Mediterranea, eine Insel im Mittelmeer.

Eine Insel, ein unabhängiger Kleinstaat - genau im Kreuz der vier größten Mächte dieser Zeit: Rom, Athen, Alexandrien und Karthago - ein Ort der Weisheit und des Wahnsinns, der Korruption und der Freundschaft, der Freiheit und des Kampfes, ein Schmelztiegel der Kulturen und Klassen, wo Senatoren einem illustren Leben frönen, Händler aus aller Welt die exotischsten Dinge darbieten und Sklaven um ihre Freiheit kämpfen. Erlebe das Schicksal: Tauche ein in eine Welt voller Intrigen, Kampf, Spannung, Spaß, Liebe und Hass - werde Teil von Mediterranea!

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Nicolai
unregistriert

...   Erstellt am 09.09.2007 - 20:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Auch Nicolai fühlte sich bei dieser Art Gespräch nicht mehr sonderlich wohl. Dennoch rief er sich immer wieder ins Gedächtnis, dass er sich wirklich freute, dass Venya sich trotz aller Strapazen auf die lange Reise hier her gemacht hatte, ihre geliebte Heimat Dakien hinter sich lassend und dann auch noch ein Schiff bestieg, welches sie so hasste.
Doch auch wenn Nicolai nun aufmerksam ihren Worten lauschte, wurde er innerlich fast ein wenig böse. Dennoch lag sein Blick weiter hin fest auf ihr und er bemerkte, wie sie ihren Blick senkte und schluckte und dann ihr Blick zu ihrem am Boden liegenden Umhang schweifte. Leider konnte er nicht ihre Gedanken lesen, sonst hätte er dort schon Widerspruch eingelegt.
Auch hatte er das leichte zucken bemerkt, als er ihr kurz einen Kuss auf die Stirn hauchte und er fragte sich wahrlich, was nur in ihr vorging.
Und nun wirkte sie wie erstarrt und er fragte sich, was er falsch gemacht hatte, oder was generell falsch gelaufen war. Warum musste es zwischen Menschen, die sich doch so gerne hatten, oftmals nur alles so kompliziert sein?

Und dann schluckte sie erneut. Ihren traurigen Blick konnte er nicht wahrnehmen, da sie nun auf ihre verhüllten Knie starrte. Dann schüttelte sie den Kopf und schliesslich begann sie zu sprechen. Und Nicolai hörte zu, wie sie anfangs fast leise sprach und sich erklärte und erneut entschuldigte. Gerne hätte er etwas dazwischen geäussert, aber dann hob sie ihren Blick langsam und blickte ihn unergründlich an, so dass er nichts sagte, sondern sie weiter sprechen lies.
Es war ihre Bestimmung, für ihn da zu sein???? Klang es bitter in seinen Ohren. Doch was dann kam, überbot alles ...

Annas Worte:
Und wenn du es ablehnst, werde ich sterben, denn einen anderen Grund zu leben besitze ich nicht. Ich kann auf alles verzichten, Nicolai, auf alles. Nur nicht auf dich. Und wenn dir etwas wegen mir passiert... wenn du dich wegen mir in Gefahr begibst... dann werde ich mich umbringen. Vor deinen Augen, wenn es sein muss. Ich habe nie für ein 'Wir' gekämpft. Und ich werde es auch nie tun. Du bist es, der wichtig ist, der am Leben und stark sein muss. Akzeptiere es. Nicht, weil du perfekt bist, sondern weil du du selbst bist. Es stimmt, ich bin immer bei dir und kaum bei mir. Und es stimmt, dass ich meinen Körper hasse. Aber nicht nur ihn. Ich hasse meinen Geist genauso. Meine Gabe. Mein Sehen. Meine Fehler. Meine Vergangenheit. Seit ich acht Jahre alt bin, sterbe ich. Jeden Tag ein bisschen mehr. Was soll ich also noch bei mir? Warum soll ich noch irgendetwas lernen? Etwas nehmen? Wozu? Damit ich langsamer sterbe? Ich würde, wenn ich wüsste, dass ich dazu imstande wäre, das, was du mir gibst, zurückwerfen, es spiegeln. Aber ich kann es nicht mehr. Ich sauge es nur auf, gierig, wie die Nacht ein winziges Kerzenlicht und nichts bleibt mehr davon übrig außer eine noch tiefere Dunkelheit. Mein Körper wird dir nicht gerecht. Es ist lieb von dir, dass du es anders zu sehen versuchst, aber du weißt nicht, was unter diesen Gewändern ist. Ich schon. Ein Monster, das sich aufgrund niederer Instinkte noch an das Leben klammert und umso verzweifelter wird, je mehr es sieht, dass es verlieren wird. Ich würde dir alles von mir geben; mein Herz, meine Gedanken, mein Leben... wenn es für dich noch einen Wert hat... mein Körper hat keinen Wert mehr. Glaubst du, ich würde all das tragen, wenn sich darunter eine zweite Deirdre verbergen würde? Oder eine dieser hübschen Sklavinnen? Nicht, dass eine von ihnen dir je hätte gleichkommen können. Das kann niemand. Vielleicht Fürstin Evaliia, wie man hört, soll sie außergewöhnlich schön sein. Egal, auch sie würde dich bei aller Schönheit nicht erreichen können. Ich will dich nicht verletzen, denn jeder Stich, den ich dir zufüge, zerreißt mich förmlich. Und ich liebe dich, weil es keine Steigerung zu dem Wort 'liebe' gibt. Es tut mir Leid, ich wäre gerne perfekter für dich. Ich kann nicht soviel geben, wie ich möchte und es scheint nie genug in meinen Augen zu sein. Aber ich verlange nichts, gar nichts von dir. Ich darf bei dir sein und das... das ist nach der langen Zeit mehr als genug für mich.*

Nicolai wollte nicht glauben, was er da hörte. Das konnte sie nicht wirklich meinen? Sie definierte ihr eigenes Leben nur über ihn? Das war keine Liebe, dass war pure Abhängigkeit. Für einen Moment war Nicolai fassungslos und somit auch sprachlos, da er sich ihre Worte erst einmal in seinem Inneren wiederholen musste. Das war nicht wahr, und doch war es wohl, so, denn SIE hatte es ausgesprochen und er wusste, dass sie ihn nicht belog. Nein, sie meinte es wirklich aufrichtig, doch er stiess ihn damit nun ziemlich vor den Kopf. Und Nicolai versuchte, seine Beherrschung nicht zu verlieren, denn er liebte sie aufrecht als Freundin.
Doch was sie ihm da gerade erklärt hatte, davon hatte sie damals nie etwas gesagt und daher war es vollkommen neu für ihn und machte ihn unendlich traurig, dass es so weit gekommen war.

