genau im Kreuz der vier größten Mächte dieser Zeit: Rom, Athen, Alexandrien und Karthago - ein Ort der Weisheit und des Wahnsinns, der Korruption und der Freundschaft, der Freiheit und des Kampfes, ein Schmelztiegel der Kulturen und Klassen, wo Senatoren einem illustren Leben frönen, Händler aus aller Welt die exotischsten Dinge darbieten und Sklaven um ihre Freiheit kämpfen. Erlebe das Schicksal: Tauche ein in eine Welt voller Intrigen, Kampf, Spannung, Spaß, Liebe und Hass - werde Teil von Mediterranea!

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Valvenya
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...   Erstellt am 17.09.2007 - 21:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Valvenya rührte sich kaum und obwohl sie sich nicht direkt aus seiner Umarmung entzog, so wirkte ihre Körperhaltung doch abweisend und schien noch mehr in sich zusammen zu schrumpfen. Ihr Blick wirkte inzwischen derart intensiv, dass sie kaum noch blinzelte und ihre Augen mittlerweile wie Feuer brannten, was sie jedoch kaum bemerkte. Zu sehr fürchtete sie sich davor, aufzublicken und ihn womöglich etwas sehen zu lassen, das ihren Worten vollkommen entgegenwirkte.
Sie spürte, dass es ihn belastete, sich mit ihr zu zerstreiten und hätte er in ihr Inneres geschaut, so hätte er einen Schmerz gesehen, der den seinen um ein Vielfaches widerspiegelte. Trotzdem war es der richtige, der einzige Weg. In seiner Position war es gefährlich, zu viel für jemanden zu empfinden, ganz besonders für jemanden so schwachen und unbedeutenden wie sie.
*Ich bin nicht deine Freundin. Wie kann ich das sein, wenn du mich doch kaum kennst? Du klammerst dich an Vergangenes, das nicht wiederkehren wird.*

Ihre Stimme klang so tonlos und doch durchdringend, wie sie es in ihrer augenblicklichen inneren Zerrissenheit nur hinbekommen konnte.
*Und du gehst nicht auf meine Worte ein. Wen willst du trösten und beruhigen, dich oder mich? Nicolai, wann wirst du deine Prioritäten angemessen setzen? Sei da für deinen Sohn, für dein Volk. Dein Vater ist keines natürlichen Todes gestorben. Ich denke, dass er vergiftet wurde. Und ich glaube auch zu wissen, wer dafür verantwortlich ist. Natürlich habe ich keine Beweise, ich habe nur...*
Ihre schmalen Lippen verzerrten sich unter dem Anflug eines freudlosen Lächelns, während sie sich mit dem Zeigefinger gegen die Schläfe tippte und den Kopf leicht zur Seite neigte.




Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 17.09.2007 - 21:25Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Post, bitte




Nicolai
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...   Erstellt am 17.09.2007 - 21:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nicolais Umarmung war nicht von intensiver Dauer, da er spürte, wie sich ihr Körper gegen ihn wehrte. Was war nur passiert? Woher kam auf einmal diese Ablehnung? Irgendwas stimmte hier nicht, dass spürte er aus dem Bauch heraus.

Und eigentlich wollte er noch auf ihre Worte eingehen, aber schon machte sie ihm einen Vorwurf, weil er vielleicht mal wieder zu körperlich war oder was auch immer.

Und dann kamen Worte über ihre Lippen, die mehr als schockten. Sie war nicht seine Freundin? Und wie bitte? Sein Vater wurde vergiftet????

Nicolai war, als würde ihm schwindeln. Er rückte nun erheblich von Valvenya ab, drehte ihr halb den Rücken zu, damit sie nicht sein Gesicht sehen konnte, denn er war mehr als geschockt und musste hart schlucken. Sein Vater wurde vergiftet? Von wem? Und sie hatte keine Beweise? Egal, er glaubte ihr. Doch warum eröffnete sie ihm dass ausgerechnet jetzt? Zusammen mit dem Vorwurf, das sie nicht seine Freundin war, weil er sie nicht kannte?

Das war ein wenig zu viel für ihn in diesem Moment. Er war nämlich nicht mehr so ausgeglichen wie noch vorhin. Auf einmal kam es ihm so vor, als bräche der Himmel über seinem Kopf zusammen. Ein ziemlich ungutes Gefühl machte sich in ihm breit. Eine Art Taubheit, er mochte sich kaum bewegen. Auf einmal spürte er auch wieder sein inzwischen eigerenktes Knie. Es waren einfach noch die Nachwirkungen, aber der Schmerz war ihm egal. Der Schmerz in seinem Inneren war tausend Mal grösser.

Ohne sie anzublicken, hauchte er fassungslos: *Nicht meine Freundin ... und ... vergiftet??*

Nicolai schluckte erneut. Er wollte sich wahrlich zusammen reissen, aber es gelang ihm nicht. Auf einmal kam er sich angespannt vor wie eine Bogensehne. Und er brauchte Distanz. Wenn sie ihn nun anfassen würde, konnte es gut sein, dass er ausrasten würde. Kalt und tonlos waren nun auch seine Worte. Und immer noch sah er sie nicht an. *Warum erzählst du mir das ausgerechnet jetzt? Anna?*

Noch war er zu verwirrt, zu fassungslos, als dass er dahinter eine Taktik sähe. Aber eines wusste er: Er hatte sie verletzt und nun wollte sie es ihm heimzahlen.

*Warum?*




Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 17.09.2007 - 22:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es war ihr gelungen. Sie hatte ihre Absicht erreicht. Und sie fühlte sich so elend und schlecht dabei, wie vielleicht noch nie in ihrem Leben. Erleichtert fielen ihre schmerzenden Augen zu und ihre Lippen öffneten sich unter einem tieferen, lautlosen Lufteinziehen, als sie spürte, wie sich Nicolai ihr entzog und sich ebenfalls von ihr abwandte. Valvenyas Hände schoben sich in ihre Ärmel, so dass ihre Fingernägel sich tief in die Haut der Oberarme bohren konnten. Es wirkte wie ein müdes Streicheln im Vergleich zu den Qualen in ihrem Inneren. Aber es war das Beste. Und es würde noch nicht reichen. Nur ein erster Schlag, der vielleicht einen Riss erzeugt hatte, doch um wirklich alles restlos einzureissen, was sich an Vertrauen zwischen ihnen aufgebaut hatte, würde sie ihn und damit auch sich selbst noch viel mehr verletzen müssen.

