Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 21.03.2006 - 08:07 |  |
Wir kamen in einem Beitrag zu den Reisen auf Joachim Nettelbeck (1738-1824) zu sprechen, der ein bekannter Bürger der Stadt Kolberg war und dort bei der Verteidigung der Stadt gegen die Franzosen mitwirkte.
Ein Kapitel seines Lebens ist der Sklavenhandel, den er in den 1770ern betrieb. Auch wenn dies nicht im Empire ist, werden sich die Vorgehensweisen, bei diesem brutalen Geschäft kaum geändert haben, bis 1807 die RN begann, aufgrund der Abschaffung der Sklaventransportes, auch Schiffe anderer Staaten, welche Sklaven geladen hatten, aufzubringen.
Der Titel von Nettelbecks Memoiren lautet: "Ein Mann - Des Seefahrers und aufrichtigen Bürgers Joachim Nettelbeck wundersame Lebensgeschichte von ihm selbst erzählt".
[Zitat=Nettelbeck]
"... und wahrt mit den Reedern einig, auf einem ganz neuen Schiffe [einem holländischen], namens Christina unter Kapitän Jan Harlem, als Ober-Steuermann die Fahrt auf die Küste von Guinea anzutreten. ... Wie wird er [der Leser] vielleicht bei sich gesagt haben, Nettelbeck ein Sklavenhändler? Wie kommt ein so verrufenes Handwerk mit einem pommerschen Herzen zusammen? - Allein das ist es ja eben, daß dies Handwerk zu damaliger Zeit nicht in einem solchen Verrufe stand, als seitdem man in England, wider den Sklavenhandel (und auch wohl nicht mit Unrecht) als einen Schandfleck der Menschheit geschrieben und Parlamente gesprochen hat, und wenn er durch dies nachdrückliche Geschrei entweder ganz abgekommen ist oder doch mit heilsamer Einschränkung betrieben wird, so ist gewiss auch der Nettelbeck nicht der letzte, der seine herzliche Freude darüber hat. Aber vor fünfzig Jahren galt dieser böse Menschenhandel als ein Gewerbe, wie andere, ohne daß man viel über Recht- oder Unrechtmäßigkeit grübelte..."
[/Zitat]
Nettelbeck erwähnt noch, dass die Grausamkeiten gegen die "eingekauften Menschenladung" sich in Grenzen gehalten habe und er dabei auch nie geholfen habe. Wer es glaubt. Im Endeffekt war es ein kaktblütiges und sehr rentables Geschäft. Die Fracht der "Enterprize", eines engl. Sklavenschiffes brachte den Unternehmern 1803, bei 412 Sklaven einen Reingewinn von 24 430 Pfund, 8 Schilling und 11 Pence! Verdient innerhalb von 9 Monaten! Das ist ein gewaltiges Vermögen, wenn man es selbst mit den Jahreseinkünften eines Lords wie Mr. Darcy vergleicht...
Wenn es gewünscht wird, lasse ich weiteres zu dem Thema folgen.
Aus: "Piraten - Seeraub auf allen Meeren" von Heinz Neukirchen (wohl nur noch antiquarisch zu bekommen denn: ) transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin 1976 - Paperback-Auflage 1980
In der ehem. DDR ist das Buch noch bisweilen gut zu bekommen. Natürlich ist es mit polit. Ansichten aber sehr zurückhaltend angereichert. Für mich ist es bis jetzt eines der besseren Bücher zu dem Thema, zumal ein Zusammenhang zwischen Menschen- und Seeraub hergestellt wird, den ich für sehr vernünftig halte.
[Dieser Beitrag wurde am 21.03.2006 - 10:18 von Justine_de_Farinot aktualisiert]
[Dieser Beitrag wurde am 21.03.2006 - 10:53 von Republicain aktualisiert]
Signatur ... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet. |