Wege aus der Essstörung - das Forum für eine tolerante und offene Diskussion rund um das Thema und Erfahrungsaustausch über Wege aus der ES. ************************************************************************************************************************************************************************************************************************************* Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit Esssüchtigen, die auf dem Weg aus der Esssucht sind und mit ehemaligen Esssüchtigen, die dabei sind nach dem psychischen jetzt auch den körperlichen Ballast abzuwerfen. Wir wollen uns gegenseitig auf diesem Weg unterstützen. Führt Euer Online-Tagebuch bei uns, gebt Euch gegenseitig Tipps und Tricks und Feedback zu dem, was bei Euch so läuft. Gemeinsam sind wir stark!!

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Nora ...
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...   Erstellt am 25.02.2006 - 13:09Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@ Holly
*strengguck*?
Große und kleine Katzen können doch gar nicht streng gucken

Übergewicht kann sich in so mancher Hinsicht krass auswirken. Ich kann mich noch erinnern wie geschockt ich war als mich meine Gynäkologin zur Mammogr. schickte mit dem Hinweis, dass Übergewichtige öfter Krebs entwickeln - auch als Folge der Hormone.
Ich meine die klassischen Krankheiten wie Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkschäden usw. waren mir ja alle geläufig aber das mit dem erhöhten Krebsrisiko wußte ich auch noch nicht.

Esssucht ist für mich inzwischen so etwas wie eine Autoagressionsstörung. Man greift sich quasi selber an, misshandelt sich selbst aufs Übelste.
Deshalb geht der Weg da heraus für mich auch nur über eine Therapie, in der man die Hintergründe dieses Verhaltens aufdeckt und den Weg zu sich selbst wieder findet.

Ich gehe heute (wieder) aufrecht durchs Leben, weiß wer ich bin und was ich kann und dass keiner das Recht hat, mich einzuschränken.
Es ist ein gutes Gefühl, wieder bei sich angekommen zu sein - ich wünsche Euch diese Erfahrung auch
Nora


[Dieser Beitrag wurde am 25.02.2006 - 13:10 von Nora aktualisiert]





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Holly ...
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...   Erstellt am 25.02.2006 - 13:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@Nora
erstmal


ich bin mir immer noch unschlüssig und weiss nicht, wie ich das alles auflösen soll:

Für eine Autoaggression im Sinne von SVV* finde ich selber eine ES nicht unmittelbar genug, ich kenne von mir andere Gedanken in der Richtung, in dunklen Stunden (aber keine Panik). Ich bin da noch eher auf dem Standpunkt, daß im Vordergrund der ES das Hineingeben von Essen als Ersatzhandlung ist, geht natürlich auch einher mit massivem Minderwertigkeitsgefühl, grober Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten, und zwar immer in den negativen Bereich. Und das ÜG 'nur' eine Folgeerscheinung des übermässigen Nahrungsmittelkonsums ist, so wie die Leberzhirrose (ich guck im Wörterbuch nach, ich schwör) beim Alkoholiker.
Daß man immer noch mehr zunimmt und das Selbstwertgefühl immer weiter wegsackt ist Bestandteil des Teufelskreises der Essstörung.

Auf der anderen Seite ist da auch was dran, nämlich dadurch, daß man sich selber nicht genug wertschätzt, man quasi hinnimmt, daß der Körper das ganze Gewicht mit sich rumtragen muss. Zu einer gesunden Selbstliebe und Selbstakzeptanz gehört auch, daß man mit sich selber liebevoll umgeht, wie Soli immer so schön zu sagen pflegt.


*)selbstverletzendem Verhalten





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Nora ...
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...   Erstellt am 25.02.2006 - 17:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@ Holly
Deine Signatur ist ja der Hammer und so zutreffend

Die Argumente, die Du anführst sind auch alle richtig, ein Essgestörter ißt auch als Ersatzhandlung, um sich gut zu fühlen, um innere Leere, Anspannung, Sehnsucht nach Liebe (die er aber oft nicht leben kann) zu überdecken. Sicher liegen einer Essstörung auch immer massive Minderwertigkeitsgefühle zugrunde.
Das selbstverletzende Verhalten ist nicht so ad hoc sichtbar als wenn sich jemand ritzt oder schneidet aber es ist nicht minder dramatisch vorhanden.
Extrem beim Binge-Eater, der sich unfassbare Mengen einverleibt und sämtliche Stop-Signale seines Körpers ignoriert, der sich mit Übelkeit und Schmerzen gegen die Mißachtung wehrt.
Ich denke es wird klar, wenn man es sich mit einem Bild vorstellt:
Wenn das was Essüchtige so mit sich treiben ein anderer zwangsweise! mit ihnen treiben würde (soviel Essen einfüllen bis dem anderen schlecht ist, den anderen so mästen bis er krank wird - dann wird doch klar, dass es sich um einen aggressiven, zerstörerischen Akt handelt.