*Weil es Zeit ist, dass du dich wieder wirklich wichtigen Dingen zuwendest.*
Anna selbst konnte kaum glauben, dass diese völlig emotionslose Stimme zu ihr gehörte.
*Und weil du bis jetzt nicht einmal auf den Gedanken gekommen bist, mich von dir aus zu fragen. Dabei komme ich geradewegs aus Dakien. Dir muss man ja mit Gewalt die Gefährlichkeit deiner Lage vor Augen führen. Du erzählst mir, das hier Feinde lauern. Ich habe sie gespürt, schon als die Insel zum ersten Mal in Sichtweite kam. Ich spüre permanent die Bedrohung, in der wir uns alle befinden.*

Allein die Furcht, die sie verspürte, wenn sie daran dachte, bei irgendwem plötzlich das Zeichen des Todes wahrnehmen zu können.... sei es bei Linus oder Atthelá oder gar bei Nicolai...
Nein, nicht jetzt, nicht hier. Sie musste sich zusammenreissen. Sie mussten diesen Weg weitergehen, und wenn sie sich die Beine zerschnitt und kriechen musste.
*Ein wahrer König sollte wissen, wann er wichtige Informationen einholen sollte. Und ein wahrer Freund sollte seine Freundin nicht bevormunden. Oder begehren. Je nachdem in welcher Rolle sie ihm gerade am Besten gefällt.*




Nicolai
unregistriert

...   Erstellt am 17.09.2007 - 22:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es war mehr als ein Schlag in sein Gesicht. Aber Nicolai hielt fiel aus. Er nahm ihre Antworten zur Kenntnis, aber er glaubte ihr auf einmal nicht. Zu sehr hatte sich ihre Stimmung geändert. Denn auch wenn sie sich die letzten zwei Jahre nicht gesehen hatten, so kannten sie sich schon als Kinder und er kannte sie besser, als sie glaubte, auch wenn er heute etwas neues von ihr erfahren hatte, was er damals nicht wusste.

Und auch wenn er noch fassungslos war, er spürte, dass sie ihm einfach nur noch wehtun wollte. Es war zu offensichtlich. Sie war vorhin so anders gewesen. Und auch früher hatten sie sich immer alles sagen können, insofern war Nicolai der Ansicht, dass es nicht nur daran liegen konnte, dass er seine Meinung gesagt hatte. Aber was sollte er nur tun? Die Situation war doch sehr sehr seltsam. Warum tat sie es? Wollte sie ihm weh tun, oder sich selber?

Dennoch musste er auch immer wieder an seinen Vater denken. Und daran, dass er vergiftet wurde. Doch Venya machte ihn auch wütend mit ihrer Art. Und dennoch wollte er sich zusammen reissen, denn sie bedeutete ihm viel. Doch etwas hatte sich verändert.

*Ich bevormunde dich nicht, Anna Valvenya und die Worte, die über deine Lippen kommen, denen glaube ich nicht. Siehe es von mir aus wieder negativ. Ich ... ich hatte gedacht, wir können uns alles sagen. Und ja, du bist meine Freundin, auch wenn du es nicht mehr willst, weil ich dich verletzt habe. Ich möchte dir auch gerne noch viel sagen und auf alles eingehen. Aber, das mit meinem Vater ... «

Er zog tief die Luft ein. Nein, er wollte nun keine Schwäche mehr zu geben. Es war genug. Das etwas nicht stimmte, hatte er bemerkt. Auch er wollte am liebsten das Zelt verlassen, alleine sein. Auf der anderen Seite wollte er nichts zwischen ihnen im Raum stehen lassen. Aber was sie da tat, verstand er einfach noch nicht wirklich. Und er hasste sich dafür, wollte aber stark sein. Ein dummes Gemisch. Und so sagte er nur: *Willst du mir also nun sagen, wie ich als angehender König handeln soll? Wirklich interessant. Aber sprich nur: Wer hat Dayan vergiftet? Und woher weisst du es ...«

Er wirkte sehr distanziert, obwohl er es gar nicht wollte. Im Gegenteil, sie hatte ihm einen Stich versetzt, den er noch gar nicht verstand. Er spürte nur den unermesslichen Schmerz und seine verdammte Unsicherheit. Und die hasste er so, wie sie ihren Körper. Doch dann nahm er sich zusammen. Denn er hielt es einfach nicht mehr aus. Da war sie diesen weiten Weg zu ihm gekommen und eigentlich waren sie die besten Freunde, da konnte es doch nicht angehen, dass sie sich nach einer so intensiven Nacht auf einmal stritten und von einander distanzierten. Und beide hatte genug Schmerzen erlebt, Nicolai gab sich einen Ruck und überwand seinen Stolz und sein Verletztsein und drehte sich zu Anna um. Er legte seine Hände sehr sanft auf ihre Schulter und blickte sie sehr warm und so gar flehend an.

»Du bist meine beste Freundin, Anna und ich liebe dich. Was auch immer passiert. Was auch immer ich sage: Ich will dich nicht verlieren. Und was auch immer passiert ist - ich hoffe, du empfindest ähnlich wie du ...*




Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 18.09.2007 - 14:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


*Ich weiß es einfach*, hatte Valvenya nur mit zusammengepressten Kiefern hervorgestoßen, als Nicolai sie nach ihrem Wissen die Vergiftung seines Vaters betreffend fragte. Sie hatte für diese knappe Antwort kaum die Lippen bewegt und auch der Rest ihres Körpers glich immer noch einer unbeweglichen - und in ihren Augen sehr unansehnlichen - Statue. Es war offenbar nicht so leicht, die alten Bande zwischen ihnen nachhaltig zu durchtrennen. Anna spürte die teils weichen, teils harten Strukturen ihres selbstgebauten Freundschaftsarmbandes um ihr Handgelenk, in das auch eine fein geflochtene Haarsträhne von Nicolai eingearbeitet war. Es gab keine Gefühle mehr wie Wut, Enttäuschung oder Trauer in ihrem Inneren, da war nichts als Schmerz, der ab und an stärker wurde und dann wieder in der Leere verebbte. Nicht einmal ihren eigenen Herzschlag nahm sie noch richtig wahr, er schien viel zu langsam und unregelmäßig, als weigerte er sich, diese Qualen weiterhin zu unterstützen, indem er sie am Leben hielt.
Venya trieb ihre Fingernägel noch etwas tiefer in ihre Arme, und fragte sich, was sie noch tun und sagen sollte, um ihn zu überzeugen. Immer wieder fragte sie sich, ob sie wirklich den richtigen Weg beschritt und immer wieder musste sie sich eingestehen, dass es auf Dauer so das Beste wäre. Wenn Nicolai ihretwegen irgendetwas zustieße, würde sie sich dies nie verzeihen. Warum war er nur so verdammt stur, ließ sich beleidigen und ungerechtfertigt Vorhaltungen machen, um alle Vorwürfe dann einfach zu übergehen, weil sie ihm nicht gefielen? Weswegen wandte er sich nicht weiterhin von ihr ab? Sie selbst verfluchte sich doch bereits schon auf ewig für ihre grausamen Äußerungen, wie konnte er da so nachsichtig sein und Entschuldigungen suchen?

Als er dann auch noch seine Hände auf ihre Schultern legte, worunter sie unwillkürlich zusammenzuckte, hielt sie den Atem an und versteifte sich noch mehr. Obwohl sie seinen Blick nach wie vor nicht erwiderte, wusste sie sehr wohl genau, wie der seine sie umfing. Viel zu warm, viel zu sanft und viel zu verständnisvoll.
Und dann seine Worte... mit jeder Silbe wuchs das Verlangen in ihr, verzweifelt aufzuschreien. Er sollte, er musste damit aufhören! Er wollte sie nicht verlieren? Annas Herz verkrampfte sich und schien auszusetzen. So durfte er einfach nicht über sie denken, genau diese Empfindung würde sein Untergang sein! Sie machte ihn verletzbar, sie war seine Schwachstelle, warum sah er das nicht ein?! Ihr geschundener Körper spannte sich an, eine Tat, die ihre erschöpften Muskeln nur in einer Art übernatürlicher Anstrengung noch zu bewältigen schienen. Und dann seine letzten Worte... ich hoffe, du empfindest ähnlich wie ich.... Genau WEIL sie so empfand war es doch unmöglich, ihr Verhältnis noch weiter aufrecht zu erhalten! Venya stieß einen halb unterdrückten, fast keuchenden Laut aus, während sie glaubte, innerlich entzweizureißen.

