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Chris ...
Regelmäßiger Forumsteilnehmer
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Registriert seit: 21.11.2007
Beiträge: 84
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...   Erstellt am 05.12.2007 - 20:33Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Hi nochmal ne Frage die mich beschäftigt.
Also die Qabbalah ist doch im Ursprung monotheistisch wenn ich das recht sehe?
Aber nun werden nach der (?hermentischen version?)
den einzelnen Sephiroth die jeweiliegen Götter verschiedener Traditionen zugeordnet soweit ich das mitbekommen habe.
Wie vereinbart man das nun mit dem ersten Gebot Moses: Du sollst keine anderen Götter haben außer dem einen usw?
Also wenn die ganzen Götter nur Teilaspeckte des einen großen ganzen sind warum hm jetz bin ich von der Spur gekommen.. ähm..
Oder steht jede Gottheit doch für sich allein?

Irgendwie erscheint mir mein Gedanke mit dem Teilaspeckt unrichtig. Weil die Kabbalah irgendwie ein anderes Bild von dem Biblischen Gott macht als er im alten Thestament beschrieben wird. Da erscheint er mir wie einer unter vielen und im Lebensbaum als das eine Geschöpf das alle innehat.
Versteh ich da irgendwas komplett falsch, oder verstrick ich mcih in ner falschen richtung?^^


Weil zb die Geschichte wo der eie Gott gegen die Götter der Ägypter im Magischen Duell antritt.. (wie ein Gott unter vielen)

[Dieser Beitrag wurde am 05.12.2007 - 20:35 von Chris aktualisiert]




darkmoon ...
Erfahrener Forumsteilnehmer
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...   Erstellt am 06.12.2007 - 17:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Hallo Chris,

die Kabbalah ist ursprünglich zwar für einen Gott angelegt, jedoch kannst du dieses Prinzip auf alle Kulturen, Religionen oder Glaubensvorstellungen anwenden. Es geht nicht unbedingt darum, einen Gott an die Spitze zu stellen und zu sagen, außer diesem gibt es keinen anderen: Es ist vielmehr so, dass es ein großes Urprinzip gibt, aus dem alles stammt. Ob du dieses Gott, Göttin, Urprinzip, Allah oder großes Nichts nennst, bleibt dir überlassen.
Ich für meinen Teil sehe das Ursein in dem Aspekt der großen Göttin, die mir paradoxerweise nicht unbedingt weiblich, sondern einfach machtvoll und allumfassend und aus sich strömend erscheint.
Ich habe in einem Buch eine Zuordnung zu den Sefiroth gefunden, die auf der keltischen mythologie basiert. Das fand ich sehr inspirierend.

Es ist immer das selbe Prinzip: Aus einer Urquelle strömt alles Sein und gliedert sich in die unterschiedlichen Aspekte, die du dann als Götter oder Engel bezeichnen kannst.

Wenn du noch Fragen hast, einfach stellen.

Lieben Gruß

Darkmoon




Sonnenkind 
Ritualmagie 2.Stufe
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...   Erstellt am 06.12.2007 - 22:01Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Hallo Chris, hallo darkmoon,

ich stimme in darkmoons ansicht überein und füge einfach nur eine kleine Analogie als zusätzliche Illustration hinzu:

Stelle Dir einen Prisma vor. Alle Farben die er leifert stammen von EINEM Licht, und dennoch haben sie eigene Qualitäten.

So haben die Sefiroth der Qabbalah ganz eigene Qualitäten, die aber nur Facetten des einen Lichtes darstellen. Diese Facetten kann man nun mit Gottheiten verschiedenster Traditionen 'bechreiben' aber alles sind Teilspektren des einen Lichtes.

Lichtvolle Grüße,

Sonnenkind




labyrinth ...
Junger Forumsteilnehmer
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...   Erstellt am 09.01.2010 - 18:36Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Hallo liebe Thread-Teilnehmer!

Chris hat im Eröffnungsbeitrag tatsächlich auf einen Widerspruch hingewiesen: einerseits nährt sich die Qabbalah aus der Torah und somit müsste ihr die Auseinandersetzung zwischen dem Gott der Israeliten und den ägyptischen Göttern (zum Ausdruck gebracht im Kampf mit den Magiern der Pharaos) heilig bzw. richtungsweisend sein. Hier hätten wir also zum einen die "Feindschaft" zwischen Yahweh und den Göttern des Nildeltas.
Zum anderen finden wir in der späteren hermetischen Qabbalah die "Freundschaft" zwischen Anubis und Gabriel, Thoth und Raffael, zusammengefasst in der großzügigen Glyphe des Lebensbaumes.

Es stellt sich auf jeden Fall die Frage, ob man den Baum des Lebens aus der streng monotheistischen Erde herausreissen kann, um ihn in einen "heidnisch"-neutralen, womöglich postmodernen Boden wieder einzupflanzen.

Ich meine nämlich, dass die Attraktivität der Qabbalah heutzutage auch deswegen so stark zugenommen hat, weil unter den weit ausgreifenden Ästen des Lebensbaumes alle möglichen Vögel einen Platz finden. Der hermetische Lebensbaum, mit seinen weitverzweigten, subtilen Entsprechungen, mit den Parallelen und Zuordnungen, kommt dem postmodernen, von Toleranz getragenen Weltverständnis äusserst entgegen. Niemand fühlt sich hier ausgegrenzt, alle dürfen mitmachen und jeder hat sein Plätzchen.

Doch will ich gar nicht weiter darüber debattieren, offenbar fünktioniert die hermetische Variante der Qabbalah genauso gut wie die streng-monotheistische, - und ein Lehrgebäude wird in erster Linie von der Praxis bestätigt, weniger von sakrosankt-exklusivistischen Traditionen.

Meine Absicht ist eher, auf einen Aspekt hinzuweisen, der meiner Meinung nach erst die Integration der heidnischen Pantheone ermöglicht hat: die Übernahme der Emanationslehre aus dem Neoplatonismus.