Zuerst schwieg er. Und wie sie es auch auffassen würde, er brauchte einen Moment zum Nachdenken, denn in seinem Kopf gab es wirre und auf ihn einprasselnde Gedanken zu ordenen. Nun kam leider auch noch hinzu, dass er selber, wie sie auch, vollkommen übernächtigt und erschöpft war. Dennoch wollte er alles in einem gemeinsamen Kontext verstehen, alles, was seit ihrer Ankunft und dem Wiedersehen passiert war. Zumindest wollte er es versuchen. Und er wollte sie auch nicht verletzten. Denn sie war schwächer, als er es je angenommen hatte, auch wenn sie es nicht einsehen würde und sich schon gar nicht von ihm helfen lassen wollte. Aber wie kam sie nur auf die irrsinnige Idee, IHM helfen zu wollen, wenn sie sich selber so hasste und ablehnte und mit sich nicht im Reinen war? Würde er ihr das so sagen? Er würde es gerne, doch er wollte jedes Wort genau abwägen, denn auf einmal sah er Venya mit ganz anderen Augen: EIn Mensch, der sich durch ihn, Nicolai definierte, ein Mensch, der nur von ihm und für ihn lebte und ohne ihn sterben wollte ... und das ganz normal fand und obwohl sie , was seine Psyche anbelangte und seine Vergangenheit, so Recht hatte und ihn aufgerüttelt hatte, doch selber einem unwiderbringlichen Irrglauben nachjagte. Nicolai war nicht nur fassungslos. Er war entsetzt. Und auch wenn er es eigentlich vermeiden wollte, starrte er sie mit einem solchen Blick an.
Nicolai schluckte.

Und es dauerte schier eine Ewigkeit, bevor er zu sprechen anfing. Zuerst noch blieb er ruhig.
*Anna, ich weiss, das du mich siehst und akzeptierst, wie ich bin und dafür danke und liebte ich dich schon immer. Und ich habe niemals sagen wollen, dass meine körperliche Seite reiner wäre als deine mentale oder wie auch immer. Niemals habe ich an dir und deinen Fähigkeiten gezweifelt. Und ich weiss, dass du niemals etwas an mir schlecht sehen möchtest, aber auch ich habe eben Fehler, wie jeder Mensch und du hast mich heute Nacht auf einige liebevoll, aber ehrlich hingewiesen. Und deshalb war das alles, was geschehen ist, wichtig, auch wenn ich am Morgen mich wieder den Problemen unseres Volkes widmen muss und mich aussen vorlassen muss.
Doch es ist nun noch nicht so weit, denn wie du sagst: Es ist auch wichtig, in sich zu gehen und alte Muster aufzulösen oder zumindest sie sich anzusehen.*
Er machte eine Pause und starrte auf seine eigenen Hände, die er etwas krampfhaft in seinem Schoß zusammen verschränkt hatte. Sein Blick war ausdruckslos und der Zauber in seinen Augen war wohl erst einmal verschwunden. Stattdessen war er voller Traurigkeit, Erkenntnis, aber auch Verwirrung - allerdings ständig um Fassung ringend. So war er nun einmal. Und so schwach er sich teilweise auch gegeben hatte, wirkte er nun wieder stark, wenn auch offen für alles.

Doch dann hob er seinen Blick und auch seine Hände, wovon er erneut eine auf Annas Schultern legte und mit der anderen ihr Kinn sanft, aber bestimmend legte und ihr Kinn so bewegte, dass sie ihn anschauen MUSSTE.
*Anna! Weisst du eigentlich, was du da eben gesagt hast? Du hast dich mir offenbart und ich danke unseren Göttern, dass du es getan hast. Aber ist dir bewusst, was das alles bedeutet? Für dich und für mich??? Ist es das? Du willst dein Leben für mich aufgeben?? Du willst sterben, wenn ich dich ablehne oder mir etwas zustösst??*

Er erhob nun seine Stimme. Zwar schrie er nicht, aber erhob sie, um seinen Worten die gewisse Deutlichkeit zu verleihen und auch so seinem Unmut und seiner Fassungslosigkeit Ausdruck zu verleihen.
*Ich werde dich nicht fragen, ob das dein Ernst ist, denn ich kenne dich und vertraue dir. Oder ... nein, ich glaubte, dich zu kennen - dennoch vertraue ich dir. Doch Anna, es kann nicht sein, dass du nur lebst, um für mich da zu sein. Das ist keine Liebe, Anna, verdammt, das ist eine Abhängigkeit. Und eine absolut falsche und ziemlich ungesunde, ist dir denn das nicht klar???*
Er wollte noch so viel sagen. Aber er wollte auch nicht zu viel sagen, er wollte sie nicht überfordern und ihr die Möglichkeit geben, auf seine Worte einzugehen. Dennoch, er hatte noch ewig weiter sprechen können, doch nun wollte er erst einmal wissen, ob seine Worte zu ihr durchdrangen.

Nur eines musste er noch sagen, denn ja, er hatte Angst, dass es sie überforderte, denn er war sich doch mehr unsicher, als er dachte:

*Ich würde auch vieles geben für dich Anna. Aber im richtigen Rahmen, denn alles andere ist keine Liebe und Freundschaft, sondern Selbstaufgabe - und das kann und darf es nicht sein ... *

Er war sich nicht sicher, wie sie es aufnehmen würde und war gespannt wie eine Bogensehne.




Nicolai
unregistriert

...   Erstellt am 09.09.2007 - 20:21Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Post, verdammtes Forum .... äh ... bitte

[Dieser Beitrag wurde am 09.09.2007 - 20:21 von Nicolai aktualisiert]




Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 09.09.2007 - 22:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Schon längst hatte sich Venyas dunkelschwerer Blick wieder zu Boden gesenkt und sie wirkte, als erwartete sie das harte Urteil über sich, dessen Ausgang sie nicht nur bereits kannte, sondern von dem sie auch wusste, dass es sie endgültig in den Abgrund stoßen würde. Sie hatte zuviel gesagt. Würde sich ihr eine Möglichkeit eröffnen, nähme sie ihre Worte sofort und vollkommen wieder zurück. Er würde entsetzt sein, geschockt, völlig verwirrt. Dazu musste sie wirklich nicht erst seine Augen und sein Gesicht sehen. Durch ihre so offenen Worte hatte sie ihm Einblicke in ihr Selbst gewährt, das sie hätte verschlossen halten sollen, wie sie es die ganzen Jahre über getan hatte. Aber irgendwie hatte sie es nicht gekonnt. Auch sie fühlte sich durch ihre mentale Verschmelzung, so kurz sie auch gewesen war, stärker mit ihm verbunden, gleichzeitig aber irgendwie auch noch weiter von ihm entfernt. Ihre Gegensätzlichkeiten waren deutlicher geworden, sein Licht traf nun stärker, ungedämpfter auf ihren Schatten. Und auch ihre Ausdauer, ihre Kraft war begrenzt. Mochte sie ihm auch stark und sicher und überzeugt vorkommen, so doch nur bei ihm, für ihn, durch ihn! Hatte er das etwa nie gesehen? War ihm niemals aufgefallen, wie besonders er war? Er war so schön... damals schon schien er von Tag zu Tag an Ausstrahlung zu gewinnen, nun, da sie ihn zwei Jahre nicht gesehen hatte, war der Unterschied kaum mehr in Worte zu fassen. Und jetzt... nach der beginnenden Entfaltung seiner inneren Stärke, seines wirklichen Ichs, vermochte sie ihn kaum noch anzusehen, ohne dass sie seine schiere Präsenz schmerzte in ihrer Einzigartigkeit.

