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| Erstellt am 08.08.2007 - 17:42 |  |


Der engagierte Anwalt Peter Rohm (Kai Wiesinger) sieht sich mit einem unglaublichen Fall konfrontiert: In Südamerika begegnet er einem alten Mann, der von sich behauptet, der tot geglaubte KZ-Arzt Josef Mengele (Götz George) zu sein. Der „Todesengel von Auschwitz“ will von Rohm vor einem deutschen Gericht anwaltlich vertreten werden.
Widerstrebend übernimmt Rohm die Verteidigung auf und gerät dabei immer mehr in einen
Gewissenskonflikt …
Kritik
„Nichts als die Wahrheit“ ist ein Film, wie man ihn leider viel zu selten sieht: packend, bildgewaltig und von enormer Dichte. Ein Kinostoff, der größere Brocken abbeißt, als er schlucken kann – mit einer Story, die komplex, intelligent und spannend ist. So ist „Nichts als die Wahrheit“ auch ein mutiger und kontroverser Film, der provoziert und wütend macht, aber auch nachdenklich. Man kann sich der Bewunderung für die beiden Hauptdarsteller kaum entziehen, die sich hier auf der großen Leinwand duellieren: Sie heißen Götz George und Kai Wiesinger, denn „Nichts als die Wahrheit“ ist, man möchte es kaum glauben, eine rein deutsche Produktion, die den Vergleich mit internationalen Filmen nicht zu scheuen braucht.
Es geht dabei um ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn der tot geglaubte KZ-Arzt Josef Mengele noch am Leben ist und sich freiwillig den Behörden stellt, um damit seiner Auffassung von der Wahrheit Geltung zu verschaffen? Was wäre, wenn ein junger, engagierter Anwalt den „Todesengel von Auschwitz“ in unserem Nachkriegs-Rechtssystem verteidigen muss – gegen die eigene Überzeugung zwar, doch mit der realistischen Option, einem der größten Unmenschen des Dritten Reichs ein Forum und am Ende vielleicht sogar einen Freispruch zu verschaffen?
„Nichts als Wahrheit“ ist ein Film, der viele solche Fragen stellt, ohne eindeutige Antworten zu liefern. Als Regisseur aber ist Roland Suso Richter ("14 Tage lebenslänglich") dem mächtigen Stoff durchaus gewachsen, der von Drehbuchautor Johannes W. Betz von einer amerikanischen Vorlage auf die hiesigen Verhältnisse übertragen wurde. Leicht war das sicher nicht, gibt es im deutschen Rechtssystem doch keine dramaturgisch wirksamen Duelle zwischen Verteidigung und Anklage. Stattdessen wird der Zuschauer gezwungen, der zynischen Argumentationskette der Verteidigung zu folgen, die aus der Sicht des Angeklagten durchaus logisch und verständlich wirkt. Ein Freispruch steht schließlich im Raum, und so sieht sich der von Kai Wiesinger brillant gespielte junge Anwalt Peter Rohm in eine ausweglose Situation gedrängt, wo er sich zwischen beruflicher und menschlicher Identität entscheiden muss: entweder guter Anwalt oder guter Mensch.
Das alles klingt nach Kammerspiel, „Nichts als die Wahrheit“ aber bietet mehr als atmosphärisch dichte Szenen vor Gericht: Das Umfeld der Beteiligten und die bundesdeutsche Gegenwart werden geschickt miteinbezogen. Am Ende geht es um die Frage, ob wir und unser Rechtssystem sich der Vergangenheit stellen können, ohne dabei die Opfer zu verhöhnen. Dass daraus ein so packender Film entstehen konnte, grenzt an ein kleines Wunder.
Quelle
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