Daggi 
      

Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 618 Nachricht senden | Erstellt am 23.04.2009 - 22:12 |  |
Jede Frau hat wohl Angst davor, pullern zu müssen, aber es nicht zu können.
Ich bin in dieser Beziehung besonders eigen, ich steige in keinen Reisebus, der nicht über ein Klo verfügt, und wenn ein Bummel durchs Einkaufszentrum ansteht, wird zu allererst die Klofrau zur neuen Freundin auserkoren. Immerhin wäre ich ihr Geschäft des Tages, denn sie würde mich öfter zu Gesicht bekommen als mein Mann, der mich in meinem Shoppingwahn sowieso nur stört und deshalb für Stunden im Media-Markt verschwindet.
Ich gehöre auch nicht zu den Frauen, die immer im Trüppchen zum Klo stürmen müssen. Nun ja, die anderen Mädels müssen ja auch nicht so oft wie ich … ihr Näschen pudern.
Ich erinnere mich noch gut an ein Date, vor dem ich schon stundenlang vorher nichts mehr trank. Die zittrigen Knie, mit denen ich damals auf den Mann zulief, hatte ich wohl nicht ihm zu verdanken. Auch die stechenden Kopfschmerzen erinnerten mich an meinen Flüssigkeitsverzicht. Wenigstens musste ich während unseres langen Spaziergangs durch den Park nicht hinter irgendwelchen Büschen verschwinden.
Bevor ich in mein Auto steige, verkneife ich mir grundsätzlich mindestens eine Stunde vorher jegliches Getränk. Heute ausnahmsweise mal nicht. Und ausgerechnet heute meinte ein Wohnmobil sich gegen einen Baum wickeln zu müssen, in dessen Folge die gesamte Straße gesperrt wurde.
Als ich begriff, dass ich im Stau stand, war das Erste, was mir in den Sinn kam, der letzte Schluck aus meiner Wasserflasche, den ich nahm, bevor ich mein Büro verließ. Ich horchte in mich hinein, merkte, dass bewusster Schluck schon in meiner Blase angekommen war, und drückte vorsichtshalber gleich ein paar Tränchen aus meinen Augen … wer weiß, wozu der Flüssigkeitsverlust noch gut sein würde.
Der Verkehr wurde über Kleinkleckerdorf umgeleitet. Zehn Meter im Schneckentempo vorwärts, fünf Minuten Stillstand. Und das auf einer Strecke von ungefähr sechs und gefühlten sechshundert Kilometern. Vor mir ein LkW, hinter mir ein Linienbus. Na prima. Den Busfahrer kannte ich, ich teilte geschwisterlich meine drei letzten Zigaretten mit ihm. Er bekam zwei.
Ich langweilte mich. Die einzige CD, die sich noch im Auto befand – mein Mann hatte am Wochenende mein Auto sauber gemacht, er nannte es „Entrümpelung“ – war die, die ich schon zwei Wochen lang hörte. Mit meiner Freundin, die ich anrief, um unser Fitnesstraining abzusagen, konnte ich auch nicht lange telefonieren. Ich hatte es noch immer nicht geschafft, mir eine Flatrate zuzulegen. Und das, obwohl mein Akku ausnahmsweise mal vollgeladen war.
Ich horchte wieder in mich. Hätte ich es mal nicht getan, denn ich spürte … ich musste. Schon allein das Wissen, dass ich musste, ließ mich ganz dringend müssen! Schei … na ja, so weit war es zum Glück dann doch noch nicht.
Und nun? Mein Blick fiel auf die Plastiktüte, die ich immer im Auto hatte, weil ich auf dem Heimweg meist noch auf diversen Wiesen anhielt, um Grünfutter für die Meerschweine zu rupfen. Wenn es gar nicht mehr ging, würde ich meinen Hintern in die Tüte halten. Groß genug war sie ja. Mir fiel auch der Hundenapf ein, den ich im Kofferraum hatte. Nein, sein Fassungsvermögen war dann doch begrenzt, und ich würde den auch ganz gewiss nicht aus dem Kofferraum holen! Der Busfahrer würde sich seinen Teil denken, er hatte ja schließlich gesehen, dass ich keinen Hund spazieren fuhr.