Sie war darauf nicht vorbereitet gewesen. Trotz allem nicht. Ihr Weg, der ihr vor Kurzem noch so sicher erschienen war, wirkte erneut unsicher und im Zwielicht. Anna wusste nicht mehr zu sagen, wie sie mit ihm nun umgehen sollte, wie sie sich am Besten verhalten, was sie sagen musste und durfte. Da waren Fehler gewesen und Dinge, die sie richtig gemacht hatte. Aber sie war erschöpft und müde und sie fühlte sich mehr und mehr, als würde sie sich unter seinen Augen auflösen. Diesen leuchtenden Smaragden, deren Ausdruckskraft sie ganz und gar durchdrang.
Nicolai war zu groß für sie geworden. Es zeichnete sich schon lange ab, und sie hatte versucht, ihm gleichzukommen, um ihm weiterhin helfen und beistehen zu können, doch nun würde sie sich endgültig geschlagen geben müssen. Das war in Ordnung so und nur eine Frage der Zeit gewesen. Ein natürlicher Vorgang, ohnehin hatte sie viel zu lange seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Vielleicht hatte sie ihre Aufgabe nun erfüllt. Vielleicht fühlte sie sich deswegen so, als würde sie zusammenbrechen. Der Anflug eines schwachen Lächelns streifte ihre gesenkten Züge. War sie nun endlich befreit von ihrem Fluch...?

Seine ruhigen Worte plätscherten über sie und nichts davon blieb wirklich länger bei ihr. Es waren nur die Anfänge, sie wusste, dass der große Knall noch folgen würde. Für seine augenblickliche Ruhe und Gefasstheit war sie einfach zu weit gegangen. Und irgendwie, auf wundersame und vielleicht schwer nachvollziehbare Weise, fühlte sie sich auch erleichtert, endlich einen Teil von dem ausgesprochen zu haben, was ihr schwer auf der Seele lag. Es war, als wäre eine Art Bann gebrochen worden. Ein düsteres Geheimnis, etwas, das sie immer gefürchtet hatte und das nun seinen Schrecken verloren hatte, einfach weil sie es beim Namen genannt hatte.
Sie war nun schwach und deswegen wurde er stärker. So, wie es sein sollte.
Dann allerdings zwang ihr Freund Venya, ihn anzusehen und die Seherin hielt seinem Blick nicht länger als einen Herzschlag stand, bevor sie ihre Augen hastig und schwer atmend auf einen Punkt neben ihm richtete. Seine Stimme konnte sie nun leider jedoch nicht mehr ignorieren, und ihre Worte trafen sie wie Steingeschosse, denen sie nicht ausweichen konnte, und wenn sie sich in den Boden eingegraben hätte oder ins Meer getaucht wäre. Was sie liebend gern getan hätte. Mit einem tiefen, stockenden Atemzug presste sie die Augen schließlich zu und die Hände auf ihren Knien zu schmalen Fäusten zusammen. Es tat ihr nicht einmal so sehr weh, dass er ihre Worte und Lebensweise so verdammte, es war die Enttäuschung, der fassungslose Schrecken in seiner Stimme, die sie nicht ertragen konnte und die ihr das Herz blutig schnitten. Schließlich wusste sie, dass sie es nicht würde ändern können. Sie war, wie sie war und ihre Gefühle für ihn waren aufrichtig und stark, hatten sie sie doch all die Jahre schützen und halten müssen.

Liebe, Abhängigkeit.... Ging mit Liebe nicht immer auch eine Abhängigkeit einher? Schätzte man die Meinung desjenigen, den man liebte, nicht höher als die aller anderen? Richtete man sich nicht auch nach ihm? Wollte man nicht alles tun, um ihn glücklich zu machen, litt man nicht mit ihm, freute man sich nicht mit ihm, sorgte sich um ihn, verbrachte eine Stunde nach der anderen mit Gedanken, die sich nur um ihn drehten? Sie hatte es nur direkt und klar ausgesprochen und in keine schonungsvollen Phrasen verpackt. Es war ihr Leben, warum also konnte sie nicht das wenige, das sie noch frei entscheiden durfte, ihm schenken? Ihm, der ihr immer soviel von dem Leben gegeben hatte, welches ihr versagt worden war? Es hatte eine Entwicklung hin zu diesem Punkt gegeben, an dem sie heute stand. So vieles wusste er nicht, nahm es nicht wahr oder verstand es nicht. Und nun fühlte er sich hintergangen und ja, verraten weil sie sich ihm jetzt erst öffnete? Sie war am Ende, am Ende von allem, sonst hätte sie ihre ewig verschleierte Lüge einfach weitergelebt. Wenn man nichts anderes besaß, außer einer einzigen Blume, wurde diese dann nicht instinktiv zum Mittelpunkt eines Lebens? Wurde sie nicht zur schönsten, zur zauberhaftesten Pflanze der Welt, um die sich alles drehte, an die man immer dachte, und wegen der man den Gedanken nicht ertragen konnte, ihrer beraubt zu werden?

*Ich habe nichts anderes, Nicolai*, begann sie leise wie der Hauch Meereswind, der an den Zelttüchern zerrte.
*Ich habe nichts anderes außer dir. Ich gehöre mir nicht und ich will mir inzwischen auch nicht mehr gehören. Vielleicht... vielleicht findest du mich nun abstoßend, aber jemand wie du kann das vielleicht einfach nicht nachvollziehen. Du wurdest immer bewundert, die Leute genossen deine Gesellschaft, du warst beliebt, weil du aus dir herauskommen kannst. Du hast dich nach außen entwickelt und ich nach innen, weil man mich nie akzeptierte, weil man das, was ich bin, fürchtete und verabscheute. Du bist der einzige, der zu mir hielt. Aber du warst auch nicht immer da und ich musste mit mir selbst auskommen. Ich war seltsam, mit mir geschahen Dinge, die ich selbst anfangs nicht erklären konnte und ich hasste mich dafür, dass ich so war, wie ich war, weil sich dadurch alle anderen von mir abwandten. Dachtest du wirklich, ich wäre stolz auf meine angebliche 'Gabe'? Dass ich so sein wollte, wie ich sein musste? Dass es mir gefiel, den Tod von Menschen sehen, ihn aber nicht verhindern konnte? Am Liebsten würde ich mir die Augen ausstechen, wenn ich denn wüsste, dass es etwas ändern würde. Es ist leicht gesagt, dass ich falsch und ungesund handele und fühle. Aber du hast nicht die geringste Ahnung, wie mein Leben aussähe, wenn du nicht wärst. Versage mir den Begriff 'Liebe', wenn du ihn für zu kostbar hältst für meine kranke und falsche Sichtweise. Gib meinen Gefühlen einen anderen Titel. Trotzdem änderst du damit nichts. Ich... ich hab einfach nichts anderes, verstehst du?*

Valvenyas Augen öffneten sich langsam einen Spalt und erwiderten Nicolais Blick glänzend, offen und auch bittend. Sie wollte ihn nicht anbetteln, ihr dieses Letzte, ihn selbst, nicht zu nehmen, sie konnte nur zu gut verstehen, wenn er sie nach ihren Worten erst einmal nicht mehr um sich haben wollte. Sie war ehrlich gewesen und sie fühlte, dass es sie gleichzeitig schmerzte, aber auch erleichterte, ihm dies zu beichten. Gerade weil er geglaubt hatte, sie zu lieben. Nun würde er verstehen können, wie unmöglich solche Gefühle ihr gegenüber eigentlich waren.
*Ich liebe dich, nicht weil ich von irgendwem abhängig sein wollte. Sondern weil du so bist, wie du bist. Mein bester Freund. Der einzige Mensch außer meiner Mutter, der immer zu mir gehalten hat. Der mich normal behandelt hat, der mich einen Blick darauf hat werfen lassen, wie es sein kann. Der mich annahm, wie ich bin. Bitte sei mir nicht böse, wenn ich dir dies alles heute erst sagte. Ich wollte mein Heiligtum, meine Zuflucht, nicht zerstören.*




Nicolai
unregistriert

...   Erstellt am 14.09.2007 - 22:29Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nico hatte registriert, dass Venya, als er ihr Kinn zu ihm drehte, damit sie ihn ansehen musste, seinem Blick nicht lange stand hielt, was für ihn ein Zeichen der Schwäche war. Aber irgendwie wirkte Venya ohnehin im Moment zerbrechlich und schwäch, mehr, als sie vielleicht zeigen wollte.
Viel zu hastig und schnell atmend fixierte sie ihren Blick irgendwo neben ihn und es ärgerte ihn, dass sie ihn nicht einmal mehr wagte anzuschauen. Was nur ging in ihr vor? Denn als seine Worte an Heftigkeit zu nahmen und vor allem sein Tonfall, presste sie die Augen zu und ihre Hände auf ihren Knien ballte sie zu Fäusten.
Doch nichts hielt Nicolai davon ab, weiter zu reden, denn es brannte ihn auf der Seele.