Die Ansicht, dass das Universum ein abgestufter Ausfluss aus der göttlichen Fülle ist, stammt bekannterweise aus dem Orient, ist (über den Schmelztiegel Alexandrien?) in die neoplatonische Philosophie eingegangen und wurde auch von den Gnostikern rezipiert. Auch die Qabbalah hat sich das Emanationssystem angeeignet. Vielleicht im Spanien der Kalifate unter arabischem Einfluss? Gut möglich. Hat das Werk des Moses Maimonides “Führer der Unschlüssigen” die Trendwende eingeleitet? Wir wissen es nicht genau.

Doch erst diese Lehre gab der Qabbalah einen eher unpersönlichen Anstrich und bereitete sie für die spätere Aufnahme heidnischer Pantheone vor. Die Emanationslehre ist der Schlüssel für die Kompatibilität mit allen anderen Pantheonen.

Was denkt Ihr hierüber? Habt Ihr nähere Infos über die Umstände dieser Übernahme? Oder gibt es eventuell ganz andere Standpunkte? Ich bin gespannt...


Liebe Grüße,
labyrinth

[Dieser Beitrag wurde am 09.01.2010 - 18:40 von labyrinth aktualisiert]




Andrea ...
Ritualmagie 2.Stufe
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...   Erstellt am 11.01.2010 - 17:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Hallo Labyrinth,

ich beobachte das Schweigen auf Deinen Beitrag und vermute mal, dass Du vielleicht deshalb noch keine Antworten erhalten hast, weil Deine Fragen Annahmen voraussetzen, die möglicherweise nicht von jedem für zutreffend gehalten werden.
Ich denke, diese mangelnde Basis macht es schwer, eine Antwort zu finden. Es ist ein bißchen so, als wenn alle um ein Auto herumstehen und jemand fragt: "Ist dieses blaue Auto das neueste Modell?" Das ist solange unmöglich zu beantworten, bis sich jemand traut und mit zaghafter Stimme sagt: "Aber dieses Auto ist doch gelb..." und dann kann man die Diskussion eröffnen

Zum Beispiel:
Die Qabbalah nährt sich natürlich aus der Torah, aber sie ist keinesfalls mit den Annahmen und dem Glauben des orthodoxen Judentums gleichzusetzen.
Dennoch ist die Qabbalah natürlich monotheistisch. Auch die hermetische.
Sonnenkind und Darkmoon haben es beide sehr gut erklärt.

Oder:
labyrinth schrieb
    Hier hätten wir also zum einen die "Feindschaft" zwischen Yahweh und den Göttern des Nildeltas.


Ich denke, das ist ein großes Mißverständnis.
Ich sehe es nicht als Feindschaft, sondern betrachte es als eine Frage der Prioritäten.
In den Geboten heißt es ja nicht: "Du sollst keine anderen Götter haben" sondern "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben".

So wie Sonnenkind auch schon schrieb:
Sonnenkind schrieb
    Stelle Dir einen Prisma vor. Alle Farben die er leifert stammen von EINEM Licht, und dennoch haben sie eigene Qualitäten.


Im Grunde könnte man das gesamte Buch Exodus um dieses Kernthema der Prioritätensetzung gruppieren, da es hier um den spirituellen Weg des Menschen geht.

labyrinth schrieb
    Die Ansicht, dass das Universum ein abgestufter Ausfluss aus der göttlichen Fülle ist, stammt bekannterweise aus dem Orient, ist (über den Schmelztiegel Alexandrien?) in die neoplatonische Philosophie eingegangen und wurde auch von den Gnostikern rezipiert. Auch die Qabbalah hat sich das Emanationssystem angeeignet.


Diese Ansicht hat u.U. mehrere Quellen Und manche denken, diese Sichtweise entstamme der Qabbalah. Im Grunde reduziert sich das wieder auf die Frage "Wie alt ist die Qabbalah".
Nur weil der Name "Qabbalah" für die sog. "jüdische Geheimlehre" erst im 14. Jh. gebräuchlich wurde, heißt das nicht, dass sie nicht schon vorher existiert hätte - auch wenn viele das zu denken scheinen und man es häufig in Büchern findet.

Wie auch immer, Du ziehst dann folgende Schlußfolgerung aus dem Emanationssystem:

labyrinth schrieb
    Doch erst diese Lehre gab der Qabbalah einen eher unpersönlichen Anstrich und bereitete sie für die spätere Aufnahme heidnischer Pantheone vor.


Und erneut haben wir den Punkt immer noch strittig, dass die Qabbalah "heidnische Pantheone" in sich aufgenommen hat. Was bringt Dich zu dieser Ansicht?
Wenn es dieser Satz hier sein sollte:
labyrinth schrieb
    Zum anderen finden wir in der späteren hermetischen Qabbalah die "Freundschaft" zwischen Anubis und Gabriel, Thoth und Raffael, zusammengefasst in der großzügigen Glyphe des Lebensbaumes.

dann sollten wir uns den mal näher anschauen. (Und wenn nicht, dann vielleicht auch *smile*)
Ich denke, ich weiß, was Du meinst, aber erklär Du doch mal, wie Du Deinen Satz verstanden haben möchtest.

LG
Andrea

[Dieser Beitrag wurde am 11.01.2010 - 17:24 von Andrea aktualisiert]




RafaelChironis ...
Ritualmagie Mitglied
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...   Erstellt am 25.01.2010 - 22:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


labyrinth schrieb
    Meine Absicht ist eher, auf einen Aspekt hinzuweisen, der meiner Meinung nach erst die Integration der heidnischen Pantheone ermöglicht hat: die Übernahme der Emanationslehre aus dem Neoplatonismus.

