Tagtraeumerin unregistriert
| Erstellt am 31.01.2009 - 16:19 |  |
Das Polizeiauto fährt langsam an mir vorbei. Erleichtert denke ich:
"Gott sei Dank kein Blaulicht, kein Martinshorn, nichts Schlimmes passiert in unserer Straße.
Dann stoppt er. Meine Nachbarin hatte eine Frau beobachtet, die am Straßenrand zusammengesackt war. Sie lag unter den Bäumen, keine Verletzungen, kaum ansprechbar.
Also rief sie den Notruf an.
Der Mann von der Notrufzentrale war darin erfahren, die richtigen Fragen zu stellen.
Nein, dies ist wohl keine der als vermisst gemeldeten Personen, leider. Er würde unverzüglich die Streife vorbeischicken.
In der Zwischenzeit hat sich die Frau vom Boden erhoben und auf eine Bank gesetzt.
Dort sitzt sie, als die Polizei eintrifft.
Als der Polizist die Frau befragt, spricht sie
in einem fort, halblaut,
Unverständliches, auf Fragen nach dem Wer, Woher oder Wohin antwortet sie rasch, aber unnütz.
Dabei fingert sie ohne Unterlass an ihrer Handtasche, die sie öffnet, durchsucht, schließt und gleich wieder öffnet: Kein Ausweis, keine Schlüssel, keine Adresse.
Er will ihre Personalien überprüfen, greift nach ihrer Tasche und fordert sie auf, sich hinzustellen. Dabei fasst er ihren Arm.
»Lass mich los, blöder Kerl, lass mich los!«, fordert die Frau mit deutlicher Stimme. Vergebens!
Sie arbeitet sich von der Bank hoch, überquert schwankend die Straße, erreicht das Polizeitauto und gleitet neben der Tür in Zeitlupe zu Boden.
»Vielen Dank, daß Sie sich so bemüht haben«, höre ich den Polizisten zu meiner Nachbarin sagen, während sein Kollege ist mit dem Funkgerät beschäftigt, er sagt etwas von Allee.
Dort ist die Nervenklinik der Universität.
Mitten unter uns werden Menschen, die aus unerklärlichen Gründen zusammenbrechen, keinen Personalausweis dabei haben und einem Polizisten in seine Schranken weisen, ihn als blöden Kerl bezeichnen, weil sie nicht von ihm angefasst werden wollen, mitten unter uns, werden diese Menschen in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen.
Der "blöde Kerl" darf frei rumrennen, und seine Macht weiter ausüben. Mitten unter uns.
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