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| Ersteller | Thema » Beitrag als Abo bestellen |  | Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4934 Nachricht senden | Erstellt am 02.05.2005 - 19:10 |  |
Ja, so ist der Mai! Walter von der Vodelweide hats erkannt: Mayenzeit
Mayenzeit one neidt freuden geit wider streit, sein Wiederkummen kann uns allen helffen. Uff dem Plan one wan sicht man stan wolgethan lichte präune plümlein bei den gelffen. Durch das Gras sind sie schon uffgedrungen. Und der wald manigfalt ungezahlt ist erschalt. Daß er ward mit dem nie bas gesungen.
Ich son niet nach ihr sieht hätt ich Fried, des ich biet ob mir jemand komm daran zu trosten. Ich bin verzeiht meine Leid unvereit sind so breit ich nehm noch wer mich davon erloste. Liebesblicken kann ich schicken wilde es ist mein Klag alle Tag und Gedag als ein Zag Liebesblick lass mich bei Blickes Bilde.
Große Not mir entbot der mir droht auf den Tod; das ist Hildebolt von Berenreute. Irenfried und der Schmied werden Glied an eim Wied, daß sie mit Gemache lan die Leute! Berwin den mag niemand überhauzen. Amelot, Berenbolt han vergolt daß man sollt über mich gegeben hat zu Praußen.
Ich kam dar one var und gewahr zu ihr Schar; ich sah was die Gatelinge täten. Irenger und ihr mer gingen zwer hin und her mit ihr Kapelklingen, sam sie maeten. Do sprach ich: 'Nu wollt ich eines wetten, das ihr gedroht und ihr geschnod würde blod wie ihr freud niemand kund mit heres Kraft enfetten.'
Hildemar mit dem Haar, der kam dar. Ich nahm wahr wie er mit der Schonen wollte schimpfen. Hoch er sprang an ihr dank uff ein bank, die wars krank. Das sollte sie ihm preisen für ihr glimpfen das ihr beder Lieb sich muste schutten. Mir was ant, do ich empfand daß ihr Gewand sich entbannt und ihr kluges schapel must entrutten.
Ich klag euch her, diese mär. Seht ihr her, wartet wer! Wie sollt sie zu diesem Ding gebaren? Ihr nehmt sie gaum one Saum an eim Zaum in eim Baum. Um den Schaden da sollt er bejaren. Wollte er unter schönen Kinden walgen Hin und her, als ein zwer, als auch er hät die Ger, besser wär, er hing an einem Galgen.
Ich was vert nach gewert, dass ein Schwert ihm verehrt' ein halbes Knie seiner zehn Genossen: Enzeman lief ihn an; kaum entran er vondan. Er het nimmer mehr kein Meidt gestoßen. Würd ich noch zu Reuental gerochen, ich hät Heil, Freuden teil, und wär geil, ob ein Seil ihm hät alle Viere abgebrochen.
Signatur Homo homini lupus
(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) | WHISPER  Hohepriesterin
       

Status: Offline Registriert seit: 21.04.2005 Beiträge: 2724 Nachricht senden | Erstellt am 02.05.2005 - 20:11 |  |
Guter Freund Savertin : wäre es möglich, dass Ihr in dieser Maiennacht dem guten Weine etwas heftig zugesprochen.....Eure Zeilen sind sooo erbaulich also : Zum Segen allezeit !!! WHISPER
Signatur Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier... | Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4934 Nachricht senden | Erstellt am 02.05.2005 - 22:53 |  |
Nein, führwahr, das habe ich nicht. Allenfalls etwas dem Gerstensafte, doch wie gesagt, vielleicht tat der gute Walter dies...
Signatur Homo homini lupus
(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) | Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4934 Nachricht senden | Erstellt am 03.05.2005 - 21:02 |  |
Nun habe ich doch tatsächlich dem Walter was zugeschrieben, was der gar nicht verfaßt hat. Tststs. Wenigstens habe ich es noch erkannt. Selbstredend hat wohl eher der ehrenwerte Neidhart von Reuenthal dieses Lied verfaßt. Entschuldigt bitte.