*Nicolai, du Idiot!*
Ihre Stimme war nur ein schwaches Abbild der aufgestauten Wut und Verzweiflung gewesen, obwohl sie diesmal fast geschrieen hatte. Instinktiv hatte sie ihn gegen die Brust und von sich fort gestoßen, wenn auch nicht mit nennenswerter Kraft, doch so, dass die Geste überdeutlich war. Mit schmerzerfüllt flackernden, wild blaugrünen Augen blickte sie in die seinen, allerdings nur zwei Herzschläge lang und bis sie realisierte, was sie gerade getan hatte. Dann fiel ihr Blick sofort auf die Brustpartie, wo sie immer noch ihre glühenden Handabdrücke wahrzunehmen glaubte, obwohl natürlich gar nichts zu sehen war. Nun wieder fast vollkommen erstarrt durchlief nur ab und an etwas wie ein Schauder ihre gesamte, schmale Gestalt, während sich in ihrem Inneren hitzige Stimmen um die Vorherrschaft stritten. Doch so sehr sie sich auch bekräftigte, dass sie vorausschauend und richtig gehandelt hatte - sie konnte so nicht weitermachen. Sie war nicht stark genug und er würde ihr wahrscheinlich ohnehin nicht glauben. Und egal, wie sehr sie ihn nun auch verletzte, am Ende würde ihn all das nicht davon abhalten, ihr helfen zu wollen. Weil dies eben seine Persönlichkeit war, seine Art, die ihn zu etwas Besonderem machte. Sollte denn alles wirklich so kommen, wie sie ahnte, musste sie ihm dann nicht vertrauen, dass er das Richtige täte, wenn sie doch die ganze Zeit hervorhob, wie einzigartig und wertvoll sein wahres Ich, sein Licht, sich gestaltete?

*Es tut mir leid...* Venyas Worte schienen mehr ein qualvolles Seufzen zu sein. Angstvoll, doch wie angezogen strichen zunächst ihre Fingerspitzen hauchzart über seine immer noch seidig schimmernde Haut und die imaginären Abdrücke ihrer Wut darauf, bis sie sich, inzwischen wieder auf Knien, mit einer großen Kraftanstrengung nach vorne abstieß und begann, die 'verletzten' Stellen mit einer Vielzahl kleiner, heilender Küssen zu bedecken, als könnte sie ihre ablehnende Geste damit ausgleichen.
*Es tut mir leid.... so leid....*, flüsterte sie immer wieder und konnte nicht aufhören, ihn fortwährend und fast flehentlich zu küssen. Annas Hände strichen über seine unteren Rippenbögen, streiften mit den Daumenspitzen flüchtig die angespannten Muskeln seines Bauches, ehe sie unsicher an seinen Seiten verharrten. Mit fest zugepressten Augen versuchte sie sich nur auf die warm duftende, weiche Haut zu konzentrieren, über die ihre Lippen und ihre Finger strichen. Sie mochte sich nicht ausmalen, was dieser Fehler alle Beteiligten möglicherweise kosten würde. Ebenso töricht war es zu glauben, mit einem kleinen Streit das Band zwischen ihnen nachhaltig zerstören zu wollen. Und sollte ihre Beichte seine Gefühle und Empfindungen für sie nachhaltig erschüttert haben, so würde er seine Freundin von sich aus fortschieben und es ihr verbieten, ihn auf diese Weise zu berühren und in ihm einen 'Götzen' zu sehen. Sie fürchtete sich vor diesem Moment, aber sie konnte verstehen, wenn er nun so fühlte. Schließlich war sie wieder egoistisch und tat das, was sie wollte und nicht, was gut für ihn war. Valvenya wusste, dass sie nicht gut für ihn sein würde. Nicht mehr. Von nun an würde er sich um sie sorgen und sich für sie verantwortlich fühlen. Ganz gleich, was sie tat oder sagte.
*Ich liebe dich*, vertraute sie wispernd und nachdrücklich seinem sanft pochenden Herzschlag an, den sie an ihrer Wange spürte.




Nicolai
unregistriert

...   Erstellt am 21.09.2007 - 02:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Zuerst war Nicolai verwirrt, immer mehr. Ihre Antwort kam herüber, als wäre sie nicht sie selber. Er war fast selber wie in Trance. Sie sagte es, als wäre sie ewig entfernt und als ob sie dies alles nicht anginge, aber Nicolai war nicht dumm. er spürte, dass etwas nicht stimmte. Ja, ganz gewaltig nicht.
Immer noch war er verwoben mit dem Gedanken, dass sein Vater vergiftet wurde und auch wenn er ihn nicht tief liebte, Liebe war einfach da und Trauer. Das sein Vater nun aber vergiftet worden war, zeigte ein vollkommen neues Bild der verfluchten politischen Situation. Und Nicolais Gedanken rasten, wogen ab, analysierten und taten alles, damit er eine Antwort bekam.
Venyas kurze knappe Antwort half ihm kein Stück, im Gegenteil. Sie schmerzte ihn und es war, als triebe man oder sie ihm noch zusätzlich zu seinem Schmerz einen Dolch in sein Herz.
Nein, er wollte es nicht glauben, dass sie gekommen war, um ihm diese Neuigkeit auf so unsensible Weise mitzuteilen ... Nicolai verstand nicht, was hier gerade passierte, er merkte nur, dass es entsetzlich und nicht aushaltbar war und das etwas nicht stimmte.
Er versuchte zu verstehen, merkte aber, dass er sich richtig benommen von allem fühlte: Erst das wunderschöne Wiedersehen mit Venya, dann ihre so intensive Behandlung, dann die mentale und körperliche Verbindung und nun nur noch Trotz und ja ... Ablehnung. Nicolai registrierte es. Er hasste Ablehnung. Aber nur jenen Menschen gegenüber, die er liebte und die er nicht verlieren wollte. Bei allen anderen machte es ihm nichts aus. Damit konnte er umgehen. Man konnte nicht jeden lieben und wurde von den wenigsten geliebt.

Und so starrte er er auch vor sich hin, als Venya ihn plötzlich einen Idioten nannte und ihn grob gegen seine Brust von ihr wegstiess. Es war kein wirklich körperlicher Schmerz. Der innere, tief seelische Schmerz war es, der ihn an etwas erinnerte, was er nicht mehr spüren wollte. Wovor er immer unbewusst so viel Angst gehabt hatte. Aber es war dennoch anders. Etwas passierte in Nicolai. Er verabscheute erst diese Geste und nahm sie sehr persönlich, war gekränkt und er schloss seine Augen und hielt inne. Immer wieder aber fragte er sich, warum SIE, Venya es tat. Was hatte er in ihren Augen getan? Er versuchte sie und sich zu verstehen. Das hier eben schon einiges nicht mehr richtig lief, hatte er bemerkt. Und auch wenn er in sich gehen wollte und gleichzeitig sie verstehen wollte, war er ein wenig überfordert, einfach, weil er vollkommen erschöpft war. Dennoch.