Ja, sie hatten sich beide verändert. Sehr so gar und erst jetzt wurde es Nicolai mehr und mehr bewusst.

Als er fertig geredet hatte, strich er sich mit seinen Händen über die Stirn und dann seine Haare hintern den Kopf und seufzte schwer. Doch dann begann Venya zu reden und er war schon gespannt, was sie nun erwidern würde.

Schon ihre ersten Sätze trafen ihn wie eine Faust im Gesicht: *Ich habe nichts anderes, Nicolai ... Ich habe nichts anderes außer dir. Ich gehöre mir nicht und ich will mir inzwischen auch nicht mehr gehören*
Ihre Worte kamen eher gehaucht, als das sie sprach und dann hörte sie gar nicht mehr auf und gerne hätte Nicolai zwischendurch etwas eingeworfen, sie unterbrochen, doch stattdessen hörte er ihr zu, allerdings wurde er innerlich immer wütender. Was nur ging in ihr vor, dass sie einen Teil ihrer Rede mit weiter zugekniffenen Augen von sich gab? Egal, was für innere Dämonen sie trieben, Nicolai musste ihr seine Meinung sagen, egal, ob es für sie schmerzhaft war. Er tat es nicht, um sie zu verletzen, ebenso wie sie vorhin einiges über Nicolai sagte und ihn nicht verletzen, sondern aufrütteln wollte. Und dies musste er nun bei Venya.

Dann öffnete sie ihre Augen einen Spalt und sie sah ihn mit einem glänzenden, aber auch offenen und bittenden Blick an und sprach schliesslich weiter. Und sie versuchte sich zu erklären. Nicolai versuchte zu verstehen, aber in seinem Kopf bildeten sich immer mehr Gedanken und formten sich zu Sätzen, je mehr Venya von sich erzählte.
Und Nicolais Blick versteinerte immer mehr.

Als sie dann zu Ende gesprochen hatte, starrte er sie offen an, allerdings war da nicht der Hauch eines Lächelns (5). Im Gegenteil, er blickte sie fest an, entrüstet fast schon, aber vor allem verständnislos.

Und Nicolai brauchte einen Moment, bevor er schliesslich loslegte und wieder war sein Tonfall in dem Maße fest und vorwurfsvoll, wie vorhin schon.

*Du wolltest dein Heiligtum, deine Zuflucht nicht zerstören? Und du hast nichts anderes??? Und willst dir nicht gehören?? Sag mal, merkst du eigentlich noch, was du da von dir gibst? Du willst für mich sterben? Und redest von Liebe? Was bitte soll das für eine Liebe sein? Ich finde das ziemlich egoistisch von dir.*
Und dann griff er noch etwas von vorhin auf, was ihn rasend machte: *Und wenn mir etwas wegen dir passiert, würdest du, wenn es sein müsste, vor meinen Augen umbringen??? Anna, das ist für mich alles andere als Liebe!!«

Ja, pure Fassungslosigkeit sprach aus ihm und so blickte er sie auch. Berühren tat er sie nicht, vielleicht fesselte ja allein schon sein Blick sie, oder sie würde ihm wieder ausweichen. Aber seine Augen funkelten vor Verständnislosigkeit.




Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 14.09.2007 - 23:22Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Venya wurde immer kleiner und begann auch bereits, sich ein wenig von ihm zurückzuziehen. Sie war zu weit gegangen und nun hatte sie es zerstört. Das letzte bisschen, was in ihrem Leben noch schön gewesen und ihr Kraft gespendet hatte. Es war vorbei. Obwohl sie weiterhin kaum wagte, seinen Blick zu erwidern, den sie ohnehin kaum wiedererkannte, konnte sie spüren, wie unsagbar wütend und enttäuscht er war. Er bebte förmlich vor Zorn. Anna kam das Ganze immer noch so irreal und unmöglich vor, als befände sie sich in einem Traum oder einer besonders schrecklichen Vision. Ja, es war immer noch Nacht, morgen würde sie aufwachen und alles wäre so wie immer...
Instinktiv rückte sie ein Stückchen von ihm fort, als seine Stimme den wachsenden Raum zwischen ihnen durchschnitt und auch vor ihr nicht Halt zu machen schien, nahm sie sich doch gleichsam als verletzt und verwundet wahr. Sie fühlte sich so schlecht und elend wie sie glaubte, sich gar nicht mehr fühlen zu können. Es war wirklich vorbei. Dies war die Realität. Ihre Augen schlossen sich, während sie zitternd und angespannt die Luft einsog.
Er irrte sich. Sie wusste, was sie spürte, tief in sich. Er mochte ihm andere Namen geben, er mochte es verdammen, aber sie liebte ihn. Egoistisch war sie in seinen Augen? Dafür musste man erst einmal über ein Ego verfügen und das war bei ihr gar nicht mehr vorhanden.
Zusätzlich zu den geschlossenen Augen drehte sie noch den gesenkten Kopf leicht zur Seite, als wolle sie sich gleich doppelt gegen seine Blicke absichern, die sie irgendwie trotzdem wie eisige Klingenspitzen auf sich ruhen spürte. Sollte sie etwas erwidern? Wenn die Pause, die er kurzfristig einzulegen schien, nur noch ein wenig länger würde, übernähme er garantiert wieder das Gespräch. Aber nein, sie wollte etwas sagen, und sei es nur, um sich selbst zu bekräftigen und zu stärken.
*Ich liebe dich*, hauchte sie ähnlich tonlos und verschwindend wie zuvor schon und vermied weiterhin stur, seinen Blick zu erwidern. Es mochte schwach auf ihn wirken, doch das war ihr gleich. Wenn es keine Liebe war, die sie spürte, was war es dann? Selbstmitleid? Schuld? Beides konnte bei weitem nicht so stark sein wie das, was ihr Herz zum Schlagen brachte, sie atmen und leben ließ. Inzwischen war ihr auch vollkommen gleich, ob ihre Liebe nur von ihrer Gabe oder ihrem Schicksal herrührte. Sie war da und Valvenya würde sie sich nicht ausreden lassen. Nicht einmal von Nicolai.
*Der Liebende nennt es Wahnsinn. Der Wahnsinnige nennt es Liebe.* Sie lächelte schwach und zog sich noch etwas weiter von ihrem Freund zurück.




