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Savertin ...
Der Burgvogt (coAdmin)
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...   Erstellt am 02.05.2005 - 19:10Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ja, so ist der Mai! Walter von der Vodelweide hats erkannt:
Mayenzeit

Mayenzeit one neidt freuden geit wider streit,
sein Wiederkummen kann uns allen helffen.
Uff dem Plan one wan sicht man stan wolgethan
lichte präune plümlein bei den gelffen.
Durch das Gras sind sie schon uffgedrungen.
Und der wald manigfalt ungezahlt ist erschalt.
Daß er ward mit dem nie bas gesungen.

Ich son niet nach ihr sieht hätt ich Fried, des ich biet
ob mir jemand komm daran zu trosten.
Ich bin verzeiht meine Leid unvereit sind so breit
ich nehm noch wer mich davon erloste.
Liebesblicken kann ich schicken wilde
es ist mein Klag alle Tag und Gedag als ein Zag
Liebesblick lass mich bei Blickes Bilde.

Große Not mir entbot der mir droht auf den Tod;
das ist Hildebolt von Berenreute.
Irenfried und der Schmied werden Glied an eim Wied,
daß sie mit Gemache lan die Leute!
Berwin den mag niemand überhauzen.
Amelot, Berenbolt han vergolt daß man sollt
über mich gegeben hat zu Praußen.

Ich kam dar one var und gewahr zu ihr Schar;
ich sah was die Gatelinge täten.
Irenger und ihr mer gingen zwer hin und her
mit ihr Kapelklingen, sam sie maeten.
Do sprach ich: 'Nu wollt ich eines wetten,
das ihr gedroht und ihr geschnod würde blod wie ihr freud
niemand kund mit heres Kraft enfetten.'

Hildemar mit dem Haar, der kam dar.
Ich nahm wahr wie er mit der Schonen wollte schimpfen.
Hoch er sprang an ihr dank uff ein bank, die wars krank.
Das sollte sie ihm preisen für ihr glimpfen
das ihr beder Lieb sich muste schutten.
Mir was ant, do ich empfand daß ihr Gewand sich entbannt
und ihr kluges schapel must entrutten.

Ich klag euch her, diese mär. Seht ihr her, wartet wer!
Wie sollt sie zu diesem Ding gebaren?
Ihr nehmt sie gaum one Saum an eim Zaum in eim Baum.
Um den Schaden da sollt er bejaren.
Wollte er unter schönen Kinden walgen
Hin und her, als ein zwer, als auch er hät die Ger,
besser wär, er hing an einem Galgen.

Ich was vert nach gewert, dass ein Schwert ihm verehrt'
ein halbes Knie seiner zehn Genossen:
Enzeman lief ihn an; kaum entran er vondan.
Er het nimmer mehr kein Meidt gestoßen.
Würd ich noch zu Reuental gerochen,
ich hät Heil, Freuden teil, und wär geil, ob ein Seil
ihm hät alle Viere abgebrochen.





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(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf)

WHISPER ...
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...   Erstellt am 02.05.2005 - 20:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Guter Freund Savertin : wäre es möglich, dass Ihr in dieser Maiennacht dem guten Weine etwas heftig zugesprochen.....Eure Zeilen sind sooo erbaulich
also : Zum Segen allezeit !!!
WHISPER





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Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier...

Savertin ...
Der Burgvogt (coAdmin)
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...   Erstellt am 02.05.2005 - 22:53Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nein, führwahr, das habe ich nicht. Allenfalls etwas dem Gerstensafte, doch wie gesagt, vielleicht tat der gute Walter dies...





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Savertin ...
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...   Erstellt am 03.05.2005 - 21:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nun habe ich doch tatsächlich dem Walter was zugeschrieben, was der gar nicht verfaßt hat. Tststs. Wenigstens habe ich es noch erkannt. Selbstredend hat wohl eher der ehrenwerte Neidhart von Reuenthal dieses Lied verfaßt. Entschuldigt bitte.