Und dann passierte etwas, mit dem er gar nicht mehr gerechnet hatte und ihm zuerst unangenehm war. Sie entschuldigte sich und begann seinen nackten Oberkörper mit ihren weichen Lippen zu lieblosen. Dort, wo sich eben noch ihre Hand oder Faust in seine Haut gebrannt hatte und ihn weggestossen hatte ...
Für einen Moment war Nicolai wie in Trance, benebelt, versuchte klar zu denken.

Ich will stark sein und dennoch soll ich Schwächen zugeben. Dies ist ein schrecklicher Weg, denn wann soll ich was? Wann DARF ich was, wann darf ich etwas nicht, wann ist es richtig, wann falsch? - dies fragte sich Nicolai ...


Und dann spürte er es: Den richtigen Weg finden, wie es Venya sagte. Nur ist der nicht so einfach. Und dann entschied sich Nicolai einfach für einen Weg, den er für richtig hielt. Ob er richtig war, würde sich herausstellen, aber er wusste: ich bin nun ich und handel, wie ich es für richtig halte. Wenn er falsch ist, werde ich es gleich merken.

Als er Venyas Liebkosungen auf seinem Körper spürte, war es anders als sonst. Es war angenehm, ja, aber es hatte auch einen seltsamen Beigeschmack. Bereute sie wirklich und meinte sie nun, ihm das zu geben, von dem sie glaubte, dass er ja nur das wollte? Oder wollte sie dies wirklich, wo sie vorhin doch noch so seltsam negativ über diese Art von Körperlichkeit geredet hatte? Zugegeben, es war nicht unangenehm, aber was dachte sie nur von ihm? Dass er gleich wegen ein paar lieblichen und vielleicht ersehnten Küssen weich werden würde? So dumm und einfältig war Nicolai auch nicht gestrickt. Er mochte sehr auf das Körperliche bezogen sein, aber nicht so ...

»Ich verzeihe dir ...« hörte er seine Worte über seine Lippen kommen. Und er sah, wie seine Hände wieder ihre Schultern berührten, aber eigentlich nur, um sie ein wenig auf Distanz zu halten und ihr zu zeigen, dass sie dass, was sie tat, nicht machen musste.

Warum waren Menschen nur so kompliziert. Eigentlich genoss er es, aber nicht so, nicht nachdem, was geschehen war. Und es tat ihm sehr leid, sie ein wenig abzubringen von dem, was sie tat, um ihr ernsthaft und fast ein wenig verzweifelt in die Augen zu schauen.
»Ich verzeihe dir und liebe dich auch, egal, wie du von mit denkst. Wir bekommen auch das hin. Ich mich und du dich. Aber ...« Seine Augen funkelten und es war flehend aber auch stärkend: »Lass und zur Ruhe kommen und uns beide uns sein, zu und finden, so gut es heute geht. Ich weiss noch nicht wirklich, was da passiert ist und warum du so gehandelt hast, weshalb du so gehandelt hast. Es wird einen Sinn haben. Aber ...«

Nicolai lächelte nicht. Fast war Angst in seinem Blick zu erkennen, aber auch Liebe. Es war eine Zerrissenheit, die sie so nicht bei ihm gesehen hatte, aber es lag auch viel Hoffnung und Stärke in seinem Blick. Aber vielleicht hatte auch er sich geändert? Und woher wusste sie schon, was er alles gelernt hatte, auch durch sie. Hier und jetzt.

»Ich verzeihe dir und mir und dennoch will ich lernen. Aber deine Küsse will ich erst wirklich geniessen, wenn ich dich besser kenne und weiss, was du wirklich willst. Verstehst du? Du musst mir dies nicht zeigen, wenn du es vielleicht gar nicht willst. Küsse meine Haut nicht, wenn du es nicht möchtest und du glaubst, dass es mir gut tut. Ich bin nicht nur so, wie du glaubst. Ich weiss, auch sehr dank dir, und gerade dank Dir, dass es noch etwas anderes gibt, als das Körperliche. Aber bitte gebe mir Zeit und auch mir die Chance, zu lernen und sehe auch du, dass es da noch etwas anders gibt.«

Er blickte ihr tief in die Augen, tiefer denn je, allerdings auch sehr ernst und er meinte es ernst. »Lass uns von einander lernen ...«

Nicolai war sich sehr sicher. Und deshalb war er fast schon gelassen, obwohl ihm ihre erste Geste sehr wehgetan hatte, Aber er hoffte nun auch, dass sie in ihm nicht mehr den schwachen, gepeinigten Menschen sah, sondern auch jenen, der lernte und sich weiter entwickelte und er hoffte, dass sie es auch tat.

Und dann nahm er Venya liebevoll in seine Arme, so fern sie es denn zuliess. Und sollte sie es zu lassen, so konnte sie vielleicht wirklich spüren, wie ernst er es meinte, nicht nur der körperlichen Geste wegen ...




Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 23.09.2007 - 17:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Valvenya hatte mit einem leisen Seufzer die Augen geschlossen als sie spürte, wie Nicolai sie von sich fortschob und ihr so indirekt verbot, ihn weiter zu küssen. Eine Entwicklung, mit der sie im Grunde fest gerechnet hatte. Auf diese Weise würde sie ihre rüde Ablehnung, die Beleidigung, nicht rückgängig machen können, schon gar nicht sie, die sich mit diesem sinnlichen Körperempfinden ohnehin nicht auskannte. Sie hatte auch nicht wirklich darüber nachgedacht, was sie da gerade tat, es war nur ein Impuls gewesen, die vorangegangene körperliche Tätlichkeit in irgendeiner abstrusen Weise auszugleichen. Ein Zeichen ihrer Schwäche und dafür, dass sie sich mit ihrer Weisheit langsam dem Ende zuneigte. Alles, was sie augenblicklich noch ausmachte, war der unendlich große Wunsch in ihr, Nicolai zu beschützen und ein fast ebenso gewaltiger Schmerz darüber, was sie ihm für diesen Wunsch alles antun musste und dass sie es vermutlich dennoch nicht schaffen würde. Der Schatten über ihrer Zukunft blieb hartnäckig bestehen und wieder einmal wünschte sich Anna nichts sehnlicher, als von diesen Vorahnungen verschont zu bleiben, die zwangsläufig auch in die Gegenwart übergriffen und sie in jedem Moment beeinflussten. Und obwohl sie wusste, dass sie vermutlich im Endeffekt wenig erreichen würde, so glich es doch einer Art Bann dass sie es trotzdem immer weiter versuchen musste. Wenigstens solange sie noch die Kraft dazu besaß.

