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...   Erstellt am 21.09.2006 - 00:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das Milgram Experiment


(Versuch über den Gehorsam)


Ein landläufiges Vorurteil besagt, daß alle Menschen potentielle Mörder seien. An der Universität von New York wurde zu Beginn der 60er Jahre ein Experiment durchgeführt, das die Beziehung zwischen Autorität, Gehorsam und Aggression klären sollte. Dieses "Milgram Experiment" benannt nach seinem Erfinder Professor Stanley Milgram brachte ganz normale Menschen in die Situation von Folterern.

Der Versuch lief so ab: Die Versuchsperson wurde aufgefordert, den Lernprozeß eines anderen Menschen zu fördern, indem sie mit Hilfe einer Taste immer dann Stromstöße auslöst, wenn der andere einen Fehler macht. Dabei werden die Stromstöße gesteigert, bis sie schließlich eine tödliche Stärke erreichen. Natürlich verletzten die Stromstöße nicht wirklich ihr Opfer, doch Schmerzensschreie vom Tonband ließen das Experiment für die Versuchspersonen ganz real erscheinen. Das bedeutet: Die Testpersonen mußten glauben, daß sie anderen Menschen Schmerzen bereiteten oder sie sogar töteten. Zu Beginn wurden sie über die Wichtigkeit des Versuchs für die Wissenschaft informiert. Während des Experiments war meist ein Wissenschaftler anwesend, der die Versuchspersonen dazu ermutigte oder drängte, den Stromstoß auszulösen.

Man möchte sich wünschen, daß Menschen bereits die Teilnahme an diesem Experiment verweigern würden. Einige taten das auch, doch es fanden sich trotzdem genügend Testpersonen. Man möchte sich auch wünschen, daß die Teilnehmer nun wenigstens irgendwann den Druck auf die Taste verweigert hätten. Doch das Ergebnis war niederschmetternd: In den USA ließen sich 48 bis 65 Prozent der Versuchspersonen bis zum tödlichen Stromstoß bringen. Als im Jahre 1971 in der Bundesrepublik der Versuch wiederholt wurde, waren es sogar 86 Prozent. Doch es gibt wenigstens ein ermutigendes zweites Ergebnis. Wenn keine Autoritätsperson, also kein Wissenschaftler anwesend war, sank die Zahl derer, die bereit waren den Todesstoß auszulösen auf drei Prozent. Wirklich ermutigend aber ist auch dieses Ergebnis nicht, denn es zeigt, daß die Bereitschaft zu unbedingtem Gehorsam tief in der Mehrzahl der Menschen verwurzelt ist.



Die Milgram-Experimente

Eines der bekanntesten, aber auch sowohl aus ethischen als auch aus versuchstechnischen Gründen umstrittensten Experimente der Psychologie ist das sogenannte Milgram-Experiment. Die Frage, die der Sozialpsychologe Stanley Milgram in den 60er Jahren beantworten wollte, bezog sich auf die Bereitschaft ganz normaler Menschen, sich einer Autorität zu beugen und offensichtlich "unmenschliche" Anordnungen zu befolgen. Die Motivation für diese Experimentalreihe lieferten die Ereignisse des 2. Weltkriegs. Wieso waren unter dem NS-Regime so viele Menschen bereit, sich in den Dienst der Tötungsmaschinerie der Nazis zu stellen? Lag es an einem grundsätzlichen Charakterfehler dieser Menschen oder gibt es Situationen und Umstände, unter denen möglicherweise jeder in der Lage wäre, andere Menschen zu quälen und zu töten?
Die Yale University inserierte Anfang der sechziger Jahre in der Lokalzeitung von New Haven im US-Staat Connecticut, daß sie Probanden sucht, die bereit sind, an einem Experiment über Erinnerungsvermögen und Lernfähigkeit teilzunehmen. Daß es sich dabei nur um einen Vorwand handelt, um zu untersuchen, inwieweit sich Menschen einer Autorität unterwerfen, ahnen die (nicht-studentischen) Teilnehmer allerdings nicht. Die Freiwilligen werden durch den Versuchsleiter mit ihren Rollen in diesem Experiment vertraut gemacht. Es nehmen jeweils zwei Versuchspersonen an einem Experiment teil. Der Versuchsleiter erläutert den Probanden, daß untersucht werden soll, welche Auswirkungen Bestrafung auf das Lernen hat. Dazu werden die Teilnehmer durch Ziehen von Losen in Schüler und Lehrer unterteilt. Dieses Losverfahren ist allerdings manipuliert, da in Wahrheit immer nur ein Proband an dem Experiment teilnimmt. Er wird der Lehrer. Die andere Person, die am Experiment teilnimmt, der Schüler, ist ein Student der Universität, was der Proband jedoch nicht weiß. Der Versuchsleiter wurde von einem 31jährigen Biologielehrer einer Highschool gespielt, das Opfer spielte ein siebenundvierzigjähriger Buchhalter, der für diese Rolle ausgebildet war; er war irisch-amerikanischer Abstammung, die meisten Beobachter fanden ihn freundlich und liebenswürdig.

