BillVerliebte  Treuester Forums- und Tokio Hotel-Fan aller Zeiten
         

Status: Offline Registriert seit: 23.06.2006 Beiträge: 2816 Nachricht senden | Erstellt am 19.07.2006 - 13:02 |  |
Mein siebtes Lebensjahr war das schlimmste:
„Und, seit ihr schon aufgeregt?“, fragte mich und meine zwei Schwestern meine Mutter am Abendbrottisch. „JA!“, riefen wir gleichzeitig und sprangen auf. Wir wollten nämlich morgen in den Urlaub fahren und darauf freute ich mich schon riesig. „Na dann, geht mal lieber schnell ins Bett, sonst seit ihr morgen tot müde!“, sagte unser Papa und brachte uns zu unseren Zimmern. Ich zog mir schnell meinen Schlafanzug an und schlüpfte unter die Decke. „Schlaf gut.“, mein Papa gab mir einen Kuss und ging dann zu meinen zwei anderen Schwestern, Anita und Silvia. Ich lag noch eine Weile wach im Bett, ich freute mich wirklich total auf morgen, aber irgendwann schlief ich dann doch noch ein. „Schatz, beeil dich, wir wollen los!“, rief mir meine Mutter von unten zu. Ich suchte grade noch meinen Teddy und stopfte ihn in meinen Barbierucksack und lief nach unten. „Da bist du ja, fertig für die große Fahrt?“, fragte mein Vater und nahm mich auf den Arm. „Aber klar!“, rief ich fröhlich. Heute sollte es also an die Ostsee gehen. Papa trug mich zum vollgepackten Auto und ließ mich einsteigen. Silvia und Anita saßen schon im Auto und spielten mit ihren Puppen. „Nicht anschnallen vergessen.“, sagte unsere Mutter und dann fuhren wir auch schon los. Um die Zeit tot zuschlagen, hörten wir meine neue Benjamin Blümchen - Kassette, die ich heute erst bekommen habe. „Fahr doch nicht so schnell...“, ermahnte meine Mutter meinen Vater. Ich guckte weiter hin aus dem Fenster und überlegte mir, was ich alles im Urlaub machen wollte, als plötzlich mein Vater mit voller Wucht auf die Bremse trat. Meine Mutter und meine Schwestern schrieen und ich wusste zuerst gar nicht was los war. Das Auto schlitterte über die Fahrbahn und fing an ins Schleudern zu kommen. Ich wurde in meinem Sitz hin und her geschleudert und fing an zu weinen. Wir kamen von der Straße ab und plötzlich merkte ich nur noch einen harten Aufprall. Stille. Mein Hals tat mir weh vom vielen herum schleudern, vorsichtig hob ich den Kopf. „Mama...Papa...Silvia...Anita“, sagte ich leise und sah nach vorne und um mich. Mir blieb der Atem weg, meine Eltern lagen bewusstlos auf ihren Sitzen genauso meine Schwestern und das Auto wurde von einem Baum vorne total eingedrückt. Ich schnallte mich los und kletterte über Anita die sich mit ihrer Barbie, den Fuß ins Auge gerammt hatte, nach vorne. „Mama! Papa! Anita! Silvia!“, schrie ich. Ich sah zu Papa, sein Kopf ist durch die Seitenscheibe geschlagen und Blut floss ihm an der Schläfe herunter, seine rechte Hand war merkwürdig umgeknickt und ein Knochen ragte daraus hervor. Die Benjamin Blümchen-Kassette lief immer noch. Als ich zu Mama sah, wurde mir schlecht, ihr Kopf lag weit im Nacken und der Hals war vorne aufgerissen und die Stimmbänder waren zu sehen. Ich fing wieder an zu weinen und hörte plötzlich Menschen und Sirenen. „Mama...“, stammelte ich. Schnell kroch ich wieder nach hinten und suchte meinen Teddy. Meine Seitentür wurde aufgerissen und ein Mann in Arztkleidung sah mich erschrocken an. Er hob mich raus und brachte mich zu einem Krankenwagen. Die Straße wurde von Polizisten abgeriegelt und immer mehr Menschen sammelten sich um unseren neuen Renault. „Wie heißt du?“, fragte mich jetzt ein weiterer Sanitäter und legte mich auf eine Liege. „Claudia...“, sagte ich leise und wischte mir die Tränen vom Gesicht. „Tut dir irgendwas weh?“, fragte er weiter und untersuchte mich. „Mein Hals...“, sofort bekam ich einen Halskrause umgelegt und wurde in den Krankenwagen geschoben. „Was ist mit Mama, Papa und meinen Schwestern?“, fragte ich mit Tränen im Gesicht, als die Türen zugemacht wurden. Der Sanitäter sah mich mitleidig an, antwortete mir aber nicht. Stattdessen wurde mir irgendwas gespritzt und ich schlief ein.
Seit dem wurde ich immer von einem Verwandten zum anderen weiter gereicht, alle wollten sich nicht um mich kümmern. Und da ich dann auch so oft die Gegend wechselte, fand ich kaum noch Freunde und wurde immer mehr zu Einzelgänger, was mich aber nicht weiter störte:
Ich stand vor einem alten Haus, neben mir eine Frau vom Jugendamt, sie hatte mich auch schon zu meinen anderen Verwandten begleitet. „Hier wohnt deine Tante.“, sagte sie und ging auf die Tür zu, ich folgte ihr schweigend. Sie klingelte und nach ein paar Sekunden wurde die Tür geöffnet, eine nette, ältere Frau stand dort und begrüßte uns freundlich. Sie bat uns herein, „Das also ist die Tochter meines Bruders...“, stellte sie fest und lächelte mich an. Vielleicht ist es hier besser als bei den anderen..... machte ich mir Hoffnung. Doch ich irrte mich, denn als die Frau vom Jugendamt weg war, verfinsterte sich das Gesicht von meiner Tante, sie stellte mir Regeln auf und ich bekam ein kleines, kaltes Zimmer. „Und morgen gehst du zur Schule!“, sagte sie und schmiss die Tür hinter sich zu. Genauso wie bei meinen anderen Verwandten..... Am nächsten Morgen, durfte ich alleine zur Schule gehen und mich anmelden. „Darf ich euch eure neue Klassenkameradin vorstellen?!“, sagte die Lehrerin und schob mich in den Klassenraum. Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört... dachte ich mir und schaute mich in dem Raum um. „Das ist Claudia und sie ist 10 Jahre alt. Seit nett zu ihr!“, sagte sie und zeigte mir dann einen Platz, wo ich mich hin setzen konnte. Die interessierten Blicke, die ich von den anderen bekam, machten mir gar nichts mehr aus, das war ich schon gewohnt. Zum Glück hatte ich einen Platz am Fenster bekommen, so konnte ich mich draußen ein wenig um gucken. Die Stunde dauerte eine Ewigkeit, danach hatten wir große Pause. Es Klingelte. Ich stand auf und ging nach draußen. Jetzt erst vielen mir zwei Jungs auf, die auch in meiner Klasse waren. Sie sahen sich im Gesicht total ähnlich, aber vom Rest her nicht. Der eine hatte sich die Haare schwarz gefärbt und hoch gegelt, der andere hatte dunkelblonde langwachsende Haare. Sie lächelten mir zu. Ich ging einfach weiter, ich wollte nicht lächeln. Ich habe schon lange nicht mehr gelächelt oder gelacht. Auf dem Pausenhof suchte ich mir eine Bank und schaute den anderen Kindern beim Spielen zu. „Hey...“, hörte ich es plötzlich hinter mir und ich drehte mich um. Vor mir standen wieder die beiden Jungen und grinsten mich an. „Du bist die Neue aus unserer Klasse.“, stellte der langhaarige fest. „Ich bin Tom und das ist mein Bruder Bill.“, stellte er sich und seinen Bruder vor. Ich sagte immer noch nichts. „Redest du nicht gerne?“, fragte jetzt Bill. „Was soll ich denn sagen?!“, fragte ich zurück. „Keine Ahnung, vielleicht von wo du bist und warum du hier bist?“, sagte er und sah mich auffordernd an. „Ich musste zu meiner Tante...“, sagte ich kurz. „Wieso? Was ist mit deinen Eltern?“ ich schwieg und guckte auf den Boden, „Sie sind tot...“, sagte ich leise und unter drückte die Tränen. „Hast du Geschwister?“ fragte er weiter. „Nein, sie sind auch tot.“ „Und darum bist du so traurig?!“ „Meine Mama, hat mich immer in den Arm genommen, wenn’s mir schlecht ging oder ich traurig war... doch jetzt ist sie nicht mehr da...“, jetzt konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten. Die beiden Jungen waren verunsichert durch meine Reaktion. Auf einmal kamen sie auf mich zu und umarmten mich, „Ab jetzt umarmen wir dich wenn’s dir schlecht geht!“, sagte Tom. „Nein, wir umarmen dich ab jetzt jeden Tag!“, sagte Bill und dann ließen sie mich wieder los. ich musste lächeln, als ich das hörte und wischte mir durchs Gesicht.