Er verzieh ihr und Venya wusste nicht, was sie fühlen sollte. Ein Teil von ihr verspürte Erleichterung, ein anderer nichts als Sorge. Wäre es nicht besser gewesen, wenn er ihr nicht vergeben, wenn er sie ebenfalls von sich fortgestoßen hätte, so wie sie ihn? Sie tat ihm nicht gut. Sie war bei weitem nicht das, was er verdiente, um was er sich kümmern sollte. Ihre Aufgabe war erfüllt und sie würde nichts anderes mehr sein als Ballast, der egoistischerweise glaubte, noch ein Recht auf Nicos Nähe zu haben. Da war keine Vernunft mehr, nur noch Verzweiflung bei dem Gedanken, ihn zu verlieren.
Zögernd und mühsam hielt sie seinem Blick stand, der sie noch tiefer schmerzte als alles andere. Anna hatte schon gewusst, weshalb sie diese Augen die ganze Zeit über gemieden hatte. Auch jetzt wirkte sie die ganze Zeit über wie kurz davor, ihm auszuweichen, und den Kopf fast demütig zu senken. Das Chaos in ihrem Inneren spiegelte sich schimmernd und dunkel in ihrer Iris, während sie hart schluckte und sich mit einer Hand abstützen musste, da sie leicht zu zittern begonnen hatte. Sie wollte ihm glauben, ihm vertrauen, zulassen, dass er sie stärkte und schützte, auch vor sich selbst, wenn es sein musste. Der Ausdruck in seinen leuchtend moosgrünen Augen war so intensiv, als wolle er auch den letzten Winkel ihrer verletzten Seele ausfüllen und beruhigen. So flehentlich und sanft, gleichzeitig jedoch auch mit Stärke und Willenskraft verbunden.
Er sollte das nicht tun.... das ist nicht richtig... war einer der letzten aufgewühlten Gedanken, die sich noch um ihr Bewusstsein stritten, ehe sie sie losließ und aufgab. Obwohl sie wusste, dass nicht alles was er sagte so einfach und schwerelos sein würde, wie er es aussprach. Wie sollte er beispielsweise wissen, was sie wollte, wenn sie es selbst nicht wusste und mit sich selbst um eine klare Antwort rang? Doch sein Blick spiegelte noch soviel mehr wider, als seine Worte aussagen konnten. So viel von dem, was auch sie in diesem Moment fühlte und weshalb sie alle Sicherheit verloren hatte. Valvenya konnte nicht sagen, welchen Schritt sie als nächstes wagen konnte, was richtig war und was falsch, was gefährlich und was sinnvoll. Als hinge sie in der Luft, unfähig zu sagen, wo sich der weite Himmel erstreckte und wo ein vielleicht tödlicher Aufprall lauerte. Und all dies noch gänzlich ohne sich mit sich selbst zu beschäftigen und auseinander zusetzen, so wie er dies anscheinend immer noch bei ihr tat.

Das wollte Anna auch nach wie vor nicht. Nicht jetzt, wenn sie das Gefühl hatte, ohnehin wie auf Scherben zu laufen. Stumm seufzend sank sie in seine Umarmung, für eine Gegenwehr hätte augenblicklich auch weder ihr Wille noch ihre Körperkraft ausgereicht. Ihre Augen starrten blicklos auf den Boden, während sie in Nicolais Armen mehr hing als saß. Venyas Atem strich schwer und flach über seine nackte Haut während sie auf seinen Herzschlag lauschte.
*Wir können hier nicht zur Ruhe kommen...*, hörte sie sich wie aus weiter Entfernung flüstern und ein schwaches Zittern durchlief ihren erschöpften Körper.
*Wir haben keine Zeit.... es geht nicht um mich.... du darfst mich nicht so lieben...*
Ein etwas längeres Schließen der Lider war alles, was von Venyas Wunsch zu lächeln blieb. Vermutlich würde sie es auf dem Sterbebett noch versuchen. Bis zum letzten Atemzug. Ihre Stimme war nicht mehr als ein heiserer Hauch.
*Ich muss dich schützen.... nicht dich abhängig machen.... versteh' das doch bitte...*
Erneut sog sie bebend die Luft ein und es schien, als fiele es ihr unendlich schwer.
*Ich glaube, dass.... ich habe gesehen, dass es der Mond war... Blut und Mond, immer wieder.... es war Decian, der deinen Vater vergiftet hat...*
Venyas Augen fielen müde zu und nur ihre Hände, die an seinem Rücken lagen und leichten Druck auf seine Haut ausübten, bewiesen noch, dass sie weder eingeschlafen noch das Bewusstsein verloren hatte und ihn immer noch halten wollte.




Nicolai
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...   Erstellt am 24.09.2007 - 01:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Irgendwie merkte Nicolai, dass es Venya nicht gut ging und sie mit ihren inneren Stimmen, Dämonen rang, wie er es nannte und es zerriss fast sein Herz, denn er liebte seine Freundin wirklich. Aber er war auch ein Mensch, der nicht immer seine Gefühle zeigte oder sich schnell erweichen liess. Aber er kannte Venya doch gut genug, um zu fühlen, dass es ihr sehr schlecht gehen müsste. Es war einfach die Art und Weise, wie sie ihn anblickte, oder auch nicht, wie sie sich eben gab. Und dies, obwohl sie sich seit über zwei Jahren nicht gesehen hatten. Was war nur in diesen zwei Jahren geschehen? Egal, das war im Moment nicht wichtig. Er hatte sie umarmt und schliesslich hatte die ihre Gegenwehr aufgegeben und liess es zu, dass er sie in seine starken Arme schloss. Dennoch glaubte er zu spüren, wie angespannt sie war und er wunderte sich darüber, dass er noch in seinem selbst sehr erschöpften Zustand noch solche sensiblen Dinge verspüren konnte. Als sich dann Venya mehr erschöpft und aufgebend fallen liess, drückte er sie sanft an sich und wiegte sie leicht und er wollte so viel sagen, als sie anfing davon zu sprechen, dass sie ihn beschützen wolle und sie davon sprach, als sei sie Meilenweit entfernt, dass sie hier nicht zur Ruhe kommen konnten und er sie nich so lieben dürfe ... doch was sie zum Schluss sagte, machte ihn richtig wütend und sie konnte spüren, wie er aufhörte, sie sanft in seinen Armen zu wiegen, wie er stockte und sich seine Arme, ja, sein ganzer Körper plötzlich versteifte. Mit einem Mal hielt er inne, auch wenn er sie nicht aus seinen Armen entliess, weil er nun erst Recht ihre körperliche Nähe brauchte, aber auch, weil er das Gefühl hatte, ihr so zu zeigen, wie unendlich wert sie ihm war. Doch ihre Offenbarung zeigte Wirkung. Sein ganzer Körper stand unter Anspannung, so, wie vor einem Kampf. Seine Muskeln wuchsen unter seine Haut förmlich an, versteiften sich.

*Decian* kam es verächtlich und verbittert über seine Lippen und Venya konnte durch dem dicken Stoff ihrer Gewänder spüren, wie sich seine Finger darein krallten und er steif wurde wie eine Statur.
*Decian, dieser verfluchte Bastard, dieser ignorante Höllenhund ... ich ... ich werde ihn töten!* Fast schien es, als dass Nicolai ihre anderen Worte überhört hatte. Aber dem war nicht so. Er war einfach nur schockiert. Und auch wenn er seinen Vater vielleicht nie richtig geliebt hatte, so hatte er immer Respekt für ihn empfunden, da er ein guter König war.