Der Versuchsleiter erläutert nun das Experiment. Der Test beinhaltet, daß der Lernende eine Liste von Assoziationspaaren auswendig lernen soll und sein Partner, der Lehrer, wird ihn überprüfen. Man zeigt den Versuchsteilnehmern einen "Schockgenerator" mit einer Instrumententafel. Auf dieser befinden sich dreißig Kippschalter. Diese Schalter sind aufsteigend angeordnet und gehen von 15 Volt ("leichter Schock") über mittlerer und schwerer Schock bis zu einer Voltstärke von 450 Volt. Um das den Probanden zu verdeutlichen, war am Generator eine Plakette mit der Aufschrift "SHOCK GENERATOR, TYPE ZLB, DYSON INSTRUMENT COMPANY, WALTHAM, MASS., OUTPUT 15 VOLTS-450 VOLTS" befestigt, die Kippschalter waren mit Voltzahlen von 15 bis 450 Volt beschriftet. Zusätzlich waren zu je vier Schaltern die Aufschriften "Leichter Schock", "Mäßiger Schock", "Mittlerer Schock", "Kräftiger Schock, "Schwerer Schock", "Sehr schwerer Schock" sowie "Gefahr: Bedrohlicher Schock" angebracht, die letzten beiden Schalter trugen die Aufschrift "XXX".

Die Aufgabe des Lehrers besteht nun darin, jedes Mal wenn der Schüler eine falsche Antwort gibt, die jeweiligen Schalter mit den sich steigernden Elektroschocks zu betätigen. Nach dieser Erläuterung folgt der Lehrer dem Versuchsleiter und seinem Assistenten in einen anderen Raum, wo ein elektrischer Stuhl aufgebaut ist. Der Schüler nimmt auf dem Stuhl Platz und wird an ihn gefesselt. Elektroden werden angeschlossen und mit dem Generator verbunden. An diesem Punkt des Experiments gibt der Lernende zu bedenken, daß er ein schwaches Herz habe. Der Versuchsleiter beruhigt den Mann mit der Aussage, daß die Schocks zwar äußerst schmerzhaft sein können, allerdings nicht zu dauerhaften Gewebeschäden führen.


Wie bereits erwähnt, weiß der Lernende, daß er sich keine Sorgen zu machen braucht. Er ist der Assistent des Versuchsleiters, und die Wahl, wer Lehrer und wer Schüler wird, ist manipuliert. Selbstverständlich ist der Lernende auch nicht tatsächlich mit dem Stromgenerator verbunden, da es sich bei dem vermeintlichen Schockgenerator um ein Attrappe handelt. Von all dem ahnt die eigentliche Versuchsperson, der Lehrer jedoch nichts. Man hat ihm sogar einen Probeschock von 45 Volt zugemutet. Er ist also fest davon überzeugt, daß das Opfer im Nebenraum tatsächlich mit Stromstößen bestraft wird. Er hört, daß der Schüler jedes Mal, wenn er ihn bestraft, reagiert, als würden ihm tatsächlich Schmerzen zugefügt. Der Proband weiß nicht, daß es sich bei diesen Reaktionen um vorher aufgezeichnete Tonbandaufnahmen handelt und daß die Antworten des Schülers standardisiert sind.