    Die Ansicht, dass das Universum ein abgestufter Ausfluss aus der göttlichen Fülle ist, stammt bekannterweise aus dem Orient, ist (über den Schmelztiegel Alexandrien?) in die neoplatonische Philosophie eingegangen und wurde auch von den Gnostikern rezipiert. Auch die Qabbalah hat sich das Emanationssystem angeeignet. Vielleicht im Spanien der Kalifate unter arabischem Einfluss? Gut möglich. Hat das Werk des Moses Maimonides “Führer der Unschlüssigen” die Trendwende eingeleitet? Wir wissen es nicht genau.

    Doch erst diese Lehre gab der Qabbalah einen eher unpersönlichen Anstrich und bereitete sie für die spätere Aufnahme heidnischer Pantheone vor. Die Emanationslehre ist der Schlüssel für die Kompatibilität mit allen anderen Pantheonen.


Eine sehr gewagte Theorie, die Du da aufstellst! Ich meine, dass es eher umgekehrt war, d.h. die Qabbalah (im eigentlichen Sinne!) entstand erst durch die Übernahme und Umdeutung neoplatonischen Gedankenguts in das Judentum. Maimonides war da zunächst ein sehr umstrittener Vorläufer.

Um den Neoplatonismus in die jüdische Orthodoxie als festen Bestandteil integrieren zu können, musste man ihn seiner heidnischen Pantheone entkleiden und ihn gewissermaßen in der eigenen Tradition (=Thoradeutung!) wiederfinden/ hineindeuten. Die ältesten Qabbalahschriften (Bahir, Sohar!) sind daher auch in Form eines traditionellen Midrasch, also eines erläuternden Thorakommentars verfasst. Natürlich gab es auch innerhalb des Judentums bereits einige gnostische Strömungen wie etwa die Thronwagenmystik, die für eine solche Integration hilfreich herangezogen werden konnte.

Die Kompatibilität der Qabbalah zu heidnischen Pantheonen/ Gottheiten etc. entstand meiner Meinung nach erst durch die Adaptierung in das Christentum. Denn in der jüdischen Religion gilt es als unverrückbares Gebot Gottes: "Du sollst Dir von mir kein Bildnis machen!" Dies ist auch der Grund dafür, dass in den klassischen Schriften die Beschreibungen der Sephiroth immer auf eine gewisse Weise vage und gleichnishaft bleiben. Die christliche Ikonographie ist da deutlich toleranter.
(Viele ikonographische Heiligendarstellungen, sind nur sehr oberflächlich übermalte Bilder antiker Gottheiten. Ich erinnere hier nur an die große Änlichkeit zwischen Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß und der ägyptischen Isis mit dem Horuskind!)

Durch die Umdeutung der Qabbalah in die christliche Tradition wurde eine weitere Synchronizität sichtbar: Denn die christliche Tradition ist durch ihre Entstehung in Kleinasien/ Griechenland ihrerseits tief verwurzelt in die antike Mysterientradition (Eleusis!), woraus schließlich der Neoplatonismus hervorging. Zwei Ströme flossen hier gewissermaßen befruchtend zusammen.

Die Entstehung der heute so populären hermetischen Quabbalah, hat ihre Wurzeln nicht zuletzt durch die Emanzipation des westlichen Menschen vom alleinseeligmachenden Anspruch der christlichen Heilslehre.

Es entsteht jedoch für mich auch eine Gefahr durch die Überfrachtung verschiedenster Zuordungen zu den Sephiroth/ Pfaden. Wir degradieren den Baum des Lebens dann zu einer Art Schubladensystem für Analogien. Indem wir uns auf das geronnene Bild fixieren, verlieren wir das Verständnis für seine ursprüngliche Funktion, einer inneren Bewegung, die zwischen der unsichtbaren und sichtbaren Welt vermittelt. (Diese Bewegung ist die eigentlich wirkende Kraft in einem magischen Ritual!)

Wenn wir also z.B. sagen, dass Mars der Sephirah Geburah zugeordnet ist, so ist das eigentlich nur die Reflexion von Geburah wie sie für uns in Malchuth (oder der Welt von Asia!) sichtbar wird; nicht aber Geburah selbst!

Ich hoffe, meine Ausführungen sind einigermaßen verständlich!

LG RafaelChironis


[Dieser Beitrag wurde am 25.01.2010 - 22:06 von RafaelChironis aktualisiert]




labyrinth ...
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...   Erstellt am 11.02.2010 - 22:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Hallo liebe Andrea und hallo an alle!

Es ist nahe liegend, Religionen oder spirituelle Lehren, sowie generell Kulturen als Lebewesen aufzufassen: dieser Vergleich hilft einem, z.B. die unterschiedlichen Perioden einer Religion einzuordnen, manche Phänomene der Periode der „Kindheit“, andere dem „Erwachsenzustand“ und schließlich einige dem „Alter“ zuzuornen. Parallelen aus dem menschlichen Leben lassen sich auch günstig heranziehen, wie z.B. aus der Erziehung oder aus dem Liebesleben. So wird aus einer Religion ein Wesen mit Geburt, Wachstum, Höhepunkt, Verfall und Tod.

1. Natürlich müssten alle Anfangsperioden Gemeinsamkeiten aufweisen, wie ungehemmter Wachstum, formale Unreife, Abhängigkeit von externen Autoritäten, Unmündigkeit und, warum nicht, Unerfahrenheit oder eine gewisse Blindheit.
2. In der Pubertät und in den Jahren eines jungen Erwachsenen treten Krisen auf, es findet ein kritisches Hinterfragen der Fundamente statt, weiterhin Enttäuschungen aber auch Konsolidierungen.
3. Die reife Zeit des Erwachsenenalters charakterisiert sich vor allem durch Harmonie: zwischen Inhalt und Form, zwischen Leidenschaft und Berechnung, zwischen allen üblichen Gegensätzen.
4. Im Alter schwindet die Energie, sie verlässt zusehends die immer feiner werdende Form. Wir befinden uns im Manierismus: immer mehr Formenvielfalt und formale Anstrengung wird benötigt um dieselben Ergebnisse zu erzielen, - Ergebnisse die im davorliegenden Zeitalter mühelos und scheinbar ohne Anstrengung erreicht worden sind.