Und dann dauerte es eine Ewigkeit, bis er auf ihre anderen Worte einging, aber er war beeinflusst davon, dass er nun den Mörder seines Vaters kannte, aber er glaubte ihr. Sie hatte mit so etwas immer Recht und vielleicht würde er auch nachfragen, doch nun sagte er trocken und ohne Gefühl in seinen Worten, obwohl er sich bemühte: * Anna, ich danke dir für alles. Und ja, dies ist nicht die richtige Zeit, zur Ruhe zu kommen. Aber du musst mich nicht schützen, hörst du? Wir helfen einander. Versprochen? Ich bin nicht besser als du, siehe das doch einfach ein. Ich bin auch nur ein Mensch. Ein Mensch mit Ängsten und vielen Fehlern. Niemanden habe ich mich so oft geöffnet, wie dir, weil ich dir vertraue. Weil ich dich liebe. Und höre auf, mir zu sagen, was ich zu tun habe.* Er küsste Anna auf ihre Stirn, allerdings ein wenig Gedanken verloren. »Ich liebe dich, finde dich damit ab. Verstanden?!* Es war seine Art, etwas klar zu stellen, dabei ging es aber nicht darum, dass er der angehende König war und er das Recht dazu hatte. Das hatte er niemals Venya gegenüber ausgenutzt. Nein, er sprach für sich selbst.
*Ich vertraue deinen Vorausahnungen und du hast Recht. Wir müssen sehr vorsichtig sein. Aber sage mir bitte nicht, was ich zu tun und zu lassen habe. Du bist meine Freundin und das weisst du. Ich nehme deinen Rat gerne an, ja zu gerne, aber ob ich dich liebe oder nicht, ist meine Sache, verstehst du?* Nun drehte er die kleinere Frau vorsichtig, wobei er seine Umarmung lösen musste und blickte sie aus seinen hellen, grün-blau schimmernden Augen fest an und vielleicht hatte Venya es so noch niemals gesehen: Aber alles, was sie mit der Massage und der mentalen Verbindung erreicht hatte, mochte nun Früchte tragen, doch da war eben auch noch mehr: Nicolais Stärke, die ihn ausmachte.

*Wir werden es schaffen. Mag der Mond bluten, wir schaffen es und es mögen unsere Götter gewesen sein, die dich zu mir führten. Ich glaube an sie, aber mehr noch glaube ich an dich und das weisst du. Oder? Wenn nicht, dann glaube es jetzt! Und sage mir nicht, dass ich dich nicht lieben darf!«*
Nicolais helle Augen funkelten. In seinem Blick war Liebe und Hass gleichzeitig, Kampfeswillen und Behutsamkeit.
»Ich liebe dich, ob du es willst oder nicht, aber höre auf, mich schützen zu wollen und dich und dein Leben aufzugeben. Du bist mir eine wundervolle Freundin. Es nutzt nichts, wenn du auf egoistische Art sterben willst, wenn mir Leid zugefügt wirst. Verstehst du? Wenn du mich wirklich liebst, kämpfe. Aber nicht für mich, sondern auch für dich!*

Nicolai sprach einfach und dann strich er eine wild gewordene rote und hartnäckige Haarsträhne sehr sanft aus ihren Gesicht, obwohl in seinen Augen der Kampfeswillen ums überleben, ja um des Siegeswillen loderte, wie es Venya vielleicht so noch nie gesehen hatte.
*Wir schaffen es gemeinsam, die Dämonen zu bekämpfen. Unsere eigenen und die von aussen. Ich weiss es! Vertraue mir!* Nicolai meinte es ernst. Er sprühte nur so vor Willen und Kraft und obwohl vieles heute schief gegangen war. Und so seltsam es anmuten mochte, er verdankte vieles seiner Kraft Venya, obwohl sie scheinbar gerade sehr am Boden zerstört war.
*Und ich danke dir. Und gräme dich nicht. Wir schaffen das. Für Dakien! Für unser Volk, zudem zu genauso gehörst, wie ich!!!!*

Zwar wollte er dennoch fragen, woher Venya wusste, dass es Decian war, der seinen Vater umgebracht hatte, aber das hatte Zeit. Er würde es vielleicht später erfragen. Aber er hatte ihr auch gezeigt, wie sehr er ihr vertraute.




Valvenya
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...   Erstellt am 24.09.2007 - 16:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Valvenya hatte damit gerechnet, dass ihre letzte Mitteilung alles Weiche und Anschmiegsame aus Nicolais Körper und vermutlich auch Seele verdrängen würde, weshalb sie instinktiv ihre Umarmung ein klein wenig fester gestaltet hatte, so wie sie es in ihrem derzeitigen Zustand eben schaffte. Sie streichelte ihn auch nicht, obgleich sie es gerne getan hätte, nein, sie ließ ihn nur mit einem sanften Druck ihrer Fingerspitzen auf seiner Haut spüren, dass sie da war und mit ihm fühlte. Fast wollten sich auch Zweifel in ihr Herz schleichen, ob es wirklich richtig gewesen war, ihm diesen Umstand, diesen Schock ausgerechnet in einem solchen Augenblick zu offenbaren, aber ihre Intuition ließ sie wiederum ruhiger werden und erkennen, dass sie völlig angemessen gehandelt hatte. Mit der Erkenntnis fühlte sie auch Nicolais Stärke wachsen, nicht nur anhand seiner sich verhärtenden Muskeln, an welchen sie lehnte, sondern auch anhand der inneren Veränderung. Er sah nun wieder ein Ziel, etwas, wofür er gesund und kraftvoll sein musste. Es würde ihm helfen, sich zu fokussieren und seinen Willen neu zu formen. Mit zitternder Erleichterung stieß Venya ein wenig tiefer den Atem aus und öffnete ihre Lider wiederum einen schmalen, glänzenden Spalt.
Es half ihrem Freund, wenngleich sie selbst darüber anders dachte. Racheschwüre würden nie etwas sein, das sie antreiben konnte. Das sie in irgendeiner Weise zu stärken vermochte. Für derartige Gewaltakte war sie nicht erschaffen worden, sie schrak davor zurück, obwohl sie sich nach Nicolais Schwur, Decian für seine Tat büßen zu lassen, nichts anmerken ließ. Es war schließlich auch vollkommen verständlich, dass Nico derart reagierte. Zudem kannte sie ihn gut genug um zu wissen, dass dies vermutlich eine erste, impulsive Reaktion aufgrund des Schockmoments war. Nicolai hatte bereits gelernt, dass Rachegelüste ein so intensiv brennendes, alles verzehrendes Feuer waren, welches am Ende nichts hinterließ außer verbrannten Ruinen und Leere; äußerlich wie innerlich. Damals, als er die Stammesfeinde aufgespürt und abgeschlachtet hatte, weil er glaubte, anders mit diesem bohrenden Schmerz in seinem Inneren nicht umgehen zu können, der ihn trieb und unruhig machte. Er hatte seine Lektion gelernt, schmerzhaft und hart, aber es würde ihn letztendlich davon abhalten, einen solchen Fehler zu wiederholen und alles andere zu vergessen, außer seinem Schwur nach Vergeltung, der in ihm schrie und tobte und Blut verlangte.