Nun beginnt das eigentliche Experiment. Der Lernende antwortet zu Anfang mehrmals richtig und einige Male falsch. Bei jedem Fehler bedient der Lehrer ordnungsgemäß den nächsten Knopf und bestraft somit seinen Schüler mit vermeintlich immer stärkeren Stromstößen. Beim fünften Schock angelangt (75 V), beginnt der Schüler zu stöhnen und zu klagen. Bei 150 Volt bittet das Opfer darum, das Experiment abzubrechen und bei 180 Volt schreit es, daß es den Schmerz nicht mehr aushalten könne. Nähert sich das Experiment dem Punkt, an dem der mit "Gefahr: Extremer Stromstoß" gekennzeichnete Knopf vom Lehrer betätigt werden muß, hört er das Opfer im Nebenraum an die Wand hämmern. Der Schüler fleht regelrecht darum, daß man ihn aus dem Nebenraum befreien möge. Der Versuchsleiter erläutert dem Probanden, daß es sich bei dieser Reaktion natürlich um eine falsche Antwort handle und fordert den Lehrer auf, den nächsten Schalter mit der entsprechend höheren Voltzahl zu betätigen.

Die Probanden dieses Experiments setzten sich aus einer Zufallsstichprobe wie folgt zusammen:

40% ungelernte und angelernte Arbeiter
40% Angestellte aus Handel und Gewerbe und
20% aus Fachberufen.
Natürlich reagierten die Versuchspersonen auch emotional auf die offenkundige Notlage ihrer Opfer. Einige protestierten, andere schwitzten, zitterten, begannen zu stottern oder zeigten andere Zeichen der Anspannung. Dennoch gehorchten sie den Anweisungen des Versuchsleiters. Auffällig am Verhalten der Probanden war, daß sie häufig versuchten, ihr Opfer so wenig wie möglich wahrzunehmen und ihre Aufmerksamkeit ausschließlich auf den Versuchsleiter zu richten versuchten. Das geschah vermutlich, um die inneren Spannungen, die durch die wahrgenommenen Schmerzen des Opfers hervorgerufen wurden zu mildern, durch ein geschicktes Anpassungsverhalten die Situation zu ertragen. Dieses Phänomen bezeichnete Milgram als "Einstimmung auf die Autorität". Einige TeinehmerInnen bestritten, daß das Opfer tatsächlich schmerzhafte Schocks erhielt und die viele leugneten einfach ihre Verantwortlichkeit, manche verlangten zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt des Experiments zusätzlich eine Versicherung, daß sie für ihre Handlungen nicht haftbar gemacht werden können. Oder die Verantwortung wurde mit der Begründung auf das Opfer übertragen, daß es sich ja freiwillig gemeldet habe. Einige Vpn versuchten Spannungen zu reduzieren, indem sie zwar gehorchten, jedoch versuchten, die Schmerzen für das Opfer so gering wie möglich zu halten, indem sie den Schockgenerator nur kurz antippten oder indem sie dem Schüler die richtige Antwort durch überdeutliches Sprechen, zu verraten suchten. Die große Mehrheit seiner Versuchspersonen, mehr als 62 Prozent, gingen bis zum Ende der Skala (450 Volt), auch wenn einige Versuchspersonen durch vier sich steigernde Aufforderungen des Versuchsleiters (Bitte fahren sie fort! - Bitte machen sie weiter! - Das Experiment erfordert, daß sie weitermachen! - Sie müssen unbedingt weitermachen! - Sie haben keine Wahl, Sie müssen weitermachen!) dazu verbal gedrängt werden mußten.

Viele Versuchspersonen waren zwar der Überzeugung, sie sollten dem Schüler keine weiteren Schocks versetzten, konnten dies aber nicht in die Tat umsetzen. Vermutlich müßten sie sich im Falle eines Abruchs eingestehen, daß ihr vorheriges Verhalten falsch gewesen war. Allein dadurch, daß sie weitermacht, rechtfertigt sie ihre vorherige Handlungsweise. Somit ist dieser Wiederholungscharakter bereits ein Bindungsfaktor, der es der Versuchsperson erschwert, ungehorsam zu sein. Ein Abruch des Experiments hätte, da die Probanden ja bezahlt wurden, auch den Charakter eines Vertragsbruchs, der nicht leichtfertig begangen wird.
Milgram weist darauf hin, daß eine soziale Situation auch über die Selbsteinschätzung der Beteiligten definiert ist, die von den anderen Beteiligten respektiert werden muß.
Das bedeutet, daß die Gehorsamsverweigerung auch aus dieser Perspektive ein soziales Mißverhalten darstellt, da es nicht möglich ist, die Schockverabreichung zu verweigern, ohne die Selbstdefinition des Versuchsleiters in Frage zu stellen.