Und so habe ich Bill und Tom kennen gelernt. Wir wurden die besten Freunde und langsam ging es mir auch wieder besser:
Mein Telefon klingelte. „Hallo?“, ging ich ran. „Hi, hier ist Tom, ich wollte fragen was du am Wochenende machst.“ „Kommt drauf an“, grinste ich. „Willste vielleicht bei uns übernachten? Georg hat nämlich Geburtstag, er wird 16“ „Ja, klar. Mal gucken ob es mir meine Tante erlaubt, ich ruf dich gleich noch mal an.“, dann legte ich auf und lief nach unten. „Lisa?!“, rief ich meine Tante. „WAS!“, antwortete sie wie immer total gereizt. „Darf ich am Wochenende bei einer Freundin übernachten, sie feiert Geburtstag.“ „Ist mir doch egal. Aber dann hab ich dich wenigstens mal für ein paar Tage aus dem Haus...“, antwortete sie und ich lief glücklich wieder in mein Zimmer. Nahm mein Telefon und rief Tom wieder an, „Ja, ich darf.“ „Sollen wir dich abholen?“, fragte er und ich bejahte. Schnell packte ich ein paar Sachen zusammen und suchte meinen Teddy. Seit dem Autounfall hatte ich ihn über all mit dabei, zwar wurde ich deswegen manchmal komisch angeguckt, das war mir aber egal. Es klingelte und ich rannte wieder die Treppe runter um auf zu machen. „Da seit ihr ja.“, sagte ich und wurde sofort von Bill und Tom umarmt. „Hey, nicht so’n Krach!“, schrie meine Tante aus der Küche. Wir gingen in mein Zimmer und die beiden setzten sich auf mein Bett. Ich schaute mich weiter suchend um. „Was suchst du?“, fragte Bill und sah sich auch um. „Meinen Teddy...“, sagte ich und guckte in meinem Schrank nach. Die beiden wussten, wieso ich die ganze Zeit meinen Teddy mit hatte und machten deswegen keine blöden Bemerkungen mehr. Stattdessen halfen sie mir zu suchen. „Ha, ich hab ihn.“, Bill zog ihn hinter meinem Bett hervor. „Danke!“, rief ich und nahm ihm den Teddy aus der Hand. Schnell packte ich ihn mit ein und dann gingen wir auch schon los. „Sind die anderen auch schon da?“, fragte ich auf den Weg zu den beiden nach Hause. „Nee, Gustav holt Georg, weil der weiß noch gar nicht, das wir ne Party für ihn machen.“, grinste Tom und nahm mir meinen Rucksack ab. „Den musst du nicht tragen, das kann ich auch machen.“, mir war es unangenehm ihn meinen Sachen tragen zu lassen. „Ach quak...“, sagte er und lief vor. Bill nahm meine Hand und lief ihm hinter her.
„Hi Claudia.“, wurde ich von der Mutter der Zwillinge begrüßt. So eine Mutter wünschte ich mir auch... beneidete ich Bill und Tom. „Komm“, sagte Bill und brachte mich in den Keller. Hier unten hatten sie ihren Proberaum, denn Gustav, Georg, Tom und Bill hatten beschlossen eine Band zu gründen: Devilish nannten sie sich und ich war an dem Bandnamen mit beteiligt. „Wow, habt ihr das alles gemacht?“, fragte ich, als ich in dem Raum ankam, überall waren Luftschlangen und Luftballons aufgehängt. „Klar.“ „Kommt denn noch wer?“, fragte ich und stellte meine Sachen in eine Ecke. „Ja, ein paar Leute. Ich glaube noch 4 andere oder?“, sagte Bill und setzte sich aufs Sofa. „Was ist?“, fragte ich ihn, als ich sein betrübtes Gesicht sah und setzte mich zu ihm. „Wir müssen uns einen anderen Proberaum suchen, Mama ist das hier zu laut...“, sagte er und schaute sich noch mal um. Jetzt fiel es mir auch auf, die Instrumente waren gar nicht mehr hier unten. Nach einer Weile klingelte es und die ersten Gäste kamen. „Also, das sind Klaus, Timo und Sven.“, stellte Tom mich den anderen vor. „Und das ist Claudia.“ „Hi!“, sagte ich und winkte den drei. Klaus kam sofort zu mir rüber, „Na...“, sagte er und setzte sich neben mich. Wie alt bist’e denn?“, fragte er. „13... aber fast 14“, grinste ich. „Na dann biste ja so im Alter von Bill und Tom.“, stellte er fest. Wir unterhielten uns noch ein bisschen und dann kamen auch schon Georg und Gustav. „HAPPY BIRTHDAY!!!“, riefen wir alle und Georg war total erstaunt uns alle hier zu sehen. Wir beglückwünschten ihn alle nach einander und Georg konnte es einfach nicht glauben. Er war total begeistert von der Überraschungsparty. „Wow, danke Leute!“, sagte er und fing an seine Geschenke aus zu packen. Eigentlich hätte ich gar keine Schlafsachen mitnehmen müssen, denn wir feierten so gut wie die ganze Nacht durch. Aber so gegen 4Uhr morgens schliefen wir dann doch irgendwann ein. Irgendwas Schweres lag auf mir drauf. Ich wachte auf und sah ein Gesicht vor mir. Bill und Tom hatten sich an mich ran gekuschelt und schliefen fest. Ich versuchte mich ein bisschen zu drehen, doch ich wollte die beiden nicht aufwecken, also blieb ich so unbequem liegen. Plötzlich wachte Bill auf und sah mich verwirrt an, ihn machte es gar nichts aus, das er halb auf mir drauf lag. Ich grinste ihn an, als er endlich wusste was los war. „Kannste mal ein bisschen rutschen?“, flüsterte ich leise und schob ihn zur Seite. Dann schlängelte ich mich unter Tom hervor und stand auf. Über all im Raum lagen Dosen und Essensreste, ich kämpfte mich zum Sofa vor und legte mich dort noch mal hin. „Ist da drüben noch Platz?“, fragte Bill leise, als er sah, dass das Sofa noch frei war. „Klar.“, flüsterte ich zurück und sofort kam er zu mir rüber und legte sich zu mir. „Und hat es dir gefallen?“, fragte er immer noch flüsternd. „Gut...“, sagte ich und wollte wieder einschlafen. Doch Bill erzählte einfach weiter. „Mach dich doch nicht so breit!“, sagte ich, als ich fast vom Sofa fiel. „Oh...“, er rückte etwas zur Seite und zog mich wieder rauf. „Danke.“, wir redeten noch ein bisschen und irgendwann wachten auch die anderen auf. „Boah, hab ich scheiße geschlafen!“, sagte Timo und streckte sich einmal. Ich ging zur Anlage und machte die Musik wieder an, damit die Jungs nicht wieder einschliefen. „Und jetzt noch aufräumen?!“, jammerte Tom und schmiss sich wieder in seine Ecke. „Hey, nicht wieder einschlafen!“, rief ich und zog ihn hoch. Wir räumten schnell alles auf und richteten den Raum wieder wie vorher ein. Zwischendurch musste ich einen von den sieben ermahnen nicht wieder einzuschlafen. Was für Trantüten... dachte ich mir und musste grinsen. Jetzt war ich wieder total munter und hüpfte schon wieder zur Musik durch die Gegend. „Oh man, wie kann man nur schon so aufgedreht sein wie du...“, stellte Sven fest und sah jetzt auch Gustav rum springen.
Später am Nachmittag waren wir nur noch zu dritt, Timo, Sven, Klaus , Georg und Gustav sind wieder gegangen. „Wo ist eigentlich eure Mutter?“, fragte ich. „Die ist jeden Sonntag bei unserem Onkel“, meinte Bill und ging in die Küche. „Mensch... ich hab einen Bärenhunger!“, rief er uns zu. Ich ging auch rüber um zu gucken was er da tat. „Habt ihr nichts mehr zu Essen?“, fragte ich. „Nee.....“, sagte er und machte den Kühlschrank wieder zu, „Keine Brötchen, aber Nutella.....“. „Habt ihr Eier, Milch und Mehl?“, fragte ich dann und Tom kam auch zu uns in die Küche. „Ja ich glaube schon, wieso?“ „Macht euch doch Pfandkuchen. Pfandkuchen mit Nutella ist voll lecker!“, meinte ich. „Tja, leider können wir nur Suppe kochen...“, stöhnte Tom und setzte sich an den Tisch. Ich verdrehte die Augen, ging zum Kühlschrank, holte Eier und Milch raus und aus einem Schrank Mehl. Dann suchte ich mir eine Schüssel und machte den Jungs Pfandkuchen. „Zum Glück haben wir dich...!“, sagte Bill und wartete schon Sehnsüchtig auf den Ersten Pfandkuchen. Wir aßen glaube an die 20 Stücke und alle mit Nutella. „LECKER!“, rief Tom und wollte noch einen haben. „Gibt keine mehr...“, sagte ich und stellte die Pfanne in die Spüle. „Du musst die uns mal öfter machen.“ „Ich kann euch auch zeigen wie man die macht, dann könnt ihr es selber.“, grinste ich. „Ach so ist dass. Willst heute wieder bei uns übernachten?“, fragte Bill als wir nach oben in sein Zimmer gingen. „Wenn ich darf.“ „Dann können wir ja heute Abend Filme gucken“, meinte Tom und ging gleich welche holen. „Ich muss aber erst mal fragen...“, sagte ich schnell und griff nach dem Telefon. Und wie sollte es auch anders sein, durfte ich nicht noch eine Nacht hier bleiben. Also verabschiedete ich mich von den beiden und ging wieder zu meiner Tante.