Viele Kulturen weisen diese Dreiteilung in archaisch-klassisch-manieristisch auf, viele Kulturen haben ein Anfang und ein Ende. Sicherlich sind auch unklare, mehrere Jahrhunderte dauernde Übergänge zu vermerken, wie z.B. zwischen Antike und Mittelalter. Keinem Zeitgenossen wäre je das Ende der Spätantike und der Anfang des Frühmittelalters aufgefallen.

Als Beispiele: die Antike hat die Archaik, die Klassik und den Hellenismus. Die Gotik hat die Frühgotik, die Hochgotik und die Flammengotik, die Renaissance hat zumindest am Ende den Manierismus. Und heute, das sagen die Gelehrten, leben wir im Manierismus der Moderne, der sogenannten Post-Moderne.

Ob Religionen bzw. spirituelle Lehren auch einem biologischen Schema unterliegen, ist unklar, manches spricht aber dafür. Und meine These hier ist, dass die Interaktion zwischen Judentum und Emanationslehre mit Hilfe dieses Bio-Modells gut erklärt werden kann. Es ist mir aber bewusst, das diese These einem Denkmuster unterliegt und nur als Arbeitshypothese verwendet werden darf. Ich habe auch nicht genug Wissen (Theologie, Religionsgeschichte, vergleichende Religionswissenschaften, Philosophie, etc.) um die Pro’s und Kontra’s hier zu untersuchen. Ich werde nur ein paar Denkanstöße notieren, mit dem klaren Wissen um deren Unvollständigkeit.

1. Der Anfang oder die Kindheit
Die Torah und die sonstigen Schriften des traditionellen Judentums (ebenso des Christentums oder des Islam) sind nicht systematisch aufgebaut; sie sind Erfahrungsberichte, Narrationen, Legenden mit Erziehungscharakter. Sie haben kein logisch-systematisches Rückgrat. Am Ursprung einer Religion stehen meistens spontan-chaotische, unstrukturierte mystische Ereigniszyklen. Logische Widerspruchsfreiheit gehört keineswegs zu den mitgelieferten Fundamenten einer neuen Religion. Diese Ansprüche werden erst später erkannt, und oft müssen die Fundamente später ergänzt werden, als die Gebäude bereits von Menschen bewohnt werden.

Diese erste Zeit der "Kindheit" könnte gleichzeitig auch die der "Autorität“ genannt werden, um ein Beispiel aus der Erziehung zu verwenden. Mit einer für heutige Augen entrüstenden Naivität wurden z.B. in der Kindheit des Christentums rationale Urteile den Dogmen des Glaubens unterworfen, auch wenn die Widersprüche zum gesunden Menschenverstand offensichtlich waren. Kritische Einwände hatten nur den geringen Platz, der ihnen von dem engen Rahmen der Dogmen eingeräumt wurde. Man spürt, die Vernunft greift nicht, oder sie greift nur dort, wo dies von der Autorität der "heiligen" Schriften erlaubt ist. Es ist die „Zeit des Vaters“. Die Ratio ist noch nicht emanzipiert.

2. Unterschiedliche Arten der Bedrängnis: Gründe um Erwachsen zu werden
Das Judentum war im mittelalterlichen Europa in zweifacher Bedrängnis, weltanschaulich und politisch-sozial. Um in dieser Situation zu überleben, brauchte man ein "kompetitives" Lehrgebäude. Das haben die provencalischen und spanischen Gelehrten unbewusst gespürt und nach einem passenden „Skelett“ für das jüdische „“Fleisch“ Ausschau gehalten. Der Neuplatonismus war ein aussichtsreicher Kandidat. Einzig der unpersönliche Charakter der Emanationslehre bereitete manche Sorgen, die aber überbrückbar schienen. Viel zu attraktiv wirkte das Stufenmodell, so dass Widersprüche mit der Vorstellung eines persönlichen Gottes ignoriert werden konnten. Sicherlich blieben die meisten Kabbalisten zu dieser Zeit strenge Monotheisten, ohne zu ahnen, dass die Übernahme der Emanationslehre die ersten Schritte in Richtung Aufnahme fremder Pantheone eingeleitet hat.

Kurzer Exkurs zum erwähnten Widerspruch:
Der Monotheismus (und dazu zähle ich die normativen Formen des Judentums, Christentums und des Islam) hat als zentrale Figur ein personales Wesen, ausgestattet mit freiem Willen. Dieser Gott handelt bei der „Schöpfung“ und auch später in der Weltgeschichte, er handelt auch jetzt noch. Die Emanationslehre dagegen ist ein pseudowissenschaftliches Modell, in welchem die kosmischen Ereignisse von Gesetzen und Kräften bestimmt werden: wenn eine Emanationsstufe zu einem gewissen „Reife“- oder „Abkühlungsgrad“ gelangt ist, dann findet die nächste „Ausgießung“ statt, so entsteht die nächste Stufe usw. Ein bisschen ist das wie beim „Big Bang“-Modell der zeitgenössischen Kosmologie: am Anfang sind die Zustände eher undifferenziert, hochkomprimiert und hochenergetisch, doch später, nach jeder "Abkühlung", treten weitere Unterschiede zu Tage, die Dinge bekommen mehr „Form“ und weniger „Temperatur“.

Bei beiden Modellen (Big Bang + Emanation) werden die Ereignisse von Gesetzen bestimmt, Gesetze welche die Ausgießungen, Abkühlungen und Verwandlungen regeln. Nicht von einem persönlichen Gott der über die Gesetze steht, handelt und nach Belieben eingreift.