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...   Erstellt am 03.05.2005 - 21:43Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hier im die Übersetzung in unser heutiges Deutsch:
Maienzeit, Freudenzeit, Fröhlichkeit weit und breit,
Ihre Rückkehr kann uns Hoffnung geben.
Auf dem Feld, wohlbestellt, wächst die Welt, wie's gefällt,
Bunte Blumen, die zur Sonne streben.
Manche Knospe ist schon aufgesprungen,
Selbst im Wald ist's nicht kalt, wenn's schon bald laut erschallt,
Wilder wird doch selten nur gesungen.

Große Not, denn mir droht ein Idiot mit dem Tod,
Das ist Hildebold von Berenreute.
Irenfried und der Schmied, jeder flieht, der sie sieht,
Nur zum Spaß verfolgen sie die Leute.
Ber'win ist der Schlimmste von der Bande.
Amelolt, Berenbolt, hab'n gewollt, dass man Gold
Für meinen Kopf bezahlt im Preußenlande.

Als ich sah: Sie sind da, ging ich Narr zu der Schar.
Ich wollte wissen, was die Schnösel machen.
Irenbeer protzte schwer, schwang den Speer hin und her.
Die ander'n taten mit, es war zum Lachen.
Da rief ich: "Nun wollt' ich eines wetten:
Ihr gebt an, schmeißt euch ran, spielt den Mann, aber dann
Beim echten Kampf, da flieht ihr in die Betten."

Da kam der behaarte Hildemar dazu.
Ich sah, wie er mit der Schönen zu scherzen begann.
Ohne sie zu fragen, sprang er neben sie auf die morsche Bank.
Sie sollte es noch als großen Spaß loben, als die Bank einstürzte
Und sie übereinander fielen. Mir wurde ganz anders,
Als ich sah, wie ihr Kleid sich löste und ihr feines Kränzlein verrutschte.

Bitte sehr, lieber Herr! Seht doch her! Was noch mehr?
Herr, ich klage euch diese Geschichte! Schaut hin! Greift ein!
Sie konnte sich kaum wehren.
Holt ihn weg gleich vom Fleck, in den Dreck mit dem Geck!
An die Kandare, in den Kerker mit ihm! Da soll er ein Jahr lang büßen!
Er will sich mit schönen Mädchen balgen!
Pah! Unter Weibern will er sich wälzen
Hin und her und in die Quer, als ob's gar nichts wär'!
Pfui! Der hinge besser gleich am Galgen!

Unlängst wurde mein Wunsch fast erfüllt,
Als das Schwert eines Gesellen ihm das halbe Knie abschlug.
Enzemann griff ihn an, mit knapper Not konnte er entkommen.
Sonst hätte er wohl nie wieder ein Weib gestoßen!
Würde ich doch einmal gerächt im Reuental!
Ich wäre glücklich, ich würde mich freuen, ich wäre begeistert,
Wenn ein Seil ihm alle viere abbrechen würde!





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Savertin ...
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...   Erstellt am 10.05.2005 - 14:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Gerade die letzte übersetzte Strophe sollte dem ein oder anderen zu denken geben...





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Savertin ...
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...   Erstellt am 15.09.2005 - 19:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hier nochmal Infos zu Neidhart und eine andere Übersetzung des gleichen Liedes:

NEIDHART VON REUENTAL

Neidhart von Reuental hat die Kunst des Minnesangs revolutioniert. Die Forschung sieht Neidharts Lebensdaten etwa zwischen 1180 und 1240. Gegen 1210 ist er erstmals literarisch nachzuweisen. Er war an bayrischen und österreichischen Höfen aktiv. Wenn man seinen Liedern glauben darf, musste er noch stärker als Walther ums Überleben kämpfen, erlitt Verfolgung und gesellschaftlichen Niedergang. Völlig unklar ist, ob es überhaupt ein Geschlecht von Reuental gibt oder ob dieser Begriff von ihm nur allegorisch verwandt wurde. Musikalisch gesehen, ist er die ergiebigste Quelle. Unter seinem Namen sind nämlich in mehreren Handschriften 56 Lieder mit Notation überliefert, mehr als von jedem anderen deutschsprachigen Minnesänger. Allerdings hält die Wissenschaft inzwischen davon nur noch gut 20 für "echte" Neidharts, bei den anderen spricht man von "Pseudo-Neidharts". Doch diese Trennung ist nicht unumstritten, da alle Lieder ohnehin erst nach jahrelanger mündlicher Überlieferung aufgeschrieben wurde - in voneinander mehr oder weniger stark abweichenden Versionen von Text und Musik. Fest steht: Seine Musik, seine Poesie und seine Themen waren nämlich über mehr als 200 Jahre ungeheuer populär, so dass man vermutet, dass in seinem Stil und in seinem Namen weitergedichtet und musiziert wurde.

Neidhart geht auf sehr originelle Weise mit der Minnesang-Tradition um. Er benutzt die typischen, oft hochkomplexten Formen des Minnesangs, um die Lieder nach einer oder zwei hehren Eingangsstrophen im Stil der alten Meister plötzlich mit handfesten und derben Sujets fortzuführen. Rangeleien auf dem Tanzplatz, die Unverschämtheit der Bauernburschen, die Bosheit und Gemeinheit der gar nicht so edlen Damen sowie die Ungerechtigkeit der Umwelt gegenüber dem Sänger - das sind die Themen, die immer wieder variiert werden, wobei bestimmte Namen und Vorkommnisse immer wieder auftauchen: der tumbe Irenbeer mit seinem Speer, der eitle gelockte Hildemar mit seiner Haube, die holde Friedrun, der vom dreisten Engelmar den Spiegel gestohlen wird - im Gegensatz zur statischen Szenerie der meisten Minnelieder herrscht bei Neidhart immer Bewegung und "Action". In den Liedern spiegelt sich aber auch der Niedergang des Rittertums, der mit einem Aufstieg der Bauernschaft einhergeht: Nur zu oft zieht der edle Sänger gegenüber den rohen Burschen den Kürzeren, auch wenn ihn die Damen lieben. Hier eins der bekanntesten Lieder, die unter Neidharts Namen überliefert sind, die "Maienzeit": Nach dem obligatorischen Natur-Eingang in der ersten Strophe folgt eine drastische Schilderung prallen mittelalterlichen Lebens. Auch musikalisch herrscht ein volkstümlicher Ton vor.



MAIENZEIT


Mayen zeit
one neidt.
freuden geit.
wider streit.
sein widerkumen kan vns allen helffen.
uff dem plan.
one wan.
sicht man stan.
wolgethan
lichte praune plumlein bey den gelffen
durch das gras sind sie schon gedrungen.
und der walt
manigualt.
vngeczalt.
ist der schalt.
das er ward mit dem nie pas gesungen.

Ich sung nit
nach irem sitt.
hett ich frid.
des ich bitt.
ob mir yemant kome daran zu trost.
Ich pin verczaidt
meine laidt.
unueriaigt.
sind noch brait
ich nem es noch wer mich dauon erlost.
liebes plick kan mich schiken wilde.
es ist mein clag.
alle tag.
vnd gebag.
als ein zag.
liebes plick las mich bej blickes bilde

Grosse not
mir empot.
der mit drot.
auf den tod.
das ist hildebolt von bernreute
Irrenfrid.
vnd der smid.
werden glid.
an eim wid.
das sie mit gemach lan die leute
Berwin den mag nyemant vberhausen.
Amelolt
Berinbolt
handt verdolt
das man soldt.
vber mich geben hat zu prewssen.