Wir waren unzertrennlich und haben alles zusammen gemacht. Die Jungs spielten die Jahre über auch in immer mehr werdenden Clubs und Bars und wurden dann auch bald entdeckt:
„Wow! Ihr wart toll!“, rief ich und umarmte die fier, als sie von der Bühne kamen. „Unser erste offizieller Auftritt als richtige Band, mit Produzenten.“, grinste Gustav und bestellte uns allen Red Bull. Vor zwei Jahren hat sich Tom die Haare zu Dreads machen lassen, wofür er sehr stolz ist und Bill hatte mehrere Frisuren ausprobiert, zwischen durch wurde er auch mal als Mädel bezeichnet. Aber jetzt hatte er eine Mangafrisur und ihm hängt eine große Strähne, schwarzer Haar vor seinem rechten Auge. Und seitdem er sich mit 12 Jahren beim Karneval geschminkt hatte, macht er das heute auch noch. Gustav und Georg hatten sich kaum verändert, Georg hatte nur längere Harre bekommen und ich musste ihm zeigen, wie man die Glätten kann. Und wir hatten auch endlich einen neuen Proberaum gefunden, in einer alten Fabrik. „Das müssen wir feiern!“, rief Bill und unterbrach meine Gedanken. „Dann müsst ihr leider ohne mich los ziehen...“, sagte ich und trank einen großen Schluck aus meiner Dose. „Ach ja, du bist ja noch keine 16...“ sagte Tom. „Dann feiern wir halt in unserem Proberaum.“ Und alle stimmten zu. „Ah, da seit ihr ja. Ihr war gut!“, meinte der Micha, der Manager der fier, „Ihr braucht bloß einen anderen Namen...“ „Stimmt, der alte passt nicht mehr zu uns.“, sagte Georg und packte seinen Bass ein. „Lasst uns das doch alles im Tonstudio besprechen, dann können wir auch den Rest der CD aufnehmen.“, meinte Micha und winkte uns nach draußen. Wir folgten ihm und gingen zu dem großen Bus der Jungs. „BILL!!!!!“ „TOMMMMM!“, hörten wir es plötzlich hinter uns und ein paar Mädchen kamen auf die Jungs zu gerannt. „Krieg ich ein Autogramm?“ „Kann ich ein Foto machen?“, wurden die vier von Fragen bombardiert. Sie schrieben schnell was und ließen sich fotografieren und kamen dann auch zu uns in den Bus. „Man oh man! Dabei sind wir doch noch gar nicht berühmt...!“, sagte Tom und strahlte übers ganze Gesicht. Wir fuhren ins Studio und gingen sofort an die Arbeit, während die Jungs ihre CD weiter aufnahmen, überlegte ich schon mal nach einem neuen Namen für die Band. „Hui ist das schwer...!“, sagte ich, als Bill aus dem kleinen Aufnahmeraum kam. „Und wie siehts mit den Namen aus?“, fragte er und setzte sich kurz zu mir. „Mir fällt einfach nichts ein, was zu euch passen würde.“, jammerte ich und lehnte mich an ihn. „Versuch doch irgendwas mit Tokio oder so... da wollen wir doch alle mal hin.“, grinste er, gab mir einen Kuss auf die Wange und verschwand wieder im Nebenraum. Hmm... mit Tokio?! Was kann man da denn nehmen???? Plötzlich fiel mir ein Name ein, schnell schrieb ich ihn auf und ging auch rüber. Die Jungs waren fleißig am spielen und Bill hatte Pause, er hatte wohl schon vorher den Gesang aufgenommen. „Ich hab einen.“, flüsterte ich und zeigte ihm den Zettel. „Der ist gut!“, stimmt er mir zu und lächelte mich an. Wir sahen den anderen dreien noch ein bisschen zu und gingen dann nach draußen, an die frische Luft. Irgendwie hatte ich das Gefühl Bill beobachte mich die ganze Zeit, hab mir aber nichts weiter dabei gedacht. Wir setzten uns an ein Geländer und sahen uns die Sterne an. „Wird schon langsam kalt.“, stellte ich fest und rückte näher zu Bill, der mich in den Arm nahm. „Kommste heute wieder mit zu uns?“, fragte er. „Mal gucken...“ „Dann kannste uns ja wieder was kochen, den unsere Mutter ist nicht da.“, grinste er und sah mich erwartungsvoll an. Plötzlich ging die Tür auf, „Hier seit ihr. Wir sind fertig und können jetzt nach Hause.“, sagte Gustav und kam mit den anderen beiden im Schlepptau raus. Ich hob meine Hände hoch und wartete darauf, dass mich einer hoch zog, „Halloho?“, sagte ich als mich keiner beachtete. Endlich kam Tom und zog mich hoch, leider ein bisschen zu dolle, denn ich landete in seinen Armen. „Danke!“, grinste ich ihn an und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Ohh, ich will auch einen!“, schrie Gustav, kam zu mir rüber und hielt seine Wange hin. Ich lachte, gab ihm dann aber auch einen. „Ach, ich hab einen Namen für euch!“, sagte ich triumphierend. „Wie wär’s mit Tokio Hotel?! Tokio: weil ihr gerne da mal hin wollt und das ne aufregende Stadt ist und Hotel: weil ihr dann die meiste Zeit in Hotels sein werdet.“, grinste ich. „Der ist gut!“, stimmten alle zu und so bekam die Band einen neuen Namen. Dann wurden wir nach Hause gebracht. „Ich glaube ich fahr doch nach Hause.“, sagte ich und bekam traurige Blicke von den Zwillingen. „Muss noch ein bisschen lernen.“, sagte ich und umarmte sie zur Verabschiedung.
Und so wurden Tokio Hotel berühmt. Die Jungs musste immer öfters zu Auftritten, Interviews und Presseterminen. Sie hatten kaum noch Zeit, versuchten mich aber so oft es ging mitzunehmen:
„Beeil dich Bill!“, rief Tom ihm vom Flur aus zu. Bill stand schon fast ne Stunde im Bad. Ich lief nach oben, um nach ihm zu sehen. „Bill, bist du dann endlich fertig?“, fragte ich und ging ohne zu klopfen ins Bad. „Moment.... so, jetzt“, er packte seine Sachen zusammen und grinste mich an, „Und?!“ „Perfekt!“, stimmte ich zu und wir gingen runter. Schnell rannten wir zum Auto und quetschten uns zu den anderen hinten rein. „Wieso haben wir heute denn nicht den großen Bus?!“, jammerte Gustav dem ich aus versehen meinen Schuh ins Gesicht gehauen habe. „Zu fiert hier hinten ist ganz schön eng!“ „Warte. Nicol leg du dich mal über uns rüber, dann geht’s vielleicht besser...“, machte Tom den Vorschlag. „Na toll, ich hab wieder die Arschkarte gezogen. Wieso darf Georg eigentlich vorne Sitzen?“. Also setzten sich Bill, Tom und Gustav hinten rein und ich durfte mich auf sie rauf legen. „Vorsicht ich mach die Tür zu.“, meinte Micha und schloss die Autotür hinter mir. „Mann ist das unbequem.“, jammerte ich. „Nimm deine Beine runter!“, sagte Gustav. „Tut mir Leid, ich kann auch nichts dafür, dass ich so groß bin...“ Tom jammerte auch, weil er meinen Hintern im Bauch hatte. Nur Bill beklagte sich nicht, bei ihm lag nur mein Kopf auf seinem Schoß und er kraulte mir durch die Haare, er wusste, dass ich das liebte. „Kanns dann endlich los gehen?“, fragte Georg, der uns die ganze Zeit grinsend zugesehen hatte. „Wo geht’s eigentlich hin?!“, fragte ich irgendwann auf der Fahrt. „Zu Top of the Pops!“, rief Tom und freute sich schon voll. „ ...Langsam kann ich hier nicht mehr liegen...“, jammerte ich. „Und ich will deine Beine nicht immer vorm Gesicht haben!“ „Ja... wir halten gleich mal.“, sagte Micha und fuhr auf einer Raststätte. „Schnell last mich raus!“, rief ich, als er parkte. Ich versuchte irgendwie aus diesem Auto raus zu kommen, aber es geling mir nicht wirklich, „GEORG!!!!!“, rief ich. Der kam sofort und zog mich aus dem Wagen raus. „Hui..“ , sagte ich, als ich endlich wieder richtig stand, die anderen drei bewegten sich auch mühsam aus dem Auto und streckten sich erst mal. „Ich lauf hier erst mal ne Runde um den Platz.“, verabschiedete ich mich von den anderen und ging los. nach 10Minuten kam ich zurück und durfte auch gleich wieder ins Auto kriechen. Als wir dann alle im Wagen waren, fuhren wir weiter. „1 1/2 Stunden noch, dann sind wir da!“, verkündete uns Georg, der mal wieder vorne sitzen durfte. Irgendwann schlief auch ein, war alles ein bisschen früh heute Morgen für mich gewesen.