Nach dem Aufkommen der modernen Wissenschaften „regierten“ im Universum plötzlich zwei entgegengesetzte, miteinander unkompatible Instanzen: ein personaler, freier Gott, der schalten und walten kann, der eifersüchtig ist oder betrübt, beleidigt oder wütend; aber auch Naturgesetze, die leidenschaftlos und unpersönlich über den Ablauf der Ereignisse „wachen“. Abgesehen davon, dass meiner Meinung nach Gottes Gefühlswallungen Projektionen gewesen sind (denn welcher Mensch kann schon in das „Herz Gottes“ schauen, um zu sehen, ob dieser z.B. „eifersüchtig ist auf sein Volk“ ?), haben europäische Denker der aufkommenden Moderne versucht, aus diesem Dilemma einen Ausweg zu finden und uns den Deismus als Lösung vorgeschlagen.
Die Anhänger des Deismus gehen zwar von der Schöpfung des Universums durch Gott aus, nehmen aber an, dass Gott sich nach getaner Arbeit zurückgezogen hat und im Folgenden keinen Einfluss mehr auf die Geschehnisse im Universum nimmt. Leibniz etwa spricht von Gott als von einem Uhrmacher, der das von ihm hergestellte Uhrwerk nur in Gang setzte, worauf dieses dann von selbst weiterlaufe. Dies war die Kompromisslösung, um Naturgesetze und frei handelnden Gott miteinander in Einklang zu bringen. Wie sich später herausgestellt hat, eine enttäuschende Lösung: was sollen wir denn mit einem fernen und unerreichbaren Gott anfangen, einem Schöpfer der sich aus seiner Schöpfung zurückzieht, sein Werk sich selbst überlässt?
Diese Widersprüche waren den Kabbalisten der ersten Stunde bestimmt nicht bewusst gewesen, zumindest nicht in der heutigen Schärfe, so dass sie freimütig ignoriert wurden.

Insgesamt aber war das Emanationsmodell attraktiv und glaubwürdig, und die Tatasache, dass es bereitwillig aufgegriffen wurde, zeugt von seiner Kompatibilität mit den Grundstrukturen der menschlichen Seele. Anders ausgedrückt: das Emanations- und Stufenmodell ist ein Urbild des kollektiven Unbewussten. Ob es deswegen auch der „absoluten Wahrheit“ entspricht, das werden wir Menschen nie herausfinden. Wir finden nur mehr oder minder stimmige Bilder. Wenn diese auch noch an unterschiedlichen Stellen der Weltgeschichte auftauchen und freudig aufgegriffen werden, dann spricht das freilich für das besagte Bild.

2. Unterwegs zum Erwachsenwerden: Bewusstwerdung, Reflexion, kritisches Hinterfragen
Die platonische bzw. aristotelische Philosophie haben dem mittelalterlichen Christentum einen Rückgrat gegeben, haben ihm geholfen, Struktur und System zu entwickeln. Diese Werkzeuge haben es der christlichen Religion ermöglicht, sich mit sich selbst aber auch mit konkurrierenden Disziplinen, Denkschulen oder Glaubensrichtungen auseinanderzusetzen. Die Integration dieser beiden philosophischen Schulen (die im Wettbewerb zueinander standen) war für das Christentum lebensnotwendig. Solche Werkzeuge helfen bei der „Rodungsarbeit“, ohne ihnen bleiben die Religionen reine Erfahrungsberichte: Darstellungen erhitzter Gemüter und extatischer Seelen. Im Leben einer jeden Religion – unterwegs zum Erwachsenenalter - kommt die Zeit, wo der „Ruf nach Klarheit“ ertönt. Meine Vermutung ist, dass die Emanationslehre für die jüdische Religion die Rolle dieses Werkzeuges übernommen hat: eines Instruments, welches Klarheit, Hierarchie und Struktur schafft.

3. Erste Schritte zur Reife, Austausch, gegenseitiges Kennenlernen
Bald darauf gint die Saat der Qabbalah im christlichen Nachbargarten auf. Die Schnittstelle, welche die Überhanhme der Qabbalah und hiermit die Kompatibilität mit dem Christentum ermöglicht hat, ist unser alter Bekannter, der Neuplatonismus. Das Christentum hat ja auch neuplatonisches Gedankengut aufgenommen (Platon, Plotin, Kirchenvater Origenes), so wirkten die zwei Lehren zumindest nicht mehr ganz fremd aufeinander.

4. Verlassen des Elternhauses, Abschütteln des Ballastes der Tradition, Verlassen der Welt der Väter:
Die christliche Qabbalah (Pico de la Mirandola, Johannes Reuchlin, etc.) aber auch spätere esoterische Logen (Golden Dawn, Aleister Crowley) verzichteten vollends auf die Anbindung an das Vaterhaus des Judentums und öffneten die Qabbalah für heidnische Pantheone. Die Schwerpunkte haben sich nach der Migration der Qabbalah in die europäische Esoterik verlagert und heute ist es ohne weiteres möglich Qabbalist zu sein, ohne die 248 Gebote und 365 Verbote der Torah zu halten ........ für jeden der Gründerväter der Qabbalah eine absurde Vorstellung.


