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Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 569 Nachricht senden | Erstellt am 11.04.2007 - 21:29 |  |
Mein bester Freund
Seit wir zusammen eingeschult wurden, waren wir zwei unzertrennlich. Es verging fast kein Tag, an dem wir uns nicht sahen… Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, als wir am Tag unserer Einschulung zwischen all unseren zukünftigen Klassenkameraden auf der Treppe standen und uns anhimmelten.
Vom ersten Schultag an war Stephan so etwas wie mein Ritter und ich seine Prinzessin. Er beschützte mich vor allem und jedem und ich war seine engste Vertraute, mit der er Freud und Leid teilte. Wir trafen uns auf dem Weg zur Schule und betraten fast immer gemeinsam den Schulhof und wenn mal einer von uns beiden krank war, fühlte der andere sich einsam und verloren… einfach irgendwie unvollständig.
Ungefähr ab der vierten Klasse konnte es schon mal vorkommen, dass ganz verstohlene Blicke zwischen uns hin und her flatterten. Wir genossen dieses Gefühl, und doch maß keiner von uns diesem mehr Bedeutung zu. Wir standen uns einfach nur sehr nahe und obwohl eigentlich immer einer von uns beiden so ein kleines bisschen in den anderen verliebt war und wir recht eifersüchtig einander bewachten, begnügten wir uns mit einer innigen und tiefen Freundschaft.
Ich weiß nicht, ob genau diese Freundschaft und die Nähe zu mir daran schuld waren, dass er mit 16 Jahren immer noch kein Mädchen gefunden hatte, mit der er lieber seine Freizeit verbracht hätte, als mit mir. Ich selbst hatte keinerlei Hemmungen, ihm alle paar Wochen von einem anderen Jungen vorzuschwärmen…
Niemals wurde ihm das lästig, auch wenn ich noch so oft betonte, dass er es mir sagen soll, wenn ich ihn nervte… Eigentlich war er in dieser Zeit eher für mich da, als ich für ihn. Das sollte sich ändern… nämlich als eines Tages eine neue Schülerin vor der Klasse stand. Denn von dem Tag an hatte mein Prinz eine neue Prinzessin.
Sie hieß Lisa und sie war tatsächlich nicht nur hübsch… nein. Sie war schön. Ihr schmales Gesicht mit den riesigen kornblumenblauen Augen wurde umrahmt von langen hellblonden, seidenweichen Locken. Sie hatte einen süßen Schmollmund, eine zartes Näschen und eine elfengleiche Figur.
Sie schlug im Leben meines besten Freundes ein wie eine Bombe.
Logischerweise nicht nur in seinem Leben, denn es gab wohl keinen Jungen, der sich nicht in sie verliebt hätte. Doch keiner hatte sich so unsterblich in sie verliebt, wie mein Stephan…
Er litt. Und wie er litt! Allein aus dem Grund hasste ich sie. Was er auch anstellte, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen… sie beachtete ihn überhaupt nicht. Immer war sie umgeben von ihren Freunden und Freundinnen, die sie natürlich in Null Komma Nichts gefunden hatte. Ihr Hausaufgabenheft sah eher aus wie ein Terminkalender, denn Hausaufgaben trug sie so gut wie nie ein… wohl aber ihre Verabredungen.
Alles, was sie anfasste, wurde ein voller Erfolg, ob das nun ihre Leistungen waren, die sie in der Schule glänzen ließen oder ob sie tanzte und sang, was sie zum Star auf jeder Party machte.
Mit gut versteckter mieser Laune beobachtete ich die Veränderungen, die Stephan mit sich vornahm. Auf einmal ging er sogar regelmäßig zum Friseur, obwohl ich ihn immer sehr süß fand mit seinen immer leicht verstrubbelt aussehenden etwas zu langen blonden Haaren.
Wir beide, Stephan und ich, waren auch in der Zeit fast immer im Doppelpack anzutreffen, in der er so wahnsinnig verliebt in Lisa war und ich war mir sicher, dass er sich mit mir zusammen einfach wohler auf einer Party fühlte. In mir stieg die Befürchtung auf, dass gerade das der Grund war, warum er einfach kein Mädchen fand, welches sich für ihn begeisterte.
Ich beobachtete mit Argusaugen seine Versuche, Lisas Aufmerksamkeit zu erringen und mir entging auch nicht, dass sie irgendwann begann, seine Blicke zu erwidern. Er bemerkte das auch und nun war es an ihm, mir etwas vorzuschwärmen. Unsere abendlichen Gespräche drehten sich nur noch um Lisa und seine Begeisterung kannte keine Grenzen.
Die Eifersucht begann an mir zu nagen. Ich fand es auf einmal furchtbar schrecklich, dass er nur noch Augen für Lisa hatte… ICH wollte seine Prinzessin sein! WOW! War ich etwa verliebt in meinen besten Freund?
Eines Abends lümmelten wir wieder einmal nebeneinander auf dem Sofa im Wohnzimmer seiner Eltern und sahen uns ein Video an. Ich lehnte an seiner Brust und er hatte locker seinen Arm um mich gelegt. Es war schön, ihm so nahe zu sein. Ich atmete seinen vertrauten Geruch ein, spürte seine Körperwärme und seinen ruhigen und gleichmäßigen Herzschlag.
Zugegeben, ich machte mir keine Gedanken um Stephans Seelenheil, als ich mich irgendwann zu ihm umdrehte und ihn einfach küsste. Ich musste wissen, ob da wirklich mehr zwischen uns ist oder ob ich nur nicht wollte, dass eine andere ihn bekam und mich verdrängte.
Ich hatte nicht mit der Leidenschaft gerechnet, die durch diesen Kuss in mir ausgelöst wurde. Er schien auch nicht abgeneigt, reagierte recht heftig auf mich. Und doch… ich spürte auch, wie irritiert Stephan durch diesen Kuss war und plötzlich war ich schockiert über mein Verhalten. Ich wusste auf einmal, dass er bis zu diesem Moment wirklich nichts anderes in mir sah, als seine beste Freundin und ich wollte nicht, dass sich daran etwas ändert, wollte unsere tiefe Freundschaft nicht für eine Liebesbeziehung eintauschen.
Schnell trat ich also den Rückzug an, faselte etwas davon, dass der Kuss ein Fehler war und dass ich auch nicht weiß, warum ich das tat. Er nahm meine Entschuldigung nicht weniger irritiert an, als meinen Kuss, hinderte mich daran, einfach aufzuspringen und legte schlussendlich wieder seinen Arm um mich, um mich an sich zu drücken. Wortlos schauten wir dann zum Fernseher. Ich kämpfte mit meinen Tränen… nie im Leben würde er erfahren, wie sehr mir dieser Kuss gefallen hat!
Ich war wild entschlossen, nie wieder unsere innige Freundschaft zu gefährden und doch… Nach Lisa folgten weitere Mädchen und ich hatte bei jedem einzelnen arg zu tun, um nicht vor Eifersucht zu platzen…
Aber wer weiß schon, wozu dieser Verzicht gut war…
Signatur Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...
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