Plötzlich merkte ich, wie mir was in den Bauch stach und wurde wach. Verschlafen blinzelte ich Bill an, der mich an grinste. „Was denn?“, fragte ich und setzte mich ein wenig hin. „Nee, ne?!“, sagte ich und sah mir meinen Bauch an. Die drei Jungs hatten mit Edding mir irgendwas da drauf geschrieben, mein ganzer Bauch war voll. „Toll ne?!“, fragte Gustav und zeigte mir auch noch meine Beine, wo sie auch drauf rumgemalt hatten. „Wir hatten keinen Zettel.“, grinste Tom. „Na toll und was soll ich dann heute Abend zu der Show anziehen? Ich hatte so was Tolles...“, jammerte ich und versuchte die Kritzeleien mit Spucke weg zu machen. Erfolglos lehnte ich mich wieder zurück, „Wie lange dauert es denn noch?“ „Müssten gleich da sein... ah, da ist es.“, rief Georg. Endlich waren wir beim Hotel angekommen. Micha parkte in der Nähe des Einganges und ließ uns raus. „Ui, ich glaube ich bin für den Rest meines Lebens behindert!“, meinte ich und streckte mich wieder. Wir schnappten uns unsere Sachen und gingen hinein. Der Produzent checkte ein und meinte dann zu uns, „Also, wir haben zwei Zimmer für euch, ein dreier und ein zweier. Müsst ihr gucken wo ihr hin wollt. Wir holen euch dann so in einer Stunde ab, gegen 7 wäre das dann. Dann fahren wir zum Set und machen Soundcheck und dann habt ihr irgendwann euren Auftritt.“ „Ok!“, riefen die vier und wir gingen auf unsere Zimmer. „Wer geht wo hin?“, fragte Tom, „Ich will ins dreier.“ Also teilten wir uns auf, Bill, Tom und Gustav ins dreier und Georg und ich ins zweier, Georg wäre der Ältere und hätte schon mal ein Mädel nackt gesehen, meinten die anderen drei als Ausrede. Georg und ich bekamen unseren Schlüssel und gingen in unser Appartement. „Wo willst du schlafen?“, fragte ich ihn, als ich das Doppelbett sah. „Egal...“, er schmiss seinen Rucksack auf einen Sessel und schaute sich erst mal um. Ich legte meine Sachen auf die Seite, die am Fenster lag. „Hey, gucke dir das an!“, hörte ich es plötzlich aus dem Bad und ging ins Nebenzimmer. „Wow!“, wir hatten das totale Luxusbad, mit riesen Badewanne und großem Spiegel. „Wie geil ist das denn?!“, meinte ich und bemerkte plötzlich Gustav hinter mir. „Warum habt ihr son tolles Bad? Wir haben voll das kleine!“, also gingen wir rüber um uns da umzusehen. Georg und ich hatten eindeutig das bessere Zimmer bekommen. „Uwahhh... ich muss mich ja noch fertig machen, hoffentlich schaffe ich das in einer Stunde,..... Nici lackierst du mir die Nägel? Ich kann das doch nicht so schnell“, fragte Bill mich und wir verschwanden im Bad.
Nach einer Stunde wurden wir von Micha abgeholt, ich hatte es grade noch geschafft mich selber fertig zu machen und die Kritzeleien ab zu bekommen, zwar hatte ich jetzt einen roten Bauch, aber egal. Wir fuhren zum Set und die Jungs verschwanden gleich auf der Bühne wegen ihrem Soundcheck. Währenddessen schaute ich mich hinter den Kulissen von Top of the Pops um. Ich traf sogar ein paar Stars, Nena, der hatte ich schon angekündigt, dass sie Bill unbedingt mal kennen lernen will, Banaroo und Jeanette, ich mochte die Musik zwar nicht so von denen , aber sonst waren sie ganz nett. Plötzlich sah ich einen Typen vom Set, der aufgeregt aus einer Tür kam, „Na toll und was machen wir jetzt? Wir brauchen aber sechs Mädels die Tanzen, und wenn jetzt eine fehlt.....“, rief er verzweifelt. Plötzlich bemerkte er mich und kam rüber, „Kannst du tanzen?“, fragte er mich und ich bejahte. „Bitte, du musst mir helfen, uns ist ein Mädel fürs Tanzen ausgefallen und wir brauchen unbedingt sechs, wenn Scooter auftritt und vielleicht auch bei den anderen. Willst du mit machen?“, er sah mich verzweifelt an. Er tat mir schon ein bisschen Leid, also stimmte ich zu und wurde in einen Raum geschickt, wo mir die Sachen angezogen und ich geschminkt wurde. „Hui...“, meinte ich, als ich in den Spiegel sah. Ich steckte in einem ultimativ kurzen Rock und hatte nur ein Bikinioberteil an. „Du musst dich nur zur Musik bewegen, keine bestimmten Schritte oder so.“, sagte mir der Mann, der mich auch hierher geschickt hatte. „Die anderen Mädchen sagen dir dann bescheid, wann du dran bist.“ Ich nickte und ging wieder in den Gruppenraum. Die Show hatte schon längst angefangen und ich war bestimmt gleich dran. „Was hast du denn an?!“, fragte Tom und sah mich erstaunt an. „Ich darf hier mit tanzen...“, sagte ich und verdrehte die Augen, „Nee, aber wird bestimmt ganz lustig.“, grinste ich. „Sieht aber gut aus!“, meinte Gustav und Tom ließ „aus versehen“ etwas fallen, „HEY!“, meinte ich und ging schnell einen Schritt zurück, damit er mir nicht unter den Rock guckt. „Da sieht man so aber auch schon fast alles...“, sagte er enttäuscht. Plötzlich kamen die Mädchen auf mich zu und meinten wir müssten gleich auf die Bühne, ich ging mit ihnen hinter den Bühnenausgang und sie zeigt mir wo ich stehen sollte: auf einem Podest, mitten im Publikum. „Na dann können wir dich ja bestens sehen!“, grinste Tom wieder. Ich gab ihm einen Schubser, man bin ich aufgeregt....., meine Knie wurden ganz weich und dann ging es auch schon los. Wir gingen auf unsere Plätze und die Musik fing an zu spielen. Ich tanzte wie es mir grade in den Sinn kam. Nach ein paar Minuten war dann auch schon alles zu Ende. Schnell ging ich wieder hinter die Bühne, in die Umkleide. „Das war gut!“, sagte der Mann, der mich „entdeckt“ hatte. „Danke...“, sagte ich erleichtert und zog mich wieder um. Ich suchte Micha, der im Gruppenraum auf einem Sofa saß. „Na, wie war’s?“, fragte er. „Was? Du hast mich auch gesehen...“, ich ließ mich neben ihm ins Sofa fallen und lauschte dem Lied, das grade gespielt wurde. „UND JETZT KOMMEN TOKIO HOTEL!!!!!!!“, sagte der Moderator und die Jungs waren an der Reihe. Ich hörte wie die Mädchen anfingen zu Schreien und irgendwas riefen, dann kamen die ersten Töne von „Durch den Monsun“ und ich sang mit. Ich liebte dieses Lied, vor allem den Text.
Die Jungs wurden von Auftritt zu Auftritt beliebter. Und langsam entwickelte sich zwischen einen der fier und mir etwas:
„Ok, wollt ihr noch irgendwo hin?!“, fragte Micha uns und schloss das Auto auf. Wir quetschten uns alle hinten wieder rein und fuhren zurück zum Hotel. „Hey...“, rief plötzlich Georg und drehte sich zu uns um, „,....haste gemerkt, wie dich der eine Typ angeguckt hat?“, fragte er mich. Ich sah ihn verwirrt an. „Na son Typ, der da den ganzen Tänzern gesagt hat, was sie machen sollen…. „ „Nee wieso?“, ich war verwirrt. „Ich glaub der fand dich toll oder so.“ „Ach der..... weiß nicht, ich hab da nicht so drauf geachtet, ich dachte der guckt mich nur so komisch an, weil ich da Ersatz war oder so.“, meinte ich. „Vorhin als wir raus gegangen sind, stand er auch an der Tür... na egal.“, er drehte sich wieder nach vorne und nach ein paar Minuten waren wir endlich bei unserem Hotel. Wir gingen auf unsere Zimmer und besprachen noch mal den Auftritt. Die fier waren total happy. „Ich geh mal runter und guck ob es noch was zu Essen gibt.“, verkündete Gustav und Tom ging mit. „Naja, ich muss auch noch mal zu Micha.“, meine Georg und verabschiedete sich auch von Bill und mir. „So und was machen wir jetzt?!“, fragte ich und schmiss mich zu ihm auf’s Bett. Bill schaltete den Fernseher an und zappte durch die Kanäle. Ich erwischte mich dabei, wie ich ihn heimlich beobachte. Ich bekam ein Kribbeln im Bauch. Ich mochte zwar alle vier Jungs, aber Bill mochte ich immer noch am liebsten, wir verstanden uns auch ohne Worte und wussten immer, wenn der andere sich nicht gut fühlte. Ich fand, er sah auch voll niedlich aus mit seiner Mangafrisur. „Kommt nichts...“, sagte er und schaltete den Fernseher wieder aus. Er kam ein bisschen zu mir rüber gekrochen und legte sich neben mich. Ich kuschelte mich an ihn und legte meinen Kopf auf seine Brust. „Ich kann dein Herz hören...“, sagte ich leise und lauschte dem gleichmäßigen Schlagen. „Du Nici, wär’s schlimm, wenn ich nicht mehr dein Freund sein will....?!“, verwirrt schaute ich ihn an. „Was meinst du?“, fragte ich und setzte mich auf. „So wie ich es meinte.“, er schaute mich ernst an. Ich war total verwirrt was meint er damit????? Zum Glück kamen grade Tom und Gustav wieder und gaben uns was zu Essen. „Wir haben noch die Reste vom Abendbrot bekommen.“, grinste Tom und aß seinen Burger. Ich verdrängte den Rest des Abends die Frage von Bill und genoss es mit meinen Jungs zusammen zu sein.