Doch mochte Nicolai auch gemischte Gefühle im Zusammenhang mit seinem Vater gehegt haben, Anna wusste, dass er ihm niemals ein solches Ende gewünscht hätte. Dass er nun Hass und Abscheu für seinen Cousin empfand, nicht zuletzt weil dadurch auch alle Möglichkeiten einer Aussprache zwischen Vater und Sohn zunichte gemacht worden waren. Sie hätte es sich für ihren Freund gewünscht, dass auch er und Dayan vor dem nahenden Abschied die Gelegenheit erhalten hätten, offen und ehrlich miteinander zu reden, so wie Smarande und sie. Für Mutter und Tochter war es mehr als notwendig gewesen und das einzig wirklich Betrübliche war letzten Endes nur gewesen, dass sie es nicht schon geraume Zeit vorher getan hatten.
Erneut griff ein heimtückisches Schuldgefühl mit langen, klammen Fingern nach Venya. Hätte sie es nicht verhindern können? Hätte sie Dayan nicht warnen oder Decian auf irgendeine Art von seinem Plan abbringen können? Hatte sie wirklich alles versucht, hätte diese abscheuliche Tat nicht verhindert werden können, wenn sie sich nur getraut hätte, den Mund aufzumachen?
Man hätte dir nicht geglaubt flüsterte eine angenehm warme Stimme in ihrem Inneren, die so tröstlich und sanft war, dass Valvenya immer noch in Nicolais Armen erschauderte.
Dayan hätte dir niemals auch nur zugehört. Womöglich hätte er sogar dich noch verdächtigt, ihn aufgrund deines Wissens vergiften zu wollen. Und Decian hättest du dich nicht einmal weit genug nähern können, um mit ihm zu sprechen.
Weil ich zu feige bin…
Weil du nicht mehr gewesen wärst als ein lästiger Grashalm, der ihm im Wege stünde. Er hätte dich getötet und es hätte ihn nicht einmal eine besondere Kraftanstrengung gekostet. Du wärest nun tot und Nicolai hätte vielleicht niemals erfahren können, was mit seinem Vater geschehen ist. Du hast das Richtige getan. Du hast es ihm gesagt, nicht zu früh und nicht zu spät, sondern genau zum richtigen Zeitpunkt.


Vollkommen reglos und stumm lauschte Venya auf Nicolais beschleunigten Herzschlag nahe an ihrem Ohr und seinen leicht gepressten Atem, der teilweise durch ihre Haare strich. Dazu spürte sie den fester werdenden Griff seiner Hände in ihrem Rücken und brauchte nicht einmal besondere seherische Fähigkeiten um voraussagen zu können, wie sehr die Wut in ihm tobte. Obwohl sie sich nicht wirklich entspannt in ihrer momentanen Position so nahe bei ihm fühlte, so konnte sie ihn doch nach wie vor verstehen, auch, als er ihr mit wenig sanftmütiger Stimme erklärte, was er von ihren vorangegangenen Worten akzeptierte und was er rundheraus ablehnte. Annas Augen weiteten sich angesichts dieser plötzlichen Dominanz und sie hielt sogar noch den Atem an, als fürchtete sie, seinen Zorn durch eine falsche Bewegung noch stärker anzufachen. Sie schluckte überrascht als sie überaus deutlich den befehlenden Unterton in seiner Stimme vernahm, den er zwar mit Sicherheit nicht so meinte, welcher geboren aus seinem momentanen Zustand jedoch mehr als nachdrücklich sein Ziel erreichte. Natürlich hatte er in gewissen Punkten recht, sie hatte ihm nicht zu sagen, was er zu tun hatte (Dass er umgekehrt ihr gerade sehr deutlich mitteilte, was sie zu tun hatte, bekam sie gar nicht wirklich mit.). Zwar spürte sie wiederum die liebevolle Berührung seiner Lippen auf ihrer Stirn, allerdings war sie innerlich in diesem Moment zu aufgewühlt und verwirrt, als dass sie es bewusst registrieren konnte. Diese Wandlung war ein wenig zu rasch und komplett vor sich gegangen, als dass sie so schnell folgen oder inmitten ihrer Überraschung gleich entscheiden konnte, ob sie dies alles nun gut oder schlecht finden sollte. Aber es besaß etwas Mitreißendes und sie glaubte zu spüren, dass sich seine neugewonnene Kraft auch ein wenig auf sie übertrug. Ihr Herzschlag war beschleunigt und wirkte, nach ihrer eben noch so tiefgehenden Erschöpfung, plötzlich wieder merkwürdig lebendig. Trotzdem erschien ihr das ganze immer noch recht mysteriös. Geschah dies alles wirklich nur aufgrund der Erwähnung von Decian?
Valvenya sog deutlich schärfer die Luft ein, als Nicolais »Ich liebe dich, finde dich damit ab. Verstanden?!* sie erreichte und überaus offensichtlich machte, dass er keinen Widerspruch mehr duldete. Anna war ohnehin selten und nachhaltig diejenige, die Anordnungen gab und auch ihre Widerstände betrafen eigentlich nur Nicolai in besonderen Situationen bei denen sie ganz sicher wusste, dass sie ihn nun etwas führen musste. Oder weil ihre Ängste und Sorgen sich auf ein unerträgliches Maß steigerten.

Nun, da sie sich in ihren eigenen Empfindungen und Stimmen mehr und mehr selbst verloren fühlte, spürte sie in erster Linie tiefste Dankbarkeit darüber, dass er ihr aus diesem selbsterrichteten Gefängnis heraushalf und für sie entschied, ihr feste Säulen bot, an denen sie sich festhalten konnte. Ihr wenig standfestes Naturell war bedrohlich nahe an ein passives, hilfloses Aufgeben herangerutscht, ein unwirkliches Schweben in ihrer eigenen, geistigen Welt. Diesen Hang hatte sie schon immer besessen und die letzten Jahre in fast völliger menschlicher Abgeschiedenheit hatten nicht wirklich dazu beigetragen, diese Tendenz abzuschwächen.
Und so wirkte ihr Blick, mit dem sie seinen so fest entschlossenen und von Stärke erfüllten Ausdruck erwiderte, fast so offen, verwirrt und mit den Resten eines sehnsüchtigen Traums durchwirkt, als wäre sie gerade aus einem tiefen Schlaf erwacht und hätte die Wirklichkeit wieder gefunden. Weich und verwundbar wirkte sie, was aber vielleicht in diesem Moment kein Nachteil war, konnten sie seine Worte auf diese Art wenigstens besonders tief und eindringlich erreichen. Wie gebannt starrte Anna in seine Augen, in welchen wie so oft alles zu lesen war, was gegenwärtig sein Innerstes ausmachte und erfüllte. Ihre Lippen waren leicht geöffnet, während sie ihren Freund nur vollkommen fasziniert und gefesselt anblickte, ganz und gar vereinnahmt von seiner willensstarken, beherrschenden Ausstrahlung. In diesem Augenblick hätte er ihr vermutlich erzählen können, dass Pferde fliegen könnten und sie hätte es bis zu ihrem Lebensende fest geglaubt. Natürlich vertraute sie ihm, dass sie es schaffen würden, und wenngleich ihre Bemühungen mit Sicherheit nicht Dakien, sondern ihm allein galten, so zweifelte sie doch für den Moment nicht an seinen Worten. Er besaß die Kraft und den Mut dazu, das zu erreichen, was er sich zum Ziel setzte, dies hatte sie doch schon immer gewusst. Anscheinend hatte nach dieser Nacht nur noch ein Funke gefehlt, um ihn wirklich auf seine inneren Mächte zurückgreifen lassen zu können, und dieser Funke war der Mord an seinem Vater gewesen.