Nach Beendigung des Experiments fand mit jeder Versuchsperson ein aufklärendes Gespräch statt, indem ihr gesagt wurde, daß das Opfer keine Elekroschocks erhalten hatte. Jede hatte Gelegenheit zur Aussöhnung mit dem Opfer und zu einem ausführlichen Gespräch mit dem Versuchsleiter. Den ungehorsamen Probanden wurde das Experiment in einer Weise erklärt, die ihren Ungehorsam positiv bewertete, bei den gehorsamen wurde betont, daß ihr Verhalten und ihre Reaktionen normal gewesen seien.
Nach Abschluß der Versuchsreihe erhielten die Teilnehmer einen ausführlichen Bericht, sowie einen Fragebogen, indem sie erneut ihre Gedanken und Gefühle bezüglich ihrer Teilnahme des Experiments ausdrücken konnten.

Milgrams Experiment wurde vielfach wiederholt und in allen Fällen ließ sich ein signifikantes Maß an Gehorsam feststellen. So wurde das Experiment z.B. in Australien, Jordanien, Spanien und Deutschland wiederholt. Überall reagierten die Menschen ähnlich wie in Milgrams Versuch. Des weiteren zeigte es sich, daß Frauen sich ebenso gehorsam verhalten wie Männer.

Milgram wurde für dieses Experiment heftig kritisiert. Man warf ihm vor, daß er die Regeln der Ethik in der psychologischen Forschung aufs Schwerste verletzt habe. Er habe den Versuchspersonen geschadet, indem er ihnen ein Stück Selbsterkenntnis aufzwang, das bei einigen der Probanden ein Trauma hinterlassen haben könnte. Einmal ganz davon abgesehen, daß die Versuchspersonen schlichtweg getäuscht worden sind.
Milgram stellte dem entgegen, daß in Nachbefragungen 83,5 Prozent der gehorsamen Versuchspersonen und 83,3 Prozent der Ungehorsamen angaben, sie seien froh, an dem Experiment teilgenommen zu haben.

Milgram, Stanley (1993). Das Milgram Experiment. Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität. Reinbeck: Rowohlt.



Erweiterungen und Replikationen des Experiments

In einer Erweiterung des Experiments hat Milgram später gezeigt, daß der Anteil der bedingungslos gehorchenden Probanden drastisch abnimmt (auf 10 %), wenn sie zwei weitere "Lehrer" an ihrer Seite haben und diese dem Versuchsleiter Widerstand entgegen setzen (Milgram 1965). Hinzu kommt, dass die Autorität des Versuchsleiters in diesen Studien von einem Wissenschaftler eines angesehenen Instituts der Yale Universität ausging. Was sozusagen per se eine Interpretation der Versuchsteilnehmer zuließ, an einem bedeutenden wissenschaftlichen Experiment bzw. an einer bedeutenden wissenschaftlichen Fragestellung mitzuwirken. Milgram selbst belegte diese Annahmen durch eine weitere Modifikation der Baseline seines Experiments. Er führte eine Reihe von Einzelstudien durch, in denen er die Gehorsamsbereitschaft seiner Versuchspersonen gegenüber eines Mitarbeiters der Yale Universität mit dem Gehorsam gegenüber eines Wissenschaftlers, dessen Arbeitsplatz sich in einem verwahrlosten Bürogebäude eine Geschäftsviertels in Bridgeport (Connecticut) befand, verglich. In dieser vergleichenden Studie stellte Milgram fest, daß in dem Experiment des Wissenschaftlers der Yale Universität 65 % der Versuchspersonen absoluten Gehorsam leisteten, während es in dem in Bridgeport durchgeführten Experiment 48 % waren. Daraus lässt sich folgern, daß fehlendes Ansehen auch die Bereitschaft zum Gehorsam reduziert.

