johnnyrebel  Moderator a.D.
 

Status: Offline Registriert seit: 12.09.2006 Beiträge: 242 Nachricht senden | Erstellt am 15.09.2006 - 09:00 |  |
Momente
Draußen wehen zerschlissene Tücher. Staub wirbelt empor, kleine Sandkrumen, die sich durch die Öffnungen der Tücher fressen. Die Sonnenstrahlen, die den Boden erwärmen und eine anmutige Stille, die sich jeden Moment ändern kann.
Auf dem Boden hockend sitzt er dort, starrt ins Nichts. Soweit man sehen kann, nur Sand.
Wellen durchziehen die aufgehäuften Hügel, die sich wie ein Wall um das Zeltlager ziehen.
Mittagszeit, die Zeit der Stille.
Gedankenversunken blickt er sich um. Zwei Liegen, jeweils am linken und rechten Zeltrand aufgestellt, dazwischen Rucksäcke, Wäschehaufen, teils sauber, teils verschmutzt. Notdürftig an den Zeltwänden angebracht Zeitschriften älteren Datums, Bilder von Personen, Spruchbänder und immer wieder zwischendurch Wäsche, zum Trocknen aufgehängt.
Seine Blicke folgen dem Wind, durchstreifen die Außenwelt. Fahrzeuge, abgestellt in einer Reihe, Kisten mit unbekanntem Inhalt. Und mittig auf dem Platz ein Football-Spielfeld.
Er greift mit seiner Hand in seine Hosentasche.
Ein alter, sorgfältig zusammengeklappter Brief erscheint in seiner Hand. Leicht vergilbt, an den Ecken bereits eingerissen. Unzählige Male benutzt und gelesen. Eine Erinnerung, die er immer bei sich trägt. Und einen Anhänger, welcher an einem bereits brüchigen Lederband befestigt ist.
Wieder öffnet er den Brief, geschriebene Worte, eigentlich nichts sagend, doch so viel Wert.
Eine Erinnerung, die er immer wieder gelesen hat. Meist ohne Grund, manchmal, weil nichts anderes da war, manchmal, um Fragen zu beantworten, manchmal, um einfach nur zu lesen.
Doch die Worte sind nicht mehr erkennbar. Der Brief zerreißt beim öffnen, zerbröselt zwischen seinen Händen. Papierfetzen werden durch den Wind aufgewirbelt, mitgetragen und verschwinden irgendwo zwischen Sand und Sonne.
Langsam lässt er die Kette durch seine Hände gleiten, erinnert sich. Die Stille wirkt fast unwirklich. Warme Luft flimmert, die Sonne lässt sirrend ihre Strahlen auf das Zelt prallen.
Einige Zeit bleibt er dort sitzen, denkt zurück. Ein sich Lesen, Telefonate, manchmal Gespräche, ein sich Erfühlen. Ein sich Erleben. Doch immer wieder ein Zurück, ein Abschiednehmen mit offenen Fragen, Unruhe und dem Unwissen, wann ist es das letzte Mal.
Erneut erinnert er sich. Gespräche, scheinbar Lichtjahre entfernt. Manchmal nur wenige Minuten, manchmal länger. Manchmal nur kurze Kontakte. Seltene Momente, getragen durch das Hier und Jetzt.
Manchmal Lachen, manchmal Weinen, manchmal Hoffnungslosigkeit, manchmal Mut.
Langsam blickt er auf. Erwacht aus der Versunkenheit. Ein Flüstern zieht durch das Zelt, Zeltstoff knistert und in weiter Ferne ertönen Geräusche.
Plötzlich lässt er den Anhänger in die Hosentasche gleiten. Stimmen ertönen, werden vom Wind über das Camp getragen. Motorengeräusche werden hörbar. Und über allem liegt der Hauch einer trügerischen Ruhe.
Still nimmt er seine Sachen an sich, setzt seine Sonnebrille auf, schaut sich noch einmal um und verlässt das Zelt. Doch während er sich der Hektik ergibt, bleibt ein Lächeln in seinem Gesicht. Ein Lächeln an die letzten Worte, das zuletzt gehörte. Ein Lächeln des Erinnerns und des Willens, einen anderen Weg zu beschreiten.
Denn dieses Lächeln wurde ihm von jemandem geschenkt. Das Lächeln der Hoffnung. Und er ist bereit, es zurückzugeben.
[Dieser Beitrag wurde am 17.09.2006 - 11:54 von johnnyrebel aktualisiert]
Signatur Glaubt nicht, ihr hättet Millionen Feinde. Euer einziger Feind seid: ihr selbst... |
Athene  Registriertes Mitglied


Status: Offline Registriert seit: 14.07.2006 Beiträge: 122 Nachricht senden | Erstellt am 15.09.2006 - 18:51 |  |
Die Beschreibung eines Momentes, an dem sich Dein Prot an etwas Angenehmes erinnert.
Trotzdem ist der Sinn der Geschichte für mich nicht ganz greifbar. Über was denkt er nach während er sich so erinnert? Was ist das Ergebnis? Ein Lächeln weiter zu geben? Nicht, dass das allein nicht wertvoll wäre. Stell Dir vor, Jeder schenkt Jedem jeden Tag ein Lächeln. Ich fände das schön. Aber es ist sicher nicht der Sinn der Geschichte. Irgendwas fehlt mir, mehr innerer Dialog, mehr Hintergrund? Und warum befestigt Jemand eine Kette an einem Lederband? Einen Anhänger ja, aber eine Kette?
Etwas verwirrte Grüsse
Athene
Signatur Wenn dein Pferd tot ist, steig ab!
(Indianerweisheit) |