Elliz 


Status: Offline Registriert seit: 22.07.2005 Beiträge: 1304 Nachricht senden | Erstellt am 02.07.2008 - 21:27 |  |
Falls sich noch jemand erinnert....
Falls nicht: Die Geschichte dreht sich um eine Alleinerziehende, die das Internet durchstreift um den Mann fürs Leben/Ausgehen/Telefonieren/irgendwas zu finden. Sie hat schon einige Erfahrungen gemacht und es kommen weitere dazu:
Ausdehnung
„Angela, tu mir einen Gefallen und berechne mir die Prämie für ein Auto, ich geb dir gleich die Daten“.
Elke war am Apparat. Elke, die vor einiger Zeit ihre Umschulung in unserer Filiale durchgemacht hatte. Die Frage, warum ich das rechnen solle, wo sie das durchaus selber kann, erübrigte sich mit dem nächsten Satz:
„Ich bin hier gerade mit einem am Chatten, ich kenn den ja. Also kannst du gerade…?“
„Klar, kenn ich, hab ich auch schon gemacht“
„Ja? Wo chattest du?“
„Bei Monogam“
„Das ist doch blöd, du musst zu Flört gehen. Also, jetzt pass mal auf. Schlüsselnummern hab ich, der Wagen ist ein Jahr alt“
„Okay, Vollkasko?“
„Ich frag ihn mal (hektisches Getippe im Hintergrund)…Vollkasko? Angela, der rafft ja gar nix. VOLLKASKO? Wie kann man nur so blöd sein? Ich hatte mal ein Verhältnis mit ihm, göttlicher Körper, aber dumm wie ein Sack Rüben. Junge, willste nun ne VK oder nicht?“
„Elke, was hältst du davon, wenn du ihm die Büronummer gibst, und ich frage ihn selbst?“
„Gute Idee, mach ich. Hoffentlich kapiert er wenigstens das. Er meldet sich dann gleich. Danke, dass du ihn mir abnimmst, hast was gut. Und denk dran: Flöööört! Da hab ich meine große Liebe kennengelernt. Tschühüs!“
Fünf Minuten später hatte ich den göttlichen Körper in der Leitung, angenehme Stimme, freundliche Art, begriffsstutzig. Eine halbe Stunde später war ich schweißgebadet und mit meiner Geduld am Ende.
Ob die Jungs bei Flört alle so waren? Ich beschloss, dies auszuprobieren und meine Internetkontakte somit zu erweitern.
Am Abend meldete ich mich an, füllte den Fragenkatalog aus, stellte ein Foto ein, mogelte mit dem Wohnort und kapierte das System sowas von überhaupt nicht. Bei Flört lief es etwas anders als bei meinen anderen Kontaktseiten, und nach dem Gespräch mit dem Sack Rüben war ich geistig nicht flexibel genug, mich darauf einzustellen. Ich speicherte ab und ging zu Bett.
Tags darauf hatte ich bereits zwei emails – auch ungewohnt.
Brauner Bär (in dem Alter sollte es eigentlich ein grauer sein) schrieb mir so edel wie Pierre Brice den Winnetou gesprochen hatte. Allerdings hatte man die Texte synchronisieren lassen, da der Schauspieler die deutsche Sprache nicht fehlerfrei beherrscht. Brauner Bär dagegen hatte wohl das Kriegsbeil gegen die Rechtschreibung erhoben und lag in schlimmer Stammesfehde damit – ich dankte ihm also für den noblen Vorschlag seine Squaw zu werden und las die nächste mail.
Rechtschreibetechnisch und orthographisch gesehen, war diese weitaus besser. Und dieser einsame Mann suchte tatsächlich eine Frau für eine feste Beziehung (Holzauge sei wachsam). Ich schrieb vorsichtig zurück, deutete die Entfernung der Wohnorte an, da er einen gemeinsamen Spaziergang jetzt und sofort angeboten hatte. Und siehe da…. er war zufälligerweise gerade zu Besuch in der Nähe, könnte auch seine Töchter zum spazieren mitbringen damit ich sähe wie harmlos alles wäre. Ich lehnte dankend ab.
Ob ich denn keine Abenteuer erleben wolle? Schon, aber dann hätte ich mich auch zu Brauner Bär in die Prärie begeben können. Und Abenteuer, wo seine Kinder dabei sind? Naja, ich weiß nicht. Was für ein Glück, dass sein Besuch in meiner Nähe länger andauern würde, so dass ihm Zeit bliebe, mich zu überreden.
Ah ja! Da hatte also jemand – genau wie ich – mit dem Wohnort gemogelt. Das Foto, welches er dann einstellte – er in Unterwäsche – bestärkte mich in meinem Entschluss, weiter alleine durch die Wälder zu streifen.
Obwohl…die Auswahl war groß. Ich entdeckte einen Herrn, der bei mir in der Nachbarschaft wohnt, einen, der dort wohnt, wo ich angeblich wohne, der aber dort auch nicht wohnt…… und ich stellte fest: Das ist mein Ding!
Signatur Leben und leben lassen! |