In einer weiteren Abwandlung des Experiments untersuchte Milgram, was geschah, wenn der Versuchsleiter in letzter Minute durch eine Ersatzperson ersetzt wurde. Nachdem dem Lehrer seine Rolle in dem Experiment erläutert worden war (allerdings noch bevor dem Probanden die Höhe der E-Schocks bekannt war), rief man den Versuchsleiter durch ein fingiertes Telefonat aus dem Labor. Ein anderer Teilnehmer (ein Gehilfe des Versuchsleiters) übernahm seine Rolle. Dieser Ersatzmann tat nun so, als wäre es seine Idee, die Elektroschocks nach jedem Fehler des Schülers zu erhöhen. Ansonsten verhielt sich der Ersatzmann ebenso wie der Versuchsleiter. Er bedrängte den Lehrer ebenso, mit den Elektroschocks weiterzumachen, wie es auch der Versuchsleiter getan hätte. In dieser Variante des Experiments sank die Zahl der absolut gehorsamen Versuchspersonen auf 20 Prozent. Damit war bewiesen, daß eine ausreichend legitimierte Autorität ein hohes Maß an Gehorsam den einzelnen Personen abverlangen kann, nicht jedoch eine beliebiger Mensch, der in die Rolle einer solchen Autoritätsfigur zu schlüpfen versucht.

In weiteren Varianten des Experiments stellte Milgram fest, daß die Anzahl der absolut gehorsamen Versuchspersonen auf 25 Prozent sank, sobald der Versuchsleiter sich außerhalb des Raumes befand und seine Anweisungen per Telefon gab. Hinzu kam, daß einige Probanden, die das Experiment zwar fortsetzten, anfingen zu mogeln. Dies äußerte sich z.B. dadurch, daß sie dem Schüler schwächere E-Schocks verabreichten als das Experiment es eigentlich vorgab. Sie dachten auch nicht daran, dies dem Versuchsleiter etwa mitzuteilen und so zu verdeutlichen, daß sie von dem vereinbarten Verfahren abgewichen waren. Sie versuchten dadurch einerseits, den Anforderungen des Versuchsleiters gerecht zu werden und konnten andererseits ihren inneren Konflikt auflösen, indem sie die Schmerzen, die sie einem anderen Menschen zufügten, so gering als nur möglich zu halten.

Das Gefühl, verantwortlich für das eigene Handelns zu sein, nimmt auch ab, wenn man sich als Teil einer größeren Maschinerie sieht. Milgram wies dies mit einer weiteren Variante seiner Versuchsparadigmen nach. In dieser Variante des Experiments waren es zwei Lehrer, die einen Schüler unterrichteten. In diesem Fall war der zweite Lehrer die echte Versuchsperson. Ihre Aufgabe war es, die Aufgaben zu verlesen und die Richtigkeit der Antworten zu überprüfen. In einer solchen Konstellation waren es 92,5% der Versuchspersonen, die den anderen Lehrer, also den, der die Elektroschocks ausführte, nicht daran hinderte, die maximalen Stromstöße zu verabreichen. Auch in der australischen Replikation von Wesley Kilham und Leon Mann machten die Versuchspersonen in der Helferrolle signifikant häufiger bis zum Ende mit als im Standardexperiment. Die Gehorsamsbereitschaft war allerdings deutlich niedriger als in der von Milgram durchgeführten Untersuchung.

In einer weiteren Abwandlung des Experiments stellte Milgram fest, dass seine Versuchspersonen eher bereit waren, den Anweisungen des Versuchsleiters zu folgen, je weiter sie von ihrem Opfer entfernt waren. Hatten die Versuchspersonen Augenkontakt zu ihrem Schüler, waren nur 40 Prozent bereit, das Experiment fortzuführen, während es noch 62 Prozent waren, wenn sie "nur" die Schreie ihres Opfers hören konnten. Ähnlich verhielt es sich mit Versuchspersonen, die aufgefordert worden waren, den Arm des Schülers auf die stromführende Platte herunterzudrücken, anstatt den weiter entfernten Schockgenerator zu benutzen (30 Prozent).



Durchschnittlich gegebene Maximalschock in Volt:

Fernraum: 405
Akustische Rückkopplung: 367,5
Raumnähe: 312
Berührungsnähe: 268,2

Prozentsatz völlig gehorsamer Vpn:

Fernraum: 65 %
Akustische Rückkopplung: 62,5 %
Raumnähe: 40 %
Berührungsnähe: 30 %





Stanley Milgram hat dieses aufsehenerregende Experiment durchgeführt. Er wollte ursprünglich beweisen, dass die Deutschen "obrigkeitstreuer" (=bessere Nazis) sind, als Amerikaner. Nachdem er erschreckende Resultate in den USA fand, verzichtete er auf eine Wiederholung in Deutschland und schloss, dass fast jeder Mensch auf Anweisung grausam und gewissenlos sein kann.