Ich kam zu fast jeden Auftritt der vier mit, sie bestanden darauf. Und ich war froh nicht immer bei meiner Tante zu sein und mir anzuhören, dass ich ihr die letzten Haare vom Kopf esse. Doch bald sollte es nicht mehr so gut für mich laufen, bald ging es nur noch Berg ab mit mir:
„Ich geh hier draußen noch mal ein bisschen rum, muss mich erst mal von diesem Eingequetsche im Auto erholen.“, grinste ich und kroch mal wieder aus dem Wagen. Die Jungs gingen rein und ich machte sich auf den Weg, hier ganz in der Nähe hatte ich vorhin einen Park gesehen. Es wurde auch langsam dunkel, das machte mir aber nichts aus, ich liebte die Nacht. Hatte ich mich doch nicht getäuscht....., dachte ich mir als ich beim Park ankam. Ich schlenderte den kleinen Weg entlang und sah mich ein bisschen um. Ein Mann ging an mir vorbei und betrachtete mich, zuerst dachte ich mir nichts weiter und ging weiter. War das nicht der Typ vom Set, der mich angeblich so angestarrt hatte???? Plötzlich merkte ich wie sich eine Hand von hinten auf meinen Mund legte und eine andere mich hoch hob. Voller Panik versuchte ich zu Schreien, doch die Hand auf meinen Mund verhinderte das. Ich wurde in hinter die Büsche zu einem alten Haus gebracht. Ich versuchte mich zu wehren und strampelte mit den Beinen. Ich geriet immer mehr in Panik. Plötzlich wurde ich losgelassen und gegen die Wand gedrückt. Der Mann vom Set stand vor mir, „Wehe du machst einen Laut.....“, er hob ein Messer hoch und zeigte es mir. Mir stiegen Tränen in die Augen, ich bekam weiche Knie und Angst breitete sich in mir aus. dann nahm er mich wieder hoch und schleppte mich einen Treppe hoch in ein Zimmer wo ein Bett stand, dort schmiss er mich drauf und zeigte mir wieder das Messer. „Was wollen Sie?“, fragte ich mit bebender Stimme und wischte mir die Tränen weg. Mein Handy fing an zu klingeln, der Mann zögerte nicht und griff in meine Jackentasche wo das Ding drin war. Er schaute auf das Display, „Wehe du machst irgendeinen Scheiß!“, er kam zu mir rüber, hielt mir sein Messer an den Hals und reichte mir das Handy. Meine Hände zitterten so dolle, dass ich kaum die Tasten traf, ich Atmete einmal tief durch und nahm ab. „Hi!“, hörte ich die fröhliche Stimme von Bill an der Leitung. „Hi!“, sagte ich und musste mich anstrengen nicht aufgeregt oder nervös zu klingen. „Wir wollten Pizza bestellen und fragen wann du wieder kommst, damit wir dir vielleicht eine mitbestellen können.“, sagte Bill und wartete auf eine Antwort. Ich schwieg, wusste nicht, was ich sagen sollte. „Nici?!“ „Ähm... weiß noch nicht, ich laufe hier grade durch die Stadt....“, sagte ich schnell, als ich das Messer an meinem Hals spürte. „Okay, dann bis später.“, er legte auf und ich fing wieder an zu weinen. Der Mann nahm mir das Hand weg und schmiss es in eine Ecke, „Gut gemacht.“, er grinste. Ich kauerte mich auf das Bett und wartete ab, was er machen würde. Der Mann legte sein Messer zur Seite und kam wieder auf mich zu, er hatte jetzt ein anderes Grinsen im Gesicht, ich wusste nicht was es heißen sollte. „Entspann dich!“, befahl er mir und zog meine Arme ein bisschen von meinem Körper weg. Er drückte mich aufs Bett und fing an mich über all zu berühren und zu küssen. „Nein...“, sagte ich leise, doch er beachtete es gar nicht. Mir liefen immer noch die Tränen übers Gesicht. Der Mann machte sich an meiner Jacke zu schaffen und wollte sie ausziehen. „Nein...“, sagte ich wieder. Ich versuchte mich aus seinen Griffen zu entwenden und fing an ihn zu treten und zu beißen. Der Mann sprang erschrocken auf und griff wieder nach seinem Messer. „Nananana, das lassen wir mal lieber...“, meinte er und kam jetzt mit dem Messer auf mich zu, ich lag immer noch auf dem Bett. Er setzte sich auf mich, zog mir mein Shirt aus und ließ sein Waffe langsam auf meinem Bauch kreisen. In mir verkrampfte sich alles. Er zog seine Jacke aus und machte seine Hose auf. „Nein..... bitte......“, ich flehte ihn unter Tränen an.
Erschöpft und durch gefroren rannte ich in das Hotel, nach oben zu unseren Zimmern. Ich hatte versucht mir meine restliche Kleidung so gut es ging um mich zu wickeln. Blut floss an meinem rechten Arm entlang. Ich stieg in den Fahrstuhl und fuhr nach oben. Erschöpft lehnte ich mich gegen die Wände und betrachtete mich im Spiegel der im Fahrstuhl war. Meine Haare waren total zerzaust und ich meine Schminke war von den Tränen verlaufen. Ich hatte so gut wie gar nichts mehr an und über all am Körper leichte Schnittwunden. Ich zitterte immer noch vor Angst. Die Türen gingen auf und ich rannte raus. Rannte zu dem Zimmer von Bill und hämmerte gegen die Tür. Meine Beine wurden weich und ich fiel auf die Knie. Plötzlich ging die Tür auf und vor mir stand ein besorgter Tom. Er sah mich erschrocken an und dann kamen auch die anderen vier hinter ihm aus der Tür. Georg kniete sich neben mich und wollte mir hoch helfen. Als er mich am Arm packte zuckte ich wieder zusammen, schnell ließ er mich los. „Bitte, fass mich nicht an...“, weinte ich leise und stand mit Mühe auf. Die Jungs machten Platz und ließen mich rein, ich schmiss mich aufs Bett und weinte. Keiner von den anderen traute sich mich in den Arm zu nehmen, sie saßen einfach nur neben mir und konnten nichts machen. „Was ist denn passiert?!“, fragte Bill endlich und wagte der Versucht mich noch mal zu berühren, wieder zuckte ich zusammen. Ich setzte mich auf und sah auf den Boden, wischte mir durchs Gesicht. „Willst du dich erst mal sauber machen und was frisches anziehen?“, fragte er und ich nickte. Er stand auf und begleitete mich ins Bad. Er sah mich immer noch mitleidig an. Plötzlich umarmte er mich. Nein,... bitte nicht....... ich zitterte, aber er ließ nicht los. Angst stieg wieder in mir auf, ich schubste ihn weg und schaute auf den Boden. Er schwieg und ließ mich dann alleine. Ich stand noch eine Weile lang einfach nur da. Dann ging ich zur Tür und schloss sie ab, ich wusste eigentlich, dass sie Jungs nicht rein kommen würden, aber ich fühlte mich so sicherer. Dann zog ich mich aus und ging unter die Dusche. Ich rieb mich über all mit Seife ein, damit ich den Geruch von diesem Mann weg bekam und schaute mir meine Wunden an. Plötzlich klopfte es an der Tür, „Nici?! wir müssen kurz weg, kommen aber gleich wieder, wir haben dir hier Klamotten vor die Tür gelegt.“, hörte ich Gustav rufen. Ich drehte die Dusche wieder aus und wartete kurz, bis sie die Zimmertür hinter sich geschlossen hatten und weg waren. Schnell holte ich die Sachen und zog sie an. Die waren eindeutig von Bill, denn die Klamotten saßen ziemlich eng am Körper. Ich guckte im Schrank nach einem Verbandskasten und verarzte, so gut es ging meine Schnitte. Dann setzte ich mich aufs Bett und wartete.
Ich wandte mich immer mehr von den Leuten ab und von meinen Jungs. Die machten sich schon Sorgen und versuchten mich immer wieder aufzumuntern, doch vergebens. Ich zog mich mehr und mehr zurück. Doch die Jungs bliebe hartnäckig und langsam, sehr langsam gewöhnte ich mich wieder an den Umgang mit ihnen, doch bestimmte Berührungen konnte ich immer noch nicht vertragen. Ich bekam auch immer noch meine Alpträume, wo ich wieder diesen Mann sah...