Signatur Homo homini lupus
(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) | Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4934 Nachricht senden | Erstellt am 03.05.2005 - 21:43 |  |
Hier im die Übersetzung in unser heutiges Deutsch: Maienzeit, Freudenzeit, Fröhlichkeit weit und breit, Ihre Rückkehr kann uns Hoffnung geben. Auf dem Feld, wohlbestellt, wächst die Welt, wie's gefällt, Bunte Blumen, die zur Sonne streben. Manche Knospe ist schon aufgesprungen, Selbst im Wald ist's nicht kalt, wenn's schon bald laut erschallt, Wilder wird doch selten nur gesungen.
Große Not, denn mir droht ein Idiot mit dem Tod, Das ist Hildebold von Berenreute. Irenfried und der Schmied, jeder flieht, der sie sieht, Nur zum Spaß verfolgen sie die Leute. Ber'win ist der Schlimmste von der Bande. Amelolt, Berenbolt, hab'n gewollt, dass man Gold Für meinen Kopf bezahlt im Preußenlande.
Als ich sah: Sie sind da, ging ich Narr zu der Schar. Ich wollte wissen, was die Schnösel machen. Irenbeer protzte schwer, schwang den Speer hin und her. Die ander'n taten mit, es war zum Lachen. Da rief ich: "Nun wollt' ich eines wetten: Ihr gebt an, schmeißt euch ran, spielt den Mann, aber dann Beim echten Kampf, da flieht ihr in die Betten."
Da kam der behaarte Hildemar dazu. Ich sah, wie er mit der Schönen zu scherzen begann. Ohne sie zu fragen, sprang er neben sie auf die morsche Bank. Sie sollte es noch als großen Spaß loben, als die Bank einstürzte Und sie übereinander fielen. Mir wurde ganz anders, Als ich sah, wie ihr Kleid sich löste und ihr feines Kränzlein verrutschte.
Bitte sehr, lieber Herr! Seht doch her! Was noch mehr? Herr, ich klage euch diese Geschichte! Schaut hin! Greift ein! Sie konnte sich kaum wehren. Holt ihn weg gleich vom Fleck, in den Dreck mit dem Geck! An die Kandare, in den Kerker mit ihm! Da soll er ein Jahr lang büßen! Er will sich mit schönen Mädchen balgen! Pah! Unter Weibern will er sich wälzen Hin und her und in die Quer, als ob's gar nichts wär'! Pfui! Der hinge besser gleich am Galgen!
Unlängst wurde mein Wunsch fast erfüllt, Als das Schwert eines Gesellen ihm das halbe Knie abschlug. Enzemann griff ihn an, mit knapper Not konnte er entkommen. Sonst hätte er wohl nie wieder ein Weib gestoßen! Würde ich doch einmal gerächt im Reuental! Ich wäre glücklich, ich würde mich freuen, ich wäre begeistert, Wenn ein Seil ihm alle viere abbrechen würde!
Signatur Homo homini lupus
(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) | Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4934 Nachricht senden | Erstellt am 10.05.2005 - 14:35 |  |
Gerade die letzte übersetzte Strophe sollte dem ein oder anderen zu denken geben...