Nicolai
unregistriert

...   Erstellt am 15.09.2007 - 21:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


*Verdammt, Anna Valvenya, schaue mich an! Schaue mich an oder traust du dich nicht mehr, deinem Freund in die Augen zu schauen?«* rief Nicolai, als er bemerkte, wie sie sich von ihm zurückzog. Und er war außer sich und ziemlich verzweifelt, doch das deckte er zu mit seiner Fassungslosigkeit.
*Liebst du mich? Ja, dann schaue mich an, verdammt noch Mal!* polterte es aus ihm heraus. *Und hör mir auf mit Wahnsinn. Liebe hat nichts mit Wahnsinn zu tun, sondern mit Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Das musste ich auch erst lernen. Dank Deidre und dank dir und vielen anderen Momenten. Und noch etwas: Man kann nur lieben, wenn man weiss, was Liebe ist und sich selber liebt. Also! Schau mich an!* Er wollte sie diesmal nicht mit seiner Hand zwingen, ihm in die Augen zu sehen. Er hoffte, dass die Intensität seiner Worte ausreichte.

[Dieser Beitrag wurde am 15.09.2007 - 21:50 von Nicolai aktualisiert]




Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 15.09.2007 - 22:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Falls dies überhaupt noch möglich war schrumpfte Anna wieder ein wenig tiefer in sich zusammen, als sie ihren Namen in dieser Wut über Nicolais Lippen kommen hörte. Was sollte sie nur tun, um ihn zu beruhigen? In ihrem eigenen augenblicklichen Zustand vermutlich gar nichts. Sie fühlte sich zu schwach und übermüdet, aber es lag nicht nur daran, sie wollte keine Ausreden suchen. Es war schlicht so, dass sie sich mit einer solchen Situation nicht auskannte und ja, sie fühlte sich überfordert und leer. In dieser Nacht schien sie alles gegeben zu haben, was sie hatte entbehren können. Kraft, Worte, sich selbst... Über was sollte sie eigentlich noch sprechen? War da überhaupt noch etwas? Etwas, für das es sich lohnte, die Stimme zu erheben?

Oder den Blick? Nicolai bestand so darauf, dass sie ihn ansah... Warum? Sie konnte es nicht, auch nicht zum angeblichen Beweis für ihre Liebe. Venya wusste, dass sie dem nicht würde standhalten können. Mächtige, stolze Krieger hatten unter diesen Augen klein beigegeben und jetzt, in seiner momentanen Stimmung, sollte sie diesen stechenden Smaragden standhalten können?
*Liebe kann wahnsinnig machen. Ich weiß, dass ich von dir besessen bin. Was willst du noch hören? Welchen Beweis brauchst du?*
Immer noch hielt sie den Blick gesenkt und auch in ihrer Stimme war nicht der kleinste Hauch Kraft gewesen. Inzwischen waren mehrere lockere Haarsträhnen in ihr ohnehin in den Schatten liegendes Gesicht gefallen und ihre Hände lagen verkrampft auf ihren Oberschenkeln, anscheinend das einzige, das noch an ihr lebte.




Nicolai
unregistriert

...   Erstellt am 17.09.2007 - 01:50Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nicolai bemerkte zwar, wie schwach und erschöpft Venya war, er sah es in seiner Gesamtheit: Ihre Schultern waren nicht straff, ihre Hände auf ihren Knien verkrampft zu Fäusten geballt und sie konnte ihn nicht einmal mehr anschauen. Es ärgerte ihn, machte ihn wütend, denn er war im Moment sehr aufgebracht, auch wenn er selber erschöpft war und sein Körper sich nach Ruhe und Schlaf sehnte, ja gerade danach schrie, doch sein Geist war es, der die Oberhand hielt und ja, in so einem Moment konnte er nicht an Schlaf denken, zu viel würde unausgesprochen in seinem Kopf herumgeistern und ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Und so sehr er versuchte, bei Venya innerlich zu sein, eben auch in Gedanken, war er auch bei sich und es war ihm klar, dass er ihr nun viel sagen musste, was sie vielleicht nicht hören wollte. Aber Wahrheiten taten oft weh, wenn man sie nicht einsehen wollte und in diesem Punkt war er sich sicher: Er hatte Recht. Auch wenn er nicht der Mensch war, der partout darauf bestand, Recht zu behalten.

Und dann tat er etwas, was er erst nicht wollte, doch er forderte es nun gewaltsam ein. Und es tat ihm nicht wirklich weh, denn sonst hätte er es wohl unterlassen. Aber er konnte eben doch auch recht impulsiv werden, wenn er das Gefühl hatte, nicht von Venya verstanden zu werden.
*Schau mich an. Anna Valvenya!* Seine Aufforderung kam sehr scharf über seine Lippen. Und nun hob er seine Hand und seine Finger berührten fest, wenn natürlich auch nicht schmerzhaft ihr Kinn und er bewegte es mit sanfter Gewalt so in seine Richtung, dass sich ihrer beider Gesichter gegenüber standen. Natürlich, ihre Augen, welche nach unten gerichtet waren, würde er nicht zwingen können. Aber vielleicht würde seine Geste etwas erreichen. Aber wie auch immer, ihm brannte so viel auf der Seele, dass er sprach, egal, ob sie ihn dabei anschaute, wenngleich er auch dann fast ein wenig sanfter sprach, wenn auch immer noch aufgebracht:
*Schau mich bitte an, Anna ...« Und wenn er sie Anna nannte, war es, zumindest früher so gewesen, dass er sie sehr mochte und schätzte und so hoffte er, ihr damit ein wenig Angst nehmen zu können.

Und dann sprach er, distanziert, aber bemüht, dass es aufrichtig bei ihr ankommen möge: *Ich liebe dich. Und das solltest du wissen. Du bist meine beste Freundin, ich kann dir vertrauen. Du bist immer für mich da. Und dass du dich nicht eingemischt hast, als du ahntest, dass meine Mutter sich das Leben nahm, ist in Ordnung. SIE wollte es. Es ist IHR Leben gewesen und hättest du mir oder ihr etwas gesagt, wir hätten nichts ausrichten können, es vielleicht nur aufschieben können. Aber es WAR ihr Leben. Nun aber sind wir beide hier und reden von Liebe. Und du willst mir helfen, meine inneren Dämonen zu bekämpfen. Aber was ist mit den deinen? DU bist also von mir besessen? Das ist keine Liebe, Anna. Besessenheit ist ... krank!* Ja, er wählte diese harten Worte, denn er glaubte sonst, nicht wirklich zu ihr durch zu dringen. Und auch wenn er über die Jahre ruhiger und vielleicht ein wenig weiser geworden war, so war er noch niemals ein Mensch, der so einfühlsam sein konnte, wie vielleicht eine Priesterin der Seele, welche sich angemessen um seelisch Kranke kümmern konnte.
»Besessenheit ist alles andere als Liebe. Nun gut, ich selber glaubte nicht zu wissen, ob ich lieben kann oder was es genau ist, aber ich habe mich dennoch damit beschäftigt. Ich liebe Deirde immer noch, jetzt sogar mehr als vorher. Denn sie hat mir, wie du, meine Augen geöffnet. Aber sie ist nun fort und hat sich für ein Leben ohne mich entschieden, obwohl ich sie heiraten wollte und ihr die Welt zu Füssen legen wollte. Ich bin bereit, mehr in mich zu gehen, als du glaubst, auch wenn es wehtut und unbequem ist und ...* Er lachte verhalten auf und warf seinen Kopf in kurz in den Nacken, liess dabei nun auch Annas Kinn los, denn er beharrte nun nicht mehr darauf, dass sie ihn ansah. Entweder traute sie es sich, was für ihn ein kleiner Beweis gewesen wäre, oder aber auch nicht, denn er wollte nun nicht zu viel in alles hinein analysieren.
* ... und ja, einem aufzeigt, wie unperfekt man ist. Aber was ist mit dir? Was ist das für eine Liebe, durch die du dir deine Lebensexistenz erschafft? Bist du kein Mensch? Bist du nicht jemand, der aus sich heraus leben kann, mit allen Schwächen und Stärken? Anna, du benutzt mich, du liebst mich nicht. Ich weiss, dass klingt hart, aber so ist es. Ich bin nämlich nicht anders als du, du bildest es dir nur ein. Ich mag mit dem goldenen Löffel im Hintern aufgewachsen sein. Man mag mir alles nachgetragen haben. Aber hast du dir mal überlegt, warum mich alle mochten? Weil ich gemocht werden musste!!! Ich bin ein Prinz. Ein verdammter Thronfolger, der bald Dakien regieren wird. Mein ganzes Leben wurde ich darauf vorbereitet. Erinnerst du dich noch an die Zeit, wo mir erst verboten wurde, dich regelmässig zu sehen? Meinst du, das war leicht für mich? Ich habe dich so schmerzlich vermisst. Also, nicht nur du hast gelitten, ich auch, doch hier geht es nun nicht um mich. Es geht um dich. Es darf nicht sein, dass du mich nur liebst, weil ich ein ach so toller Prinz bin, den alle bewundern. ANNA! Ich will dich gerne glücklich machen, aber nicht so, dass du zu mir aufschaust und in mir das Licht und das Leben siehst, was dir, deiner Meinung verwehrt wurde. Und ich möchte nicht, dass du von mir für dich provitierst. Ich möchte, dass du deinen eigenen Wert zu schätzen lernst. Definiere dich nicht über mich. Wir sind beide nur Menschen, ich bin nicht besser und nicht schlechter als du, wie du vielleicht denkst.*