Es klingelte an der Tür, ich stand genervt auf und ging runter um aufzumachen. Meine Tante war nicht da, sonst wäre ich oben geblieben. Ich öffnete und vor mir standen zwei grinsende Gesichter. „HI!“, riefen Bill und Tom und umarmten mich, wie sie es versprochen hatten. Plötzlich war ich gar nicht genervt, ich freute mich sogar ein bisschen sie zu sehen. Trotzdem blieb ich immer noch auf Abstand. Bill habe ich auf die Frage, ob es schlimm wäre, wenn er nicht mehr mein Freund ist, nie wieder angesprochen, doch seit dem ist irgendetwas anderes zwischen uns, wir haben nicht mehr diese Nähe, die wir vorher hatten. „Lass uns mal heute Abend irgendwo hin gehen und feiern! Wir waren schon lange nicht mehr mit dir unterwegs.“, meinte Tom und setzte sich auf mein Sofa, Bill auf mein Bett und ich mich auf den Boden. „Ich weiß nicht. Hab irgendwie keine Lust...“, entgegnete ich ihm. „Natürlich hast du Lust! Und wenn nicht, dann bringen wir dich halt mit Gewalt in son scheiß Club!“, meinte Bill und grinste Tom an. Ich ließ mich mal wieder von den beiden überreden und so zogen wir am Abend mit Georg und Gustav um die Häuser und schauten in die einzelnen Discotheken. „Mann ist das Kalt geworden...“, jammerte ich und kuschelte mich in meine Jacke, als wir den dritten Club wieder verließen. Bill kam zu mir und zog mich mit unter seine Jacke. Ich war verwirrt, denn bis jetzt hatten wir solchen Kontakt vermieden. War mir jetzt aber egal, denn ich wollte nicht erfrieren. „Mensch, können die nicht irgendwo mal normale Musik spielen...“, nörgelten Tom und Gustav und stellten sich zu uns. „Was machen wir jetzt?“, fragte ich und fing schon an zu Zittern wegen der Kälte. „Na weiter gucken.“, grinste Gustav. „Och nö... mir ist kalt.....“ „Ich hab auch keine Lust mehr, für euch gibt es ja sowieso in keinem Club die richtige Musik.“, meinte Bill und schloss sich seiner Entscheidung mir an. „Dann lass uns doch nach Hause gehen?!“, fragte ich ihn und er stimmte zu. Wir verabschiedeten uns von den anderen drei und gingen zu Bill. „Hast du immer noch die Alpträume?“, fragte Bill als wir in den kleinen Feldweg einbogen, der zu seinem Haus führte. Ich nickte und sah auf den Boden. Außer Tom, Bill, Georg und Gustav wusste keiner, was in dieser Nacht passiert war. Er legte wieder einen Arm um mich und ich lehnte mich ein wenig dagegen. Mein Herz fing an zu rasen und im Bauch kribbelte es, das kam bei mir in letzter Zeit öfters vor, wenn er mich berührte. Bis jetzt dachte ich, dass das nur kam, weil er mich früher immer öfters berührt hat als heute, doch jetzt war ich mir nicht mehr so sicher. Ich hatte mal gehört, dass „wenn man die Zeit mit einem verbringt die Liebe zu ihm wächst“, kann es sein, dass ich mich in ihn verliebt habe? Wir gingen schweigend neben einander her. Soll ich ihn fragen????, ich überlegte die ganze Zeit, ob ich ihn noch mal auf seine komische Fragen ansprechen sollte oder nicht. Doch dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fragte ihn doch. „Was meintest du eigentlich mit „ob es schlimm wäre, wenn du nicht mehr mein Freund sein willst“?“, ich blieb stehen und schaute ihn an. Er stellte sich vor mich und nahm meine Hände. „Ich meinte dass so, wie ich es gesagt hatte.“ „Aber wieso willst du nicht mehr mein Freund sein?“, fragte ich und meine Stimme fing an zu zittern. Ich hatte Angst ihn zu verlieren, dass er sich von mir entfernte und mich allein ließ. „Na ja....,“, fing er an, „....weil ich kann nicht dein Freund sein, weil ich keine Freundschaft für dich empfinde...“, er machte eine Pause. Erschrocken zog ich meine Hände aus seinen. Ich starrte ihn fassungslos an. „Aber WIESO????“, sagte ich jetzt etwas lauter und wurde langsam wütend auf ihn. „Weil ich mehr als nur Freundschaft für dich empfinde...“, er sah mich erwartungsvoll an und wartete auf meine Reaktion. Plötzlich sah ich von der Seite ein Auto anrasen. Das Auto kam immer schnell und für Schlangenlinien. Bill bemerkte den Wagen jetzt auch und drehte sich erschrocken um. Ich war wie angewurzelt und konnte mich nicht mehr bewegen, ich sah nur noch die grellen Scheinwerfer und dann spürte ich, wie ich zur Seite geschubst wurde. Ich viel in den Graben und sah noch, wie Bill versuchte, sich wieder aufzurappeln. „NEIN!!!!“, schrie ich als das Auto nicht hielt und Bill nicht hoch kam. Schnell sprang ich auf und wollte zu ihm, doch da hörte ich nur noch einen harten Aufprall und sah nur noch den Wagen, der neben mir im Graben landete. Ich blieb starr stehen und traute mich nicht, hinter dem Wagen nach Bill zusehen. Doch meine Sorge war zu groß um ihn. Schnell rannte ich um das Frack neben mir ohne es zu beachten und sah Bill auf dem Astfall liegen. Er bewegte sich nicht. „Nein...“, flüsterte ich und ging langsam auf ihn zu. Als immer noch keiner Reaktion von ihm kam, wurde ich schnell und rannte dann auf ihn zu. „NEIN!“, schrie ich, mir liefen Tränen von den Wangen runter. Ich schmiss mich neben ihn auf die Knie und betrachte seinen Körper. Ich wusste nicht, was ich machen sollte und versuchte ihn irgendwie zu Bewusstsein zu bekommen, traute mich aber nicht ihn irgendwie anzufassen. Dann fiel das Handy ein, schnell griff ich in meine Jackentasche und wählte die Notrufnummer.
Bill hatte mich gerettet und dafür sein Leben aufs Spiel gesetzt. Außer ein paar Schürfwunden ist mir nichts passiert. Dem Fahrer des Wagens ist auch nichts weiter passiert, er stand nur unter Schock. Und Bill....:
„Was ist denn passiert?“, fragte Tom völlig außer Atem, als er das Wartezimmer im Krankenhaus betrat. „Ein Auto hat ihn angefahren. Ich hab auch schon eure Mutter angerufen, sie ist auf dem Weg hierher.“, sagte ich und sah ihn verzweifelt an. Dann kamen auch Georg und Gustav rein und fragten auch sofort, was passier war. Ich erzählte den dreien, was los war und dann warteten wir auf die Mutter der Zwillinge. Die kam nach 15Minuten angerannt, voller Sorge rannte sie gleich weiter zu einem Arzt und fragte den was denn jetzt mit ihrem Sohn sein. Doch der meinte, er wüsste noch nichts genaueres. Sie kam total aufgelöst zu uns rüber und setzte sich. „Es tut mir leid. Es ist alles meine Schuld.“, fing ich an zu weinen und wollte mich bei der Mutter der beiden entschuldigen. „Red doch nicht son scheiß!“, ermahnte mich Georg und nahm mich in den Arm.
„Nicol?!“, die Mutter der beiden weckte mich. Ich war wohl auf dem Stuhl im Wartezimmer eingeschlafen. „Soll dich mein Mann nach Hause bringen? Der Arzt hat immer noch nicht gesagt, wie es Bill geht...“ , verschlafen stand ich auf. Als ich mich umsah, sah ich dass Georg und Gustav neben mir standen und auf mich warteten. Ich stand auf und ging mit den beiden zum Auto. „Wie geht es Tom?“, fragte ich und lehnte mich an Georg, der neben mir saß. „Naja...“, bekam ich als Antwort und wir wurden nach Hause gefahren. „Danke fürs Fahren.“, rief ich nach vorne zum Fahrer und stieg aus. Ich schleppte mich ins Haus, nach oben in mein Zimmer. Meine Mutter schlief wohl schon, denn nirgends brannte mehr Licht. Leise schloss ich die Tür hinter mir und legte mich ins Bett. Eine Weile blieb ich noch wach und ließ noch mal den ganzen Unfall vorbeiziehen. „Er hat mich gerettet..... wenn er mir nicht geholfen hätte, wer weiß ob ich dann noch leben würde....“, redete ich leise vor mir hin. Irgendwann schlief ich dann auch ein. Die Wochen vergingen und Bills Zustand verbesserte sich kaum, jedenfalls war er schon mal aus dem Koma erwacht und er konnte auch schon Besuch empfangen. Er hatte den rechten Arm und ein paar Rippen gebrochen, so wie inner Verletzungen. Ich vermied es ihn zu besuchen, ließ mir von den anderen berichten, wie es ihm ging. Ich wollte ihn nicht so sehen, obwohl ich wusste, dass er mich jetzt brauchte, das hatte er auch schon ganz oft Tom gesagt. Ich hatte immer noch das Gefühl, als ob ich an dem Unfall schuld wäre und hatte totale Gewissensbisse. „Bitte!