Sein Experiment wurde Aufgrund von exprimentatorischen Einwänden (quantitativer Natur) von vielen Wissenschaftlern kritisiert, stellt aber einen wichtigen qualitativen Beitrag dar.





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...   Erstellt am 21.09.2006 - 14:10Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Habe den Text kurz überschlagen und dann kopiert. Muss ihn später in aller Ruhe nachlesen und werde ihn dann auf jeden Fall kommentieren.





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...   Erstellt am 21.09.2006 - 14:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Dazu möchte ich gleich vorausschicken, daß dieser Bericht nicht von mir stammt, sondern eine eigene Recherche aus dem Internet ist.
An Aktualität hat er jedoch in all den Jahren nichts eingebüßt.





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...   Erstellt am 22.09.2006 - 14:51Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Reinhard,

Obwohl das Experiment ein sehr grausiges Ergebnis zutage förderte, finde ich es nicht unbedingt unethisch. (>>Milgram wurde für dieses Experiment heftig kritisiert. Man warf ihm vor, daß er die Regeln der Ethik in der psychologischen Forschung aufs Schwerste verletzt habe. Er habe den Versuchspersonen geschadet, indem er ihnen ein Stück Selbsterkenntnis aufzwang, das bei einigen der Probanden ein Trauma hinterlassen haben könnte. Einmal ganz davon abgesehen, daß die Versuchspersonen schlichtweg getäuscht worden sind.<<)

Das wiederum mag von mir unethisch klingen, aber es förderte nur die Wahrheit ans Licht und für mich kann die Wahrheit nicht unetisch sein, oder besser gesagt, die Wahrheit ans Tageslicht zu fördern, ist für mich nicht unethisch.

Die Probanden selbst erklärten, dass sie froh über die Aufklärung wäre und auch froh darüber, dass sie selbst Einblicke in ihre Psyche bekommen hätten. Schätze mal, dass ein Großteil derer zukünftig anders mit ihren Mitmenschen umgegangen sind.

Was in Wahrheit die anderen Wissenschaftler an diesem Test abstieß, war die Erkenntnis, dass alle Versuchspersonen so reagiert haben und nicht, wie erwartet, nur die Deutschen.

Man wollte ja ursprünglich mit diesem Test beweisen, dass die Deutschen „bessere Nazis“ wären, als die Amerikaner.
Dieser Test schlug fehl, musste also auf irgendeine Weise als unmoralisch erklärt werden.

Es ist absolut erschreckend, wie viele Menschen dazu bereit sind, andere Menschen aus niederen Gründen umzubringen. „Niedere Gründe“ deswegen, weil sie nicht von ihnen bedroht wurden, also keine Notwehr vorherrschte.

Nur, weil eine Person zu ihnen sagte, es ist wichtig für einen Test, waren sie dazu bereit, bis zum Äußersten zu gehen.

Manche versuchten zwar, den Testpersonen (Schülern) zu helfen, indem sie versuchten, zu mogeln, aber nur die allerwenigsten waren dazu bereit, sich richtig für sie einzusetzen, indem sie die Verabreichung der Stromstöße verweigerten.

Es ist verwerflich, aber es geschieht im kleineren Maßstab täglich in der Kindererziehung.

Eine Strafe als Erziehungsmaßnahme einmal ausgesprochen, wird nur sehr selten wieder zurück genommen. (Zimmerarrest, Verbot eines Konzertbesuches oder dergleichen)
Für den anderen Elternteil, der diese Strafe nicht ausgesprochen hat, ist es wesentlich einfacher, sie wieder zurück zu nehmen, jedoch nicht für den Strafenden selbst, denn sonst wäre er unglaubwürdig, bzw. wäre zu befürchten, dass das Kind „nichts aus der Strafe gelernt hätte“.