Nicolai machte eine kurze Pause. Er war eigentlich in solchen wahrlich kein guter Redner, doch nun sprudelte es aus ihm heraus und er wollte auch keine Unterbrechung ihrerseits, somit ging es dann auch gleich weiter:
*Du machst es dir in meinem Augen ein wenig zu einfach. Und ich sage es dir gleich: Was auch immer wahre Liebe ist: Auch ich würde für dich durchs Feuer gehen. Und wenn mich die Götter fragen würden, mich entscheiden lassen würden, ob du oder ich leben sollst, dann sage ich dir: Wenn ich die Wahl habe, dann würde ich mich für dein Leben entscheiden - selbst wenn Dakien dann einen anderen König bekommen würde. Doch das ist alles so leicht gesagt. Wenn die Götter mir vorher sagen würden, dass der neue König ein Tyrann werden würde und brutal und grausam und das eigene Volk leiden würde, DANN und nur dann, würde ich mich vielleicht gegen dich entscheiden. Verstehst du? Aber so läuft es zum Glück nicht. Also, du hilfst niemanden und mir am wenigsten damit, wenn du dich für mich freiwillig umbringen wurdest. Das ist für mich keine Liebe, dass ist für mich purer Egoismus. Du siehst also, ich liebe dich und würde eher wollen, dass du lebst, einfach, weil es eine verdammt gemeine Entscheidung der Götter wäre und ich es ihnen nicht zu trauen, denn welchen Sinn hätte es ...?*
Nicolai merkte, dass er ein wenig abschweifte..
*Entschuldige. Das alles ist eigentlich nicht wichtig. Aber eines möchte ich dir sagen: Weder Evaliia, so schön sie ist und so sehr ich sie begehre, und auch Deirdre sind nicht an meiner Seite. DU bist es. Und ich liebe dich, als Freundin. Zugegeben, vielleicht auch noch ein wenig seit heute mehr. Aber wenn es dir lieber ist: Meine körperlichen Begierden waren vielleicht unangebracht. Aber sie waren nun mal da. Und ich entschuldige mich nicht damit, dass ich nicht ich selbst war, so gut und entspannend deine Behandlung auch war. Du aber verleugnest dich und deine Wünsche und die Reaktion deines Körpers. Und warum? Du willst dich perfekt fühlen, bist es aber nicht, ebenso wie ich nicht und niemand. Niemand ist perfekt und wer das von sich glaubt, ist in meinen Augen ein Ignorant. Und nein, Anna, ich finde dich nicht abstossend. Ich liebe dich, aber ich finde es furchtbar, wie du dich selber siehst und so vieles an dir ablehnst. Es stimmt schon: Manchmal hasse auch ich mich, wie ich sagte, für gewissen Dinge oder Taten oder was auch immer. Manchmal vielleicht auch in allem. Aber ich lebe und will leben und ich will mich nicht verbiegen, wenn auch an mir arbeiten. Ich akzeptiere mich. Als der Mensch, der ich bin oder als der Mensch, der ich werden sollte: Thronfolger über ein ganzes Land. Niemand hat mich je gefragt, ob ich das möchte. Ich wurde darein geboren. Zugegeben, ich hätte weglaufen können. Vielleicht wäre ich heute dann ein unscheinbarer Bauer, nichts weiter. Zugegeben, du kannst weglaufen und hättest deine Gaben dennoch. Aber sehe es doch einmal positiv. Warum auch immer die Götter dir diese Gaben gegeben haben, sicherlich bekommt nicht jeder diese Chance. Und so furchtbar sie dir erscheint, versuche einen Nutzen daraus zu siehen. Ich weiss, es ist für dich schwer, weil sie dich alle abgelehnt haben und meinten, du bist eine Hexe. Ja und? Stehe darüber. Zeige den Menschen, dass du anders bist. Nutze dein Wissen aus. SO habe ich mich über Wasser gehalten. Irgendwann habe ich es eingesehen, dass ich anders bin, auf eine gewisse Weise ausgewählt. Ich begann es auszunutzen. Dennoch habe ich meinen Weg und mir damit sehr viele Feinde gemacht, ähnlich wie du.*

Wieder machte Nicolai eine Pause, aber nur kurz und dann starrte er hinter Anna auf irgendeinen Punkt.
*Nun aber bin ich nicht nur ein Prinz. Ein Tronfolger, der bald für ein ganzes Volk die Verantwortung übernehmen muss. Nun bin ich auch Vater eines Sohnes. Und ich bin verantwortlich für ihn und dafür, was ich tue und was er von mir mitbekommt und was ich ihm gebe. Siehst du, davor habe ich etwa Angst. Ich will, dass er frei aufwächst und seinen eigenen Willen und seine eigene Meinung entwickelt und niemals wie ich leiden muss unter den Einflüssen meiner Eltern ... ich möchte, dass er sich freier entscheiden kann, ob er einmal der König der Daker werden will ... und ja ...* Nicolai senkte nun seinen Blick selber und seine Gedanken waren bei Atthelá. Er war so stolz auf seinen Sohn und ihm wurde bewusst, dass er ihn sehr vernachlässigt hatte.