Signatur Homo homini lupus
(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) | Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4934 Nachricht senden | Erstellt am 15.09.2005 - 19:30 |  |
Hier nochmal Infos zu Neidhart und eine andere Übersetzung des gleichen Liedes:
NEIDHART VON REUENTAL
Neidhart von Reuental hat die Kunst des Minnesangs revolutioniert. Die Forschung sieht Neidharts Lebensdaten etwa zwischen 1180 und 1240. Gegen 1210 ist er erstmals literarisch nachzuweisen. Er war an bayrischen und österreichischen Höfen aktiv. Wenn man seinen Liedern glauben darf, musste er noch stärker als Walther ums Überleben kämpfen, erlitt Verfolgung und gesellschaftlichen Niedergang. Völlig unklar ist, ob es überhaupt ein Geschlecht von Reuental gibt oder ob dieser Begriff von ihm nur allegorisch verwandt wurde. Musikalisch gesehen, ist er die ergiebigste Quelle. Unter seinem Namen sind nämlich in mehreren Handschriften 56 Lieder mit Notation überliefert, mehr als von jedem anderen deutschsprachigen Minnesänger. Allerdings hält die Wissenschaft inzwischen davon nur noch gut 20 für "echte" Neidharts, bei den anderen spricht man von "Pseudo-Neidharts". Doch diese Trennung ist nicht unumstritten, da alle Lieder ohnehin erst nach jahrelanger mündlicher Überlieferung aufgeschrieben wurde - in voneinander mehr oder weniger stark abweichenden Versionen von Text und Musik. Fest steht: Seine Musik, seine Poesie und seine Themen waren nämlich über mehr als 200 Jahre ungeheuer populär, so dass man vermutet, dass in seinem Stil und in seinem Namen weitergedichtet und musiziert wurde.
Neidhart geht auf sehr originelle Weise mit der Minnesang-Tradition um. Er benutzt die typischen, oft hochkomplexten Formen des Minnesangs, um die Lieder nach einer oder zwei hehren Eingangsstrophen im Stil der alten Meister plötzlich mit handfesten und derben Sujets fortzuführen. Rangeleien auf dem Tanzplatz, die Unverschämtheit der Bauernburschen, die Bosheit und Gemeinheit der gar nicht so edlen Damen sowie die Ungerechtigkeit der Umwelt gegenüber dem Sänger - das sind die Themen, die immer wieder variiert werden, wobei bestimmte Namen und Vorkommnisse immer wieder auftauchen: der tumbe Irenbeer mit seinem Speer, der eitle gelockte Hildemar mit seiner Haube, die holde Friedrun, der vom dreisten Engelmar den Spiegel gestohlen wird - im Gegensatz zur statischen Szenerie der meisten Minnelieder herrscht bei Neidhart immer Bewegung und "Action". In den Liedern spiegelt sich aber auch der Niedergang des Rittertums, der mit einem Aufstieg der Bauernschaft einhergeht: Nur zu oft zieht der edle Sänger gegenüber den rohen Burschen den Kürzeren, auch wenn ihn die Damen lieben. Hier eins der bekanntesten Lieder, die unter Neidharts Namen überliefert sind, die "Maienzeit": Nach dem obligatorischen Natur-Eingang in der ersten Strophe folgt eine drastische Schilderung prallen mittelalterlichen Lebens. Auch musikalisch herrscht ein volkstümlicher Ton vor.
MAIENZEIT
Mayen zeit one neidt. freuden geit. wider streit. sein widerkumen kan vns allen helffen. uff dem plan. one wan. sicht man stan. wolgethan lichte praune plumlein bey den gelffen durch das gras sind sie schon gedrungen. und der walt manigualt. vngeczalt. ist der schalt. das er ward mit dem nie pas gesungen.
Ich sung nit nach irem sitt. hett ich frid. des ich bitt. ob mir yemant kome daran zu trost. Ich pin verczaidt meine laidt. unueriaigt. sind noch brait ich nem es noch wer mich dauon erlost. liebes plick kan mich schiken wilde. es ist mein clag. alle tag. vnd gebag. als ein zag. liebes plick las mich bej blickes bilde
Grosse not mir empot. der mit drot. auf den tod. das ist hildebolt von bernreute Irrenfrid. vnd der smid. werden glid. an eim wid. das sie mit gemach lan die leute Berwin den mag nyemant vberhausen. Amelolt Berinbolt handt verdolt das man soldt. vber mich geben hat zu prewssen.