Schlussfolgerung:
Die Grundidee hinter meinen Ausführungen ist, daß alle Lehren, Philosophien, Religionen, Erlösungssysteme dem universalen Gesetz von Wachstum und Verfall unterliegen, weiterhin auch dem Gesetz der ständigen Verwandlung und Anpassung. Genau wie alle Lebewesen. Aus dieser Perspektive gäbe es keinen Unterschied zwischen einem geistigen und einem physischen Lebewesen. Mich würde interresieren, ob Ihr denkt, dass es in den Lehren der Quabbalah etwas tatsächlich Unverrückbares, Unveränderliches, Absolutes gibt, etwas, das nicht nur "ein Bild für uns" ist? Oder ob alle Gebilde dieser jüdischen esoterischen Lehre - wie auch aller anderen Lehren - relativ sind, hergestellt von Menschen für Menschen: zerbrechliche Gefäße der Sichtbarkeit, in denen immer wieder für kurze Zeit das unsichtbare Lebenselixier der Wahrheit aufbewahrt wird.

liebe Grüße aus dem verschneiten Wien
labyrinth

[Dieser Beitrag wurde am 12.02.2010 - 21:07 von labyrinth aktualisiert]




Trashidrolma ...
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...   Erstellt am 12.02.2010 - 02:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Liebe Labyrinth,


Du sprichst einen sehr interessanten Aspekt an:

Labyrinth schrieb
    Mich würde interresieren, ob Ihr denkt, dass es in den Lehren der Quabbalah etwas tatsächlich Unverrückbares, Unveränderliches, Absolutes gibt, etwas, das nicht nur "ein Bild für uns" ist? Oder ob alle Gebilde dieser jüdischen esoterischen Lehre - wie auch aller anderen Lehren - relativ sind, hergestellt von Menschen für Menschen: zerbrechliche Gefäße der Sichtbarkeit, in denen immer wieder für kurze Zeit das unsichtbare Lebenselixier der Wahrheit aufbewahrt wird.


Hmm, ich persönlich denke, dass wir Menschen nicht in der Lage sind die absolute Wahrheit wahrzunehmen und daher immer auf Bilder u.ä. angewiesen sind:
Meine Augen sind empfänglich für nur wenige elektromagnetische Wellen, meine Ohren hören nur bestimmte Frequenzen. Ich nehme also immer nur einen kleinen gefilterten einen Ausschnitt der Wirklichkeit wahr. Aber ist das was ich sehe, wirklich so wie ich es wahrnehme? Nein, es gibt ja zahlreiche Beispiele für Wahrnehmungstäuschungen (jeder kennt irgendwelche Bilde mit optischen Täuschungen, oder Echo).
Außerdem ist unsre Wahrnehmung immer stark gefiltert. Begibt man sich mit einer Freundin in eine Menschenmenge, in der viele Gespräche sind, kann man der Freundin doch gut folgen und die andren Gespräche verblassen. Und natürlich "verstehen" wir sie auch gerne inhaltlich so wie es zu unsrem Bild von ihr und uns passt usw.

Das ließe sich unendlich fortführen. Also halten wir fest: Wir sind sehr weit entfernt davon die Wahrheit zu erkennen. Wir können uns verbessern, durch Schulen unsrer Aufmerksamkeit etc. aber wir werden als Menschen nie die Wahrheit erkennen. Wir können sogar Echolots erfinden oder Teleskope, all das verbessert unser Bild, ebenso wie Forschung und natürlich Meditation.

Daher denke ich: Ja sie zeigt wie jedes Bild nicht die Wahrheit (Wenn ich den Mond sehe, ist was ich sehe, ja nicht der Mond selbst, sondern das Bild von ihm). Stelle dir bitte mal einen 4-dimensionalen Würfel vor. Es gibt hübsche Projektionen auf 3 D (so wie wir auch Würfel auf plattes 2D Papier zeichnen können), aber wir sind einfach nicht in der Lage den 4 D-Würfel wahrzunehmen.
Die Kabbalah hilft uns (mit unseren begrenzten Fähigkeiten) der Wahrheit näher zu kommen und ich glaube, dass wir sehr viel daraus lernen können, was uns ganz neue Entwicklungsungs- auch Wahrnehmungswelten eröffnet. Ich nehme an, dass die Kabballa viel näher an einem wirklichen und umfassenden Verständnis ist, als alles andres, das mir bisher begegnet ist. Ich glaube, dass sie den wahren Kern des gesamten Seins und dessen Entstehen und vergehen enthält, da sie eben nicht (nur) von uns Menschen erdacht wurde, sondern der wahre Autor woanders sitzt. Ich glaube nicht, dass wir eines Tages feststellten, dass alles ganz anders wäre. Ich glaube eher, dass wir durch immer bessere Bilder in uns immer feiner in unsrem Erfahren werden. Aber das ist nur meine Meinung, und ich stehe noch ganz am Anfang meiner Suche.


Zu Deinem Vergleich einer Lehre etc. mit einem Lebewesen fällt mir Folgendes ein: Man findet in der Tat oft eine These, der man erst einmal naiv hinterher rennt (Kind) und die man für richtig erachtet. Dann kommt wer mit ner Gegenthese (Rebellion, Jugend, Erwachen des kritischen Verstandes)und nun ist die plötzlich die Lösung. Man bemerkt wieder Defizite und es kommt zur Synthese (Weisheit , Alter, differenziertes Erfassen mehrerer Aspekte). So weit so gut.
Aber was passiert nun mit unsrer Synthese? Genau, es wird auf höherem Niveau wieder eine Gegenthese geben, wodurch sie nun unsres These geworden ist... Gut man könnte es als Daseinskreislauf sehen, aber dann verliert man aus den Augen, dass doch ein stetiges Wachstum vorhanden ist, - oder eben manchmal auch ein großer Verlust von schon Erreichtem stattfindet.

Außerdem habe ich eben nicht erwähnt, dass bevor die Gegenthese angenommen wird, natürlich immer fleißig an der These herum geschustert wird, um sie doch noch irgendwie passend zu machen. So hätte ich in der These selbst so einen Prozess.

Ich tue mich etwas schwer damit das so starr zu sehen, weil ständig neue Impulse dazukommen und plötzlich ein Paradigma kippen kann oder es wandelt sich still und heimlich.

Wenn ich nun gar an Religionen denke, da gibt es so viele Strömungen, Abspaltungen oder Vermischungen durch Kriege oder Völkerwanderungen. Puhh, da wird es richtig kompliziert....