“ Komm einmal mit. Er will dich unbedingt sehen...“, flehte Tom und sah mich bettelnd an. „Aber wie soll ich mich ihm gegenüber verhalten?!“, ich hatte ihm erzählt, was mir Bill vor dem Unfall noch gesagt hatte und wusste nicht, wie ich jetzt darauf reagieren soll, aber eins ist mir bis jetzt klar geworden: ich liebte ihn.... Ich liebte mehr als alles andere auf der Welt und er fehlte mir! Ohne ihn fühlte ich mich leer, er war ein Teil von mir geworden und als der Unfall passiert ist, dachte ich dieser Teil würde in mir sterben..... „Tu als ob nichts wäre, aber bitte komm mit...“ „Na gut...“, ich ließ mich überreden und sofort zerrte mich Tom aus meinen Zimmer ins Auto, das vor der Tür stand. „Du kommst doch mit?“, fragte seine Mutter erstaunt und ich versuchte ein wenig zu lächeln. Verträumt schaute ich aus dem Fenster, was er wohl macht, wenn er mich sieht?! Plötzlich merkte ich wie Tom seine Hand auf meine legte. Ich lächelte ihn ermunternd an. Als wir da waren, gingen wir sofort rein. Wir gingen durch lange Gänge und es roch nach Medizin. Zwischen durch trafen wir Krankenschwestern und Ärzte. Wir blieben vor einer Tür stehen und die Mutter ging zu erst rein. „Ich will kurz mit dem Arzt reden.“, meinte sie und verschwand in dem Zimmer. Tom und ich setzten uns auf zwei Stühle die im Flur standen. Ich wippte vor Nervosität mit den Füßen, „Du brachst nicht nervös zu sein.“, meinte Tom und hielt meine Beine fest. Die Tür ging wieder auf und der Arzt und die Mutter der Zwillinge kamen heraus. „Ihr könnt jetzt rein.“, meinte sie und lächelte uns an. Ich zögerte und blieb noch auf meinem Stuhl sitzen. „Na komm.“, forderte Tom mich auf, nahm meine Hand und zerrte sich hinter sich her. Ich schloss die Tür hinter mir und sah Bill. Mein Herz fing an zu rasen. Er guckte aus dem Fenster und hatte mich noch nicht beachtet. Tom ging zu ihm und setzte sich auf die Bettkante, ich blieb vor der Tür stehen. „Und wie geht’s?“, fragte er seinen Bruder. Bill sah schlimm aus, total blass und er hatte seinen Arm in Gips gelegt bekommen. Jetzt fiel ich ihm auch auf, er fing an zu lächeln, „Nici.....“, sagte er glücklich und setzte sich ein bisschen auf. „Hi“, sagte ich und ging ein paar Schritte auf ihn zu. „Wie geht’s?“, fragte ich schnell, bevor das große Schweigen ausbrach. „Gut.“, meinte er „Danke...“, sagte ich schnell und setzte mich auf einen Stuhl. „Wofür?“ „Na, dass du mich zu Seite geschubst hast, vielleicht wäre ich jetzt ...“, ich sah auf den Boden. Wir redeten noch ein bisschen über dies und das. Plötzlich verzehrte sich der Gesichtsausdruck von Bill. „Was ist?“, fragte ich besorgt und stand auf. „Es geht schon...“, er hielt sich den Bauch und biss auf die Zähne. „Meine Rippen tun manchmal noch weh.....“ „Soll ich einen Arzt holen?“, rief Tom verzweifelt und konnte seinen Bruder so nicht mehr mit ansehen, schnell lief er raus. Ich setzte mich zu ihm und nahm seine Hand, die er mir gleich zu Brei drückte. „Es tut mir Leid!“, fing ich plötzlich an und mir liefen Tränen übers Gesicht. „Das ist alles meine Schuld...“. „Nei....Nein! das ist es nicht. Red....red dir nicht...... so was ein!“, meinte er und sah mich mit schmerzverzehrten Gesicht an. Dann kam ein Arzt und eilte schnell zu Bill, ich stand auf um ihm Platz zu machen. Er spritzte Bill irgendwas und dann entspannte er sich wieder. „So... jetzt geht’s wieder“, meinte der Arzt und lächelte mich aufmunternd an. Schnell setzte ich mich wieder zu ihm und strich ihm durchs Gesicht. „Wein nicht....“, sagte er leise und wischte mir die Tränen weg. Plötzlich kamen auch Tom und seine Mutter zurück, die schon in voller Sorge war. Der Arzt beruhigte sie und meinte dann, dass Bill jetzt Ruhe braucht. „Okay, dann lass uns fahren.“, meinte die Mutter zu mir und ging mit Tom raus. „Warte...“, meinte Bill und versuchte mit der linken Hand an seinen Nachttisch zu kommen. Als ich merkte, dass es ihm nicht gelang die Schublade zu öffnen, kam ich ihm zur Hilfe. „Der Brief ist für dich. Bitte ließ ihn. Na ja, so gut du ihn lesen kannst, mit links kann ich nicht so gut schrieben.“, er lächelte mich an. Ich nahm den Brief aus der Schublade und schloss sie wieder. Ich musste auch lächeln wie süß..., ich gab ihn einen Kuss auf die Wange und ging dann auch.
Als ich zu Hause war, machte ich sofort den Brief von Bill auf und las ihn. Ich war erschrocken, was er mir da schrieb, das konnte er doch nicht ernst meinen. Das darf er mir nicht antun!:
Cathrin,....
Was ich dir hier jetzt schriebe, kommt aus tiefsten Herzen! Bitte nimm den Brief ernst.
Du weißt, das ich dich über alles liebe, ich will nicht mehr von dir getrennt sein. Ich liebe dich! Ich liebe dich mehr als alles andere und will dich nur für mich haben,... ich weiß, das hört sich egoistisch an, aber ich liebe dich.
Die Ärzte haben mir schon gesagt, dass es kaum Chancen für mich gibt, dass die inneren Verletzungen viel zu schlimm sind und nicht schnell genug heilen können. Vielleicht überlebe ich die nächsten Operationen auch nicht, aber das ist okay. Denn ich hab dir gesagt, was ich für dich empfinde. Du warst immer für mich da, hast mir bei allem geholfen. Dafür danke ich dir. Bitte wein nicht um mich, sei lieber fröhlich, so wie wir es früher immer zusammen waren. Auch wenn ich sterben würde, bitte Trauer mir nicht hinter her, vergiss mich einfach und sei glücklich! Bitte.....
Ich werde immer bei dir sein, egal was ist, auch wenn ich nicht mehr lebe werde ich für dich da sein! Das verspreche ich dir, daher wein bitte nicht!
In Liebe
Bill
„Nein......“, ich fing an zu weinen. „Das kann er mir doch nicht antun! Ich brauche ihn. Er darf nicht aufgeben!“, ich sank auf dem Boden und weinte, ließ alles raus. „Er darf nicht sterben!!!!!! Bitte!!!“, schrie ich.
Als ich mich nach einer Stunde wieder beruhigt hatte, rief ich Tom an. „Bitte Tom.... Komm schnell her!“, ich legte auf und ging in den Flur um meine Sachen wegzuräumen. Vor eile hatte ich meine Jacke und meine Schuhe einfach in die Ecke geschmissen. Ich räumte sie an ihren Platz und ging zurück ins Wohnzimmer um auf Tom zu warten. Bestimmt sehe ich grade voll schlimm aus...., dachte ich mir und band mir meine Haare zurück und wischte mir durchs Gesicht. „Es ist alles meine Schuld...“, flüsterte ich leise vor mich hin. Endlich klingelte es und ich rann wieder in den Flur und öffnete Tom die Tür. „Was ist denn?!“, fragte er völlig außer Atem. „Bill.....“, konnte ich nur sagen und brach wieder zusammen. Tom half mir hoch und wir gingen in mein Zimmer, dort erzählte ich ihm, was mir Bill in seinem Brief geschrieben hat. „Das kann er mir doch nicht antun...“, fing ich wieder an und guckte Tom verzweifelt an. „Nein, ich glaube nicht, dass er stirbt. Das lasse ich nicht zu. Und ich glaube, dafür liebt er dich auch viel zu sehr, als das er dich alleine lassen würde.“, munterte er mich auf und strich mir beruhigend über den Rücken. „Aber wieso schriebt er mir dann so was?“ ich war immer noch total verzweifelt und wusste nicht was ich machen sollte, das wurde mir alles zu viel. „Wollen wir noch mal mit ihm reden?“, fragte Tom. Ich sah ihn erstaunt an, „Aber der Arzt meinte doch er bracht Ruhe...“. „Na und?“, er lächelte und stand dann auf, „Komm!“, meinte er und nahm meine Hand. „Jetzt noch? Es ist doch schon dunkel draußen...“ „Ist doch egal, die Busse fahren immer noch.“ Er zog mich runter in den Flur und gab mir meine Jacke. „Lass uns zu ihm fahren! Er freut sich bestimmt.“ Ich ließ mich von Tom überreden und dann fuhren wir zusammen zum Krankenhaus.