Mit dem Bestrafen selbst habe ich es mir sehr einfach gemacht und wenn mein Stiefsohn etwas ausgefressen hatte und total stur rummotzte, sagte ich ihm, er solle in sein Zimmer gehen, bis er wieder lieb wäre.
Es lag also an ihm, die Strafe „aufzuheben“, sobald er seine Fehler eingesehen hatte.





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...   Erstellt am 25.09.2006 - 12:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mir ist noch etwas zu diesem Thema eingefallen.
Täglich kann man auch im kleinerem Stil von anderen Leuten erleben, wie die Wissenschaftler die Probanden dazu brachten, Stromstöße an die "Schüler" weiterzugeben.

Der eine hebt die Steine auf und gibt sie an die anderen weiter, damit diese sie werfen sollen.

Eine Nachbarin oder Arbeitskollegin trascht über andere und erwartet mehr oder weniger, dass ich dem Dritten gegenüber böse reagieren soll. Auch kurz und gut Mobbing genannt.

Solchem Verhalten kann man immer aus dem Weg gehen, indem man der Person entweder den Wind aus den Segeln nimmt (mein steter Kommentar in solcher Situation ist: "haben Sie ein Problem damit?") oder ihr sagt, dass sie das gefälligst mit der anderen Person selbst lösen soll.





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...   Erstellt am 25.11.2006 - 07:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hatte in der Zwischenzeit genügend Möglichkeiten, in meinem Bekanntenkreis über dieses Experiment zu diskutieren.

Viele sind meiner Meinung, dass das Experiment als solches nicht so schlimm ist wie letztendlich das Ergebnis.
Alle waren über das Ergebnis schockiert.





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...   Erstellt am 25.11.2006 - 16:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es ist absolut erschreckend, wie viele Menschen dazu bereit sind, andere Menschen aus niederen Gründen umzubringen. „Niedere Gründe“ deswegen, weil sie nicht von ihnen bedroht wurden, also keine Notwehr vorherrschte.

Ja, eigentlich sind es gar keine niederen Beweggründe, sondern lediglich die Bereitschaft, aufgrund des "autoritären Charakters" (Erich Fromm), der den Menschen gemeinhin anhaftet, zum unreflektierten Gehorsam.
Das ist heutzutage Allgemeinwissen und schon x Mal in allen möglichen Veröffentlichungen abgehandelt worden. Beispielsweise von Hannah Arendt, die aufgrund ihrer Eindrücke beim Eichmann-Prozess in Jerusalem, von der "Banalität des Bösen" sprach.




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...   Erstellt am 20.12.2008 - 12:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


NEUES STROMSTOSS-EXPERIMENT
So leicht werden Menschen zu Folterknechten


Die Elektroschock-Experimente Stanley Milgrams sind legendär. Sie gelten bis heute als Beleg dafür, dass auch ganz normale Menschen schnell zu erbarmungslosen Folterknechten werden können. Nun wurde die historische Studie wiederholt - mit ernüchterndem Ergebnis.

Milgrams legendäres Experiment veränderte das Selbstbild der Menschheit auf Dauer, weil er mit einer schlichten Methode vorführte, wie leicht normale Menschen zu Folterknechten gemacht werden können, zu gehorsamen Erfüllungsgehilfen einer zerstörerischen Autorität.
Der Großteil seiner Versuchspersonen verteilte Elektroschocks, bis eine vermeintliche Versuchsperson im Nebenraum zunächst vor Schmerzen brüllte und dann plötzlich, aber dauerhaft verstummte.

"Das Experiment erfordert, dass Sie weitermachen", sagte der Herr im weißen Kittel, und die Versuchspersonen drückten noch einmal auf den Knopf.
Wollte der Proband erneut abbrechen, sagte der Versuchsleiter: "Es ist unbedingt notwendig, dass Sie weitermachen." Und die Mehrheit tat das auch. Auch wenn der durch jeden Knopfdruck vermeintlich mit Elektroschocks traktierte "Schüler" im Nebenraum schon schrie, scheinbar vor Schmerzen.

Das war damals, im Jahre 1961.

Ist die Menschheit heute gnädiger als vor 50 Jahren?

Antwort: Nein, keineswegs!
Weiterdrücken, auch wenn das Opfer nicht mehr reagiert!
Guatanamo und Abu Ghuraib ist überall!

Hier der ganze Bericht auf SPIEGEL-Online:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens … 01,00.html





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