Liebe Grüße
Trashidrolma

[Dieser Beitrag wurde am 12.02.2010 - 05:11 von Trashidrolma aktualisiert]





Signatur
Was zweiter Satz sagt, ist nicht richtig, ihn der erste Satz bezichtigt, währenddessen zweiter klagt, dass wahr ist, was der erste sagt. So widersprechen sie sich heiter, während ich mit meiner Logik scheiter.(Ich)

rose ...
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...   Erstellt am 12.02.2010 - 10:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Hallo Alle !

Ich habe neulich einen guten Film gesehen und mir viel beim lesen hier gerade eine Szene daraus ein.
Ein junger Mann fogt seinem spirituellen Lehrer einen weiten anstrengenden Weg...in der Erwartung etwas unsagbar wundervollem zu begegnen.Am Ende des harten Weges soll er dann aber einen normalen Stein finden und ist erst sehr enttäuscht darüber...bis zu der Erkenntnis, dass nicht das was wir finden das Ziel ist, sondern der Weg dorthin. Wenn jeder genau wüsste ,was er am Ende genau findet, dann wäre der Antrieb dorthin zu gelangen nicht der gleiche. Nicht genau zu wissen was das Ziel ist lässt uns die Sinne offen halten.
Und dadurch wird auch nicht jeder das gleiche finden... der eine mag ein Lebenselixier finden, der nächste ein Bild, einen Schlüssel ,sich selbst oder wird gar den Weg irgendwann verlassen um einen anderen zu gehen der ihm besser erscheint.
Der Weg ist das Ziel, und nicht das was am Ende des Weges wartet.
Die Pfade zu beschreiten und daraus seine ureigensten Erkenntnisse zu erzielen ist daher für mich wichtiger als das was am Ende wartet..denn ich weiß nicht ob es sich verändert oder starr ist solange ich noch auf dem Weg dorthin bin.
Allerdings bin ich selbst ja auch nicht starr sondern verändere mich..somit ist wohl auch das was ich finden werde in stetiger Veränderung.

Auch wenn das jetzt nur kurze Gedanken zum Thema sind... ich hoffe es ist erkennbar was ich meine.
lichtvolle Grüße

rose





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Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird.
RUDOLF STEINER

Mathetes414 ...
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...   Erstellt am 12.02.2010 - 16:21Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Hallo Labyrinth,

wie Trashidrolma bin ich ehr skeptisch, was deinen Vergleich von religiösen (etc.) Lehren und Kulturen mit Lebewesen angeht.
Ich muss sagen, ich finde es ganz und garnicht einleuchtend oder naheliegend Religionen, Philosophien und Kulturen als Lebewesen aufzufassen. Tatsächlich halte ich dies für einen Fehlschluss, der daraus resultiert, dass diese von Lebewesen getragen werden und daher einzelne Eigenschaften mit Lebewesen teilen - allerdings grade nicht die basalen Eigenschaften des Lebens. Die Analogie von Religionen als Lebewesen mag bestenfalls heuristischen Wert haben - was natürlich auch schon was ist. Aber grade die in der Analogie geltend zu machen, dass es soetwas wie Lebensabschnitte bei diesen gibt halte ich für höchst problematisch.

Die moderne Sprachwissenschaft, die ja mit dem Konzept von Sprachfamilien arbeiten und eben genau der Analogie von Sprachen als lebendige Entitäten (im Gegensatz zu Lebewesen), gibt ja auch zu bedenken, dass Sprachen keine gesetzte Lebensspanne haben, damit auch keine Lebensabschnitte, keine Reifeprozesse haben. Eine Sprache ähnelt also vielmehr vom Verhalten her einer biologischen Art (die ja auch gewissermaßen Epiphänomen auf den individuellen Lebewesen ist). Ichdenke dies ist auch bei Kulturen, Philosophien und Religionen der Fall.

Probleme mit 1.:
Der Mazdayasna oder Zoroastrismus z.B. hatte am Anfang keine "spontan-chaotischen, unstrukturierten mystischen Ereigniszyklen" - ganz im gegenteil zeichnen sich die Gathas dadurch besonders aus, dass sie eine klare, logische innere Struktur aufweisen und weitgehgende Wiederspruchsfreiheit für sich in Anspruch nehmen können. Es handelt sich hier weder um schlichte Erfahrungsberichte, Narrationen, noch Legenden mit Erziehungscharakter.
Im Bhuddismus sieht es z.B. nich unähnlich aus.
Dies liegt eben grade darn, dass Religionen sich in aller Regel nicht ab ovo entwickeln, sondern aus anderen Religionen auszweigen. Wie dies geschieht, kann sich ganz unterschiedlich gestalten.

Probleme mit 2.1:
Die Kabbalah mitsamt Emanationslehre als Kandidaten für ein "kompetitives Lehrgebäude" zu sehen, halte ich aus mehreren Gründen für gewagt. Denn a) war das Judentum zunächst einmal Religion der Juden, dass heißt fest an ethnische Zugehörigkeit gebunden. Dass schloss schon eine Menge Wettstreit mit anderen Religionen aus. Und b) hatten nur die wenigsten Juden wirklich Zugang zu den kabbalistischen Lehren. Kabbalah war seit alters her esoterische, nicht exoterische, Lehre. Esoterische Lehren sind aber denkbar schlecht geeignet um mit ihnen kompetitiv tätig zu werden. Insofern gab es zu dieser Zeit auch keinen "Druck" Emanationslehren zu integrieren.

Probleme mit 2.2:
Der Aristotelismus wurde in die christliche Kirche erst integriert, als diese weitreichende und unangefochtene Vorherrschaft in Europa erlangt hatte. Insofern finde ich es schwer einsichtig in wie fern diese Integration 0lebensnotwendig war. Die integration Neoplatonischen Gedankenguts in die christliche Kirche kann man auch von einer anderen Wart betrachten: Nämlich nicht als Integration, sondern als Quelle (neben dem Judentum) des Christentums. Der Neoplatonismus spielte nämlich schon zu jener Zeit eine deutlich gehobene, sowie auch prägende Rolle im Christentum, die eigentlich von dir hier als "Kindheit" charakterisiert wird. Im übrigen hat man sich grade in dieser Zeit sehr stark auseinandergesetzt, argumentiert und Konsolidiert: Das Christentum müsste also in die Pubertät fast hineingeboren worden sein.

