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...   Erstellt am 30.03.2006 - 19:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mutterkorn hat in vergangenen Zeiten zu schrecklichen Massenvergiftungen geführt. Der auf dem Roggen wachsende Pilz konnte sich immer dann ausgedehnt verbreiten, wenn das Frühjahr naß und der Sommer heiß und windig waren. Roggen war damals, vor allem unter der armen ländlichen Be-ölkerung, das Hauptnahrungsmittel.
So wird in den Chroniken immer wieder von Mutterkornvergiftungen berichtet, die ganze Dörfer und Städte befielen und die Menschen unter dem "Antoniusfeuer", dem "Heiligen Feuer", dem "Höllenfeuer" und unter "Ergotismus" leiden ließen.
Die ersten Berichte über eine wahrscheinliche Mutterkornepedimie stammen aus dem Jahr 857 n.Chr. aus Xanten. Es wird dort erst von einer Hungersnot berichtet und dann eine große Plage erwähnt, einer "abscheulichen Fäulnis, die Knochen der Betroffenen aufzehrt".
Die Epidemien wurden meist als Gottesgericht und als reinigendes Feuer gedeutet, woher auch die oben genannten Namen rühren. Die Menschen der damaligen Zeit wußten freilich noch nichts vom Zusammenhang ihrer Krankheit und dem Genuß von verseuchtem Roggenmehl.
Vielfach wurden die Massenvergiftungen, die sich oft in bizarren Wahnvor-stellungen zeigten, den Hexen in die Schuhe geschoben, was Hexenver-folgungen und Verbrennungen nach sich zog.
Die Mutterkornvergiftungen waren bis etwa 1600 verschwunden, tauchten aber dann wieder mit aller Macht auf. Im Jahre 1676 wurde das erste Mal auf eine Verbindung der Epidemien mit dem Mutterkornpilz hingewiesen. 1790 wurde die Landbevölkerung das erste Mal von der deutschen Regierung über Mutterkornvergiftungen informiert, es wurden technisch verbesserte Dreschmaschinen eingesetzt und die Seuche so gut wie zum Verschwinden gebracht.
Doch noch im Jahre 1927 brach eine weitere Epidemie über 11000 russische Bauern aus.
Die letzte schwere Massenvergiftung geschah im Jahre 1951 in Frankreich, der ca. 300 Menschen durch verseuchtes Mehl zum Opfer fielen. Die Betroffenen litten teilweise noch monatelang unter den immer wiederkehrenden Vergiftungs-erscheinungen.
Das Mutterkorn wurde 1582 von Adam Lonitzer erstmals erwähnt. Ende des 17. Jahrhunderts führte es Camarus bei der Geburtshilfe ein.
DR. Albert Hofmann entwickelte im Jahre 1943 aus dem Mutterkorn das LSD.





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