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Geowynn ...
Ziemlich aktiver Myraner
......

...

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...   Erstellt am 12.09.2009 - 20:36Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


»Warum machst du dem kein Ende, Krieger?«
Wie sehr Cantrac diesen Satz hasste. Dieser Satz, den er unzählige Male in so vielen, schrecklichen Variationen gehört hatte, verseuchte jedes Mal seine Ohren. Er versengte seine Gedanken und brannte sich schmerzhaft in sein Gehirn.
Und auch diesmal stieß er mit seinem Schwert in den Leib des Verwundeten und schickte damit seinen Geist in die Abgründe von Koroduns Reich. Welche Wahl hatte er sonst? Sein Leben bestand aus Töten. Als Krieger im Dienste der Tharankischen Könige kannte er schließlich nur den Kampf.
Cantrac zog seine Waffe aus dem leblosen Körper des Kämpfers, hielt sich jedoch nicht damit auf, das Blut des Rebellen von der Klinge zu wischen. Vielmehr wandte er sich wieder dem übrigen Kampfgeschehen zu.
Mit seinen Männern hatte er die Aufständischen in den Wäldern von Kirek, kaum eine Marschstunde von der Ortschaft Ontir entfernt, aufgespürt. Cantracs Kundschafter hatten die schlecht verwischten Spuren der Rebellen bald gefunden, und so war es zum Kampf zwischen dem zusammengewürfelten Haufen unzufriedener Bauern und den Kriegern Cantracs gekommen. Ein ungleicher Kampf, denn die meisten Krieger des Tharankischen Reichs waren hervorragend ausgebildet und zumeist von großer Erfahrung, was den Umgang mit Schwert und Schild anging.
Und Cantrac war der Hauptmann dieser Abteilung tharankischer Krieger. Vierzig Mann unterstanden seinem Befehl, kämpften nach seinen Anweisungen, und töteten auf sein Geheiß. Vierzig Krieger, die den Tod zu jenen brachten, die den Königen ihren Gehorsam verweigerten.
Cantrac erkannte, dass die Auseinandersetzung fast beendet war. Während seine Männer den Hauptteil der Rebellen zusammentrieben und Mann für Mann niedermachten, hatte er sich einen seltenen Luxus geleistet. Er hatte einen der Hasenfüße, die beim Anblick der gerüsteten und bewaffneten Krieger Reißaus genommen hatte, bis in dieses kleine Waldstück hinein verfolgt und gestellt. Der Kampf war kurz gewesen. Nun lag der Aufständische tot am Boden zu seinen Füßen.
Ein Knacken im Unterholz ließ Cantrac herumfahren. Keinen Augenblick zu spät. Seine Klinge wehrte einen rostigen Säbel ab. Dessen Besitzer verlor jedoch nicht das Gleichgewicht, sondern setzte sogleich zu einer weiteren Attacke an.
»Ergib dich, Bauer!«, rief Cantrac und parierte auch den zweiten Hieb des bärtigen Angreifers.
»Rakostos«, grimmte ihm sein Gegner entgegen. »Mein Name ist Rakostos.«
»Niemand begehrt ungestraft gegen die Könige auf, Rakostos. Du hast deine Chance. Nutze sie und ergib dich, Mann.« Cantrac brachte mit zwei Schwerthieben etwas Distanz zwischen sich und den Bauern.
»Es gibt keinen Weg zurück für uns. Das wirst du verstehen, Krieger.«
»Wahrlich ehrenhaft, lieber den Tod im Kampf zu suchen, als das Heil in einer Flucht ohne Aussicht auf Erfolg«, sagte Cantrac und verzog das Gesicht zu dem, was vor einigen Jahren einmal ein Lächeln gewesen war.
»Nur keinen Spott, Krieger. Spare deinen Atem.« Rakostos straffte seinen schlanken Körper.
»Nun denn, Bauer. Lass uns deine letzten Lebensmomente einläuten!« sagte Cantrac und öffnete seine Deckung.
Rakostos griff an. Ein harter Schlag. Pariert durch Cantracs Klinge. Erstaunte Anerkennung in den Augen des tharankischen Hauptmanns.
Die Miene des Bauern war entspannt. Eine schnelle Folge von Attacken durchschnitt die Luft um Cantrac herum. Der Krieger wehrte die Angriffe ab, ohne den Blick von Rakostos zu nehmen.
Dieser Bauer ist ein ernstzunehmender Gegner! Cantrac machte einen Schritt zur Seite und ließ einen Schlag des Angreifers ins Leere laufen.
Rakostos fing sich sofort wieder und sein Säbel schwang in eine deckende Paradestellung. »Du glaubst nur, mit mir zu spielen, Krieger!«
Cantrac spie aus. »Für einen Bauern zeigst du viel Talent in der Waffenkunst.«
»Was lohnt Talent ohne ein Ziel.« Rakostos wirbelte seinen Säbel durch die Luft.
Klinge traf Klinge. Cantrac spürte die Kraft, die hinter dem Hieb steckte.
»Du verfolgst die falschen Ziele, Rebell. Dein Talent im Dienste der Kronen wäre eine Bereicherung für das Tharankische Reich!«
»Steck dir dein Tharankisches Reich sonst wohin, Krieger!« presste Rakostos zwischen zwei Stichattacken hervor.
Cantrac bemerkte mit Erstaunen, daß er kaum Gelegenheit hatte, den Bauern anzugreifen. Rakostos ließ dem Krieger nur wenige Möglichkeiten, einen Gegenangriff zu starten.
»Genug«, rief Cantrac und blockte den Säbel mit einem kräftigen Schlag gegen die Klinge. Er trat einen Schritt zurück. Zog seine Deckung mit einem Schwerthieb nach. Drehte seinen Körper, um einen Sturmausfall vorzubereiten.
Sofort begriff der Tharankische Krieger seinen Fehler. Er hatte seinen linken Arm zu weit nach oben gehoben.
Die Klinge des Bauern zuckte nach vorne. Cantrac sah das rostige Metall tief in seine linke Seite stoßen. Sich wieder zurückziehen.
Verblüffung im Gesicht des Kriegers. Dann erst der stechende Schmerz. Ein Blutfaden lief vom Einstich Cantracs Muskeln hinab.
Nun quoll dunkelrotes Blut aus der Stichwunde. Kraftlos entfiel dem Tharankischen Krieger das Schwert. Cantrac konnte nicht mehr atmen. Ging in die Knie. Fiel langsam auf den Waldboden.
Rakostos sah auf den Krieger hinunter. Die Blicke der beiden Kontrahenten trafen sich für einen Augenblick. Cantracs Augen wurden glasig.
»Warum machst du dem kein Ende, Krieger?«

-

Der verhasste Satz war mein Beitrag zum Maskenball Award 2002 des Verlags Jens Neuling zum Thema Sterbehilfe. Entstanden als Fingerübung (Dialog und Schwertkampfschilderung) schaffte der Text es leider nicht in die Anthologie.

Christian Kathan

[Dieser Beitrag wurde am 12.09.2009 - 20:36 von Geowynn aktualisiert]





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