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jottbe 
undefiniert




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...   Erstellt am 07.05.2008 - 14:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Wie ich einmal ein neues Handy gekauft habe

Ja, das war, wie ich einmal beruflich in München zum Tun hatte und auf dem Weg zur U-Bahn nahe dem Marienplatz am T-Punkt von der Telekom vorbei kam. Und es verhielt sich so, dass ich ein sehr schönes Handy der ersten Generation besaß. Sie wissen schon – diese recht kompakten Teile, die nur unwesentlich kleiner sind als herkömmliche Telefonapparate und mit einer Antenne zum herausziehen, was aber unglaublich viel her macht, vor allem in der Öffentlichkeit.

Allerdings hatten meine Kinder, der Ludwig und das Liesl, mich seit einiger Zeit wegen dieses Gerätes gehänselt und unter anderem gemutmaßt, dass meine häufigen Bandscheibenbeschwerden daher rührten, dass ich immer dieses mobile Monstrum mit mir herumschleppte. Und die Marie, was meine Gattin ist, unterstützte die missratenen Kinder auch noch, indem sie sagte, wenn ich die Antenne aus dem Apparat herauszöge, sähe ich fast so cool aus, wie der David Caruso vom CSI Miami. Und dazu haben sie alle drei gelacht, die Saubande, die verreckte.

Obwohl mich das Geläster meiner Familie nicht weiter berührte, durchfuhr mich, als ich an jenem Tag am T-Punkt vorbei kam, doch der Wunsch, mit der Zeit zu gehen und also mir ein zeitgemäß kleines Handy zuzulegen. So betrat ich den Laden, in dem nicht viel los war, eigentlich gar nichts, und wurde sofort und sehr freundlich von einem jungen Mann begrüßt, der sich mir als „der Ingo“ vorstellte.

Ja, und dann fragte mich der Ingo, der leider ein sehr schwer verständliches Hochdeutsch sprach, das er sich während seiner Zeit im Niedersächsischen angeeignet hatte, bevor ihn unlängst die Liebe nach München verschlagen hatte, wie er mir auf meine Frage mitteilte, was er für mich tun könne - ob ich eine superschnelle DSL-Connection, eine All-Inclusive-Flatrate oder einen verbesserten Handyvertrag bräuchte. Und ich sagte, nein, das sei es alles nicht, und dann holte ich mein altes Handy hervor.

Nachdem sich der Ingo von dem Schock und dem anschließenden befreienden Lachanfall erholt hatte, sagte er, na, da wäre es aber allerhöchste Zeit, dass ich zu ihm gekommen sei. Und der Telekomverkäufer griff in eine Schublade und holte ein winziges Gerät hervor, das er vor mir auf die Verkaufstheke legte und sagte, ja, das sei es, das neueste und beste Handy vom Nokia, und es verfüge über ein UKW-Stereo-Radio und einen leistungsfähigen Musicplayer mit speziellen Musiktasten, einer 2-Megapixel-Kamera mit integriertem Blitzlicht, 8-fachem Digitalzoom und spezieller Kamera-Taste, biete Videoaufzeichnung und -wiedergabe in hoher Qualität, hätte UMTS-Verbindungen für schnellen Internetzugriff und schnelle Downloads, eine 4 Gigabyte große Speicherkarte und Verbindungen über Bluetooth sowie einen Mini-USB-Anschluss.

Ja, und dann fragte ich den Verkäufer, ob man damit auch telefonieren könnte, und er sagte, Moment, da müsse er einmal kurz in der Bedienungsanleitung nachschlagen, und das tat er und sagte dann, ja, telefonieren ginge auch.
Und so erstand ich ein neues Handy zum - wie der Ingo, der mir richtig sympathisch geworden war, obwohl er aus der Gegend von Hannover stammte – erklärte, unschlagbar günstigen Preis von 499 Euro mit einem Zweijahresvertrag und einer Handyflatrate, der mich monatlich nur schlappe 59 Euro, so der Ingo, kosten würde, der Vertrag.

Sie, daheim haben sie gestaunt, wie ich mein neues Nokia präsentierte! Geradezu neidisch waren die Marie und die Kinder! Na, und dann schaltete ich das Gerät ein und wartete auf eine Netzverbindung, die nicht kam. Ich ging vor die Haustür und hatte keine Verbindung zum D1, ich ging in den Garten, vergeblich, ich klingelte beim Nachbarn, dem Max, und fragte, ob ich einmal mit meinem neuen Handy durch sein Haus gehen dürfte, was ihn nicht sehr wunderte, weil er mich schon länger kennt, und er es mir daher gewährte. Auch dort keine Verbindung. Aber an der Bushaltestelle von der 73, etwa 200 Meter von zuhause entfernt, da hatte ich dann eine Mordsconnection ins Handynetz.