Doch dann war er wieder bei Anna und ohne den Blick zu heben, sprach er:
*Anna, denke darüber nach. Aber definiere dich nicht über mich. Du bist ein eigener Mensch. Lebe und liebe ... vor allem dich selber. Ich will nicht der Mensch sein, durch den du dich definierst und der schlussendlich Schuld ist. Ich bin ich und du bist du. Und ja, auch wenn ich dein falsches Konstrukt nun zum Fallen bringen, aber bevor du mir sagst, was ich in meinem Leben ändern soll, fange einfach bei dir an. Du lebst zu sehr in deiner Welt und nein, ich will nicht dein Götzenbild sein. Denn dann kann ich dich nicht mehr ernst nehmen ...*

Nicolai war sich seiner harten Worte bewusst und er hätte gerne noch so viel mehr gesagt, aber er wusste auch, dass es genug war.
Und dann hob er seinen Blick und richtete diesen fest auf Anna. Er ahnte, dass es kompliziert werden könnte und vielleicht hatte er seine einst so gute Freundin nun auch verloren. Aber wenn dem so sein sollte, sollte es so sein. Er meinte es sehr ernst.
Verlieren wollte er sie natürlich nicht. Aber er hätte, mit Tränen in den Augen, verstanden, wenn sie einfach gegangen wäre. Und er hätte sie nicht aufgehalten, da er ungern Menschen zu etwas zwang. Sonst hätte er seine Sklaven nicht freigelassen ....




Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 17.09.2007 - 19:09Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


*Wenn du dies also hören möchtest: ich liebe dich nicht.*
Ja, Anna hatte seinen Blick weiterhin gemieden, so schwierig dies auch gewesen war, als er ihr Gesicht zwingend zu ihm gewandt hatte. Vielleicht fürchtete sie auch gar nicht so sehr das, was sie in seinen Augen erblicken könnte, vielleicht wollte sie nicht, dass er umgekehrt die ihren so intensiv betrachtete. Dass er die Leere darin sah und gleichzeitig die so große Furcht genau vor diesem Zustand. Immer noch fühlte sie sich wie halb in einem Albtraum gefangen, halb bereits wieder erwacht und in dem Bewusstsein, dass die Realität noch viel schlimmer war. Da war Erleichterung darüber, dass ihre Gabe sie vielleicht verlassen und sie dadurch so ausgebrannt wäre, als auch Beklemmung bei der Vorstellung, ohne diese mentale Führung durch den Rest ihres Lebens stolpern zu müssen. Irgendwo ahnte sie, dass es einfach nur ihre völlige Übermüdung und Schwäche war, die sich nun endlich rächte und Aufmerksamkeit einforderte. Aber Nicolais Worte hatten nichts damit zu tun. Sie hatte einen Fehler begangen, einen schweren Fehler, der sich nun bitter rächte. Oder war es am Ende gar kein Fehler gewesen? Sollte er sich von ihr betrogen und abgestoßen fühlen, damit er begann sie zu hassen, nun, da sie ihm ein wenig die Augen geöffnet hatte? Vielleicht stand ihr seine Freundschaft jetzt nicht mehr zu. Vielleicht war es nun an der Zeit, dass er sich von ihr zu lösen begann. Anna zog die Beine enger an den Oberkörper und umschloss sie fest mit ihren Armen, weiterhin blicklos vor sich hinstarrend und leicht von Nicolai abgewandt. Es tat ihr weh. Ob es nun wiederum Teil eines höheren Planes oder die Konsequenzen ihres Fehlverhaltens war, es schmerzte. Fast glaubte sie, zu ersticken, sowohl an seinen Worten als auch über deren möglichen Hintergrund. Sie spürte den wachsenden Wunsch, einfach zu weinen, aber da war nichts. Ihr Blick brannte sich dumpf und fast leblos auf ein paar Tücher vor ihr und wirkte ebenso leer, wie der Rest von ihr.

Er hatte nur zu recht mit dem, was er sagte. Immerhin hörte sie es nicht zum ersten Mal, dass sie krank und seltsam und nicht richtig im Kopf sei. Sie war eben einfach nicht so stark wie er, sie konnte nicht über all das Seltsame in ihrem Leben hinweg gehen und anderen gegenüber so tun, als sei alles in Ordnung. Ihnen ins Gesicht lachen und sagen, dass es sie einen feuchten Dreck anginge, wessen Knochen sie in ihrer Freiheit warf. Stolz zu empfinden... sie hatte noch niemals Stolz empfunden. Auf was denn auch? Auf den 'Segen' ihrer Gabe? Es war nicht so, als wäre das ihr Verdienst gewesen. Oder als brächte sie den Menschen damit wirklich etwas, außer Misstrauen und Furcht. Und ihr Heilerinnendasein... das hatte sie lernen müssen, sie war nie gefragt worden, ob sie es mochte oder ob sie es wollte. Ihre Mutter hatte sie darin unterwiesen und so war es nun einmal gewesen. Irgendwie war sie in diese Rolle hineingerutscht, in dieselbe, die ihre Mutter innegehalten hatte. Nein, nicht in dieselbe, in eine weitaus intensivere, mysteriösere. Dabei hatte sie schon den Unterricht mit ihrer Mutter gehasst. Warum hatte diese alte Frau das nicht gemerkt und aufgehört, sie zu unterweisen? Warum hatte sie weitergemacht? Weil es die Tradition eben so wollte? Die Tradition, das Schicksal, der Wille der Götter, der Platz im Leben.... und was war, wenn der angebliche Platz im Leben nicht von ihr besetzt werden wollte? Wenn trotz allem Bemühen am Ende nichts blieb außer Staub, Angst und zerbrochene Leere?
Sie wollte ihn nicht verlieren. Wenn sie jemals etwas wie Stolz empfunden hatte, dann auf ihre so innige Freundschaft. Nicht nur weil sie wusste, dass Nico zu verlieren ihren Tod bedeuten würde und sie die Furcht vor ihrem Ende quälte. Aber auch wenn er recht hatte und es keine Liebe war, die sie empfand, wenn es Abhängigkeit war, krank, schwach, feige, egoistisch, selbstzerstörerisch, so war der Griff, der sich bei dem Gedanken an eine Existenz ohne ihn um ihr Herz legte, um einiges eisiger und erschütternder als das Gesicht des Todes, in welches sie schon so oft geblickt hatte.
Klingt er denn so, als wollte er dich noch bei sich haben? Er will das alles nicht haben, was du ihm bislang gegeben hast. Er will nicht, dass du so für ihn empfindest. Was aber kannst du ihm sonst noch geben? Was noch, außer allem, das du bist und besitzt?