Es gehört aber zum Krankheitsbild, das nicht so sehen zu können. Bei vielen steckt (verdeckt) dahinter, dass sie es eigentlich nicht wert sind, dass sie gut mit sich umgehen. Deswegen Therapie, weil es imho kaum möglich ist, diesen Knoten selbst durchzuschlagen.
Nora





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Caliope ...
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...   Erstellt am 26.02.2006 - 08:51Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Holly schrieb
    Ich denke auch, daß AC bei Essstörungen das alllerletzte Mittel sein sollte, und wenn überhaupt nur nach vorheriger und begleitender Therapie. Das ist jetzt meine Laiensicht, aber mit ein bisschen Verstand sollte jedem einleuchten, daß eine Störung die vom Kopf her kommt nicht durch einen Eingriff am Magen behoben werden kann.

Das sehe ich genauso. Ich habe letztens in einem Fernsehbericht eine ca. 55 Jahre alte Frau gesehen, die vor geraumer Zeit ein Magenband eingesetzt bekommen hat. Dann hat die Gewichtsreduzierung eingesetzt und nachdem sich alles eingependelt hatte, hat sie nach und nach wieder ihre Kilos zugelegt. Die Frau sagte, daß ihre Sucht nach Süßem erst von ihrem Willen unterdrückt wurde, die Sucht aber irgendwann wieder kam.
DAS wäre dann wohl so ein Fall wie Holly schon sagte: eine Störung im Kopf kann durch einen Eingriff am Magen nicht behoben werden.

[Dieser Beitrag wurde am 26.02.2006 - 08:51 von Caliope aktualisiert]




Ulli 
Glühwürmchen vom Dienst :-))
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...   Erstellt am 26.02.2006 - 12:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@ Caliope
Es streitet auch glaube ich keiner ab, dass man eine Essstörung nicht durch AC beheben kann.
Es wird auch viel Blödsinn in diesem Bereich gemacht, so wie bei Schönheits-OPs und anderen überflüssigen OPs.
Viel interessanter fände ich ja für jeden Betroffenen mal hinzuschauen, warum man sich so sehr dagegen wehrt, das Thema anzupacken

Hast Du Dir schon mal überlegt, warum Du keine Therapie machen möchtest? Was hindert Dich daran, Dir Hilfe zu suchen? Meinst Du, Du mußt alles allein packen oder denkst Du, Du schaffst das sowieso nie?
Die-Loch-in-Bauch-Fragende-Ulli




Caliope ...
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...   Erstellt am 27.02.2006 - 10:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ulli schrieb
    Hast Du Dir schon mal überlegt, warum Du keine Therapie machen möchtest? Was hindert Dich daran, Dir Hilfe zu suchen? Meinst Du, Du mußt alles allein packen oder denkst Du, Du schaffst das sowieso nie?
    Die-Loch-in-Bauch-Fragende-Ulli


Ich habe mir da nie Gedanken drüber gemacht. Ich wehre mich auch einfach gegen den Gedanken, daß man alles über eine Therpie richten will/kann/soll/muß....

Ich bin auch der festen Überzeugung, daß ich da kein Wort von mir persönlich äußern würde.