Und am nächsten Tag bin ich dann nach der Arbeit wieder zum T-Punkt nach München gefahren, wo mich ein anderer junger Mann begrüßte, der sächsisch sprach und auf meine Frage, wo denn der Ingo stecken würde, antwortete, er sei der Ingo, und ich sagte, nein, mich hätte ein blonder Niedersachse bedient, und der sächsische Ingo sagte, ja, das sei sein Kollege, der hätte heute frei und hieße zufällig auch Ingo. Und ich erzählte dem sächsischen Ingo von meinem neuen Handy und dass es daheim keinen Empfang gäbe, und der fragte mich, wo ich denn wohne, und ich sagte: In Paslam, und dann er: Oha!, und dass sein niedersächsischer Kollege wohl vergessen hätte, danach zu fragen, sonst, wenn der gewusst hätte, dass ich aus Paslam komme, hätte er mir gleich ein zusätzliches Empfangsfeature zum neuen Handy verkauft, das weltweit einen Bombenempfang garantiere und einmalig nur 199 Euro kosten würde. Und ich bezahlte dem Sachsen die 199 Euro, der schraubte mein neues Handy auf, pappte eine winzige Platine hinein, schloss es wieder und sagte, so, jetzt hätte ich überall auf der Welt einen Empfang, auch in Timbuktu und sogar in Paslam, worüber er noch lachte, der Unsympath, der sächsische.

Daheim angekommen hatte ich dann tatsächlich einen 5-Sterne-Empfang. Allerdings meldete das Handy, der Akku sei leer, was kein Problem war, denn zum umfangreichen, im Kaufpreis enthaltenen Zusatzmaterial gehörte auch ein Ladegerät. Also schloss ich mein neues Nokia an das Ladegerät und lud den Akku eine Nacht lang. Und am nächsten Morgen meldete das Handy immer noch, der Akku sei leer.

Am Nachmittag empfing mich ein dunkelhäutiger Telekom-Angestellter namens Ingo. Ich gestehe, dass mich in dem Moment ein ganz leiser Verdacht umwehte, man wolle einen Schabernack mit mir treiben, was ich aber für mich behielt. Ich beherrschte mich also und erzählte dem schwarzen Ingo von der Akkuproblematik. Der hörte sich das still an, nahm mir das Handy ab, öffnete es wortlos, nahm den Akku heraus, klemmte ihn wieder hinein und gab mir das Handy zurück. Das Nokia meldete einen vollen Akku.

Zuhause war es dann soweit. Um nun endlich mein neues Handy auszuprobieren, beschloss ich, meinen Nachbarn, den Max, anzurufen und ihn zu fragen, wie es ihm gehe. Die Marie meinte noch, ich könne ihn doch auch persönlich fragen, worauf ich gar nicht weiter einging, weil es einmal mehr Beleg war für das weibliche Unverständnis der modernen Kommunikation. Ich tatzelte also dem Max seine Telefonnummer in meine Handytastatur hinein, und dann fiel die Tastatur aus meinem Handy heraus und ließ sich nicht wieder darin befestigen.

Am nächsten Tag hatte ich frei und fand mich um die Mittagszeit im Münchner T-Punkt ein. Diesmal empfing mich kein niedersächsischer, kein sächsischer noch ein afrikanischer Ingo im leeren Laden, sondern ein Herr im besten Alter und Anzug. Er sei der Filialleiter, erklärte er mir und zeigte sich verwundert, als ich darum bat, einen der drei Ingos zu sprechen. Es arbeite kein Ingo in seinem Geschäft, sagte der Filialleiter und bestätigte somit meinen Verdacht vom Vortag, und seine drei jungen Mitarbeiter, der Nils, der Maik und der Abdul seien gerade auf Mittagspause.

Jedenfalls beharrte ich darauf, dass mir einer seiner Angestellten oder auch alle drei ein hundsmiserabliges Handy verkauft hätten, das bisher noch keine fünf Minuten funktioniert habe, weil andauernd irgendwas nicht funktionieren würde, das dann für teures Geld zu reparieren sei. Und dann zeigte ich dem Filialleiter mein tastenfeldfreies Handy vom Nokia und dazu das separate Tastenfeld, und der Bazi, der mistige, sagte, ja, so etwas könne bei unsachgemäßer Handhabung schon einmal geschehen, und gerade wollte ich mich aufregen, da sagte er, er hätte noch eine passende Tastatur da, die könne er einbauen, und das würde er diesmal sogar noch auf Kulanz nehmen, aber beim nächsten Mal müsse ich zahlen, solle also mein Handy pfleglicher behandeln, denn es sei das neue Nokia ein wahres Schmuckstück unter den Handys.