Ich kam dar
ane far.
ungewar.
zu Irer schar.
Ich sahe was die gattellinge thetten.
Irrenper.
vnd Ir mer.
giengen encwer.
hin und her.
mit iren kappelklingen. sam si moten.
do sprach ich na wolt ich eines wethen.
Das ir gedrod.
vnd ir geschnod.
wurd plode.
wie ir freud.
nyemant kunt mit heres krafft empfhetten


Maienzeit,
Freudenzeit,
Fröhlichkeit
weit und breit,
Ihre Rückkehr kann uns Hoffnung geben.
Auf dem Feld,
wohlbestellt,
wächst die Welt,
wie's gefällt,
Bunte Blumen, die zur Sonne streben.
Manche Knospe ist schon aufgesprungen,
Selbst im Wald
ist's nicht kalt,
wenn's schon bald
laut erschallt,
Wilder wird doch selten nur gesungen.

Aber ich
schreibe nicht
mein Gedicht
übers Licht,
Dieser Mai kann mir nicht Frieden bringen.
Diese Zeit
ist voll Leid,
fühle Neid,
suche Streit,
Will jetzt keine Frühlingslieder singen.
Werden wir die Liebe wieder sehen?
Ich verzage
alle Tage,
wenn ich klage
und euch sage,
Selbst die schönste Blüte muss vergehen.

Große Not,
denn mir droht
ein Idiot
mit dem Tod,
Das ist Hildebold von Berenreute.
Irenfried
und der Schmied,
jeder flieht,
der sie sieht,
Nur zum Spaß verfolgen sie die Leute.
Ber'win ist der Schlimmste von der Bande.
Amelolt,
Berenbolt,
hab'n gewollt,
dass man Gold
Für meinen Kopf bezahlt im Preußenlande.

Als ich sah:
Sie sind da,
ging ich Narr
zu der Schar.
Ich wollte wissen, was die Schnösel machen.
Irenbeer
protzte schwer,
schwang den Speer
hin und her.
Die ander'n taten mit, es war zum Lachen.
Da rief ich: "Nun wollt' ich eines wetten:
Ihr gebt an,
schmeißt euch ran,
spielt den Mann,
aber dann
Beim echten Kampf, da flieht ihr in die Betten."

(Hochdeutsche Nachdichtung: Lothar Jahn)





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witchi ...
Der Burgherr (Admin) freier Ritter
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einfach ein wunderschönes lied





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Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen.

whisper ...
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...   Erstellt am 16.09.2005 - 09:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


In der Tat, Savertin, ein herrlicher "Fund". Gibt`s von dem guten Neidhart noch mehr , was man hier posten könnte ?





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Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier...

Savertin ...
Der Burgvogt (coAdmin)
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...   Erstellt am 17.09.2005 - 08:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Na klar, der hat eine Menge geschrieben, der Ösi!
Hier im übrigen noch ein Bild von Neidhart in der Mitte seiner Groupies und Fans:





Der maide muoter


1. Kinder ir habt einen winter an der handt
daß die kleinen vogelein
gesanges muoß verdrießen
darumb faltet euer feyertäglich gewandt
legt es schoen in einen schrein
und haißet euchs versließen
und behalt es schoen unz in den mayen
niemant kan die pluomen für gehayen
jârlang trauren alle stolze layen

Kinder, ein solcher Winter steht vor der Tür,
daß die kleinen Vöglein
keine Lust auf Gesang haben.
Darum faltet euer Feiertagsgewand zusammen,
legt es ordentlich in den Schrank
und verschließt diesen gut
und hebt es gut auf bis zum nächsten Mai.
Niemand kann die Blumen länger pflegen,
zu dieser Jahreszeit trauren alle hochgemuten Laien.


