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Lavida ![]() Status: Offline Registriert seit: 14.12.2006 Beiträge: 3915 Nachricht senden |
Das Auge des Sees | |||
Lavida ![]() Status: Offline Registriert seit: 14.12.2006 Beiträge: 3915 Nachricht senden |
Es ist eine Familiengeschichte, eine Autobiographie, ein Reisebuch, es ist lustig und unvergesslich. Es hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen, farbenprächtig und deliriös geschrieben. Das mag daran liegen, dass ich schon einige Bücher von Michael Ondaatje gelesen habe und nun neugierig auf seine "Familie" war. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, ich sitze auf einer Wolke, und gleite mit Ondaatje über eine emotionale Landschaft hinweg, als betrachte man sie an einem wunderschönen Tag. Dies obwohl seine Kindheit keineswegs schön war. Seinen Vater ein zeitweise gefährlicher Irrer. Er gab sich als Cambridge-Absolvent aus (er war nach England gesegelt, hatte die erforderlichen drei Jahre in Cambridge gelebt, viel gelesen und seine Zeit in der Gesellschaft von Studenten verbracht, ohne sich selbst je einzuschreiben); bei den Ceylon Railways hatte er Hausverbot, weil er einen Zug entführt, seinen Reisegefährten — zufällig der spätere Premierminister des Landes - niedergeschlagen und das gesamte Eisenbahnsystem des Landes zum Stillstand gebracht hatte; er war Quartalssäufer mit der Neigung zu Trinkexzessen von epischer Breite, der für Notfälle massenweise Flaschen mit Gin im Garten verbuddelt hatte. Und dennoch hat der Autor nicht düster, verbittert oder unversöhnlich über seine Kindheit geschrieben. Hier zeigt sich wieder: Der Ton macht die Musik. Ich habe noch nie eine eindringliche Schilderung der letzten Augenblicke eines Menschenlebens gelesen als den Abschnitt, der den Tod von Ondaatjes Großmutter Lalla beschreibt, die bei Hochwasser mitgerissen wurde. Bezugsquelle | |||
Lavida ![]() Status: Offline Registriert seit: 14.12.2006 Beiträge: 3915 Nachricht senden |
Jonathan Lethem Ein wunderbar, mutiger, poetischer und auch schmerzvoller Roman, den ich trotz seiner Länge und Dichte bestimmt mal wieder lesen werde. Es geht um die Beziehung zwischen einem weißen Jungen aus der Mittelschicht und der schwarzen Kultur. Dylan Ethus, die Hauptfigur, ist so etwas wie die Verkörperung einer kulturellen Obsession. Er ist das einzige weiße Kind in Brooklyn und eines der wenigen weißen Kinder an seiner Schule. Bezugsquelle | |||
Lavida ![]() Status: Offline Registriert seit: 14.12.2006 Beiträge: 3915 Nachricht senden |
ist eine brillant aufgebaute und hochspannende alternative Geschichte der USA im 20. Jahrhundert Es geht in Verschwörung gegen Amerika um die Ereignisse in den USA, nachdem der Faschistensympathisant Charles Lindbergh 1940 die Präsidentschaftswahl gewonnen hat, aber über weite Strecken geht es in dem Buch eben ausschließlich darum: Die kontra faktische historische Entwicklung bestimmt den Handlungsverlauf, und mit jeder Information, habe ich mich unwillkürlich gefragt: was wäre wenn, das ist doch zu blöd. Warum soll man die Geschichte zurück drehen? Warum erzählt Roth diese Was-wäre-wenn Geschichte? Ich denke, damit der Leser sich anhand der vielen Nebeninformationen mit der eigenen Vergangenheit beschäftigt. Er soll nachvollziehen, dass auch alles ganz anders werden könnte, und jeder Mensch es in seiner Hand hatte, die Geschichte zu wenden. Denn wäre Lindbergh 1940 amerikanischer Präsident geworden — und das Buch lässt keinen Zweifel daran, dass dem so war-—, dann wäre das alles nichts Neues für uns oder? Bezugsquelle | |||
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