Ich kam dar ane far. ungewar. zu Irer schar. Ich sahe was die gattellinge thetten. Irrenper. vnd Ir mer. giengen encwer. hin und her. mit iren kappelklingen. sam si moten. do sprach ich na wolt ich eines wethen. Das ir gedrod. vnd ir geschnod. wurd plode. wie ir freud. nyemant kunt mit heres krafft empfhetten
Maienzeit, Freudenzeit, Fröhlichkeit weit und breit, Ihre Rückkehr kann uns Hoffnung geben. Auf dem Feld, wohlbestellt, wächst die Welt, wie's gefällt, Bunte Blumen, die zur Sonne streben. Manche Knospe ist schon aufgesprungen, Selbst im Wald ist's nicht kalt, wenn's schon bald laut erschallt, Wilder wird doch selten nur gesungen.
Aber ich schreibe nicht mein Gedicht übers Licht, Dieser Mai kann mir nicht Frieden bringen. Diese Zeit ist voll Leid, fühle Neid, suche Streit, Will jetzt keine Frühlingslieder singen. Werden wir die Liebe wieder sehen? Ich verzage alle Tage, wenn ich klage und euch sage, Selbst die schönste Blüte muss vergehen.
Große Not, denn mir droht ein Idiot mit dem Tod, Das ist Hildebold von Berenreute. Irenfried und der Schmied, jeder flieht, der sie sieht, Nur zum Spaß verfolgen sie die Leute. Ber'win ist der Schlimmste von der Bande. Amelolt, Berenbolt, hab'n gewollt, dass man Gold Für meinen Kopf bezahlt im Preußenlande.
Als ich sah: Sie sind da, ging ich Narr zu der Schar. Ich wollte wissen, was die Schnösel machen. Irenbeer protzte schwer, schwang den Speer hin und her. Die ander'n taten mit, es war zum Lachen. Da rief ich: "Nun wollt' ich eines wetten: Ihr gebt an, schmeißt euch ran, spielt den Mann, aber dann Beim echten Kampf, da flieht ihr in die Betten." (Hochdeutsche Nachdichtung: Lothar Jahn)
Signatur Homo homini lupus
(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) | witchi  Der Burgherr (Admin) freier Ritter
       

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 2900 Nachricht senden | Erstellt am 15.09.2005 - 19:50 |  |
einfach ein wunderschönes lied 
Signatur Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen. | whisper  Hohepriesterin
       

Status: Offline Registriert seit: 21.04.2005 Beiträge: 2724 Nachricht senden | Erstellt am 16.09.2005 - 09:14 |  |
In der Tat, Savertin, ein herrlicher "Fund". Gibt`s von dem guten Neidhart noch mehr , was man hier posten könnte ?
Signatur Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier... | Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4934 Nachricht senden | Erstellt am 17.09.2005 - 08:52 |  |
Na klar, der hat eine Menge geschrieben, der Ösi! Hier im übrigen noch ein Bild von Neidhart in der Mitte seiner Groupies und Fans:

Der maide muoter
1. Kinder ir habt einen winter an der handt daß die kleinen vogelein gesanges muoß verdrießen darumb faltet euer feyertäglich gewandt legt es schoen in einen schrein und haißet euchs versließen und behalt es schoen unz in den mayen niemant kan die pluomen für gehayen jârlang trauren alle stolze layen
Kinder, ein solcher Winter steht vor der Tür, daß die kleinen Vöglein keine Lust auf Gesang haben. Darum faltet euer Feiertagsgewand zusammen, legt es ordentlich in den Schrank und verschließt diesen gut und hebt es gut auf bis zum nächsten Mai. Niemand kann die Blumen länger pflegen, zu dieser Jahreszeit trauren alle hochgemuten Laien.