Ja, und dann stand ich draußen vorm Laden und hatte einen Netzempfang und einen vollen Akku und ein intaktes Tastenfeld und überhaupt ein Prachtstück von einem Handy, und dann rief ich zuhause an und wollte der Marie sagen, wie großartig alles gelaufen sei. Und gerade als die Marie sich meldete, kam eine Kompanie von Schwarzgelbgekleideten um die Ecke gelaufen und rief sich und wohl auch andere im Laufschritt und im Chor dazu auf, den Bayern die Lederhosen auszuziehen. Und einer der Frontmänner der Schwarzgelben rempelte mich an und das neue Nokia entglitt meiner Hand, fiel aufs Trottoir, und die gesamte Kompanie trampelte darüber hinweg.

Und dann stand ich über den Trümmern meines neuen Handys und wollte gerade anfangen zu weinen, als mir einfiel, dass ich ja immer noch mein gutes altes Handy hätte, und ich kramte es aus meiner Jackentasche hervor, schaltete es an und zog die Antenne heraus. Und während ich dem gleichmäßigen Tuten lauschte und wartete, dass die Marie sich meldet und ich ihr sagen könnte, was passiert sei, und dass ich jetzt sofort und unbedingt die eine oder andere Weiße benötigen würde bevor ich nach Hause käme, sah ich mich im Schaufenster des T-Punktes gespiegelt und fand, dass die Marie so Unrecht nicht hatte, als sie sagte, mit meinem Antennenhandy in der Hand sähe ich fast so cool aus wie der David Caruso vom CSI Miami.




madonna ...
undefiniert




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...   Erstellt am 07.05.2008 - 14:34Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Da hast du ja erlebt mit dem neuen Handy. Nicht daß ich neidisch drauf wäre.aber ich, wo ich noch nie ein Handy selbst gekauft habe, sondern immer die von der Familie abglegten bekam, fühle mich jetz bei dieser Geschichte in Handyangelegenheiten wie ein absolutes Greenhorn.




doderer 
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...   Erstellt am 07.05.2008 - 16:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ja, geschichten, die einem das leben hinter die ohren schreibt. zügig und witzig wird die passion des armen geschildert, einige wenige nachsätze würde ich einfach weglassen, das würde die groteske noch stärker wirken lassen. soll ich... welche ich meine?




jottbe 
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...   Erstellt am 07.05.2008 - 18:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


madonna schrieb

    Da hast du ja erlebt mit dem neuen Handy.


Nein. Ich habs erfunden - nicht erlebt. Ich hab immer noch ein Handy, mit dem man nur telefonieren kann.




jottbe 
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...   Erstellt am 07.05.2008 - 18:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


doderer schrieb

    soll ich... welche ich meine?


unbedingt!




doderer 
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...   Erstellt am 07.05.2008 - 19:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ist nur einer : und er es mir daher gewährte




jottbe 
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...   Erstellt am 07.05.2008 - 20:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


doderer schrieb

    ist nur einer : und er es mir daher gewährte


ja, stimmt! es geht ohne den.




madonna ...
undefiniert




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...   Erstellt am 08.05.2008 - 17:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


jottbe schrieb

    Nein. Ich habs erfunden - nicht erlebt. Ich hab immer noch ein Handy, mit dem man nur telefonieren kann.



Ich meinte natürlich auch Dein Paslamer alter ego. Daß die Sache etwas übersteigert ist, so wie es sich für ein Geschichte gehört, ist mir schon aufgefallen.
Ich glaube die Idee mit den drei Ingos gefällt mir am Besten an dieser Geschichte. Die unerschütterliche Beharrlichkeit des Protagonisten angesichts von Pechsträhnen, kennt man ja schon aus anderen Paslamgeschichten und erinnert an gewisse Stummfilmkomiker.




jottbe 
undefiniert




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...   Erstellt am 08.05.2008 - 17:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


madonna schrieb

    Die unerschütterliche Beharrlichkeit des Protagonisten angesichts von Pechsträhnen (...) erinnert an gewisse Stummfilmkomiker.


Schön, dass das mal jemandem auffällt.
Diese beiden Herren stehen mir in Sachen "Eskalation des Chaos" desöfteren beratend zur Seite:





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