Nora ...
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...   Erstellt am 27.02.2006 - 14:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@ Caliope
Wenn man ein Loch im Zahn hat geht man zum Zahnarzt. Wenn man einen gebrochenen Arm hat zum Orthopäden.
Warum - frage ich mich immer wieder - ist es so schwer zu einem Therapeuten zu gehen, wenn man unter Suchterkrankungen oder anderen seelischen Störungen leidet?
Ein möglicher Grund liegt darin, dass es noch immer ein Tabu ist, sich zu seelischen Problemen zu bekennen. Obwohl ja eigentlich jeder adipös oder magersüchtig Essgestörte sein Problem für alle sichtbar zur Schau trägt.
Ein weiterer Grund könnte darin liegen, dass es in den Familien der Essgestörten so ein großes Tabu ist über Persönliches etwas preiszugeben.
Dazu paßt Deine Äußerung, dass Du beim Therapeuten nie etwas Persönliches über Dich erzählen würdest.
Bei uns zu Hause - um mal ein konkretes Beispiel zu liefern - war es absolut tabu, dass etwas von oder über die Familie nach außen dringt. Ich wurde groß mit dem Gedanken, dass Fremde kein Interesse an meinem Wohlergehen haben, dass sie sich nur über schlechte Nachrichten freuen würden, dass nur die Familie Interesse daran hat, dass es mir gut geht etc.pp.
Suchtfamilien machen oft nach außen dicht. Es sit ein geschlossenes System, aus dem nichts nach außen dringt.
Der letzte Grund könnte darin liegen, dass Du denkst, wenn jemand hinter Deiner Fassade schaut, Dich in Deiner (nur gefühlten!!) Schlechtigkeit/Wertlosigkeit erkennt, nichts mehr mit Dir zu tun haben will.

Ein Therapeut ist ein Arzt. Ein Arzt, der nicht das erste Mal von den Dingen hört, die Du ihm zu erzählen hättest. Er hat Schweigepflicht und hört Dir professionell zu. Niemand lacht über Dich oder urteilt abfällig über Dich.
Versuche das einmal zu bedenken. Es ist so schade, wenn man sich keine Hilfe suchen kann/will.
So schade als wenn man aus Angst vorm Zahnarzt seine Zähne alle verfaulen läßt.
Eine kranke Seele ist auch etwas, das Deinen Körper vergiftet und Dir Dein Leben schwer macht.

Was möchtest Du also tun? Dick und essgestört bleiben?
Nora





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Merle ...
...mit grossen Schritten auf dem Weg zu sich selbst
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...   Erstellt am 27.02.2006 - 17:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Nora!
Du, ich habe mich in ganz vielem wiederentdeckt, was Du da so geschrieben hast. Es war für mich total schwer, zu einem Therapeuten zu gehen. Soli hat mir damals viel Mut gemacht und sehr geholfen (Danke nomma dafür ).
Vor dem ersten Termin habe ich total viel ge(fr)essen, war mächtig aufgeregt.
Inzwischen bin ich unheimlich froh, dass ich das gemacht habe, endlich hört mir jemand zu, der mich auch versteht, der auf meiner Seite ist, das ist so ein tolles Gefühl!!!!

@ Caliope
Ich kann Dich total gut verstehen, ich habe auch lange so gedacht und war immer contra wenn jemand von Therapie anfing. Inzwischen bin ich so froh, dass ich den Schritt gemacht habe und es ist nicht schlimm, wirklich nicht (o.k. manchmal ist es auch nicht so einfach, es wühlt viel auf ) aber alles in allem ist es gut es zu machen
Liebe Grüsse, Merle




Molly ...
...ißt nichts, was Augen hat!
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...   Erstellt am 28.02.2006 - 15:12Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@ Caliope
Du schreibst, Du wehrst Dich dagegen, dass man alles über eine Therapie richten will/kann/soll/muß - was ist an dem Gedanken an eine Therapie so schlimm für Dich?
Für mich klingt das so abwertend, so als ob Du sagen willst, ja ist ja alles gut und schön, dass ihr Therapie macht aber ICH brauche das nicht. So als wolltest Du Dich darüber erheben
Oder liege ich da falsch?
Molly





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Holly ...
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...   Erstellt am 28.02.2006 - 16:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Caliope,
ich kann Deine Skrupel gut nachvollziehen, ich kann mich auch noch nicht ansatzweise motivieren, das mal anzugehen. Die Nichtexistenz jeglicher Gefühlregung in meiner Familie trägt da imho mit bei, genauso wie der Gedanke, was da drin los ist (bzw. eigentlich ist ja nicht viel los), will lieber keiner wissen... oder auch die Angst, von einem Psychomenschen nicht wirklich ernst genommen zu werden, eben weil ja 'mein Problem' schon offensichtlich ist, seien Sie ein fröhlicher Paria, Sex, Erfolg und Anerkennung machen auch nicht froh.


Ich denke auch ehrlich gesagt nicht, daß Caliope sich über die Leute 'erheben' möchte, die eine Thera machen/gemacht haben.





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