2. Wer sich auß der mâßen nach den pluomen senet sprach ein wolgethane maidt der hat nicht sinne wes die man die frauen lang zeit hand gewenet da ist mir wunder von gesait das da heißet minne des will ich mich heuer unterwinden man sol mich in hôhen freuden finden dasselb rat ich auch allen stolzen kinden
„Wer sich übertrieben nach den Blumen sehnt", sprach ein hübsches Mädchen, „der hat seine Sinne nicht beisammen. Was Männer den Frauen seit langer Zeit angewöhnt haben, dieses Wunder wurde mir erzählt, das nennt man die Liebe. Dieser will ich mich heuer unterziehen, man soll mich in 'hohen' Freuden vorfinden. Das selbe rate ich allen hochgemuten Mädchen."
3. Dieselbig rede ward der maide muoter laid sie sprach tochter alle man soltu vermeiden was ob dir ein tummer von der minne sait der nicht wol zuo der minne kan der will dich verschneiden wie er deine freund an dir beswære zuo allen zeiten ist er dir gevære müeterlein ja muet mich euer mære
Dieses Gerede gefiel des Mädchens Mutter nicht Sie sprach: „ Tochter, alle Männer sollst du dir fern halten! Was, wenn dir ein Dummkopf die Liebe erklärt, der selbst keine Ahnung von der Liebe hat? Der will dich reinlegen! Genauso wird er deinen Verwandten Sorgen bringen, weil er ständig dir hinterlistig nachstellt." „Mütterlein, mich ärgern deine Schauermärchen!"
4. Tochter ergêt es dir als es mir ergieng dô ich was in deiner hait und ein lutzel thummer ein vil stolzer ritter kund mein gefieng der pracht mich in arbait und in senden kummer sô zuhant muost mir dâ freud entweichen alsô ergêt es dir und Amelreichen muoter auf die mann will ich mich streichen
„Tochter, euch wird es so wie mir ergehen, als ich in deinem Alter war und um einiges noch dümmer. Ein prächtiger Ritter hat mich 'gefesselt', der brachte mir Not und Liebeskummer. So mußte ich meine Freude verlieren, gesauso geht es dir und Amelreich." „Mutter, nach Männer möchte ich mich umsehen.
5. Der ritter und der knaben der hân ich wol die wal der will ich mir einen welen der mir nicht enpfliehe meine sinn die râtend mir gein Ruobental man soll mir den schaden zelen ob ich misseziehe Nûn far hin gein Ruobental vil schnelle dâ magstu des hungers wol geswellen ja, daß tausent teufel auß dir pellen
Ritter und Junker hab ich zur Auswahl. daraus wähle ich mir einen, der mir nicht entflieht. Meine Sinne weisen mich ins Reuental. Man soll mir nur den Schaden beweisen, ob ich dabei schlecht entscheide." „Dann verschwinde sofort ins Reuental, da wirst du so an Hunger verschmachten, ja, daß tausend Teufel aus dir bellen."
6.Solt ich darumb lâßen meinen hôhen muot daß ir mir von den mannen sagt sô vil poeser mære sô wurd ich an keinen freuden nimmer fruot wolt ich dorumb sein verzagt wie thumme ich denn wære davon lâßt ir fürpaß euer schelten ich will sein an freuden nicht engelten muoter der euern lêre der volg ich selten
„Sollte ich deshalb auf meinen Spaß verzichten, weil ihr mir von den Männern so schlimme Schauermärchen erzählt, so würde ich niemals mehr Freude erleben. Erschreckte mich schon das, wäre ich ziemlich dumm. Jetzt laßt doch euer Schimpfen sein! Ich werde mir die Lebensfreude nicht nehmen, Mutter, eurer Lehre folge ich niemals."
T&M: Neidhart von "Reuental" (1. Hälfte 13. Jh.)
[Dieser Beitrag wurde am 17.09.2005 - 09:01 von Savertin aktualisiert]
Signatur Homo homini lupus
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