Anna schwieg immer noch tief bewegt von den Gefühlen, die sie in ihm spürte und auch in sich, dort geradezu feurig im Gegensatz zu dem lethargischen Traum, der darin bis eben noch geherrscht hatte. Sie war nicht die Art Mensch, die gleich ebenfalls impulsiv aufgerüttelt aufsprang und dem Feind entgegen preschte, außerdem hatte Nicolai ja auch keine Schlachtrede gehalten. Aber sie wirkte nun nicht mehr so leblos und schwach wie zuvor noch, obwohl sie nach wie vor recht erschöpft und müde war. Doch ein Teil ihrer Körperspannung war zurückgekehrt und sie konnte selbständig vor Nico knien, ohne dass er sie allzu fest halten musste.
Musste sie nun sprechen? Alles was sie sagen konnte würde doch nur die Atmosphäre, die er geschaffen hatte, zerstören, oder nicht? Viel lieber hätte sie ihm weiterhin zugehört, sich mitreißen lassen und einfach nur das genossen, was er in ihr auslöste. Sie würde nicht triumphierend die Faust in die Höhe recken und ‚Recht so!’ ausrufen, aber sie wollte verdeutlichen, dass sie das von ihm Geforderte für sich annahm und sich danach richten würde. Er hatte recht, natürlich, mit allem. Nicolai würde letzten Endes immer Recht behalten. Sie hatte ihm keine Vorgaben zu machen oder ihm zu sagen, wie er denken und empfinden sollte. Also nickte sie erst einmal nur, die blassen Wangen leicht gerötet, während sie sich auf die Unterlippe biss und um fast zehn Jahre jünger wirkte. Wieder senkte sich ihr Blick, diesmal aber mehr aus der Unsicherheit heraus, dass sie nicht wusste, wie sie nun antworten sollte.
*Natürlich hast du völlig recht, ich… ich hätte dich niemals in dem Maße bevormunden dürfen und ich bin auch sehr froh, dass du mich liebst…*
Dies war eigentlich eine geradezu unverschämte Untertreibung und für einen Moment zauderte Venya, ob sie dies noch korrigieren sollte und durfte. Nervös spielten ihre Finger miteinander.
*Du weißt, wie sehr ich dich brauche*, gab sie schließlich kaum hörbar zu, obwohl sie fürchtete, damit schon wieder dem entgegenzuwirken, was ihm ebenfalls an ihr missfallen hatte, nämlich dass sie sich zu sehr nach ihm richtete und nicht eigenständig genug war. Aber bei den Göttern, so war es nun einmal!

*Ich werde dir nicht mehr sagen, was du zu tun oder zu lassen hast*, ergänzte sie deswegen auch gleich reuevoll und ehrlich, *und ich werde dir vertrauen. Ich habe dir immer vertraut. Nicht weil du der Prinz bist, sondern weil du der Mensch bist, der du eben bist. Ich will dich gar nicht ändern. Das muss ich gar nicht mehr. Ich weiß aber auch, wie ich bin. Ich bin nicht so selbständig und stark, wie du dir vielleicht dachtest oder wie ich wirke, wenn ich alleine mit mir durch die Wälder ziehe. Ich brauche dich wie niemanden sonst und ich liebe dich wie niemanden sonst, vielleicht mehr, als du oder ein Außenstehender es gut findet, aber es ist nun einmal so weil ich eben so bin. Ich sehe es nicht als falsch und schädlich für mich an. Ich will mich nach dir richten und ich will mich dir im Zweifelsfall unterordnen, weil ich es gerne tue und es tun möchte. Es ist mein größter Wunsch, dich zu unterstützen wo und wie ich es nur kann und dir zu helfen. Das ist Teil meines Lebens. Nenne es schwach. Nenne es töricht und schlecht, egoistisch dir gegenüber meinetwegen auch, wenn du meinst. Ich werde dir nicht sagen, was du denken sollst. Aber Nico, es IST so. Ich bin nicht wie du und eigentlich hasse ich das Alleinsein. Ich kann mich nicht der Welt entgegenstellen und sagen ‚Nehmt mich so wie ich bin oder schert euch weg!’. Ich bin verloren, wenn ich niemanden habe, an dem ich mich festhalten kann. Ich bin in gewissem Sinne hilflos. So BIN ich und war es schon immer. Ich habe dir nichts entgegenzusetzen. Mit mir wirst du nicht einmal streiten können, außer ich befinde mich wirklich am Rande der Verzweiflung und weiß mir nicht anders zu helfen, so wie eben. Ich will helfen, nicht kämpfen. Aber da du möchtest, dass ich kämpfe… werde ich es tun. Obwohl ich nicht weiß wie… aber ich werde es versuchen. Weil du es dir von mir wünschst.*
Es würde nicht das sein, was er hören wollte, aber wenn er schon betonte, dass er sie so lieben würde, dann sollte er auch endlich die Realität erkennen. Im Grunde hatten sie gar nichts gemein, waren so unterschiedlich, wie zwei Menschen nur sein konnten. Und er liebte starke Frauen, Deirdre hatte ihn nicht nur wegen ihrer Haarfarbe angezogen, sondern wegen ihrer herausfordernden, willensstarken und ungebrochenen Art. Die würde er bei Anna nicht finden. Bei ihr gab es nicht einmal etwas, das man brechen konnte. Vermutlich würde er nun wirklich wütend werden, weil sie ihm nicht das gesagt hatte, was er hören wollte. Weil sie ehrlich gewesen war und ihm dies bei ihr nicht passte. Sie sollte lernen, sich besser zu verstellen, ihm etwas vorspielen, das ihm gefiel. Dass sie kämpfen würde wie eine Löwin, vielleicht dass sie sich noch am Schwert ausbilden lassen würde, dass sie sich von niemandem mehr irgendwas gefallen ließe, Stolz und Selbstsicherheit gewinnen würde und sich selbst genügte, auf alles verzichten könnte, wenn es sein musste. So wie Deidre, die wirklich auf alles außer sich selbst hatte verzichten können…
*Ich werde immer für dich da sein und dich niemals verlassen. Außer du wünschst es. Aber auch dann würde es nur mein Körper sein, der dir fern bliebe…*, hauchte sie abschließend noch kaum hörbar und hob den Blick langsam wieder zu seinen Augen.




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