Unterdrücktes Schluchzen pochte fordernd und schmerzhaft in ihrer Kehle, doch sie beachtete es gar nicht. Sie wollte sich nicht perfekt fühlen, sie wusste, dass sie es ganz gewiss nicht war. Aber sie wollte auch nicht mehr sie selbst sein. Dafür hasste sie sich zu sehr, mied ihr Gesicht auf der spiegelnden Wasseroberfläche und unterließ es absichtlich zu essen, weil sie wusste, dass sie ihrem missgestalteten Körper dadurch schadete. Vielleicht war die Überfahrt auch nichts Tapferes gewesen, nur eine weitere Form der Selbstkasteiung. Womöglich war sie noch viel verachtenswerter, als sie es bislang registriert hatte, wahr haben wollte.
Warum ging sie nicht? Warum ließ sie ihn nicht einfach in Ruhe? Sie wollte, aber kein Glied ihres Körpers war imstande, sich zu bewegen. So konnte sie nicht gehen. Sie wusste nicht, wann sie wiederkehren würde. Dort draußen war etwas, ein Schatten, der nur darauf wartete, sich zwischen sie und Nicolai zu schieben und sie zu trennen. Aber wenn sie nun dort hinaus ginge, würde Nicos schlechtes Gewissen ihn dazu drängen nach ihr zu suchen. Und das durfte sie nicht zulassen. Er musste leben, er musste sicher sein, das war das Wichtigste.
‚Und wenn dir etwas wegen mir passiert... wenn du dich wegen mir in Gefahr begibst... dann werde ich mich umbringen.‘
Er durfte wegen ihr nicht sein Leben riskieren.
*Demzufolge waren all die Jahre eine einzige Lüge, weil ich dich niemals geliebt habe.*
Er hatte es doch auch selbst gesagt. Es gab ein Volk, um das er sich kümmern musste. Das ohne ihn sehr wohl an einen grausamen Herrscher, nämlich Decian fallen würde. Und sein Cousin würde gewinnen, wenn Nicolai sich wegen ihr, die ohnehin an der Schwelle zum Tod stand, in Gefahr begab. Nun, da sein Vater aus dem Weg geräumt war, stand nur noch Nicolai zwischen Decian und dem Thron. Atthelá war noch zu jung, ihn würde man ohnehin nicht als König akzeptieren. Sie WAR schlicht und ergreifend nicht genauso viel wert wie er. Sein Schicksal war wichtiger. Zudem ging es nicht nur um Decian. All die Übergriffe auf Mediterranea, das war nicht alles Decians Werk. Hier gab es viele Feinde, aber nicht nur das. Es gab noch mehr, es gab.... Lichter. Funken. Lichtgespinste, deren Form ihr bekannt war, die sie jedoch nicht greifen konnte. Nicht begreifen. Die Erkenntnis würde zum rechten Zeitpunkt kommen, das wusste sie, man musste geduldig sein. Vorerst genügte es zu wissen, dass sie überhaupt existierten. Nicolai würde sie dies nicht begreifbar machen können, sie wusste selbst noch zu wenig. Bis dahin würde sie dieses Wissen in sich bewahren und schützen.

*Evaliia ist verheiratet, sie kannst du nicht haben. Und Deirdre ist gegangen, weil sie es wollte. Es ging mir auch nicht darum, ob sie bei dir sind oder nicht. Sondern um ihr Aussehen. Dir ist das Körperliche zu wichtig, als dass du etwas mit mir anfangen könntest. Das wollte ich damit ausdrücken. Abgesehen davon ist mein Geist anscheinend ebenso wie mein Körper zu krank und schwachsinnig, als dass ich in irgendeiner Weise etwas Wahrhaftiges empfinden könnte. Nicht für mich, also für niemanden. Ich werde mich nicht mehr ändern. Es ist zu spät. Da ist nichts mehr, wofür ich leben müsste. Ich entbinde dich auch von aller Schuld und übernehme selbst die Verantwortung. Immerhin habe ICH dieses Problem. Und wenn mich dieses Problem in Schwierigkeiten bringt, dann liegt es auch an mir, damit fertig zu werden. Du trägst, wie du selbst sagst, Verantwortung für dein Volk und für deinen Sohn. Noch niemals waren ich oder meine Mutter wirklich Teil deines Stammes, also gehöre ich deinem Volk im Grunde gar nicht an. Ich trage für nichts und niemanden mehr Verantwortung, außer für mich selbst. Ich kann dir nichts mehr geben außer schlechter Gefühle und du kannst mir nichts mehr geben ohne zu glauben, dadurch meinen 'Wahn' noch zu unterstützen.*
Ich liebe dich. Ich muss nur das Gegenteil sagen von dem, was ich fühle, und alles wird gut. Es gibt keinen anderen Weg. Und schau, es ist ganz einfach. So schwer zu erlangen. So einfach zu zerstören.
*Du sagst, du begehrst Evaliia. Und du sagst, du liebst Deirdre nun noch mehr als jemals zuvor. Ist das also dein Begriff von Liebe? Dein Weg ist der richtige, weil du viele Frauen auf einmal lieben und begehren kannst und der meine ist falsch, weil ich nur dich allein liebe? Was klingt denn inniger? Einzigartiger? Wenigstens laufe ich nicht Gefahr, meine Gefühle bei so vielen Geliebten durcheinander zu werfen.*
Du wirst jemand anderen, besseren finden? Jemanden, der dich glücklich macht? Du hast ja keine Ahnung! Du kannst die ganze Welt absuchen. Du wirst niemanden finden, der dich so liebt, wie ich. Aber je mehr mein Körper, meine Seele danach schreit.... umso mehr Hass ist in meinen Worten.
*Du weißt doch noch nicht einmal, wie du für mich empfindest. Ich habe niemals gesagt, dass ich perfekt bin, dass meine Art zu lieben die einzig wahre ist. Aber du tust es gerade. 'Sieh' es positiv', 'steh' drüber', 'sonst kann ich dich nicht mehr ernst nehmen'. So reagierst du also darauf, wenn ich dir die Wahrheit sage? 'Ändere dich, 'sei du selbst'. Wenn ich das bislang nicht war, in wen hast du dich denn verliebt? Wen liebst du? Du hast seit nicht einmal einer Nacht endlich wieder ein wenig gelernt dich zu lieben, dank meiner Hilfe, und jetzt spielst du dich schon als Mentor dieser Erkenntnis auf? Ich kenne mich schon länger, ich weiß schon seit geraumer Zeit um die Wahrheit. Aber auf ein 'ändere dich doch, hab dich selbst ein bisschen lieb' bin ich allein also noch nie gekommen?*
Zerschlage.... zerbreche.... damit sich unsere Schicksalsfäden... nie mehr verheddern... Und wenn ich das, was wir hatten, in tausend Stücke zerschmettern muss... Ohne dich ist mein Leben sinnlos. Ich will niemanden außer dir. Alle anderen sind mir egal. Ich will nur dich. Und werden wir nicht selbst ein wenig wie das, was wir um jeden Preis beschützen und wofür wir unser Leben geben würden?




Nicolai
unregistriert

...   Erstellt am 17.09.2007 - 20:55Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kaum hatte Venya ihren ersten Satz gesagt, merkte Nicolai, wie irgendwie alles aus dem Ruder lief. Er hatte längst bemerkt, wie unglücklich sich Anna fühlte und auch wenn er nicht in sie hineingucken konnte und nicht wirklich ahnte, wie sehr sie sich verabscheute, so tat es ihm leid, sie so zu sehen.

*Ich nichts Bestimmtes hören ... Anna ...* begann er dann um einiges sanfter und ruhiger uns senkte seinen Blick und starrte nun auch auf ihre Hände. In diesem Augenblick war es, als fiel ihm ein Stein auf sein Herz. Sie war so zerbrechlich, so hilflos und irgendwie doch auch stark, denn das hatte sie vorhin bewiesen. Dennoch musste er zugeben, dass er sie noch längst nicht kannte, wie sie wirklich war. Lag dies an der jahrelangen Trennung?

*Auch ich habe das anders gemeint, als es vielleicht rüberkam, Anna. Ich verbiete dir doch nicht, mich zu lieben. Im Gegenteil, ich bin dir sehr dankbar dafür. Und ich liebe dich auch. Und du bist nicht krank oder schwachsinnig. Aber es ist für mich sehr erschreckend, wie sehr du dein Leben von dem meinen abhängig gemacht hast, verstehst du? Du bist ein wundervoller Mensch und du bist meine Freundin und wirst es immer bleiben.* Es war ihm erst einmal wichtig, ihr dies zu sagen und hoffte, ihr damit ein wenig Angst zu nehmen, denn die glaubte er zu spüren. Er wollte nicht auf ihre Worte eingehen und würde dies auch tun, aber nun war es ihm wichtig, ein wenig der irgendwie düsteren Stimmung im Zelt zu nehmen und so rückte er zu ihr und wollte sie in den Arm nehmen ...




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