2. Wer sich auß der mâßen nach den pluomen senet
sprach ein wolgethane maidt
der hat nicht sinne
wes die man die frauen lang zeit hand gewenet
da ist mir wunder von gesait
das da heißet minne
des will ich mich heuer unterwinden
man sol mich in hôhen freuden finden
dasselb rat ich auch allen stolzen kinden

„Wer sich übertrieben nach den Blumen sehnt",
sprach ein hübsches Mädchen,
„der hat seine Sinne nicht beisammen.
Was Männer den Frauen seit langer Zeit angewöhnt haben,
dieses Wunder wurde mir erzählt,
das nennt man die Liebe.
Dieser will ich mich heuer unterziehen,
man soll mich in 'hohen' Freuden vorfinden.
Das selbe rate ich allen hochgemuten Mädchen."


3. Dieselbig rede ward der maide muoter laid
sie sprach tochter alle man
soltu vermeiden
was ob dir ein tummer von der minne sait
der nicht wol zuo der minne kan
der will dich verschneiden
wie er deine freund an dir beswære
zuo allen zeiten ist er dir gevære
müeterlein ja muet mich euer mære

Dieses Gerede gefiel des Mädchens Mutter nicht
Sie sprach: „ Tochter, alle Männer
sollst du dir fern halten!
Was, wenn dir ein Dummkopf die Liebe erklärt,
der selbst keine Ahnung von der Liebe hat?
Der will dich reinlegen!
Genauso wird er deinen Verwandten Sorgen bringen,
weil er ständig dir hinterlistig nachstellt."
„Mütterlein, mich ärgern deine Schauermärchen!"


4. Tochter ergêt es dir als es mir ergieng
dô ich was in deiner hait
und ein lutzel thummer
ein vil stolzer ritter kund mein gefieng
der pracht mich in arbait
und in senden kummer
sô zuhant muost mir dâ freud entweichen
alsô ergêt es dir und Amelreichen
muoter auf die mann will ich mich streichen

„Tochter, euch wird es so wie mir ergehen,
als ich in deinem Alter war
und um einiges noch dümmer.
Ein prächtiger Ritter hat mich 'gefesselt',
der brachte mir Not
und Liebeskummer.
So mußte ich meine Freude verlieren,
gesauso geht es dir und Amelreich."
„Mutter, nach Männer möchte ich mich umsehen.


5. Der ritter und der knaben der hân ich wol die wal
der will ich mir einen welen
der mir nicht enpfliehe
meine sinn die râtend mir gein Ruobental
man soll mir den schaden zelen
ob ich misseziehe
Nûn far hin gein Ruobental vil schnelle
dâ magstu des hungers wol geswellen
ja, daß tausent teufel auß dir pellen

Ritter und Junker hab ich zur Auswahl.
daraus wähle ich mir einen,
der mir nicht entflieht.
Meine Sinne weisen mich ins Reuental.
Man soll mir nur den Schaden beweisen,
ob ich dabei schlecht entscheide."
„Dann verschwinde sofort ins Reuental,
da wirst du so an Hunger verschmachten,
ja, daß tausend Teufel aus dir bellen."


6.Solt ich darumb lâßen meinen hôhen muot
daß ir mir von den mannen sagt
sô vil poeser mære
sô wurd ich an keinen freuden nimmer fruot
wolt ich dorumb sein verzagt
wie thumme ich denn wære
davon lâßt ir fürpaß euer schelten
ich will sein an freuden nicht engelten
muoter der euern lêre der volg ich selten

„Sollte ich deshalb auf meinen Spaß verzichten,
weil ihr mir von den Männern
so schlimme Schauermärchen erzählt,
so würde ich niemals mehr Freude erleben.
Erschreckte mich schon das,
wäre ich ziemlich dumm.
Jetzt laßt doch euer Schimpfen sein!
Ich werde mir die Lebensfreude nicht nehmen,
Mutter, eurer Lehre folge ich niemals."


T&M: Neidhart von "Reuental" (1. Hälfte 13. Jh.)

[Dieser Beitrag wurde am 17.09.2005 - 09:01 von Savertin aktualisiert]





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