Leise schlichen wir den langen Flur entlang und versuchten dem Nachtpersonal des Krankenhauses nicht über den Weg zu laufen. Plötzlich blieb Tom stehen und lauschte. „Was ist?, flüsterte ich und sah nach hinten. Er ergriff meinen Arm und zerrte mich schnell zu einer kleinen Abstellkammer. Jetzt hörte ich auch die Stimmen. Ich wurde in die Kammer geschubst und Tom kam hinter her. Er schloss die Tür und drückte sich an mich. Der Raum war ziemlich eng, wir hatten grade mal genug Platz zu zweit. Wir lauschten den Schritten, sie kamen den Flur entlang, wo wir grade noch waren. Ich hielt den Atem an, weil ich dachte, die Leute könnten es hören. „Entspann dich!“, meinte Tom lächelnd. „Tut mir leid, aber ich mach so was nicht jeden Tag.“, sagte ich sarkastisch. Er schaute mich weiter hin an. „Sind sie weg?“, fragte ich leise. Tom machte die Tür ein wenig auf und schaute raus. „Ja.“ Wir schlichen weiter den Flur entlang und bogen dann ab in einen weitern. Endlich waren wir vor Bills Zimmer angekommen, leise machte ich die Tür auf, drinnen war alles dunkel. Tom und ich schlüpften hinein und schlossen die Tür wieder hinter uns. „Bill?!“, fragte ich leise und ging in die Richtung, in der ich sein Bett vermutete. Ohne zu zögern drückte Tom auf den Lichtschalter. Ich blinzelte, als das grelle Licht anging. „Bill?!“, fragte ich wieder und sah ihn vor mir im Bett liegen. Verschlafen guckte er mich an. „Was macht ihr denn hier?“, fragte er mit erschöpfter Stimme. „Was schreibst du eigentlich für Scheiße!“, machte Tom ihn an und ging ein paar Schritte auf Bill zu. „Hey....“, versuchte ich Tom zu beruhigen. „Du wirst nicht sterben!“, wurde der jetzt etwas lauter. „Sei leise!“, zischte ich ihn an und sofort verstummt er. Dann wandte ich mich Bill zu und setzte mich an sein Bett. „Wieso schreibst du so was?“, fragte ich ihn. „Weil es stimmt.“, entgegnete er und schaute zum Fenster heraus. „Aber.... nein, du wirst nicht sterben!“, sagte ich und wurde leicht wütend, weil Bill sich stur stellte. „Jetzt versink hier mal nicht in Selbstmitleid!“, mischte Tom sich wieder ein. „Aber die Ärzte haben es mir doch gesagt.....“, sagte Bill und sah mich wieder mit seinen braunen Augen an. Jetzt konnte ich nicht mehr auf ihn wütend sein, er tat mir leid. Bill wusste nicht, was mit ich passieren würde, hoffte nur auf sein Schicksal. Mir liefen Tränen über die Wangen. „Das kannst du mir aber nicht antun! Was soll ich denn machen, wenn du nicht mehr da bist?“ „Ich hab doch gesagt, du sollst nicht weinen... bitte....“, flehte Bill mich an und zog mich zu sich mit seiner heilen Hand. „Ich liebe dich!“, rutschte es mir plötzlich raus. „Ich dich doch auch und deswegen, will ich dich nicht weinen sehen! Bitte hör auf!“, schnell wischte ich mir die Tränen weg und versuchte zu lächeln. „Bitte versprich mir nicht zu sterben!“, sagte ich und sah ihn erwartungsvoll an. Ich wusste, dass das ein dummes Versprechen war, aber ich wollte es von ihm hören, damit ich erleichterter war. Er lächelte, „Ja ich verspreche es dir!“. Ich gab ihm, einen Kuss. „Ich glaube wir sollten jetzt gehen.“, meldete Tom sich wieder und gab Bill einen freundschaftlichen Schubser. „Machs gut.“, wir verabschiedeten uns von ihm und schlichen uns leise wieder raus. Den ganzen Weg durchs Krankenhaus, musste ich an Bills Brief und sein Versprechen denken. „Alles ok?“, fragte mich Tom besorgt und wir setzten uns in den Bus, der grade kam. „Ich glaube Bill nicht.“, meinte ich und schaute Tom an. „Wie meinst du das?“ „Naja... das mit dem Versprechen.... ich kann ihn so nicht länger mit ansehen.“, wieder fing ich an zu weinen. „Man o man, ich bin zu einer richtigen Heulsuse geworden.....“, sagte ich und musste lachen. „Ach quatsch, ist schon in Ordnung.“, Tom nahm mich in den Arm.
.....
Ich hasse dich....
..du weckst die Einsamkeit in mir!
...du machst mich gebrechlich und verletzlich
....wegen dir habe ich schlaflose Nächte
......und weiß nicht, was ich machen soll
ich liebe dich!
Claudia
...
Ich schrieb einen Zettel und steckte ihn in einen Umschlag. Darauf schrieb ich: gib den bitte Bill! Tom sollte den Brief Bill geben, denn ich würde das nicht mehr können. Ich wollte weg. Ich wusste einfach nicht mehr, was ich machen sollte, das alles wurde zu viel für mich. Ich liebe Bill, aber ich kann ihn so nicht mehr sehen, vielleicht werde ich ihn nie wieder sehen, aber so ist es besser als ihm beim Sterben zuzusehen.... ich nahm meinen fertig gepackten Rucksack und schlich mich leise nach unten, draußen war es schon dunkel und ich lief durch die Nacht. Vorher hatte ich mir noch ein bisschen Geld von meiner Tante geholt und mir was zu Essen mitgenommen. Zuerst wollte ich den Brief zu Tom bringen und dann weg, keine Ahnung wohin, aber einfach nur weg. Ich hörte schon den Hund von den Zwillingen bellen, schnell steckte ich den Umschlag in den Briefkasten und beeilte mich weg zu kommen, nicht das Tom noch was merkte. Ich rannte zum Bahnhof und schaute auf die Anzeigetafel. Wo soll ich denn hin?! Überlegte ich und schaute mir die Städte an, die dort aufgelistet waren. Vielleicht mal nach Österreich, in meine alte Heimatstadt... ich beschloss zu meiner alten Stadt Ybbs zu fahren und mich dort ein bisschen umzuschauen, was sich alles verändert hat, vielleicht lenkte mich das ja mal ab. Ich ging auf den Bahnsteig und wartete auf den nächsten Zug. Neben mir auf der Bank saßen auch zwei Mädchen und unterhielten sich über irgendwelche Jungs, die sie wohl toll fanden. „Hey....“, hörte ich das eine Mädel neben mir sagen ich drehte mich zu ihr um und sah sie fragend an. „Magst du auch Tokio Hotel? Denn deine Hose sieht genau so aus wie die von Bill im Videoclip.“, sie deute auf meine Hose. Jetzt erst fiel mir auf, dass ich die Hose von Bill angezogen hatte, ich hatte einfach in den Schrank gegriffen und irgendwas zum Anziehen rausgenommen und gar nicht drauf geachtet, was es war. „Naja, die Musik ist ganz gut.“, sagte ich schnell und wollte mich wieder weg drehen. „Aber die Jungs sind doch auch der Hammer oder?!“, meinte jetzt das andere Mädchen. „Ich bin Lisa und das ist Sarah, wir wollen nach Hause. Eigentlich hatte wir ja vor die Jungs in ihrem Ort zu besuchen, doch wir hatten irgendwie das Haus von denen nicht gefunden.“, sagte Lisa und lächelte mich an. „Ich bin Claudia.“ Meinte ich kurz, da ich nicht unhöflich sein wollte, unterhielt ich mich mit den beiden etwas. Bis auf, dass sie die ganze Zeit von den Jungs schwärmten, waren sie ganz nett. Sie wollten auch nach Österreich, genau wie ich, also beschlossen wir zusammen zu fahren.
Ich irrte eine paar Tage in meiner alten Heimatstadt rum und besuchte noch ein oder zwei Freunde wo ich übernachten konnte. Die ganze Zeit musste ich an Bill denken, vielleicht lebte er ja gar nicht mehr, aber immer wieder redete ich mir ein, dass es ihm gut ginge. Ich war wieder auf dem Bahnhof wo ich damals mit den deinen Mädchen ausgestiegen bin. Ich wollte wieder nach Magdeburg fahren. Bestimmt bekam ich von meiner Tante mächtig Ärger, aber das war mir egal, es hat mir gut getan ein paar Tage von den Jungs weg zu sein. Der Zug kam und ich stieg ein. Was wohl Tom sagt, wenn ich wieder da bin?! Nach einer Stunde Fahrt und ein paar Mal umsteigen, war ich wieder zu Hause. Ich ging instinktiv zu den Zwillingen nach Hause, weiß auch nicht warum, war aber so. Ich stand nun vor der Tür und überlegte, ob ich wirklich klingeln sollte. Ich hatte Angst vor dem, was sich jetzt vielleicht geändert hat. Ich hoffte Bill geht es gut, ich vermisste ihn total. Plötzlich ging die Tür auf und ich wurde aus meinen Gedanken gerissen. „Was machst du denn hier? Wo warst du so lange?“, hörte ich Gustav fragen, der grade mit Georg wieder gehen wollte. Ich sah sie erstaunt an und wusste nicht, was ich sagen sollte. „Claudia...“, meinte Tom erstaunt und kam jetzt auch aus der Tür. Die drei ließen mich rein und ich hatte schon so ein ungutes Gefühl, weil sie nur zu dritt waren. Ich schaute mich im Flur um, alles wie sonst auch immer. Ich sah Bills Jacke am Haken hängen und starrte sie an. „Er ist wieder da...“, sagte Tom und lächelte mich an. „Wo ist er denn?“, fragte ich schnell. „Oben...“. Ich lief nach oben in sein Zimmer. Er saß auf seinem Sofa mit einem Ordner in der Hand. Er starrte mich an. Ich lächelte und ging auf ihn zu. „Wo warst du?“, fragte er und stand auf. Ich wollte ihn umarmen, doch er schob mich weg. „Was ist?“, fragte ich irritiert. „Wo warst du?“, wiederholte er seine Frage, „Wir haben uns Sorgen gemacht... ich habe mir Sorgen gemacht...“, meinte er und sah mich traurig an. „Tut mir Leid...“, stammelte ich und sah auf den Boden. Wie soll ich es ihm erklären??? Ich setzte mich und fing an ihm alles zu erzählen. „...Ich hatte es nicht mehr ausgehalten, ich dachte die ganze Zeit, ich wäre an dem Unfall schuld...“, meinte ich und sah ihn an. „Das warst du nicht!“, beruhigte er mich und umarmte mich endlich. „Bitte mach so was nie, nie wieder.“ Er ließ mich los und sah mir fest in die Augen, ich nickte. „Ich liebe dich...“
ENDE

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Claudiia |