Probleme mit 3.:
Warum annehmen, dass der Neoplatonismus notwendig ist um jüdisches Gedankengut ins Christentum zu übernehmen, wenn es doch viel naheliegender ist anzunehemen, dass das Christentum dazu in besonderem Maße in der Lage war, weil es aus dem Judentum heraus entstand?

Probleme mit 4.:
Ich halte es für fragwürdig ob und in wie weit die Qabbalah sich dem Polytheistismus geöffnet hat. Sicher, es erfolgte eine Öffnung in dem Sinne, als dass entsprechende Götter der Pantheone den Sephiroth zugeordnet wurden, aber ist dies eine öffnung für den Polytheismus? Wenn, dann nur in einem sehr schwachen Sinne, etwa in dem Sinne wie Platon oder Aristoteles offen waren für den Polytheismus des Volkes, sie selbst aber einen einzelnen transzendenten Gott postulierten. Letztlich ist eine Einordnung in den Baum des Lebens immer Unterordnung unter das höchste Prinzip (IHVH).

Zum Emanationismus:
Ich halte es für gefährlich der Qabbalah eine Emanationslehre nach Plotin zu unterstellen. Der Neuplatonismus hat selbst die Emanationslehre nicht neu erfunden. Wahrscheinlich ist, dass er sie garnicht erfunden hat, sondern sie selbst aus Nahost übernommen hat, wo man Emanationslehren vielfach findet und häufig ganz selbstverständlich in einem monotheistischen Kontext, so zum Beispiel in vielen gnostischen Religionsgemeinschaften. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass Emanationslehren ehr dem Monotheismus nahe stehen, als dem Polytheismus, da jede Vielheit von Göttern aus der Einheit des Ursprungs entflossen sein muss, ihm damit notwendig unterstellt ist. Bestenfalls kommen wir also mit einer Emanationslehre zu einem Henotheismus. Zweifellos hat ein Austausch zwischen Neuplatonismus und Qabbalah stattgefunden. Ich denke aber, dass die Neuplatonismus und Qabbalah gemeinsame Emanationslehre einen regen Austausch gefördert hat und es nicht "Ziel" der Qabbalisten war den plotin'schen Emanationismus zu integrieren.
Darüber hinaus gab es ja auch einen regen Austausch zwischen Qabbala und Aristotelismus, den man deutlich sehen kann, der allerdings nicht so häufig herausgearbeitet wird, wie die Interaktion mit dem Neoplatonismus.

Zur Schlussfolgerung:
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Lehren, Philosophien, Religionen, Erlösungssysteme einem Gesetz von Wachstum und Verfall unterliegen, weiterhin auch einem Gesetz der ständigen Verwandlung und Anpassung. Ob diese Gesetze allerdings universal gültig sind, halte ich für fragwürdig. Und für noch fragwürdiger halte ich die Feststellung, dass sie solchen Gesetzmäßigkeiten in genau der gleichen Art und Weise unterliegen wie Lebewesen. Um genau zu sein, halte ich diese Feststellung für schlechthin falsch, wie meine obigen Ausführungen zeigen sollten. Sich auf diese Perspektive zu stellen, um "Erkenntnisse" zu gewinnen, halte ich für zu sehr gekünstelt - da ist glaube ich der Wunsch (nach bestimmten Ergebnissen) Vater des Gedankens (dass man doch das ganze aus dieser Perspektive betrachtenb kann bzw. sollte).

Was mich zu deiner Frage führt: Würde ich deine Prämissen kaufen, müsste ich sicherlich mit "Nein, ich glaube da gibt es nichts festes." antworten. Deine Frage ist ja auchschon so suggestiv gestellt. Ich finde die Formuliereung über "zerbrechliche Gefäße der Sichtbarkeit, in denen immer wieder für kurze Zeit das unsichtbare Lebenselixier der Wahrheit aufbewahrt wird" daher sehr poetisch und durchaus schön, sehe aber das nicht als garant für die Richtigkeit des Ausspruches.
Die Frage hier ist doch: Was verstehst du unter Wahrheit? Meinst du ob uns zugänglich ist ob etwas wahr ist oder ob uns die Wahrheit (schlechthin) zugänglich ist?

Ich für meinen Teil bin epistemischer Optimist. Ich denke wir können erkennen ob etwas wahr oder falsch ist. Das reicht von einfachen Tautologien wie "Ein Junggeselle ist ein Mann." über schwierigere Aussagen wie "Ein gleichwinkliges Dreieck ist ein gleichseitiges Dreieck." bis zu empirisch interessanten Aussagen "Der Morgenstern ist der Abendstern.". Und da ich die Qabbalah für ein Werkzeug halte um Wahrheiten und damit etwas Unverrückbares, Unveränderliches, Absolutes zu erkennen, Qabbalah aber auch diese Erkenntnisse für mein Dafürhalten mit einschließt (ohne sie "einfach" präsentieren zu können), würde ich sagen, dass die Lehren der Quabbalah etwas tatsächlich Unverrückbares, Unveränderliches, Absolutes beinhalten. Nur eben nicht auf triviale Weise.

[Dieser Beitrag wurde am 12.02.2010 - 16:22 von Mathetes414 aktualisiert]





Signatur
Der Geist, "dieses Göttliche in uns", ist "unser wahres Selbst - unser entscheidender und bester Teil".
~ Aristoteles, Nikomachische Ethik X 7, 1177 b 28 u. 1178 a 2 f.

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