Ich sah in den Rückspiegel, war so zur Ablenkung auf einen winzigen Flirt aus – er konnte das immer gut - und sah ihm dabei zu, wie er eine Flasche Wasser an die Lippen führte. Panisch wandte ich meinen Blick nach vorn, nur um zu beobachten, wie der LkW-Fahrer aus der Fahrerkabine kletterte, um den herumging und noch während er zum nächsten Baum ging, den Reißverschluss seiner Jeans aufzog. Ich hätte schreien mögen! Scheiß Kerle! Warum war ich keiner???
Es war völlig klar, dass auch die Bahnschranke direkt vor mir runterging und sämtliche Baustellenampeln auf Rot schalteten, wenn ich ankam.
Keiner hat mich lieb!!! Ich schnüffelte vor mich hin, vergoss Tränen, putzte mir die Nase, bekam Schweißausbrüche … alles war mir recht, wenn ich doch nur ein wenig Flüssigkeit verlieren würde. Ich weiß, komische Gedankengänge, durch die ich da schlich, trotzdem wünschte ich mir, ich hätte hochziehen und ausspucken können.
Mir hing der Arsch voller Tränen … so sehr, dass ich bei der nächsten Möglichkeit in eine ganz andere Richtung abbog. Ich Trottelchen verfüge zwar über keinerlei Orientierungssinn, aber ich würde schon irgendwie nach Hause kommen. Mein Tank war halb voll, und wenn ich die Tüte nicht wirklich noch zweckentfremden wollte, musste ich ein Gebüsch finden, in das ich meinen Hintern stecken konnte.
Was soll ich euch sagen? Der erste Busch war meiner, und es war mir absolut egal, dass mein Hintern zwiebelte, weil ich mich mitten in ein Feld von hübschen kleinen Brennnesseln gesetzt hatte. Ich verspürte einfach nur noch Erleichterung, als ich da im Grünen hockte und mich an dem Geplätscher unter mir und dem Gezwitscher über mir erfreute.
„Mein“ Busch war wirklich heiß begehrt, denn als ich zum Auto zurückging, wartete schon die nächste Frau mit zusammengepressten Beinen und Angstschweiß auf der Stirn …
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Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 618 Nachricht senden | Erstellt am 26.04.2009 - 17:50 |  |
Hallo ihr Lieben,
wunderbar Stefan … endlich mal ein Mann, der uns Frauen (diesbezüglich) versteht! Ich danke dir, dass du dich in deiner Staubwolke zu erkennen gegeben hast! Macht ja auch nicht jeder Mann. Die, die ich kenne, amüsieren sich immer nur köstlich über die weiblichen Nöte. Kunststück, wenn ich mich einfach an einen Baum stellen könnte, würde ich auch feixen.
Also ein Campingklo hat in meinem Autochen ja nun keinen Platz … es sei denn, ich opfere dafür den Beifahrersitz?
Oooch … über das Shoppen sprechen wir zwei wohl besser nicht, ich merke nämlich schon, dass ich bei dir da nicht wirklich auf Verständnis stoße. *kicher* Na bist eben doch „nur“ ein Mann. Allerdings … ich shoppe auch des Öfteren mal in einem Buchladen oder einem, in dem nicht irgendwelche Klamotten das Schaufenster zieren.
Nun ja, und aus dem Alter, gemeinsam aufs Klo zu eilen, sind wir drei Mädels, die wir uns hier tummeln, ja wohl schon raus, oder Chrissi, Helga?
Liebe Chrissi, ich kann dich gut verstehen, hab schon als kleines Mädchen stets und ständig zuerst nach dem Klo gefragt, wenn ich irgendwo zu Besuch war. Hatte schon immer ein Faible für Bäder …
Oh Gott, in einem sooo langen Tunnel zu müssen, stell ich mir ganz schrecklich vor, liebe Helga. Allerdings … hm … da ist es ja zum Glück auch wieder dunkel, so dass ich garantiert keine Probleme damit hätte, die Buxen runterzuziehen und „Pipi“ in der Tüte zu machen.
Mensch, wir haben ja wieder Themen … aber wenn man muss, dann muss man, wa?
Drück euch.
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